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Jüdische Rundschau · 1933-02-03 · Heft 10 (3.2.1933) · p. Seite 46

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 10 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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Seite 46 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 10, 3. II. 1933 dem Wirtschafts- und Kulturleben systematisch herausgedrängt werden, ist die psychologische Situation völlig durch den Antisemitismus bestimmt. Dies hat allerdings auch die Rückwirkung, daß der Jude wieder weiß, daß er Jude ist, da er verhindert ist, es zu vergessen. Aber das Gefühl, überall von Menschen umgeben zu sein, deren geistige Nahrung der ״Angriff“ und der ״Völkische Beobachter“ mit ihrer infernalischen Judenhetze sind, ist nicht erhebend. Wir waren stets überzeugt, und die ״Jüdische Rundschau“ hat es immer wieder betont, daß die längst nicht mehr als bloße Partei zu betrachtende nationalsozialistische Bewegung für die öffentliche Meinung maßgebend geworden ist und schließlich auch Machtpositionen erobern wird. Darum war es Selbst* täuschung, darauf zu bauen, daß dieser oder Jener gelegentlichc Machtinhaber, von jüdischen Vereinen angegan* gen, tröstliche Versicherungen für die Zukunft abgab.׳ Wohl verstehen wir, daß man auch solche Schritte zweckmäßig unternehmen kann, aber wenn man sie dam benützt, um die Juden zu beschwichtigen und einzuschläfern und das erwachende Verständnis der Juden für die Judenfrage zuumnebeln, dann schaden derartige Aktionen fast mehr als sie nützen. Von großen jüdischen Organisationen wird noch in diesem Monat als einzige Weisheit verkündet, daß ״es eine Judenfragc nicht gibt". Auf dieser Basis aber kann heute weder nach außen hin Politik gemacht werden, noch den Juden selbst innerlich geholfen werden. Der Zionismus hat vor vierzig Jahren das Wesen der Judenfrage erkannt. Durch die Tünche der Assimilation hindurch wurde wieder offenbar, daß der jüdische Mensch in wesentlichen Teilen seines Seelenlebens von seinem jüdischen Volkstum bestimmt ist. Durch die künrtHclic Verkümmerung des jüdischen Wesens erklärt sich ein großer Teil der sozialen Pathologie, für die der Antisemitismus ein Symptom ist. Diese Erkenntnis befähig! uns, die naturgegebene Distanz zwischen Juden und Nichtjude n richtig abzuschätzen. Wir glauben, daß bei Respektierung dieser Distanz ein Zusammenlebcn mit unserer Umwelt leichter möglich wärt a's bei der hemmungslosen Neigung zur Vermischung. Die Gegebenheiten von Blut und Geschichte und die hierdurch bedingten Differenzen können auf die Dauer nicht ohne inneren Schaden verleugnet werden. Wir wußten stets, daß die Judenfragc nur dann einer Lösung näherkommen kann, wenn — dies ist die erste Voraus Setzung — der Jude sein inneres Verhältnis zu seinem Judentum wieder bereinigt und dadurch seine innere Sicherheit wiedergewonnen hat. Denn diese innere Sicherheit ist es, die uns nottut. Die Partei, die heute in Deutschland am Rudct ist, hat ״die geistige und sittliche Erneuerung des deutsehen Volkes“ auf ihre Fahne geschrieben. Ein großes Programm, aber wir Juden sind mißtrauisch dagegen, weil wir nicht an eine sittliche Erneuerung glauben, die den Schandfleck des Antisemitismus in sich schließt. Für den Nationalsozialismus ist der Jude eine unentbehrliche Hilfsfigur bei dem Werk der sogenannten ״sittlichen Erneuerung“; ״der Jude“ ist einfach die Be- Zeichnung des Trägers aller moralischen, kulturellen und wirtschaftlichen Schäden. Dieser Lehre dient Tag für Tag die nationalsozialistische Presse. Drei Tage vor Amtsantritt des neuen Reichskanzlers, am 27. Januar, veröffentlichte das —- wie man von Zeitungsausmfcrn hören kann — ,,neue Regierungsorgan“, der ״A n g r i f f ־ einen Leitartikel unter der Ueberschrift ..Kulturj u d e n“, worin eine verzerrte Karikatur des Juden ausgemalt wird,, um darauf den Satz zu stützen ״Die Juden sind unser Unglück“. Als eines der charakteristischesten Merkmale, dieser — im Gegensatz zu den ״stinkenden Knoblauchjuden“ des Ghettos — sogenannten״ ׳Kulturjuden“ wird angeführt, daß sie nach außen hin verbindliehe Manieren zur Schau tragen, ,,lediglich wenn man sie — Juden nennt, fassen sie alle vornehme Zurückhaltung fallen und keifen erregt. Als Juden soll man sie nicht mehr so ohne weiteres erkennen.“ Und nun folgt eine Aufzählung von Typen aller Art, vom zersetzenden Journalisten über Film, Makler, Konfcktionäre, Künstler und Bohemiens, Einfluß in Klubs, Theater, Banken, Politik, Warenhäuser, Industrie, Handel — nur nicht in produktiver Arbeit. ״Jude sein heißt charakterlos sein, gesinnungslos, ein Schmarotzer, ein hemmungsloser Geschäftemacher“ — — so geht es durch zwei Spalten. Das ist der Auftakt zum ״Dritten Reich“. Es ist lächerlich, gegen derartige Schmähungen sich nach der C.-V.-Methode durch Berufung auf jüdische Leistungen verteidigen zu wollen. Der Antisemitismus konstruiert sich doch einen ״Juden“, die Inkarnation der Unsittlichkeit, um diesem Bild gegenüber die ״sittliche Erneuerung des deutschen Volkes" durch das einfache Mittel des Rassenhochmuts zu bewerksteiligen. Daß es unsittlicher als alles ist, eine große und differenzierte Menschengruppe in dieser Weise zu diffa* mieren, daß diese Schande auf den Schänder selbst zurückfallen muß, daß man es sich hier mit der Verteilung von Licht und Schatten viel zu leicht macht — das ficht die Vertreter dieser demagogischen Methode nicht an. Um so wichtiger ist es, daß wir Juden demgegenüber Haltung bewahren. In einer Staatsordnung, die in allen ihren Verzweigungen von nationalem Geist erfüllt sein will, bedarf es einer besonderen Klärung des jüdischen Problems und Einordnung der Juden als Juden in den Staat. Dazu ist es aber nötig, daß die Juden Juden sein wollen. Von allen Angriffen, die der Verfasser des Artikels ,,Kulturjuden“ gegen uns erhebt, trifft uns in Wahrheit nur der eine, von dem wir wissen, daß er in hohem Maße berechtigt ist: die Stelle, wo er von den Juden spricht, die nervös werden, wenn man sie Juden nennt. Hier ist der Schlüsselpunkt, von dem aus jede Lösung der Sache in die Hand genommen werden muß. Es handelt sich heute nicht mehr um Literatur oder Diskussionsstoff, sondern um bitteren Ernst. Gegen die anderen Angriffe verteidigen wir uns nicht. Es gibt gute und schlechte Juden, wie gute und schlechte Deutsche. Es wäre lächerlich von uns, zu sagen, die Juden seien ideal oder sic haben keinen Fehler. Wh selbst leiden am meisten unter mancher Erscheinung jüdischen Lebens, und der Zionismus hat schon vor 40 Jahren mit klarem Auge gesehen, daß eine Erneuerung unserer Gemeinschaft von innen her not tut. Wir wissen, daß es Schlacken des Ghetto gibt, die wfr mit uns schleppen und ebenso — was vielleicht noch schlimmer ist — Schlacken der Assimilation, die ״äußere Freiheit bei innerer Knechtschaft“ gebracht hat. Aber es gibt auch ein neues Judentum, das sich von beidem frei zu machen sucht, von den Schlacken des Ghetto und von den Schäden der Assimilation; ein Judentum, das heimgefunden hat, das um seinen Wert weiß, das furchtlos für sich entsteht, das Distanz und Haltung zu w׳ahren weiß und auch dem Feinde, der es bedroht, nicht mit Ironie und Ueberhcblichkeit, $01• dern mit offenem Visier gegenüberstcht. Dieses neue Judentum geht in innerer Sicherheit durch alle Beschimp־ fungen und Anfechtungen hocherhobenen Haup■ tcs. Alles kommt darauf an, die Juden aus ihrer Atomisierung und Selbstverlorenhcit zu befreien und um dieses jüdische Banner zu sammeln. Die Transjordanien ״ Pläne Von unserem palästinensischen Korrespondenten. Zu den Verhnndlnnqen über Kauf b:w. Pacht Irans jordanischen Rodens rum '/,wecke jüdischer Siedhmq ne,״bl uns unser pulästinensi.seher ql-Korrespondenl eine längere Darstellung, die teilweise durch die inrwisehen hier einqetrof jenen Teleqramme über dm He heitern des Planes überholt ist. Wir ‘entnehmen jedoch dem Berieht nachstehende interessante Mitteilungen über die V o r,, e - schichte der Sache. Red. Verschiedene transjordanischc Stammeshäuptlinge, durch die Wirtschaftskrise in Not geraten und unfähig, ihren eigenen und den Verpflichtungen für ihren Stamm nachzukommen, suchten Käufer oder Pächter für Böden, mit denen sie nichts anfangen konnten und die doch aus einer Last zu einer Einnahmcquellc umzuwandeln waren. Mehrere dieser Scheichs, unter anderem der Führer des Beni Sakr-Stammes, Methkal el Fais, wandten sich schon vor mehr als einem Jahre an die Jcwish Agency, um über Ankauf oder Verpachtung größerer Bodenflächen zu verhandeln. Die Diskussionen wurden zwischen dem Leiter des politischen Departments und den Scheichs eine lange Zeit fortgeführt und der Bericht Arlosoroffs auf der letzten Sitzung des Akt ions-Comitds in London beschäftigte sich bereits mit dieser neu geschaffenen Situation. Die verkaufslustigen Scheichs waren sich durchaus bewußt, daß diese Verkaufsaktion politisches Aufsehen erregen mußte. Sie hatten sich vorher mit allen Kräften bemüht, arabische Käufer für ihre Böden zu finden. Methkal Pascha hatte seinerzeit in der Presse von seinen Absichten gesprochen und darauf aufrnerksam gemacht, daß er gezwungen sein würde, im Falle sich kein moslemischer oder christlicher Käufer fände, an die Juden zu verkaufen. Da er jedoch auch auf diesem Wege keinerlei Erfolg erzielte, setzte er die Verhandlungen mit der Agency mit verdoppeltem Eifer fort und kam, ebenso wie verschiedene andere Scheichs, die sich in ähnlichen Umständen befanden, zu der Uebcrzeugung, daß eine U eher Windung der Wirtschaftskrise in T r a n s j o r d a n i e n nur durch die Heranziehung der Juden zu erreichen sei. Diese Uebcrzeugung wurde gestärkt einerseits durch die Fortschritte, die sie in Westpalästina sahen und die in einem starke!! Gegensatz zu den trostlosen Zuständen in Transjordanien standen, andererseits durch den Mißerfolg, den alle Versuche, arabisches Kapital für die Sache zu interessieren, nach sich zogen. Im Laufe der in Jerusalem geführten Verhandlungen scheinen die interessierten Scheichs den Eindruck gewonnen zu haben, daß sie nur dann eine ernste Aktion von Seiten der Juden erwarten könnten, wenn eine solche einstimmig von der öffentlichen Meinung Transjordaniens gefordert und bestimmte politische und juristische Voraussetzungen dafür geschaffen würden. Sie machten daher in Ammart ihren Einfluß geltend, um eine Abschaffung der Beschränkungen für den Landverkauf an Juden zu erzielen. Man darf annehmen, daß Emir Abdallah selbst diesen Auffassungen seiner ,Scheichs nicht ganz ferne steht. Für ihn würde die Zulassung der Juden nach Transjordanien eine Erhöhung der Staatseinnahmen bedeuten, die das Land bitter nötig hat, andererseits ist er als einer der großen Bodenbesitzer des Ostjordanlandes auch, an einer landwirtschaftüchen Ausnutzung interessiert. Ließ doch Abdallah selbst in der palästinensischen und syrischen Presse ein Angebot auf Teile seiner Böden einrücken, was darauf hindeutet, daß er — ebenso wie seine Scheichs — an arabische Pächter herantrat, aber, wenn sich keine finden, auch an Juden zu verpachten bereit ist. ln den letzten Tagen verdichten sich die Gerüchte über den Abschluß eines Pachtvertrages zwischen dem Emir Abdallah und Juden. (Die Sache selbst ist unseren Lesern bereits bekannt. — A. d. R.) Der Doar Hajom hat sich beeilt, die Transaktion als rin falt aceompll darzustellen, wobei auffallender Weise auf die Feststellung Wert gelegt wird, die Aktion gehe von den beiden ״Wirtschaftfern“ der Exekutive aus (also Färbstein und Neumann), während die politische Abteilung nicht damit befaßt sei. Diese Darstellung klingt unglaubhaft, denn es wäre geradezu absurd, wenn derartige hochpolitische Dinge ohne Wissen und Mitwirkung des politischen Departments (das während mehr als eines Jahres transjordanische Fragen bearbeitet!) in Szene gesetzt würden. (Die ״Jüd. Rundschau“ hat bereits in Nr. 8 auf diese Gerüchte hingewiesen und eine rasche Aufklärung verlangt. — Red.) Kommunistische Absichten #im Vorderen Orient Die kommunistische ״Internationale Pressekorrespondenz“ veröffentlicht (in Nr. t, 1933) eine umfangreiche Resolution ״Ueber die Aufgaben der Konimunisten in der aliarabIschen Bewegung“, die auf einer Beratung der Vertreter der kommunistischen Parteien Syriens und Palästinas angenommen wurde und sich mit der Lage in sämtlichen arabischen Ländern befaßt. Das Dokument ist äußerst interessant, weil daraus zu ersehen ist, wie in Moskau die feindliche Aktion gegen den Zionismus geführt wird und wie die Kommunistische Internationale auch in Palästina Ihre Hand ira Spiele hat. Die kommunistische Resolution führt aus, das Wesen der arabischen nationalen Frage bestehe vor allem darin, daß der Imperialismus den lebendigen Körper der arabischen Völker in Stücke 7errissen, ihre Länder im Zustande der Feudalität erhalten und ihre nationale und staatliche Vereinigung verhindert habe. Ueberal! seien außer den beherrschenden politischen Positionen auch die entscheidenden ökonomischen in den Händen der Ausländer; nicht nur die Banken, Fabriken usw., sondern selbst die besten Ländereien seien meistens in ausländischen Händen, ״wobei für die Einnahme und den Raub des Landes in Palästina der englische Imperialismus den konterrevolutionären Z i o n 1 s - m u s ausgenutzt hat. Die arabischen Fellachen und Beduinen werden auf schlechtere Böden verdrängt, des Bodens und der. Weideplätze beraubt“. Soweit der gute Boden noch nicht von Ausländern in Besitz genommen sei, befinde er sich zu einem gewaltigen Teil in den Händen feudaler Großgrundbesitzer, Schejks, oder der Kirche, während die Fellachen den schlimmsten Formen der Ausbeutung ausgesetzt seien. Die ökonomische und soziale Entwicklungsstufe sei in den verschiedenen arabischen Ländern sehr ungleich, ״ln Syrien, Palästina und Aegypten wird der Kampf für die nationale Unabhängigkeit unvermeidlich mit dem Kampf für die Agrar- und Bauernrevolution verbunden, der gegen die imperialistischen Räuber und ihre Agenten (Zionismus in Palästina)»und gleichzeitig gegen den lokalen Grundbesitz gerichtet ist.“ Die Resolution geht dann auf die Aufstände und Kämpfe ein, die seit Ende des Weltkrieges in den arabischen Ländern stattgefunden haben, und billigtdieGewaittaten und Massakers in Palästina. Die Tatsache, daß alle derartigen Bewegungen den lebhaftesten Widerhall in der ganzen arabischen Welt hervorgerufen hätten, beweise, ״daß bei den arabischen Völkern alle Voraussetzungen dazu vorhanden sind, um den imperalistischen Druck aufzuheben, die nationale und staatliche Unabhängigkeit zu erreichen, und eine Reihe arabischer Staaten zu bilden, die dann später, nach ihrem freien Entschluß, sich auf föderativer Basis einigen können“. Die feudalen Schichten seien in den meisten arabischen Ländern auf die Seite des Imperialismus übergetreten; bei der arabischen Bourgeoisie und den bürgerlichen Großgrundbesitzern herrsche der nationale Reformismus, ״der immer offeneren konterrevolutionären und Kapitulanten Charakter trägt“. ״In Palästina ist das arabische Cxekutiv-Komitee auf den Weg des verräterischen Wetteifers mit dem Zionismus im Abhandeln von Zugeständnissen vom englischen Imperialismus um. den Preis der Sicherung der ״Befriedung“ der arabischen Volksmassen getreten.“ Dieser Nationalreformismus werde immer mehr ״konterrevolutionär“, je mehr infolge der Wirtschaftskrise die Unzufriedenheit der leider noch ungenügend organisierten Massen steige. Doch breite er sich nicht über die künstlichen Landesgrenzen aus. Dagegen nähmen die Massen der Arbeiter, Bauern und städtischen Kleinbürger immer energischer den Kampf auf für ihre unmittelbaren Interessen und für ihre nationale Befreiung. Dem Nationalreformismus müsse die allarabische revolutionäre antiimperialistische Front ent gegengestellt werden. In einigen Ländern, wie Paläs t i n a , spiele schon die Arbeiterschaft eine bedeutsame Rolle itn Befreiungskampf; es bildeten sich Gewerkschaften (sc. arabisch), die leider zum Teil in Händen von Nationalreformisten seien. Aber Streiks, Demonstrationen und die aktive Beteiligung einzelner Arbeiterschicilten im Kampf gegen den Imperialismus zeigten, daß die arabische Arbeiterklasse ihre historische Rolfe zu begreifen beginne, ln einer Reihe von Ländern bildeten sich kommunistische Parteien. In Syrien, Aegypten und Palästina, wo die Klassenbewegung der Arbeiterschaft verhältnismäßig weit fortgeschritten sei und auch die Bauernbewegung eine gewisse Reife erlangt habe, sei es die ״direkte und unaufschiebbare Aufgabe“ der kommunistisehen Parteien, ihre gesamte Arbeit auf die Agrar- und Bauernrevolution einzustellen. ״Die Vernichtung des imperialistischen Joches, Konfiszierung aller Konzessionen, Unternehmen, Einrichtungen, Plantagen und des anderen Besitzes der Impcrialisten, Völlige nationale Unabhängigkeit, Konfiskation des gcsamten feudalen Großgrundbesitzes“, ferner Achtstundentag, Sozialversicherung, und, last not least, Arbeiter- und Bauernregierungen seien die Hauptforderungen im kommenden Kampf. Die Losungen, die alle arabischen Länder im Kampf gegen den Imperialismus vereinigen würden, seien: 1. Beseitigung der Imperialisten, 2. völlige nationale und staatliche Unabhängigkeil, 3. föderative freiwillige Vereinigung der befreiten arabischen Völker jm Rahmen einer allarabischen Arbeiter- und Bauernföderation. — Die Massen müßten überall darüber aufgeklärt werden, daß die nationale und staatliche Unabhängigkeit nicht ohne Agrar- und Bauernrevolution endgültig erobert werden könne. Die Kommunisten hätten nur Aussicht auf Erfolg, wenn sie an erster Steile den Kampf für die nationale Unabhängigkeit führten. Die Beziehungen zu den klcinbürgerliehen national-revolutionären Gruppen müßten durch den Grundsatz bestimmt sein: getrennt marschieren, vereint schlagen. Als erster Schritt wird die Entfaltung einer breiten Massenkampagne mit Meetings, fliegenden Versammlungen, Flugblättern und möglichst auch Demonstrationen gefordert. Aus Vertretern der Fabriken und Betriebe, der Dörfer und Stadtviertel müssen Initiativ-Komitees gebildet werden. Endlich müßten die Kommunisten Aegyptens, Syriens, Palästinas und des irak in regelmäßigere Verbindung treten, welche später auf die anderen arabischen Länder auszudehnen sei. A. P. Soskln freigesprochen. Das Zionistische Ehrengericht trat am Montag, dem 30. Januar, abends, unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt und Notar S. Gronemann in Berlin zusammen, um in der Klage des Kongreßanwalts Dr. A. Barth fr- - - ■ "־ ־ “ ־־ der zionistischen Disziplin zu verhandeln. Als Beisitzer fungierten die Rechtsanwälte Dr. Oskar Cohn und Dr. Kozower. Dr. Soskin wird beschuldigt, die politischen Prärogativen der Zionistischen Exekutive und somit die zionistische Disziplin dadurch verletzt zu haben, daß er bei seiner Anwesenheit in Warschau dem polnischen Außenministerium einen Besuch abgestattet und In einem Gespräch mit dein Chef der Sektion für internationale Fragen, Grafen Raczynski, Fragen des Palästinamandats behandelt hat. Dr. Soskin wohnte der Verhandlung nicht bei, da er das Ehrengericht ״nicht anerkenne“. Das Urteil lautet: Dr. S. E. Soskin wird freigesprochen, die Kosten hat die Zionistische Organisation zu tragen, ln der Begründung führte Gronemann aus. der Freispruch erfolge wegen Mangels an schlüssigen Beweisen.

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