Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 103 (28.12.1937)
- Date
- 1937-12-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653723--31700-2686327- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m 9PPP1p »וייייי^יימ^מיויי^^ ■ wmvw JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 103, 28. DEZEMBER 1937 Die Haltung der Jewish Agency Erklärung Ben Gurions zu den Verhandlungsgerüchten Jedermann seine eigene Kasse Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel A v i v, 21. Dezember 1937 Seid und Arbeit. Die Klagen über wirtschaftliche Nöte haben sich kt den letzten Wochen vermehrt, und zwar sprunghaft und plötzlich. In allen Kreisen hart man Beschwerden, auf allen Konferenzen, •die abgehalten werden, malt man die Lage schwarz und fordert schleunige Abhilfe. Will man wissen, ob sich in diesen letzten Wochen die Lage nennenswert v e r - schärft habe, ob irgendwelche Ereignisse aufzuzählen sind, die die Wirtschaft negativ beeinflußt haben, so wird man kaum etwas finden. Vielleicht der einzige Faktor ist das Wetter. Wir genießen dieses Jahr einen ungewöhnlich milden sonnigen und strahlenden Winter, ganz im Gegensatz zum vorigen Jahre, wo wir in nicht endenwollenden RegenHutem zu ertrinken drohten, Wochen hindurch nicht recht warm und trocken werden konnten. Für die Geschäfte aber, die seit Winterbeginn auf ihre ״Saison״ warten und warme Sachen und Regenmäntel verkaufen wollen, ist dieses köstliche Wetter ein heftiger Strich durch die Rechnung, und sie schauen ebenso sehnsüchtig wie der Pflanzer nach Wolken aus. Abgesehen von dieser Verspätung der Wintersaison hat sich jedoch wenig verändert. Die Zahl der Arbeitslosen ist nicht gestiegen, in den Kolonien bringt die Orangenpflücke sogar eine gewisse Erleichterung. Warum also der Ausbruch der Klagen und der vermehrte Pessimismus? In der Hauptsache sind zwei Faktoren für die schlechte Stimmung verantwortlich zu machen: überall hat sich jetzt die Erkenntnis durchgesetzt, daß die politische U eherg a n g s z e i t, in der wir stehen, noch recht langedauern kann, während man sich vielfach bis vor kurzem in der Hoffnung wiegte, daß wir rasch zu einer Entscheidung gelangen und damit sowohl aus den politischen wie aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten herauskommen würden, Und zweitens verschärft sich die Depression und vor allein die subjektive Lage des Einzelnen, je länger die Depression anhält. Reserven gehen zu Ende, die Spannkraft läßt nach, die Aussichten werden dunkler. Diese Erscheinung ist ja der Hauptgrund dafür, daß die Einsichtigen eine möglichst rasche Ankurbelung der Wirtschaft gefordert haben. Es erhebt sich also im Lande immer lauter der Ruf nach Geld und Arbeit. Die Art der Depression und die Struktur des Jischuw bringt es mit sich, daß Arbeitsbeschaffung nur eine Form der Krisenbekärnpfung ist. Denn nicht nur der Arbeitslose selbst leidet Not, er reißt zugleich alle, die von der Arbeiterschaft gelebt haben, mit sich. Der Lebensmittelhändler, die kleinen Geschäfte, die Hausbesitzer — alle spüren die Wirtschaftsdepression, die durch die Verringerung der Kaufkraft entsteht, am eigenen Leibe. Und während der Arbeiter Arbeit verlangt, ruft der kleine Mittelstand, die Masse der Erwerbslosen, der Händler, der kleine Industrielle nach Geld. Geld: das heißt Kredit, billiger Kredit, Kredit auf längere Zeit. Man muß die Mittel erhalten, um sich über die schwere Zeit hinweghelfen zu können. Bedarf an öffentlichen Mitteln Hätten svir normale Verhältnisse, so müßte die Regierung eingreifen. Eine halbe oder dreiviertel Million auf •dem Wege über öffentliche Arbeiten aus dem Schatzamt in die Wirtschaft gepumpt, würde das ökonomische Bild rasch entseheidend ändern. Aber auf diesen notwendigen Eingriff ist anscheinend nicht zu rechnen. Jedenfalls haben wir bisher keinerlei feste Zusagen vom Schatzamt, und im besten Falle werden w׳ir von dort kleinere Summen hcrausbekomnicn, die zwar auch willkommen sind, eine grundlegende Aenderting jedoch nicht mit sich bringen werden. So wenden sich die hilfefordernden Gruppen immer mehr an die ״jüdische Regierung“, die Jewish Agency, und verlangen Hilfe, Kredite, wirtschaftliche Initiative. Die Exekutive, die die Situation richtig übersieht und durchaus den Willen hat zu hellen, wo sie irgend kann, auch eine ganze Reihe von Aktionen unterttommen hat (über die wir bereits berichteten), stößt immer wieder auf die große Mauer des Geldmangels. Wir haben praktisch allsprobiert, daß unter den gegenwärtigen Umständen vom Privatkapital umfassende Hilfe nicht zu erwarten ist. Denn die Depression beruht ja mit darauf, daß dieses Privafkapital sich zurückhält, bis cs weiß, wie sich die Dinge entwickeln. Zudem bestehen, solange die Einwanderung nicht wieder stärker wird, nur beschränkte I nvestitiousmöglichkeiten. Dagegen gibt es eine Fülle von Arbeitsmöglichkeiten, weil unsere öffentlichen Arbeiten mit der allgemeinen Entwicklung nicht Schritt gehalten haben. Die Arbeiten, die hier ausztiführen sind, werden sich für die Gesamtwirtschaft nach kürzerer oder längerer Zeit rentieren, mag es sich um Wege oder Bauten oder Wasserbescliaffung usw. handeln. Für das private Kapital aber sind sie nicht lockend, und deshalb müssen sie, wie überall auf der Welt, durch öffentliche Kapitalien ausgeführt werden. Verwirrte Versuche der Geldbeschaffung Unter normalen Umständen, d. h. also, wenn die Exekutive staatliche Macht besäße, würde sie entweder das Geld durch Steuern herbeizubringen suchen oder eine Anleihe aufnehtiien. Der erste Weg ist ihr verschlossen, der zweite ist bei ihr schwieriger als bei einer Staatsregierung. Es ist naheliegend — und man hat es auch in den letzten Jahren versucht, siehe die Aktion für ״Esrah Uwizaron“ — die Judenheit der Welt dazu zu bringen, in die Bresche zu springen. Die Aktion ergab jedoch nicht genug, und da die Judenheit der Welt sich vielfach gewöhnt hat, ihre Gebefreudigkeit nach dem momentanen Erfolg der Palästinasache zu bemessen, fließt auch heute die Quelle der Fonds nicht reichlich genug. Unter diesen Umständen schritten die Arbeiter, wie sie es schon früher getan haben, zur Selbsthilfe und begannen ihre neue Sammlung für den Arbeitslose nfonds, der dann zur inaugurierung von neuen Arbeiten benutzt werden soll. Es meldeten sich sofort Stimmen, die darauf hinwiese«1, daß die Arbeiterschaft allein diese Last nicht tragen könne, daß der gesamte Jischuw dazu berangezogen werden müsse. Und der andere Jischuw begann sich auch zu regen, aber nicht in einer umfassenden und großzügigen Aktion, sondern es begannen plötzlich überall kleine Spezials,»mmlungen zu arbeiten. Die Gruppe B der AH- Jerusalem, 23. Dezember. (Palcor.) Bei einer Pressekonferenz, die heute 11 achmittag in den Räumen der Jewish Agency stattfand, gab Ben üurion auf Fragen über die Gerüchte über a r a b i s c h - j ü d i s c h e Verhandlungen und betreffs der Haltung der Agency eine Erklärung ab. Ben Gurion führte aus, daß die z'Wisiische Bewegung immer bereit sei, eine faire Verständigung mit den Arabern zu akzeptieren. Jedoch die Gerüchte, die in gewissen arabischen Kreisen über Verhandlungen mit Juden iin Umlauf seien, sowie Erzählungen, die Juden hätten einem jüdischen Minderheitsstatus in Palästina zugestlimnt, stellten politische Erpressungen dar, die bestimmt seien, unter den Juden sowie in Großbritannien Verwirrung hervorzurufen. Allein das Verlangen eines Minde rheitsstatus für die Juden mache jede Verhandlungsmöglichkeit zunichte. Die Juden werden niemals der Errichtung eines Ghettos in Palästina zustimmen, ebensowenig wie der Beeinträchtigung jüdischer Entwicklung und jüdischen Wachsttims. lieber die Frage des Judensta ates soll heim nächsten Kongreß Beschluß gefaßt werden. Während der Interimsperiode seien der Jewish Agency zwei Aufgaben gestellt: Die Rechte der Juden unter dem Mandat so lange, wie keine andere Regierungsform, der die Juden zustimmen, vorhanden ist, zu wahren, und die nötigen Vorbereitungen zu treffen, so daß hei dem nächsten Kongreß ein besserer autoritativer Vorschlag bezüglich eines Judenstaates vorgelegt werden könne, über den dann der Kongreß zu entscheiden habe. Ben Gurion erklärte, daß die Exekutive der Jewish Agency in dieser Richtung tätig sei. Die arabische Presse veröffentlicht den Inhalt der Erklärungen Ben Gurions. ״Adifaa“ stellt folgende drei Bedingungen als Voraussetzung für eine Verständigung auf: Sicherung der arabischen Mehrheit; Beitritt Palästinas zu einem arabischen Staatenbund; Anerkennung des Grundsatzes, daß Palästina nicht vom Standpunkte der Lösung der Judenfrage betrachtet werden dürfe. R. W. Die jüdische Oeffentlichkeit wird von diesen Erkläruiigen des Vorsitzenden der Palästina-Exekutive mit großem Interesse Kenntnis nehmen. Ben Gurion bekennt sich hier zu dem Gedanken der fairen Verständigung mit dem arabischen Volk, und gerade ein Mann wie er, der immer weitblickendes Verständnis für großzügige Pläne gehabt hat, sieht sicherlich die fruchtbaren Möglichkeiten einet arabischjüdisches! Kooperation jin Vorderen Orient, ob es nun zum Judenstaat kommt oder nicht. Dennocii glauben wir, in dieser bitter ernsten Stunde einige Bemerkungen zu dieser Erklärung, Wie sie durch Palcor übermittelt wurde, hinzufiigeu zu diirfen. Was zunächst die Entscheidung des Kongresses betrifft, so ist es zwar vollständig richtig, daß formell nach dem Züricher Beschluß ein künftiger Kongreß die jüdische Haltung zum Tcilungsjtlan endgültig bestimmen soll, aber es wäre bedenklich, dem Publikum heute die Empfindung zu geben, als ob es sich dabei um eine ״theoretisclie“ Frage handelte, die zu einem gegebenen Zeitpunkt frei entschieden wird; man vergißt dabei leicht, da# auch andere Paktoren im Spiel sind, daß die Entwicklung nicht still steht und daß beständig neue Situationen geschaffen werden, die es unmöglich machen, das Gcsamtproblein und auch den Kongreßbeschluß als isoliertes Geschehnis zu betrachten. Es könnte 1. B., während wir noch Kongreß-Geometrie treiben, die Lage ganz anders werden, als man in Zürich vorliergeselien hat. Noch wesentlicher aber scheint uns die Form der Auseinandersetzung mit den kürzlich in der Presse aufgetauchten jüdisch-arabischen VerständigungsprojcTtcn. Es liegt itn Begriff der ״Verständigung״, ■daß beide Teile zu ihr geneigt sein müssen, jeder aus der Ucberzeugung, daß er dadurch — gemessen an den sonstigen Möglichkeiten — wichtige Vorteile erlangt. Jede Regelung, bei der die eine Partei sich den Bedingungen der anderen unterwirft (was sie natürlich nur unter äußerstem physischen Zwang tun wird), ist keine ״Verständigung“ und sollte daher nicht so genannt werden. Wenn man auf Verständigung abzielt, so ist es falsch, Schlagwörter zu prägen, die Prestigemomente verstärken und ein unübersteigliches Hindernis eines Ausgleiches sein müssen. Die Kunst der Politik besteht vielmehr darin, eine Lösung zu suchen, bei der jede der beiden Parfeien das für sie Wesentliche in einem gewissen Ausmaße zugesichert bekommt und für das, worauf sie verzichten muß. gemeinen Zionisten proklamierten eine Gcldsatnmel-Aktion, der Misrachi ebenfalls; die Hausbesitzer, die in diesen Tagen ihre erste Landeskonferenz abhielten, verkündeten eine Aktion für die Hausbesitzer; es melden sich Leute, die diese Spaltung nach Gruppen und Intcrcssenverbänden noch dadurch vermehren wollen, daß sie die Sammlungen nach Städten trennen, Haifa für die Haifaer usw. Kurz, es droht vor lauter Aktivität ein heilloses Durcheinander zu entstehen. Wie ist cs zu diesem Zustand gekommen? Fast alles, was zur Arbeiterschaft gehört, ist durch die Arbeiterorganisation znsammengefaßt und in einen festen Rahmen gebannt, der stark genug ist, gefaßte Beschlüsse, auch wenn sie große Opfer jedes Einzelnen mit sich bringen, durchzuführen. Die übrigen Gruppen des Jischuw aber sind ungenügend organisiert, schwer zu erfassen und zu aktivieren. Die Arbeiter haben also wie schon -öfters nicht auf eine allgemeine Aktion gewartet, ihre eigene begonnen und sie über die eigenen Reihen in die Kreise der Bürgerlichen ausgedehnt, die ihnen mit Sympathie gegenüberstehen. Die verschiedenen anderen Gruppen aber, die ebenfalls unter der Krise leiden, wollten auch Hilfe haben. Sie kritisierten sehr scharf, daß die Gelder des Arbeitsloscnfonds nur für die Arbeiter da sind und machten sich ihre eigenen Kassen auf, weil sie sicher sein wollen, daß sie das Geld, das sic sammelten, auch für sich selbst verwenden können. Damit mußte die jetzt drohende Verwirrung entstehen. Zugleich aber entsteht auch eine Unzufriedenheit mit d: en Zuständen, und man diskutiert eifrig, wie alles wieder in Ordnung gebracht werden könne. Vielfach spricht inan darüber, daß man von Anbeginn an eine umfassende Kampagne hätte machen sollen, die eine Kompensation durch den gewaltigen Vorteil erhält, der in der Tatsache des Friedens und der Kooperation liegt, ln diesem Sinne glauben wir, daß die Uebcrbetonung des Wortes von der jüdisch e!1 M e 11 r h e i t b z w. Minderheit im Lande fehl am Orte ist. Wenn man das Probfein in dieser Form stellt, dann ist von vornherein klar, daß die Araber keine Lösung annehmen werden, bei der die Entstehung einer jüdischen Mehrheit iin Lande zur Bedingung gemacht wird, und die Juden keine Lösung annchmen werden, die sie auf den Status einer Minderheit festlegf. Wir haben kürzlich an dieser Stelle versucht zu zeigen, daß die Problem- Stellung falsch ist. Denn wenn man von ״Mehrheit“ und ״Minderheit“ spricht, so kommt alles darauf an, auf welches Gebiet siel diese mathematische Formel bezieht. Erklärt man z. B. die Stadt Tel Aviv mit nächster dörflicher Umgebung zum Judenstaat, dann ist die jüdische Forderung nach einer jüdischen Mehrheit fast hundertprozentig erfüllt, ln ähnlicher Weise würde durch den von Peel projcktierten Judenstaat diese Forderung, wenn auch in einem geringeren Prozentsatz, verwirklicht. Nimmt man ganz Palis־tina und Transjordanien, daun sind die Juden in diesem Gebiet eine ״Minderheit“, obwohl sie gleichzeitig in ihrem eigenen Siedlungsgebiet eine ״Mehrheit“ sind. Auf Cirund dieser Tatsache läßt sieh u. E. eine Gesamt- 1 ö s 1111 g konstruieren, bei der die formelle ( 'rage der Mehrheit mul Minderheit ein ganz anderes Gesicht bekommt, als wenn man sie einfach unkoin mentiert und affekt betont in die Diskussion wirft. Wir halten die gefühlsmäßige Abstempelung bei so schwierigen und, wie heute doch allmählich jeder einsieht, der Lösung bedürftigen Problemen für einen verwirrenden fehler. Dazu gehört es z. B. auch, wenn man sagt, wir werden kein jüdisches ״Ghetto“ in Palästina akzeptieren. Natürlich wird kein Zionist und kein Jude ein Ghetto in Palästina akzeptieren, aber was ist mit diesem Ausdruck gemeint? Eine jüdische Siedlung mit voller innerer Autonomie, vollständiger bürgerlicher Gleich- Berechtigung und paritätischer Anteilnahme an der Regierttiig eines Ost- und West-Palästina umfassenden Staates kann u. E. nicht als ״Ghetto“ bezeichnet werden, auch wenn die Juden in diesem Gesanitstaat ziffernmäßig eine Minderheit sind. Die Charakteristik des ״Ghetto" ist übrigens die völlige Abgeschlossenheit einer jüdischen, nach innen autonom lebenden Gruppe gegenüber ihrer Umwelt. Gegner des Zionismus warfen d i c s e m schon vor Jahrzehnten (fälschlich) ״Rückkehr ins Ghetto“ vor. Es gibt Leute, die sogar das Projekt des Juden Staates aus dem Peel-Plan mit einem ״Ghetto״ vergleichen, indem sie sagen, es werde hier auf engem Raum und ohne genügende Entfultungsmögliclikcit eine jüdische Bevölkerung zusammc!!gedrängt, die von einer feindlichen Umwelt, mit der sie leinen Kontakt hat, umschlossen sein wird. Dies aber sind die Charakteristica eines ״Ghetto“. Innerhalb jed cs Ghettos haben die Juden die ״Mehrheit“, und gerade die Ocffnung der Ghettomauern hat sie zu einer Minderheit innerhalb des Lebens anderer gemacht. Man könnte also dieses für jeden Juden gefiihlsmäßig betonte Wort auch genau im umgekehrten Sinne verwenden, als Ben Gtirion cs offenbar gemeint hat. Natiirlieb empfehlen wir keineswegs diese Terminologie, aber wir sind der Meinung, man sollte von solchen Bezeichnungen überhaupt besser Abstand nehmen, weil sie weder die so notwendige Klärung nach innen, noch die Politik nach außen erleichtern. Will inan eine Verstätuligiiiig, und geht inan davon aus, daß Verständigung nicht durch die Unterwerftmg der Gegenseite ■erreicht werden kam!, also auch nicht mit d e r A!1 n a h m e a Iler j 11 d i s e h e 11 Be - cf i n g ti 11 g e n (iure 11 d i e G e g e!> s e i t e h e g i!1 n e n kan!1, dann muß man den Wunsch haben, das Problem auf eine ganz neue Ebene zu rücken und zu versuchen, die alten Gegensätze, die zu einer eisernen Wand geworden sind, durch neue Gesichtspunkte zu tim gebe 11. Gerade weil wir wissen, daß Ben Gnrion ein Mann ist, der kein Dogmatiker lind für neue Gedanken aufnalunebcreit ist, und gerade weil in dieser so harten und bis min äußersten gespannten Stunde die führenden Männer die Pflicht zu genauer Wägung aller Worte, die sie sprechen, haben, glauben wir berechtigt zu sein, auf diese Zusammenhänge hinniweisen. den ganzen Jischuw umfaßte. Nachdem erst einmal bei der Arbeiterschaft mit einer Einzelaktion, mag sic noch so vielversprechend und gut sein, begonnen worden war, konnte man anderen Gruppen ihre Spe/ialsammlung nicht mehr verwehren. Außerdem wird geltend gemacht, daß der richtige Weg zur Aufbringung wirklich genügender Mittel überhaupt nicht in der Sammlung von Spenden läge, sondern in der Aufläge einer inneren Anleihe, die größere private Kapitalien mobilisieren und damit Summen schaffen könnte, die ein wirklich tatkräftiges Eingreifen in den Wirtschaftsablauf ermöglichen. So laufen jetzt die Auseinandersetzungen über allgemeine und über Spenalsammlungen einerseits, übet Sammlungen oder Anleihe andererseits. Es ist dringend nötig, daß bald eine tatkräftige Hand hier cingreift und nnlickümmcrt um Opposition, auch unbekümmert um Einzclintcressen, sowohl politischer wie auch wirtschaftlicher Art, Ordnung in das Chaos hineinbringt. Wir arbeiten im Lande unter besonders schwierigen Bedingungen, weil unsere Leitung Staatsaufgaben lösen muß, ohne einen Staatsapparat zur Verfügung zu haben. In der Regel sind diese großen Nachteile durch Opfcrsinn und Verständnis für die Bedürfnisse der Gern einscliaft wettgemacht worden. Diese müssen auch dieses Mal die wirtschaftlichen Gefahren, die zugleich ein Chaos von Kurzsichtigkeit und Desorganisation hinter sich herziehen, bannen. Schließlich ist ja den wirtschaftlichen Nöten nur mit einem Blick auf die Gesamtwirtschaft beizukommen und nicht durch die beschränkten Aktionen von Gruppen, die nur dai eigene Interesse und die eigene Not sehen, die Bedürfnisse der Allgemeinheit jedoch darüber zu vergessen drohen.