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Jüdische Rundschau · 1933-01-27 · Heft 8 (27.1.1933) · p. Seite 36

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 8 (27.1.1933)
Date
1933-01-27
Page
Seite 36 (sequence 2)
Language
German
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Seite 35 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 8, 27.1.1933 Kapital sehr plausibel sein, um So mehr die politischen und praktischen Schwierigkeiten beim dortigen Bodenkauf es ihm erwünscht erscheinen lassen werden, daß die Zionistische Organisation durch die Teilnahme von KKL und P. L. D. C. die Führung in der Hand behält. Die gegen eine Spekulation seitens der Bodenkäufer gerichteten Bestimmungen werden das Kapital nicht abschrecken, da es ihm ja in erster Linie um eine gute Verzinsung zu tim ist. Jene Bestimmungen richten sich übrigens nur gegen die Käufer. Der Gesellschaft selbst bleibt ja eine gewisse Chance, ihre Böden stets gut zu verwerten. Das Statut müßte vorsehen, daß die Gewinne der Gesellschaft, wenn sie die ins Auge gefaßte gute Verzinsung übersteigen, zum größten Teil gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden müssen, also vor allem dem KKL. Ein Teil bliebe dann noch immer als Plus über die Verzinsung den Aktionären. So ein ״gemischt-wirtschaftliches“ Unternehmen ist in der Nachkriegszeit durchaus nichts Neues. Es wäre von größter Wichtigkeit, wenn sicli die leitenden Instanzen unserer Bewegung mit dieser Frage befaßten. Man könnte in Palästina selbst eine Enquete einberufenj mit unseren Fachleuten, Bankleitern, Vertretern befreundeter Organisatjonen (Pica, P. E, C., Economic Board) usw. Die Frage ist gewiß nicht die des ״ob“, sondern die, wie man Kapital für eine solche Gesellschaft finden kann, und da sind die ungenützten Gelder, die in Palästina liegen, vor allem ins Auge zu fassen. Wie immer der Ausgang dieser Enquete sein wird, jedenfalls müßten wir unsere schon bestehenden und bewährten Institutionen stärken. Es geht doch nicht an, daß wir selbst ihren Wert verkleinern und dem KKL etwa vonverfen, wie dies in diesem Blatte kürzlich geschehen ist, daß er bisher nicht bodenpreisregulierend wirken konnte. Das ist!eicht gesagt, aber die Dinge sind nicht so einfach. Die Möglichkeit einer Beeinflussung des Marktes durch den KKL. ist nicht zu leugnen, nur hat er dazu zumindest in Tel-Awiw die Gelegenheit versäumt. Er hat, entgegen den Richtlinien, die de Lieme in den Jahren 1914—1920 gegeben hat, mit dem Kauf siädtischer Böden erst durch den Ende 1923 erfolgten Erwerb der Haif,1-l’av-Länder eien begonnen. Gewiß kann dieser Kauf 1t e ute, wo diese Ländereien noch nicht in der Batizone liegen, die Preissteigerung der Böden in Haifa nicht verhindern. Aber in zehn Jahren ward es sich zeigen, daß der KKL damit eine gewaltige bodenrcformerischc Tat gesetzt hat Am Lande hat er, wie ja I)!-. Baer schon ausführte, jedenfalls seinen Besitz, fast 300 000 Dunam, der Spekulation entzogen und die An- Siedlung darauf ermöglicht. Warten wir auch das ab: Es wird sich zeigen, daß die kleinen Leute auf Wadi CI1awarith-N.-F.- Boden prosperieren, indes diejenigen privaten Kapitalisten, die heute Boden zu Spekulationspreisen oder Pardessim zu £ 180 per Dunam kaufen, schwer zu kämpfen haben werden. Doch all dies beiseite, das Unrichtige an jener Feststellung ist, daß der betreffende Satz so gefaßt «׳erden müßte: ״Der KKL hat seine bodenpreisregulierende Funktion bisher nicht sichtbar erfüllen können, weil er mangels von Mitteln zu wenig Boden erwerben konnte. Es gilt daher, den KKL zu einem mächtigen Instrument auszubauen, ihn wieder in den Mittelpunkt der zionistischen Aufmerksamkeit zu stellen.“ Es wäre verfehlt, die Zukunft des KKL bloß nach Vergangenheit und Gegenwart zu beurteilen. Die Vorstellung, daß es mit den Spenden so weiter gehen müßte, wie bisher, ist eine völlig irrige. Der KKL steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Trotz seiner guten Sammelorganisation ist es noch nicht gelungen, über die Kreise der Jugend hinaus seine Bedeutung den Zionisten und Nichtzionisten bewußt zu machen. Hier ist noch eine enorme Arbeit zu leisten. Wenn dennoch in Zeiten der prosperity die Jahreseinnahmen fast £ 300 000 erreicht haben, wie 5f>36 und 5637, so ist anzunehmen, daß bei der zu erwartenden Erholung der Welt- Wirtschaft der KKL wieder aus dem Wellental der heutigen Ziffern herauskommen und zumindest diese Einnahmeposten wieder erreichen wird. Doch außer den Spenden gibt es noch andere Mittel, die Wirksamkeit des Fonds zu stärken. Wiederholt erhielt der KKL Anleihen zum Kauf bestimmter Böden, die dem Anleihegeber zu verpachten waren, ja teilweise die Böden selbst. Gerade jetzt wird über die Schaffung eines Industrieviertels auf KKL- Boden in Tel-Awiw verhandelt, für das der KKL ein Viertel, die industriellen drei Viertel des Kaufsbetrages aufwenden sollen. Daraus geht hervor, daß selbst den berufensten Verfechfern des privaten Kapitals die Erkenntnis dämmert, daß d a s KKL- P rin/ i p a u c h f ״ r die Pr i v a t w i r t - schalt von größtem Nutzen ist. Wie soll ein neuer Industrieller in Tel-Awiw künftig prosperieren, wenn er beim ersten Schrift, dem Bodenkauf, einen Liebhaberpreis bezahlen muß? Deshalb muß für billigen Pachtboden im Industrieviertel im Interesse der Industrie gesorgt werden. Kommt diese Transaktion zustande, dann wird sie vorbildlich und erzieherisch wirken. Der KKL seinerseits wird in diesem Fall mit den von ihm selbst beigesteliten Mitteln ein Vierfaches an Wirkung erz.ielen! Auch Geldanleihen in größeren Beträgen hat der KKL in letzter Zeit erhalten. Die Versicherungsaktion ist im Zuge, sich auch auf noch nicht einbegriffene große Gebiete auszudehnen. Vielleicht wird das eitlen Uebergang für eine Jüdische Versicherung bilden, die für den KKL eine besondere Bedeutung erlangen könnte. Jedenfalls: der Bodenrummel von heute sollte die gute Folge haben, daß wir einschen lernen, daß wir die Fragen des ßodenkaufs in das Zentrum unseres Interesses rücken müssen. Es wird sehr heilsam sein, wenn auf dem nächsten Kongreß diese Fragen im Vordergrund stehen werden und da.'urch endlich einmal wieder ein Kongreß sachlicher Arbeit zustande kommen würde. Prot. Brodetski über den hebräischen Weltkongreß. Vor kurzem fand in Warschau unter dem Vorsitz von Dr. Klumel eine groß angelegte hebräische Veranstaltung statt, die als Auftakt zu der in Polen in Angriff genommenen Aktion für den bevorstehenden hebräischen Weltkongreß dienen sollte, auf der Prof. Brodetski den Hauptvortrag hielt. Mag sein, meinte der Redner, daß dieser Kongreß noch nicht imstande sein wird, uns die Lösung für die lebenswichtigen Fragen der hebräischen Kulturtäligkeit zu bringen, jedoch wird er sowohl nach innen, sj auch nach außen die Kraft der hebräischen Sprache, die uns פ 's Volk Zusammenhalt, dokumentieren. Außer Prof. Brodetidd sprach u. a. Prof. Schorr, der auf die Wichtigkeit der Y; iederbeiebung der hebräischen Sprache und Kultur für den Aufbau des jüdischen Lebens in Palästina und in der Diaspora hinwies. Die Sela-Aktion und die sonstigen Vorbercitungsarbeiten zum hebräischen Kongreß haben in Warschau begonnen und werden auch in der Provinz mit Erfolg in Angriff genommfin, Nach dem Urteil des Ehrengerichtes Von Bcrl Locker, Mitglied der Zionistischen Exekutive. Daß das Urteil des Ehrengerichtes auf Suspendierung des Revisionistischen Sonderverbandes und Beantragung seiner Auflösung durch die Exekutive von den Revisionisten nicht allzu freundlich aufgenommen werden wird, war 7.u erwarten. Was sich aber die revisionistischen Stellen in verschiedenen Ländern, offenbar nach einem zentral geleiteten Plan, an Beieidigungen und Verdächtigungen gegen alle, die direkt oder incjjrekt oder auch gar nichts mit diesem Urteil zu tun haben, erlauben, übersteigt doch bei weitem die allerschlimmsten Erwartungen. Man scheint in diesem Kreise offenbar dem Grundsatz zu huldigen: Wo Argumente fehlen, da stellt zur rechten Zeit sich das Schimpfwort ein. Nur einige Beispiele: ״Das Urteil des Ehrengerichtes, gefällt ... von einem parteiischen politisch voreingenommenen Richterkollegium — hat keine moralische oder gesetzliche Gültigkeit.“ ״Die politischen Hintergedanken, die diese Gerichtsaktion bestimmten.“ ״Unzweifelhaft parteiische Richter.“ ״Das zionistische Ehrengericht, welches zum gehorsamen Instrument der politischen Intrige derjenigen Parteien, welche hinter der zionistischen Exekutive stenen, herabgesunken ist.“ All diese Zitate stellen nur eine kleine Auslese aus offiziel len Kundgebungen der revisionistischen Zentrale in London und des Zentralkomitees der Revisionisten in Polen dar. Und auch diese zwei Quellen sind lange nicht ganz erschöpft. Dabei sind alle Höflichkeiten unerwähnt geblieben, die iri diesen Kundgebungen an die Adresse der Exekutive, einzelner ihrer Mitglieder, bestimmter zionistischer Parteien u. a. gerichtet sind. 11. Für die richtige Beurteilung der in der Geschichte der zionistischen Bewegung bisher nie dagewesenen Hetzkampagne ist cs wichtig, folgende, lange vor• der Verhandlung abgegebene Erklärung des Vize-Vorsitzenden der Union der Zionistcn-Revisionisten, Herrn M. Großman, in Erinnerung zu bringen: ״Wir halten das peyen uns 0ingeleiletc GcrirhRvoiTiihren für *prßehe0(ler ZionKlKrl1enCKxek.1tive ״,'rOrkwei'^n0''wird. ’ Jedenfalls kann der Au,pme die,״ Gerichtsverfahren, für die politische Tätigder' l äüo^habeir1, ich 0wiederhol T* so \voh!^ schrifl lieh 1'1;״, mündlich*»״ die pVtüion betrifft' ist ihre'!).!'rchführmiy von der Wiener Konnauer Einhalt״״״ der Besch!״״.: der Konferenz durchführen. Pas Kxckutivkon.il«>'hat eine Pflicht: die vollständige Durchführung der Beschlüsse der Konferenz." (Pariser JTA. vorn 17. Dezember 1932.) Diese auch von der revisionistischen Presse (״Rassviet“ vom 18. Dezember, ״Neue Welt“, Wien, vom 30. Dezember) wiedergegebene Erklärung wurde drei Wochen vor der ücrichtsvcrhandlung abgegeben, als noch niemand wußte, wann und wo sie stattfindet und wer die Mitglieder des Gerichts sein werden. Herr Großman hat klar 7um Ausdruck gebracht, daß er und seine Freunde wohl ein ihnen günstiges Urteil zu akzeptieren bereit seien, daß sie aber keineswegs beabsichtigen, sich einem ihnen ungünstigen Urteil zu unterwerfen. Danach kann gar kein Zweifel bestehen, daß alle anderen, gegenwärtig vom Revisionistischen Sonderverband gegen das Urteil und das Ehrengericht angeführten Argumente nur zur nachträglichen scheinbaren Rechtfertigung eines Verhaltens dienen sollen, das von vornherein fcststand. Es ist in der Geschichte der Beziehungen der Revisionisten zur Zionistischen Organisation nicht das erste Mal, daß die Revisionisten ihnen angenehme Beschlüsse und Entscheidungen annehmen und ausnützen, dagegen alles, was ihnen nicht paßt, einfach als ungesetzlich, ungültig, nicht bindend erklären. 111. Eine besonders eigenartige Begleiterscheinung dieser neuesten Affäre ist das Verhalten des Mitglieds des Kongreßgerichts, Herrn Machover. Dieser Herr, der Mitglied der revisionistischen Fraktion des Aktionskomitees und der zentralen Leitung der Revisionistischen Union sowie des Rcvisionistischen Sonderverbandes ist. hat es bei dem im Juli 1932 seitens der revisionistischen Fraktion des A.-C. gegen die Exekutive wegen angeblichen Bruchs von Kongreßbeschlüssen angestrengten Prozeß nicht als mit seinem Gewissen unvereinbar gehalten, als Richter zu fungieren. Die Exekutive hat damals diesen Richter nicht nbgclchrit in der Annahme, daß ein vom Kongreß gewählter Richter von dem Verdachte, sich bei der Ausübung dieses seines Amtes von parteipolitischen Motiven leiten zu lassen, frei ist. Aber dieser selbe Herr Machover nimmt jetzt persönlich an der Kampagne gegen seine vom Kongreß gewählten Kollegen vom Ehrengericht teil. Kommentar überflüssig. Hier ist es vielleicht am Platz, einige Worte über die Rolle des Herrn Jabotins ky 711 verlieren, ln seiner Rede aut der Konferenz der deutschen Revisionisten sowie in Artikeln im ״Rassviet“ und im Warschauer ״Moment“ betont Jabotinsky, daß ihn eigentlich d i e S a c h e gar n i c h t s a n g e h e , denn er sei kein Mitglied des Revisionistischen FESTKONZERT Im BrOderverelnstiaus, KurtBrstenstr. IIS—118 Montag, den 30. Januar 1933, IO1/» Uhr anläßlich des 60. Geburtstages von BIALIK awsfwachbm: Dr. S. Rawldowltsch (hebräisch) Dr. Oskar Wolfsberg (deutsch) Hebräischer Chor desBrlthHanoar Alexander Oranach rezitiert Jiddisch Prof. Joachim Stutschewaky, Wien: Cello Am Flügel: Michael Taube Profeeeor Bruno E lener (Klavier) Meinhart Maur rezitiert deutsch und hebräisch Hede Türk singt Lieder von Ch. N. Blallk Am Flügel: Mathilde Terczyner Violine: Charlotte Rosen Hebr&läCherChordesBrithHanoar EFITH UM OUMTH BETH «II »RI. BERUH Karten zu 3.-, 3.-, 1.— Mark. 30 Pfennig für Jugendllcha Im Büro der Berliner Zionist. Vereinigung, Melnekestr. 10 BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Sonderverbandes, sondern bloß der von der Zionistischen Organisation völlig unabhängigen Revisionistischen Union. Aber trotzdem ihn die Sache gar nicht angeht, läßt er sich über sie sehr ausführlich aus und trägt als ״objektiver Zuschauer“ seinen eigenen Ton in das neueste revisionistische Konzert hinein. Es ist vielleicht nicht überflüssig, wenn es auch allzu viel Raum beansprucht, dem Leser in Erinnerung zu rufen, was Herr Jabotinsky in dem im August 1931 erschienenen Sonderheft des ״Rassviet“ über die Beziehungen der Revisionisten zur Zionistischen Organisation geschrieben hat. Einem ״Die Ethik der Unabhängigkeit“ iibcrschriebenen und von W. j. gezeichneten Artikel entnehmen wir nach der deutschen Ausgabe folgende Stellen: ״. . . Vom sittlich-politischen Standpunkte rückt man zweifellos in eine unangenehme und verfälschte Situation, wenn man einersciU selbständige politische Arbeit leisten will und 711 y:eirh״r Zeit andererseits formell ein Teil einer anderen auch' politischen Organisation bleibt, die zudem noch auf das Monopol der politischen Vertretung des Zionismus Anspruch erhebt . . . (Seite 31). Hier ist eine Gruppe, die sich' als einen Teil der Zionistischen Organisation ansieht: sie beteiligt sich an den Kongressen, strebt zur Eroberung der Macht, beeinflußt so oder anders die Politik der Zionislischon Organisation, das heißt, sie fibornimmt somit auch die Verantwortung für diese Politik: und keiner zwingt sie hierzu, sie macht es aus freien Stücken. In demselben Atemzug aber erklärt uns diese Gruppe: ,Die Zionistische Organisation handelt falsch, höret nicht auf sic, höret, auf uns.“ Das ist ,sonderbar‘; so handelt man nicht . . . (Seite 33). Aber 11n״ca< htet dessm, gibt (s in den Beziehungen zwischen dem Revisionismus und clor Zionistischen Organisation etwas von Grund auf moralisch Unvereinbares. Die Prager Konfereni hat der Revisionistischen Union das Recht autonomer polt- «scher Tätigkeit zuerkannt. Angesichts dieses Beschlusses hat die revisionistische Exekutive mehrere wichtige selbständige politische Schrille unternommen und wird auch in Hinkunft mehrere noch wiihlieere und verantwortungsvollere Aktionen veranlassen müssen. Aber für eben diese selbständig geführten Aktionen hat die Zionistisehe Exekutive den Herrn Großman vor das Zionistische Ehren- (»rieht zitiert. Das Gericht hat erklärt, daß eine Gruppe, die »ich für einen Teil der Zionistischen Organisation ausgibt, kein Recht hat, politische Schritte gegen den Willen der Zionistischen Exekutive zu unternehmen. Durch diesen Beschluß des Zionistischen Ehrengeeichtes sind wir in eine schwierige moralische Lage gestellt worden. Bis mm konnten wir behaupten, daß die Beteiligung an der Zkmisiisehen Organisation mir mit zwei Pflichten verbunden ist: dem Be- Kenntnis /um Basler Programm und dem Kauf des Schekels, sonst nichts; sich der Disziplin der Zionistischen Organisation unterzuordneu, schreibt das Organisitionsstatut nicht vor. Nun aber, nach dem Beschluß des Gerichtes, ist jedermann, der Mitglied der Zionistischen Organisation ist, verpflichtet dio Disziplin zu wahren, das heißt, er hat kein Hecht, politische Schritte zu unternehmen, wenn die Zionistisehe Exekutive denselben ihre Zustimmung verweigert , . , (Seite 3-1/35). « Niemand ist vcrpflHltet, der Zionistischen Organisation beizutreten, aber wer diesen Beitritt freiwillig vollzogen hat, der hat sich selber zur Wahrung ihrer Normen verpflichtet. ־Das Bewußtsein und das Gewissen gebieten zwischen dem einen oder dem anderen zu wählen; entweder ist dio selbständige politische Tätigkeit des Revisionism'is unzulässig oder aber muß man fordern, daß es erklärt werde: die Union der Zionisten-Rcvisionistcn bildet keinen Teil der Zionistischen Organi-alion, sondern ist ein unabhängiges Kollektivum, das autonom seine Arbeit zum Besten eines reinen und unverfälschten Zionismus fuhrt . . . (Seite 35).“ Das Urteil des Ehrengerichtes vom Januar 1933 beruht im Grunde auf denselben Gedanken, die Herr Jabotinsky im August 1931 so eindeutig und überzeugend dargelegt hat. Aber Herr Jabotinsky von 1933 kann offenbar auch anders als Herr Jabotinsky von 1931! Denn zwischen diesen zwei Zeitpunkten liegen Calais, die Wiener Revisionistische Weltkonferenz und das von den flerren Tiomkin und Genossen enthüllte berühmte ״Gentiemen’s Agreement“, durch welches den Revisionisten die Aufrechterlialtung der ״unangenehmen und verfälschten Situation“ ermöglicht werden sollte, die Jabotinsky 1931 für sonderbar, ja für unethisch erklärt hat. Jeder ehrliche Mensch muß Jabotinskys Beschimpfungen des Gerichtes und der zionistisehen Bewegung als unaufrichtigen Versuch bezeichnen, seinen Parteigenossen vom Sonderverband in der Aufrechterhaltung der ״unangenehmen und verfälschten“ Situation gegenüber der Zionistischen Organisation journalistische Hilfe zu leisten. Die oben zitierten Stellen aus Jabotinskys Artikel könnten ebenso gut von Licht heim geschrieben sein, wenn auch dieser, im Gegensatz zu Jabotinsky, nicht den Austritt aller Revisionisten aus der Zionistischen Organisation, sondern im Gegenteil das Verbleiben und den Wiedereintritt der auf Grund des Calais-Abkommens Ausgeschiedenen verlangt. Sollte man nicht erwarten dürfen, daß er das mit seiner eigenen Stellungnahme doch so absolut im Einklang stehende Urteil des Ehrengerichtes zum Ausgangspunkt eines neuen Vorstoßes gegen die politische und moralische Unmöglichkeit von ״Calais“ macht? Daß er wenigstens einsicht, daß die Zionistische Organisation die Pflicht nat, sich gegen die Kon- Sequenzen der von ihm selbst bekämpften Beschlüsse der Wiener Konferenz zur Wehr zu setzen? Nach den Berichten über die kurz nach der Verhandlung des Ehrengerichtes abgehaltene Konferenz der deutschen Revisionisten schien es fast, daß Herr Lichtheim wirklich beabsichtigt, sich von der Haltung der offiziellen revisionistischen Führung zu distanzieren. Wenn, auch über seine eigene Rede nur soviel berichtet wird, daß er ״gegen die Ausführungen Jabotinskys polemisierte“, so scheint doch aus der Antwort des letzteren hervorzugehen, daß Herr Lichtheim noch einmal den separatistischen Tendenzen entgegengetreten ist und einem ״unabhängiger!“ Revisionismus das sang- und klanglose Ende der Territoriatistischen Organisation prophezeit hat. Aber schon wenige Tage darauf sehen wir Herrn Lichtheim in einer Berliner Protestversammlung als eine der Hauptfanfaren der von der Londoner Revisionist!- sehen Zentrale so planvoll arrangierten Entrüstung gegen das Ehrengerichtsurteil auftreten. Nur eine gute Seite vermag er dem Urteil abzugewinnen: ״Das Urteil bedeutet für uns eine wirkungsvolle Propaganda“'. Hat nicht Herr Lichtheim hier etwas unvorsichtig aus der Schule geplaudert? Hat er da nicht das treibende Motiv dieser Verdunkclungs- und Vcrhetzungskanipagne bloßgelegt? Wie muß es um eine Bewegung bestellt sein, deren Führer mit derartiger doppelten Buchführung herumjonglieren müssen und die auf solche ״wirkungsvolle Propaganda“ angewiesen ist! IV. Die Rolle der Hüter der Gesetze der Zionistischen Organisation gegenüber der Exekutive, dem Kongreßanwalt, dem Ehrengericht, steht einer Partei sehr wenig an, deren gesamte Beziehungen zur Zionistischen Organisation im Laufe von Jahren eine ununterbrochene Kette von Disziplinbrüchen und üesetzverletzungen darstellen. Das Urteil des Ehrengerichts bedeutet nichts anderes als die erste Bresche in das von den Revisionisten seit Jahren ausgeübte Morjppol, die Disziplin und die Gesetze der Zionistischen Organisation, in welcher sie alle Rechte gleich anderen Teilen der Bewegung genießen, ungestraft zu durchbrechen. Mit welchen Waffen die Revisionisten dieses Monopol verteidigen — davoa haben wir oben einige Beispiele gesehen.

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