Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 103 (28.12.1937)
- Date
- 1937-12-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 »!!#י, JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 103, 28. XII. 1937 A usw anderer - Recht Politische Palästina - Bücher Die Rechtslage Deutscher Staatsangehöriger Im Ausland. Von Dr. H. E in in c r i c h, Advocaat und Procureur in Amsterdam, und John Rothschild, visseiischaltlichci Rechtsberater in Amsterdam, — Verlag: H. D, T. Tjcenk Willink A Z0011 N. V.-Haarlem (Holland) 1937. Es gibt Bücher, die man gleich nach dem Erscheinen besprechen kann, und cs gibt Bücher, bei denen eine dem Werke gerecht werdende Resnrechung erst nach Erprobung In der Praxis möglich ist. Zu den letzteren gehört dieses Buch. Die Feuerprobe der Praxis hat das Buch bestanden, I1״ täglichen Gebrauch hat es nie versagt, stets erwies es sich als ein getreuer Heller. Tatsächlich ist das Buch aus der Praxis entstanden, wie man ohne weiteres glauben darf, aut Grund der eigenen umfangreichen Erfahrung der Verfasser, die das Buch gestaltet haben. Ein kurzer Hinweis auf den Inhalt mag dies erläutern: Es beginnt mit einer kurzen populären und doch auf streng wissenschaftlicher (inindlage beruhenden Erörterung über das Wesen des internationalen Privatreehts und seine allgemeinen rechtlichen Fundamente. Alles wird durch ausgczeichnete Beispiele veranschaulicht. Die Beispiele sind samtlieh aus dem Leben gegriffen. Vortrefflich ist gerade hier die Schwierigkeit der Rcchtsbeziehungcn analysiert, gegliedert, eine Ausführung, die um so dankbarer ist, als damit Gedanken (pinge kiargelegt werden, die vielfach auch dem Fachjursten nicht geläufig sind. Ueberall sind für den letzteren die verstreuten Rechtsquellen in den einzelnen behandelten Staaten dargesteüt. Das Kapitel ״I>ic leitenden Grundsätze des deutschen internationalen Privatreehts‘• und die folgenden Darlegungen über die entspriche 11 de ausländische Gesetzgebung können geradezu als ein Mewterstück klarer und kurzer Darstellung einer überaus verworrenen Rochtsmstcrie bezeichnet werden. Diesem System folgt auch die übrige Darstellung in lichtvoller Anordnung. Be handelt sind sodann die Form der Rechtsgesdriffo, das Pits orienrrcht, das Sachenrecht, das Obligationsrecht, praktisch so wichtige Familien- und Erbrecht. Von! öffentlichen Recht sind diejenigen Materien, die von praktischer Wichtigkeit sind, hefvorgehoben, so die .,internationalen Veritiögeiisrcgelimgen“, denen eine ausgezeichnete wissen schaft lieh-historische Einleitung •vorangeht: Das Fremdcnreeht, ron dem es wieder die traurige Materie der ״Staatenlosigkeit" ist, die eine besondere Betrachtung fand — nicht minder aber auch die bedeutsamen Kapitel über die bürgerlichen Rechtsfolgen des Wechsels der Staatsangehörigkeit und des Eremdenrechts des Auslands, das Recht der Staats,־nigehörigkeit, das Paß- und Aufenthaltswesen und als Mittelsliiok das internationale Steuerrecht mit den schwierigen RegHungen der Erbschaftssteuer, der Doppelbesteueriiug, der Reif hstluelitsteüer. Besonders hervor/nheben wäre, daß das Devisenrecht, namentlich das der Aus- und Einwanderung, bcsonders behandelt ist, und daß gerade diese Materie in einer Ucbersichtlielik eit und Anschnulichkeit dargestellt ist, wie kaum je zuvor, Das Buch sehkeJVt mit einem Kapitel über das ,,Auslieferungsrecht in Strafsachen“. Viele Kapitel, so die Ehefragen, sind überhaupt kaum je so plastisch — auch in drucktechnischer Anordnung — dargestellt worden wie hier. Nur ein wirklich ernstes Bedauern sei ausgesprochen, daß nur ein 1 eil der europäischen Staaten in den Kreis der Erörterung gezogen ist, daß dagegen die für die Auswanderung besonders wichtige Behandlung der Heber» see Staaten fehlt. Für die Neuauflagen sei die Anregung ausgesprochen, auch das Recht der Ueberseestaaten und das Recht im Verhältnis zu den Ucberseestaaten einzubeziehen. JR. Dr. Magnus Von der Zcltsdiriit ״Zion“ ist ein neues Heft erschienen, das eine Würdigung der T’nuat Thora wa’Awoda anläßlich ihres zehnjährig( n jti liiiaums sowie einen Artikel v׳on Rabb. Dr. Altniam! ,,Weg in die Wirklichkeit“ enthüllt, ferner den Anfang einer größeren Arbeit von Dr, Grünberg ״Die Bibel und die Jugend“, die Fortsetzung des Berichts von fVau Blau über die Arbeit der Mbraehi-Finiien in Palästina und die Lk’her-et/inio einiger Stellen aus dein Buch von Raw Kuk ״Schahbat haare/". Die Zeitschri't kann bei der Fnahhätigigen Misracln •I;uidesnrgani nt Ion Deutschlands, Berlin W 50, Atlgsbnrger Str. 60. abonniert werden. Josef Schedifmatii!: Transjordanien im Bereiche des Palästlna-Mandates. — Dr. Heinrich Glanz Verlag, Wien. Das Interesse an Transjordanien ist in jüdischen Kreisen in den letzten Jahren immer mehr gewachsen, da die Meinung, daß dieses unentwickelte Gebiet für Einwanderung aufnahmefähig gemacht werden und dadurch eine Entlastung einer etwaigen Ueberbevölkerung Westpalästinas bewirken könnte, immer mehr an Boden gewann. Es ist daher vordienstlich, daß Josef Schechimarin, der sich seit langem init der Materie befaßt, lind schon im Jahre 1925 in der ״Jtid. Rundschau“ darüber mehrere ausführliche Artikel veröffentlicht hat, eine volle Darstellung der Probleme und Gegebenbeiten des Landes sowie seiner neuesten Geschichte in Form ejnes Buches publiziert. Freilich ist nur ein Teil des Buches als eine Darstellung von Tatsachen aiizusehen (etwa Kap. 10 und H), ein großer Teil des Buches ist eine politische Streitschrift, die von Einseitigkeiten nicht frei ist und im Sinne der bekannten revision istischen Losungen gegen die englische Politik, aber auch gegen die Politik der Zionistischen Exekutive loszieht. Es ist eine große Streitfrage, ob die allen erwünschte Oeffnung Transjordaniens für die jüdische Einwanderung durch revisionistische Proklamationen leichter erreicht wird als durch die Bemühungen um eine jüdisch-arabische Verständigung, die auch dieses Problem mit umfassen würde, zumal solange England seine Zustimmung zu einer gelegentlich sogar von Emir Abdullah gewünschten jüdischen Siedlung in Transjordanien verweigert, weil es dadurch Komplikationen und neue militärische Lasten befürchtet. Das Temperament des Politikers Schechtmann reißt den Schriftsteller mit sich fort, so daß ein Mißverhältnis zwisehen der sachlichen Darstellung und dem tendenziös-politischen Teil des Buches besteht. Wir glauben, das Buch wäre viel wirksamer und von dauerndem Wert gewesen, wenn der Haupttci! einer tendenziösen Darstellung des Landes gewidmet gewesen wäre und der Verfasser sich damit bcgnügt hätte, seine politischen Schlußfolgerungen in einem Vorwort oder Nachwort zu ziehen. Dr. J. M. Machover: Um die Regierungsform In Palästina. — Dr. Heinrich Glanz Verlag־, Wien. Von diesem Buch, das bereits seit einiger Zeit in englischer Sprache vorliegt, ist eine deutsche Uebersetzujig gerade in dem Zeitpunkt erschienen, in den! die Verfassung?- irage Palästinas infolge der Peelschen Tcihingsvorschlagc ein ganz neues Gesicht bekommen hat. Betrachtet man das Peel-Projekt als definitiv, darin kommt dem Buche von Dr. Machover nur noch historische Bedeutung za. Der Verfasser ist ehemaliger Revisionist, jetzt Mitglied der ,.Judenstaatspartei“, die ja im wesentlichen die revisionistischen Anschaumigen teilt und sich nur in beziig auf die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation von ihnen unterscheidet. Den!- gemäß ist auch dieses Ruch als eine politische Kampfschrift zu werten, deren Grundtendenz die Ablehnung des Gesetzgebenden Rates (Legislative Council) in Palästina ist., Machovcr begründet ausführlich, warum cm Gesetzgebender Rat für die Juden unannehmbar ist. Er rennt damit freilich sozusagen offene Türen ein, denn von jüdischer Seite wurde seit 1930 das Projekt des Gesetzgebenden Rates stets abge- Zionismus in Schweden Der Schwedische Zionistenverband hat, wie unser Stocklioimer H. R.-Berichterstatter uns schreibt, kürzlich sein eigenes Klublokal (Turmelgatan 21) unter der Leitung von Ni. Wohlgemut!! eröffnet. Dieser äußere Anlaß bedeutet gleichzeitig eine Aktivisierung des Stockholmer zionistischen Lebens. Hier wird die Zentrale der schwedischen XKL-Arbeit sein; gleichzeitig will man mit Sammlungen für eine Baum-Aktion in Palästina beginnen. Die Bildung einer Aktivcn-Oruppc sowie Abhaltung von Studienzirkeln unter Leitung von Rabbiner E. Kr anheim und das monatliche Erscheinen eines Bulletins über jüdisch-zionistisches Leben in der Welt sind Neuerungen, von denen man sich eine intensivierimg des schwedisch-zionistischen Lebens versprechen darf. — in dem Artikel in Nr. 101 vom 21. Dez. haben sich, zwei Mißverständnisse cingeschlieiien. im ersten Absatz ״Historisches“ muß es heißen, daß Juden nicht der Regielehnt, u. a. durch die Beschlüsse der zionistischen Kongresse, und erst unter dem Eindruck der Unruhen von 1936 sind Stimmen laut geworden, ob nicht eine positivere Haltung zu dem Projekt eines Gesetzgebenden Rates Anfang 1936 vielleicht doch vorteilhafter für Palästina und für den Zionismus gewesen wäre; — nicht aus Begeisterung für diese Regierungsforin, denn Machovers (zum Teil bekannte) Argumente dagegen sind überaus einleuchtend, sondern nach dem Grundsatz von der Wahl des kleineren Uebels, diesem wichtigsten Satz jeder Realpolitik. Machovers Buch enthält zu dem Thema viel interessantes Material, u. a. gibt das Buch eine Darstellung der Verhältnisse in Britisch •Ostafrika, wo das Vcrfassungsproblem durch die Zusammensetzung der Bevölkerung aus verschiedenartigen Bestandteilen, die nicht auf einen Nenner zu bringen sind, kompliziert ist. Aut die Parallele Ostafrikas zu dem palästinensischen Vcrfassungsproblem hat die ״Jüdische Rundschau“ 1929 nach Erscheinen des ״Hilton, Young-Bericlites“, der darüber sehr wichtige Darlegungen enthielt, ausführlich hingewiesen. Machover beschreibt auch die Verhältnisse in den anderen ehemals türkischen Gebieten, wo nach seiner Meinung die Einrichtung parlamentarischer Institutionen sich als verfrüht oder unzweckmäßig erwiesen habe. Die Einführung eines Gesetzgebenden Rates wäre nach seiner Meinung ein Bruch des Mandates. Diese Feststellung veiliert ihr Schwergewicht in einem Augenblick, in dem ohnedies die Beseitigung des Mandates zur Diskussion steht. Für einen kritischen Leser wird das Buch von Machover viel wertvollen Stoff und Anregungen bieten, den!lichtkritischen kann es zu einseitiger politischer Auffassung!־erführen. sch. ״Träger der Verwirklichung“. In der kleinen ״Zionistischen Bücherei“ (herausgegeben von der zionistischen Propagandastelle, Prof. Saiomon fioldelman in Prag), die schon eine ganze Anzahl von vorzüglichen Monographien über einzelne zionistische Probleme und Gruppen herausgegeben hat, erschien als 14. Band ein bemerkenswertes Büchlein von C h a j i in Hoffmann ״Trä■ ger der Verwirklichun g“. Das Buch, das in der Hauptsache informative Absichten hat, ist mit hetnerkenswerter Wärme geschrieben und enthalt eine Darstellung der Anscbauuiigswelt der chaluzischen Jugend, die den Aufbau des Jüdischen Nationalhehns in Palästina durch eigene Arbeit zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat. Die wichtigsten Figuren und Gruppen dieser Arbeiterbewegung werden in dem Buche charakterisiert und dann eine Geschichte der Besiedlung der einzelnen Landesteile im Galil, im Emek usw. dargcstellt. Im weiteren Verlaufe führt das Buch auch in die ProNemattik der Ding« ein, beschreibt die Entwicklung der Arbeit in der Stadt und erörtert die verschiedenen Streitfragen, die sich im Zusammenhang mit dem Aufbau des Landes und mit der Rolle der Arbeiter ergeben haben. Dabei ist ein beträchtliches Streben nach Objektivität festz[!stellen, die sich auch auf die politischen Probleme erstreckt. In einem Anhang wird eine Uebersicht über die Institutionen der palastinensisehen Arbeiterschaft gegeben und ein Literaturverzeichnis angefügt. Alles in allem kann das Büchlein als sehr brauchbare und verdienstliche Einführung in das Werden und Wesen der palästinensischen Siedlung betrachtet werden. rung, jedoch dem Reichstag (wie es schon öfter der Fall war) angehören dürfen. Ferner, daß Juden sich in Schweden bis zum Jahre 1854 nur in Stockholm, Gotenburg, Mar- Strand und Norrköping niederlassen durften. — Der Vorname von Prof. Josephson (Lund) heißt: Ragnar und der Kibbuz: S v a r t i n g s t o r p. Als repräsentative Juden im schwedisclen Bankwesen sei die Familie Mannheimer in Gotenburg erwähnt. Das ״Mitteilungsblatt des jüdischen BuchhsndHs“ ist soeben erstmalig im Verlag Joachim Go leiste in, Berlin, erschienen, Es setzt sich die Aufgabe, bibliographische liebersichten über die wichtigsten Neuerscheinungen zu bringen sowie auch der Diskussion über literarische Fragen Raum zu geben. Das Blatt ist kostenlos bei jedem jüdischen Buchhändler zu haben. Die Ica hat auf ihrem I ■!׳1׳״nit in Slobadka Le;w (Ostgalizien) ein neues Lehr gut für jiid’sehe Landwirte eröffnet. auf dem St nileeniii t mehr als dreihundert Hof fürsten und Würdenirii!;er Zklkijruhs mit dem Schwerte hingerichtet. Sie waren x\;ihrend des letzten Kampfes Nebusaradaa in die Hände gefallen und unlo׳• starker Bedeckung sogleich nach Ribin geführt worden. Vor den Stufen des Strafgerüstes stand Jimiijah in Freiheit, denn Mardukli erwies dem Weissager de! fremden (lüttes noch immer allerlei (.uns(, obgleich dieser den Grund da Itir nicht kannte. Auf sein wildes Ketreiben war es ihm sogar zugehilligt worden, einige Stunden des Tapes und der Nacht mit dem gefangenen Zidkijah und seinen Söhnen ve-bri׳.,״״n zu dürfen, und nun auch diese üllorschwersic Stunde Sonst aber war der Gewahrsam der Dnvidsöhne von unerbittlichen Lanzen und Schwertern beschirmt. Keine Seck durfte ihnen nahen, zumal keine Seele Jakobs, und hBlte sie auch zum Anhang der Schaffaniden gezählt. An Manch8 über, die Königin, und Ebedmelech, den getreuen Mohren, war unter Drohung des Todes das Verbot ergangen, die Stadt Rihla zu betreten. Diese beiden lagerten vor den Maltern, immerdar auf Jirmi.jah oder Barueli luirrcnd, die von Zeit zu Zeit Nachricht brachten. Maacha lag mit geschlossenen Augen auf der Erde wie im Starrkrampf, Trotz aller Mnhnrcdcn gelang es dem Kiischiten schon seit 'Lagen nicht, ihr Speise und Trank auf»nötigen. Langsam füllte sinh die Sonnenscheibe mit dem Schatten, der das einstige Ende der Welt voranzcigte, das große Krbleichen und Erkalte*), wenn die Ursachen alle erschöpft sein werden. Auf allen Stadttürmen Riblas standen die hochbeamteten Sterngucker mit ihren ZylinderhUten aus blauem Glanz.8l.off und verfolgten durch geschliffene Kristalle das Wachsen de« Schattens, das Wachsen des Königs planeten. An ihnen war es, das Zeichen der erfüllten Zeit zu geizen. Die verfärbende Hand des Todes fuhr über das Antlitz der rings versammelten Völker und Menschen. Nur Mardukli» sonnverbranntes, aufmerksames Ruiidgeskli! behielt seine starke Lebensfarbe. Die Edelsteine seines Mantels funkelten um so unheimlicher, je mehr der Lag an Glanz verlor, auch dann noch, als in einer stumpfen Dämmerung ohne Namen sicdi auf allen Türmen das zeichengebende Blöken der Widderhörner erhub. Eine aiisgesparte I.niitlosinktfit blieb zurück, entsetzlich wie jede letzte Frist. In diese Stille hinein wurden Zidkijah und seine Knaben auf das Strafgerüst geführt. Der König Jchuda s und seine Söhne waren ganz, nackt. Nackt wie Opfertiere. «Selbst den llüflschurz butte man ihnen genommen und die Schmach ungetan, vor den Auren der Völker ihre Scham aulzudeckcn. Doch der Herr hatte nicht Eekargt, in dieser Stunde der Verfinsterung sie mit inneren! Icht auszustatten. In großer Schönheit erstrahlte Zidkijah# Gestalt, Tein und lieblich waren die Leiber der Knaben, so daß ein mütterlicher Seufzer der Erschütterung sich dem Herzen des zuschauenden Volkes entrang. Man hatte die Handgelenke des Vaters an die Acrmchen der Kinder geschmiedet. Sie konnten sieh mir gemeinsam bewegen. Adajali hielt den Kopf sehr hoch und wandte den ernsten Blick nicht von seinem Vater, als gedenk* er, möge kommen was wolle, sich genau so zu verhalten wie sein vergöttertes Vorbild und sich nicht minder zu bewahren. Jechicl aber blinzelt« herum, neugierig und weinerlich zugleich. Der Größere schwieg. Der Kleinere quengelt«; ״Vater ... Was wollen diese Menschen da? ... Warum sind wir hier? ,.. Wann gehen wir heim? .. Zidkijahs Stimme beruhigte den Jüngsten, ohne zu zittern: ״Hab Geduld, Kind ... Es dauert nicht lange ... Bald sind wir wieder daheim ...“ Jechicl begann zu jammern, doch nicht allzuviel: ״Laß uns doch Kleider nehmen und zur Mutter und Großmutter gehn Durch die Thronpyramide lief eine Bewegung. Mardukli hatte dem rangiillesten Nergal eine kleine Tontafel übergelten, die nach unten weitergweieht wurde. Zugleich betrat du» Strafgertist ein Zug von Vormummten in weilen teuerroten Mänteln, der um die drei Davidsöhne einen ziemlich dichten Kreis schloß. Der erste der nergalisch Rotbemiinteilen nahm Mai'dukhs Tonlafd in Empfang und verlas laut vor Zidkijah und dem ganzen Volk den Spruch der Notwendigkeil: ״Du wirst zuerst sehen und dann nicht rnt-hr sehen, weil du sehend nicht gesehn hast!“ Dunkel war Mardukhs Cfittersprueli wie alle Götters|>1׳üche. Schreckgeweitet suchten des Königs Augen Jirmijah. Bereute jetzt der zur Opferung Geführte, daß er sich nicht selbst dargebradit halte? Jirmijah wollte zu ihm aufs Gerüst. Da aber sah er, daß auch er nicht frei war. Vier blaue Brüder Xubus waren plötzlich hervorgetreten und umstellten ihn von allen Seilen, so daß er keinen Schritt tun konnte. Von n.uem blökten die Widderhörner auf. Die Sonnenfinsternis war voll. Auf dem Platz, in der Stadt, ja vielleicht auf der ganzen bewohnten Erde hob jetzt ein wilder Lärm von Ratschen, Klappern, Handpauken, Trommeln, Triangeln und andern Schlagwerk an, in dem selbst die Posaunenchöre und Gesänge der Priester untergingen. Es w׳ar, als wollt« die Menschheit durch dieses beschwörende Tosen das Weltenende bannen und auch die Schreie der Opfer ersticken. Da packte die Kinder Zidkijahs zum erstenmal die Todesangst an. Sie preßten ihre kleinen Gesichter in das brennende Fleisch des Vaters. Oben auf seiner Stufe wandte der blauschwebende Setnger Nebu dem Strafgerüst langsam den Rücken und sah Mardukli müde in die Augen. Dieser hob kaum merklich die Hand. Sechs der Rot bemäntelten traten zu zwei und zwei hinter Zidkijah lind die Knaben. Sie lösten die Fesseln, die Adnjah und Jechicl an den König banden. Dann führten sie die schrill nacli dein Vater Kreischenden (man hörte es nicht im Lärmgetös״) rechts und links von ihm drei Schritte vor, so daß er alles selm mußte, wie das Urteil es befahl. Zidkijah warf sich init solcher Kruft vor, daß er die beiden Riesen hinter sich, die ihn festhiellen, zu Boden riß. Ehe er sieh aber wieder erheben konnte, hatten die Vermummten hinter Adnjah und Jechiel ihre weiten roten Mäntel abgeworfen und als saturnnlisch schwarz, gekleidete Scharfrichter den letzten Kindern Davids mit blitzschnellem Schwertstreich den Schädel gespalten. Sie stürzten lau:los im ungeheuren Lärm zusammen. Ihr aufspritzendes Blut färbte den nackten Leib des Vaters. Noch einmal bäumte sich Zidkijah so gewaltig auf, daß er die Mordkncclite zur Seite schleuderte. Sic stürzten sich auf ihn und banden ihm die Arme an den Leib. Auf den Knien liegend brüllte er mit fliegender Brust: ״Nun habe ich gesehen ... Worauf wartet ihr? .. , Beeilt euch doch, daß ich nicht mehr sehe . . Zidkijah 11 her hatte Mardukhs Spruch mißverstanden. Bis auf die zwei Riesen, die ihn bewachten, sammelte sich der Zug der Rolbemäntellen wieder und vfcrließ das Strafgerüst. Der Verurteilte blickte ihnen mit einem Entsetzen nach, dem die Qual der Enttäuschung und des Aufschubs den Atem raubte. Da er den Verschwindenden nachstarrte, bemerkte er erst mit seinem letzten Augen-Blick, daß von der andern Seite des Gerüstes eine neue Gestalt auf ihn eindrang. Dieser Mann war nicht nui■ eine ganz und gar saturnalisclie Erscheinung, sondern man! hatte meinen können, er sei Ninurlu in Person. Greisbärtig, *oll griesgrämiger Beamtlichkeit, auf einem allzu kurzen linken Bein mühsam hinkend, näherte sich der Schwarze seinen Opfer. In den Hünden, die er hinter seinem verwachsenen Rücken verbarg, trug er zwei dünne wciOglühcnde EiMnstöbe an hölzernen Griffen. AI* Zidkijah ihm jüh sein Antlitz zuwnndte, stieß er ihm kurz und mit unglaublich wolilgeUblem Stoß die glühenden Eisenspitzen gleichzeitig in die herrlichen Augen. Das Löwemgebrüll des Geblendeten {lag im gesteigerten Tosen unter, das den weichenden Schatten und die überwundene Sonnenfinsternis feierte. Schwarze Knechte kamen und schafften die blutigen Knabenleichei! fort. Andre Knechte schütteten aus Eimern Wasserfluten über Zidkijah. Doch da durch die Liebe des Schöpfers der Mensch nur «in gewisses Maß an Schmerzen ertragen kann, hatte er die Besinnung verloren. (Eorfscfrim? folgt)