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Jüdische Rundschau · 1933-01-10 · Heft 3 (10.1.1933) · p. Seite 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 3 (10.1.1933)
Date
1933-01-10
Page
Seite 12 (sequence 2)
Language
German
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Sette 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 10.1.1933 fe^enüber diesen Beschlüssen zu veranlassen, gescheitert war, at der Kongreßanwalt den Sonderverband um die Bekanntgabe seiner Stellungnahme zu den Anklagepunkten gebeten. Der Brief blieb unbeantwortet. Der Korgreßanwalt beantragt entsprechend den A.C.-Beschlüssen Suspendierung der Rechte des Sonderverbandes der Zionisten- Revisionisten; er behält sich vor, die Auflösung des Verbandes ebenfalls zu beantragen. Die Verhandlung nahm folgenden Verlauf: Der Vorsitzende verhandelte zuerst über die Ablehnungsau träge der Revisionisten gegen Dr. Cohn, den sie als Poale Zionisten, und Dr. Oskar Wolfsberg, den sie als Mkraehisten für parteiisch erklärten. Nach einer eingehenden Auseinandersetzung, in der insbesondere Dr. Barth nachwies, daß eine solche Ablehnung weder legal, noch in persönücher Hinsicht gerechtfertigt ist, und daß bei einem ahnliehen Verfahren, bei dem die Revisionisten als Klagepartei auftraten, auch ihr Vertreter im Richterkollegium Dr.Machawer keineswegs als parteiisch abgelehnt würde, lehnte das Gericht die Ablebnungsanträgc ab. Der Vorsitzende verlas dann ein Schreiben des Sonderverbarides, das darauf hinausgeilt, das Verfahren zwecks Kostenersparnis »sw. auf die Kongreßzeif oder die nächste A. C. -Sitzung zu vertagen. Dr. Soskin begründete sein Fernbleiben mit ,,Unabkömmlichkeit“. Dr. Barth, Locker und Dr. Lauterbach beantragten Eintritt in die Verhandlung, da eure Verschleppung des Verfahrens nur dazuführen könnte, daß die Angeklagten die Delikte, deren sie angeklagt sind, fortsetzen werden. dem Vertagungsantrag nicht absolut widerlegt von Dr. ־. daß , t das Verfahr;erde. onde Dag ec späteren Zeitrbar 1’tirde verde in die Verhandlung eingegangen, walt Dr. Aron Barth führte eine große 1, die beweisen, daß die Führer des revi- •verbandes gegen die zionistische Disziplin verstoßen haben, sondern auch wiederholt ־ Presse erklärt haben, daß sie nicht die Abach den A.-C.-Beschlüssen zu richten. Die Barth, ist die (1 rund läge der Stoß- נ gütig, « bedurfte nicht einmal der letzs A.C., weil diese Disziplinpflicht und;r Z. O. bei politischen Aktionen schon ein Verstoß gegen sie gleichkam der Vcrtischen Gewisscnspflicht. Dr. Barth fand , die , und führte Acußen jabotmskvs iin ״Raswjet“ an, die mit auerkennens- ' Offenherzigkeit zugeben, daß die Revisionisten disziplinpflicht durchaus derjenigen gegenüber der Z. O. ־ordnen und ihre politischen Aktionen durchführen Nach Ausführungen von Bcrl Locker und Dr. Lauterbach formulierte Dr. Barth die U r t e i 1 s a n t r ä g c, die auf Suspendierung und Auflösungsantrag lauteten. Bei Verkündung des (eingangs erwähnten) Urteils führte Gronemann aus: Die Mitglieder des Ehrengerichts sind sich der großen Verantwortung bewußt gewesen, indem sic ein Llrteil gegen opferbereite Zionisten fällen, die wir lieben und von denen wir noch viel erwarten. Jeder politische Beweggrund war hier ausgeschaltet, das Gericht war sich einig darin, daß die Bewegung geeint ihren Weg gellt, mag er auch ein Umweg sein, auch aut Umwegen kommt man zum Ziel. Wer sich aber absplittert, geht, auch wenn er einen richtigen Weg wählt, der Bewegung verloren. Um die Schlagkraft der Bewegung zu erhalten, muß kräftig durchgegriffen werden. Für das Gericht waren die Beschlüsse der Union, die offiziell noch nicht voröffentlicht wurden, nicht maßgebend, maßgebend waren die öffentlichen Handlungen und Erklärungen, die den absoluten Willen der Leiter des Sonderverbandes erkennen fassen, nngeachtet der A.-C-Beschlüsse selbständig politisch zu arbeiten, eine ״Petition“ durchzuführeri und heim Völkerbund eiuzuschrciten ferner Erklärungen, daß die A.-C.-Bcschlüsse für sie nicht bindend seien. Besteht keine Unterordnung, ist die Bewegung verloren, und gerade weil nicht etwa einzelne Asoziale, sondern ein kräftiger Verband gegen dieses Lcbensprin/ip verstoßen, muß durch ge griff en werden. Wir hoffen, schloß Gronemann daß dieses Urteil unsere Freunde zum Nachdenken und zur Rückkehr bringen wird. Der Jerusalemer Arbeiterrat (Moa/ath Poale Jeruschalajirn) übersendet uns zu den in Nr. OS und 10t) der ״Jüdischen Rundschau“ erschienenen Artikeln über den St r c ik bei Frum in eine längere Zuschrift, worin darauf aufmerksam gemacht wird, daß in unseren Berichten eine wichtige Tatsache unerwähnt geblieben sei. Die Fabrik Frumin habe nämlich in der kritischen Zeit mit starker ArbeiUverkürzung gearbeitet, und zwar nur zehn Tage im •Monat. Trotzdem habe der Arbeitgeber versucht, vier neue Arbeiterinnen einzustellen. Die Arbeiter haben dagegen protestiert, daß trotz der Kurzarbeit neue Arbeiter eingestellt werden sollen, und drei der neuen Arbeiterinnen haben auf Grund der Schritte der Arbeiter auch aut ihre Anstellung verzichtet. Nur die viert e Arbeiterin, eben diejenige, die revisionistisch organisiert ist, habe sich von Herrn Frumin einstellen lassen. Erst aus der Berücksichtigung dieses von keiner Seite bestrittenen Umstandes, so schreibt uns der Arbeiterrat, könne die Rolle der Revisionisten bei diesen Arbeitskonflikten objektiv beurteilt werden. Im weiteren Verlauf der Zuschrift wendet sich der Arbeiterrat u. a. gegen Lichtheims Behauptung, die Histadruth sei eine politische, im Rahmen der 2. Internationale organisierte Partei. In Wahrheit sei die Histadruth eine Gewerkschaft, die zwar der Gewerkschafts-Internationale, nicht aber der sozialistischen internationale angehört und Arbeiter verschiedener Parteirichtungen zu ihren Mitgliedern zählt. ״Eine überlebte Legende“. Unter dieser Ueberschrift teilt ״Sunday Times“ mit, der High Commissioner für Palästina habe der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes einige Ziffern betreffend die landlosen Araber in Palästina mitgeteilt, denen zu entnehmen ist, daß bis zum 1. Oktober 1932 2S26 Araber Ansprüche auf Registrierung als Depossedierte, deren Boden angeblich ln jüdische Hände übergegangen ist, erhoben haben, daß aber nur 365 dieser Ansprüche als irgendwie berechtigt angesehen werden konnten, dagegen rund 1800 als vollkommen unbegründet zurückgewiesen wurden; 1000 An- Sprüche stehen noch zur Prüfung. Wenn diese letzteren An- Sprüche der gleichen Art wie die bereits erledigten sind, ist anzunehmen, daß in ganz Palästina etwa 600 arabische Bauern einen irgendwie begründeten Anspruch auf Entschädigung oder Teilcntschädipmg Tür den Uebergang von Boden an jüdische Siedler haben. Diese Tatsachen, schließt ״Sunday Times“, zerstören die Legende, daß durch jüdische Einwanderung arabische Bauern in irgendwie nennenswerter Zahl depossediert worden wären und daß dies mit eine Ursache zu den arabischen Unruhen im Jahre 1920 gewesen war. Man könne im Gegenteil feststellen, daß die jüdische Einwanderung sowohl den Umfang der Beschäftigung auf dem Lande als auch die Löhne und den Lebensstandard der arabischen landwirtschaftlichen Arbeiter erhöht. Wirtschaftspolitik — nicht nur Wirischaftsk r i t i k Von Dr. E. F. Ascher Die zionistische ()Öffentlichkeit ist wieder einmal in Unruhe geraten. Palästina, diese ״Insel im Weltmeer der Wirtschafts- Krise“, macht uns gerade ob dieser seiner konjunkturellen Ausnahmcstellung Sorgen, und die Warnungen, die wirtschaftskritischen Betrachtungen und die Diskussionen mehren sich. Nicht ohne Berechtigung sind diese Sorgen. Selbstverständlich hat die wirtschaftliche Entwicklung, die in Palästina die augenblickliehe Konjunktur schafft, ihre eigenen Gesetze. Selbstverständlieh können wir uns nicht einerseits freuen, daß brachliegendes und aniagesuehendes jüdisches Kapital auf der ganzen Welt nach Palästina strömt und andererseits verhindern wollen, daß dieses Kolonisationskapital sich die Wege und Formen der Betätigung sucht, welche ihm die größtmögliche Rentabilität vcrsprechen. Wir können nicht davon träumen, mit Hilfe privaten Kapitals in Palästina einen planvvirtschaftlichen Sektor aufzubauen, wie das vielleicht in früheren Jahren noch möglich war,' als wir aus dein Ueberfluß des Privatkapitals ein Spendenkapitat für unsere Kolonisation schufen. Andererseits dürfen wir uns nicht dem reinen Prinzip des ״Laissez faire — laisscz aller“ hingeben. Denn wir sind kein reines Kolonisationsland, wir können uns nicht damit zufrieden geben, daß vielleicht a!e zweite und dritte Generation auf den Trümmern der ersten aufbaut, weil auch der wirtschaftliche Erfolg dieser späteren Generationen aufs engste mit unserer politischen Entwicklung und diese wieder aucli heute noch ganz eng mit unserer Propagandamögiiehkeit verbunden ist. Nicht nur im Interesse einer iniafjinären Wunsehvorsteliung von der palästinensischen Wirtschaft!egt es, daß der Strom der Einwanderung etwa plötzlich wieder aufhöre, daß die gestrandeten Pioniere einer Epoche nicht zu Propagandisten des Mißerfolges in Palästina werden, und daß wirtschaftliche Krisen nicht zu politischen Hemmungen und Erschwerungcn führen; dieses Interesse hat gerade im höchsten Maße auch der einzelne private Unternehmer, der seine Rechnung mit der Weiterentwicklung Palästinas und der Ver״rößerung seines Absatzmarktes als Farmer, Fabrikant oder Hausbcsit/er macht. An Stelle der starken Schwankungen seiner Konjunktur von tiefster Krise und Stagnation zu höchster Blüte braucht Palästina eine ruhige stetige Aufwärtsentwicklung. Lind wenn wir auch wissen, daß sich wirtschaftliche Entwicklngen nicht kommandieren lassen, so haben wir auch gelernt, daß die Summe der wirtschaftlichen Einzelerfolge in einem Lande oder einem Volke noch nicht identisch ist mit der Gunst seiner wirtschaftlichen oder politischen Gesamtsituation. Bei aller Freiheit, die heute das Kapital und die Wirtschaft für ihre Entwicklung brauchen, sind dennoch Maßnahmen möglich und notwendig, die dieser Entwicklung größere Gleichmäßigkeit, Stetigkeit und Sicherheit vielleicht verleihen können. Nichts wäre falscher, als wenn man hierbei an Maßnahmen und Mittel dächte, die nach Bevormundung, Warnung oder ,,moralischer“ Beeinflussung aussehen. Die kapitalistische Wirtschaft kann nur von innen heraus durch ihre eigenen Methoden und durch ihre eigenen Mittel geleitet werden, und nichts ist einer etwa vorhandenen Führung wie auch der wirtschaftlichcn Entwicklung selbst schädlicher als wirtsciiaftsfremde und den Gesetzen der Wirtschaft nicht entsprechende Maßnahmen. Man hat in diesem Zusammenhang viel von der gesunkenen Autorität der Exekutive gesprochen. Die Autorität der Exekutive, abgesehen von dem rein menschlichen Vertrauen, das ihren Mitgliedern seitens der organisationstreuen Gruppen der zionistischen Bewegung entgegengebracht wird,mußte sinKcn in dem gleichen Maße, in’dem sie an realen Machtmitteln vcrlor, und das Land Palästina selbst, seine Wirtschaft und der Jischuw erstarkte. Aber nocli heute besitzt die Exekutive auch unabhängig von der finanziellen Entwicklung der Fonds, deren Stärkung auch immer wieder ihren Einfluß verstärkt, noch bedeutende Positionen ihrer praktischen Autorität, vor allem in der Politik und in der Immigration. Diese ihre Möglichkeiten könnte die Exekutive in dem oben erwähnten Sinne benutzen. Daß die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas sich möglichst gleichmäßig und nicht sprunghaft vollziehe und daß größere Krisen vermieden werden, liegt im Interesse des ganzen Landes ebenso wie im zionistischen. Es gibt genug wirtschaftspolitische Maßnahmen, die hierauf Einfluß haben können: Steuerge-vt/e, die die überwiegende Bodenspekulation verhindern, evtl, sogar ein entsprechendes Bodengesetz; Zollbestimmungen, die die gesunde industrielle Entwicklung stärken; eine Zollpolitik, die die wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas in seiner besonderen Situation als Produktions- und Handels- Zentrum berücksichtigt; eine sinnvolle Konzessionspolitik, eine nicht von fiskalischen, sondern von wirtschaftlichen Erwägungen ausgehende Steuerpolitik. Natürlich müßten diese Maßnahmen'nicht von dem Bedarf des Augenblicks oder einer lntcressentengruppe aus gefordert und durchgesetzt werden, solldern im Rahmen einer Gesamtvorstellung über die zukünftige Entwicklung Palästinas, wie sie die Exekutive sich sicherlich bilden könnte und die sic in ihrer Politik gegenüber der Mandatarmacht zu vertreten hätte. Ebenso hat die Exekutive es in der Gewalt, durch vernünftige Einwanderungspolitik, die nicht von den Bedürfnissen einer falsch verstandenen Propaganda lebt, sondern die die wirklich gegebenen Einwanderungsmöglichkeiten bis aufs letzte ausnut/t, autoritativ auf die wirtschaftüchc Gesamtentwicklung Palästinas hinzuwirken. Die größten Möglichkeiten und die wichtigsten Aufgaben liegen jedoch bei jenen wirtschaftlichen Kräften und den aus ihnen gewordenen Organisationen und Institutionen selbst, die heute gleichzeitig Subjekt und Objekt des Palästina-Aufbaus sind. Diese Kräfte können sich Regulative schaffen und sind hierzu in ihrem eigenen Interesse verpflichtet. Selbstverstäridlieh, der große Kapitalist, der als kolonialer Eroberer, als Individuum oder als Gesellschaftsunternehmer nach Palästina kommt, kennt genau seine Ziele und kennt auch die Methoden, um zu seinem Ziel zu gelangen. Ihm macht es auch nichts aus, wenn auf dem Wege zum Erfolg Rückschläge und Verluste entstehen. Unsere Hoffnung und unsere Sorge sind aber die große Zahl der mittleren und kleineren Unternehmer, jene, die wirklich ihren letzten europäischen Besitz zusammenraffen, um sich in Palästina eine neue Existenz zu schaffen. Diese müssen wenn irgend möglich, Gelegenheit finden, ihre finanziehen und ihre menschlichen Kräfte dort einzusetzen, wo sie im Rahmen der Gesamtentwicklung Aussicht auf den möglichst großen Erfolg haben; und diese Typen sind längst nicht mehr verbissen darauf eingestellt, daß nur ihr eigener Verstand und ihre eigene Erfahrung ihnen den richtigen Weg weisen wird. Sie haben in ihren Vaterländern längst gelernt, daß Berufsvcrbände, Interessenvertretungen, Wirtschaftsvereinigungen, ja sogar Konjunkturinstitute und Banken dem einzelnen Untcrnehmer einen Teil seiner eigenen Verantwortung und Initiative abnehmen. Nur dürfen es keine Bevormundungsinstitute, keine wirtschaftsfremden Theoretiker sein, die sie führen. Aus der Wirtschaft selbst heraus müssen diese planmäßigen Arbeiten beginnen. Unserer Bank beispielsweise wartet hier eine außerordentlich wichtige Aufgabe. Gewiß, sie muß außerordentlich vorsichtig sein und darf ihre Kunden nur mit Zurückhaltung beraten; aber sollte sie nicht vielleicht im Zusammenarbeiten mit den dafür geeigneten Berufsvereinigungeil und sonstigen Stellen einmal daran gehen, mit Initiative in die palästinensische Wirtschaft cinzugreifen? Aus dem Studium der palästinensisehen Handelsbilanz allein ergeben sich viele Anregungen, an welcher Stelle in der palästinensischen Wirtschaft Geld und Arbeit mit Erfolg angesetzt werden kann. Viele Anregungen strömen der Barm und ihren Mitarbeitern sicherlich zu. Sollte es nicht möglich sein, diese alle zu sammeln, zu ordnen, das Ungeeignete auszumerzen, das Geeignete zu fundieren, Interessenten zusammenzubringen, sich an kleinen Studiengesellschäften zu beteiligen, die Anteilscheine von gründlich geprüften palästinensischen Aktiengesellschaften zu placieren, langsam vielleicht sogar so etwas zu schaffen, wie einen richtigen Anlagemarkt? Eine Initiative der Banken in dieser Richtung, mit Vorsicht und Sachkenntnis gepaart, würde der Bank selbst und ihren Kunden, soweit es sich um anlagesuchendes Kapital handelt, sicherlich dienlicher sein als wenn sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die großen Gelder schaut, die sie unproduktiv zu verzinsen hat. Naturgemäß beschränkt sich eine solche Aufgabe nicht allein auf die Banken, wenn ihr hierbei auch die Pflicht einer erhöhten Initiative zufällt. Die Städte müssen hierbei mitwirken, die Berufsorganisationen, die verschiedenen Einvvandererverbände. Es genügt nicht, wenn dem einzelnen Fragesteller für seine Person mehr oder weniger optimistische Auskünfte erteilt werden und wir müssen endlich einmal aus der Beschrünktheit unseres wirtschaftlichen Programms: ״Häuser, bau und Orangenplantagen“ herauskommen. Natürlich, derjenige, der in Palästina Geld anlcgen und sich dort eine Existenz, schaffen will, der Geld und Arbeit einzusetzen hat, muß selbst prüfen, untersuchen und die Rechnung mit seinen tinanziehen Kräften anstellen; aber nicht notwendig ist es schließlieh, daß jeder Einzelne von vorne anfängt. Möglich ist es, daß bereits in seinem Heimatiande Institutionen existieren, die ihm bei der Vorbereitung seiner Pläne helfen, und notwendig ist es, daß Palästina selbst, daß die verantwortlichen Kräfte des Landes nicht darauf warten, ob der Einzelne eine eigene gute Idee zum Erfolge führt oder ob der wirtschaftlichen Idee selbst oder dem zufälligen Träger Mißerfolg beschießen ist; sondern daß seine Kräfte von Maßnahmen und Institutionen, die ihm nicht fremd sind, in eine Richtung gelenkt werden, die deshalb zu seinem eigenen Nutzen ist, weil sie in der Gesamtentwicklung des Landes begründet liegt. Es ist nicht so wichtig, ob die Analogie von heute zu 1925 in wenigen oder in vielen Punkten unzutreffend ist — sie ist, wie in diesen Blättern ja deutlich dargcstellt — zwcifellos in vielen Punkten nicht zutreffend. Wichtig ist jedoch, daß wir nicht in der bloßen Wirtschaftskritik stecken bleiben, sondern daß mit den reichen Erfahrungen unserer eigenen palästinensischen Vergangenheit und mit den noch größeren Erfahrungen, die unsere Wirtschaftler in der ganzen Welt mit Aufmerksamkeit gesammelt haben, an Haupt und Gliedern unserer Bewegung eine Wirtschaftspolitik geführt wird, die über das Palästina von heute hinaus auch an das Palästina von morgen denkt und die es versteht, die wirtschaftlichen Kräfte von heute für die wirtschaftliche Zukunft und Notwendigkeit des Einzelnen wie das Land fruclitbar zu machen. Landesvorstand der Z.V. f. D. Am Sonntag, dem S. Januar, fand in Berlin eine sehr stark besuchte Sitzung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. In Vertretung des durch Krankheit an der Teilnahme verhinderten Kurt Blumenfeld führte Dr. Siegfried Moses den Vorsitz. Zu Beginn der Sitzung gedachte der Vorsitzende der in der letzten Zeit dahingeschiedenen Gesinnungsgenossen und Freunde. Dr. Arthur Hantkc widmete Hillel Ziatopolski und Adolf Friedemann warme Worte des Gedenkens, hierauf sprach Lazarus Barth einen Nachruf auf Prof. Sobernheim. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete ein umfassendes Referat des in Berlin weilenden Mitglieds der Palästina- Exekutive, Dr. Werner Senator, über die heutige Wirtschaftliehe Situation in Palästina. An das Referat schloß sich eine kurze Debatte in Form von Fragenbeantwortung. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung, Politische Arbeit der Z. V. f. D., schilderte Dr. Siegfried Moses großen Zügen die Maßnahmen, die im Anschluß an die auf dem Deiegiertentag in Frankfurt a. M. angenommene Resolution durchgeführt wurden, und die Resonanz, die sie in der zionistisehen Oeffentiichkeit gefunden haben. An der daran anschließenden eingehenden grundsätzlichen Ausspräche beteiligten sich Dr. ßileski, Dr. Heinrich Strauß, Alfred Berger, Dr.‘ Ooldmann, Dr. Kanowitz, Dr. Hildesheimer- Mannheim.‘ Dr. Noack-Gotha, Dr. Weltsch, I. Klinoff. Die Ausspräche wurde durch ein Schlußwort von Dr. Moses beendet. In der Nachmittagssitzung würdigte Dr. Nachum Goldmann die Persönlichkeit Biaiiks anläßlich seines 60. Geburtstages. Die Versammlung vereinigte sich in einer herzliehen Huldigung für den Jubilar. Für Dr. Heinrich Strauß, der vom Deiegiertentag in den Gescliäftsführenden Ausschuß gewählt wurde, das Amt aber wegen Fortzugs aus Berlin nicht annehmen konnte, wurde Dr. Walter Czapski in den G. A. gewählt. Dr. Heinrich Strauß bleibt Mitglied des Landesvorstandes. Ueber neue Methoden der Ortsgruppenarbeit referierte R.-A. Max J aco bs 0 h n- Breslau. An der Aussprache beteiligten sich Dr. Arnold Hildesheimer-Mannheim, S. Tschertok, Dr. Erwin Mansbach-Essen, Dr. Holzer-Chemnitz, Max_ Tischler, Dr. Fricdländer-üörlitz, Dr. Millner-Frankfurt a. M., Dr. Rothschild-Lübeck. Im Anschluß an die im Rahmen dieser Aussprache behandelte Frage der Kongreß-Scheke I-Aktion wurde folgende von Etienne Basch und Dr, Noack-Gotha vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen: ״Die Zionistische Vereinigung für Deutschland betrachtet als ihre selbstverständliche Pflicht, die Exekutive bei ihren Bemühungen um die Stärkung der Organisation tatkräftig zu unterstützen und zu diesem Zwecke die Schekelaktion mit aller Energie durchzuführen. Der l.andesvorstand hält aber einen Schekelpreis von 1,50 M. für völlig untragbar, weil er Tausenden von Zionisten den Erwerb des Schekels unmöglich macht, und beauftragt den G. A., bei der Exekutive mit größtem Nachdruck für eine Herabsetzung des Schekelprcises einzutreten.“ Lfnter dem Titel ״Systematisierung der Pa- 1 ä s t i n a a r b e i t“ referierten Isaak Feuerring über Wirt- Schaftsberatung und Alexander Adler über Alijali- und Hac'nscharahfragen. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Dr. Wolfheim-Erfurt, Max Tischler, Dr. Georg Halpern, Etienne Basch, Dr. Rabau, Alfred Berger. Es erfolgte hierauf die Wahl der Keren Kajemeth-, der Keren li a j e s s o d - und der Gemeindek o m - mission. Ferner ־wurde der G. A. ermächtigt, den von ihm aufgesteiiten Etat vorläufig bis zum 31. März d. J. in Kraft zu setzen. Die Sitzung wurde um 8 Uhr abends vom Vorsitzenden geschlossen. Im Verlaufe der Ermittlungen zur Feststellung der Urheber des Bombenattentats inNahalai, dem der jüdische Kolonist Joseph Jacobi und sein neunjähriger Sohn David zum Opfer fielen, führte die Polizei in Haifa eine Haussuchung in zehn arabischen Läden und Wohnungen Haifas durch. Es wurden Metall teile von der gleichen Art gefunden, wie sie zur Herstellung der Bombe verwendet worden waren. 20 Araber wurden verhaltet, das Verhör mit ihnen ist noch nicht beendet,

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