Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1933)
- Date
- 1933-01-31
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653740--23539-2686411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 9, 31.1.1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 43 Zwei zionistische Führer Dt. Max Nordau denen 10. Todestages die ״Jüdische Rundschau" vorige Woehe gedachte, war w ' Anfangsreil nach Theodor Herrl. Ebenso wie Kordon gehört der bedeutendste Führe ssische Zionistenführer Dr. Jcdticl Tsdilenow der heroischen Periode des Zionismus an, Tsehlenow war zusammen mit Vssischkin der anerkannte Führer des in der Vorkriegszeit auch auf den Kongressen ausschiaggebenden russischen Zionismus. 1913 umrdeTschlenow ins Engere Aktions-Komitee (Exekutive) gewühlt und starb bei intensiver politischer Arbeit nährend des Krieges am 31, Januar 1918, so daß sich jetzt sein Todestag tum 15. Male fährt. . ' ־'■־״’ Zwei französische jüdische Bücher Jos. Schulsinger ״La Genuflexlen d'Alenou" J. R. Bloch ״SybUla" Die jüdische Dramatik ist außerordentlich arm. Wie arm sie ist, kann an dem Repertoire der Habimali und anderer hebräischer Bühnen ermessen werden, wo die hohe Schauspielkunst kaum dahin gelangt, die Fadenscheinigkeit des dramatischen Entwurfes annehmbar zu machen. Um so mehr ist es zu begrüßen, wenn ein jüdischer Autor aus Belgien, Joseph Schulsinger, uns jetzt ein jüdisches Drama in französischer Sprache vorlegt: ״La Genuflexion d’Alenou“ (Paris, Librairie Lipschutz, 1932). Es handelt sich um ein historisches Drama, nicht im realen, sondern im symbolischen Sinne, denn es werden keine Begebenheiten erzählt, die sich zu bestimmter Zeit an bestimmtem Orte zugetragen haben, sondern eine synthetische Handlung aus Elementen, die sich in fünfzehn Jahrhunderten mittelalterlicher jüdischer Geschichte an manchen Orten und zu manchen Zeiten ereignet haben können. Es ist ein Drama der jüdischen Martyrologie und als solches nicht neu. Die Gestalten sind als Typen gesehen, ohne individuellen Charakter und vor allem ohne eine individuelle Charakterentwirklung, die itn modernen Sinne den Ablauf der tragischen Handlung bestimmt. Aber gerade, daß die Figuren typisch sind und in dci überkommenen Weise typisch gesehen werden, verleiht dem Drama seine Bedeutung, insbesondere da Schulsinger ein im jüdischen Theater seltenes klares Auge für dramatische Wirkungen, straffe Szenenfolge und die Erfordernisse des Theaters besitzt. Das Drama ist eine Glaubens- und Liebestragödie zugleich. Es spielt in Ferrara, im Kirchenstaat, im 17. Jahrhundert, da die Juden gezwungen werden, in den Kirchen Bekehrungspredigten anzuhören. Zwischen dem jungen Priester Casimir und Rachel, einer Jüdin, entwickelt sich dabei ein spannungsreiches Verhältnis, das, von dem Glaubenseifer feindlicher Religiosität getragen, allmählich von ursprünglich unbewußter erotischer Leidenschaft durchglüht wird. In der Kirche herrscht eine gespannte Atmosphäre. Während der Zelebrierung der Messe erwarten die Christen, daß auch die Juden niederknien. Sie retten sich aus der Verlegenheit, indem sic das feierliche Alenu-Gebet anstimmen. Casimir entführt nach der Messe die ins Gebet versunkene und erschütterte Rachel ungcachtet ihres Widerstrebens in ein Kloster, wo er sie der Bckehrung zuzuführen hofft. In seinen langen Gesprächen mit ihr wird er durch ihre Standhaftigkeit an seinem eigenen Glauben w׳ankend und die tiefe Unruhe steigert sich zur Gewißheit, als er in einer Unterredung mit einem Prälaten, dem er seine Zweifel gesteht, erfährt, daß er selbst jüdischer Abstammung ist. Er entführt nun Rachel aus dem Kloster und flieht mit ihr ins Ghetto. Die darob aufgebrachte christliche Bevölkerung droht das Ghetto zu stürmen. Die Juden vorsammeln sich in der Synagoge, sie weisen zuerst Casimir, in dem sie die Ursache des drohenden Verderbens erkennen, ab und wollen ihn ausliefcrn, als sie aber erfahren, daß er von ihrem Stamme ist, nehmen sie ihn auf und schicken sich an, gemeinsam unter Singen des Alenu-Gebetes den Märtyrertod zu erleiden. Dieser kurze Abriß der Handlung gibt die Fülle der Gcstalten und des szenischen Reichtums nicht wieder. Da ist ein Hofjude, ein Schtadlan, der immer wieder seiner Glaubensgenossen sich annimmt, wenn er auch in seinem äußeren Lehen mit den anderen lebt. Etwas karikiert ist der Kardinal- Gouverneur von Ferrara, gut gesehen die verschiedenen Typen der Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Die Aufmerksamkeit jüdisch-dramatischer Kreise sei auf dieses Schauspiel gelenkt, das sowohl durch seine edle Sprache wie durch seine Folge lebendiger, straffer und schöner Bühnenbilder auch auf der Bühne ein Erfolg zu werden verspricht. Das Grundthema des Buches erinnert an den Roman eines anderen jüdischen Schriftstellers, an ״La Nuit Kurde" von Jean Richard Bloch. Nicht das Erlebnis Gottes ist das entscheidende Wandlungsmomcnt bei Casimir, sondern die Entdeckung seiner Rasse. Nicht die Stimme Gottes bestimmt ihn, sondern die Stimme des Blutes. Und wie der Kurde Saad in Jean Richard Blochs Roman die Schwester dem Blute nach, der Rasse nach in der Tochter des Feindes, in der Griechin Evanthia erkennt und findet und mit ihr gemeinsam in den Tod gellt, so spricht zu Casimir aus Rachel die Stimme der Schwester dem Blute nach, und auch sie vereinigt zum ersten und zum letzten Male das im Märtyrertod verströmende gemcinsame Blut in der Hochzeitsnacht des Todes. Doch tritt an die Stelle des asiatischen Ekstatismus Blochs bei Schulsinger die gedämpftere und keuschere Haltung des inittelalterliehen Ghettos. Der französische Kritiker Jean Schhimberger hat über ״La Nuit Kurde“ zu Bloch gesagt: ״La Nuit Kurde me semble etre, dans votre oeitvre, la plus forte expression du problcme qui est le plus personnellement vötre: Fattirancc reciproque et I'impossibilite de fusion entre l’Occident chretien et le Proche-Orient“. (״Die Kurdische Nacht scheint mir innerhalb Ihres Werkes der stärkste Ausdruck des Problems zu sein, das im persönlichsten Sinne ihr eigenes ist: die gegenseitige Anziehung um! die Unmöglichkeit der Verschmelzung zwischen christlichem Abendland und Nahem Orient.“) Etwas von diesem Gegensatz und dieser gegenseitigen Anziehung der zwei Welten, die das Werk Jean Richard Blochs, des französischen Juden, kennzeichnen, lebt auch in seinem neuesten Roman ״S y b i 11 a“, seinem dritten großen Roman, in dem einige Personen aus seinem Roman französischen Judenschicksals ״Simler et Cie,“ weiterleben, ohne freilich mehr als Neben• figuren des neuen Romans zu sein. In seinem Tempo und seinem Stil gleicht der Roman eher der Nuit Kurde. Und gerade daher haftet ihm an manchen Stellen noch etwas Fiebriges, Ueberladenes, Ueberhastctes im Tempo und im Stile an, das gegen eine ganze Anzahl von Stellen meisterhafter Beobachtung und Schilderung fremdartig absticht. Dem bisherigen Romanwerk Jean Richard Blochs gegenüber konnte bemerkt werden, daß er noch nicht das Leben der gegenwärtigen französischen (nichtjüdischen) Gesellschaft gesehildert und daß in seinen Romanen die Frau keine bestimmende Rolle gespielt hat. In dieser Beziehung bedeutet dieser Roman einen neuen Anfang. Er schildert die Pariser Gesellschaft von heute, einen mondänen Pariser Romanschriftsteller und seine Frau, die altangesehenem Bürgertum der französischen Provjnz entstammt. Diese junge Französin Clotilde ist die eigentliehe Heldin des Buches, sein wahres Thema, ihre Erweckung aus einem unerschlossenen Dämmerzustand zu einem Aufqucllert und Ueberschäumen aus den Tiefen ihrer Persönlichkeit. Diese Erweckung vollzieht sich in wenigen Tagen in dem Kontakt mit einer großen internationalen Tänzerin Sybilla. Ihr Erscheinen in Paris bedeutet für eine Woche den Einbruch einer anderen Welt, einer asiatischen, entfesselten, ekstatischen Welt in die geregelten Ordnungen und Konventionen der abendländischen Gesellschaft. Wie in einem Wirbeltanz um einen neuen Stern wird das Leben all der Menschen, die mit Sybilla in Berührung kommen, während der einen Woche, beinahe bis zur Erschöpfung des teilnehmenden Lesers, umhergetrieben. Ein Glanz geht von Sybilla aus, eine Lebensinäehtigkeit, die dem Buch etwas seltsam Beschwingtes und Fortreißendes verleiht. Aber die wahre Heldin des Buches ist die bis dahin stille und unscheinbare, sanfte und lenkbare Clotilde, deren heimliche und ungeahnte Unbändigkeit in der Berührung mit dem Halbgott oder dem Dämon, der in Sybilla sieh ihr nähert, erweckt wird. Aber in diesem vorliegenden Buch geschieht nur der erste Schritt, die Erweckung selbst, was unter ihrer Kraft aus Clotilde wird, wie sie durch die Berührung reift, wächst und sich wandelt, wie dadurch selbst ihr Gatte, der seiner so sichere erfolgreiche Schriftsteiler, zu einer neuen Weise seiner Existenz mitgerissen wird, soll das folgende Buch darstellen, das erst den wahren Sinn des Ocscheticns, das ״Sybilla“ entrollt, klären und vollenden wird. Der Roman, von dem das vorliegende Buch Sybilla nur der erste Teil ist, trägt den Gesamttitel: ״Der Adler und Ganymed“. In der griechischen Sage entführt Zeus in der Gestalt eines Adlers Ganymed, den schönsten Knaben, der je gelebt, unter die Götter. Spätere griechische Deutung hat in dieser Sage die Rechtfertigung der edlen gleichgeschlechtlichen Liebe gefunden. ״Sybilla“ zeigt uns den Einbruch des Adlers in die ruhigen Lebcnskrcisc Ganymeds, manches ist in diesem Buche, was uns wie eia Feenmärchen anmutet, transponiert in die mit einer seltenen realistischen Beobachtungsgabe und sprachlichen Meisterschaft geschilderte Welt der Pariser Salons, der französischen Landstraße, eines einsamen Provinzbalmhofes. Dieser Band ist aber nur wie ein Vorspruch und ein Versprechen, ein großes Versprechen auf eine große Erfüllung hin: wie Ganymed in der neuen Welt bestehen, sich bewähren und sich wandeln wird, in die ihn der Adler entführt hat. Der aufmerksame Leser wird auch in diesem Buche das Grundproblcm finden, das alle Werke Jean Richard Blocks durchzieht: den Gegensatz und die gegenseitige Anziehung zweier Welten. Nur daß das Problem hier tiefer gefaßt wird als in La Nuit Kurde, denn hier wird die Auseinandersetzung dieser zweier Weiten, der fremden, aus der Jean Richard Bloch sich nach Niederschrift der Nuit Kurde endgültig zurückgekehrt glaubte und von der er in seinem Nachwort Adieu a l’Asie Abschied!genommen hatte, und der heimischen, in der Jean Richard Blochs!.eben verläuft, in den Roman selbst hineingetragen. In La Nuit Kurde glaubte Jean Richard Bloch dem Fremden und Unheimlichen, dem Mythos und dem Abcn• teuer den letzten Tribut gezollt zu haben, den er auch Ab• schied von der Jugend nannte. Asien lag ferne hinter ihm, Und nun bricht in den Roman der Pariser Gesellschaft wieder• um das Fremde und Unheimliche, der Mythos und das Aben• teuer herein, Asien, der Sturmwind großer Steppen und unend• lieber Leidenschaften. Unter seinem Gluthauch wandelt sieh die Seele des Okzidents, erwacht zu sich selbst, zu ihrer eigenen Tiefe und ihrem eigenen Maß. Davon wird uns der zweite Band des neuen Werkes Jean Richard Blochs berichten. Hans Kohn. Geheimrat Otto Baumgarten, Kiel, der dieser Tage anläßlieh seines 75. Geburtstages Gegenstand vielfacher Ehrungen war, verdient auch an dieser Stelle ein Wort respektvollen Gc• denkens. Prof. Baumgarten ist einer der heute immer selten er werdenden human-demokratisch gesinnten Männer von tiefer geistiger Bildung und echt religiösem Empfinden. Dieser cvatigelische Theologe empfindet den Antisemitismus als eine Schmach des Christentums und hat auch mit dieser seiner Meiniing nicht hinter dem Berge gehalten, obwohl er sich natürlich dadurch den Beschimpfungen jugendlicher Nationalisten aussetzte. Prof. Baumgarten tritt unbeirrt in Wort und Schrift gegen den Antisemitismus auf. Zu besonderer Genugtuung gereicht es uns, daß dieser Gelehrte, der auch Mitglied des Deutsehen Komitees Pro Palästina ist, sich mit tiefem Verständnis für die jüdische Renaissance in Palästina einsetzt. Es ist noch erinnerlich, daß er vor etwa einem Jahre in seinem Vortrag in Kiel in der Ortsgruppe des ״Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“ sehr warm für die Idee des jüdischen Palästinaaufbaus sprach — zur peinlichen Verblüffung mancher seiner jüdisch-assimilatorischen Hörer. Auch an der letzten Wei/mann- Versammlung in Hamburg hat Prof. Baumgarten teilgenommcn und war davon stark beeindruckt. Wir wünschen diesem mutigen Träger bester deutscher Traditionen noch viele Jahre fruclitbaren Wirkens. Die Vorgänge irn Aerztebund. Zu dem Bericht in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ über die Vorgänge im Berliner Aerztebund schickt uns Gesinnungsgenosse Dr. Hans Cohn, Berlin-Wilmersdorf, eine längere Zuschrift, worin im wesentlichen die!Darstellung unseres Berichtes in allen sachliehen Punkten bestätigt wird. Dr. Cohn legt jedoch Wert darauf, die Motive seiner Handlungsweise klarzulegen. Er bekämpft aus sachlichen Gründen die Tätigkeit des gegenwärtigen Gesamtvorstandes des Aerztebundes, die er für veraltet und schädlich hält und glaubt, diesen Kampf durchführen zu müssen ungeachtet der Tatsache, daß auch Nationalsozialisten sich in Opposition gegen den jetzigen Vorstand befinden, ln der Front gegen die ei!,'entliehen Tendenzen der Nazis fühlt sich Dr. Cohn solidarisch mit den jüdischen Aerzten aller Parteirichtungen. Nach seiner Ansicht bestelle jedoch heute keine Gefahr einer Vorherrschaft der nationalsozialistischen Aerztegruppe, so daß er keinen Grund sieht, seinen auf ganz, anderem Gebiet liegenden Kampf gegen den jetzigen Vorstand des Aerztebundes einzustellen. — Die ״Jüdische Rundschau“ kann sich selbstverständlich mit Fragen der Acrztepolitik oder mit der Beurteilung des jetzigen Vorstandes des Aerztebundes nicht befassen. Uns interessiert die Sache nur, insofern ן ü - d i s c h e Interessen irn Spiele sind. Die Motive Dr. Cohns bei seiner unfreiwilligen Bundesgenossenschaft mit der Nazi- Gruppe werden gewiß respektiert werden. Es handelt sich aber hier um taktischpolitische Fragen in bezug auf die Nationalsozialisten und in dieser jüdisch wichtigen Frage hat der Gewährsmann der ״Jüdischen Rundschau“ (und zahlreiche zionistische Aerz.te) eine andere Haltung eingenommen als Dr. Cohn. Wir dürfen es wohl als selbstverständlich betrachten, daß gegen die auf Ausschaltung der jüdischen Aer/te gerichteten nationalsozialistischen Tendenzen die gesamte jüdische Acrzteschaff zusanimensteht und hoffen, daß auch die große Mehrheit der nichtjüdischen Acrzte dagegen Front machen wird. Das Gcsamfarchlv der deutschen Juden in Berlin ist in der Hauptsache zur Aufnahme von Ocmeindcakten bestimmt. Daneben sucht es aber auch die!Dokumente und Vcröffent- Teilungen der jüdischen Verbände und Vereine Deutschlands 7.U erfassen und zu sichern. Doch ist die durch das Gesamtarchiv gebotene Möglichkeit, geschichtlich wertvolles und für die Zukunft bedeutsames Material vor Vernichtung und Verzettelung zu schützen, von den jüdischen Verbänden Und Vereinen noch nicht in genügendem Maße ausgenutzt. Es sei deshalb nochmals auf diese Möglichkeit hingewiesen und Ver* bänden und Vereinen nahegeiegt, ihre archivroifen Akten, Spendenverzcichnisse, Mitgliederlisten, Jahresberichte. Jubiläumssehriften sowie sonstige Veröffentlichungen beim Gesamtarchiv zu deponieren. Das im Verwaltungsgebäude der Berlincr Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Str. 25, gelegene Gesamtarchiv bietet volle Gewähr für sachgemäße Lagerung und Betreuung der ihm anvertranten Archivalien, Durch einen besonderen Vertrag wird jedem Inhaber eines Archhdepots — handle es sich nun um Gemeinden, Vereine oder Einzelr u 11 g°״ühergebc'nen 'A^chiCVfückenrC/ugcsid1eri; *Wenn es gewünscht wird, kann darüber hinaus noch für besonders diskrete Behandlung von Archivdcpots in speziellen Verein- Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund ersucht uns um Abdruck nachstehender Mitteilung: Auch in diesem Jahre hat der Volksbund Deutsche Kricesgräberfürsorge, in dem auch die jüdische Glaubensgemeinschaft vertreten ist, beschlossen, einen V o i k s t r a 11 c r t a g zur Ehrung des Andenkens der im Weltkriege gefallenen Soldaten zu begehen. Dafür ist Sonntag, der 13. März 1033 . bestimmt worden. Bei der Festsetzung dieses Termins hat unser Vertreter darauf hin gewiesen, daß dieser Tag mit dem Purimfest zusammenfällt, so daß die religiösc Feier für die jüdische Glaubensgemeinschaft bereits am Tage vorher, am Sabbat, in üblicher Weise begangen werden muß. Es ergibt sich aber weiter die Konsequenz, daß öffentliehe Purimfeiern, die sonst am 12. März veranstaltet worden wären, mit Rücksicht auf die Trauerstimmiing des gesamten deutschen Volkes am besten verlegt werden, wo dies nicht angeht, doch jede öffentliche Freudenbekundtirg vermieden wird. Das Schachspielen bei Juden, ln der Reihe der Montags- Vorlesungen sprach am 23. Januar in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums der Schachmeister und Philosoph Dr. Emanuel Las k er (1S91 bis 1921 Weltschachmeister) über ״Jüdische Schachspieler in ihrer lügenart“. Nach einem Abriß über die Geschichte des Schachspiels, dessen Entstellung er auf 1000 bis 2000׳ v. dir. ansetzt, gab Lasker eine allgemeine Psvchologie des Schachspiels. Das Schachspiel hat alle Völker und Stände erobert. Die sephnrdischen Juden haben es wohl in Spanien angenommen, aber sich nicht besonders hervorgetan. Die aschkenasischen Juden wandten sich erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts dem Schachspiel zu. Aeußerlich liegt die Eigenart jüdischer Spieler vielfach in besonderen! Temperament und Ausdrucksreichtuni, eine Eigenart aller Mittdmeervölker, die sich aber mit zunehmender Assimilation in Nord- und Westeuropa verliert. Im Spiel selbst zeigen alle jüdischen Spieler eine besondere Starke in der Kunst der Verteidigung, durch deren Verfeinerung sie das Schachspiel in aller Welt weitgehend gefördert haben. Sie pflegen ferner die kointnnatson und den gedanklichen Aufbau‘des Spiels, der den Realitäten oft nicht Rechnung trägt. Sie werten das Schachspiel als Disput •aus und machen es zum Seitensmck des jüdischen Witzes, der sich am Gedankenspiel entzündet. Diese Eigenarten führt Lasker auf Schulung in talmudischem Denken zurück. Aus der erklärt sich die Liebe jüdischer Spieler zum Systematischen. Lasker belegt diese psychologischen Erkenntnisse mit Beispielen aus dem Werdegang und dem Spiel der großen jüdischen Spieler Horwitz, Alexandre, Löwenthal, Steinifz (Vorgänger Laskers als Weltmeister, den Lasker als den größten Systematiker des Schachspiels bezeichnet), Tarrasch, Nimzowitsch. Bernstein, Rubinstein, Reti u. a. m. Kalender der Jüdischen Frauenorganisation Palästinas für das Jahr 5693. Zum erstenmal legt uns die Jüdische Frauen- Organisation Palästinas (die inzwischen durch ihren Zusammen- Schluß mit der Wizo ihren Namen in ״I listadruth Nasehim Zionioth“ umgewandelt hat) einen hebräischen Wochenkalender aut den Arbeitstisch, der uns Tag für Tag, Woche für Woche mit seinen Bildern, Texten, Statistiken, Mitteilungen, Inseraten in der angenehmsten und nützlichsten Weise über alle Gebiete der jüdischen Frauenarbeit in Palästina Aufklärung gibt und zugleich in alle Lebenswinkel palästinensischen Kindes- und Jugendlebens hineinleuchtet. Mit Vergnügen und Neugierde wendet man allwöchentlich das Kalenderblatt, tun jedesmal über ein neues Tätigkeitsgebiet der in und für Palästina arbeitenden Frauenorganisationen instruktive Informationen zu erhalten. Wer von all den Instituten und Einrichtungen dieser Verb inde im Lande ein eindrucksvolles, lebendiges und umfassendes Bild bekommen will, greife zu diesem Kalender: er wird die geringe Mühe eines nur minutenlangen Blätterns in diesem klug angeordneten Material reich belohnt fühlen. Den Frauen, die hier viel Mühe aufgewandt haben, um eine schöne Idee sowohl inhaltlich wie technisch ausgezeichnet durchzufiihren, gebührt unser warmer Dank. Das ist nicht die schönrednerische Propaganda eines einzelnen Instituts mit seinem beschränkten Interessentenkreis, sondern die fesselnde und trotzdem äußerst schlichte Darstellung einer weitverzweigten, öffentlich-sozialen Arbeit unter Eröffnung weiter Perspektiven und mit dem offenen und durchdringenden Blick des modernen Sozialarbeiters für die Fragen und Nöte des werktätigen Menschen. Wir können nur wünschen, daß dieser Kalender in Zukunft auch der Gala durch Uebersetzung des Textmaterials zugänglicher gemacht wird, denn er ist eines der wirkungsvollsten Propagandamittel nicht nur für die Kinder- und Mntterfiirsorgc des Landes, sondem für das zionistische Aufbauwerk überhaupt. M M.