Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 103 (28.12.1937)
- Date
- 1937-12-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische Rundschau Nr. 103, 28. XII. 1937 * Von der Woche Jehuda M i n z und sein Sohn Elijahu,, Mitglieder der Chevvra Kadischa, wurden in Jerusalem auf dem Wege zum Friedhof auf dem Oelberg beschossen. Der Vater wurde leicht und der Sohn schwer verwundet. Die Polizei ־verhaftete zwei Araber in der Altstadt. Ein Araber in einem Dorf bei Hebron wurde von einer bewaffneten Tcrroristeubaudc ermordet. Eine arabische Bande überfiel das Dorf Akraba in der Nähe von Nablus und tötete einen arabischen Not a b e I n. Die Palästina-Rcgicnm!» hat beschlossen, weitere 650 Jüdische Hilfspolizisten für Jerusalem und seine Umgebung zu rekrutieren. Zeitungen melden, daß auf Empfehlung Sir Charles Tegarts aus England 1500 moderne Stahlpanzer für die britische Polizei in Palästina bestellt wurden. In arabischen Kreisen sind Gerüchte im Umlauf, daß die Oppositionsgr tippen gedroht hätten, daß sie, falls die Anhänger des Mufti nicht aufhören würden, die Nashasluhi- Gruppe anzugreifen und zu verfolget), ihrerseits zu terroristischen Kantpfmethoden greifen würden. Im Zusammenhang mit dem Mord an Simon Werner L e li wurden drei Araber verhaftet, die von Polizeihunden aufgespürt und im Besitz von Gewehrkugeln gefunden wurden, die von demselben Kaliber waren wie diejenigen, mit denen Leß getötet wurde. Die arabische Tageszeitung ״Felestin“ ist für zwei Wochen verboten worden. Vier Araber wurden vom Jaffaer Kriminalgericht wegen Ermordung eines Arabers hei einem SfraBeniiberfall io der Nähe von Ramleh am 2h. Juli zum Tode verurteilt. Das gegen zwei Araber wegen des Mordes an Mendel Mintz am 1. Februar 1037 ausgesprochene Todesurteil wurde vom Appcilation-gcndit bestätigt. Im Alhambra-Kino in Jaffa wird ein Film über die Wallfahrt nach M c k k;1 vorgeführt. 111 dem l'ilm erscheinen auch arairische Führer aus Palästina, die außer Landes gewiesen wurden. Die Zcnsurstdle ordnete di« Entferming der betreffenden St eilen an. 300 jüdische Frauen sandten eine Petition an den Jerusalcmev Distnktskommissar KeitU Roath wegen Verbess,ertmg der Bedingungen für die Gefangenen in A k k o. Bei einer Konferenz des IIniisbcsitzervcrhanTrs, die in Tel Aviv stattfaud, wurde festgestellt, daß seit dem Jahre 1923 insgesamt '3 41 f 10־0< ׳; ׳ in jüdische Bau untern e!1 m 11 n g e n investiert wurden. Das Amtsblatt veröffentlichte Bestimmungen betreffend Oel bohrungen sowie die Gewinnung von Oe! in Palästina. Die hebräische Presse spricht die Vermutung aus, daß die neuen Bestimmungen sieh auf in der Keersheba- Gegend unternommene Odbohrungen beziehen. Die Damaszener Presse meidet, daß in Damaskus eine japanische I I a n d c i s d e1 e g;11 i 0 11 eintraf, die in den nächsten Wochen die Länder des Vorderen Orients aufsuchen wird. Die Delegation wird auch Palästina und Aegypten besuchen. Nationalismus und Humanität ״Du sollst nicht mordenI“ Die vom Mlsrachi herausgegebene, von Raw f. L. Fischmann redigierte religiös-nationale Monatsschrift ״Sinai“ veröffcntlicht eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Gegnern der ״Selb s t b e 11 e r r s c h u n g“ aus der Feder des in ierusalein sehr verehrten Rabbiners A, Chen. Der Aufsatz espricht eingehend alle politischen und psychologischen Argumente und widerlegt sie im einzelnen, schließt aber dann: Alle politischen und alle Nützlichkeitserwägungen, die wfr hier zugunsten der ״Hawlaga“ vorgebracht haben, sind für uns zweitrangig. Das entscheidende Wort ist: Du sollst nicht morden! Die Ermordung eines Menschen ist die Sünde aller Sünden, der Greuel aller Greuel. Dies Blut, das im Hinterhalt vergossen wurde, ist reines Blut. Jedes Blut ist reines Rlu1. Die Tötung eines Menschen ist unter allen Umstünden verboten, es sei denn, dal? der Betreffende dich, und zwar gerade in diesem Augenblicke, töten will, Fine Stellvertretung ist nicht erlaubt, du darfst nicht Mustafa toten deswegen, weil Abdaila dich töten will. Menschen sind keine Wassertropfen, die einander vollständig gleichen würden, jeder Mensch ist eine Welt für sich, voll und vollständig in sich selbst. Dieses Nein gegenüber dem .Morde ist unser reichstes, ewiges Erbe. Wir haben die Botselialt dieses Wortes durch Wüsten und Länder getragen, lim dieses Wortes willen wurden wir eine Einheit in Kaum und Zeit. I fieses Warf ist mit uns und wir sind mit ihm identisch. Dies ist die Wahrheit unseres bei re: und die Rercchtigung unseres Daseins, Für den Juden ist Mord eine größere Sünde sogar als Götzendienst. Im Midrasch MRchlc• heißt es: ״Wer Götzendienst treibt, ist, als ob er mordete.“ Dieses Ais-Ob zeigt den! lieh, daß der Mord ein größeres Vergehen ist. Die Aufgabe des Judenstaates ist die Wiederbelebung des Judentums. Die Zivilisation hat Bankrott gemacht. Wohin treibt die Menschheit? Aus solcher Erwägung heraus müssen wir tmrere Aufgabe in Palästina erfassen. Nur wenn es uns gelingen wird, hier die Lehren des Judentums zu bewahren, sind alle unseie Opfer für Palästina nicht vergeblich gewesen. Wie die Kinder auf Araber reagieren Der ״Dawar“ beschäftigt sich, wie uns geschrieben wird, eingehend mit einem Artikel, den die hebräische Dichterin Elischcwa (bekanntlich von Geburt eine russische Nichtjüdin) im ״Haboker“ über nationale und menschliche Er- Ziehung veröffentlicht hat. ln diesem Essai bringt sie mehrere Beispiele für die Auswirkungen des dauernden Kampfes aut die Vorstellungswelt der Kinder. Schon ein ganz kleiner Junge, der im Spiel einem arabischen Kinde das Spielzeug entreißt, antwortet auf Vorhaltungen: ״Was ist dabei? Es ist doch nur ein Araber.“ Ein größeres Mädchen glaubt einen gefundenen Gegenstand nicht zurückerstatten zu müssen, weil der Verlierer ein Araber ist. Man kann natürlich — schreibt die Dicliterin — solche Reaktionen aus der Lage der Juden verstehen. Aber das alles beschönigt nicht die traurige Tatsache, und uns liegt es ob, dieses Gift zu bekämpfen. Kein Mensch, der bei Sinnen ist, wird glauben, daß eine gesunde menschliche Gemeinschaft auf solcher ״sittlicher“ nasis ungefährdet eine Lösung für ihre nationalcn Probleme finden kann. Der ״Dawar“ bemerkt hierzu: Die Frage, die Elischcwa angeschnitten bat, geht sehr tief. Der Zustand unserer Kinder ist nur ein Spiegelbild des Zustandes eines großen Teiles unserer * Erwachsenen, die seelisch noch nicht vom Golus losgekommen sind. Schule und Straße tragen die Verantwortung für diese doppelte Moral, weil sie es nicht verstanden, im Kind die Ehrfurcht vor dem Menschen als Menschen zu erwecken. Der Schule ist nach Elischcwa das Verdienst nicht abzusprechen, daß sie gute Patrioten erzieht. Aber das allgemein Menschliehe tritt allzu sehr in den Hintergrund. Und dabei gibt es in Wahrheit keine nationale Erziehung ohne eine *ittlieb• menschliche. Das Nationale leidet, wo es am Menschlichen gebricht. Elischcwa gebührt das Verdienst, aufgezeigt zu haben, daß Humanismu• das wahre Wesen des Nationalis* mus sein muß. Im Zeichen der ״starken Hand“ Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. T e I Aviv, 20. Dezember 1937 Oie neue Welle Die neue Terrorwcllc der letzten Wochen hat für den sorgfältigen Beobachter der Entwicklungen im Lande nicht viel Ucberraschendes, Nur blinde Optimisten konnten sich dem Glauben hingeben, daß die Regierung einen Guerillakrieg, wie er seit mehr als Dä Jahren in den Hügeln und an den Rändern der Städte und Siedlungen sich hinzieht, und einen geschickten und entschlossenen Terrorismus, der sich mitten im Herzen der Hauptstadt breit macht, rasch und einfach durch ihre Militärischen Operationen und die neuen Sondergerichte liquidieren würde. Eine solche Liquidation braucht Zeit, eventuell laijge Zeit, und nach Perioden relativer *Ruhe kommen immer wieder solche gewagterer Ueberfälle. Von manchen Seiten hat man die neue Ver- Schärfung des Terrors als eine Antwort auf das erste von den Militärgerichten gefaßte Todesurteil angesehen; von anderen als eine ״Begrüßung“ für den Terrorexperten Sir Charles Tegart nach seiner Ankunft im Lande. Und noch andere glauben, daß wir es mit einer neuen Sammlung der Kräfte zu tun haben, die sich nach den Regierungsaktionan des Qktober verstreut und verborgen hatten. Von alledem ist etwas richtig. Wie immer wirken bei derartigen Pro- /essen verschiedene Ursachen zusammen. Jedenfalls sind wir Zeugen neuer Morde aus dem Hinterhalt, der Entführung von Polizisten durch Banden, der wieder stark auftretenden Einschüchterung von Dörfern. Die Regierung nimmt unterdessen ausgedehnte Expeditionen gegen die Banden vor, die Militärgerichte arbeiten, der Guerillakrieg ist in vollem Gange. Die Araber wehren sich Aber dieses Mal wehren sich nicht nur die Regierung und die Juden, sondern auch die Araber. Die Presse predigt gegen den Terror. Nach einem Attentat auf den Bürgermeister von Nablus, das nicht gelang, wurde dieser mit Glückwunschtelegrammen überschüttet. Nablus wurde ein Pilgernd für Hunderte, die sich aufmachlcn, um dem Bürgermeister zu seiner Rettung zu gratulieren. Durch die Straßen der Stadt bewegte sich eine Demonstration, die sich aus Tausenden zusammensetzte, eine Demonstration, die anders gerichtet war als die vielen Umzüge, die in dieser tuinultuösen Stadt in den Unruhen üblich waren. Daß die Araber sich gegen den Terror zur Wehr zu setzen beginnen, ist nur zu verständlich. Alles, was nicht mit den Banden geht, fühlt sich bedroht, will wieder frei atmen, Zugleich mehren sich die Meinungen, die nichts mehr von einem Widerstand mit der Waffe halten und jetzt nach dem langen Kampfe eine positive Verhandlungspolitik vorziclicn. Außerdem meldet sicli der große wirtschaftliche Druck, der als Folge der schweren letzten Jahre auf dem Lande lastet. Eine arabische Zeitung meldete kürzlich, es seien 3000 wohlhabende Araber aus Palästina abgewandert, um ihres Lebens sicher zu sein und nicht dauernd für die terroristischen Zwecke zahlen zu müssen. Man kann die Zahl bezweifeln, aber sicher ist, daß viele, die es sich leisten konnten, es vorzogen, für längere Zeit in den Libanon zu ziehen, anstatt hier dauernd unter Drohungen zu stehen. Daß auch diese Abwanderung wirtschaftlich ungünstige Folgen hat, ist klar. Dazu bringen die Angst, die politische Unsicherheit, der wirtschaftliche Druck immer weitere Kreise ,der Araber dazu, sich gegen den Terror zu stellen, ganz gleich wie sic politisch denken. Aber es geht den arabischen Politikern mit dem Terrorismus so wie dem Meister in der Fabel mit dem Zauberlehrling: ״Die Geister, die ich rief, werd ich nicht mehr los“. Gerücht« über Verhandlungen Die arabische Presse bringt (worüber schon mehrfach berichtet wurde — A. d. R.) seit kurzem immer erneute Berichte über Verhandlungen zwischen Arabern und Juden, über eine andere Lösung der palästinensischen Frage als die der Teilung. Dr. Schahbender, einer der syrischen Nationalisten, hat ein Interview über die Besprechungen veröffentlicht, die Reisen von Nuri Pascha, des früheren irakischen Außenministers, in den Ländern des Nahen Ostens, werden in diesem Zusammenhänge mit Interesse verfolgt. Die Jewish Agency hat ein scharfes Dementi in dieser Angelegenheit veröffentlicht. Demgegenüber bringt die arabische Presse immer neue!Mails der Besprechungen, ein Zeichen dafür, wie man sich in bestimmten arabischen Kreisen bemüht, den Weg aus einer rein negativen Haltung in eine irgendwie geartete positive Politik zu finden. Alle Berichte und Andeutungen sind jedoch recht unklar, und es besteht auch kein rechter Begriff darüber, ob sich nennenswerte Gruppen auf einer Basis einigen können, die Verhandlungen aussichtsreich macht. Todesurteil in Nablus Das Militärgericht verurteilte bei einer Sitzung in Nab- I u s zwei Araber, Vater und Sohn, wegen des Besitzes von Schußwaffen zu lebenslänglichem Gefängnis. Ein weiterer Araber wurde wegen illegalen Waffenbesitzes zum Tode verurteilt, ein Araber zu fünf Jahren und sein Sohn zu lebenslänglichem Gefängnis. Ein Jude angeklagt Jerusalem, 21. Dezember. (Palcor.) Jedidia Lok, der vor dem Untersuchungsrichter in Jerusalem wegen angeblicher Erschießung von zwei Arabern im Beth- Israel-Viertel von Jerusalem am 14. November sich zu verantworten hatte, wurde dem Kriininnlgericht zur Aburteilung überwiesen, nachdem der Richter erklärt hatte, daß er nicht in der Lage sei, die Behauptungen des arabischen Staatsanwalts sowie die Aussagen arabischer Zeugen auf ihre Wahrheit zu prüfen. 175000£ - Anleihe für Tel Aviv Die neue Staatsanleihe in Hohe von £ 175 000 für die Tel Aviver Stadtverwaltung, die für Kanalisation, Straßenbau und Gebäude verwendet werden soll, wurde von der Regierung genehmigt. Aufklärung und Kulturkampf Im ״Hapoel Hazair“ nimmt Israel Kohn schart Stellung gegen Versuche, die Errungenschaften der geistigen Kämpfe um eine Europäisierung des jüdischen Lebens und der hebräischen Literatur in Palästina rückgängig zu machen: Wir müssen in Palästina die Freiheit der religiösen Uebcr zeugung achten, mag sie min eine, orthodoxe oder eine andere sein. Die Sehabbatruhe in Palästina ist eine Selbstverständlichkeit. Aber sie darf nicht bedeuten, daß wir nun alle Gebote und Verbote, welche frühere Geschlechter mit dieser Ruhe verbunden haben, als für uns verbindlich ansehen. Jede religiöse Forderung, welche der Freiheit des Gewissens des Einzelnen entgegensteht, muß fallen gelassen werden. Der Schabbat ist nur ein Teil der Lebensweise des Einzelnen. Wer seine traditionelle Form liebt, wird gern ihre Beschwerde auf sich nehmen und sich an ihm freuen, wer aber sein Leben anders lebt, für den bedeuten diese Verbote nur eine sinnlose Qual, die den Menschen von heute aller Freuden beraubt, die er sich am Ruhetage vergönnen darf: Ausflüge, Familicnbesuchf Sport und sonstige Veranstaltungen. Wenn all dieses am Schahbat verboten ist, was kann für uns die ״Schabbat-Wonne״ sein und bedeuten? Alle Propaanda hilft nichts gegen die Tatsache, daß sich die Lebensedi ngungen gegenüber früheren Zeiten geändert haben. Nicht die Form der Sehabbatruhe ist wichtig, sondern ihr Inhalt, und gerade um diesen Inhalt bemühen sich unsere orthodoxen Kreise nicht. Der Kulturmensch von heute kann den Formalismus früherer Zeiten nicht überneh* men. Es geht uns nicht darum, die Last der Gebote abzuwerfen, wir in Palästina haben gezeigt, daß wir die Gebote, die unserer Generation entsprechen, mit großer Hingabe zu erfüllen bereit sind. — Unsere Zeitungen haben zum teil in ihren Bemfihimgen, ihren Lesern das überlieferte Gut nahezubringen, jeden Maßstab verloren und füllen ihre Spalten an den Vorabenden von Schabbaten und Festen mit Stoff an, der nicht in eine Zeitung nach europäischer Art gehört, sondern in Studien über Folklore. Dazu kommt eine Verachtung der modernen hebräischen Literatur, die in scharfem Kampfe gegen eine solche Atmosphäre zu einer modernen europäischen Literatur geworden ist. Mit Unrecht beruft man steh dabei aut Bi ali k. Bialik liebte es wohl, das Vokabular früherer Oeschlechter zu gebrauchen, aber er war sieh dessen bewußt, daß die alten Worte für unsere Zeit ihren Sinn gewandeli haben und hat dies ausdrücklich in seinem bekannten Vortrag in Nahalal gesagt. — Die Zukunft unseres geistigen und gesellschaftlichen Seins hängt daran, daß wir die Errungenschalten der Aufklärung nicht preisgeben. Nur dann wird unsere Literatur ein Teil der europäischen Weltliteratur, geschaffen aus dem Geiste des hebräischen Volks, •sein. Aus arabischer Quelle wird gemeldet, daß der Ex- Khedive von Aegypten auch in diesen־! Jahre den Winter wieder in Palästina, in seinem Winter-Palais in J e - richo, verbringen wird. Jerusalem hat die größte hebräische Inkunabeln - Sammlung Eine Stiftung Salmann Schocken« Der Vorsitzende des Rats der Hebräischen Universität in Jerusalem, Herr Salmann Schocken, hat der Univcrsitätsbibliothek eine Stiftung von Inkunabeln (d. h. Büchern, die aus der Zeit vor 1500 stammen) gemacht, durch die sie außerordentlich bereichert worden ist. Die Bibliothek besitzt jetzt dadurch die größte hebräische Inkunabelnsammlung der Welt. Es gibt ungefähr 130 hebräische Inkunabeln, deren Existenz bekannt ist. Das erste in Hebräisch gedruckte Buch erschien 1475. Die hebräischen Inkunabeln erstrecken sich daher auf einen Zeitraum von 25 Jahren; während dieser Zeit wurden hauptsächlich in Italien, Spanien, Portugal und Konsfantinopel hebräische Bücher gedruckt. Die Schockcn-Sainmlting umfaßt 42 Werke aus Italien, 21 aus Spanien und Portugal und eins aus Konsfantinopel. Sechs Bücher davon, die 14S0 in Rom gedruckt wurden, sind die ersten hebräischen Publikationen, Auch befinden sich in der Sammlung 6 ״Uriica“, d. h. Bücher, die nur in einem Exemplar vorhanden sind. Drei davon haben einen Wert von je £ 400, nämlich die ״Hagada schel Pessach“, die erste Hagada, die ,,Kalenderregeln“ und die ״Megilath Antiochus“ in aramäischer und hebräischer Sprache; alle drei gedruckt 1402 in Guadalajara (Spanien). Die römischen Drucke enthalten Erstausgaben von Maimonides, die Responsen des Rabbi Salomon Beil Adrath u. a. Die Bücher sind in vorzüglichem Zustand. Die meisten Bände sind vollständig, der Druck ist klar und mit großen Lettern; das sehr gute Papier ist von den Jahrhunderten nicht beeinflußt. Bei seiner Sammlung ließ sich Schocken nicht nur von dein Gesichtspunkt der bcltcnlieit, sondern auch der schönen Exemplare leiten. Er ließ die Bücher in dem Stil der Periode binden, in der sie entstanden sind. Sachverständige äußerten, daß es unmöglich sei, den Wert der Sammlung abzuschätzen, daß er sich aber auf Tausende von Pfund belaufe. Tel Aviver Kunstnotizen Vom Palästina-Orchester. Das letzte Tel Aviver Konzert des ״Palästina-Orchesters“ erhielt dadurch eine besondere Note, daß es das hundertste Konzert des Orchesters war. Da der Klangkörper vor noch nicht einem Jahr debütierte, zeugt dieses ״Jubiläum“ von außerordentlichen! Fleiß. Bürgermeister Rokach würdigte in einer kurzen Rede die kulturelle Bedeutung des Orchesters für Erez Israel und dankte allen Mitarbeitern und Helfern am Werk. Der Pianist Jacob Gimpel, Solist des Chopinschen Klavierkonzertes, op. 21, das im Mittelpunkt des Programms stand, errang ebenso wie der Dirigent H. W. Steinberg einen außerordentlichen Erfolg. (Ueber das Konzert selbst haben wir schon anläßlich der Jerusalemer Aufführung berichtet. — A. d. R.) Kammer-Musik. Hans Bassermann, Lorand Fenyves, Felix Galimir, Basia Polischuk, Marek Rak (Violine), Harry Blumberg, Renee Oalimir (Viola), Jacob Bernstein, S. van den Berg, Adolfo Odnopossoff (Cello), Walter Breier (Kontrabaß) und der Dirigent H. W. Stemberg (Klavier) waren die Ausführenden eines ersten Kammermusik-Abends im ״Mograbi“, der vom Konservatorium ״Tel Aviv“ veranstaltet wurde. Das Programm brachte das Branden burgische Konzert Nr. 6 von J. S. Bach und Oktett für Streicher in Es-Dur von Mendelssohn-Bartholdy. Die Künstler, sämtlich als Lehrkräfte am Konservatorium tätig, ernteten für die musikalischdifferenzierte Wiedergabe der schönen Werke langanhaltenden Beifall. Auch das Konservatorium Michael Taube, dessen Lchrerstab sich gleichfalls fast ausschließlich aus Mitgliedern des ״Palästina-Orchesters“ zusammensetzt, kündigt eine Serie von sechs Kammermusik-Programmen an, dessen erstes im Saal des Konservatoriums zur Aufführung gelangte und wegen des starken Hörerinteresses an einem zweiten Abend wiederholt wurde. Man hörte Brahms Horn-Trio und Schuberts ״Forellen-Quintett“. Ausführende; Josef Kaminski (Violine), M. Kletzki (Viola), Albert Katz (Cello), Seew Mirkin (Kontrabaß), Horst Salomon (Horn), Michael Taube (Klavier). Auch dieses Konzert stand auf hoher künstlerischer Stufe und gewann besondereniReiz durch die Mitwirkung Elsa Jülisch-Taubes, die stimmlich ausgezeichnet disponiert, Lieder von Beethoven und Schubert feinfühlig interpretierte. Manfred Oeis (Schluß des Palästinateils)