Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1933)
- Date
- 1933-01-13
- Page
- Seite 16 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4, 13.1.1933 A ss i mi lat ion ' das Wort, er ist auch ein erbitterter Gegner des Zionismus, aber er erfindet sich eine Willkürliehe Terminologie, die eine verdächtige Verwandtschaft mit dem von ihm bekämpften Antisemitismus hat. Wenn Juden, die sich als Deutsche gebärden, politische oder geistige Tendenzen vertreten, die ihm nicht passen, dann bezeichnet Oppeln-Bronikowski sie nicht nur als jüdisch, sondern als ״radikal-jüdisch“. Unter ״radikal-jüdisch“ müßte man eine besondere Intensität jüdischer Haltung verstehen, etwas wurzelhaft Jüdisches, eine Haitung, die init allem Radikalismus ihr Judentum betont und auslebt. Bei Oppeln-Bronikowski aber wird (nach einem Hinweis auf die von ihm verurteilte pangerma- Distische Rassentheorie) folgendes gesagt: ״Von radikaljüdischer Seite parierte man mit einem Gegenstoß, unterhöhlte alles, was bisher in Deutschland in Ehren gestanden hatte, machte unsere große Vergangenheit, unsere Ehr-, Sitten- und Familienbegrifte verächtlich, suchte das deutsche Volk unter dem Deckmantel des Pazifismus, der Völkerversöhnung, des Internationalismus oder der geschlechtlichen Aufklärung zu entnerven und an sich selbst irre zu machen. Abtreibung, Homosexualität, Abschaffung der Todesstrafe, Milde gegen die scheußlichsten Verbrechen wurde ebenso empfohlen, Wie die Niederknüppelung jeder nationalen Regung. Eine Flut von Schmutz und Schund überschwemmte Deutschland.“ Wir werden gewiß in der Bewertung mancher Ideen uns von Oppeln-Bronikowski unterscheiden, /.. B, die Gedanken des Pazifismus und der Völkerversöhnung nicht schlechthin mit Minderwertigkeit identifizieren lassen; man könnte auch lächeln, wenn z. B. die Schwärmerei für Homosexualität ausgerechnet als jüdische Angelegenheit hingestcllt wird (ohne daß wir auch in dieser Frage ein Werturteil abgeben wollen). Aber die Diskussion solcher Einzelheiten soll uns hier nicht beschäftigen. Worauf cs ankommt, ist die entscheidende Tatsache, daß hier ein Teil des Assimilantentums willkürlich herausgegriffen und als ״radikal-jüdisch“ etikettiert wird, während ein anderer Teil des Assimilantentums, das dein Standpunkt des Verfassers besser zusagt, gelobt und verherrlicht wird. An einer anderen Stelle schreibt er: ״Zweifellos weist das radikale Judentum eine ganze Reihe von Schädlingen in allen Berufen auf, von den großen Finanzschiebern und Ausbeutern bis zu kleinen Betrügern.“ Aber er weist darauf hin, daß auch ״bei den arischen Kollegen vom Nordwolle-Konzern und der Evangelischen Vereinsbank bis zu den kleinen Gaunern“ derartige Dinge Vorkommen. Dies ist gewiß eine richtige und in der Linie der ״Gerechtigkeit“ liegende Feststellung. Was aber würde geschehen, wenn jemandem einfiele, die arischen Gauner, von denen hier die Rede ist, einem ״radikalen Deutschtum“ oder gar ״radikalen Christentum“ zur Last zu legen! Was der Verfasser gemeint hat, ist nicht schwer zu verstehen: Er will von Juden sprechen, die im deutsch-politischen Leben ״radikale“, und zwar linksradikale, Tendenzen vertreten. Es ist das gute Recht eines rechtsorientierten Politikers, linksradikale Tendenzen abzulehnen. Wenn er dies aber mit Judentum in Zusammenhang bringt, dann versetzt er der ״Gercchtigkeit“, der er zu dienen auszog, den schwersten Schlag. Wir wollen nicht mißverstanden werden. Obwohl in einer Zeit wie der jetzigen, wo eine Welt von Feinden gegen das Judentum als solches aufsteht und mit niederträc'.öigcn Verallgemeinerungen arbeitet, jüdische Solidar'tat ein Gebot der Ritterlichkeit ist, haben gerade wir volksbewußten Juden uns von falscher Solidarität ferngehalten. Wir suchen nicht Vergehen Einzelner zu bemänteln oder zu rechtfertigen, wenn die Täter Juden sind. Wie jede Menschengruppe, haben auch wir das Recht, eine Anzahl asozialer Elemente unter uns zu haben. Woge״en wir uns wenden, ist nicht die Abwehr oder ge setzmäßige Bestrafung eines von Juden begangenen Vergehens, sondern die Ungeheuerlichkeit, daß man gerade in unsere m Falle die Allgemeinheit stets für einzelne uniiebsame Elemente verantwortlich macht. In diesem Punkte begegnen wir uns mit dern Gedankengang der Verteidigung von Oppeln-Bronikowski, der darauf hinweist, daß es sich bei den Korruptionsskandalen, bei denen viel öfter Nichtjuden eine hervorragende Rolle spielen, um Zer- Setzungserscheinungen der Nachkriegszeit handelt. Wenn man dabei aber von einem spezifisch jüdischen Proble:n sprechen kann, dann besteht es darin, daß der Jude seines eigenen inneren Halts verlustig geht und unter dem Druck der Umwelt, die auf Renegatentum Prämien setzt, den stärksten charakterlichen Anfechtungen ausgesetzt ist. Die Haltung der Umwelt in der Judenfrage ist zwiespältig. Auf der einen Seite befürwortet man Assimilation, auf der andern Seite aber erlaubt man dem Assimilierten nur eine Betätigung, die vollständig dem eigenen Wunsch des Betrachters entspricht; verhält er sich anders, dann wird er wieder zum ״Juden“. Wenn die Juden auf gewissen Gebieten des deutschen Lebens sich zu Hause fühlen möchten, dann werden sie in ihre Schranken zurückgewiesen. Oppeln-Bronikowski behauptet, der Zionismus liefere den Antisemiten das beste Propagandamaterial, aber bezeichnenderweise zitiert er zum Beweis zwei jüdische Gewährsmänner, nämlich Konstantin Brunner und Prof. Julius Goldstein. Wer den modernen Antisemitismus auch nur oberflächlich kennt, weiß, daß er sein Propagandamaterial ganz wo andersher bezieht, als vom Zionisimn. Gerade die Tarnung von Juden als Deutsche, gerade die Verwischung aller Grenzen und die Leugnung der Judenfrage ist der Punkt, an dem der Antisemitismus sich am stärksten entzündet. Für uns Zionisten ist der Antisemitismus kein Argument und kein richtunggebender Faktor, sondern lediglich ein Symptom, das uns hilft, die Pathologie der Judenfrage zu erkennen. Aber wenn man sich in einer Schrift nach dem Antisemitismus orientiert, dann sollte man nicht so unrichtige Konklusionen aüfstellen. DaH Oppeln-Bronikowski verächtlich auf das Q&ij u d c n t u m herabschaut, bedarf bei seiner ganzen Haitung und bei seinen Beziehungen zu Naumann keiner besonderen Erw ähnung. C11arakteristischerw׳eise führt er zur Entschuldigung des Ostjudentums an, daß der durch die Teilung Polens an Preußen gefallene Teil des Ostjudentums sich auch als ״bildungsfähig“ enviesen habe; es ist fast entwaffnend, mit welcher Naivität hier ein einseitiger Maßstab für Kultur und Bildung angewandt wird. Diese Gönnerhaftigkeit zeugt zwar von den guten Absichten des Verfassers, aber von ״Gerechtigkeit“ ist sie weltenw'eit entfernt. Gerechtigkeit ist eine harte Sache, und wer sie üben will, muß ein starkes Maß von Selbstkritik mitbringen und den Dingen wirklich ohne vorgefaßte Meinung auf den Grund gehen. Man kann die Judenfrage nicht erörtern, wenn man an der Hauptsache, an der Beziehung des Juden zu seinem Judentum, vorübergeht. Setzt man aber an diesem Punkte an, so wird man zu Ergebnissen kommen, die manchen Außenstehenden, in den Erbgedanken des 19. Jahrhunderts Lebenden, überraschen werden. Es wird sich zeigen, daß auch das Problem der Stellung des Juden zum Deutschtum und in der deutschen Welt, nur von seiner Beziehung zun! Juden tum aus wirklich zu klären ist. Ohne die Anerkennung der jüdischen Sonderart als einer nicht disqualifizierenden Tatsache, ohne Verständnis für die destruktiven Wirkungen einer gewollten Assimilation, ohne Respekt vror historischen und geistigen Gegebenheiten wird man die Judenfrage nicht lösen und nur tiefer in jene Verschwommenheit und Verwirrung hineintreiben, durch die jene Begleiterscheinungen innerer Haltlosigkeit, die man beklagt, gefördert werden. Wiener Kuliasgemeinde unter zionistischer Fflhrong Wien 10. Januar. (J. T. A.) Die Konstituierung des neugewählten Vorstandes der Wiener Israelitischen Kultusgemeindc ergab das folgende Resultat: Zinn Präsidenten der Gemeindc wurde Dr. Desider Fried mann (Zionist), zu Vize- Präsidenten Dr. Josef Löwen herz (Zionist) und Dr. Jacob O r n s t e i n (Union österr. Juden) gewählt. Ins Vertreterk o 11 e g! u m wurden gewählt: vier Unionisten und Werktätige und vier Zionisten, davon zwei Revisionisten und ein Poalezionist. Da auch das Präsidium dem Vertreterkollegium angehört, so haben die Zionisten auch in diesem bestimmenden Gremium die Majorität. Die Wahl der Kommissionen wird erst in der nächsten Sitzung vorgenommen werden, da in der Be- Setzung der Obmannstellen jetzt noch unüberbrückbare Gegen- Sätze zwischen Union und Zionisten bestehen. Der Kampf geht insbesondere um die Schulkommission, deren Vorsitz die Union für sich in Anspruch nimmt. Im allgemeinen läßt der Verlauf der Konstituierung eine gute Zusammenarbeit zwischen der neuen Mehrheit und der neuen Opposition erhoffen. Der Sabbat In Palästina Am 8. Januar trat das Zentralkomitee des Weltverbandes für Sabbatschutz ״Schomre Schabbos“ unter dem Vorsitz des Verbandspräsidenten Seminardozenten Dr. Grünberg zu einer engeren Sitzung zusammen, an der neben den Berliner Mitgliedern Vertreter aus dem Reiche und dem Auslande teilnahmen, Generalsekretär Dr. Joseph Stern erstattete den Geschäftsbericht, wobei er mitteilte: In der Frage der Erlaubnis der Sonntagsarbeit für sabbatfeierride Betriebe wurden in verschiedenen Ländern Aktionen eingeleitet. Die hierfür ausgearbeitete Denkschrift stellt die holländische Gesetzgebung und Verwaltung als Muster dar. Die Wirtschaftskrise hat den Verband veranlaßt, seine Bemühung dahin zu richten, daß die Bewegung zur Verkürzung der Arbeitszeit (fünftägige Arbeitswoche) den Interessen des Sabbats nutzbar gemacht werde. Der Verbandspräsident Dr. Grün berg, der 1m Frühjahr 1932 mehrere Wochen im Aufträge des Weltverbandes in Palästina geweilt hat, schilderte in einem längeren Referat das Sabbatproblem in Erez Israel. Die Besonderheit des Problems ist u. a. darin gegeben, daß cs in Erez Israel neben dem Sabbat keinen zweiten arbeitsfreien Tag gibt, an dem die jüdische Bevölkerung, insbesondere die Jugend, — wie am Sonntag in der Diaspora — die Möglichkeit hätte, zu wandern und Spiel und Vergnügungen nachzugehen. Die Regierung hat ihre Verwaltung nicht in einer Weise organisiert, daß ihre jüdischen Beamten am Sabbat frei bekommen können. Auch in Teilen der Industrie sind Sabbattreue benachteiligt. Dr. Grünberg beklagt, daß die Palästina-Regierung die Bestätigung der kommunalen Sabbat- Schutzverordnungen der Stadtverwaltungen von Tel-Awiw und Haifa über Gebühr verzögere, und kündigt eine diesbezügliehe Intervention bei den maßgebenden Instanzen an. In den Kampf um den Sabbat spielen leider die heftigen innerpolitischen und sozialen Kämpfe hinein. Trotz allem sind mindestens 90 0/0 der Bevölkerung einschließlich der Arbeiter- Schaft grundsätzlich sabbattreu. Dr. Grünberg betont die Objektivität und Ueberparteilichkeit des Weltverbandes und lehnt jede Stellungnahme im sozialen und politischen Kampf der Parteien und Gruppen ab. Bei loyaler Zusammenarbeit aller Faktoren unter Ausschaltung politischer Gegen- Sätze in dieser unpolitischen Frage glaubt Dr. Grünberg an einen vollen Erfolg des Kampfes für den Sabbat und für die Gleichberechtigung seiner Träger im Heiligen Lande. — Als Ergebnis der Debatte, in der insbesondere Dr. Silberstein (Berlin), R.-A. Dr. Cohn (Basel) hervortraten, stellt der Vorsitzende unter einmütiger Zustimmung des Zentralkomitees fest, daß der Weltverband bei aller gebotenen Zurückhaltung in politischen Fragen den Kampf gegen öffentliche Entweihung der Sabbatruhe im Heiligen Lande mit verstärkter Intensität!ortführen würde. Professor Paolo Enriques verunglückt. An den Folgen der Verletzungen bei einem Autounglück starb in diesen Tagen der hervorragende jüdische Gelehrte und Professor der Zoologie an der Universität Padua, Paolo F. n r i q 11 e s. Der Verstorbene war ein Bruder des bedeutendsten italienischen Mathematikers Prof. Fedcrigo Enriques. Paolo Enriques war einer der größten lebenden Zoologen und Präsident des letzten internationalen Zoologen-Kongresses. Er hatte warmes Interesse am Aufbauwerk in Palästina und an der Hebräischen Universität Jerusalem. Wie wir aus mit informierter Quelle erfahren, hat er auch seine Bereitschaft ausgesprochen, einen Lehrstuhl an der Universität Jerusalem zu übernehmen. Deutsche Revisionisten gegen den Spruch des Ehrengerichts Für Fortsetzung der ״selbständigen Politik" der Revisionisten Union Wie wir dem Bulletin der J. T. A. entnehmen, fand am 8. Januar in Berlin eine Tagung der Zionisten -Revisionisten Deutschlands statt, bei der 27 Delegierte anwesend waren. Diese Tagung verdient insofern ein weiten־«- chendes Interesse, als es die erste revisionistische Zusammenkunft nach Verkündung des Urteils des zionistischen Ehrengerichts war, das am 6. Januar verfügt hatte, daß der zionistische Sonderverband der Zionisten-Revisionisten suspendiert werde und zugleich den Antrag stellte, diesen Sonderverband aufzulösen. Aus der Sprache der Paragraphen übersetzt, bedeutet dieses Urteil, daß die in der Zionistischen Organisation verbliebenen Revisionisten sich der Disziplin der zionistischen Instanzen zu fügen haben und an einer von der Jewisli Agency nicht gebilligten Sonderpolitik nicht teilnehntendürfen. Die in der Zionistischen Organisation verbliebenen Revisionisten stehen jetzt vor der Frage, ob sie diesem Urteilsspruch des Ehrengerichts Rechnung tragen und ihr Verhalten innerhalb der revisionistischen Union danach einrichten wollen. Die ״revisionistische Union“ als solche ist bekanntlich keine zionistische Körperschaft, sondern besteht aus Zionisten (Schekelzahlern) und Nichtzionisten (Nicht-Schekelzahlern). In ihren eigenen Reihen bestehen starke Gegensätze zwischen der von Jabotinsky geführten Gruppe, die eine völlige Loslösung von der Zionistischen Organisation anstrebt, und der von Großmann und Stricker geführten Gruppe, die in der Zionistischen Organisation verblieben ist, dort einen ״Sondervcrband“ bilden will und sich für eine Rückkehr des gesamten Revisionismus in die Zionistische Organisation einsetzt. Eine Sonderstellung nimmt Richard Licht he im ein, der anläßlich der letzten revisionistischen Weltkonferenz in Wien aus der Leitung des Weltverbandes ausgeschieden ist und auch das Amt des Vorsitzenden des deutschen Landesverbandes niedergclegt hat, weil er die Beschlüsse dieser Konferenz in bezug auf das Verhältnis zwischen Revisionisten und Zionistischer Organisation mißbilligt. Auch auf der Berliner Tagung am 8. Januar scheinen diese Gegensätze zum Ausdruck gekommen zu sein. Nach unseren Informationen wünschtdieMehrheitderdeutschcn Revisionisten in der Zionistischen Organisationzu verbleiben. Dennoch ist der Beschluß, der von der Konferenz gefaßt wurde, eine direkte Kampfansage an die Zionistische Organisation und steht in offenem Widerspruch zu dem Urteil des zionistischen Ehrengerichts. Die Resolution lautet: ״Der Delegiertentag der deutschen Revisionisten, zusammengesetzt aus Vertretern aller Schattierungen des Revisionlsmus, gibt erneut dem Willen Ausdruck, daß die revisionistische Weltunion ihre selbständige Tätigkeit auf dem politischen Gebiet, sowie auf allen anderen Gebieten des Judenstaats-Zionismus unter allen Umständen fortsetzt. Er fordert deshalb in erster Linie die Uebersiediung des Exekutivkomitees der Weltunion nach Genf und die Durchiührung der Petition.“ Die Resolution wurde gegen vier Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Jabotinsky selbst war zu der Konferenz nach Berlin gekommen und scheint all seine Beredsamkeit aufgewogen zu haben, um bef den deutschen Revisionisten seine Richtung durchzusehen. Der Bericht der J. T. A. gibt einen Teil der Rede Jabotinsky« wieder, wonach er u. a. gesagt hat: ״Als objektiver Zuschauer halte ich das Urteil des zionistisehen Ehrengerichts für ungerecht und statutenwidrig. Natur* lieh, die Union der Zionisten-Revisionisten gehtdiescs Urteil überhaupt nichts an: die Union ist eine souveräne Körperschaft. Sie schließt aber viele Mitglieder ein, die zugleich Schekclzahler der Z. O. sind. Und an diese ist durch jenes Urteil die Aufforderung gestellt worden, auf jede Beteiligung an der selbständigen politischen Tätigkeit der Union zu verachten. Daher bin ich heute hierher gekommen, um Euch zu fragen: kann die Union bei ihren politischen Aktionen, auch nach dem Urteil des Ehrenge lichtes, auf die aktive Leistung aller ihrer Mitglieder rechnen? Das ist die Frage, die ich an diese Konferenz stelle. An den Parteirat, der sich Ende Februar versammeln soll, werde ich eine weitere Frage stellen: Was ist jetzt, nach der in Wien erfolgten Bestätigung der Ca!ais-Be- Schlüsse, die Natur und die Aufgabe unserer Union? Es gibt darüber zwei Auffassungen: die eine: daß die Hauptaufgäbe der Union in der Einwirkung auf die Z. O. bestehe, selbständige Aktion dagegen eine bloß untergeordnete Aufgabe sei: die zweite, und das ist diejenige, die ich für die richtige halte, sieht in der Union die einzjge Trägerin des Judenstaats- Zionismus, d. h. in selbständiger Betätigung auf allen Gebieten des Staatsaufbaues, während die Einwirkung auf andere prozionistische Körperschaften nichts mehr als Mittel sind, die man nur dann und nur so weit benutzt, als es opportun und nützlich erscheint. Jede sentimentale oder schwärmerische Beziehung zu ״Kongreßeroberung“ muß aufhören: dieser Mittelzweek mag praktisch sehr wünschenswert sein, es magein Moment kommen, wo wir alle ohne Ausnahme nur an ihm uns beteiligen werden, er ist eben keine heilige Pflicht und überhaupt keine Pflicht der Union.“ Ueber den Inhalt der Diskussion teilt der Bericht der J. T. A. nichts näheres mit. Es heißt darin lediglich, daß Lichtheim gegen die Rede Jabot inskvs polemisierthat. Es besteht die Befürchtung, daß durch die Berliner Beschlüsse der Revisionisten die organisatorische Spannung aufs neue verschärft wurde. Aus Warschau wird gemeldet: Die polnischen Revisionisten haben eine scharfe Protestaktion gegen das Urteil des Ehrengerichts eingeleitct. Das Zentral-Komdee der Revisionisten Polens veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, der Kampf gegen die Revisionisten werde durch Kreise geführt, die die ״Rückkehr zum Weizmann- Kurs“ vorbereiten; das zionistische Ehrengericht habe sich zu einem gehorsamen Instrument jener Parteien gemacht, die hinter der Zionistischen Exekutive stehen. Das Ehrengericht wird als ״Standgericht“, das Verfahren als eine ״Justizparodie“ bezeichnet. Die Warschauer Revisionisten haben am 9■ Januar zehn Kundgebungen gegen das Berliner Urteil veranstaltet. Die zionistische Tageszeitung ״Hajnt“ führt aus: Seit Theodor Herzl den Zionistenkongreß geschaffen hat, gibt es Kongreßgerichte. Es ist dies aber der erste Fall, daß ein Urteil des Kongreßgerichts in einer solchen Weise krifeiert wird. Bisher wurden Urteile des Kongreßgerichts von allen Parteien mit Achtung und Respekt aufgenommen.