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Jüdische Rundschau · 1933-01-06 · Heft 2 (6.1.1933) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 2 (6.1.1933)
Date
1933-01-06
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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Nr.21933 .6.1 י _ _ JÜDISCHE RUNDSCHAU__ Seite 7 Der Entwicklungsplan (development scheine) für Palästina Von Dr. Arthur Ruppin, Jerusalem Der Rücktritt von Mr. Louis French von seinem Posten als )irector of Development for Palestine läßt von neuem die rrage auftauchen, was für die Entwicklung von Palästina geschehen soll. Es wird vielfach die Ansicht geäußert, daß Juden und Araber, wenn sic den French-Bericht ablehnen, selbst mit konstruktiven Vorschlägen für die ökonomische. Entwicklung von Palästina heraustreten müßten. Das gelte insbesondere für die Juden, da sie über mehr kolonisatorische Erfahrung verfügten als die Araber. Nun haben die Juden solche konkreten Vorschläge bereits gemacht. Als im Jahre 1930 Sir John Hope Simpson zum Studium der Development-Frage nach Palästina kam, wurde ihm von der Exekutive der Jewish Agency ein Memorandum über die ökonomische Entwicklung Palästinas überreicht, das unter dem Titel ״Palestine, Land Settlement, Urban Development and Immigration“, im Jahre 1930 durch die Jewish Agency in London als Broschüre herausgegeben wurde. Es ist bedauerlich, daß diese Broschüre anscheinend in vielen interessierten Kreisen unbekannt geblieben ist. Die Vorschläge in diesem Memorandum unterscheiden sich dadurch grundsätzlich von den Berichten von Hope-Simpson und French, daß sie die Hebung der arabischen Fellachen und die Förderung der jüdischen Kolonisation nicht getrennt voneinander, sondern in ihrem gegenseitigen Zusammenwirken behandeln. Sie zeigen, daß die Entwicklung der Fellachenwirtschaft für sich allein aus Mangel an einer Kreditbasis ungeheuer schwierig oder unmöglich ist, daß sie aber gerade im Zusammenhang mit der jüdischen Ko- Ionisation in vielen Teilen Palästinas leicht und schnell verwirklicht werden kann. Die Ursache der schlechten Lage der Fellachen. Die Juden stimmen der Ansicht von Hope-Simpson und French zu, daß die Lage der arabischen Landwirte in Palästina schlecht ist und einer Verbesserung bedarf. Das einzige Buch, das eine objektive Darstellung der Wirtschaft des Fellachen gibt und auch von Hope-Sitnpson dauernd zitiert wird, ist von dem Leiter der landwirtschaftlichen Versuchs- Station der Jewish Agency, Herrn Elazari-Voicani (The Eellah's Farm, Tei-Awiw 1930) verfaßt. Das beweist, daß die Juden an der Lage der Fellachen durchaus nicht teilnahmslos vorbeigehen. Die Juden wenden sich aber gegen die Behauptung der Araber, daß die schlechte Lage der Fellachen auf die jüdische Immigration und Kolonisation oder auf eine zu hohe Besteuerung des Fellachen zurückzuführen ist. Daß die schlechte Lage der Fellachen in Palästina nicht mit der jüdischen Einwanderung und Kolonisation zusammenhängt, ergibt sich schon daraus, daß die Lage der Fellachen in den Nachbarländern Palästinas (Transjordanien, Syrien, Irak), in denen keinerlei jüdische Einwanderung stattfindet, noch schlechter ist als in Palästina. In Transjordanien, in dem bekanntlich die Juden bisher keinen Fuß gefaßt haben, ist die Lage der Fellachen trostlos. Als jetzt die Rohrleitung für das Petroleum von Mossul nach Haifa durch Transjordanien gelegt wurde, haben sich viele Tausende von Fellachen in Trans- | jordanien bemüht, bei dieser Arbeit Beschäftigung zu finden, i um einen geringen Tagelohn zu verdienen. Palästina ist im ' Vergleich mit den Nachbarländern noch eine Art von Eldorado, das viele Einwanderer aus diesen Ländern (auf legalem und illegalem Wege) anzieht. Die großen Steuereinnahmen, welche die Juden an die Regierung zahlen, und der große I Zufluß von jüdischem Kapital nach Palästina hat eine große 1 Anzahl von öffentlichen und privaten Arbeitsmögüclikeiieii geschaffen: Straßenbau, Häuserbau, Entwässerungs- und Be- Wässerungsanlagen, Orangenpflan Zungen, bei welchen eine große Anzahl von Arabern und darunter sehr viele Fellachen Beschäftigung gefunden haben. Die jüdische Einwanderung hat also nicht etwa die Lage der arabischen Bevölkerung verschied!- tert, sondern, im Gegenteil, zu ilrrer Besserung beigetragen. Die Steuerbelastung des Fellachen. Die Behauptung, daß auf den Fellachen eine zu große Steuerlast falle, war richtig in türkischer Zeit, als der Oscher (Zehnte, Tithes) und der Werko (Land Tax, Bodensteucr) die Haupteinnahmen der Regierung bildeten und der Oscher in erpresserischer Weise von Steuerpächtern eingezogen wurde. Aber seit der englischen Okkupation machen Oscher und Werko einen immer geringeren Teil der gesamten Regicrungseinnahmen aus, insbesondere infolge des Anwachsens der Einnahmen der Regierung aus Zöllen. Nach dem Etatsvoranschlag der palästinensischen Regierung für das Jahr 1932/33 fließen von den gesamten Einnahmen von £ 2 364 000 £ 920 000 39 0׳״ aus Zöllen ein. (Zu dieser Einnahme tragen die Juden, da sie verhältnismäßig viel mehr importierte Waren konsumieren als die Araber, pro Kopf mehr als doppelt soviel bei als die übrige Bevölkerung.) Oscher und Werko sollen nach dem Budgetvoranschlag für das Jahr 1932/33 insgesamt £ 180 000 4000 420 £ 000 240 £ ־ ergeben. Zieht man hiervon den auf die Juden fallenden Anteil (schätzungsweise £ 30 000 Oscher, £ 120 000 Werko) und den auf die arabische städtische Bevölkcrung entfallenden Werko (mindestens £ 60 000) ab, so beträgt die Gesamtsumme, welche die ländliche arabische Bevölkerung (die 60 0״ der Gesamtbevölkerung Palästinas ausmaelit), für Oscher und Werko zu zahlen hat, £ 210 000 oder 9 0׳״ der Gesamteinnahmen der Regierung. Da es in Palästina zurzeit etwa 100 000 Fellachenfamilien gibt, ist die Belastung pro Familie nur etwa über £ 2. Abgesehen vom Oscher und Werko steuert der Fellache zu den Einnahmen der Regierung nur sehr wenig bei. An den Haupteinnahmen der Regierung, nämlich den £ 920 000 aus Zöllen, ist er sehr wenig beteiligt, da er in seinem Haushalt importierte zollpflichtige Waren nur in winzigem Maße gebraucht. Die Viehsteuer, welche im Budgetvoransciilag der Regierung für 1932/33 mit £ 42000 eingesetzt ist, fällt nicht aut die Fellachen, sondern auf die beduinische Bevölkerung, die dafür von der Zahlung des Oschers befreit ist. Fs ist schwer einzusehen, wie eine Steuerbelastung von etwas mehr als £ 2 pro Familie der Grund für die schlechte Lage der Fellachen sein kann. Wenn man heute trotzdem noch in vielen Kreisen von der zu hohen Steuerbeiastung des Fellachen spricht, so übernimmt man ohne genügende Kritik eine Behauptung, die früher einmal richtig war, für die Gegenwart, wo sie nicht mehr richtig ist. Die Schuldenlast des Fellachen. Viel schwerer als die Steuer drückt auf dem Fellachen seine Schuldenlast. Nach dem Berichte von Hope Simpson beträgt die durchschnittliche Verschuldung des Fellachen etwa £ 30, und er hat dafür dem Wucherer Zinsen von 20—30 0/0, d. h. £ 6—9 jährlich zu zahlen. Davon abgesehen, ist die Verschuldung für den Fellachen eine ständige Gefahr, daß sein Boden verkauft wird und in die Hände des Wucherers fällt, der in vielen Fällen ein in der Nähe wohnender Grundbesitzer ist. French erwähnt in seinem Berichte, daß in einem Subdistrikt im Gebirgslande in den letzten zehn Jahren nicht weniger als 30 ״/# des Bodens aus den Händen der Fellachen in die Hände arabischer Kapitalisten übergegangen sind. Es ist wichtig, hierbei festzustellen, daß die arabischen Kapitalisten diesen Boden nicht etwa an die Juden weiterverkauft haben, da die Juden in den letzten zehn Jahren im Berglandc überhaupt keinen Boden gekauft haben, noch dort Boden zu kaufen beabsichtigen. Die Primitivität der Fellachenwirtschaft. Der Hauptgrund fur die schlechte Lage des Fellachen liegt darin, daß seine Wirtschaft rückständig geblieben ist und sich den neuen Bedingungen der Weltwirtschaft nicht angepaßt hat. Die Produkte, die der arabische Fellache aus seiner Wirtschaft zu Markte bringt, nämlich Weizen, Gerste, Hülsenfrüchte, Sesam, sind infolge der Konkurrenz anderer für Ackerbau viel besser geeigneter Länder außerordentlich billig und gewähren ihm für seine Arbeit ein sehr geringes Entgelt. Nur in denjenigen Fullen, in denen die Fellachen zu Baumpflanzungen übergegangen sind oder in der Nähe der Städte oder der größeren jüdischen Kolonien Gemüse unter Bewässerung erzeugen, hat sich ihre Lage gebessert. Jeder Versuch, die Lage der Fellachen zu heben, muß in der Richtung auf eine allmähliche Abkehr vom reinen Getreidebau und auf den IJebergang zu bewässerten und unbewüsserten Baumpflan- Zungen und zur Ausgestaltung der Milchwirtschaft, der Ciefliigelhaltung und des Gemüsebaus führen. Dabei ist natürlich nicht daran gedacht, die Wirtschaft von einem Tag zum andern aus einer extensiven in eine intensive umzugestalten. Die eingewurzelte Tradition des Fellachen steht einem solchen brüsken Uebergang entgegen. Wohl aber kann die notwendige Intensivierung im Wege eines allmählichen Ueberganges erreicht werden. Die jüdischen Vorschläge für Development im Küstengebiete. Die Vorschläge zu einer Verbesserung der Lage der Fellachen in dem eingangs erwähnten Memorandum beziehen sich in erster Linie auf die Küstenebene, das untere Jordantal, das Bcisangebict und das Hulegebiet. Unter diesen vier verschiedenen Gebieten nimmt die Küstenebene den wichtigsten Platz ein. Eine von der Jewish Agency eingesetzte besondere Kommission hat im Jahre 1930 untersucht, welche Flächen in den erwähnten vier Gebieten vorhanden sind und ist zu der Fest- Stellung gekommen, daß in der Küstenebene etwa 4 QD0 000 Dunam Boden vorhanden sind, die sich folgendermaßen verteilen: Leichter bewässerbarer Boden (für Orangen besonders geeignet) 500 000 Dunain Schwerer bewässerbarer Boden (für Orangen weniger geeignet) 750 000 ״ Nicht bewässerbar (für Getreide geeignet) 1 250 000 ״ Nicht kultivierbar (Sanddünen, Gebirge, Wege usw.) * 1 500 000 ״ Von den kultivierbaren 2500000 Dunam sind zur Zeit (approximative Ziffern) Orangenpflanzungen 80000 Bewässerbarer Boden, der für Orangen geeignet ist 280000 Bewässerbarer Boden, der weniger für Orangen als für Gemüse usw. geeignet ist 700 000 Nicht bewässerbarer Boden für Getreide i 040 000 __ Zusammen 2100000 D. 400000 D. 80 000 60000 75 000 185 000 Nach dieser Feststellung haben die 22 000 Fellachenfamilien, die in der Küstenebene wohnen, im Durchschnitt je 95 Dunam kultivierbaren Boden. Die Möglichkeit der Bewässerung, die in der Kiisteiiebene fast überall vorhanden ist, ist nur zu einem sehr kleinen Teil und in vielen Dörfern gar nicht ausgenutzt. Die in arabischen Händen befindlichen Orangenpflanzungen gehören fast durchweg nicht den Fellachen, sondern Großgrundbesitzern oder städtischen Kapitalist en. Der Vorschlag der Jewish Agency geht nun dahin, daß der Fellache statt einer Wirtschaft auf 95 Dunam unbe wässerten Boden eine Wirtschaft haben soll, die der Fläche nach um ein Drittel kleiner ist, von der aber 6—15 Dunam tür bewässerte Kulturen, davon ein Teil für Orangen Pflanzungen zu benutzen sind. Dieser Plan kann durchgeführt werden, wenn die Fellachen ein Drittel ihrer Fläche an Juden verkaufen und mit dem Kauterlös, der bei einem Durchschnittspreis von £ 4—5 pro Dunam etwa £ 150 betragen würde, erstens ihre Schulden bezahlen und sich von den Wucherzinsen befreien, zweitens ihr lebendes Inventar verbessern, drittens einen Teil des ihnen verbleibenden Bodens bcwässern und einige Dunam davon mit Orangen bepflanzen. Der Fellache, der nach Vollziehung des Verkaufes statt der früheren 95 Dunam nur 63 Dunam besitzen und davon zunächst 57 Dunam in der früheren Weise weiter bearbeiten würde, könnte den Kauferlös von ca. £ 150 wie folgt verwenden: 1. £ 30 zur Bezahlung seiner Wucherschulden, wodurch er jährlich £ 6—9 Zinsen ersparen und von dem Drucke des Wucherers befreit sein würde; 2. £ 30 als seinen Anteil an den Kosten der Einrichtung einer Bewässerungsanlage für das ganze Dort, die zur Bewässerung von 6 Dunam seines Bodens ausreicht; 3. £ 30 zur Bepflanzung von 3 Dunam des bewässerten Bodens mit gepfropften Orangen- oder Grapefruitbäumen, die schon nach 3 Jahren Früchte bringen; (hierbei ist damit gerechnet, daß alle Handarbeit in der Pflanzung von dem Fellachen selbst geleistet wird); 4. £ 15 für Verbesserung und Vergrößerung seines lebenden Inventars (Geflügel, Milchvieh, Zugvieh); 5. £ 45 als Beitrag zu seinem Unterhalt in den 3 Jahren bis zur Fruchttragung der Pflanzung. Eine Gegenüberstellung der Einnahmen^ und Ausgaben Fellachen in der früheren und in der neu einzurichtenden Wirtschaft ergibt, daß dem Fellachen in deralten WirtschaftfürseinenUnterhalt.KIeidungundsonstige lebenswichtige Bedürfnisse nur etwa £ 33 blieben, während er in der neu einzurichtendenWirtschaft in den ersten drei Jahren, d. h. bis zur Fruchttragung derOrangenpflanzung, £ 44 und nach Fruchttragung der Orangenpflanz 11 ng £ 57 Einnahmen erzielen kann, Dabei bleibt dem Fellachen die Möglichkeit, den Ertrag der Wirtschaft noch weiter zu erhöhen, indem er von seinen() Dunam bewässerten Bodens die 3 Dunam, die er zunächst mit Gemüse bebaut, allmählich auch mit Orangen oder Grapefruit bepflanzt. Dadurch ist eine jährliche Mehrcinnahme von £ 24, d. 11. eine Steigerung der Gesamteinnahmen auf £ 81 erreichbar. Es ist in Palästina notorisch, daß ein Dunam Orangen dem seihst arbeitenden Besitzer mindestens £ 10 Nettoeinnahmen einträgt. (Zurzeit sind die Nettocinnahmen doppelt und dreifach so hoch.) Es bedarf also keines weiteren Beweises, daß der Fellache, der drei oder sechs Dunam Orangenpflanzung besitzt, die oben erwähnten Einnahmen wirklich erzielen kann. Natürlich können die Juden Kaufvereinbarungen der oben erwähnten Art nicht mit einem einzelnen Fellachen, sondern nur mit allen oder vielen Fellachen eines Dorfes treffen, da sie für ihre Kolonisation große zusammenhängende Flächen brauchen. Aber mit vielen Dörfern sind solche Kaufvereinbarungen möglieh, und damit kann für eine lange Reihe von Jahren der Bodenbedarf für die jüdische Kolonisafion befriedigt werden. Die Juden werden auf dem gekauften Boden eine hoch intensivierte Wirtschaft einrichten, bei der eine Fläche von 20 Dunam, also weniger als ein Drittel der Fläche, die dem Fellachen verbleibt, für eine Familie ausreiclit. Nötig ist zu solchen Kauf- Vereinbarungen nur, daß die Regierung ihnen wohlwollend zur Seite steht, und daß sie insbesondere die Hindernisse wegräumt, die sich aus dem jetzigen unbefriedigenden Stande der Bodcrivertnessung, des Muschaeigcntums und des Katasterwesens ergeben. Hier ist für die Regierung die Möglichkeit vorhanden, ohne irgendeinen• gene K a p i t a 1 i 11 v e s t i e r u n g eine große kolonisatorische Tätigkeit za fördern, die sowohl den Ara bern wie den Juden von Nutzen ist, In der Küstenebene sind schätzungsweise 80 "i alles Bodens Eigentum der Fellachen, 20 0'״ gehören Großgrundbesitzern und werden von Pächtern bearbeitet. Falls der Großgrundbesitzer den Boden verkaufen will, wird ihn die Regierung vielfach durch Anwendung des Gesetzes über den Pächterschutz dazu bringen können, einen Teil des bewässerbaren Bodens (10 -15 Dunam pro Familie) den bisherigen Bearbeitern in Erbpacht zu überlassen oder gegen langjährige Ratenzahlungen zu verkaufen. Das würde den Pächtern die Möglichkeit geben, diesen Boden für bewässerte Kulturen, darunter einige!"Miriam für Orangen zu benutzen. Außerdem sollen die Pächter etwa 50 Dunam unbewässerten Boden in der bisherigen Form ais Pächter mit Pachtvertrag für mindestens 15 Jahre weiter bearbeiten. Das für die bewässerten Kulturen erforderliche Kapital von etwa £ HW pro Familie sollte die Regierung den Pächtern als Anleihe geben (siehe darüber weiter unten). Auf diese Weise wäre auch hier, wie in den Fällen, in denen die Fellachen selbst Eigentümer des Bodens sind, ein allmählicher Uebergang der Pächter von der extensiven zu einer mehr intensiven Wirtschaft möglich. Development in den Ebenen außerhalb des Küstengebiets. Int den anderen oben erwähnten drei Gebieten, nämlich im unteren Jordantal, im Bcisangebict und im Hulegebiet, liegen die Verhältnisse anders als im Küstengebiet. Im unteren Jordantal ist der in Frage kommende Boden Staatseigentum und sehr dünn besiedelt. Er verlangt allerdings zur Besiedlung ziemlich kostspielige Bewässerungsanlagen. Das Betsange bi et war Staatseigentum, ist aber im Jahre 1921 den dort befindlichen Pächtern gegen langjährige Raten- Zahlungen zu Eigentum überlassen worden. Die jetzigen Eigentümer wissen aber nicht, was sie mit den ihnen überlasserien, für Eigenbewirtschaftung viel zu großen Flächen, anfangen sollen. Der Boden hat zwar viele Quellen, ist aber versumpft und verlangt zunächst eine Drainage und Regulierung der Wasserläufc, welche die jetzigen Eigentümer nicht durchführen können. Es wäre leicht, mit ihnen zu einem Uebereinkommen zu gelangen, wonach sie einen Teil des Bodens den Juden verkaufen und — ähnlich wie in der Küstenebene — den Kauferlös zur Intensivierung ihrer Wirtschaft benutzen. Gleichzeitig würde die Regierung hierdurch die ihr von den jetzigen Eigentümern zustehende, aber nicht geleistete Zahlung (etwa £ 11 .■ pro Dunam) von den jüdischen Käufern erhalten und könnte dieses Geld benutzen, um die notwendigen Drainage- und Wasscrregulierungs- Arbeiten in diesem Gebiete vorzunehmen. Auf diese Weise könnte dieses wertvolle Land, das jetzt malariaverseucht ist, und aus dem jetzt weder die Eigentümer noch die Regierung nennenswerte Einnahmen haben, zu einem blühenden Siedlungsgebiet für Araber und Juden und zu einer großen Einnahmequelle der Regierung werden, ln Hule ist der Boden ebenfalls Staatseigentum, ist aber auf Grund einer alten türkischen Konzession, welche die englische Verwaltung mit großer Langmut mehrfach verlängert hat, dem Konzessionär zur Ausbeutung uberlassen worden, ohne daß dieser bisher den Boden, der versumpft ist, ainelioriert hat. Auch hier könnte ohne große Schwierigkeiten zwischen der Regierung, dem Konzessionär und einer jüdischen Gesellschaft eine Vereinbarung getroffen werden, wonach die Entsumpfung des Bodens, die schätzungsweise eine halbe Million Pfund kosten soll, mit Hilfe eines Regierungskredites vorgenommen wird. Die auf dem Boden befindlichen arabischen Pächter sollen dann den zu ihrer Existenz erforderlichen aimüoricrten Boden erhalten und der Rest für jüdische Kolonisation verkauft oder langjährig verpachtet werden. Die Regierung würde im Falle des Verkaufs ihre Investition von den Juden in relativ kurzer Zeit zu nickbekommen. Development im Berglande. Im Berglande, in dem schätzungsweise zwei Drittel aller Fellachen Palästinas wohnen, ist die für die Küstenebene vorgeschlagene Kooperation zwischen jüdischer Kolonisation und arabischer Wirtschafts-Intensivierung zur Zeit nicht möglieh. Die jüdische Kolonisation ist bisher auf die Arbeit mit modernen landwirtschaftlichen Maschinen eingestellt, die nur für ebenen Boden passen, und hat für die Gebirgsböden, bei deren Bearbeitung die Handarbeit eine große Rolle spielt, noch keinen Kolonisationsplan. Die Juden kaufen deshalb hier vorläufig keinen Boden. Die Verbesserung der Fellachenwirtschalt im Gebirgslande, wo Wasser für Bewässerung nur spärlich vorhanden ist, muß eine Verbesserung und Vergrößerung des lebenden Inventars und die Anpflanzung von Fruchtbäumen, die keine künstliche Bewässerung brauchen (Oliven, Feigen, Trauben, Aepfel, Birnen, Aprikosen usw.) zum Ziele haben. Der Fellache hat bisher nur wenig Fruchtbäume gepflanzt, weil es mindestens vier Jahre dauert, bis die Bäume Ertrag geben, und es ihm schwer war, die zur Anpflanzung notwendigen Barauslagen (für Setzlinge, Zaun) zu machen und atif den Oetreideertrag der mit Bäumen zu bepflanzenden Fläche auf eine Reihe von Jahren zu verzichten. Wenn ihm dagegen die Setzlinge aus einer Regierungsbaumschule unentgeltlich oder auf Kredit geliefert werden und wenn zur Be- Pflanzung besondere Kredite von etwa £ 2—3 pro Dunam von der Regierung zur Verfügung gestellt werden, um den Ein* nahme-Ausfall an Getreide auf dem mit Bäumen neu bepflanzten Böden gutzumachen, so würde das für die Fellachen ein starker Anstoß zur Anpflanzung werden. Diese Pflanzungskreditc sollten ebenso wie Kredite zur Anschaffung besseren Viehs und Geflügels und zur Bewässerung eines Gemüsegartens durch Vermitflung und unter Kontrolle lokaler Kreditgenossenschaften gegeben werden. ,Mit einem Kredit von £ 30— 40 pro Familie ließe sich wahrscheinlich ziemlich viel erreichen. Der Kredit könnte, nachdem die Bäume Frucht tragen, in 15 bis 30 Jahresraten mit kleinen Zinsen abgezahlt werden. Erfahrungen in der Vergangenheit. Die hier gemachten Vorschläge sind nicht nur rein« Theorie, vielmehr gibt es eine Reihe von Fällen, in den«

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