Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1933)
- Date
- 1933-01-13
- Page
- Seite 18 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 JÜDISCHE RUNDSCHAU eine große Rolle, in der Hauptsache der alte Gegensatz zwischen den Haschimiden (Faisal von Irak und Abdallah von Trans- Jordanien) einerseits und Ibn Saud andererseits. In dem Kampf um den Konferenzort, der Frage Bagdad, Jerusalem, Mekka, zeigt sich deutlich dieser Gegensatz, der von den Bannerträgern der einzelnen Fürsten aufgenommen und mit den verschiedenartigsten Argumenten ausgefochten wird. Der Vorschlag Abbas Hilirtis, die Konferenz nach Genf zu verlegen, bezweckt, diese Gegensätze auszuschalten und einen neutralen Boden für die Verhandlungen zu schaffen. Von dem Moment an, wo die Idee der arabischen Föderafion auftauchte — und der liegt heute bereits eine Reihe von Jahren zurück — hat sich England für diese Idee inferessiert und sie seinen Zwecken dienstbar zu machen gesucht. Inzwischen sind diese Länder, ob es sich nun um Palästina handelt oder um Transjordanien, um Irak oder um Syrien, politisiert worden, das nationale Moment spielt eine weit größere Rolle als früher, eine wirtschaftliche Modernisierung hat eingesetzt. Wir dürfen Palästina, das durch die jüdische Siedlung ein weit rascheres Tempo der Modernisierung bekommt, als es in irgendeinem der Machbarländer zu finden ist, selbstverständlieh nicht als charakteristisch für die gesamten arabischen Terntorien annehmen, aber auch wo dieser Impetus fehlt, vollzieht sich eine langsame aber unvermeidliche Wandlung. Die Berührung mit dem Westen hinterläßt ihre Spuren, das Eindringen des internationalen Kapitals (Mossulöl!) bleibt nicht ohne Folgen, die Aufschließung der Länder durch neue Verkehrswege und Verkehrsmittel macht sich bemerkbar. Wenn somit der ״weite" Begriff einer ״arabischen Föderation“, wie er nicht selten in der blumigen Propaganda des Panarabismus gefaßt wird, •etwas sehr Verschwommenes bildet, weil er weit auseinanderliegende und verschiedenartige Länder, die sich über einen bedeutenden Teil Asiens und Afrikas erstrecken, zusammenzuflechten sucht, so ist doch der bescheidenere Födcrationsbegriff, der auf eine Liierung der an Palästina angrenzenden Territorien hindemter, durchaus keine politische Utopie. Dieses Gebilde winde im Gegenteil durchaus gewissen wirtschaftlichen und imperialen Begriffen der Engländer entsprechen, vorausgesetzt, daß sic die Entwicklung dieses neuen Blockes unter genügender Kon trolle behalten und es in eine gewisse Balance zu den übrigen Teilen der arabischen Welt setzen. Diese letzte Einschränkung gilt sowohl für die südlichen wie für die nördlichen Grenzländer. Syrien ist in diesem Zusammenhang ein dorniges Problem, wegen seiner speziellen Ent- Wicklungen, der durch die französische Taktik hervorgerufenen Spaltungen im Innern und den Spezialinteressen eben dieser französischen Politik, di« ganz andere sind als die der Engländer bzw. der Araber. (Womit beileibe nicht gesagt sein soll, daß sich arabische und englische Interessen auch in diesem speziellen Falle der Föderation immer decken müssen!) Das Reich Ihn Sauds im Süden ist eine ebenso harte Nuß, sowohl wegen der oben erwähnten dynastischen Gegensätze, als auch wegen der Spczialstellung dieses Reiches, seinen besonderen inneren Problcmen, seiner andersgearteten Wirtschaft. Wahrend die ökonomischen Bedingungen Syriens seinen Anschluß an eine aus Transjordanien und Irak bestehende arabische Föderalion durchaus vernünftig und einfach erscheinen ließen, liegen die Dinge für Hedjas-Nedschd mit seiner Beduinenbevölkerung־, die heute erst langsam und mit Widerstreben zu einer Art primitivster Seßhaftigkeit über zu gehen beginnt, völlig anders. Auch die geographischen Verhältnisse lassen es fraglich erscheinen, ob das Reich Ibn Sauds die gleichen Gravilationsrichtungen hat wie die Randiänder der Wüste. Der Besuch Abhas Hilmis und die Vorbereitungen für die panarabische Konferenz sind die Zeichen einer politischen Gärung unter den Arabern Palästinas und auch der angrenzenden Länder. Es scheint, als wollte sich wieder einmal eine Ge- Icgenheit bieten, politische Fragen des Nahen Ostens und damit auch palästinensisch-politische Konzeptionen aufzurollen. Des aber ist ein Gebiet, das auf lange Sicht für den Zionismus von entscheidender Bedeutung ist. HECHALUZ jugendtagcr in Südwesfdeufschland Vom 25. Dezember bis 1. Januar fand ein gemeinsames Jugendlager statt, das vom Hechaluz für die Jugendbünde Brith Haoüm, Kadimah, Haschomer-Hazair Südwestdeutsch- Lands veranstaltet wurde, und das auch dazu dienen sollte, die uns nahestehenden Organisationen aus Straliburg und Zürich enger mit der Bewegung in Fühlung zu bringen. Brith Habonim-Ztiricb, Hatikwah-btralfbürg beteiligten sich an diesem Lager mit 20 bzw. 12 Chawerim. Der Brith Haolim war mit Gruppen aus Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, Nürnberg- Fürth vertreten, der Haschomer Hazair Mannheim und Kaaimahner aus Frankfurt und Karlsruhe beteiligten sich. Ueber die Ferientage waren mehr als 120 junge jüdisch« Menschen zusammen. Die Organisation des Lagers klappte vorzüglich und ermöglichte ein intensives ideologisches Arbeiten und ein frohes Zusammensein an den Abenden. Die Arbeit der ersten zwei Tage erhielt ihre Richtung durch Referate von Fritz Lichtenstein (Merkas Hechaluz). Er sprach von der gegenvärtigen Lage in Palästina, von den aus ihr resultierenden Aufgaben der Arbeiterbewegung im Lande und der Chaluzbewegung in der Cialuth. Nach einer langen und sehr lebhaften Aussprache, in der vorwiegend die jüdische Galuth- Situation erörtert ■wurde, konnte Lichtenstein in seinem sehr wirkungsvollen Schlußwort die schicksalhafte Bedeutung der chaluzischen Forderung an die jüdische Jugend ־überzeugend zeigen. Eine Aussprache über konkrete Hachscharahfragen vereinigte einen großen Kreis persönlich Interessierter. Hierbei wies Lichtenstein auf die notwendige Umstellung des Einzelnen hin, gab eine Uebersicht über die wichtigsten Berufe, über Dauer und Gang der Ausbildung. Es stellte sich heraus, daß in Südwestdeutschland eine große Anzahl junger jüdischer Menschen in der nächsten Zeit mit der Verwirklichung ihres Zionismus durch Vorbereitung für Palästina beginnen werden. in Form einer ״Round-Table-Konferenz“ wurde zur Araber- Politik Stellung genommen. Verschiedene Chawerim hatten sich vorbereitet, den Standpunkt jeder der beteiligten Parteien (.Mandatsregierung, Fellachen, arabische Nationalbewegung, Jewish Agency, Revisionismus, palästinensische Arbeiterschaft, Allgemeine Zionisten usw.) zu erläutern. Dese Form fand sehr viel Anklang, Hieb aber doch stark dilettantisch. Lichtenstein informierte ausführlich und zusammenhängend über die arabische Bevölkerung Palästinas und versuchte die Haltung der allgemeinen Arbeiter-Organisation zur Araberfrage, aus der soziologischen und kulturellen Situation des arabischen Volkes ableitend, zu begründen. Die beiden ersten Abende wurden mit CIianukkah-Neschafim sehr glücklich und anregend ausgefüllt- Hebräische und deutsche Lieder, Sprechchor, Rezitationen, Instrumental- Vorträge verstärkten das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Verbundenseins der Beteiligten. Ganz unabhängig von der Bundeszu gehörigkeit der Einzelnen, bot das Lager ein geschlossenes und harmonisches Bild■ Es wurde beherrscht von einer mir Tat drängenden sozialistisch-zionistischen Stimmung. Jahreskonferenz der English Zionist Federation London, 9. Januar (J.T.A.) Dr. Chaim Weutnann, Präsident der Englischen Zionistischen Föderation, erüffnete am 6. Januar abends die 33. Jahreskonferenz der Föderalem mit einer Ansprache, in der er einen Ausblick auf die Entwlcklung in Palästina gab. Ich fürchte, sagte Dr. Weizmann, viele meiner Freunde und Gegner zu enttäuschen, wenn ich gleich eingangs mitteile, daß ich das politische Gebiet, über das zu sprechen ich nicht befugt bin, unberührt lasse® und mich dem langweiligen Thema der faktischen Lage in Palästina zuwenden werde. Es ist bekannt, daß ungeachtet der Weltdcpression die Lage in Palästina und des Nationalheims sich in den letzten 18 Monaten beträchtlich gebessert hat. Dies äußert sich in zweifacher Hinsicht: im steten Zufluß von Einwanderern — etwa tausend Personen monatlich —• und in dem völligen Schwinden der Arbeitslosigkeit besonders im jüdischen Palästina. Diese beiden Faktoröl stehen fast einzig in der heutigen Welt da: denn überall herrscht Arbeitslosigkeit und überall sperrt man die Tore vor Einwanderern. Ein ständiger Zufluß von Kapital ist in Palästina zu verzeichnen, die Unternehmungen entwickeln sich glänzend. Viele befürchten einen Rückschlag. Es ist ganz natürlich, daß das jüdische Volk vor übermäßigem Optimisrnus gewarnt werde. Die ansteigenden Bodenpreise sind ein Uebel. Für einen Dunam bepflanzten Orangenbodens werden, wie ich höre, heute etwa 300 Pfund bezahlt, während der normale Preis solchen Bodens zwischen 80 und 90 Pfund liegen sollte. Diejenigen, die ihr Geld auf solcher Basis anlegen, werden unter normalen Verhältnissen kaum einen angemessenen Gewinn erwarten können. Hierin liegt gewiß eine Gefahr. Ich bin darum froh, daß die Exekutive Schritte ergriffen hat, um der Bodenspekulation Einhalt zu gebieten. Es wird die pessimistische Ansicht geäußert, daß vielleicht das M e n s c h e n rn a t e r i a 1, das heute nach Palästina geht, bei Eintritt einer Ebbe — ich hoffe, daß es dazu nicht kommen werde — den Mut verlieren und nicht die Kraft aulbringen wird, Schwierigkeiten zu trotzen. Es mag so sein oder auch nicht. In jedem Einwanderungslande gibt es Menschen, die in kritischen Zeiten die Hoffnung aufgeben und zurückwandern. Jedenfalls ist es immer gut, wenn warnende Stirnmen sich erheben, ich selbst warne vor Ueberschätzung einer Periode, auch wenn sie noch so sehr zu Optimismus Anlaß gibt. Man kann die heutige Prosperitätsperiode mit <ler von 1925 in Palästina nicht vergleichen. Die Bevölkerung des jüdischen Palästina steht heute auf einem höheren Niveau und ist wirtschaftlich besser fundiert als 1925, als die Preise hocli und der Kredit teuer war. Heute sind die Preise niedrig und der Kredit ist billig. Leider betrifft die befriedigende Lage nicht auch die Jewish Agency, diese ist der schwächste Punkt in dem Bau, den wir in Palästina errichten. Vieles in Paläsüni wurde über den Kopf der Jewish Agency unternommen, wodurch diese immer mehr geschwächt wurde. Kraft und Macht der Jewish Agency werden untergraben durch Mange! an Mitteln auf ihrer Seite und durch Man 1 5 ן an Verständnis für ihre zentralen Funktionen aut seiten der Zionisten. Wenn auch die Jewish Agency in ihrer jetzigen Form viele in sie gesetzte Hoffnungen nicht gerechtfertigt hat, so bedeutet dies noch nicht, daß die Idee der Jewish Agency und ihre Möglichkeiten erschöpft sind. Manche versuchen, eine künstliche Antithese zwischen Privat- Wirtschaft und nationaler Kolonisation zu konstruieren. Ich erkenne diese Antithese nicht an, beide Aufbauarten können sich in Palästina in Harmonie und Gleichgewicht entwickeln. Jeder Jude, der nach Palästina kommt und ein Stück Land erwirbt, trägt zum Aufbau des Nationalheims bei, vorausgesetzt, daß er jüdische Arbeiter beschäftigt. Ich hege keinerlei Feindschaft gegen den arabischen Arbeiter. Aber es gibt drei Wirtschaftsfaktoren in Palästina: den jüdischen, den arabischen und — dazwischen — die Mandatarmacht. Seit Jahren kämpfen wir darum, daß an den Arbeiten der Mandatarmacht die jüdischen Arbeiter einen angemessenen Anteil erlangen. Hierin hat sich manches gebessert, aber noch nicht in einem Maße, daß wir sagen könnten, wir haben unseren fairen Teil bekommen. Glücklicherweise haben wir einen High Commissioner, der in seinem Gerechtigkeitssinn unserem Nationaihcim zugetan ist. Was den arabischen Faktor betrifft, so ist zu sagen, daß es einem Araber nie einfallen wird, einen Juden zu beschäftigen, es sei denn, da8 er auf einen besonderen Typ des qualifizierten Arbeiters angewiesen ist. Demnach sind wir auf unseren eigenen kleinen Bereich beschränkt, der, wenn er wachsen soll, auf jüdischer Arbeit beruhen muß: bis einmal ein Tag anbricht, da es in Palästina nicht drei Faktoren, sondern nur einen Faktor geben wird, indem alle drei zum allgemeinen Wohl des Landes zusammenwirken werden. Bis dahin bedeutet Nichtbeschäftigung jüdischer Arbeiter in einem jüdischen Unternehmen einen direkten Schaden des Nationalheims. Dr. Weizmann wies auf die Chal uz-Arbeit als Fundament des gesamten nationalen Aufbaus hin und appellierte an die Anwesenden, die nationalen Fonds zu stützen. Die Konferenz wählte einmütig Dr. Weizmann 2um Vorsitzenden der Föderation wieder und nahm eine Resolution an, in der gegen die Bildung eines Legislative Council entschieden Stellung genommen und ferner bedauert wird, daß die Palästina-Regierung nicht die gesamte von der jewish Agency angesuchte Einwanderungsquotebewilligt hat. Ferner wurden gewählt: Dr. M. D. Eder zum Ehrenvize- Präsidenten und das Unterhausmitglied B. Jänner, Simon Marks, Israel Sieff, Leonard Stein, Dr. Selig Brodetsky, N. I. Adler, Professor Namier und Sir Montague Burton zu Vizepräsidenten der Föderation. Prot. Brodetsky, der gerade von seiner Reise durch Mittel- und Osteuropa nach London zurückgekehrt war, hielt eine Ansprache, in der er die große Not der os (jüdischen Massen ergreifend schilderte und erklärte, die Zionistische Organisation dürfe angesichts der Verelendung des jüdischen Volkes nicht untätig an jenen Vorbeigehen, die weder aus Chaluzim noch aus solchen Personen bestehen, die Im Besitze von 1000 Pfund seien. Eine besondere Anstrengung zugunsten solcher Einwanderer bei der Palästina-Regierang sei äußerst notwendig. Vor Schluß der Konferenz hielt das Mitglied der Zionistisehen Exekutive, Berl Locker, eine Rede, in der «r auf den Disziplin-Konflikt mit den Revisionisten zu sprechen kam. Dabei führte Locker u. a. aus: Keinem fällt es ein, die Revisionisten aus der zionistischen Bewegung austreiben zu wollen, aber man müsse von jedem ein Minimum von Loyalität verlangen. Hier geht es nicht um politische Meinungen. In der Zionistischen Organisation herrscht weiteste Redefreiheit, das mindeste aber, was man von einem Zionisten erwarten darf, ist Loyalität und Disziplin. Bei seiner Ankunft in Palästina au der syrischen Grenze wurde Lord Melchett, der Ehrenpräsident des Wclt-Makkabi von zahlreichen Abordnungen des palästinensischen Makkabi, die mit ihren Fahnen gekommen waren, empfangen. Von der Grenze bis Rosch Pinan wurde er von Makkabim zu Pferde begleitet, __Nr, 4, 13.1.1933 Zionistische Aktivität in Rumänien Von unserem Korrespondenten. mi. Bukarest, fm Januar. Die Jahreswende brachte für die jüdisclie Oeffentlichkeit und das jüdische Leben in Rumänien eine Fülle von Ereig• nissen, die an ״die gute alte Zeit“ des Hochganges zionistischer Tätigkeit in diesem Lande gemahnte. In fast allen Provinzen des Reiches wurden zionistische Konfe• renzen abgehalten, und bei einigen diesei Veranstaltungen waren bedeutende ausländische Gäste anwesend. So hatte die rumänische Judenheit Gelegenheit, in vier größeren Ortschäften des Landes Prof. Brodetsky zx begrüßen. Die Rumänienreise Prof. Brodetskys fiel, in Bukarest und Czernowitz, mit den Jahreskonferenzen der zionistischen Landes- Organisationen von Altrumänien und der Bukowina zusammen, und dieses Zusammentreffen gab dem Leiter des politischen Departements der zionistischen Exekutive die Gelegenheit zu ausführlichen Berichten. In Kischinew־ und Jassy war der Aufenthalt Brodetskys ein kürzerer, nur je einer, hochstens zwei Veranstaltungen seiner Gegenwart gewidmet. Ueberali, im ganzen Lande, wo Prof. Brodetsky vorüberfuhr und die Juden der betreffenden Ortschaft von seiner Durchreise erfuhren, kamen sie in Scharen an die Bahnhöfe und begrüßten den Gast in herzlichster und wärmster Weise. Den größten Teil der Zeit widmete Brodetsky der Stadt Bukarest. Hier galt es nicht nur offiziell an der zionistischen Landeskonferenz und an mehreren andere® Veranstaltungen wie: einer jugendversainmlung, einer Versammlung der Hebräisch-Sprechenden u. a. m. teilzunehmen, sondern die zentralen Stellen der zionistischen Bewegung in einem Lande, das trüher zu den besten zionistischen Zentren der Welt gehörte, und noch heute, trotz allen inneren und objektiven Schwierigkeiten, für die Fonds sowohl wie auch für eigentliches zionistisches Leben von großem Wert bleibt, kennenzulernen und über die möglichen Aussichten einer Belebung der Arbeit hier sich zu orientieren. In diesem Sinne glauben wir, daß der Besuch Brodetskys, insbesondere dank der eririschenden Offenheit und Aufrichtigkeit, mit der er über die Kernfragen der zionistischen Organisation und Arbeit im einzelnen zu sprechen versteht, außerordentlich viel genützt hat. Aber außerdem hatte Brodetsky Gelegenheit, auch mit nichtiiidischen Stellen über den Zionismus eu sprechen. Der Besuch, den er beim englischen Gesandten abstattete, war mehr als reiner Höflichkeitsakt, den ein Bürger dem Vertreter seines Staates im Auslande schuldet. Brodetsky besprach rr.ü Mr. Pallaircf, dem englischen Gesandten, eine Reihe von zionistischen Problemen und lernte auch hier so manches, was für die Arbeit des politischen Departements unserer Exekutive sehr wissenswert war. Eine Audienz beiin Unter- Staatssekretär des rumänischen Außenministeriums, Savel Raduiescu, der in Vertretung Titulescus die Traktanden des Außenministeriums führte, verlief sehr interessant und inhaltsreich; das dabei angeschnittene Problem der yertiefung un.. Erweiterung der rumänisch-palästinensischen Beziehungen, das seit langem hier von berufener Seite im zionistischen Lager behandelt wird, wurde nach allen Richtungen hin besprochen, und der Unterstaatssekretär bat Herrn Mibashan, der Prof. Brodetsky begleitete, mit ihm einige Tage später über den ganzen Fragenkomplex nochmals zu reden. Im allgemeinen war also der Besuch Prof. Brodetskys von großer politischer und organisatorischer Bedeutung, und wir können nur wünschen, daß sich solche Studien- und Informationsreisen unserer führenden Männer häufiger wiederholen mögen. Die Jahreskonferenz der zionistischen L a n d es o rg a n is a t i on Altrumäniens begann mit einer großen, würdigen, von einem sehr zahlreichen Publikum besuchten öffentlichen Kundgebung für Zionismus und Palästina, aut der Oberrabbiner Dr. Nietnirower die Einführungsansprache und Dep. Mischu Wcißmaun und Dr. A. Mibashan die Reierate hielten. Einen wichtigen Raum in den Debatten der Konferenz nahm auch das Jugendproblem ein. Die Konferenz wählte eine neue Exekutive, bestehend aus den Herren Mischu Weißmann, Präsident, und Dr. A. Mibashan, M. Segall, Ph. Rosenstein und Fußbaum. Im An- Schluß an diese Konferenz fand auch tlne Beratung der KKL-Vertreter aus Altrumänien unter Vorsitz von Herrn Ad. Bernhardt statt. Von den anderen, fast gleichzeitig abgehaltenen Konferenzen oder, wie man hier sagt, Kongressen, seien der ״Jom Haiwrim“ und die Konferenz des ״Hascliomer Hazair“ erwähnt. Der ״Tag der Hebräer“ war ein nicht uninteressanter Versuch, die Hebräisch-Sprechenden in Bukarest und der Provinz zu einer Beratung über die Ziele und Wege, und vor allem die Erstarkung dieser Bewegung zusammenzuberufen. Der Hauptbeschluß dieses ״Tages“ war; Anschluß an die Brit Iwrit Olamit. Der ״Haschomer Hazair“ hielt in längeren Debatten seine ״Weida“ ab, die meist ideologischen Auseinandersetzungen gewidmet war, aber auch den starken Willen dieser Organisation zeigte, sich a® dem Aufbau von Erez-lsrael immer mehr zu beteiligen. Auch der rumänische ״Makkabi“ hatte durch den Besuch Lord Melchetts, über den in diesem Blatt bereits berichtet wurde, seine schönen Tage. In Czerno witz fand bei Anwesenheit von 140 Delegierten und mehr als 1000 Gästen aus Stadt und Land die XIII. Landeskonferenz der Bukowinaer Zionisten statt. Der Präsident der Bukowinaer Zionisten, Abg. Dr. Mayer Ebn e r, begrüßte das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Prof. Dr. Selig Brodetsky, den Oberrabbiner Dr. Mark und den Präsidenten des Keren Hajessod, Max Ritter von Anhauch, woraui Brodetsky in mehr als eirstündiger Rede die politische, wirtschaftliche und kulturelle läge des Zionismus beleuchtete. Zum Präsidenten der Organisation wurde Dr. Mayer Ebner wiedergewählt. Vizepräsidenten sind Dr. Theodor Weißeiberger, Josef Wiznitzcr, Dr, Leo Schmelzer, Dr. Markus Krämer und Dr. Manfreü Reifer. Außerdem wurde ein lOOgliedriger Parteirat gewählt. Sephardisches Judentum und spanisches Kulturerbgut. In einer der letzten Sitzungen der Cortes Consfituyentes (Konstituiertenversammluhg der spanischen Republik) kam es zu einer Aussprache über die Verwendung der Mittel der Obra Pia in Jerusalem, einer 1342 von den Königen von Sizilien Robert von Anjou und Sancha de Mallorca gemindeten religiösen Stiftung, deren Erträgnis bisher hauptsächlich für katholische Missionszwecke verwendet wurde. Die Abgeordneten Ortega y Gasset, einer der führenden Politiker des neuen Spaniens, und Tenreiro benutzten die Gelegenheit, auf die hohen Verdienste des sephardischen Judentums um die Erhaltung spanischer Kulturwerte hinzuweise®- ״Das neue Spanien,“ sagte Abg. Tenreiro unter lebhaftem Beifall des Hauses, ,,müsse wie das alte Spanien ein Land dreier Kulturen, der europäischen, der jüdischen und der arabischen, sein.“ Senor Ortega y Gasset verlangte, daß die Gelder der Obra Pia in Zukunft auch zur Unterstützung der sephardischcn Schulen in Saloniki und Konstantinopel verwendet werden, wo die ״alten spanischen Romanzen des 15. und 16. Jahrhunderts von Mund zu Mund überliefert“ werden.