Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1933)
- Date
- 1933-02-03
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 48 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 10, 3. H. 1933 Geschichte der Jüd. Gemeinde Kassel (B8. F. Kasseler Synagogengeschichte von Rudolf Hallo. Kassel 1932.) I Rudolf Hallo | ln Hamburg, wo er einen wissenschaftlichen Vortrag hielt, ist am 2$■ Januar, 36jährig, der Leiter det Kasseler Kupferstichkahinelts und der Bücherei der Staatlichen Kunstsammlungen, Dr. Rudolf Hat 10, einer Grippe erlegen. Der Hingang Hallos bedeutet nicht nur für das Judentum, sondern für die deutsche Kunstwissenschaft einen unerset.-lichen Verlast. Im jüdischen Blldungswesen .’piche der Verstorbene eine hervorragende Holle. Er gehörte auch zu den Gründern und Dozenten des ,,freien Jüdischen Lehrhauses•• in Frankfurt a. M. Die Bestattung hat am Montag, dem 30. Januar, auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde Kassel stattgrfnndcn, — Vor kurzem erschien als Hauptwerk des Ventorhenrn die ,,Kasseler Synagogengeschichte'', die von Dr. Karl Schwarz für die ,Jüd. Rundschau" besprochen wurde. Wir glauben das Andenken Hallos dadurch zu ehren, daß wir diese Besprechung, die, seit längerer Zeit gesetzt, wegen. Raummangels, immer wieder zurückgestellt werden mußte, hier veröffentlichen. Red. Im Jahre 1927 beschloß die israelitische Gemeinde Kassel die Abfassung einer Darstellung von Geschichte, Recht, Kultur und Kultus der Kasseler Gemeinde, deren erster Teil nunmehr vorliegt. Das Werk, das in seiner umfassenden Art fast ohne Vorbild unter der deutsch-jüdischen Geschichtsschreibung dastcht, verdient weitgehendes Interesse, da hier unter Heran- Ziehung des gesamten erreichbaren bis dahin z. T. unbekannten Aktenmatcrials und aller Kulturdenkmäler ein lebendiges Bild jüdischer Geschichte gegeben wird, das viele allgemein wichtige Fragen bisher wenig beachteter jüdischer Kultnrforsclning anschneidet. Dr. Rudolf Hallo, der verdienstvolle Frforsther hessischjüdischer Kunst- und Kulturgeschichte, der in Gemeinschaft mit Rechtsanwalt Dalberg und Landesrabbiner Dr. Walter als Herausgeber des Gesamtwerkes zeichnet, gibt im ersten Band mehr als die Kasseler Synagogengeschichte, deren sehr interessanter Verlauf eingehend geschildert wird. Um es gleich vorwegzunehmen, scheint uns in dem 11. und IV. Kapitel, in denen Kunst und Handwerk der Juden behandelt wird, der wertvollste Teil seiner Forschungen /u liegen, denn hier wird nun ersten Male dieses wichtige' und in fast allen Geschichtswerken stark vernachlässigte Gebiet jüdischer Betätigung in erschöpfender und übersichtlicher Weise dargestellt. Erst seit dem letzten Viertel des 11, Jahrhunderts ist die Anwesenheit von Juden in Kassel bezeugt. Gegen 1360 scheint der erste Friedhof geschlossen, vor 1385 bis 1557 ein zweiter am heutigen Kömgsplatz belegt worden zu sein. Von beiden ist ebensowenig bekannt wie von 15er 1393 erstmalig erwähnten Synagoge. 1524 wurden die Juden aus dem gesamten Gebiet Hessen-Kasse! vertrieben, aber bereits nach acht Jahren wieder zugelassen. Von 1539 stammt die erste Judenordnung, derzufolge nur einzelnen Juden der Aufenthalt in der Stadt erlaubt war. Um 1600 bildet sich die Gemeinde in dem benachbarten Bettenhäuser!, wo sich der Begräbnisplatz befindet, von dem aber erst Steine seit 1680 bekannt sind. Von 1649 bis 1772 befindet sich der Sitz, des Rabbiners in Witzenliausen. 1712 erhält die Familie des Hofjuden Goldschmidt das Recht auf Abhaltung privaten Gottesdienstes und hiermit beginnt die eigentliche Synagogengeschichte der Kasseler Gemeinde. 1716 wird die Synagoge im Wilckesehen Flause erbaut, die 38 Manner- und 20 Frauenstände enthielt, ein recht unansehnlicher Bau, dessen innere Ausstattung, namentlich durch künstlerische Textilien, aber einen gewissen Reichtum der Gemeinde dokumentiert. Aus diesem älteren Bau, der 1753 auf 70 Männer- und 39 Frauenplätze erweitert wurde und bis 1827 in dieser Form bestand, kennen wir das künstlerisch angelegte Memorbuch von 1725 von dem Thoraschreiber Isaak ben Rabbi Juda Lob und vier Thoravorhänge, deren Bestand dann um weitere neun Vorhänge vermehrt wurde. Silberarbeiten sind erst aus der Zeit von 1703 vorhanden. Unter der Synagoge befand sich bis 1812 das Frauenbad. Das stete Anwachsen der Gemeinde führt 1789 zu Heberfüllung des zu kleinen Gotteshauses. Es gibt bereits 480 Männer und 350 Frauen! Außerdem erfordert die Baufälligkeit des Gebäudes und die unwürdige Nachbarschaft (es befinden sieb neben ihr Schweineställe, deren übler Geruch Unerträglich ist) einen Nr.ihau, dessen Beginn sich aber bis 1316 hinzieht. Hallo gibt zum erstenmal eine genaue Darstellung des langwierigen und komplizierten Kampfes, der vielen sachlichen und theoretischen Debatten, der für die damalige Zeit sehr aufschlußreichen prinzipiellen Einstellung der deutschen judenheit zu den künstlerischen, historischen und religiösen Erwägungen eines Synagogenbaues sowie der schließlich ausschlaggebenden Meinung der Behörden. Die Projekte von Scluichardt in klassizistischem, von Bromeis in ägvptizistischem Stil und von Ruhl werden schließlich durch einen in sogenanntem Rmulbogenstil verdrängt- Nach zwangsweiser Schließung der alten Synagoge wegen Einsturzgefahr im Jahre 1827 wird 1810 der Ankauf des Wolffschen Gartens als Baugelände beschlossen, nachdem man einen vom Kurfürsten als Geschenk angebotenen Platz unbegreiflicherweise abgelehnt hat. Dort entsteht in den Jahren 1836—39 das noch heute — allerdings inzwischen mehrfach umgebaute —- Gotteshaus, das nicht, wie man bisher annahm, ausschließlich von dem aus Kassel gebürtigen jüdischen Arcliitekten Albrecht Rosengarten stammt, sondern von ihm nur seine Fetzte innere Ausgestaltung erfahren hat. Mit der Bau- und Verwaitungsgeschichte ist aber das lebendige Bild der Gemeinde keineswegs erschöpft. Zwar finden wir hier viele jüdische FFandwcrker beschäftigt und es zeigt sich, daß fast die gesamte Inneneinrichtung von jüdischen Händen stammt. Besonders wertvoll ist die Zusammen- Stellung der beruflichen Schichtung der Kasseler Juden. Im 15. und 16. Jahrhundert gab es Aerzte, Sprachlehrer, Finanzleute und Posthalter, im 17. Jahrhundert tauchen handwerklieh arbeitende Juden auf, im 18. Drucker, Schreiber und Paramentcnsticker. Der Kreis erweitert sich schnell und man findet in einer übersichtlichen Liste alle Arten von Handwerkern, wie Schreiner, Schlosser, Buchbinder, Tapezierer, Drechsler, Stein- Schneider, Silberarbeiter, Gelbgießer u. a. m. Der Sohn des angesehenen Miniaturenmalers Leo Pinhas, Salomon, wird 1788 Hofminiaturmaler. Seine Bildnisse des westfälischen Konsistoriums (im Jüdischen Museum zu Berlin) zeigen seine hohe Kunst. Salomons Sohn betätigt sich als Porträtstecher. Namhafte Künstler und Handarbeiter liefert die Familie Fiorinos, ihr bedeutendster Vertreter Jeremias David Alexander wurde 1797 in Kassel geboren und hintcrließ eine große Zahl ausgezeichneter Miniaturmalereien. Zwei seiner Brüder waren als Mechaniker und Optiker tätig. Unter den Künstlern sind zu nennen: Wolf Rinald (185—1860) und Philipp L. Fcidel, der 52 jährig 1835 starb, der Silhouettenschneider Beermann, der unglückliche Max Lieberg (1856—1912), der Historienmaler Louis Katzenstein und der Illustrator Adam Rosenzweig (!826—1908) und schließlich auch die durch vier Generationen tätige Familie Hallo, der der Verfasser selbst entstammt. Die bereits erwähnten Textilien der Synagoge, meist prächtig gearbeitete Vorhänge, weisen die Namen meisterlicher Nadelarbeiter auf. Und so dokumentiert sich denn in dieser Gemeinde voller kiinstlerischen Ehrgeizes mancherlei Talent, dem nur, wie so vielerorte, die große plastische Begabung, die freie künstlerische Entfaltung, die Ueberwindung der intellektuellen Hemmungen durch eine über ausreichende schöpferische Kräfte gebietende Phantasie fehlt. Hallos neues Werk weist daher über den Rahmen des nur Geschichtlichen den Weg zu der noch nicht genügend erforschten una dargestellten psychologischen Erklärung jüdischer sozialer und wirtschaftlicher Struktur. K. Sch. Vermischtes Der Alt-Herren-Bund des Bar Kochba-Hakoah voranstallet anläßlich seines zehnjährigen Bestehens am Sonnabend, dem 11. Februar, in den Leon-Sälen, Kurfürstendamm (Haus Kabarett der Komiker), einen Gesellschaftsabend mit Tanz, Im Programm: Curt Bois, Manfred Geis, Alexander Granach, Gad Schelaso u. a. Die Festansprache hält der Mitbegriinder des Bar Kochba-Hakoah, Herr Professor Heinrieh Loewe. Fm Rahmen dieser Veranstaltung findet eine Ehrung aller Mitglieder des Klubs statt, die 25 Jahre und länger dem Klub angehören. Eintrittskarten: 2 M., im Sekretariat, Oranienburger Str. 60/63, in allen Abteilungen des Bar Kochba-Hakoah, und bei S. Pinkus, Markgrafenstr. 49, Telephon: A6 9611. Erste Landeskonferenz der Sozialistisch-Zionistischen Vereinigung Poale Zion Hapoel Hazair Sonnabend, 11. Februar, 20(4 Uhr, im Logenhaus, Joachimsthaler Str. 13 (Bhf. Zoo). Programm: 1. Eröffnungsansprache — S. Adler- Rudel. 2. Begrüßungen. 3. Die Lage in Palästina und im Zionismus — Ref.: B. Locker. 4. Der Weg des sozialistisehen Zionismus in Deutschland — Ref. Fritz Löwenstein. — Eintrittskarten für NichtmitgliedeT RM. 1,—, für Parteimitglieder 0,50, für Jugendliche und Erwerbslose 0,20 in der B. Z. V., Meinekestr. I0, im Bcth Am Iwri, Kurfürstendamm 61, und im Sekretariat, Gr. Präsidentenstr. 1. — Die Konferenz- Beratungen werden am 12. Februar, 10 Uhr vorm., in dem Räumen des Beth-Am iwri, Kurfürstendamm 61, fortgesetzt. Chawerim, die auswärtige Delegierte bei sich aufnehmen können, werden gebeten, dies dem Sekretariat, Gr. Präsidentenstr. 1, Weidendamm 3985, mitzuteilen. Die Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina teilt mit: Unser neuer Schulungskurs beginnt Montag, den 6. Februar, abends 8.30 Uhr, im Sitzungssaal, Meinekestr. 10. Er soll eine Einführung in die Tatsachen und Probleme Palästinas geben. Da dieser Kurs, ebenso wie irn Vorjahr, einen zusammenhängenden Zyklus darstellt, möchten wir dringend empfehlen, sich die Abende für die einzelnen Vorträge freizuhalten, da keine weiteren Einladungen versandt werden. Progra mm: 6. Februar: 1. Haifa, Karmel, Kischon-Ebene, Haifa- Bucht; Ing. Joseph L o e w y, Haifa. 13. Februar: 2. Tel-Awiw, Städtische Siedlung, Selbstverwaltung, Industrie; Dr. Ernst Mechner. 20. Februar: 3. Ländliche Siedlungen in der Orangenzone, Entwicklung der Siedlungsgeschichte, Arbeits- Probleme (Referent wird noch bekanntgegeben), 27. Februar: 4. Das Emek und seine Probleme, Siedlungsformen, Wirtschaftsformen; Dr. Fritz Locwenstein. 6. März: 5. Nationale und private Kolonisation, Kulturelle Institutionen, Arbeiter- und Jugendorganisationen; Dr. Fritz L 0 e w e n s t e i n. 13. März: 6. Unter- und Obergaliläa, Wasserwirtschaft, Elektrizität, Heilquellen, Subtropische Früchte (Referent wird noch bekanntgegeben). 20. März: 7. Jerusalem als Stadt der Vergangenheit und Hauptstadt Palästinas; Dr. Elias Auerbach. 27. März: 8. Lebendige Verbindung mit dem Lande; Dr. Georg Wo IIstein. Die Purimreise des K. J. V. Wir müssen den Meldeschluh vom 6. Februar für diese Reise einhalten und •bitte!! sämtliche Intcreccenten an unserer Purimreise um sofortige Einsendung der Fragebogen. Zusammen mit diesen erbitten wir eine Anzahlung von 150 M. pro Person auf das ״Postscheckkonto Nr. 601 59 Palästinareisefonds Rechtsanwalt Walter Katschke“. Preis der Reise mit Dampfer ״Champollion“ llb-IClasse ab Marseille, ab Fiaifa III. Klasse mit Dampfer ״Italia“ 570 M. inkl. Landaufenthalt. Für die Peßachreise mit Dampfer ״Vulcania“ ab Neapel am 5. April ist der Meldeschluß der 20. Februar. Umgehende Anmeldüngen erbeten an das Präsidium des K. J.V., Palästina- Ressort. Für Reisende nach Palästina wird es von Interesse sein, zu erfahren, daß der Llovd Triestino — um der starken Nachfrage nach Plätzen zu genügen — sich entschlossen hat, den großen Ozean-Dampfer ״Martha Washington" an Stelle des Dampfers ״Carnaro“ im wöchentlichen direkten Dienst nach Palästina einz.usetzen, und zwar für die Abfahrten ab Triest am 15. Februar, 1., 15. und 29. März. Für diese Abfahrten stehen somit noch genügend Plätze zur Verfiigung. Weitere Auskünfte und Platzbelegungen durch die Gencralagentur des Lloyd Triestino, Berlin NW 7, Unter den Linden 47, Telephon: AI Jäger 0416. Palästinareise der Wizo. Die Wizo teilt mit: Wir bitten alle diejenigen, die sich dieser besonders vorteilhaften Reise anschließen wollen, die mit den versandten Prospekten erhaltenen Fragebogen möglichst schneit einzusenden, damit wir einen Ueberblick über die Teilnehmerzahl haben können. Die Reise beginnt am 5. April in Neapel auf dem 24 000 t großen Amerikadampfer ״Vulcania“. 23 Tage im Land sollen ein mögliehst umfassendes Bild des heutigen Palästina geben. Preis der Gesamtreise inkl. aller Besichtigungen H. Klasse 680 M., III. Kl. 580 M. Es ist auch möglich, sich nur an den gemeinsamen Schiffsreisen zu beteiligen. Anmeldungen erbitten wir an das Büro des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Wizo-Chor. Die nächste Probe findet am Dienstag, 7. Februar, 8 Uhr. im Beth-Am, Kurfürstendamm 61, statt. Jüdische Studentenseelsorge. Die nächste Veranstaltung findet Mittwoch, den 10. Februar, abends 8(4 Uhr, in dem neuen Zentraljugendheim der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Str. 31, statt. Herr Rabbiner Dr. Wiener referiert über ״Der religiöse und der are'igiöse Mensch“. Anschließend Diskussion. Alle jüdischen Studierenden sind eingeladen. — Ferner hält Herr Rabbiner Dr. Wiener am Freitag, dem 24. Februar, anläßlich des Freitag-Abend-Gottesdienstes um >47 Uhr in der Syn. Fasanenstraße eine besondere Ansprache an die Studenten. — Kursus Bevölke« rungsprobleme. Am fünften und letzten Abend des Kurses, Donnerstag, 9. Februar, 20*4 Uhr, in der Fasanen- Straße 79/80, wird das Bevölkerungsproblem der Juden im Ausland ochandelt, insbes. in Palästina. Anschi. Diskussion. Jüd. Studierende sind eingeladcn. Bildmaterial für eine Palästina-Ausstellung. Dr. Elias Auerbach schreibt uns: Zionistische Jugendbünde beabsichtigen, eine große Palästina-Ausstellung vorzubereiten. Für eine solche Arbeit werden, wenn sie modernen Ausstellung«- Prinzipien entsprechend ausgcstaltet werden soll, zahlreiche Photographien fiir Photomontagen u. a. benötigt. — Auf der zweiten zionistischen Berliner Stadtkonferenz habe ich in meinem Referat den Vorschlag gemacht, systematisch Negalive von Palästinabildern zu sammeln; hier haben wir zum erstenmal die Möglichkeit, solch eine Sammlung von Palästinaphotos praktisch zu verwerten. Einsendungen an die Adresse: Adi Nachmansohn, Berlin W, 15, Meinekestr. 10. Purlmsplel. Märchenstegreif fiir ca. 8 Kinder. Manuskript mit Aufführungsrecht für 3 M. Frankfurt a. M., Oaußstr. 10, Irma Dresdner. (Siehe Inserat.) Ostjüdische Tischgesellschaft der westlichen Bezirke. Treffpunkt: Sonnabend, den 4, Februar, 8(4 Uhr abends, im Restaurant Veit, Kurfürstendamm 22. Jüdisches Abendheim derFrauen-Arbeltsgemeinschaff für Palästina in Charlottenburg, Berliner Str.27. Geöffnet Jeden Montag und Donnerstag, abends von 7 bis 10 Uhr. Es ergeht besonders an die jüdische Jugend der Ruf, sich dort häufig einzufinden. Jüdische Schule Klopstockstraße 58 (eine Minute vom Bahnhof Tiergarten). Oster-Anmeldungen für Knaben und Mädchen für sämtliche Klassen und für den hebräischen Kindergarten an allen Wochentagen von 12 bis 13 Uhr bei der Schulleiterin Frau Nathan. Kinder, die einen weiten Schulweg haben, können von den verschiedenen Sammelstellen aus regelmäßig in Begleitung von Lehrerinnen hin und zurück fahren. ״Kaftan" in Berlin. Maxim Sakaschansky und Ruth Klineer sind von ihrer Tournee, die ein Jahr dauerte und durch fast alle Hauptstädte Europas führte, zurück und eröffnen ihre Purimspielzeit mit einem einmaligen Gastspiel am Sonnabend, dem 11. Februar, im ״Babylon“, Büiowplatz. Wie schon mitgeteilt, lieb Sakaschansky bei seinen Gastspielen K.K.L.-Sammlungen vornehmen, so daß der Palästina-Fonds dieser Tournee eine ansehnliche Summe verdankt. Wohliahrtsmatinee des Bachurimvereins am Rabbinerseminar zu Berlin am 12. Februar, 11.15 Uhr, zugunsten seines Stipendienfonds in den Bavaria-Lichtspielen, Fricdrichstr. 180 (Ecke Taubenstraße). Naturfilm ״Weiße Schatten“. Darbietungen der Jüdischen Orchester-Vereinigung, Couplets des Herrn Dr. S. Hildesheimer u. a. Karten sind zu haben bei den Seminaristen, im Verwaltungsraum, Artilleriestr. 31, und an der Tageskasse. Der Snif Nord des Beth-Am Iwri in Berlin N 54, Alte Schönhauser Str. 35/1, eröffnet demnächst hebräische Sprachzirke! für Erwachsene. Die Zirkel finden zweimal in der Woche statt und werden von den Herren M. Rojanski und M. Schianger geleitet. Auskunft und Anmeldung ebenda, wie auch bei Herrn W. Salles, Grenadierstr. 30; Tel.: D2, Weidendamm 9966. Vereinigung für die Interessen der Alten Synagoge. 4. Februar, abends 8 Uhr, Rosenstr. 2 -4. Vortrag von R.-A. Sammy Gronemann: ״Jüdisch-forensische Bilder“. Fortsetzung des Zyklus: ״Gesänge, die wir in der Synagoge nicht hören!“ Vortragender Oberkantor Manfred Lewandöwski. Gäste willkommen. Jüdisches Bergheim am Keilberg. Nachdem nunmehr reichlich Schnee gefallen ist, treffen sich Sonnabend und Sonntag die Sportler aus Leipzig, Chemnitz und der C. S. R. im Heim. Auch Dauerbesucher haben sich jetzt in großer Zahl angemeldet. Darum ist es notwendig, daß alle Zimmerbestellungcn, besonders für Sonnabend Nacht, bis Freitag Mittag an den Deutschen Kreis des Makkabi-Weltverbandes, Berlin W 15,. Meinekestr. 10, erfolgen. Köln. Der zionistische Sportklub Bar Kochba Köln veranstaltet anläßlich seines zehnjährigen Bestehens Sonntag, den 12. März, ein Purim-Kinderfest, das vom Makkabi Hazair_ durchgeführt wird. Sonnabend, den 25. März, findet in allen Räumen der Lese ein Bühnenschauturnen mit anschließendem Ball statt, das gemeinsam mit dem KKL organisiert wird. Viele führende Persönlichkeiten der jüdisehen Oeffentlichkeit sind dem Ehrenkomitee des Bar Kochba beigetreten. . ״Salome“ in der Städtischen Oper, ln diesem Werk ersteht vor uns die Welt des alten Judaea, freilich nicht aus der Zeit seiner Größe, sondern aus der Zeit des tiefsten Verfalles, der Fremdherrschaft, Völkermischung, Verzweiflung und Erniedrigung. Hier ereignet sich am römisch-iudäischen Fürstenhof, wo Bluttaten an der Tagesordnung sind, die Epsode unbeschreiblichen Grauens, der Racheakt der Herodias an Jochanaan (in seiner Historizität übrigens umstritten); und durch moderne (nichtjirdische) Autoren der 20. Jahrhundertwende wird diese Uebcrlieferung in den Bereich sexualpathologischer Perversität gezogen. Diese Atmosphäre ״ortentaiisch‘'-schwüler Sinnlichkeit, dämonischer Leidenschaften, hemmungsloser Sündhaftigkeit ist der Hintergrund, aut dem sich die künstlerische Gestaltung Oskar Wildes und vor allem die aufwühlende Tonmalerei Richard Strauß’ ausprägt. Vom jüdischen Standpunkt ist dieses Werk sicher nicht erfreulich; und der Versuch, mauschelnde Juden, die der antijüdischen Haßvorstellung entsprechen, in die Zeit des Altertums versetzt, musikdramatisch zu zeichnen, könnte verstimmen, wären wir nicht unbefangen genug, die hohe Könnerschaft auch in diesen Szenen anzuerkennen. Messias-Erwartung und Erlösungssehnsucht kämpfen im Volk mit Skepsis und einem an vielen Erfahrungen und durch Studium alter Ueberlieferungen geschulten Verstand. Aber schließlich ist auch in dieser Verzerrung noch das gottsuehende Volk zu erkennen. ״Salome“ ist ein Drama des jüdischen Unglücks, ein Stück jüdischer Volksgeschichte. Und die sinnliche, glutvolle Musik von Strauß schafft ein Werk von stärkstem dramatischen Leben, Das Werk hat in der Städtischen Oper unter Leitung von Fritz Stiedry eine unvergleichliche packende Neu-Auffiihrung erlebt. Eine Reihe ausgezeichneter Sänger stehen im Dienst der Sache. Zu nennen vor allem Frau Nemeth als Salome, gesanglich ebenso hervorragend wie darstellerisch, lernet Reinmar und Burgwinkel. Es ist ein Ehrenabend der Städtischen Oper, die sich in letzter Zeit immer von neuem durch glanzvolle Darbietungen auszeichnet. * s. I. Alexander Kipnis singt jüdische Lieder. Der große Sanger Alexander Kipnis gab im Logenhaus zugunsten des Tournalistenvereins einen Liederabend. Seine Vorzüge sind bekannt: er ist gegenwärtig fraglos einer der bedeutendsten Liedgestalter; seine Stimme ist warm, verinnerlicht, sein Ton immens tragfähig. Nach einer aparten Zusammenstellung solcher Schubert- und Schumannlieder und Händel-Arien, die man selten zu hören bekommt, folgte der Eindrucksvollste Teil des Konzerts: eine Reihe von russischen und jüdischen Gesängen, Besonders die russischen Volkslieder sind Kipnis eigenstes Gebiet, jedoch entzückte auch gerade die humor- und gemütvolle Wiedergabe zweier jüdischer Lieder; nur wären hier eine andere Wahl und bessere Bearbeitungen wünschenswert gewesen. Das Publikum jubeite. — fm Anschluß an das Konzert fand ein Bankett statt, das durch ausgezeichnete Reden (Hermann Swet, Jakob Lestschinsky, Alexander Kipnis) gekrönt wurde. Der Sänger — der übrigens bei den kommenden Bayreuther Festspielen den Gurnemanz singen wird — stellte *mit großer Liebens- Würdigkeit für künftige Zeiten seine fernere Mitwirkung in Aussicht. Es war eine in jeder Beziehung gelungene und erfreuliche Veranstaltung. A. J.-L. Das 4. Konzert des ״Symphonischen Tonkünstler-Orchester Berlin“ unter Leitung des Dirigenten Mario Bronza fand am 27. Januar statt und nahm einen sehr gelungenen Verlauf. Der Dirigent und seine Mitarbeiter zeigten an klassischen Werken wie der 8. Beethoven-Symphonie ihr hohes Können und fanden freundlichen Beifall.