Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 102 (24.12.1937)
- Date
- 1937-12-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 jüdische Rundschau Nr. 102, 24. XII. 1937 Die Pflanzer beraten Von unserem palästinensischen Korrespondenten Wir haben in der vorigen Nummer bereits einen Palcor- Bericht über die Konferenz der jüdischen Landwirte (Pflan- 2er) veröffentlicht und die Bedeutung der Sache gewürdigt. Wir erhalten dazu nun noch einen Bericht unseres palästinensischen Korrespondenten, dem wir nachstehende zusätzliehe Details — als Nachtrag zu unserer vorigen Veröffent• lichung — entnehmen, (lled.) gl. Tel Aviv, 15. Dezember 1937 Nach der Vereinigung der Pflanzer Die Konferenz des Pflanzerverbandes (Hitachduth Ha- Ikarim), die in den letzten Tagen in Tel Aviv stattfand, umfaßte mehrere hundert Delegierte. Zum ersten Male seit einer Reihe von Jahren saßen aut dieser Konferenz Vortreter zweier Verbände zusammen, die bisher getrennt gearbeitet hatten. Die Hitachduth H a 1 ־ k a r 1 m ist ein alter Verband, der unter Smilanskis Führung sowohl wirtschaftlichen als auch politischen Charakter hatte und in dem die im Lande lang ansässigen Elemente aus den großen Siedlungen Judäas dominierten. Die jüngeren und zionistisch stärker gebundenen Elemente unter clen Pflanzern gründeten vor etlichen Jahren den ״Bund nationaler Pflanzer“ (Brith Ohaklaim Leumiini). ln den letzten Jahren wurden mehrfach Versuche gemacht, den Bruch, der zwischen dem alten Pflanzerverband und den nationalen Institutionen klaffte und Anlaß zu vielen politischen und orgamtatarischen Schwierigkeiten gab, zu kitten, Weizmann selbst stellte sich bei seinem vorigen Aufenthalte in Palästina in den Dienst dieser Sache und führte mit Smilanski und einigen seiner Kollegen Verhandlungen. Diese und verschiedene andere Aktionen blichen nicht ohne Wirkung, und zum ersten Male iah in diesem Jahre der Zionistische Kongreß in Zürich eine Delegation der Hitachduth 1 la-lkaiim, mit Smilanski an der Spitze, Unterdessen begannen im Lande Verhandlungen für eine Vereinigung der I litaehdutli I la-Ikarim und der Chaklaim Leumiim, die von Erfolg gekrönt waren. Die Chaklaim Leutniim traten in den Pfianzerverband ein, bilden in ihm eine besondere Sektion und stellen cs sich zur Autabe, weiter für die Aufrecliterhaltung und Durchsetzung er jüdischen Arbeit und den Kontakt mit den nationalen Instanzen zu sorgen. Auf der diesjährigen Konferenz des Pflanzerverbandes waren sie vertreten, stellten als Vertreter von etwa 1000 Mitgliedern ungefähr ein Viertel der Delcgierten und gaben eine Erklärung über ihre Ziele ab. politische Debatte Streng genommen ist die Konferenz der Pflanzer der Beratung von Wirtschafts- und Standesinteressen gewidmet. Im Mittelpunkte der Aufmerksamkeit standen jedoch politische A u s e i n a n cl c r s e t 7 11 n g 0 n, insbesondere eine umfassende Rede von S m i I a n 5 k i, der es sich nicht nehmen ließ, an1 ersten Abend eine ausführliche Schilderung der wirtschaftlichen und politischen Situation?11 geben und insbesondere das Teilutigsprojekt einer genauen Analyse zu unterziehen. Smilanski ist einer der ersten gewesen, die sich im Lande offen für die Teilung eingesetzt haben, und er hat die Gelegenheit der Konferenz benutzt, um lebhaft für diese Idee Propaganda zu machen. Wir erleben jetzt immer Wieder, daß der Peel-Plan in einzelnen Gremien diskutiert wird, auf Parteitagungen usw. Es will manchmal scheinen, als dienten diese Debatten als Ersatz für Diskussionen in einem jüdischen ״Parlament“ in Palästina. An sich gibt es ein solches, nämlich die ,,Assefath Haniwcharim“, die ja Vertreter aller Gruppen im Lande umfaßt, aber sie tritt so selten zusammen, daß sie nicht als natürliches Ventil für das Bedürfnis, entscheidende politische Fragen zu besprechen, dienen kann. Die Konferenz der Pflanzer wurde während der Rede von Smilanski und der folgenden Diskussion zu einer Art Teilparia mc n t. Freilich schienen durchaus nicht alle Konferenzteilnehmer mit der breiten Behändlitng der allgemeinen Fragen einverstanden. Manche protestierten als Gegner der Teilung, andere weil sie die Zeit für die Behandlung praktischer Fragen ausnutzeri wollten. Smilanski ließ sich jedoch durch die Unterbrechungen _ nicht beirren und legte zugleich ein Bekenntnis seiner politischen Schwenkung ab, wie sie?,ich in seiner Anwesenheit auf dem Kongreß bereits angekündigt hatte. Der alte Gegner der Exekutive brach eine Lanze für die Leitung der Zionistischen Organisation und für den Keren Hajessod. dem bisher die Pflanzer nicht freundlieh gegeniihergestanden hatten, weil sie fürchteten, er gäbe zuviel Geld für Arbeitersiedlung aus. Smilanski sprach davon, daß jetzt der Keren Hajessod zum Fonds des gesamten Aufbaus werde und man ihn stützen müsse. Man sieht aus dieser neuen Einstellung, daß heute, wie immer In Zeiten der Krise, das Verständnis für die Wichtigkeit der ״nationalen״ Gelder wächst, wobei man nur hoffen muß, daß sich dieses Verständnis auch in den Zeiten der Prosperity erhält. Die Debatte über die praktischen Fragen auf der Konferenz umfaßte neben Fachdingen des Orangenbaus vor allem Kredit- und Organisationsprobleme. Die Ver- Wendung der ״Brara“, der nicht für den Export geeigneten Früchte, die Aenderung des Paragraphen 18 des ]Mandates, durch die bessere Verkaufsbedingungen für Zitrusfrüchte erkämpft werden sollen, die ,Beschaffung von entsprechenden Krediten sind hier zu nennen. Die von der Konferenz angenommenen Resolutionen beschränken sich jedoch nicht auf diese Spezialfragen, sie greifen auf allgemeine Dinge über, verlangen die Pazifizierung des Landes, stärkere Bcwaftnung der Juden für Verteidigungszwecke usw. ״Erez Jisra eis Sünden gegen dieGolah“ I.in öffentlicher Prozeß in Tel Aviv Tel Aviv, Mitte Dezember Im ersten ״öffentlichen Prozeß“ dieser Saison, der im ״Ohei-Schcm“ vom ״Brith Iwrith Qlamith“ veranstaltet wurde, kam das obige Thema zur Verhandlung. Der Vorsitzende, Dr. Mossinson, führte in seinen Er- Öffnungsworten aus: Der Abend solle zur Klärung der Frage beitragen, ob die Golah, die für den Aufbau Erez Israels Außerordentliches geleistet habe und noch leiste, vom palästinensischen Jisclnnv angemessene Gegenleistungen empfange. Die Anklageschrift, die von Dr. Alexander Rosenf e I d verlesen wurde, umfaßt fünf Punkte und stellt fest: Wir nehmen der Golah die besten Geistesarbeiter fort. Wir sargen in der Golah nicht — und besonders soweit es die junge Generation betrifft — für hebräische Erziehung, Kultur und Literatur. Wir stehen den jüdisch-politischen Auseinander- Setzungen, innerhalb der Golah — auf Kosten des Zionismus — gleichgültig gegenüber. Wir empfangen Funktionäre der Golah nicht gebührend und rufen dadurch Mißstimmungen und Enttiiuschungen hervor, _ die auf weite Kreise übergreifen. Wir verhalte!! uns dem ,,Brith Iwrith Olamith“ gegenüber passiv, der sich die Pflege der hebräischen Sprache und Kultur in der Golah zur Aufgabe gesetzt hat. Der Schriftsteller Nathan Grünblatt, Vertreter der Anklage, nahm dann das Wort zu einem temperamentvollen Plädoyer. Jehuda Burla wird als Sachverständiger für hebräisdie Erziehungsarbeit im Orient vernommen. Dr. S. Gin sbürg berichtet über die Lage in Amerika. Der Zeuge Rosenhak berichtet über vergebliche Versuche jüdischer Stellen in Polen, von zionistischen Aemtern in Erez Israel oder vom Zionistenkongreß moralische oder materielle Hilfe für den Ausbau hebräischer Erziehungsarbeit zu erlangen. Der Sekretär des ״Bialik-lnstitutcs“ M. Gordon weist auf die Jugend des Institutes hin, die eine volle Entwicklung des ׳Aufgabenkreises noch nicht gestattet hätte. Immerhin würden Bücher ja nicht nur für Palästina verlegt, sondern der Weg in die Golah stünde ihnen offen. Der Verteidiger, Dr. Harari, nimmt. Jetzt das Wort: Erez Israel sei nur ein kleiner Teil der zionistischen Bewegung, die eine Weltbewegung sei. Was also das ״Wir“ der Anklagepunkte zu bedeuten habe, wenn es den Jisehuw speziell belasten solle? Es sei unmöglich, gerade von Erez Israel zu verlangen, daß es alle Aufgaben in der Golah erfülle, die zugunsten der zionistischen Bewegung zu leisten seien. Prof. Abraham K a 11 a n e, als Vertreter der angcschuldigtcn Partei, äußerte sich in ähnlichem Sinne. Nach kurzer Unterbrechung wurde folgendes Urteil verkündet: Das Gericht nehme die Ausführungen des Verleidigere zur Kenntnis, glaube aber, daß trotz aller eigenen Schwierigkeiten des Jisehuw und trotz seiner bewiesenen Opferfreudigkeit auch die Arbeit in der Golah auf das intensivste fortgesetzt werden müsse. Insbesondere wende sich diese Forderung an die zionistische Leitung im Lande und an den Zionistenkongreß, die die Pflicht hätten, den ״Brith Iwrith Olamith“, der die gewünschten Ziele verfolge, mit praktischer Hilfe zu unterstützen. Manfred Geis Persönliches. Georg Guthmann, Haifa-Achusa, dankt allen Freunden und Gesinnungsgenossen, die sich anläßlich seiner Alijah niit Spenden für Pflanzung eines Georg und Elisabeth Guthmaiui-Garten beteiligten. Sozialer Frauendienst in Tel Aviv Im Hause von Dr. S. Hildesheimer fand eine Wohl• tätigkeits Veranstaltung zugunsten des ״Sozialen Frauendienstes“ statt. Die Tänzerinnen Yardena Cohen und Else D u b 1 o n bestritten, unterstützt von der Pianistin Irene Hirsch, den künstlerischen Teil des Abends. Der ״Soziale Frauendienst“ ist eine private und unpolitische Institution, die vor etwa Jahresfrist ins Leben gerufen wurde und auf Initiative und unter Leitung von Frau Anita Müller-Cohen, deren Verdienste um die jüdische Sozialarbeit besonders in Wien bekannt sind. Die Sorge für den hilfsbedürftigen Mittelstand — und darum handelt es sich hier in erster Reihe — wurde nach den ersten Auswirkungen der arabischen Unruhen und der damit im Zusammenhang stehenden wirtschaftlichen Depression ein brennendes Probletn. Hier ratend und helfend einzugreifen ist das Hauptziel des ״Sozialen Frauendienstes“. Daß man sich nicht damit begniigte, die Betroffenen anzuhören und ihnen gute Worte zu geben, sondern wirklich Theorie in Praxis umsetzt, beweist vor allem die Errichtung der Mittelstandsküche. Dort erhält jeder, der sie aufsucht, ohne Rechenschaft über sein« wirtschaftliche Lage abgeben zu müssen, für zwei Piaster ein ausreichendes Mittagessen. Bei einem Budget von 786 Pfund wurden von Dezember 1936 bis Ende Oktober d. J. 34 000 Portionen verabfolgt, in einem Viertel der Fälle kostenfrei. Die Kiaiikenfürsorgc betreute über 100 Menschen, wofür E 273 verausgabt wurden. In 27 Fällen wurden Rckonvaleszenten in einem Heim untergebracht. In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und anderen Organisationen wurde ein Nachtasyl für unterkunftslose Straßenkinder errichtet, das vorübergehend 54 Kinder aufgenommen bat. Für Wöchn e r i n n en wurde Sorge getragen. Besondere Aufmerksamkeif verdient die Errichtung eines Sommer-Kinder• heims, ln diesem Jahr wurden auf dem Har Kanaan bei Safed 22 Kinder während vieler Wochen unter Aufsicht erstklassig geschulter Kräfte betreut. Manfred Oeis Der Prozeß gegen Meir Großman Das zionistische Kongreßgericht eröffnete in Jerusalem den Prozeß gegen Meir Großman wegen Veröffentlirhung amtlicher vertraulicher Dokumente während des Kongresses. Als das Gericht auf Antrag des Kongreßanwalts Ausschluß der Oeffentlichkeit verfügte, verließ Großman den Sitzungssaal, und das Gericht fuhr mit den Verhandlungen in seiner Abwesenheit fort. Zahlreiche Zeugen sollen verhört werden, darunter auch Dr. Weizmann, Ben Gurion und Schertok. Die Mädchenschule ״Beth-Sefer le-Banoth“ in Rechowoth bittet um tatkräftige Förderung und Unterstützung. Spenden können gesandt werden an Rabb. E. Breslauer, Rechowoth (Palästina). Auch Zuwendungen von Unterrichtsmaterial, wie Wandkarten usw. für Geographie, Biologie, Naturkunde usw. werden entgegengenommen, ferner Bücher in Hebräisch, die für die Schülerbibliothek geeignet sind. Die Architektur Palästinas. In der bedeutenden französischen illustrierten Bauzeitschrift ״L’Architecture d ’ A u j o u r d ’ h u i“ (5, Ruc ßartholdi, Botilogne s. Seine) ist im Heft 9 ein großer Aufsatz, über die Architektur in Palästina von S. Barkai und J. Posener abgedruckt. Es ist wohl die bedeutendste Publikation dieser Art, die bisher über das Bauwesen Palästinas veröffentlicht wurde, und umfaßt 34 große Seiten mit vielen Bildern, die einen vollständigen Ueberblick über alle Arten der ׳Bauweise und der Architektur und des Landsehaftsbildes Palästinas geben. Wir finden darin die Anlagepläne der jüdischen Dörfer sowie die verschiedenen Bauernhäuser, die Bauten in den Kwuzoth, weiter einen Stadtplan von Tel Aviv mit Abbildung der wichtigsten Straßen und verschiedene Bauten und wohnhätiser in Tel Aviv, ferner auch arabische Häuser, Barackenhauten, Bilder aus alten Städten, öffentliche Gebäude, wie Volkshäuser und Sanatorien, das Krankenhaus der Kupath Cholim, die große Volksschule in Tel Aviv, das Haifaer Technikum und schließlich eine ausführliche Darstellung des Archäologischen Museums in Jerusalem nebst Plan. Ueberall sind auch Grundriß-Zeichnungen beigefügt. Die Publikation verdient nicht nur das Interesse von Architekten und Baufachleutcn, sondern gibt auch einem größeren Publikum ein eindrucksvolles Bild des Geleisteten und noch zu Leistenden. Volk Israel in Jerusalem V 011 H e r in ann S w c t Es ist immer interessant, in Tclephonbüchem, Adressen- Verzeichnissen und Namcnsregistern zu blättern. Es bringt Belehrendes und Anregendes. Vor mir liegt dic N'a m cnsliste der Jerusalemer uden, die 711 der! bevorstehenden Oemcindewahlen stimmerechtigt sind. Sie enthält über 28 000 Namen,_ und es lohnt wirklich, einen tieferen Blick in dieses stattliche Heft zu werfen. Gewiß ist in der ganzen Welt keine zweite Stadt, die eine so mannigfaltige und bunte jüdische Bevölkerung aufzuweisen hat wie die Stadt Davids und Salomons. Den Reigen eröffnet Nora Abajow. Aus dem Viertel der Bucharen. Das Suffix ״ow“ bekundet gleich die Herkunft. Abajow. Abagulow. Abrahamow. Anschließend Abutabul. Wie es scheint — kein seltener Name. 16 Familien sind mit diesem Namen gesegnet. Ihr Sitz — die Altstadt, Machne Jehuda, Sichron Mosche, Nachlat-Jizchak. Auf den Namen Abulafja hören nur zehn Familien. Auf den Namen Awischi und Avischar zwanzig Familien. In ihrer Nachbarschaft finden sich die Namen Abel und Abeies, Ibn Sahaw, Ibn Chein und Ewen Tow, Avnieli und Avinielech. Zwanzig Familien beißen Abastado, Und nun beginnt die Reihe der Abrahams. Dreißig Familien tragen den Namen unseres Stammvaters. Zwei sogar den gleichen Vornamen — Abraham Abraham. Bei den Bucharen heißt cs Abrahamow׳. Auch dieser Name — in verschiedenen Transkriptionen, mal mit, mal ohne ״h“. Der gleiche Namensstamm variiert bei den Russen zu Abramowitsch. Dann schließt sich eine lange Serie von Varianten an: Abrahamsohn, Abrahamssohn, Abrahami, Abramjahti, Abrahams. Nicht weniger als 63 Familien in Jerusalem hören auf den Namen Adler. Der Name Aron tritt in folgenden Varianten auf: Aharon, Aharonow, Aharonoff, Aranow, Arenberg, Aronowitsch, Aroriit״ Aronsohn, Aronssohn, Aliaroni, zehn Varianten insgesamt, 30 Familien des Namens Aztilai, 26 Ettinger, 22 Eisenberg. Der Stamm ״F.T‘ tritt in den Namen Elijahu, Eliasberg, EHissimow, Elliof, Eliash, Eliashkcwitscli, Elimclech, ־ Elinowski, Eiiander, Ellis, Elieser, Eliaschew, Elischar, Elischa u9w, auf. 31 Familien heißen Alcalai, 24 Aminow. 25 Familien wandein den Namen Efraim ab zu Efriat, Efratl usw. Ueber 50 Familien nennen sich Bagdadi. 90 mal wiederholt sich der Name Bachar. Der Name des Vize-Premier-Ministers der Französischen Republik, Blum, wiederholt sich im Wahiverzeichnis 15 mal, una dann beginnen die Varianten: Blumberg, Blumowitsch, Rliimin, Bluming, Bluman, Rlumenthal, Blumenkopf, Binmcnfeld, Blumenkranz, Blumenstich. Den Namen des Jerusalemer jüdischen Stadtrates Ren- Benishti tragen 25 Familien. Es schließen sich an: Renjaniin, Renjamini, Benjaminow, Benjaminowitsch. Und dann treten die verschiedenen ״Bens“ auf: Ben Israel, Ben Chain(, Ben Mosche, Ren Jecheskel usw. Einige Familien nennen sich schlicht: Ben Senor ... Goldberg heißen hier 80 Familien; Goldmann nur 50. Es folgen die Namen Goldenberg, Goldenhorn, Goldsberg, Goldfeld, Goldzweig, Goldreieh, Goldring, Goldstoff, Golastein, Goldschmidt. Winograd (russisch =־ Trauben) — kein gewöhnlicher Name ־— heißen in Jerusalem 20 Familien. 65 Familien Weiß gibt es hier und zahlreiche Weißadlers, Weißbuchs, Weißbhitns, Weißbergs, Weißbarts, Weislawskys, Weißmanns, Weißensterns, Weißfischs usw. 70 Familien nennen sich Chasan. In Jüdischen Adreßbüchern stellen die Namen Kohn und Levi in keinem Lande eine Seltenheit dar. Zur Jerusalemer Gemeinde gehören — Gott sei gesegnet — 1286 Kohns und 883 Levis ... Würde es aber einem europäischen Juden einfallen, daß der Name Misrachi sich nicht mehr und nicht weniger als 1640 mal wiederholt? 25 Familien heißen hier Moschiach (Messias). Der Name Nachum tritt in zehntligen verschiedenen Variationen auf. Interessant ist, daß unter den Jerusalemer Juden auch der Familienname Abdallah vorkommt... Zorfati (hebräisch: Franzose) heißen 40 Familien. Und wissen Sie, daß in Jerusalem 27 jüdische Familien den Namen des berühmten spanischen Dramatikers aus dem 17. Jahrhundert Calderon, dessen Stück ״Die Krone Davids“ von der ״Habimah“ aufgeführt worden ist, tragen? Ueber 30 Familien heißen hier Russo. Ueber 150 — Schoschani. Fast genau so viele heißen Schapiro, und über 100 Sassoon. * Das Verzeichnis der Wahlberechtigten zur Jüdischen Gemeinde in Jerusalem — welche Fülle von Stoff für Historiker, Philologen und Familieuforscherl Das Herzlzimrner in Jerusalem Am letzten Tage Chanukkah wurde (wie bereits gemeldet — Red.) in einer würdigen Feier das Herzlzimrner im Neubau des Keren Kajemeih Lejisrael in Jerusalem (im letzten Jahre ergah sich die Notwendigkeit, das Haus zu erweitern) eingeweiht. Dank besonderer Bemühungen ist es gelungen, das Arbeitszimmer Herzls aus der Heizingergasse 31 in Wien genau nachzubauen. Dieselben Größenmaße, dieselben Wandfarnen, jede Ecke und Tür des Zimmers ist genau nachgebildet. ln diesem Zimmer sind die Möhel aus Fierzi8 Ar* beitszimmer imtergebracht. Der Schreibtisch, so wie er verlassen wurde, die Bücher, in französischer, ungarischer, deutscher und englischer Sprache, der Tisch, an dem er in Paris den ,,Judenstaat“ geschrieben hat, das Rednerpult des I. Zionistenkongresses, Bilder der nächsten Angehörigen lind von Freunden, darunter auch das Bild Friedrichs von Baden. All das ist, unter Mithilfe von Prof. Hermann Struck, jetzt in dem neuen Flügel des KKL-Hauses aufgestellt worden, nachdem es früher in einem kleinen Zimmer ungeordnet gestanden hatte. An der Feier beteiligten sich die Spitzen der jüdischen Institutionen, die Oberrabbiner und viele der Delegierten der ersten sechs Kongresse, die durch das palästinensische Radio aufgefordert worden waren, zu der Feier zu erscheinen. Ussischkin hielt die Gedenkrede. Im Anschluß daran wurde an drei Bäumen, die vor einem halben Jahre vor dem Herzlzimrner angepflanzt wurden, je ein Schild zur Erinnerung an die drei in den letzten Jahren verstorbenen Delegierten des ersten Kongresses, K remenetzky, J. L. Gold berg und Mordechai ben Hillel Hacohen, anebracht. Die Feier wurde im Sitzungssaal des KKL, wo en Gurion, Oberrabbiner Herzog, Hermann Struck und Delegierte der ersten Kongresse sprachen, abgeschlossen. Eine Auswahl aus den Apokryphen in hebräischer Sprache mit punktiertem Text nebst Einleitungen und Erklärungen, redigiert von Dr. J. L. Baruch und bestimmt vor allem für die hebräischen Schulen, ist in zweiter verbesserter Auf* läge im Verlag Dwir, Tel Aviv, erschienen. Der größte Platz ist den MaTckabäer-Biich ern eingeräumt. Es folgen dann das BuchTobia und Judith, kleine Abschnitte der Pscudepigraphen und schließlich eine Auswahl aus den Sprüchen Ben Stracii und der ״Weisheit Salomos“. Nicht ganz zulänglich erscheinen uns die Illustrationen dieses vortrefflichen Bücnleins. (Schluß des Pallstlnatells)