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Jüdische Rundschau · 1937-12-24 · Heft 102 (24.12.1937) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 102 (24.12.1937)
Date
1937-12-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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י י ״SNf JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 102 24 XII. 1937 Kleine Nachrichten Zwecks Zusammenfassung aller bereits bestehenden Landcsverbände, welche sich die rörderungderSchabbat* ruhe zürn Ziele gesetzt haben, sowie zur Oründung neuer Verbände in jenen Ländern, wo sie noch nicht bestehen, wurde auf Initiative der Agudas Jisroel in London ein Komitee für Schabbatruhe gegründet, die Adresse lautet: Sabath Observance World Union, Jewish Centre House, 74 Jane Street, London E 1. Prof. A. P. Bender, der frühere Oberrabbiner von Kapstadt und Professor für Hebräisch an der Kapstadter Universität, ist im Alter von 71 Jahren gestorben. An Stelle des vor einiger Zeit als Oberrabbincr nach Rom berufenen Prof. David Prato wurde Rabbiner Moise Ventura zum Großrabbincr von Alexandrien (Acgypten) gewählt. In italienischer Sprache erschien ein Buch von Elia S. Artom ״Das Leben Israels“ (La Vita Di Israele, Casa Editrice Israel, Firenze). Es handelt sich um eine gachverständige Darstellung der wichtigsten jüdischen Glaubensgrundsätze und religiösen Bräuche, instruktiv für die Juden 1m italienischen Sprachbereich und auch für Italiener, die daran interessiert sind. M. A. Suva rin, ein bekannter antisemitischer Agitator des alten Ru Bland und früherer Mitarbeiter der antisemitischen Zeitung ״Novo je Wremja“, vergiftete sich in einem Pariser Hotel mit Gas. In Augsburg starb am 18. Dezember im Alter von 92 Jahren der frühere Überhibliothekar der Straßburger Universität und orüentl. Professor I)r. Samuel Landauer. Er hat: eine Reihe von Abhandlungen auf orient-kundlichcm und sernitologischem Gebiet publiziert. ln portugiesischer Spruche erschien ein Buch über den A nt i s e m i t i s m u s von ArloLo B e n a r u s (Lissabon 1037). Das Buch, in dem als Motto der Spruch Talleyrands ״Ich klage nicht an. und ich ieüige nicht, — Ich berichte“ vorgesetzt ist, gibt einen I!)erblick über die Judengegnerschaft im Verlauf der Geschichte. Die Vortr;!g>küt!s!!1-ri11 Modi II aase ist vom Kulturbund Ostwestfalen für eine Litiigige Tournee gewonnen worden. Jüdisches aus Holland Von unserem Berichterstatter RI.. Den Haag, 21. Dezember 1037 Aus den zahllosen Veranstaltungen, die um die Cha• nukkahzeit statt/iuindcn pflegen, seien hier zwei erwähnt. Das eine war eine kurze < Jiamikkah-Oedenkstiinde im holländischeii Rundfunk, in der -׳ umrahmt von Moaus zur und Hatikwah — A. B. Kleerckooner sprach und vor allen! die Rolle der Assimilation in der Makkahäerzcit behandelte. Das andere war ein Linphingsabeml der fiememde im Haag für die Juden aus Deutschland, die großes Interesse für diese Verunstaltung zeigten. Nach musikalischen Vcrträgen des ersten Konzertmeisters des Residenz-Orchesters, S. Swaap, sprachen I)r. Emil Bernhard Cohn über ״Hiob als aktuelles Zeitprohleni׳‘ und Oberrabbiner l. Maarsen über ״Licht und Schatten“, In Den Haag wird am 30. Dezember die neue Synago״e im Bezuidcnhoutviertcl — ein Werk der Architekten J. Paars und J. Hegt — feierlich eröffnet werden. Die erste Hälfte der musikalischen XX'intersaison nähert sich ihrem Ende. Issay D 0 b r o vv e n verabschiedete sich, vom holländischen Publikum, das ihn sehr schätzt, mit einem Nachmittags-Konzert, bei dem der frühere erste Konzertmeistcr des Berliner Philharmonischen Orchesters, Simon G o I d h e r g, Mendelssohns Violinkonzert mit großer Virtuosität vortrug. — Die jugendliche Violinistin Ida Händel fand mit ihrem Spiel viel Beifall. — Als Komponist synagogaler Musik und als Chordirigeilt konnte S, Gokkes sein silbernes Tonkünstlerjuhiläuin begehen. — Licsbet Sander, die sich als Vermittlerin des Volksliedes internationale Bekan nt heit erworben hat, brachte einem zahlreichen Publikum jiddische Volkslieder ün Rahmen eines internationalen Volks״ litder-Abeiuls besonders nahe. Die Kunstwelt Amsterdams beging in festlicher Weise das dreißigjährige Bühnenjubiläum des bekannten S״i!a11snlelc׳:׳s und Regisseurs Louis Saal״ b o r n, der als 150־ s!Hk־r klassischer und moderner Charakter- Rollen sich einen fühlenden Platz im Holland.sehen Tbeatericben eru (•rlu.11 hat. Saalhorn ist aber auch, als .Maler!n-rvorm t rcteri und anläßlich seines Jubiläums wurde aueh eine A1.ostMb.1ug seiner Bilder veranstaltet; eines seiner Bilder wurde für dis Stadttheatcr und ein anderes für das Mt!-a׳:::n m Tel Aviv erworben. Der aus seiner früheren Tätigkeit in Berlin In kannte Filmregisseur Kurt Gerron hat nach langer IM im: wieder einen holländischen Film ״Drei Wun-clie" 11era!o,;!,bra.:11t. 711111 Rrci >r Magidfiaw der Amsterdamer Universität wurde ab Nachfolger des verstorbenen Prof. Dr. A. H. van Ron'.־ der NationaRikoimm Prof. Mr. Dr. H. f: r i j d a ernannt. Frijila, der vor allem durch .Arbeiten ans dem Gebiete des Geldwesens buW'iait geworden ist, ist Mitglied des Gemeinde« vor.-.a!;d,-s dw Niederländisch-Israelitischen 11a ׳.t”' svnagoge 1111 ei hat sjah durch seine l'rii>>-•götig׳kt'it vor allem auch für die jiMisMicii Aku.b. miker verdient gentaclit. — Im Alter von (18 Jahren ■,־•״b der Ams'erduner Hochschullehrer für RiHiustiics Recht, Prof. Mr. i, II. 11 i j ma 11 s. Arbeitsgeme'ns haft iüö s her Lehrwerk stäiten-Lelter. Im Anstdiiuß an die llröfftung und Be.ächligung der Lehrwerk״ Stätten für Schlosset׳ und Tischler des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden fand in München eine Arbeits« tagung der Leiter der Lehrwerkstätten in Frankfurt a. M., Köln, Mannheim und München statt. Die Besprechungen he• schaftigtcn sich zunächst mit Fragen der Planung im süd- und südwestdnüsehen Lehrwerkstätten betrieb, der eine weitere Spe/kitiMcrimg erfahren soll. Für das Unterrichtsjahr U08 39 wurden Vorbereitungen getroffen. Geklärt wurden weiter Anregungen für Spezialausbildung besonders begabter Schüler und die der Autofahrkurse. Wertvoll war der Meimingsaiistausch über den jüdischen und Fachunterricht. Das Problem der Meister- und Lehrer-Auswahl und -Fortbildung fand entsprechend seiner Bedeutung eingehende Erörterung, H. L. Ankündigungen aus dem Reich Frankfurt am Main: Chu^׳• Iwii. Zusunimeh-v u!!f!u finden wieder nach dm Fcrim -;,;11, -- K u'n : ZOG. Am 30. Dezember Arbeit*• kruio (IheMU־: k iit, Kvturu AI m r! in lldlbrunn). Familien- Nachrichten Herr Lwlwi״ f ■ 0 I d 1• e c k und Frau LUe. geh. Wurimann, Frankfurt am Main, II31 mnanstr. 8, beg! hen am 23. Dezember di« silberne Hoclvaat. Frau Doris G ז o 11 ־׳ m 11 נ n, geb. Kohl.-, Ncualcttin, begeht am 28. Dfzeni'ner den 80. Gcliurtälag. Herr I.-idor Rosengarten, Frankfurt am Main, Leranewtr. 38, beging am 22. Dezember den 75. Geburtstag. Englische Stimmen zur PaläsftinaSrage Für und gegen Teilung J. M., London, im Dezember ln einer öffentlichen Versammlung im Londoner Eastend sprach dieser Tage der Parlamentsabgeordnete MacGove rn über seinen Besuch in Palästina. Er sieht die Bedeutung der Juden als eines wichtigen sozialen und kulturbringenden Faktors nicht nur für das kleine Palästina, sondern für den gesamten Vorderen Orient. Palästina muß für die Juden jene Stätte werden, wo sie ungestört ihr eigenes Leben irnd die begonnene Entwicklung fortsetzen können. Besonders stark beeindruckt war MacGovern und die mit ihm reisenden anderen Parlamentarier von dem sozialen und humanen Inhalt des jüdischen Aufbaus. Der Araber habe am jüdisehen Aufbauwerk gelernt, wie er selbst sein Leben zu gestalten, wie er die Probleme der Erziehung, der Arbeit u. a. anzugreifen hat. Wenn eine Diskrepanz besteht, so hat sie ihre Wurzeln in dem Leben und in der Mentalität des Effendi. Diese Landherren, die bis vor kurzem eine selbstherrliche Ausbeiitiingspoütik der Fellachen ungestört treiben konnten, wollen eine Verständigung zwischen Arabern und Juden verhindern. Eine Teilung Palästinas werde weder die Judennoch die Araberfrage lösen und wird nur die herrschende Konfusbn vergrößern. Eine vereinigte jüdische Front kann seiner Meinung nach den Teilungsplan zu Fall bringen. Eine weitere Stimme zur Palästinafrage und der jüdischarabischen Diskussion kam im ״News Chronicle“, dem führenden liberalen Blatte Englands, zu Worte, ln einer Artikel- Serie ihres palästinensischen Korrespondenten nimmt die Zeitung zu den verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Problemen des Landes Stellung und behandelt ausführlich die Vorgeschichte des Kampfes mit seinen psychologischen Voraussetzungen. Die objektiven Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage sieht der Korrespondent in dem fundamentalen Unterschied der wirtschaftlichen Gebarung der beiden BevöT kerungsgrtippen, der jüdischen und der arabischen. Die Wskrepaaiz. zwischen dem arabischen und jüdischen Wirtschafts- Sektor kommt vielleicht nirgends so kraß zum Ausdruck wie in der Frage der Löhne. Eine Kluft bis zw 500 *0 besteht zwischen den Löhnen, die arabische Arbeiter von den Offendis, und denen, die jüdische Arbeiter von ihren Arbeitgebern bekommen. Der Lebensstandard des jüdischen Arbeiters ist ein weit höherer und folglich muß er auch besser verdienen. In der Tat ist das Land längst schon in zwei wirtschaftliche Sphären geteilt, die durch die politische Teilung nur ihre Sanktion bekommen wird. Der Verfasser kann die englische Verwaltung von ihrer Schuld an der gegenwärtigen politisehen Misere nicht freisprechen. Als der Tcilungsplan bekannt wurde, erzählt der Korrespondent, machte ein hoher Beamter der Palästina-Verwaltung die Bemerkung: ״Was für ein unenglisches Dokument! Hat England je eine Pa . p ״itik cehabt?‘׳ Nachdem der Korrespondent die Meinungen arabischer Führer Wie des Emir Abdullah und des Eakhri Bcv Naschaschibi wiedergegeben hat, die zu Konzessionen und Vcrhandlungen bereit sind, kommt er zu dem Schluß, daß die T e i lung Palästinas die einzige im Moment mögliche und reale Lösung des so verwickelten Problems darstellt. Ing. Oskar Aschermann, der Leiter der tschechischen Sam nielstelle des KKL, über dessen 50. Geburtstag wir unlängst berichteten, war, wie uns aus Prag geschrieben wird, aus diesem Anlaß Gegenstand zahlreicher Ehrungen seitens der zionistischen Kreise. Unter Aschermann hat der KKL in der Tschechoslowakei einen großen Aufschwung genomnien. Der Jubilar ist Vizepräsident der Zionistischen Landeskommission und Vertreter der Jüdischen Partei 1tn Prager Stadtrat. Da er Palästina aus eigener Erfahrung genau kennt, ist er in der Lage, den Zionismus der Tscheche?- Slowakei ständig in engem Kontakt mit der Realität Palästina zu halten. Dieses Wirken des Jubilars wird auch außerhalb seines engeren Wirkungskreises gewürdigt. Persönliches. Dr. Sanja Scliwabacher ist in New York, wohin er vor 15 Jahren gezogen war, plötzlich yersterben. Die zionistische Bewegung verliert in ihm einen edlen und erfolgreichen Mitkämpfer. Er hat während seiner Zugehörigkeit zur Zionistischen Ortsgruppe Hamburg in den verschiedensten Aerntern gewirkt In New York war er der Leiter einer eifrig arbeitenden Gruppe deutsclisprcchender Zionisten. Zahlreiche Bundesbrüder des ehemaligen KJV. verdanken ihm bei ihrer Uehcrsiedlung nach USA. Flilfe mit Rat und Tat. Sein Andenken bleibt in den Herzen aller, die ihn'kannten, bewahrt. Dr. P. Z. Verbilligte Ferngespräche nach Uebersee. Vom 23. Dezember bis 4. Januar vyerden mit Australien, Britisch Indien, Ceylon, Kanada, Kenya, Neuseeland, Nord- und Siidrhodcsia, der Südafrikanischen Union und Südwestafrika Weihnachts- und Neujahrsgespräche zu ermäßigter Gebühr?.״gelassen. Die Gesprächsdauer ist nicht be״ schränkt. Anmeldungen für solche Gespräche nehmen die zuständigen Verniittlungs- oder Fernämter entgegen. Das Jüdische Auswandererlelirgut Groß-Breesen bei Obernigk (Schlesien) teilt init, daß zu Ostern einige Plätze für Jungen und Mädchen — nicht unter 15 Jahren — zur Ausbildtmg in Landwirtschaft und Gärtnerei frei sind. Auskünfte erteilt die Leitung des Lehrgutes, Offene Auslandsstellen. (Zur Vermittlung genehmigt durch das Lr ׳!desarbeitsamt Brandenburg.) Es werden gesucht: 1. Für England zum sofortigen Antritt ein erfahrener jtidischcr Metalldrücker. — 2. Nach Griechenland für eine maschinell betriebene Färberei ein perfekter jüdischer Firher mit langjähriger Praxis im Färben von tramaseidenen und kunstseidenen Strümpfen. —- 3. Für Teheran (Iran) ein perfekter jüdischer Autornobillackicrer, der mit Kompressor arbeiten kann und langjährige Erfahrung besitzt. — 4. Für Briefmarken » Fritz Iewin LOtzowstr.SIA Palästina ein unverheirateter jüdischer Kochgehilfe, dar Mannschaftsessen für 50—60 Personen kochen und gleichzeitig auch Brot backen können muß. Anfangsgehalt Le 4 500 bei freier Verpflegung und Stationierung auf dein Schiff. Kennt״ nisse der koscheren Küche nicht unbedingt erforderlich. Ein- Stellung zunächst probeweise. —5 ־. Für Ecuador für eine Reparaturwerkstatt ein perfekter, gelernter, jüdischer Elektriker, Spezialist für Autolicht und Zündung, der selbständig Reparaturen ausführen kann (Batferien-Repnratureu). Der Betreffende muß in der Lage sein, eine Werkstatt allein zu leiten. Werkzeugausrüstung ist erforderlich. Anfangsgehalt von $ 250. Fester Gesundheitszustand erforderlich, da die in Betracht kommende Stadt fast 3000 m hoch liegt. — 6. Für Ecuador ein tüchtiger, jüdischer Fachmann aus einer Auskunftei. Anfangsfgehalt S 250. Bei perfekten Kenntnissen in der spanischen Sprache erhöht sich aas Gehalt. Neben Deut •ch muß noch eine Fremdsprache beherrscht werden. — Ausführliche Be- Werbungen nur auf Luftpostdünnpapier, Zeugnisabschriften, Lebenslauf, sowie Paßphoto werden weitcrgeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW 19, Llndensfr. 48/50. SUtQ&lcM DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Chassidischer Hodizeitstanz Nachdruck verbot«? All• Rettifce rerfaolwltea /ב L--,-r* —«---l'l■ —-H ו Pt» .. ־i״־.~־־j־ J־•״y־f* w| ׳,t• ~hdt=±======= Die Chassidim pflegen ihre Kinder in jugendlichem Alter zu vermahlen, getreu aer altjüdischcn Sitte ,,Schmore essre lachuppa“ (״mit Achtzehn zum Trau-Baldachin“). Am Hofe der großen Chassidim-Rabbis galt wie an Königshöfen das Vorurteil gegen die nicht standesgemäße ״Mesalliance“, und man wählte Schwiegersohn oder -tochter meist aus dem Hause eines Rebben, Eine Hochzeit am ״chassidischen Hofe“ war geradezu eine Sensation für das Städtel und seine Umgebung. Lange vorher schon setzte sie alles in Bewegung, und die ganze Stadt rüstete zum Empfang der Gäste. Jedes Haus wurde zur Herberge für die Tausende von Chassidim, die ztt einer solchen Hochzeit kamen. Und wie ein Strom ergoß es sich in der Dunkelheit durch die holprigen Gassen, wenn man, wie es der Brauch wollte, um Mitternacht ״zur Chuppe ging“. Unter freiem Himmel, auf dem offenen Hof vor der ״Schul“ wurde der Baldachin ״gestellt“. Jung und alt, arm und reich, das ganze Städtel, fa oft auch die Bauern aus den umliegenden Dörfern kamen in ihren Leiterwagen, die ״jüdische Hodizeit“ zu sehen. Schon der Gang zur Chuppa war etwas Bemerkenswertes. Dem Paare folgten in langem Zuge die Chassidim in ihrem schwarzseidenen Kaffan, das pelzverbrämte Streimel auf dem Haupte, gesondert von den Frauen, die in ihren prunkvollen Seidengewändern daherrauschten, und dann die Hochzeitsmusikanten, die ״Klcsmoriin“ mit ihrem ״Fiedel und Baß“. Die Chassidim freilich, von ihrem Rebben angeführt, hörten nicht auf das Gedudel der Klesmoriin, sie sangen ihre eigenen Melodien, tanzten ihren eigenen Tanz mitten aut der Gasse. M. M. WARBURG & CO. QEQRONOeT 17 97 HAMBURG FERDINAND 8Tlt, 73 BERLINER BÜRO: TIERQARTENSm Zb Ihr Singen und Tanzen steigerte sieh doch bei der Ankunft auf dem ״Sclutl“-Hof, auf dem es von dichtgedrängter Menge nur so wimmelte. Nach der Chuppa begaben die Chassidim sich in das Beth- Hamidrasch, wo an laufen Tafeln das Festmahl der Männer aufgetischt wurde. Hier erst begann die eigentliche Feier, bei der es sehr lebhaft und oft sehr geistvoll zuging. Ein jeder von den geladenen Rabbis pf'cgte seinen eigenen ״Menagen“ um sich zu haben, der hier die an seinem Hofe gesungenen Nigunim anstimmte. Bei Tische ver-rniigten die oftmals witzi־ gen ״Badchanim" mit ihren improvisierten Reimen und ihren ans dem Stegreif verfaßten bezüglichen Gleichnissen (hi alter Zeit hatte jeder Hof seinen eigenen Lustigmacher), und nach der Mahlzeit fanden die Chassidim sich abermals zu ihrem nicht endetnvollenden Tanz. Spät in der Nacht noch bewegte sich durch die stillen Gassen der Zug singender 11ml tanzender Chassidim, die ihren Rabbi zum Gasthaus hcimgeleiltttcn. Sieben Tage lang feierte man eine gioße chassidische Hochzeit, Allnächtlich zum Festmahl der Männer versammelte ein jeder der Rabbis seine Chassidim, um in großer Gemcinscliaft mit all den anderen Gästen der. frommen Hochzeitsbraudi der ״Schevva ßroclies“ zu begehen, liier wurden die schönen, alten Nigunim nngestiinmt, die feierlichen und tiefen, aber auch die heiteren und lebensfrohen. Den Ab- Schluß fanden die Feierlichkeiten bei der letzten der .,Schewa Braches“. Bei diesem Abschiedsmahl war die Freude schon gedämpft durch die ׳Wehmut, die dein Scheiden jedes Festes vorangeht, wie ja auch in die Freude beim ״Schalosch-Ssudoth“ sich schon leise der Schmerz über den scheidenden Schabbat einschleicht. Bis in den grauen Morgen hinein dehnten die Chassidim diese letzte Feier aus. Anaerntags in der Frühe wurde der große Aufbruch vollzogen, Das ganze Städtel war wieder aut den Beineri, alle Chassidim und auch die .'Aus! kau ten gaben den scheidenden Rabbis das Geleit. Wenn die zu Markte ziehenden Banen?, voll Erstaunen über diesen singenden und tanzenden Zug, Pferd und Wagen anhielten, hörten sie von der ״jüdischen Hochzeit“ und noch im Weiterfahren schüttelten sic lauge verwundert den Kopt. _Chemjo Winawer Rellgionspsychologlsches zu Werfels ler^rnl!•;-..Roman. In der Wiener ״Zeitschrift für Religionspsycholo״ gie" (Heft 4/1937) schreibt der Herausgeber Prof. Karl Beth über ״Franz Werfels Jeremias״ eine Besprechung des (von der ״Jüdischen Rundschau“ in einem Bruchstück wiedergegebenen) neuen Romans Werfels ״Höret die Stimme“, wo. bei er naturgemäß das Hauptgewicht auf die religiomspsychologische Seite des Werkes legt. Er schreibt: ״Sehr treffend hat Werfel erfaßt, daß der echte Prophet nicht in ekstatischer Entrücktheit sich befindet. In dieser findet keine Ichbezogenheit, keine Ich-Du-Mitteihmg statt.“ Beth bekennt: ״Ja, in unser Heute wird die alte Prophetengestalt ganz und voll hineingestcllt, und das ist das Geniale und das dichterisch Meisterhafte an diesem Roman, daß er uns den Gottesrufer fremdartiger Umgebung als uns zugehörig empfinden läßt.“ Zum Schluß heißt es: ״Er (Werfel) läßt seinen Helden praktische Rel igionsvergldichung treiben. Der muß sie Schicksals• mäßig treiben. Denn der Prophet des Einen Gottes muß die fremden Kulte kennen. Der Leser macht diese Exerzitien stiu* nend mit, wandert durch Himmel und Höllen, die er nie ahnte, die indessen auf Grund eingehender Studien dargestellt sind. Eine Stimme Gottes raunt durch das ganze Werk... eine Stimme, die allerzelten menschliches zu sagen hat denen, die sie liebt.“

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