Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 104 (31.12.1937)
- Date
- 1937-12-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 J0D1STHF *UM Nr. 104 31. XII. 1937 Ende einer Illusion Polnische Erklärungen über das Madagaskar י Projekt Von unserem Berichterstatter DIE BERUFUNG Wann hat Gott mit seiner Stimme Wunder gewirkt? Das war zu der Stunde, da er Mose zu Pharao senden wollte, dafe der die Kinder Israel sollte ziehen lassen. Mose war damals In Midian, denn er lürchtete sidi vor Pharao. Als nun der Herr zu ihm sprach: Geh hin, kehr zurfick nach Aegypten! — da spaltete sich das Wort Gottes und zwei Stimmen wurden aus einer; Mose vernahm in der Wüste den Rut: Kehr um nach Aegypten! Aron ab« hörte den Befehl: Zieh Mose entgegen! Midrasch zum Wochenabschnitt für Schabhai, 1■ Januar 1938 (Aus: Bin Goiion, ״Sagen der luden", Schocken Verlag, Berlin.) bekämpft wird. Auf der anderen Seite steht die scharfe Opposition der als ״links“ bezeichneten nationalzaranistischen Bauernparfei. Die Regierung wird also von rechts und links bekämpft, wenn die bisherige Haltung der Parteien bleibt. Die Berichte darüber sind widerspruchsvoll, und eine der letzten Meldungen behauptet, daß die radikalste nationalistischantisemitische Gruppe (״Eiserne Garde“) eine ab wart ende Haltung einndunen oder sogar Goga unterstützen will. Vom jüdischen Standpunkt ist wohl die erheblichste Tatsache der Ein- Schluß von Prof, C u z a in die Regierung. Cuza ist der Altmeister des rumänischen Antisemitismus, unermüdlicher Propagandist in Wort und Schrift, dessen antijüdische Reden im Parlament eine große Hörerschaft fanden, aber wegen ihres Extremismus nicht ganz ernst genommen wurden. In seinem 80. Lebensjahr wird Cuza zum ersten Male ministrabel, und mit ihm zugleich tritt sein gleichgesinnter Sohn in das Kabinett ein. Als überzeugter Antisemit gilt auch der Außen• minister Micescu, der als Anwalt die Kampagne gegen die jüdischen Adeokaten in Bukarest organisiert hat. Goga selbst hat noch vor einigen Jahren bestritten, Antisemit zu sein. Er Nt ein Dichter und Schriftsteller und hat als Kultur- und Innenminister das Bestreben gehabt, die akademische Jugend für sieh zu gewinnen. Diese aber ist zum Zeitung ״Portinea Vremii'־, die als der* christlich-nationalen Partei nahestehend gilt, glaub! filier die Absichten der neuen taiert P ni scheu Pressewesen verboten werden soll und daß die r u!11 ä n i s c h c Wirts c 11 a f 1 nationalisiert werden würde, vor allem mußten ÖO <״׳ aller Angestellten in den Betrieben ethnisch reine Rumänen sein. Auf der anderen Seite ist fesfztisfcllen, daß Ministerpräsident Goga ausdrücklich erklärt hat, er sei entschlossen, die Verfass un g tu res pek• tieren, jedoch werde er ,,die Interessen der Nation einem Pseudokonstinitionalismus überordnen‘׳, eine Ausdrucksweise, die ihre Deutung erst durch die Praxis erhalten wird. Als erste Tat der Regierung wird die Neubesetzung sämtlicher Provinzialvcrwaluingen (Präfekturen) gemeldet. Besonders hervorzuheben ist die Ernennung des christlich-nationalen Führers in der Bukowina, Robu, der als schärfster Antisemit gilt, zum Verwalter dieses stark von Juden bewohnten Landes, dessen Hauptstadt Czernowitz (heute Cernauti) früher eine der am stärksten jüdisch gefärbten Städte Europas war (und auch einen jüdischen Bürgermeister hatte). Wie kompliziert aber die Verhältnisse sind, ist daraus zu ersehen, daß Robu auch bei den Anhängern der antisemitischen ״Eisernen Garde“ besonders verhaßt ist; er war bei einem Zusammenstoß beteiligt, bei dein zwei Legionäre der Codrcanu-Bewcgimg getötet wurden. Die gegenseitig« Be- Ziehung der beiden antisemitischen Parteien ist also noch ungeklärt, und manche behaupten, der König habe Goga berufen, um dem Aufstieg Codreanus einen Riegel vorzu• schieben. In Bukarest sind die liberalen Zeitungen ״Adeverul“, ״Lupta“ und ״Diinmeatoa“, an denen Juden mitarbeiteten, auf unbestimmt« Zeit verboten worden; in einer Meldung werden sie als ״jüdische“ Zeitungen bezeichnet. Manche Berichte sagen auch die Einführung eines Arierparag r a p 11 e n im Staatsdienst voraus und betonen, ein wesent• lieber Prograiiiinpunkt der Regierung sei der ״Abwehrkampf gegen das Judentum“. Die Bildung eines Kabinetts in Rumänien, dem ausgespr o c 11 e 11 « extreme Antisemiten in führender Stellung an ge hören, muß naturgemäß mit großer Sorge betrachtet werden. Für die rumänische Juden 11 eit. die schon durch ihre Zahl und Position einen gewaltigen Machtfaktor darstcllt, entsteht eine scltwierige und delikate politische Aufgabe, die die höchsten Anforderungen an politische Reife stellt, und es ist mir bedauerlich, daß diese Situation ein uneinheitliches und in viele Gruppt•״ und Tendenzen zerspaltenes Judentum vorfindet. Man würde — sofern man als Außenstehender in einer solchen Sache überhaupt etwas sagen kann —• wünschen, daß die rumänischen Juden angesichts der Verhältnisse sich zu einer geschlossenen Einheit zusammenfinden. Hubermans Befinden Unser Wiener J. R,־ Berichterstatter schreibt uns: Das ״Neue Wiener Abendblatt“ vom 28. Dezember veröffentlicht eine tags zuvor stattgefundeue telephonische Unterreduttg mit der Sekretärin Hubermans, der sich gegenwärtig in Florenz aufhält. Die Sekretärin antwortete aut 'die Frage nach dem Befinden Hubermans, daß es ihm gut gehe und daß die Aussichten für seine Wicderherstellung recht gute seien. Konzertübungen seien noch nicht möglich. Der Künstler beschäftige sich vorläufig nur mit Fingerübungen. Die Aerzte hatten Huberman dringend geraten, den Ucbergang von den Tropen in das Klima Mitteleuropas in Italien zu vollziehen und eine Zeitlang dort zu bleiben. Hiibcrinan, der vorläufig auch in Florenz oleibt, werde sich später einer Fangokur unterziehen. Auf die Frage, wann Huberman wieder in der Lage sein werde, aufzutreten, antwortete die Sekretärin mit den Worten: ״Das'ist noch nicht sicher“. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Rolrcrt Welt sch, Berlm-Charl. 9 Kurt' Lot» e n s t e i n, Berlin \V 15. Anzeigenldte^und verantwortlieh!■״ (!, n Inhalt rin Anzeigen: Ihirh I.upmann, Berlin VV 15. Gültig Anzeigen - I’reisiNte 5 vom 1. April 1936, Verlag und An- «igenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin \V 15, Meinekestr. 10. D.A, 10/1937 28 604. — Druck: Siegfried Schülern, Berltn-Schöneberg. Warschau, 28. Dezember Seitdem die Judenfrage in Polen in ein akutes Stadium getreten ist, gibt es kein Schlagwort, das unter den Polen populärer ist, als das der jüdischen Emigration. Die Gebildeten und die Volksmassen, die Demagogen und die Ernstdenkenden, alle fast ohne Ausnahme, ohne Unterschied der politischen Stellungnahme, wiederholen in verschiedenen Variationen: ״Emigration der Juden“. Nachdem die erwartete Massenauswanderaing ausblieb, begann inan in einsichtigeren polnischen Kreisen darüber nachzudenken, wohin denn eigentlich die polnischen Juden ziehen sollen. Es tauchten viele Projekts auf, plötzlich meldeten sich Emigrationsfachleute zum Worte, und es begann eine Agitation, welche Uneingeweihte in ihrem Glauben an die Möglieh k eit einer schnellen jüdischen Massenemigration bestärkte. Palästina allein genügte ihnen nicht. Viele Polen wurden plötzlich ״Palästhiafreunae“ (nicht alle aus diesem Grunde!), aber die Zahl der Palästinaeinwanderer genügte ihnen bei weitem nicht. Sie waren ungeduldig, kritisierten die Mandatsregierung, die Jevvish Agency, enthusiasmierten sich für Jabot insky, der von einer ״E v a k u a ti on“ an Stelle der Emigration sprach u. a. Plötzlich warf jemand vor anderthalb Jahren das Wort ״Madagaska r“ in die Debatte, und ein neuer Zaubername lief durch die nationaldemokratischen Versammlungen und ihre Zeitungen. Eine dreigliedrige Kommission, bestehend aus einem Polen (Lepecki) und zwei polnischen Juden (dem Direktor der Jüdischen Emigrationsgesclischaft in Polen ״Jeas“ Alter und dem Agronomen Dyk) reiste nach Madagaskar und untersuchte dort im Laufe von einigen Monaten die Möglichkeiten einer Immigration und Kolonisation. Wie bekannt, leidet Polen an dem Ueberschuß der sich sehr schnell vermehrenden Landbevölkerung, welche bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht imstände ist, sich Boden und Erwerb zu verschaffen. Aus polnischen Gebieten sind immer beträchtliche Bauernmassen über den Ozean gewandert, insbesondere nach Kanada, USA. und Brasilien. Auch auf detn europäischen Kontinent gab es vor dem Kriege nach Sachsen, nach dem Kriege nach Frankreich eine nennenswerte polnische Einwanderung, welche teilweise nur einen Saisoncharakter trug. Die Not unter ■den polnischen Bauern ist in den letzten Jahren gewachsen, und das Emigrationsprobiem ist für diese Schicht besonders aktuell. Als die von der Regierung bestellte Unters iichungskommission sich nach Madagaskar begab, fanden sich schon manche Polen, die verlangten, die Kommission solle sich nicht nur 11m die Juden, sondern ebenfalls um die auswanderungsbedürftigen polnischen Bauern kümmern. Aber diese Stimmen waren vereinzelt. Nun kam die Kommission zurück. Das Ergebnis ihrer Untersuchung erwartete man mit großer Spannung. Der Bericht wurde bis heute nicht veröffentlicht. Es wurde bekannt, daß die Mitglieder ihr Gutachten bereits der Regierung unterbreitet haben, daß die Meinungen des polnischen Mitgliedes von denen der jüdischen Mitglieder sich unterscheiden, aber offiziell wurde nichts verlaut hart. Erst in den letzten Tagen sickerten in die Öffentlichkeit manche Einzelheiten des BericFites und erst dann sah sich das polnische Außenministerium veranlaßt, durch eine halbamtliche Presseagentur den Schieier zu lüften. Sensationeil wirkte hier, daß der Vorsitzende der Kom• mission, der Pole Major Lepecki, welcher, optimistischer als die jüdischen Mitglieder, die Möglichkeiten aer Einwan• derung und Kolonisation auf Madagaskar beurteilt, in seinem Bericht unterstreicht, daß diese Möglichkeiten vornehmlich für poln ische Bauern ausgenutzt werden sollen, und der Regierung vorschlägt, in d i e s e r Richtung Vorbereitungen zu treffen. Nach dem Urteil des Majors Lepecki, das jetzt halbamtlich bestätigt wird, käme für eine Aiisiedlung nur das auf Madagaskar über 800 m Meereshöhe gelegene Gebiet in Betracht, wenn es entsprechend vorbereitet wird. Dann könnte man dort etwa 30 000 Bauern ansiedcln, die nur Landwirtschaft treiben, und zwar unter ziemlich schweren Bedingungen. Das halbamtliche polnische Conimuniquc rät, sehr vorsichtig zu urteilen und verspricht sehr allgemein, daß die polnische Regierung mit der Regierung Frankreichs über die Realisation dieses Ansiedlungsprojekts in Verhandlungen eintreten werde. Erst im letzten Satz dieser Verlautbarung heißt es: ״Madagaskar eigne sich c b e n f a 1! s für eine jüdische Auswanderung.“ Kein Wort mehr! Nach dem Gutachten der jüdischen Mitglieder der Expedition aber gibt es in Madagaskar keine Aussicht für eine größere Einwanderung. Sie sind sehr skeptisch in bezug auf jede umfangreichere Kolonisation von Weißen auf dieser Insel und weisen darauf hin, daß die französische Regierung mit der Ansiedlung von französischen Arbeitslosen keinen Erfolg hatte. Europäer könnten sich dort kaum akklimatisieren, und wo das Land fruchtbar ist und das Klima erträglicher, muß man bei der Ansiedlung von Imtnigranteil auf starken Widerstand seitens der Eingeborenen rechnen. Städtische Ansicdlung käme in großerem Maßstabe nicht in Betracht, da entsprechendes Hinterland fehlt. Jüdische Einwanderer könnten auch auf dem als fruchtbar und für landwirtschaftliche Kultur geeigneten Terrain auf Madagaskar nicht angesiedelt werden, auch wenn die hierzu nötigen enormen Kapitalien zur Verfügung gestellt und eine verantwortliche und fähige Organisation ins Leben gerufen würde. Damit die Juden des polnischen Städtchens, und insbesondere die jüdische Jugend, zu Bauern unigewandclt werden könnten, sagen die jüdischen Mitglieder i11 ihrem Rapport —- sind nicht nur entsprechendes Klima und Kapitalien nötig, es müsse noch etwas Emotionelles hinzukommen, und dies sei eine Idee. Diese aber fehle bei einer Kolonisation auf Madagaskar vollständig._ Am 15. Januar findet eine Konferenz aller Rektoren der polnischen Hochschulen statt, bei der auch die Frage der Haltung der Rektoren zu!n Problem der Ghettobänke behandelt werden soll, 54 Professoren der Universität Warschau, Wilna und Posen veröffentlichen einen Protest gegen die Ghettobänke in den polnischen Universitäten und fordern andere Professoren auf, sich dieser Erklärung anzuschließen. Das Regierungskommissariat der Stadt Warschau hat die auf der letzten Generalversammlung des Aerzteverban* des der Republik Polen beschlossenen Satzung«• änderungen bestätigt. Demzufolge besitzt der Aerzteverband jetzt den Arier-Paragraphen. Die geschlossenen Druckereiräume der polnisch-jüdischen Zeitung ״Chwila“ in Lemberg wurden wieder geöffnet. Holländische Zionisten gegen Teilung Die Tagung in Amsterdam Einheit des Niederländischen Zionistenbundes bleibt erhalten Von unserem Berichterstatter RL., Den Haag, 27. Dezember Am 25. und 26. Dezember fand in Amsterdam die 38. Jahres- Versammlung des Niederländischen Zionistenbundes statt. Das große Interesse, das man dieser Tagung «ntgegenbrachte, zeigte sich darin, daß die Exekutive Josef Sprinzak entsandt hatte. In seiner Eröffnungsrede wies der Bundesvorsitzende Mr. A. J. Herzberg einleitend daraut hin, daß alle Mittel, die zur Lösung der Judenfrage, erprobt seien — Assimilation, Philanthropie, Emigration -- ohne Erfolg geblieben seien. Ehe Teilung Palästinas — annehmbar oder nicht — ist für das jüdische Volk und für jeden Juden ein Unglück, in seinem Umfang nur zu begreifen von dem, der den inneren Zusammenhang zwischen dem nationalen Boden und der nalionalen Freiheit kennt. Die Bereiterklärung des jüdischen Volkes zur Eröffnung von Verhandlungen in einer ihm feindlichen Konjunktur kann mir eine ständige Verschiebung der Grenzen unserer Konzessionen mit zunehmendem arabischem und englischem Druck zur Folge haben. Hiergegen hilft nur eine p r i n 1 i p i e n t r eu c Politik, die — wie gemäßigt auch in den angewandten Methoden — kein Kompromiß 1m Ziel kennt. Unsere Zukunft hängt davon ab, daß wir gerade in diesem Moment unsere jetzt noch in der Geschichte und kn Völkerrecht verankerten Ansprüche auf ganz P a 1 ä - stina aufrechtcrhalten, trotz der aus dem Warten entstehenden Opfer. Das Ziel bleibt: Lösung der Judenfrage. — Zu den Aufgaben der Landesorganisation übergehend, betonte Herzberg, daß der Beschluß des Bundesvorstandes, keine Propaganda zu führen, lediglich bis zur Entscheidung der Jahresversammlung gelten sollte und daß, obwohl ein Be- Schluß der Versammlung über di« Teilungsfrage als Riehtlinie für die künftige Arbeit erforderlich sei, dieser die Minderheit diesbezüglich keiner organisatorischen Disziplin unterwerfen würde. Nachdem Raw Gold vom Weitmisraclii (und später auch der Vorsitzende des Niederländischen Misrachi, J. H. Davids) die Gründe der Ablehnung der Teilung durch den Misrachi dargelegt hatte, entwickelte Josef Sprinzak, der Vertreter der Exekutive, die Fragen, die heute im Vordergrund der zionistischen Arbeit stehen. Besonders scharfe Fomiulierungen gegen die Politik des Kongresses und der Exekutive prägte N e 11 e m i a de L i e m e, der — in der bei ihm beliebten paradoxen Form — behauptete, daß die Zionistische Organisation nicht mehr zionistisch, sondern eine ״Hilfs- Organisation zur Linderung der jüdischen Not“ sei (in einer von ihm der Tagung vorgelegtcn Resolution beantragte er eine Aenderung des Namens und der Statuten des NZB. entsprechend der veränderten Zielsetzung), so daß es ekle «»ersönliche Gewissensfrage geworden sei, ob man sich weiter• hin der Disziplin einer Organisation unterwerfen kann, der man ihr Ziel genommen habe. Der Führer der Opposition gegen den Bundesvorstand unter den Allgemeinen Zionisten, Prof. Dr. D. Cohen, dessen Gruppe sowohl Jawie Neinsager umfaßt, erhob gegen den Bundesvorsitzenden den Vorwurf, daß er eine Parteirede, aber keine Rede für den Bund gehalten habe. Prof. Cohen sprach sich für Einhaltung der Organisationsdisziplin gegenüber der Weltorganisation und den Kongreßbescliliisscn aus und hält die Versammlung nicht für befugt, über kongreßpolitische Fragen, wie die Teilungsfrage, Beschlüsse zu fassen. Diese Beschlüsse könnten überdies nicht als Votum des _ Bundes gelten, da die Delegierten nicht entsprechend dem wirklichen Verhältnis zusammengesetzt seien. Propaganda nach außen und Arbeit für die Fonds seien das Arbeitsfeld des NiedeTländischen Zionistenbundes. Würde man die Propaganda den Richtlinien des Bundesvorstandes zwingend unterwerfen, so würde man denen, die anderer Meinung seien, die Arbeit unmöglich machen und damit das Bestehen des Bundes gefährden. Dr. A. van Ra alte, der Leiter der Nationalfondsarbeit in Holland, sprach sich in gleichem Sinne aus. Nachdem noch mehrere Redner gegen die Auffassung des Bundesvorstandes gesprochen hatten, unterstrich Dr. Fierzberg nochmals die Notwendigkeit eines Beschlusses in der Tcilungsfrage. Er versicherte, daß keine Unterdrückung von Minderheiten erfolgen würde. Nachdem die meisten Resolirtionen zurückgezogen waren, wurde die Resolution des Bundesvorstandes, die sich für energische Propaganda gegen die Teilung und Fühlungnahme mit anderer, gleichgcrichtoten Kräften im jüdischen Voike ausspricht, mit großer Mehrheit angenommen und der bisherige Bundesvorsitzende Mr. A. J. Herzberg sowie die übrigen Mitglieder des Bundesvorstandes und der Redaktion des ״Joodsche Wächter“ wiedergcwählt. Die Tagung, auf der außer den genannten noch zahlreiche andere Redner zu Wort gekommen waren, batte einen be* wegteil Verlauf. Die bestellenden Gegensätze äußerten sich oft in scharfer Form. Nachdem aber der Bundesvorsitzende mit allem Nachdruck auf die Notwendigkeit der Erhaltung der Einheit der Organisation hingewiesen und der Minderheit Freiheit in der Propaganda zugesichert hatte, ohne andererseits der Gegnerschaft d er Mehrheit gegen die Teilung auch nur etwas von ihrer Entschiedenheit genommen zu haben, war es klar, daß es gelungen war, trotz aller inneren Gegensätze die Einheit der Organisation zu wahren und die Fortsetzung der zionistischen Arbeit zu sichern.