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Jüdische Rundschau · 1933-01-20 · Heft 6 (20.1.1933) · p. Seite 27

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 6 (20.1.1933)
Date
1933-01-20
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6, 20.1.1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 27 Zwei Siebzigjährige Lloyd George David Lloyd George, dessen 70. Geburtstag soeben in England gefeiert wird, ist in eigentümlicher und unlöslicher Weise mit der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden: er war der Primeminister des Kabinetts, das im Jahre 1917 die Balfour-Deklaration erließ, durch welche dem jüdischen Volk Englands Hille bei der Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina verheißen wurde. Dieser Akt ist nicht nur der Anfang der modernen Entwicklung in Palästina, sondern er war auch die erste offizielle Anerkennung einer Großmacht für die jüdischen Ansprüche auf ein nationales Zentrum und damit die Erhebung des bis dahin nur propagandistisch betätigten politischen Zionismus in den Bereich der Weltpolitik. Lloyd George hat später selbst in einer Rede einmal erklärt, wieso ihm der Zionismus sofort .einleuchtete. Schon als Kind, so sagte er, hat er die Geschichte des jüdischen Volkes genauer studiert als die des britischen. Er ist in genauester Kenntnis der Bibe! aufgewachsen, kennt jeden Ort in Palästina, die Gestalten der jüdischen Geschichte sind ihm eng vertraut; ohne weiteres vermochte er in seinem Bewußtsein eine Brücke über die Jahrtausende zu schlagen. Die jüdischen Bestrebungen der Gegenwart erschienen ihm als selbstverständliche Fortsetzung einer hochberühmten Vergangenheit, deren Schöpfungen und Wirkungen jahrhundertelang die Menschheit erzogen haben. Lloyd George hat sich mit ganzer Ueberzeugumg für die zionistische Idee eingesetzt und einmal öffentlich ausgesprochen, er fühle sich Dr. Wcizmann zu tiefem Dank verpflichtet dafür, daß er ihn zum Zionismus bekehrt hat. Die ganze wechselnde Entwicklung der Nachkriegspolitik in Palästina hat Lloyd George mit größter Aufmerksamkeit verfolgt, und stets hatte die jüdische Sache an ihm einen aufrichtigen Helfer und treuen Verfechter. Nach der Konferenz von San Remo 1920 sagte er zu Dr. Wcizmann die berühmt gewordenen Worte; ,,Jetzt habt Ihr Euren Start, es ist Eure Sache, das Beste daraus zu machen.“ Auch nachdem er die Regierung verlassen hat, ist «r immer wieder für den Zionismus hervorgetrefen, in den wechselvollen Kampfjahren nach den Unruhen 1929 hat er häufig der antizionistischen Richtung der englischen Politik Widerstand geleistet. Wollte man Lloyd Georges Verdienste um den Zionismus darstelleri, wollte man seine zur Palästinapolitik gehaltenen Reden und geschriebenen Aufsätze registrieren, so müßte man den hier verfügbaren Raum überschreiten. Der Dank der zionistischen Bewegung wurde Lloyd George vor etwa zwei Jahren ausgesprochen, als im Rahmen einer großen Feier in London die Errichtung einer Lloyd George-Kolonie im Emck Jesreel, die den Namen ״Kfar David“ führt, proklamiert wurde. Auch bei dieser Gelegenheit hat Lloyd George sich zu den Prinzipien der Balfour-Deklaration erneut bekannt und die Erwartung ausgesprochen, daß die Erneuerung jüdischer Volkskultur in Palästina nicht nur für Palästina, sondern lür alle Länder, nicht nur für die Kinder Israels, sondern für alle Menschenkinder Großes bedeuten wird. Lloyd George ist eine der eigenartigsten und umstrittensten Gestalten der englischen Politik. Augenblicklich Ist er aus der Vorderlinie des politischen Lebens verdrängt, aber niemand wagt zu sagen, ob seine politische Karriere nicht noch einmal eine überraschende Wendung nehmen wird. Das jüdische Volk!md die zionistische Bewegung werden ihm ihre Dankbarkeit bewahren, und die öffentliche Meinung des Zionismus schließt sich der großen Zahl der Gratulanten zu seinem 70. Geburtstag an. Werner Sombart Der 70. Geburtstag Werner Sombarts läßt unsere Erinnerung um 20 Jahre zurückschweifen in jene Zeit, da Sombarts Judenbücher die jüdische Welt in Deutschland in stärkste Erregung versetzten. Sombart hatte in seinem großen wissenschaftlichen Werk ״Die Juden und das Wirtschaftsleben“ die These aufgesteilt, daß die Entstehung des modernen Kapitalismus im wesentlichen auf die Juden zurückgehe, eine Ansicht, die von anderen Wirtschaftshistorikern scharf angefochten wurde. Sombarts These war so einseitig, wie dies meist bei neuen Erkenntnissen der Fall ist; dennoch kommt Sombart das große Verdienst zu, den Anteil der Juden an der modernen Wirtschaftsentwicklung als erster umfassend gewürdigt zu haben. Sombart aber begnügte sich nicht mit einer wirtschaftshistorischen Darstellung; er versuchte in psychologischer Analyse ein Bild der jüdischen Eigenart zu geben, die er vorwiegend in einer rationalistischen, aufs Abstrakte eingestellten Veranlagung und starken Zielstrebigkeit erblickte. Diese Charakteristik des jüdischer! Wesens hält einer tieferen Kritik nicht stand; aber was damals einen Sturm der Entrüstung im assimilatorischen Lager erweckte, waren gar nicht die Einzelheiten der Sombartschen Darstellung — das bürgerlich-kapitalistische Judentum hätte doch über die Bezeichnung der Juden als Erfinder des Kapitalismus eher geschmeichelt sein müssen — sondern die Feststellung einer jüdischen Sonderart überhaupt. Das erregte natürlich erbitterten Widerspruch bei den Juden, die als ״hundertprozentige Deutsche“ eine Grenzziehung nicht anerkennen wollten. Das große Verdienst Sombarts war es, bereits vor mehr als 20 Jahren die Diskussion über die Judenfrage aus dem Bereich antisemitischer Schimpfereien auf das Niveau ernster Auseinandersetzung gehoben zu haben; dies war es auch, was von zionistischer Seite damals begrüßt wurde. Sombart hat stets entschieden abgelehnt, als Antisemit bezeichnet zu werden, weil er von der Verschiedenheit deutschen und jiidisehen Wesens sprach; er erblickte darin keine Minderbewertung des Judentums, und er sprach offen aus, daß der Nationaljude, der sich zu jüdischem Volkstum bekennt, allen Respekt verdiene. Sombart hat sich in die nationaljüdische Theorie vertieft und in überaus wirksamer Weise die zwei Argumente bekämpft, die damals (zum Teil heute noch!) von jüdischer Seite gegen den Zionismus erhoben wurden, nämlich das zionistische Bekenntnis stehe im Gegensatz zum Staatsinteresse und der Zionismus führe ins Ghetto zurück. In dieser Beziehung war Somhart der Vorläufer einer modernen Betrachtungsweise der Judenfrage, die sich bis heute noch nicht völlig durchgesetzt hat. Dieser Mann, der seiner ganzen geistigen Haltung nach zu großen Konzeptionen und zu umfassenden Systemen hinneigt, läßt sich wohl zuweilen zu überspitzten Formulierungen verleiten, die man nicht vollständig gelten lassen kann. Aber gerade durch diesen Mut zum Ungewohnten lenkt er die Aufmerksamkeit auf einen Tatbestand und eine Problematik, die man leicht übersehen konnte. Verständnis für die Problematik der Judenfrage spricht letzten Endes auch aus seinem berühmten Wort, die Juden sollten /.war die volle staatliche Gleichberechtigung besitzen, aber den Takt haben, davon nicht resflos Gebrauch zu machen. Diese Aeußerung, die Sombart von jüdischer Seite sehr verübelt wurde, ist ein Zeugnis des Wissens, daß in der Judenfrage etwas steckt, was nicht in bloß formalistischcr Weise beseitigt werden könne, sondern tief in das lnstinktlcben der Völker hiiicinrcichf. Seit 1912 hat sich viel gewandelt und gerade in der heutigen Zeit wird es noch schwerer sein als damals, manchen Sombartschen Empfehlungen durchaus zuzustimmen; aber niemals wird man verkennen dürfen, daß in Sombarts Stellungnahme zum Judenproblem ein waches Empfinden für das Wesentliche enthalten war. Wir Zionisten konnten Sombart stets unbefangen gegenübertreten, weil wir die Empfindlichkeit, mit der die frühere jüdische Generation auf das Wort Jude reagierte, nicht mehr kennen und die öffentliehe Diskussion der Judenfrage zum Prinzip erhoben haben. Sombart hat seinerzeit dem jüdischen Denken und der jüdischen Selbstbesinnung einen starken Anstoß gegeben. Prof. Sombart bringt auch heute der zionistischen Bewegung lebhaftes Interesse entgegen. Er ist Mitglied des Deutschen Komitees Pro Palästina. An dem Tage, wo die gesamte deutsche Ocffcntlichkeit den großen Gelehrten feiert, sei auch diese Nuance seines Wesens nicht vergessen. Zur Markt-Frage Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tef-Awiw, 10. Januar 1933. Unter den mannigfachen Erklärungen für den steigenden Wohlstand Palästinas, der in einem so scharfen Gegensatz zu der europäisch-amerikanischen Wirtschaft steht, verdient eine, bisher wenig beachtete, ein besonderes Interesse: sie schreibt die Konjunktur Palästinas zu einem bedeutenden Teile (natürlieh nicht in Gänze!) der steigenden Kaufkraft zu, die im Lande herrscht. Es besteht in der Tat augenblicklich eine Situation im Lande, die umgekehrt ist als im Ausland: dort kommt die Produktion nicht weiter, weil die Waren nicht in genügendem Maße abgesetzt werden können. In Palästina gcschiebt aber das Umgekehrte. Das neue Kapital und seine Träger, die bemittelten Einwanderer, sind — wenigstens in der ersten Zeit — vorzugsweise Konsumenten. Sie verlangen Wohnung, Kleidung, Nahrung, Vergnügungen, oft in einem Ausmaße und einer Güte, wie man es bisher im Lande nicht gewohnt war. Mit dieser Einwanderung bekommt das gesamte Wirtschaftsleben einen neuen Impuls; da keine Arbeitslosigkeit herrscht, kann auch der weniger Bemittelte, der Angestellte, der kleine Ladenbesitzer, der Arbeiter seine Kaufkraft in die Waagschale werfen und dazu beitragen, das Rad in Schwing zu halten. Bei dieser Situation profitiert nicht nur die jüdische Wirtschaft im Lande, sondern eine Reihe anderer wirtschaftlicher Faktoren. Bei der Nachfrage nach aller Art von Gütern findet sich Raum für verschiedene Waren des Auslandes, vor allem für Qualitätswaren, da eben der Standard steigt und auch der Geschmack sich vervollkommnet. Auch die arabische Wirtschaft profitiert in einem gewissen Maße; Gelder für Bodenkäufe fließen hinein, es findet sich ein weiterer Markt für landwirtschaftliche Produkte, wenn auch die jüdische Wirtschaft in weit höherem Maße als in früheren Jahren imstande ist, dieser Nachfrage selbst nach/ukotnmen. Und in einem Teil der jüdischen Wirtschaften findet sich auch für den arabischen Arbeiter Beschäftigung. So wird sowohl der Import als auch die allgemeine palästinensische, nicht nur die jüdische Wirtschaft an der IConjunktur beteiligt, wie auch die Einnahmen der Regierung ausgezeichnete Steigerungen aufweisen. Nach einer gewissen Zeit beginnt dieses einwandemdeKapitaf, das heute die Kaufkraft ausweitet und die Wirtschaft auf verschiedenen Gebieten ankurbelt, sich auch in der Produkt i o n auszuwirken. Soweit es sich um Orangen handelt —. und das ist ja heute ein bedeutender Teil der Produktion — tritt dieser Zeitpunkt relativ spät ein, nämlich ungefähr fünf Jahre nach Anlage der Plantage. Von diesem Moment, wo das Kapital seine Rente trägt oder tragen soll, wird das Wirtschafts- Problem des betreffenden Erwerbszweiges zu einem großen Teile eine Markt frage. Da es sich bei Orangen zu einem überwältigenden Teile um ein Exportprodukt handelt, kann im Lande selbst für den Absatz nicht viel geschehen — es sei denn die Umwandlung in andere Waren, wie Marmeladen, Säfte, Konserven usw. — und die Aufmerksamkeit der Pflanzer und Pflanzerorganisationen hat sich ja schon frühzeitig der Festigung alter Absatzstellen und der Erschließung neuer Märkte augewandt; daher auch das besondere Interesse für die Zollmaßnahmen Englands, die Ottawa-Konferenz und die Handelspolitische Stellung des Mandatslandes Palästina innerhalb des britischen Imperiums. Bei anderen Produkten, vor allein industrieller Art, wird in erster Linie der Fnnenmarkt in Betracht zu ziehen sein. Sobald das importierte Kapital sich rentieren soll, wird sein Hauptproblem in der Marktfrage bestehen, und zwar in der Markt erschließu 11 g des gesamten Palästina und der umliegenden Territorien. Und hier ergeben sich verschiedene Fragen, zum Teil wirtschaftlicher, zum Teil auch politischer Natur. Sie sind von entscheidender Wichtigkeit, denn die Periode, wo sich das einwandernde Kapital nur als Käufer auswirkt wie heute, muß naturgemäß beschränkt sein und jeweils mit dem Moment rintreten, wo es in fnvestitionen fruchtbar wird und nach Absatz suchen muß. In der Erschließung des palästinensischen Marktes ist bisher nur der jüdische Teil durchgreifend und mit allen Mitteln bearbeitet worden. ,,Tozereth Haarez“ (Landesprodukte) bedeutet ja in der jüdischen Terminologie ״jüdisches“ Produkt, eventuell auch mit jüdischer Arbeit hergestellte Ware. Damit hat man erreicht, daß das jüdische Publikum im Lande sich gewöhnt hat, soweit es nur angeht, jüdische Produkte aiisländischen vorzuziehen. Vielfach haben die Unternehmungen die Kinderkrankheiten rasch überwunden, eine gleichmäßigere Qualität hervorgebracht und sich dem Geschmack des Publikums angepaßt. Es wird aber oft vergessen, daß dieser jüdische Markt, für den man produziert, relativ beschränkt ist, — handelt es sich doch schließlich um ungefähr zweihunderttausend Menschen! — und daß eine Expansion der Produktion notwendigerweise zu einer Expansion der Konsumtion führen muß, wenn nicht eine gefährliche Stockung resultieren soll. Es müßte der Versuch gemacht werden, zuerst den arabischen Markt und danach die umliegenden Territorien in den Wirtschaftsrahmen einzubeziehen. Das ist durchaus nicht einfach, so wie die Dinge heute in Palästina liegen. Die bestellende politische Spannung, die Trennung der beiden Lager, psychologische Gegnerschaft — von der Verschiedenheit des Geschmackes, die sich noch am ehesten überwinden ließe, abgesehen — schaffen eine ernste Barriere für Warenexpansion. Was für das arabische Palästina gilt, stimmt auch zu einem bedeutenden Teile für die atigrenzenden Territorien, die ja mit Palästina in enger Verbindung stehen und von hier aus antijüdisch beeinflußt werden. Es unterliegt also keinem Zweifel, daß mit dem Erscheinen der Marktfrage in der jüdischen Produktion auch die allgemeine politische Frage Palästinas auffaucht, und dieses Mal in einem anderen, nämlich einem ökonomischen Gewand; C3 ist weiterhin klar, daß diese Frage sich nicht nur in Palästina selbst auswirken muß, sondern auch fn den psychologisch und politisch von Palästina beeinflußten angrenzenden Territorien. Die Wirtschaftsgeschichte der letzten zehn Jahr« in Palästina liefert verschiedene Beispiele für derartige Scfiwierigkeiten. Sie wurden jedoch nicht besonders beachtet, weil bis• her die Produktion - Orangen immer wieder ausgenommen —« noch so einen bescheidenen Umfang besaß, daß der jüdische Markt noch Aufnahmemöglichkeiten bot. Auch heute finden Unternehmungen verschiedenster Art ihre Arbeitsmöglichkeit, indem sie bisher importierte Artikel erzeugen und unter den Juden absetzen. Mit dem Wachstum der Industrie muß dieser jüdische Rahmen jedoch bald zu eng werden und das natürliehe Expansionsfeld liegt dann im inner- und außerpalästinensischen Arabertum, das jedoch in keiner Weise dafür vorbereitet ist. Das Marktproblem im Lande hat noch eine andere Seite, die mit allgemeinen politischen Fragen verbunden ist und bisher ebenfalls vernachlässigt wurde. Die Masse der Araher ist einfach unfähig, Güter zu kaufen, die über die primitivsten Lebensnotwendigkeiten hinausgehen, einerseits weil sie sie nicht kennt, nicht an ihren Gebrauch gewöhnt ist und andererseits, weil sie absolut unfähig ist, sie zu bezahlen. Bei der dünnen städtischen Oberschicht liegen die Dinge natürlich anders, hier öffnet Wohlstand und Berührung mit westlichen Sitten die Tür für europäische Produkte. Der Fellache und der Beduine ebenso wie der städtische Arbeiter aber hat einen so gedrückten Standard, daß man auf seine Kaufkraft nicht rechnen darf. Es müßte also für die Juden schon aus eigenstem Interesse ein Programmpunkt sein, für die Hebung des allgemeinen Lebensstandards im Lande, die Zivilisicrung der breiten Massen in weitern Maßstahe sorgen zu helfen oder, in anderen Worten, für eine Regierungspolitik einzutreten, die einer derartigen durchgreifenden Zivilisierung dient. Alles, was einer allgemein-fortschrittlichen Richtung entspricht, Reform des Unterrichtswesens und der sanitären Fürsorge, Hebung des Standards, Modernisierung der arabischen Wirtschaft, alle diese Maßnahmen, die sich auch aus ganz anderen Gesichtspunkten empfehlen (Politik, Sicherheit, Lösung der nationalen Spannungen usw.) drängen sich immer stärker auch von der Wirtschaftliehen Perspektive aus auf. Diese Art, die Dinge aut weite Sicht zu sehen, für Erfolge in weiter Zukunft heute schon etwas zu tun, und zwar Dinge, die vom Herkömmlichen abwcichen, ist jedoch heute in Palästina nicht üblich, wenn nicht zu sagen unpopulär. So wie man sich mit der politischen Seite der arabischen Frage heute gar nicht oder nur höchst ungern bcschäftippt, so läßt man auch die wirtschaftlichen Probleme, die damit verbunden sind, unangerührt. Sie kommen vielleicht kaum zum Bewußtsein. Aber sie existieren nichtsdestoweniger und werden sich in längerer oder kürzerer Zeit in voller Schärte bemerkbar machen. Eine Industrie-Zone in Tel >Awiw Jerusalem, 18. Januar. (J. T. A.) Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meyer Dizengoff, begibt sich demnächst nach England, wo er am 1. Februar eintreffen wird .Sein Besuch dort steht im Zusammenhang mit dem Plan der Schaffung einer Industrie-Zone in Tel-Awiw, die den wachsenden Bedürfnissen dieser Stadt entsprechen soll. Heute befinden sich mehrere Fabriken im Herzen der Stadt, die dem Stadtbild Abbruch tun. Diese Fabriken sollen in die neue Zone verlegt werden, die außerhalb der Stadt auf noch zu erwerbendem Boden angelegt werden soll. Eine Verwirklichung dieses Planes wird auch eine Entspannung in den Bodenpreisen mit sich bringen. Dizengoff hofft, maßgebende englische Juden für seinen Plan zu gewinnen. ״Primat der revisionistischen Disziplin“ Jerusalem, 17. Januar. (J. T. A.) Der Parteirat der Z i o n i s t c n - R c v i s i o n i s t e n P a I ä s t i n a s , der in Jerusalem im Beisein von Meer Großman, Vizepräsidenten der Union der Zionisten-Revisionisten und Leiter des Londoner Büros der Exekutive der Union, getagt hat, nahm nach einer sehr bcwegten Debatte eine Reihe Beschlüsse an, die deutlich zeigen, daß die palästinensischen Revisionisten in ihrer großen Mehrheit nicht hinter der Londoner revisionistischen Exekutive stehen, sondern den radikaleren Standpunkt Jabot! nskys teilen. Es wurde beschlossen, daß nur solche Personen führende Positionen in der revisionistischen Bewegung einnehmen dürfen, die den Primat der revisionistischen Disziplin, wie. es von Jabotinskv gefordert wird, anerkennen. Kurze Nadiriditen in Abwesenheit des Präsidenten der Jewish Agencv, Sokoiow, sandte Dr. Brodetsky an Lfovd Ueogge aus Anlaß seines 70, Geburtstages ein Glückwunschschreiben im Namen der Jewish Agency. Zu Ehren von Lord M eich et! fand am 17. Januar in Jerusalem ein Bankett statt, dem Beamte der Regierung und Mitglieder der Jewish Agency beiwohnten. Sokolow, Arlosoroft und David Yellin rühmten Lord Melclicfts Hingabe an die jiidische Sache. Im Saale des Edison-Theafers, dem größten Saale Jerusalems, fand eine Makkabi-Kundgebung zu Ehren Lord Melchctts statt. Am Sonntag nachmittag wurde zu Ehren Melchctts eine Makkabi-Parade unter freiem Himmel abgehalten; die Freiluftsportspiele hatten ein hohes Niveau, Lady Melchett verteilte die Preise an die Sieger. Die Regierung Palästinas hat der Uebertragung der Verwaltung der hebräischen Schulen von der Jewish Agency auf den Waad Leumi offiziell zugestimmt und verfügt, daß der Regierungszuschuß von 20000 Pfund jährlich nunmehr dem Unterrichtsausschuß des Waad Leumi übermittelt werde. In den letzten Tagen hatte Dr. Nahum Goidmann in Warschau Besprechungen mit zionistischen Führern aller Richtungen wegen Schaffung einer polnischen Landesorganisation zur Vorbereitung des Jüdischen Welt« kongresses. In Jerusalem begann die Wochenschrift ״Hazionl H a k 1 a 1 i“ als das Organ der Allgemeinen Zionisten Palästinas zu erscheinen. Die erste Nummer enthält Aufsätze von Nahum Sokolow, M. M. Ussischkin, Emanucl Neuman, Prof. Dr. J. Klausner, I, Supraski, Dr. Mossinson, Chamda Ben Yehuda u. a. m,, sowie einen bisher unveröffentlichten Aufsatz von Elieser Ben Yehuda. Redaktionsleiter ist S. Schwarz, dem Redaktionskollegium gehören noch Michel Rabinowitsch und S. Ussischkin an. Ein Vertreter der Sowjet-Rcgicrurigskommission, die den für Landwirtschaft in Betracht kommenden Boden in Biro- Bidschan untersucht hat, teilt der Presse mit, laut dem Plan der Regierungskommission sollen im Verlauf des zweiten Fünfjahrplans 150 000 Hektar Boden in Biro-Bidschan anbaufähig gemacht werden; die Kosten dieser Urbarmachung müßten etwa 60 Millionen Rubel betragen.

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