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Jüdische Rundschau · 1937-12-28 · Heft 103 (28.12.1937) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 103 (28.12.1937)
Date
1937-12-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 103, 28. DEZEMBER 1937 BERLINER RUNDS Erneuerung jüdischer Medaillenkunst 25 jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Lewkowitz Der Beginn des Jahres 1913 führte Rabbiner Dr. Julius Cewkowitz von Schneklerniihl als Rabbiner und Prodiger der jüdischen Gemeinde nach Berlin. Durch sein wenige Jahre vorher (19101 erschienenes Werk über ״Judentum und moderne Weltanschauung'* hatte er Aufmerksamkeit erregt und sich als philosophisch geschulter Kopf, als klarer, freier, die Wahrheit unbefangen suchender und mutig vertretender Denker vorgestellt. Die beiden damals im Gemeindevorstand führenden Männer, der greise Julius Jacoby und Justizrat Leo Lilienthal, fanden hierin die Begründung zu seiner Berufung. Auf sein Amt war Lewkowitz vorbereitet nicht nur durch seine wissenschaftliche, sondern auch eine gründliche theologische Vorbildung. Er hat nie aufgehört, zu lernen; seine Aufnahmefähigkeit, seine Belesenheit und sein klares kritisches Urteil auf allen, einen modernen Rabbiner angeben־ den Gebieten sind hervorragend. Hinter seiner Predigt steht das ehrliche Streben, schlicht, einfach und wahrhaftig vom Standpunkte jüdischer Religion über die Fragen der Gegenwart tiefer erfaßtes und klar Gedachtes zu sagen. Für dies alles und vieles aridere noch im Bereiche seines Wirkens mag ihm seine Gemeinde danken. Seine Amtsgenossen schätzen und lieben in ihm den vielseitig und wahrhaft unterrichteten Mann und Kollegen, klar und maßvoll in Urteil und Rede, den Freund, dem sie alle danken mit dem herzliehen Wunsche, daß er sein heiliges Amt noch viele Jahre in ungebrochener Kraft des Leibes und des Geistes zum Segen für Judentum und Gemeinde verwalten möge. Rabbiner Dr. M. Warschauer * Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat aus Anlaß des Arntsjubiläums von Dr. Leo Baeck den Beschluß gefaßt, eine Stiftung׳ in Höhe von 20 000 RM. zu errichten, deren Erträgnisse für bedürftige Studierende der jüdischen Theologie bestimmt sind. Die Stiftung wird den Namen von Leo Baeck und seiner verewigten Gattin tragen. Beisetzung in Holleschau Am 22, Tcweth (26. Dezember) wurde Dr. Jacob Freimann, der Senior der Berliner konservativen Rabbiner, der Aw Bet Din der Berliner Judcnheit, in Holleschau (Mähren) zur ewigen Ruhe gebettet. Die Berliner Jüdische Gemeinde hatte als Vertreter des Vorstandes R.-A. Dr. Alfred Klee, für Gemeinde und Rabbinerkollegium Rabb. Dr. Alexander Alttnann delegiert, der auch aas Berliner Rab« binerseminar vertrat. Erschienen war auch Rabb. Dr. Salomonski und, mit einigen Herren der Berliner Chewra Kadischa, Rabb. Dr. Link, die es sich nicht hatten nehmen lassen, dem Toten die letzten Liebesdienste zu erweisen. Auch die Nachbarstädte um Holleschau hatten rabbinische Vertreter entsandt. Es war ein ergreifendes Bild, als der lange, dunkle Trauerzug durch die tief im Schnee liegende kleine Stadt über den Marktplatz und durch das Judenviertel sich bewegte. Wie im biblischen Zuge der Jaakow- Sölme, die den toten Patriarchen auf ihren Schultern heimwärts trugen, wurde Jacob Freimann auf den Schultern der Rabbiner! und des Volkes auf seinem letzten Wege getragen, vorbei an der von ihm selbst bei seinem Einzug 1893 eingeweihten Synagoge, vorbei an der ehrwürdig-verwitterten Synagoge des ״Schach“, des berühmten Amtsvorgängers Freimanns auf dem Holleschauer Rabbinatssitz (gest.!663), bis hinaus auf den stillen verschneiten Friedhof, wo das, was sterblich war an Jacob Freimann, neben dem Grabe des ״Schach“ in die Erde gesenkt wurde. Dort ruht er aus, der unermüdliche Forscher, der gütige Weise, eine Thorarolle im Arm, die die Holleschauer Juden aus dem heiligen Schrein der Schach-Synagoge geholt hatten. Es war die letzte, die dort noch gestanden hatte. Holleschau ist um ein historisch denkwürdiges Grab reicher geworden, aus der Berliner jüdischen Gemeinde aber ist, eine Persönlichkeit geschwunden, die durch den Glanz ihres Namens, das Gewicht ihrer Autorität und die Wärme ihres Wirkens einen unersetzlichen Wert verkörperte. Möge uns die Erinnerung an Jacob Freimarm zum Segen werden. Alexander Alt mann Die Jüdische Winterhilfe teilt mit: Die Plundspende benötigt Sammler! Es fehlen noch Sammler in Alt-Schöneberg, Rosenhcimer Straße, Gäbenstraße, Winterfeldtplatz, ferner Wilmersdorfer Straße, Uhland- Straße, Fasanenstraße, und im Bezirk Siiden־Neuköll11. Meldüngen erbeten an das Büro der Pfundspende der Jüdischen Winterhilfe, Grunewald, Jagowstr. 30. Seelische Winterhilfe, Am 10. und 11. Januar, 20.15Uhr, CaK Leon, Kurfürstendamm 155/136, ״Von Offenbach bis Abraham“. Hörfolge. von Operettenmelodien. Eintrittskarten für Betreute der Jüdischen Winterhilfe in den Bezirksstcllen: Schlüterstraße 70, Münchener Straße 37, Turmstraße 9. — Am 13. Januar, 20.15 Uhr, joachimsthaler Str. 13, Kammer* nuisikabend. Eintrittskarten für Betreute der Jüdischen Winter- Hilfe in den Bezirksstcllen; Lützowslr. 16, Schhiferstr. 70, Münchener Str. 37. Postscheckkonto der Jüdischen Winterhilfe: Berlin 93 446. Zur Photoaus&tellung der BZV Wenn die Photogruppe T’munah der BZV, vor der jüdischen Oeffentlichkeit durch eine Ausstellung Rechenschaft über ihre Arbeiten ablcgen will, dann ist sie sich der Verantwortung, die sie damit übernimmt, voll bewußt. Diese Verantworfimg ist um so größer, als in der Ausstellung nur Photos aus dem jüdischen Leben und insbesondere vom Schaffen in Erez Israel gezeigt werden sollen. Damit entfallen von vornherein die Aufnahmen, die vielleicht den Nur-Photographen besonders interessieren würden, nämlich aus den Gebieten des reinen Materialphotos und des Genrephotos, das im breiteren Sinne nur durch die künstlerische Impression, ohne an ein bestimmtes Thema gebunden zu sein, entstanden ist. Hierzu kann gesagt werden, daß die Einsendungen hochwertigen Bildmaterials trotz der engen Begrenzung durch das der Ausstellung gegebene Motto sehr zahlreich waren. Die Jury für die Ausstellung hatte keine leichte Aufgabe zu erfüllen, um von dem vielen Guten das Beste und gleichzeitig Instruktivste auszuwählen. Die Auswahl mußte so getroffen werden, daß man Unterscheidungen zwischen den technisch guten und inhaltlieh schönen Bildern einerseits und den rein berichtenden Reportage-Aufnahmen andererseits traf. Fritz Eschen Die Berliner jüdische Gemeinde hat im Rahmen ihres der sozialen Hilfe dienenden ״A uf b r i n gu n gs we r ke s“ einen Brauch wieder zu Ehren gebracht, der in vergangenen Zeiten auch bei uns Juden vielfach und mit hoher Kunstentfaltung geübt worden ist; nämlich die Erinnerung an bemerkenswerte Ereignisse und das Andenken an große Menschen* durch Prägung von Gedenkmünzen festzuhalten. Die sprechendsten 1rigjnaldenkmäler, die uns aus dem Altertum überkommen sind — von den steinernen, irdenen, elfenbeinernen und gläsernen Zeugnissen abgesehen, die großenteils Einmaligkeitscharakter haben—, sind die antiken Münzen, die vielfach mit dem Charakter als Verkehrsgeld zugleich die Erinnerung an geschichtliche Begebenheiten oder an führende Persönlichkeiten verbinden. Naturgemäß können sich die Münzen der liasmonäischen und herodianischen Fürsten sowie die aus dem Jüdischen Krieg und aus der Bar-Kochba-Zeit (sog. 1. und 2. Aufstand) mit den auf höchster künstlerischer Stufe stehenden numismatischen Erzeugnissen des altgriechischen und römisehen Kulturkreises nicht messen — und doch nehmen wir nur mit großer Bewegtheit jene Münzen aus der letzten Selbständigkeitsperiode unseres Volkes in die Hand. Das mit so viel Initiative geleitete Berliner ״A u f b r i n - gungswerk“ hat bisher drei Erinnerungsmedaillen herausgebracht: 1. 1935 eine Denkmünze, die der Idee dieser Institution selbst gewidmet ist; 2. 1936 eine Gedenkmedaille auf Don Isaak Abrabanel zu dessen 500. Geburtstag; 3. 1937 eine Plakette zum Ehrengedäehtnis von Rabbi A k i b a Eg er, zur 100. Wiederkehr seines Todestages. Es entspricht nur der besonderen Hochachtung vor der Werbekraft des Anfbringungswerkes und dem Wunsche, daß es auf dem begonnenen Wege glücklich fortschreiten möge, wenn man feststellt, daß alle drei bisher geschaffenen Stücke künstlerisch noch nicht ganz einwandfrei sind. Die m. E, hervorstechendste Unvollkommenheit liegt im überfüllten Schriftbild der Medaillen; auch befriedigen die hebräischen und lateinischen Typen nicht recht. Die Alriba Eger-Plakette, die soeben ausgegeben wurde, zeigt aber bereits ganz erhebliche Fortschritte; nur die Rückseite der Medaille bietet noch ein wenig zuviel des Guten, und in einem dokumentarischen Erinnerungsstück darf der Eigenname unter keinen Untständen verändert weiden (EGERS statt EGER). Die Abrabanel- und die Eger-Medaille sind auch zu groß: Medaiüenkunst ist Miniaturkunst. Angebracht wäre das Signet des Künstlers. Wir verfügen für jüdische Personenmedaillen über so ausgezeichnete Vorbilder aus der klassischen Zeit jüdischer Mcdailfenkunst, dein 18. Jahrhundert, daß unsere Künstler sich und uns an der stillen, edlen Größe dieser ganz unkomplizierten, geradezu sparsamen Bildkunst immer wieder erbauen können, ln meiner Sammlung ״Judaica in nummis“ (Jüdische Numismatik) gehören zu den erlesensten Stücken die drei Schöpfungen von Jacob Abraham und seinem Sohn Abramson zum Gedächtnis von Moses Mendelssohn, Marcus Herz und Daniel Itzig (dem Bankier Friedrichs des Großen und Friedrich Wilhelms II, sowie Oberhaupt der Berliner Juden). Veranstaltungen jubiläumskundgebung der Thora wa'Awoda-Bewegung. Im Bi'üdervereinsliaus beging der ״Brith Chaluzim Datiim“ das 10jährige Bestehen der Tenuat Thora wa’Awoda in An- Wesenheit von Vertretern der Gemeinde und der zionistischen Organisationen. Arjeh Händler entwickelte die ideologisehen Grundlagen der religi-ös-chaluzischcn Bewegung. Im Anschluß daran erfolgten die Begrüßungen. Rabb. Dr. H. Levy sprach namens der Berliner Misrachi-Gruppe und betonte den einheitlichen Weg der älteren und jüngeren Misraehisten und forderte Selbständigkeit in der religiöszionistischen Entscheidung. Dr. Ra Bau im Namen der Berliner Zionistischen Vereinigung, Dr. Hardi Strawensky und Rtitberg vom Reichsausschuß jüdischer Jugendvcrbände bzw. Heclialuz unterstrichen die gemeinsame Arbeit für den Aufbau Erez Israels. Das Hauptreferat des Abends hielt Rabb. Dr. Alexander Alt mann. Er führte aus, daß am Beginn der rcligiös-chaluzischen Arbeit der Thora wa- Awoda-Bewegung keine ausgesprägte Persönlichkeit stand. Die Tenuat Thora wa’Awoda schafft ihre Repräsentanten aus den Erfahrungen eines Lebens, das vom schöpferischen Ethos der Arbeit her seinen Sinn erhält. Nach einem instriiktiven Bildstreifen von der Arbeit der Bewegung sprach Isi Eisner über die Zeit des gemeinsamen Ringens um eine Lcbcnsgcstaltung, die das konservative Judentum revolutionierend beeinflußt hat. Die eindrucksvolle Kundgebung war umrahmt von Sprech- und Singchören dos Bachad, die die Disziplin und den Ernst misrachistischer Jugendarbeit erwiesen. Kurt Klappholz Probleme des jüdischen Theaters wurden in anregender Form auf einem Abend der Gruppe Wilmersdorf der BZV. erörtert. Kann man schon von einer jüdischen Bühne sprechen, wenn das Ensemble aus jüdischen Schauspielern besteht oder wenn sogar niehfjiidische Stoffe in hebräischer Sprache zur Darstellung kommen? Welche Beziehungen heslehen zwischen dem jüdischen Theater und der jüdisch-nationalen Renaissance- Bewegung? Alle diese Fragen wurden von verschiedenen Rednern angepackt. Nach einleitenden Bemerkungen von Dr. Zentrale Kundgebung der BZV Dienita^, den 4. Januar 1936, 20,30 Uhr, Bröderven*in*hau1, Kurfürstenstraß« 115-116 Welchen Halt gibt es für uns? Dar Zionismus zu da» Lebensproblemen der Judan In Deutschland: Liquidation und Auswanderung Juden aus Deutschland in Palästina Jüdische Haltung in dieser Zeit Es sprechen: Dr. Georg Lublnski Dr. Franz Meyer Dr. David Schloßberg Diese Medaillen sind von klassischer Schönheit, Einfachheit und Ruhe und wirken doch nicht nüchtern. Das 19. Jahrhundert brachte uns dann, vielleicht unter dem Einfluß der bcwegteren französischen Mcdaillierkunst, manche ärgerliche Häufung im darstellenden und textlichen Teil — ein verspätetes und mißgestaltetes Barock, das wohl durch die An- Sprüche künstlerisch nicht gerade empfindsamer Auftrag- §' Lehrer. Gemeindevorsteher, Wohltäter sowie Familien-Medaiilen). Besondere Erwähnung verdient eine Reihe historischer Medaillen, zumal auch hieraus Anregungen für ähnliehe Schöpfungen bei bedeutenden Gelegenheit cm gewonnen werden könnten. Wir kennen eine große Anzahl F.manziations- und Toleranz-Medaillen. Der II. Zionistenkongreß asel 1898, aber auch der furchtbare Brand der Frankfurter fudengasse 1711, die Verfolgung der Juden in Damaskus 1840, Vertreibungen, Jtidenreglemenfs, angebliche Hostienschändung, die Jud Süß-, die Dreyfus-Affäre, der Beilis-Prozeß sind im Bilde der Denkmünze festgchalten, der die wenigen Freuden und die vielen Leiden des jüdischen Schicksals anvertraut wurden; wie denn überhaupt die Medaille, eben auch sie, nicht nur die Frucht eines kultivierten KuiiMwillens, sondern auch ein Barometer für die seelische Situation der Juden ist. ln allerletzter Zeit ist m. W. auf diesen! Gebiet mir noch wenig geschaffen worden. Die Schöpfungen des früheren Jerusalemer ״Bezalel“ (Boris Schatz) waren oft . nicht sehr glücklich; hoffentlich gelingt es dem jetzigen zielbewulltcn Leiter des ״Bczalel Cliadasch“, Josef Rudko, in seiner Anstalt auch wieder eine Pflanzstätte gediegener Mcdaillierkunst zu entwickeln. Einen ausgezeichneten U eher blick über Münzen und Medaillen in Beziehung zu jüdischen Persönlictikciten und Geschichtsereigni-sen hat kürzlich der frühere verdienstvolle Direktor der Berliner GemeimlebiKiofhok und erste Leiter des hiesigen Jüdischen Museums, Oberbibliofhckar Dr. Moritz Stern, mit der Vereinigung seiner niimisiiiatisehen Aufsätze in dem reich iliiistiierten Saimneibaiide ״Aus dem Berliner Jüdischen Museum“ geboten (Philo Verlag, 1937). Mögen auch nach dem bekannten Dichterwort die unsichtbaren Denkmäler, die sieh der Mensch durch sein Wirken in Schrift, Tat und Wort, in Wissenschaft, Kunst und täglichem Leben setzt, dauernder als Erz sein (was durchaus _ nicht immer zutrifft) —, das metallene Dokument hat, stabiler jedenfalls als Papyrus, Pergament, Papier und sogar oU auch als Stein, in öffentlichen und privaten Sammlungen die Jahrhunderte und Jahrtausende überdauert und, zuweilen aus vercssenen Winkeln oder aus dem Schutt des Bodens geborgen, ie Erinnerung an die große Person oder das bedeutende Ereignis der Vergangenheit erhalten. Im jüdischen Bezirk, der mit literarischen Denkmälern bereits reichlich ausgefüllt ist, darf wie der Pflege jedes bildhaften Gedächtniszeichens, so auch der Mcdaillcnkimst eine frische Wiederbelebung gewünscht werden. Das Vorbild des Berliner Aufbringungswerkes sollte auch für andere jüdische Gemeinden und Organisationen beispielgebend sein. Dr. Bruno Kirscliner, Haifa Alexander Besser sprach Dr. Hermann Sitisheimer mit tiefer Sachkenntnis. Wenn wir vom jüdischen Theater sprechen, dann sprechen wir im Grunde vom jüdischen Staat. Denn das Theater ist eine Funktion des Volkes. Wir werden ein jüdisches Theater haben, wenn wir ein Volk sein werden. Dieser Gedanke wurde in der Diskussion mehrfach .aufgegriffen. Nicolai Ei ja sch off sah das Problem des jüdischeu Theaters in erster Linie in der Qualität des_ Schau- Spielers. Dr. Ca pell behandelte die Frage der Funktion des jüdischen Theaters in Deutschland im. Rahmen des Judaisierungsprozesses und die volkserzicheriscbe Funktion, die in dieser Situation der Kulturbund haben kann. Chemjo W i?! a w e r, Herbert () r ü n e b a 1! m vom Kulturbund, Dr« Schäfer und eine Reihe anderer Diskussionsredner beteiligten sich an der Aussprache, die 'sehr kritisch die Versuche der Mabimah und auch des Kulturbundes beurteilte. Bei aller Kritik wurde aber zum Ausdruck gebracht, daß diese kül״ tuicllen Bemühungen um das jüdische Theater ihre Förderung erleben müssen. Ben Naftali ״Hundert Jahre jüdische Kunst“. Zu unserer Besprechung dieser Ausstellung in Nr. 101 erhalten '.vir von ihrem Gestalter, dem Leiter dos Berliner Jüdischen Museums, Prof. Franz Landsberger, folgende Zuschrift: ,.Ihre Berichterstaiterin nennt es in ihrem sonst so dankenswerten. Artikel ,irreführend‘, daß die Ausstellung ,Hundert Jahre jüdische Kunst‘ genannt wird. Aber ich kann diesem Einwand keineswegs zustimmen. Würde nicht eine Ausstellung griechischer Kunst — um ein Beispiel zu nennen — diesen Namen mit Berechtigung tragen, auch wenn nicht alle ausgestellten Werke einen spezifisch griechischen Charakter aufwiesen? Es genügt doch, eine Ausstellung dann als jüdisch zu bezeichnen, wenn ihre Verfertiger Juden sind. Wie weit ein Volk in seinen künstlerischen Aeußerungen von den Strömungen anderer Kulturen abhängig ist oder eine eigene Art behauptet, diese Frage ist für jedes, nicht nur für das jüdische Volk, gesondert zu stellen. Ausstellungen dieser Art wollen gerade das Material bereitstellen, um der Antwort näher zu kommen.“ — Die Zuschrift des verehrten Herrn Einsenders betrifft einen kontroversen Punkt, über den schon viel gestritten wurde. Man könnte z. B. der Ansicht sein, daß man mit mehr Recht von ״griechischer“ Kunst spricht, da diese einer einheitlichen Kultursphäre entstammt, während es eine solche geschlossene ״jüdische“ Kultursphäre im modernen Europa nicht gibt und daher jüdische Künstler dieser Epoche neben ihrer subjektiv jüdischen Eigenart stets andere kulturellen Elemente mitrepräsentieren. Aber wir stimmen der Meinung Prof. Landsbergers zu, daß die Zusammenstellung der Werke jüdischer Künstler uns hilft, das Gemeinsame, also das ״Jüdische“, aufzufinden. — Red. Ankündigungen Sämtliche Veranstaltungen (Gruppenabende, Arbeitskreissitzungen, Oncg Schabbai) der BZV. fallen bis einschließlich 3. Januar aus. Erste Veranstaltung am 4. Januar im Briidrrvcrcinshaus. Hebräische Kurie. Sämtliche Kurse Iwgiimen wiesler 1un 4. Januar. Die Kurse werden kn «{Meinen in der nächsten Ausgabe bekanntgegeben. Im Lehrhaushalt Hanna Loewe, Bcrlin-Halcnsce, SchwcidniUcr Str. 7, wird am 3. Januar ein Spezialkursus zur Ausbildung Sir Hotel- und Pen*kmsbctri«be beginnen. An diesem Kursus ist eine Küche angegliedert, au# der täglich 40—50 Personen gespeist werden.

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