Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1933)
- Date
- 1933-01-20
- Page
- Seite 25 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0JL5 Goldmark Zwei Siebzigjährige i Lloyd George - Werner Sombari JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis beider Expedition monatlich 2,—Goldtnark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Ausl.,n11״.,l,onm'mrm1 werden in der W.ihnine der einzelnen Länder berechne!. Anzeigenpreis: 8 {esp. Nonp.reillereile 0,50 G.-M. SrellenSe«Uche 0,25 G -M. Nummer 4 | Berlin, 20.1. 1933 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H.,Berlin W15,Meinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. 394 33. Bi 596 93, Da Bank, De כ״ב עבת חדצ״ג Per Zionistnus erstrebt fOr da» jPdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. 92, Basel V 9355. Belp-a 1973, Haag 140 470, Pr! :hau I907O8, Wien 1560W Haifa; J^XXXVIII. Jahrg. ,Baseler Programm■״ max norflaus zehnter Todestag Am 22. Januar jährt sich zum zehnten Male das Sterbedatum Max Nordaus. In Budapest geboren, in Europa beheimaiet, in Paris wohnhaft, im Kriege Flüchtling in Madrid, dann kurze Zeit in London, in Paris gestorben, provisorisch nach streng orthodoxem Ritus auf dem Friedhof Montparnasse bestattet und einige Jahre später zur ewigen Ruhe nach Tel-Awiw überführt — das sind die äußerlichen Merksteine eines anvergleichlichen Lebens. Die 73 Jahre des Erdenwallens bedeuteten, menschlich und jüdisch, eine Spannweite, wie sie nur wenigen führenden jüdischen Geistern des 19. Jahrhunderts gegeben war. Einem alten Gcschlcchte scharfsinniger Talmudisten entsprossen, entwickelte Max Südfeld, der sich dann Nord au nannte, das rationalistische Geisteserbe seiner Vorfahren zu einer kritischen Tätigkeit, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa beispiellos dastand. Die Umwertung aller Werte, von der Friedrich Nietzsche gekündet hatte, vollzog kein Schriftsteller der achtziger und neunziger Jahre im 19. Jahrhundert so rücksichtslos und so ätzend wie Max Nordau. Schärfer als alle seine Zeitgenossen durchschaute er die Lügen seiner Zeit, und mutiger als alle Schreiber und Moralisten hielt er der .Welt ihren Spiegel vor. Sein Nein, das er den Zeitgenossen in tausend Varianten entgegenschleuderte, war unbarmherzig und unbedingt. Im Bewußtsein der Mitmenschen spielte er die Rolle des großen Zertriimmerers. Man kann sieh im Jahre 1933 nicht mehr den Eindruck vorstellen, den die Nachricht überall erregte, daß der Zeitkritiker Max Nordau, der unbarmherzige Sezierer aller Einrichlangen und Modeströmungen, der Verfasser der ״Konventionellen Lügen“ und der ״Entartung“, sich Theodor HerzI, dein Begründer der moderneu zionistischen Bewegung, angeschlossen hatte. Max Nordau, der berufsmäßige Brandmarker aller Lügen, hatte zu der Hauptlüge der jüdischen Gemeinschaft Westeuropas seiner Zeit, zur A s s i m i I a t i o n s 1 ii g e, keine Stellung genommen. Daß er sie durchschaut hatte und ihre Träger ebenso verabscheute wie alles Kranke und Degenerierte, welches er in seinen Büchern rücksichtslos zu entlarven pflegte, bewies die stürmische Art, mit der er sich Theodor Herzls Gedanken- und Gefühlswelt auschloß. Rückschauend kann man beurteilen, daß der Zionismus für Max Nordau die menschliche und jüdische Rettungsinsel in dem Ozean von Lug und Trug bedeutete, auf dem er Jahrzehnte seines Lebens herumgeirrt war, mit tief verborgener Sehnsucht im Herzen, Echtes und Großes zu finden. In den Anfängen der modernen zionistischen Bewegung bedeutete Nordaus Zu- Stimmung die Sanktionierung des neuen Unternehmens als einer Jüdisches Siedlangsland in Transjordanien? Jerusalem, 17. Januar. (J. T. A.) Die arabische Presse Palästinas teilt als eine bereits feststehende Tatsache mit, daß eine jüdische Gesellschaft In Palästina mit dem Emir Abdullah von Transjordanien einen Pachtvertrag abgeschlossen hat, laut dem der Emir aus den in seinem persönlichen Besitz befindlichen Domänen 50 000 Dunam Boden für eine Dauer von 99 Jahren der Gesellschaft in Pacht übergibt. Den gleichen Quellen zufolge hätten elnflußreiche arabische Führer Transjordaniens Telegramme an das Kolonialamt in London gesandt, in denen sie die O e f f n u n g der Tore Trans jordaniens für jüdische Einwanderung und die Freigabe des Bodenkauls fordern. Die Zeitungen berichten weiter, daß die Arabische Nationale Partei Palästinas eine Kundgebung nach Jerusalem ״zur Abwehr dieser neuen zionistischen Gefahr“ einberufen hat. Die Jewish Agency for Paiestine lehnt es ab, zu diesen Berichten der arabischen Presse Stellung zu nehmen. Wie die J. T. A. erfährt, beruhen zwar die arabischen Presseberichte auf vagen Informationen, entbehren jedoch nicht einer gewissen realen Basis. Man weiß, daß die Exekutive der Jewish Agency die Entwicklung der Dinge in Transjordanien seit längerer Zeit genau verfolgt, und mißt darum den Berichten der arabischen Presse eine gewisse Bedeutung bei. Weiter wird mitgetcilt, daß Mitka! Pascha, ein sehr einflußreicher Scheich Transjordaniens, von seinem Bodenbesitz 100 000 Dunam für jüdische Siedlung zum Kauf angeboten hat. Die palästinensisch ■arabische Tageszeitung ״EI Islamla“, die solche Angebote an Juden bekämpft, erklärt, Mitkai Pascha sei gezwungen, einen Teil seines Bodens zu verkaufen, um seinen Stamm vo r dem Verhungern zu rett e n, da jetzt in Transjordanien die wirtschaftlichen Verhältnissc katastrophal geworden sind. Die hebräische Arbeitertageszeitung ״Dawar“ erfährt, daß Führer transjordanischer Stämme seit einiger Zeit Fühlung zu der Jewish Agency suchen und diese veranlassen wollen, Boden in Transjordanien zu kaufen und auf demselben Juden anzusiedeln. Dabei erklären die arabischen Führer, sie sähen mit Neid auf Palästina, das infolge der jüdischen Aufbauarbeit aufgeblüht ist, während Transjordanien, das sich bis jetzt jüdischer Siedlung verschloß, wirtschaftlich versumpft: die jüdische Kolonisation in Trans- Jordanien würde eine Rettung für das Land bedeuten. Diele arabischen Führer bestürmen den Emir Abdullah fortwährend, die Idee der jüdischen Siedlung in Transjordani»n. autoritativ zu fördern. echten und wahrhaft fortschrittlichen Sache. Wenn ein Plan vor den strengen, unerbittlichen und kritischen Augen Max Nordaus Gnade gefunden hatte, und wenn Max Nordau sieh ganz in den Dienst dieses Planes stellte, dann gehörte diesem Plane die Zukunft. Wir wissen heute, welche Bedeutung Nordaus Einverständnis mit den zionistischen Bemühungen für Theodor HerzI hatte. Die allgemeine Ablehnung, die Herzl in den Anfängen seiner Tätigkeit fand, hatten ihn, wenn auch nur vorübergehend, in seiner Ueberzeugung schwankend gemacht, ob er auf dem richtigen Wege war, das ״große Abcnteuer“ des Zionismus zu beginnen. Nach Nordaus Zustimmung waren seine Zweifel behoben. Max Nordaus zionistisches Wirken ist im jüdischen Volk unvergeßlich. Es erübrigt sich, noch einmal an seine Reden und Taten zu erinnern, an seine Treue gegenüber Theodor Herzl, an sein gewaltiges Pathos, an seine Bereitwilligkeit, jede ihm übertragene, auch kleine Aufgabe diirchzufiiliren und vor allem an seine unermeßliche Liebe, die er seinen Gesinnung;- freunden und Mitarbeitern unbeirrbar zu erweisen pflegte. Seine prophetischen Klage- und Mahnreden auf den Kongressen, seine Propagandavorträge in allen Hauptstädten Europas, seine unvergessenen ewig gültigen Formulierungen rüttelten das jüdische Volk in der ganzen Welt auf und bereiteten erst den Boden für das Wachstum der zionistischen Bewegung. Seine besondere Bedeutung in der iiinerzioiiistisehen Politik, als Verfasser des Baseler Programms, als radikalster Vertreter des ״politisehen Zionismus“, bis zu seinem Tode, bleibt in den Annalen der Geschichte des Zionismus für ewige Zeiten vermerkt Heute, zehn Jahre nach seinem Tode, leuchtet Max Nordaus Persönlichkeit in unverblichenem Glanze strahlend auf dem Hintergründe einer jüdischen Welt, die in Todesstarre schlief oder sich in Auflösung befand. Wenn in späteren Jahrhunderten Historiker des jüdischen Volkes von der Wiedergeburt Israels erzählen werden d-mn werden sie neben vielen Sternen verschiedener Größe als am hellsten leuchtende den Namen Max Nordau in Verbindung mit Theodor Herzl nennen. Für beide aber ist kennzeichnend, daß erst ihre Rückkehr zum Judentum und ihr Wirken für ihre angestammte Gemeinschaft sie herausgehoben haben aus einer unendlichen Zahl von Schriftstellern, die in der Erinnerung der Menschheit nur als Sammelbegriff leben werden, in den Rang historischer Persönlichkeiten. Am zehnten Todestage Max Nordaus ist mau sich dessen erst recht bewußt, daß diese große Persönlichkeit der Geschichte angehört, wo sie ihren nicht zu erschütternden Rang einnimmt. indessen bemühen sich syrische und palästinensische Araberführer und die von ihnen beeinflußten Zeitungen, den Emir Abdullah davon zu überzeugen, daß er im Interesse der arabischen Sache eine jüdische Siedlung in Transjordanien nicht unterstützen solle. Die in Damaskus erscheinende Zeitung ״AI iyam“ teilt als eine bereits feststehende Tatsache mit, daß der Emir mit einer jüdischen Gesellschaft bereits ein Abkommen über die Pacht von 70 000 Dunam Boden in der Nähe von Shuna zwischen der Allenby-Brücke und Es Salt, getroffen hat. Es handelt sich also um Boden, der direkt ans Palästina-Territorium angrenzt. I.aut ״Al Iyam“ erhält der Emir Abdullah von seinen jüdischen Pächtern für die Dauer von 99 Jahren einen jährliehen Pachtzins von 2000 Pfund. Die palästinensisch-arabische Presse wirft dem Emir vor, daß er durch sein Beispiel alle anderen Großgrundbesitzer Trans jordaniens aneifert, ihren Boden für zionistische Siedlung zur Verfügung zu stellen; nunmehr würden die Juden, nachdem sie in Palästina festen Fuß gefaßt haben, auch Transjordanien erobern. ״F a I a s t i n“ appelliert in einem außerordentlich fangen Leitartikel an den Emir Abdullah, ״nicht vor zionistischem Geide zu kapitulieren“. Eine Versammlung der Arabischen Unabhängigkeits-Partei in Jaffa nahm einen Beschluß an, vorbeugende Maßnahmen gegen die Verwirklichung der jüdischen Sicdlungshoffnungen in Transjordanien zu ergreifen, und, wenn nötig, bei hochstehenden Kreisen dagegen zu intervenieren. Die Mitglieder der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Emanuel Ncuman und Farb st eIn werden mit der Bodentransaktion in Transjordanien In Verbindung gebracht, wobei darauf hingewiesen wird, daß Neuman und Farbstein in der letzten Zeit den Emir Abdullah aus verschiedenen Anlässen besucht haben. Sowohl Neuman wie Farbstein lehnen es aber ab, Im gegenwärtigen Zeitpunkt irgendeine Erklärung betreffend Bodenpacht- oder -kaufplänc abzugeben. Der Board of Deputies of British Jews (Dcptitiertenrat der englischen Juden) wählte Herrn Nevillc 1. Laski mit 128 Stimmen zu seinem Präsidenten an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten er! Herrn O. E. d’Avigdor Goldsmid; 78 Stimmen entfielen auf den Kandidaten der Minorität, das Unterhausmitglied Major Nathan. Der neue Präsident ist ein Sohn des greisen Oberhauptes der sephardischen Jüdischer! Gemeinde in Manchester, Nathan Laski, und ein Schwiegersohn von Chacham Dr. Moses Gaster. Sein Bruder ist der bekannte Professor Harold J! Laski. Der ״Negro" und die Juden Von Dr. J. Adler, Leipzig. Nach neuester Volkszählung (1930) leben in den U. S. A. insgesamt 122,8 Millionen Menschen; von diesen sind 11,9 Millionen .- also 9,7 ״/״ — Neger. Bekanntermaßen ist die afrikairische Rasse durchaus unfreiwillig nach Amerika verpflanzt worden. Wie das vor sich ging, ist eines der dunkelsten Kapitel in der Menschheitsgeschichte. Erst vor knapp siebzig Jahr eit Gleichberechtigung erhalten; praktisch, sind sie aber auch heute nocli nur Burger zweiten Ranges, und ein leidensehaftlieber Rassenhaß bedrückt sie politisch und sozial, kulturell und wirtschaftlich aufs schwerste. Diese Tatsache nun wie auch die Reaktion der Negcnbevöikerung selbst darauf weist manche frappante Analogie zu den jüdischen Ga'uth-Prohleinen auf, und es mag für viele Juden lehrreich sein, sich ein wenig mit. diesen Zusammenhängen vertraut zu machen. Fs ist ein Anschauimgsunterricht auch zum besseren Verständnis der eigenen Lage. Die Gesinnung, die sich feindlich gegen den Neger wendet, ist dem Rassen-AntisemitIsmus nächstverwamlt. Die Argumente sind zum Teil solche, die zur Verachtung des Negers aufreizen wollen. Man attestiert ihm Minderwertigkeit in dieser oder jener Beziehung; insbesondere wird behauptet, daß seine geistige Entwicklungsfähigkeit von Natur eng begrenzt sei. Man belegt ihn mit Schimpfnamen und kolportiert gehässige Witze, Andere Argumente wiederum wollen durch Furcht vor dem Neger den Negerhaß erregen. So beschuldigt man ihn besonderer Kriminalität, übermäßiger Fruchtbarkeit und unerträglicher Arbeitskonkurrenz. Um Widersprüche ist man nicht verlegen; so klagt man in gleichem Atemzuge die angebliche Faulheit des Negers und sein Vordringen in bisher ״weiße“ Berufe an. Hysterie und Geschäftsgeist verbinden sich in der Negerfeindschaft ebenso wie im Antisemitismus. Daher die verblüffenden Parallelen selbst oft in Einzelheiten! Die Konsequenzen sind furchtbar: Ghetto-Bildung, Rechts- Unsicherheit, öffentliche und private Zurücksetzung in vcrschiedensten Formen, Heiratsverbot zwischen Schwarz und Weiß in einer Reihe von Gliedstaaten, Rassenschnüffelei in weißen Familien von vorgeblich nicht ganz einwandfreier Abstammung mit dem grotesken Ergebnis, daß hernach Weiße, die sogar selber negerfeindlich, aber nun einmal das Opfer einer Dentinzäation sind, mehr zu leiden haben als der Neger, der sieh ohne weiteres zu seiner Art bekennt. Wer ist vor der Verdächtigung sicher, eine schwarze Ururgroßmutter zu haben? Es ist so, wie wir es vielfach auch bei der Judenfeindschaft beobachten können: der Negerhaß depraviert schließlich am meisten seine Urheber selbst. Er ist ein Schandfleck, nicht für die Neger, aber für Amerika. Was tun die Verachteten, die Verleumdeten, die Verfolgfen, die Gemiedenen? Auch das ist für uns Juden recht fesscind. Es zeigt sich nämlich dreierlei. Am Anfang steht die Tendenz zur Assimilation. Man schämt sich ein Neger zu sein.. Man ist beleidigt, wenn auch nur davon gesprochen wird. Beneidet wird der Mulatte, der schon so ״hell“ ist, daß er eines Tages ins weiße Lager hinüberwechseln kann. Mari will beweisen, wie gut, nützlich, harmlos man sei. Auch vor der Selhstverspofümg scheut man nicht zurück. Allerdings: diese Haltung wird beim modernen nordamerikanischen Neger immer seltener; sein Gefühl der Menschenwürde scheidet ihn von den Assimilanten. Dafür treten zwei andere Strömungen heute in den Vordergrund, die uns gleichfalls recht vertraut erscheinen. Die eine könnte man die C.-V.-Richtung nennen; sie bat in erster Linie die ״Abwehr“ zum Ziel. Verpönt ist das MC ort ״Nigger“; es muß ,.coiored gentleman“ heißen. Eine geduldige Propaganda sucht die Bewohner der U. S. A. darüber aufzuklären, daß Amerika nicht unaufhaltsam ״vernegert“, sondern daß der Prozentanteil der Neger sich von 1900 bis heute von 11,6 auf 9,7 vermindert hat, daß der Neger nicht im Ucbermaß Die Nachfolge Sobemheims Professor Eugen Mittwoch ehrenamtlicher Berater des Auswärtigen Amtes Professor Eugen Mittwoch ist zum ehrenamtlichen Berater in jüdisch-politischen Angelegenheiten beim Auswärtigen Amt ernannt worden. Prof. Mittwoch wird demnach die Arbeit fortsetzen, die bisher dem verstorbenen Professor Dr. Moritz Sobcrnheim hauptamtlich oblag. Prof. Eugen Mittwoch, 1879 in Schrimm geboren, wurde an der Berliner Universität 1905 Privatdozent, 1915 a. o. Prof., 1919 o. Prof, und 1928 EHrektor ■des Seminars für orientalische Sprachen. Er ist ein hervorragender Kenner der semitischen Sprachen, besonders des klassischen und modernen Arabisch, sowie des Aethiopischcn und seiner modernen Dialekte. Seine zahlreichen Arbeiten behandeln die Biographie Mohammeds, Fragen der arabischen Literaturgeschichte, der mittelalterlichen arabisch-jüdischen Medizin, der islamischen Kunst, der modernen Islam-Politik u. v. a. Auch die hebräische Epigraphik verdankt ihm Beiträge, so über die hebräischen Inschriften von Palmyra. Sehr viel Beachtung fanden seine Abhandlungen zur Entstelnmgsgcschichle des islamischen Gebets und Kultus, die von der Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurden und in denen er den Nachweis eines starken jüdischen Einflusses auf Entstehung und Ausgestaltung des islamischen Gebets und Kultus erbrachte. Prof. Eugen Mittwoch gehört dem geschäftsführenden Ausschuß des Hilfsvereins der Deutschen Juden, dem Vorstand der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentum« und dein Qeutsciiea Komitee Pro PaJis*ia־< an