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Jüdische Rundschau · 1933-01-20 · Heft 6 (20.1.1933) · p. Seite 26

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 6 (20.1.1933)
Date
1933-01-20
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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Seite 26 jüdische rumdschau Nr. 6, 20.1. 1933 kriminell ist, daß die Bildungsfähigen der Neger jedweden Vergleich aushält, daß an Amerikas Kunst und Wissenschaft die Neger bedeutenden Anteil haben, daß die Neger ausgezeichnete Soldaten sind, daß es soundso viele Aerzte, Lehrer, Ingenicure. Rechtsanwälte, Schriftsteller unter den Negern ’gibt, daß die Neger mindestens so eifrige Kirchgänger sind wie die Weißen, daß auch an der Entdeckungsfahrt des Kolumbus bercits Neger teilgenommen haben, kurzum, daß die Neger in jeder Beziehung vollwertige Amerikaner sind. Zum Lobe dieser Richtung sei gesagt, daß sie sich nicht nur mit Abwehr und Aufklärung in dem Sinne, wie sie es für richtig hält, begnügt, sondern auch umfassend positiv arbeitet, vor allem auf dem Gebiete der Volksbildung, der Sozialhygiene, der Wirtschaftsförderung, des Rechtsschutzes. Mit Deklamationen und Resolutionen gibt man sich im praktischen Amerika nicht zufrieden. Sö können die Abwehrorganisation er. der amerikanischen Neger als das Ergebnis ihrer Arbeit mindestens die starke Verbesserung der kulturellen und wirtschaftlichen Lage ihrer Anhänger nachwcisen, wenn auch das große politische Ziel nicht erreicht ist. (Peinlich ist die Frage: Was haben unsere jüdischen Ahwehrkämpfer an Positivem hervorgebracht, an Initiative jiidisch-kultureltcr und jüdisch-wirtschaftlicher Natur?) Die dritte Richtung ist di« jüngste, Sic lehnt nicht bloß die Assimilation ab, sondern stellt auch über die Abwehr noch ein höheres Ziel, das Selbstbcwußtsein, das sich nicht um fremdes Werturteil kümmert, sondern sein Fundament in der eigenen Art und Leistung findet. Man nennt sich auch nicht mehr schamhaft ״colored gcntlcman“, sondern stolz und frei ״Negro“, wohlgemerkt mit großem ״V, /um Zeichen, daß das Wort nicht mehr bloß die Eigenschaft der dunklen Hautfärbe oder der afrikanischen Abstammung in sich begreift, sondern ein Volkstum genau co gut wie das der Iren, der Juden, der Italiener, der Deutschen im großen amerikanischen Völkergemisch. Der ״Ncgro“ soll nicht ״Rasse“, sondern ,,Nationalität“ sein. Diese große, starke Strömung, zumal unter der jungen Generation des amerikanischen Negertums . eingehend unterrichtet uns darüber die Ausgabe 1931 32 des von dem berühmten Tuskegee-Insfitute herausgegebenen ״Negro Year Book“ von Monroe N. VI ork — berührt uns um 80 svmpnthischer, als ja ganz, klar ist, weshalb es ein National-Ncgertwn noch um vieles schwerer hat denn das National-Judentum. Uns stützt eine gewaltige Tradition, und vor uns erhebt sich, ein konkretes Ziel: Palästina. Deshalb ist der Zionismus ein Faktor in Weltpolitik und Weltkultur, Was haben die Neger? Sic sind fast geschichtslos, und nach Afrika können sie nicht zurück. Wenn aber selbst diese bedrängten, mißachteten Mensehen die unterwürfige Assimilation ablehrien und mehr verlangen als milde Duldung, aämiieh Anerkennung ihres gleichberechtigten nationalen Eigenwertes — obwohl so viele Kriterien einer Nation ihnen fehlen —, sollte das nicht viele Juden beschämen, die immer noch ein jüdisches Volkstum verleugnen, das docli durch eine Fülle von Tatsachen bewiesen und ermutigt wird? Vom ״Negro“ könnten sie lernen, daß cs noch anderes gibt als Assimilation und Ab *'dir. Das ״Ncgro Year Book“ hält ihnen den Spiegel vor. Wie leben drüben, in den USA., Neger und Juden nebeneinander? Ein paar tausend Negerjuden gibt es in New York und Chicago; einer ihrer Führer, der Oberkantor Towje Hakohen, bereiste kürzlich auf einer Konzertreise Mitteleuropa. Sie behaupten, jüdisch-abessinischer Abstammung zu sein; wahrscheinlich sind aber ihre Gemeinden sektiererischen Ur- Sprungs, den ״Adventisten“ verwandt, was ja in Amerika nicht ungewöhnlich ist. im übrigen erteilt das ״Ncgro Year Book“ über die Beziehungen zwischen Juden und Neeern keine Auskunft. So bleibt die Frage offen: Nehmen Neger am AntTemitismus teil und Juden am NegerhaiD Unterdrückte und Unterdrücker zugleich? Dem Verfasser dieser Ausführungen ist die Frage so interessant, daß er beabsichtigt, darüber einesteils mit Monroe N. Work, amlernteils mit Führern und Kennern der amerikanischen Juden in Korrespondenz zu treten. Sicher ist es eines der reizvollsten •Völkerpsychologischen Probleme der Gegenwart. Er hofft, spater auch darüber berichten zu können. Das Wirtschaftsdepartment der Jewish Agency in Jerusalem hat soeben mit der Ausgabe eines W i r t s c h a f t s - B u i - letins in deutscher Sprach« begonnen. Es handelt sich um einen Versuch, Informationen über die Entwicklung der Privat- Wirtschaft in Palästina zu verbreiten sowohl für ’die Zwecke der Öffentlichkeit und der allgemeinen zionistischen Propaganda, als auch zwecks Beratung von Einzelpersonen, die in Palästina vielleicht Unternehmungen begründen oder sich an solchen beteiligen wollen, jeder,’der an der Wirtschaft Palastinas interessiert ist, kann das Bulletin von der Exekutive in Palästina kostenlos z 11 g e s c h i c k f bekommen. In der ersten Nummer wird über die Schaffung des Wirtschaftsdepartment der jewish Agency unter der Leitung von Fmamtci Neumann berichtet, das angeregt hat. in jedem Lande Wirtschaftsausschiisse für Palästina ’zu bildet!,’ die mit dem Department in Verbindung stellen sollen. Die beiden ersten Hefte enthalten wirtschaftliche Monatsberichte, die einen Gesamtüberblick über die Preisbewegungen und verschiedenen Unternehmungen in großen Zügen geben. So wird z. B. in dem letzten Bericht die Lage der Regierungsfinanzen erörtert und mit den bereits bekannten Argumenten gegen die Einführung einer Einkommensteuer Steilung genommen. Ferner wird tnitgrteilf, daß auf dem Anlage- und Warenmarkt die p r e i s t r e i b e n d e Tendenz anhält und Orangengärten im Preise zwischen 150 und ISO Pfund pro Dunam stehen, wobei die Nachfrage nach Pflanzungsboden nicht befriedigt werden kann. Ferner wird der Eröffnung der Heilquellen in Tiberias und der geplanten Errichtung eines Badeortes am Toten Meer Erwähnung getan. Eine besonders bemerkenswerte Aulgabe des Wirtschafts-Bulletins ist der Briefkasten, in welchem Informationen veröffentlicht werden, die vom Wirtschaftsdepartment an einzelne lnformationssuchende im Ausland gegeben wurden und nach Meinung des Departments auch für die übrige Oeffentlichkeit von Interesse sein können, William Martin, Leitartikler des ,,Journal de .Genfcve“, dessen Aufsätze zu den Problemen des jüdischen Palästinawerkes unvergessen bleiben werden, hat seine Tätigkeit in der Genfer Zeitung mit einer Professur für Geschichte an der Technischen Hochschule in Zürich vertauscht. Alle Freunde des Völkerbundes und der Volkerversöhming bedauern lebhaft, daß William Martin auf aktive politische Betätigung an hervorragender Stelle verzichtet hat. Joachim Neiger, ein führender Vertreter des westgalizischen Judentums, langjähriges Mitglied des Zionistischen Aktions- Comitcs, feierte dieser Tage seinen 60. Geburtstag. Joachim Neiger erfreut sich wegen seiner hervorragenden menschlichen und jüdischen Eigenschaften außerordentlicher Verehrung und Wertschätzung in der gesamten zionistischen Welt. Adolf BÖhm Sechziger Adolf Böhm, der heute 60 Jahre alt wird, braucht den Lesern der ״Jüdischen Rundschau״ als geistige Persönlichkeit nicht vorgestellt zu werden. Seit Jahren zahlt er zu den angesehensten Mitarbeitern unserer Zeitung. Böhm ist keine nach billigen Lorbeeren strebende ״Partelgröße“; alles, was dieser Mann denkt und tut, ist in streng sondernder Prüfung und aus innerem Ringen erwachsen. Ist er doch auch einer der — zumal in Oesterreich -- wenigen Führer, die nicht aus der ziomstisehen Studentenbewegung gekommen sind, sondern erst in reifen Jahren wurde er, früher dem Judentum innerlich und äußerlich fernstellend, durch den Zionismus zur Erkenntnis der Judenfrage und seines Judeseins geführt. Und da Böhm, was er tut, ganz tut, stand er kurz, darauf in der vordersten Reihe des zionistischen Lebens. In den Jahren 1907 1913 führte er zusamnien mit Wcizmann und anderen die auf praktische Siedlungsarbeit gericldcte Strömung zum Sieg. Aber Bölirns eigeritliehe Bedeutung lag niemals im Bereiche des Parteigetriebes, obwohl er zur Zeit seiner Präsidentschaft in Oesterreich das Niveau zionistischer Tagungen zu staatsmänni.-chcr Höhe zu heben verstand, Seitdem er 1913 die Leitung der österreichischen Landesorganisation niederlegte, hat Bölirn kein offizielles Amt 1'n der Partei mehr bekleidet (mit Ausnahme des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds). Die Art und Weise, wie das zionistische Parteileben sich nach dem Kriege entwickelt hat, ließ für einen Mann wie Böhm, diesen Fanatiker der Sachlichkeit und Sachkenntnis, dem jede Demagogie verhaßt ist, keinen Raum. Oesterreich wurde nach dem Kriege ein kleines Land, die österreichische Landesorganisaüon, ohnedies von lokalen und personalen Schwierigkeiten gehemmt, bot keine Betätigungsmögliclikeit, und so kam es, daß ein Mann wie Adolf Böhm nicht einmal ein Mandat zu den Zionisfenkongressen, die ganz in Parteipolitik ausarteten, erhalten konnte. Doch ist er noch 1920 21 auf den entscheidenden zionistischen Tagungen in den beiden wichtigsten Fragen, Bodenfrage und Araberpoiitik, führend und warnend hervorgetreten. Hatte er doch auf die Bedcufung des Araberprobicms schon vor dem Kriege hingewiesen und setzte sich für dessen Beachtung 1921 im A.-C.mit allem Nachdruck —- freilich vergeblich— ein. Böhms einzigartige Leistungen liegen aber auf geistigem Gebiete. Sein großes Werk ״Die zionistische Bewegung“ ist die einzige zusammenfassende Darstellung der zionistischen Ideologie und Geschichte, freilich leider nur bis etwa 1920; wenn wir zu Böhms 60. Geburtstag einen dringenden Wunsch aussprechen dürfen, so ist es der nach einer zweiten erwei-: terten und auf den heutigen Stand gebrachten Auflage dieses unentbehrlichen Werkes. Seit Jahren gibt Böhm die Monatsschrift ״Palästina“ heraus, in der das gesamte Palästina betreffende Material gewissenhaft registriert wird, so daß die Zeitschrift ein Kompendium des palästinensischen Werdens und Gescltehens ist; eine ungewöhnliche redaktionelle Leistung und ausschließlich persönliche Arbeit des Herausgebers. Gilt dabei Böhms Interesse in höchstem Maße den praktischen Palästinafragen, für deren Primat er sich bereits 1907 einsetzte, so hat er doch nie verkannt, daß der Zionismus seinem Wesen nach eine geistige Bewegung ist. Schon vor 20 Jahren ist er dafür eingetreten, daß die zionistische Propaganda sich vor der nationak'11 Phrase hüte und nicht in Parteiagitation verflache, sondern vor allem Erziehung sei, abzielend auf die innere Erneuerung des jüdischen Menschen und Erfüllung des jüdischen Lebens mit lebendigen jüdischen Inhalten. Böhm empfindet tiet die Problematik des jüdischen Menschen in dieser Zeit, und wie er niemals bloßer Parteimann, sondern stets selbständiger Denker war, so weiß er auch heute, daß die Entwicklungen und Ent- Scheidungen, um die es geilt, weit über den engen Bezirk zionistischer Fragen hinausragen. Wir stehen erst am Anfang der großen jüdischen Ralliierung. Böhm wird dabei noch Wescntliebes zu sagen und zu wirken haben. Auch heute, in seinem 60. Lebensjahr, ist Böhm von ungewöhnlicher Tatkraft und voll von Plänen und Initiative. Wir haben noch viel von ihm zu erwarten, und wenn wir ihm in unserem Namen und im Namen der Leserschaft der ״Jüdischen Rundschau" herzlich gratulieren, so wünschen wir zugleich, daß seine Schaffenskraft noch das ihr gemäße und gebührende Tätigkeitsfeld finden möge, und daß auch sein aktives Interesse an der ״Jüdischen Rundschau“ weiterhin erhalten bleibe. Sokolow gegen Legislative Conncll Jerusalem, 18. Januar, In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur führte Nahum Sokolow, Präsident der Jewish Agency, aus: Es ist falsch, anzunehmen, daß nur die Juden cs sind, die sich der Schaffung einer Legislative Assembly in .Palästina widersetzen; viele der maßgebenden Männer in London sind der Ansicht, daß man die Errichtung eines Legislativc Council in dieser Epoche nicht durchpeitschen, sondern ein System schrittweiser Entwicklung bei gleichzeitiger Durchführung praktischer Reformen vorziehen möge. Die Schaffung eines Legislative Council im gegenwärtigen Zeitpunkt läge keineswegs im Interesse der Regierung und des Mandats. Manche Leute hegen vielleicht die Erwartung, daß gewisse Elemente unter den Juden wie unter den Arabern sich auf der Plattform eines Legislative Council einigen könnten. Eine solche Annahme ist vollkommen irr i g; man braucht noch lange kein Extremist zu sein, um sich der Schaffung eines Legislative Council zu widersetzen. Ich zweifle nicht, fuhr Nahum Sokolow fort, daß der jetzige High Comrnissioncr von den besten Absichten sowohl hinsichtlich der Entwicklung des jüdischen Werks in Palästina als auch hinsichtlich des Wohlstandes der nicht jüdischen Bevölkerung beseelt ist; jedoch die Verwirklichung seiner guten Absichten wird noch beträchtliche Z e i t erfordern. Die gegenwärtige politische Lage wirkt sich für die jüdischen Interessen in Palästina weit besser aus als je eine Lage vorher. Dies ist hauptsächlich auf den Fortschritt des jüdischen Aufbau- Werkes zurückzuführen, der dem ganzen Lande zugute kommt. Sokolow schilderte seine Begegnungen mit den verschiedensten Schichten der jüdischen Bevölkerung im Lande und stellte abschließend fest, daß sieb die Lage der Juden in Pa-!ästina entscheidend gebessert habe. Wir sollten den Geist der Zuversicht, von dem die Juden Palästinas jetzt erfüllt sind, stärken und nicht pessimistischen Prophezeiungen Raum geben. Jeder Jude in Palästina, der fleißig und geduldig ist, kann auf den Erfolg seiner Arbeit rechnen. Nahum Sokolow hofft, Ende Februar wieder in London zu sein. Abbas HUmi kommt nicht nach Pallstina Jerusalem, 18. Januar. (]. T. A ) Der Ex-Khedivc von Aegypten, Abbas Hilmi, der mehr als zwei Wochen auf seiner Yacht vor Haifa vor Anker lag, fuhr nach Bagdad ab, ohne palästinensischen Boden betreten zu haben. Wie es heißt, wurde ihm seitens der englischen Regierung bedeutet, daß er in Paladina kein erwünschter Gast sein würde. Der Mufti von Jerusalem hat deqi Ex-Khediven im letzten Augenblick eine Einladung zugehen lassen, jedoch tat er dies, so versichern arabische Kreise, in der Hoffnung, daß seine Einladung nicht angenommen werden •wird, nachdem auch die arabischen Führer beschlossen hatten, den Ex-Khediven, falls er in Palästina landen sollte, zu igno- I ijercn, Minister Benes — Referent in Mandatsfragen Unterredung de« zionistischen Abgeordneten Dr. Angela Goldstein mit Benci Von unserem Korrespondenten. h. 1. Prag, 18. Januar 1933. Der tschechoslowakische Minister des Aeußern, Dr. Bene?, der Mitglied des Völkerbundrates ist, ist als solcher zum Referenten in Mandatarsachen bestellt avorden und wird anläßlich der jetzt tagenden Sitzung der Mandatskommission in Genf das Referat über die Mandatsgebiete, insbesondere über Palästina halten. Im Hinblick auf die bei der Sitzung der Mandatskommission zur Erörterung gelangenden Fragen wurde in dieser Woche der zionistische Abgeordnete im Prager Parlament, Dr. Angdo G o 1 d s t e i n , von Bene? empfangen. Dr. Goldstein informierte den Minister über wichtige Fragen und war in der Lage,, auf Grund der Eindrücke seiner Palästinareise aus eigener Wahrnehmung auf jene Fragen zu antworten, die ihm Minister Bene? stellte, und hat auch im Einvernehmen mit der Genfer Vertretung der Zionistischen Weltorganisation wesentliche Punkte des von der Mandatskommission vorgebrachten Referates besprochen. Wie uns Dr. Goldstein mitteilt, hat sich Dr. Bene? 11t den wichtigen Fragen, die für unsere Politik von ausschlaggebender Bedeutung sind, vollkommen auf den von Dr. Goldstein vertretenen Standpunkt gestellt. Minister BencS, der das Material aus eigenen Studien, sowie aus den Berichten des tschecho slowakischen Konsuls in Palästina genau beherrscht, hat Dr. Goldstein bevollmächtigt, zu erklären, daß er nach wie vor ein Freund der zionistischen Bestrebungen sei. Die Konklnslonen der Mandatskommission Wie der Genfer JTA.-Vertreter erfährt, haben die vcm der Genfer Mandatskommission des Völkerbundes in ihrer 22. Session gefaßten Konklusionen betreffend Palästina, die der nächsten Sitzung des Völkerbundsrates unterbreitet werden sollen, folgenden Inhalt: Die Kommission nimmt Kenntnis von den Erklärungen der Mandatarmacht hinsichtlich ihres Programms einer konstruktiven Politik in Palästina. Obwohl dieses Programm einigermaßen präzisiert ist, geht aus den Erklärungen der Mandatarmacht dennoch hervor, daß sie die Vorbereitungsperiode noch nicht für beendet hält. Unter diesen Umständen hält es die Kommission für verfrüht, schon heute ihre Meinung über die Orientierung, die die Politik der Mandatarmacht nach der Krise von 1929 eingeschlagen und mit der sich die Kommis-iou in ihrer Session im Jahre 1930 beschäftigt hat, zum Ausdruck zu bringen. Die Mandatskommission stellt fest, daß im Hinblick auf die von der Regierung zur Wahrung von Ruhe und Ordnung ergriffenen Maßnahmen und auf die außerordentlich günstige Wirtschaftslage des Landes das Jahr 1931 für Palästina eine Periode von Ruhe und Wohlstand gewesen ist. Presseschau In der von der englischen Völkerbunds-Union herausgegebenen Zeitschrift ״Headway“ veröffentlich Norman Bentwich einen Aufsatz ״Fortschritt in Palästina“. Der Verfasser betont den großen Unterschied zwischen dem soeben vor der ständigen Mandatskommission verhandelten britischen Palästina-Bericht für 1931 und den früheren Berichten. Nach Abschluß des letzten Berichtes habe sich die erfreuliche wirfschaftliche und politische Entwicklung Palästinas aber noch wesentlich verstärkt. Der neue High Commissioner habe in dem einen Jahr seiner bisherigen Wirksamkeit ״sich nicht nur die Achtung, sondern sogar die Zuneigung aller Klassen und Teile der Bevölkerung erworben“. Obwohl auch in Palästina Schwicrigkeiten vorhanden seien, vor allem bezüglich der Lage der Fellachen, und obwohl die Regierung infolge dieser Schwierigkeifen auf etwa 10 «b des früheren Steueraufkommens, d. h. auf etwa £ 170000, habe verzichten müssen, habe sie trotzdem die Ausgaben für Erziehung, Gesundheitswesen, Landwirtschaft usw. ungefähr auf dem alten Stand halten können, und sogar noch ein Landentwicklungsdepartement neu errichtet. Die jüdische Einwanderung, so zeigt der Verfasser an verschiedenen Daten, •wirke sich als Segen für das ganze Land aus. Bentwich geht dann auf den großen Hafenbau in Haifa, die Entwicklung der chemischen Industrie am Toten Meer und die anderen großen im Gange befindlichen Unternehmungen ein, und meint zuletzt, trotz aller noch bestehenden Schwierigkeiten, vor allem hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen Arabern und Juden, habe sich das Mandat hier bewährt, und wenn Lloyd George bei Kriegsende erklärt habe, die kleinsten Bäume trügen die besten Früchte und die kleinsten Nationen hätten die Menschheit am meisten vorwärts gebracht, — so sei der Aufbau Palästinas wiederum ein Beweis für die Wahrheit dieses Wortes und werde der Welt auf der erhabensten Stätte der Geschichte einen großartigen idealistischen Versuch zeigen. Die arabische Zeitung ״Marat esc 11 Scherk“ widmet dem Bombenattentat in Nahalai, durch das ein Jude und sein Kind ums Leben gekommen sind, einen Artikel, worin es heißt: Der Mörder, aus welchem Volk er auch stammt, Nf ein Feind Gottes und der Menschen, ein Schildling und Barbar, der mit allen Mitteln ausgerottet werden muß. Eine Regierung, die nicht das Leben der Menschen, die in ihren Häusern schlafen, schützen kann, ist keine Regierung, auf die man sich verlassen kann und müßte zurücktreten, Juden und Araber sollen beide wissen, daß die Frage Palästinas nicht gelöst werden kann, wenn Araber einen Juden ermorden oder Juden einen Araber. Solche Taten, deren sich beide Teile von Zeit zü Zeit bedienen, sind nichts anderes als ein Mittel, die Herrschaft der Engländer im Lande zu verankern und die britische Polizei zu vergrößern, die ihr Gebalt aus dem mühsam erworbenen Geld von Arabern und Juden zusammen bezieht. Wir fordern die Regierung auf, keine Mühe zu scheuen, bis sie den Mörder oder die Mörder von Nahalai entdeckt hat. _ In einem Nachruf für .Prof. Sobernheim schreibt Dr. Alfred Wiener in der ״C.-V.-Zeltung“: ״Wenn er sich auch für den Palästina-Aufbau einsetzte, so lehnte er a n d e - rerseits alle Gedankenführungen ab, die darauf hinausliefen, unsere Gleichberechtigung im deutschen Vaterlande irgendwie zu beeinträchtigen.“ — Der C.-V. hat in letzter Zeit oft protestiert, wenn wir behaupteten, er arbeite mit dem Argument, der Zionismus gefährde die Gleichberechtigung. Hier benutzt ein hoher C.-V .-Funktionär einen Todesfall, um diesen Vorwurf durch die Hintertür eines Nekrologs ins Bewußtsein der C.-V.-Leser einzuführen, ein Versuch, der festgenagelt zu werden verdient. Die jiddische Tageszeitung ״Der Tog“, die in Paris von dem früheren jüdischen Sejmdeputierten Noah Prilueki, Mitarbeitcr der Warschauer Tageszeitung ״Moment", herausgegeben wurde, stellte in diesen Tagen ilir Erscheinen ein.

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