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Jüdische Rundschau · 1933-01-10 · Heft 3 (10.1.1933) · p. Seite 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 3 (10.1.1933)
Date
1933-01-10
Page
Seite 13 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3, 10. i 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 13 Sozialismus und Zionismus Zur deutschen Borochow-Ausgabe*). Zum erstenmal wird dem deutschen Juden und dem deutsehen Zionisten Gelegenheit gegeben, die Schriften eines der Begründer der Poale Zion und des bis zum heutigen Tage maßgebenden Theoretikers des sozialistischen Zionismus Ber Borochovv in einer deutschen Ausgabe kennenzulernen, die zwar nicht eine vollständige Wiedergabe seiner Schriften enthält, aber eine ausgezeichnete Wahl trifft. Bisher gab es nur Uebersetzungen einzelner Aufsätze Borochows. Eine ausführliehe Biographie seines Lebens ist in der Sammlung nicht enthalten, doch bringt der letzte Teil des Buches Selbsterinnerungen Borochows und Erinnerungen an ihn von Ben Zwis, Kaptansky und Sch. Her. Borochow wurde nur 36 Jahre alt; er starb im Jahre 1617, als die großen Ereignisse dieser Zeit, die russische Revolution und die beginnende Anerkennung der politischen Machte für die Forderungen des jüdischen Volkes (vgl. den Artikel ״Der Wirklichkeit'entgegen!“ S, 260) seine rührerpersönlichkeit besonders unentbehrlich erscheinen ließen. Die geschickt getroffene Auswahl gibt im ersten Teil die größeren theoretischen Arbeiten Borochows, auf denen der Gedanke des zionistischen Sozialismus beruht. Ein zweiter Teil, ״Randbemerkungen“ benannt, enthält kürzere an aktuelle Ereignisse anknüpfende Artikel, die Borochows Denken illustrieren und von denen der schöne Aufsatz ״Der Terrorist und der Wächter“ kurz erwähnt sei. Borochow zeigt hier den Weg von dem jüdischen Revolutionär in Rußland, der als ein unbekannter Held für die Befreiung eines anderen Volkes kämpft und fällt, bis zu den jüdischen Wächtern Palästinas (wie sie das damals erschienene ״Jiskorbuch“ feierte), die für die Sache der nationalen und sozialen Freiheit des eigenen Volkes und des eigenen Landes sich zum Opfer brachten. Ein dritter Teil des Buches enthält Aufsätze über Fragen der sozialistischen Gegenwartsarbeit, während in einem vierten Teil historische Arbeiten Borochows zur Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung in Rußland, vor allem zur Herausarbeitung des Gegensatzes von ״Bund“ und Poale Zion zusammengefaßt sind. Sie eröffnen dem deutschen Zionisten, der, wenigstens bis jetzt, gewohnt ist, in der sicheren Atmosphäre eines geordneten Landes und im vollen Lichte der Ocffentlichkeit zu arbeiten, einen Blick auf die Tätigkeit jüdischer Sozialisten im zaristischen Rußland. Erst wer die Geschichte der Gründung der Poale Zion gelesen hat, die Geschichte jener Sitzung, die sieben Tage und sieben Nächte in einem gcschlosscnen Zimmer dauerte, das niemand verlassen durfte, um die Sitzung der Polizei nicht zu verraten; erst wer gelesen hat, wie die Teilnehmer schließlich ihre Bomben vergraben und fliehen mußten, wie sie gewaltsam ein Hotel okkupierten, 11m die Tagung fortzuführen, schließlich eine andere illegale Druckerei eroberten, um die Parteiarbeit anfangen zu können: erst aus der Kenntnis dieser Dinge versteht man den Geist der heutigen palästinensischen Arbeiterbewegung, ihre Auf- Opferung für das Ideal, dem sie ihr Leben geweiht haben. Der wichtigste und interessanteste Teil ist jedoch der erste. Borochows Begründung des sozialistischen Zionismus ist bekanntlich streng marxistisch. Es ist unmöglich, im Rahmen einer kurzen Besprechung, das ganze streng in sich geschlossene Gedankengebäude hier wiederzugeben, aber es soll doch der Versuch gemacht werden, einige'Andeutungen zu machen, 11m den Leser dieser Besprechung zu veranlassen, das Buch selbst in die Hand zu nehmen und zu studieren. Borochow geht davon aus, daß der Klassenkampf des jüdischen Arbeiters aus zwei Gründen niemals die Wirkung des Klassenkampfes des nichtjüdischen Arbeiters haben kann. Einerseits befindet sich der jüdische Arbeiter nur in der verarbeitenden Industrie, nicht dagegen in den die Wirtschaft beherrschenden Schlüsseliridustrien, wie Verkehrsgesellschaften, Bergbau, Maschinen- Industrie usw. Er erläutert diesen Gedankengang in einem kleinen, Seite 275 abgedruckten Artikel, der die relative Un- Wirksamkeit eines Schneiderstreiks der Wirkung eines Streiks in den Verkehrsunternehmungen an Hand eines New Yorker Beispiels gegenüberstellt. Ist so der wirtschaftliche Klassenkampt für den jüdischen Arbeiter in seinen Wirkungen begrenzt, so fehlt ihm vollständig die ״strategische Basis“ für den politischen Klassenkampf, den Kampf um die Macht, dessen wichtigste Voraussetzung das eigene Territorium ist. Auch die Erringung der nationalen Autonomie in der Gallith vermag diese Situation grundlegend nicht zu ändern. Die Juden werden unter fremden Völkern solange geduldet, als sie nützlich sind, d. h. ansgebeutet werden können. Tritt aber an Stelle dieses Ausbeutungsverhältnisses das Konkurrenzverhältnis, der Kampf des nichtjüdischen und jüdischen Arbeiters, um den Arbeitsplatz z. R., so wird der Jude verdrängt. So kommt Borochow mit diesen seinen Gedankengängen zur Erkenntnis des ״elementaren Prozesses“: die objektiven Bedingungen zwingen den Juden zur Berufsumschichtung, zur Wanderung, zur Konzentration, und zwar zur Konzentration in Palästina, das mit seinen Wirtschaftliehen und kulturellen Verhältnissen den Bedürfnissen der jüdischen Massen besser entspricht, als die großen überseeischen Kolonisationsländer, wo die Konkurrenz des ,nichtjüdischen Ein- Wanderers zu befürchten ist. Also nicht der Wille genialer Führer, nicht sentimentale Träume, nicht bloßes politisches Wollen führt zum Zionismus, sondern historische Notwendigkeit, die wir zu fördern und zu regulieren haben. Sozialismus als Endziel des jüdischen Sozialisten ist nur auf dem Wege über den Zionismus, die nationale Konzentration in Palästina, erreichbar. So überwindet Borochow den Dualismus: Sozialismus und Zionismus verschmelzen zu einer Bewegung. Und wie der Sozialismus die Verelendungstheorie ablehut, und glaubt, daß jede Besserung der Lage des Arbeiters unter den gegenwärtigen Verhältnissen ihn stärker macht für den Endkampt für die Verwirklichung des Sozialismus, so ist jede Stärkling der Position des jüdischen Arbeiters im Galuth keine Schwächung, sondern eine Stärkung des Palästinastrebens. Auch hier sind These und Antithese zur Synthese verbunden. Es soll hier darauf verzichtet werden, zu zeigen, wie sehr die Entwicklung der Lage des jüdischen Volkes in der Nachkriegszcit die Borochowsche Konzeption bestätigt hat und wie sehr dies gerade für das deutsche Judentum gilt. Aber es mag für denjenigen deutschen Zionisten, der an eine andere Ideologie des Zionismus gewohnt ist, darauf hingewiesen werden, daß auch bei Borochow der Zionismus nicht etwa in dem Sinne beweisbar ist, wie ein mathematischer Lehrsatz. Für den Assimilanten, der die Erhaltung des jüdischen Volkes nicht will, werden auch die zwingenden Gedankengänge Borochows keine Beweiskraft haben. Er mag die Unvermeidlichkeit einer Entwickhmg, wie sie Borochow darstellt, Einsehen, und wird trotzdem für sich persönlich den Weg der Assimilation wählen können. Borochow selbst hat sich mit der Erscheinung der Assimilation beschäftigt und Worte glühender Verbundenheit mit dem Volk und schärfster Ablehnung des Assimilantentums gefunden, wenn auch freilich für den Juden aus Osteuropa das Problem der Assimilation weniger dringlich erschien, als für den Westen. Wesentlicher ist für Borochow die Auseinandersetzung über Sozialismus und Nationalismus, wo nicht zuletzt seine Gedankengänge die Poale Zion schließlich befähigt haben, den gleichberechtigten Platz, in der Internationale zu erringen. Auch in dieser Frage hat Borochow auf dem Wege des historischen Materialismus gezeigt, wie der Nationalismus der Bourgeoisie wirtschaftsnotwendig dazu führt, daß diese auf *) Ber Borochow, Sozialismus und Zionismus, eine Synthese. Ausgewählte Schriften, herausgegeben van Mendel Singer. 1932. Verlag Zukunft (Der jüdische Arbeiter)* Wien. das eigene Territorium gestützt nach fremden Absatzmärkten greift und so zum Konkurrenzkampf der Nationen führt, wahrend der Arbeiter mit seinem Territorium deshalb verbunden ist, weit er dort seinen Arbeitsplatz hat und sein Nationalismus deshalb nicht expansiv und nicht aggressiv sein muß. Was Borochow über diese Frage geschrieben hat, kann heute noch vielen jüdischen Sozialisten und' Kommunisten zur Lektüre empfohlen werden. Den großen, jedem deutschen Zionisten bekannten gedankliehen Begründern der zionistischen Bewegung Hess, Pinsker, Herzt una Achad Haatn schließt sich Ber Borochow als mindestens gleichwertig an. Da er russisch und jiddisch geschrieben hat, war er im deutschen Sprachgebiet nur wenig bekannt. Mendel Singer’s Verdienst ist es, den deutschsprechenden Juden die Kenntnis von Borochows Schriften vermittelt zu haben. Mag das Werk die zahlreichen Leser finden, die es verdient. In unserer Zeit der Verwirrung aller Begriffe, wo der pseudofaschistische Revisionismus auf der einen Seite, die antinationale kommunistische Agitation auf der anderen Seite den richtigen Weg zu verdunkeln drohen, kann die kristallene Klarheit der Borochow’schen Gedankengänge vielen wieder Wegweiser sein. Dr. Fritz Loewenstein, Berlin, Pressesdiau Die englische Zeitschrift ״The N e a r East and I n d 1 a“ widmet ihren Leitartikel vom 5. Januar der britischen Politik in Palästina. Der Artikel ist im wesentlichen ein Rückblick auf das erste Amtsjahr des High Commissioncr Wauchope und eine Erörterung der jetzt in Palästina auf der Tages- Ordnung stehenden Gesetzesprojekte. Der Artikel enthält keine wesentlich neuen Gesichtspunkte und liegt in seiner Tendenz auf derselben Linie, die die Zeitschrift einzuhaltcn pflegt, nämlieh einer Mahnung zu besonnener Politik und Zusammenarbeit an Juden und Araber zugleich, wobei sic sich auch auf eine Rede stützt, die Sir Robert Waley-Cohcn, der Vorsitzende des Economic Board for Palestine, in London kürzlich gehalten hat Auch die Londoner ״Times“ behandelt in einem längeren Bericht aus Palästina die gegenwärtige Lage unter Berücksichtigung der Verfassungsproblemc, sowie der anderen Gesetzes- Projekte. Der Bericht hebt hervor, daß sowohl Juden als auch Araber Gegner des von der Regierung vorgeschlagencn Legislative Council sind, meint aber, daß eine Vertagung dieses Projcktes kein Unglück wäre, da die Zusammenarbeit von Juden und Arabern im übrigen auf wirtschaftlichem Gebiete Fortschritte mache. * In dem Jahresbericht des Instituts für K o n } 11 n k - turforschung wird die Entwicklung der Wirtschaftskrise in den einzelnen Ländern im verflossenen Jahre besprochen. Dabei heißt es: ״Drei Länder sind überhaupt von der eigentlichen Krise im kapitalistischen Sinne fast vollständig verschont geblieben, sei cs infolge exportfördernder Währungsentwertung, wie Japan, oder infolge struktureller Aufbautendenzen, wie Rußland und Palästina.“ * Eine Reihe von deutschen Zeitungen, insbesondere sozialdemokratische Organe, veröffentlichten in der letzten Woche eine Nachricht, wonach der B r i t h T r u m p e 1 d o r als militärische Instruktoren einige ehemalige S- A.- Offiziere engagiert habe. A11 diese Nachricht wurden in den Blättern verschiedene Kommentare geknüpft, die verständlichenvcise hauptsächlich auf die S. A. gemünzt waren. Auf Veranlassung des Büros der Z.V.f, D. ist diese Nachricht, die den Tatsachen nicht entspricht, in den betreffenden Zcituiigen dementiert ■worden. Leider hat der Brith Trtimpcldor, statt selbst sofort für ein sachgemäßes Dementi zu sorgen, der J.T. A. eine Erklärung übergeben, die auf eine deplacierte innerzionistische Polemik hinausläuft. Lord Melchett in Rumänien und Bulgarien Bukarest, 2. Januar (J. T. A.). Die Reise Lord Melcfietts von Czcrnowitz nach Bukarest glich einem Triumphzuge. An allen größeren Stationen begrüßten Deputationen der jüdischen Turnerschaft und der jüdischen Organisationen mit ihren Fahnen die Makkabi-Fiihrer. Besonders eindrucksvoll waren die Kundgebungen in Succava, Roman, Bacau imd Ploesti. In der Bukarester Hauptsynagoge fand im Rahmen einer großen Chanukkah-Fcier eine festliche Begrüßung der Gäste durch die Führer des nationalen Judentums Altrumäniens statt. Oberrabbincr Dr. I. Niemirower hielt die Festrede. Der Präsident der Zionistischen Organisation. Abg. Mischu W c i ß m a n n , w ürdigte die Rolle der Makkabi- Bewegung in der Wiedergeburt des Judentums. Es folgten Ansprachen des Bukarester Mnkkabi-Führers Adv. Robert Weinberg-Verea, Lord Melchetts und Dr. Lelewers. Abends fand im Hause von Lazar Margulies ein Empfang sattt. Ansprachen hielten Mischu Weißmann, Oberrabbiner Senator Niemirower, Oberrabbiner S. D j a e n , Napoleon Arie und Weinberg-Verea. Lord Melchett unterstrich in seiner Dankrede die erzieherische Wirkling des Palästina-Aufbaus auf die gesamte Judenhcit. Seine Ausführungen gipfelten in dem Satze: Arbeit in Palästina ist Religion! Dr. Lelevver kennzeichnete die Rolle der Makkabi-Bewegung als Damm gegen zersetzende Strömungen innerhalb der Jugend und als disziplinierende Kraft, die Väter und Söline im jüdischen Volk versöhnt und verbindet. Am 31. Dezember reiste Lord Melchett in Beglcitung von Margulies nach Sinaia, wo er von König Carol empfangen wurde. Sofia, 5. Januar. (J. T. A.) Der Ehrenpräsident des Makkabi, Lord Melchett, ist in Begleitung des Präsidenteil des Welt-Makkabi, Dr. Le lewer, von Rumänien nach Bulgarien weitergereist. In der bulgarischen Grenzstadt Rustschuk erwarteten Tausende Makkabim und jüdische Persönlichkeiten Bulgariens die Gäste und bereiteten ihnen einen begeisterten Empfang. Lord Melchett und Dr. Lelewer hielten Ansprachen, in denen sie für die großartige Begrüßung dankten. Von der Grenze an stand den Gästen ein Salonwagen des Königs zur Verfügung. In Sofia gestaltete sich der Empfang׳ zu einer grandiosen Kundgebung. Lord Melchett und Dr. Leiewer wurden Blumensträuße überreicht; beide Gäste wurden von den zentralen und städtischen Behörden, sowie den jüdischen Vertretern, insbesondere der Exekutive des Makkabi Bulgariens, aufs herzlichste begrüßt. Am Vormittag stattete Lord Melchett dem Premierminister einen Besuch ab. Nachmittags fand vor 2030 Personen eine Makkabi- Kundgebung statt- Es sprachen Kiosso, der Vorsitzende des bulgarischen Makkabi-Kreises, Lord Melchett und Dr. Lelewer. Danach wurden turnerische und gymnastische Vorführungen gezeigt. Abends fand ein großes Bankett statt, das mehr als 200 Persönlichkeiten der Gesellschaft Sofias vereinigte. Es waren vertreten das Ministerium, die Generalität, die Stadt Sofia, die Jüdische Gemeinde und alle jüdischen Organisationen. Zum Schluß des Banketts sprachen nach dem Minister Wassilew Lord Melchett und Dr. Leiewer. Am nächsten Tage hatte Lord Melchett eine Audienz bei.m König. Lord Melchett ist über Stambul nach Aleppo und Palästina weitergereist. Bundestag des Zeire Misrachi Der 4. Bundestag des Zeire Misrachi für Deutschland fand m 23. bis 26. Dezember 1932 in Magdeburg statt. Von v.1wa vier- bis fünfhundert Teilnehmern besucht, zeigte er das erfreuliche Bild der kontinuierlichen Aufwärtsentwicklung des Bundes. Die Zweiteilung zwischen Brith-Hanoar und Zeire Misrachi wurde in Verfolgung der gewählten Linie in der Verfassung des Bundes verankert. — Auch die Zielsetzung hat sich erheblich konkretisiert, nicht zuletzt unter dem. Einfluß r Tatsache, daß viele Zeirim heute in Erez Jisrael im Sinne der Bundeszicle organisiert und tätig sind. Das zeigte sich zunächst in dem von Benno Offen bürg, Hamburg, gehaltonen Referat über das Thema ״Jüdisch-religiöser Sozialismus“. Der historische Materialismus kann für den Juden niemals gültiger philosophischer Lebensinhalt werden. Wohl aber erwies und enveist sich Marxens heuristische Methode als geeignet, wirtschaftliche Zusammenhänge zu analysieren und ’ ־׳ vernünftig-gerechte Organisation der Produktionsverhältherbeizuführen. Insofern ist die sozialistische Wirtscliaftsauffassnng von größter Bedeutung für den Palästina- Aufbau, und wir verlangen, daß dieser Aufbau nach ihren Forderungen sich vollziehe. In einer sozialistischen Wirtschaft wird das jüdisch-religiöse Leben sich freier entfalten können, 1s wenn die nationale Energie von Wirtschaftskämpfen fast ganz 1 Anspruch genommen würde. Ein sozialistisches Palästina ist ie unerläßliche Voraussetzung für unsere eigentliche jüdische Aufgabe: Die Verwirklichung der Thora in der Welt. — lu der Diskussion verlangte W cr/.lur g e r neben dem Vorsuch, sozialistische Forderungen halachi-ch z.11 begründen, du: Anerkennung der Tatsache, daß wir gezwungen waren, Klassenkämpfer aus taktischen, nicht aber aus ideologischer Gründen zu sein. Der Klassenkampf wird in Erez Jisrael der ges; Arbei ganda und Arbeit, we Aufgabe der Frhalftmg muß. ך- Frnrt Da v i d des Rechts sind Wandel nit der Arbei׳ ■ V ei O ff e n b 11 r g fiu keit, sich am Klassenkampf man mit den! Eintritt in d mit dem Verbleiben in ihr gerechtigkeit, die mit dem vereinbar ist. d z es Ideologie und Tat behandelte das Referat von Josef Burg, Leipzig, ״Galuth und wir“. Die Anerkennung der Golah als einer Realität fordert von uns tätige Anteilnahme, denn \\;r haben alle Lebensumstände des jüdischen Volkes zu berücksichtigen. Die alleinige Lösung der Judenfrage durch den Zkv nismus scheint kaum möglich; ein anderer Ausweg bietet s ch aber auch nicht, so daß die ganze Frage in ihrer großen Schwierigkeit bestehen bleibt. Zionistische Aufgabe ist cs, die Bewußtseinslage der Juden in der Golah entscheidend dahlu zu beeinflussen, daß das religiöse Kulturerbe als gesellschafts* formende Verpflichtung den jüdischen Massen bewußt bleibt. — Mendel Scharf Schute diese Gedankengänge insoweit ab, als sie ihm zu resigniert erschienen. — Achnlich äußerte sich M. Michaelis: Galuth bedeutet für uns heute nur noch aufreibendes Rückzugsgefecht. Die Ausweglosigkeit unseres Zu- Standes verlangt programmatische Galuthverneiruin״. Zum Tatsächlichen inufS jetzt endlich durch Aufklärung und Organisation die Möglichkeit geschaffen werden, sozialisti-elie Gedanken in den tatsächlich geführten Klassenkampf in der Golah hineiiizutragen. Wir werden die gesetzestreue jüdische Arbeitnehmer- Schaft in Deutschland gegen solche Arbeitgeber zu verteidigen haben, die die überdurchschnittliche Mehrbeanspntchmr; ihrer Angestellten mit den Schwierigkeiten zu rechtfertigen euch.!1, die sich angeblich aus der Befolgung des jüdischen Reiigko'sgesetzes ergeben. — Dr. W ol f s b e r g sieht in dem Atdeui auch bci^solriven^ Jtideig ''.he ' dem ״Reli^iousgeset/ entfremdet luth in Bewußtsein \i11d'Tat *mächtig fordern. Zur Frage des Klassenkainpfes bemerkte er, daß wir geset zcstretien Zionist1! ׳ in der sozialen Ungerechtigkeit einen antireligiösen und Volkszersetzenden Zustand bekäninfcii. — Burg betonte in seinem Schlußwort die Unzulänglichkeit jener Argumentation, die alles Schöpferische ^entsagungsvoller Arbeit auf religiöse Grundreligiöse Bestrebung berufen, die sie zur radikalen Vernichtung jeder Jüdischkcit verpflichtet sein läßt. Die vordringlichsten praktischen Aufgaben des Bundes, Keren Thora vva Awoda, I laeliseliara und Ali ja, sowie hündische Erziehung wurden i!1 den Referaten von Kar! Z i n n e 1׳, Schlomo Bomhach und Bernhard B r e c h e r behandelt. Die Erwcitcrung der Arbeit für den Fonds in den Kreisen der nichtzionistisehen Orthodoxie wurde mit Befriedigung vermerkt. Das Hachschara-Refcrat B o m b achs behandelte zunächst die Schwierigkeiten, däe dem Hapoei Haniisrachi aus der in E:rcz Israel verbreiteten Aussicht erwachsen, die Orthodoxie sei reaktionär. So haben wir viel Jugend an den nichtreligiösen liinoar Haowed verloren. Nur die von uns im Lande wirklich geleistete Arbeit, nicht allein unser Programm, wird unter der Jugend für uns werben. Je mehr wir Juden den palästincm.isehen Arbcitsmarkt beherrschen, um so stärker wird dann auch unsere Alija sein können. Der große Andrang zur Hachschara des Zeire Misrachi — bereits 200 Anmeldungen liegen vor, ebensoviel sind in nächster Zukunft zu erwarten — veranlaßt jetzt zur Einrichtung von Zentren in den Wohnorten derer, die sich in Hachschara befinden. In seiner Erziehung imi-sen die politischen Ziele des Bundes stärker betont werden, als bisher. Im Brith Hanoar muß zum Eintritt in den Hapni l Hamisrachi erzogen werden, so wie es auf der letzten PegischaW des Brith Clialuzim Dathiim beschlossen wurde. Unerläßlich bleibt weiterhin neben der Arbeit für unsere Fonds die Arbeit für den KKL, weil dieser uns Boden bereitstellt, dann aber auch besonders in heutiger Zeit deshalb, weil er sich durch seine Bodenpolitik der gegenwärtigen privatkapitalistischen Boden- Spekulation entgegenstellt. Aus demselben Grund erziehen vir zur sozialistischen Form des Kibbuz, die allein die sinngemäße Ausprägung unseres Ideals darste'lt. — Bernhard Brecher forderte in seinem Referat über Umorpanisarion dev Bundes die stärkere Betonung der jüdisch in Kulturwerte, Erziehung des Einzelnen zur ״Jüdischkcit“ in der dafür geeigneten hündischen Form, die stärker, durch deutliche organisatorische Ab.grenzung, betont werden solle. Die Aelteren sollten im deutschen Misrachi eine eigene Fraktion bilden. Diese Vorschläge wurden nach längerer Debatte abgelehnt. Durch intensivere Arbeit hofft man, im bisherigen Rahmen den gesetzten Forderungen noch besser entsprechen zu können. Die Beratungen des Bundestages fanden in einer Reihe von Beschlüssen ihren Niederschlag* Ihre Veröffentlichung wird

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