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Jüdische Rundschau · 1937-12-24 · Heft 102 (24.12.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 102 (24.12.1937)
Date
1937-12-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 102, 24. XII. 1937 ״Amerikas 60 Familien“ Von unserem Korrespondenten New York, 8. Dezember In einer kürzliciien Zusammenstellung der Faktoren, die über den größten Teil des Reichtums in den Vereinigten Staaten verfügen, erklärte ein bekannter Statistiker, daß die Macht sich in den Händen von ״Amerikas 60 Familien‘* befindet. Seine Tabelle zeigt, daß zehn davon jüdisch sind, von denen freilich die Mehrheit weit unten auf der Liste steht. F.in jüdischer Name erscheint auf der Liste erst an dreizehnter Stelle. An der Spitze in bezug auf Vermögen und Stcuern stellen lauter א i e 11 t j 1! d e n, lind zwar die Rockefellers, Morgaiis, Fords, Mellons, Y'amlcrbilts, Whitneys, Du Ponts und MacCormieks. Es ist jedoch zweifelhaft, ob die Zusammenstdlung als völlig authentisch gelten kann, weil der Autor sich in einem großen Ausmaß auf die von den verschiedenai Familien im Jahre 1021 gezahllen Steuern stützt. Seitdem hat es eine große Umschichtung der Vermögen gegeben, vor allem infolge der Tatsache, daß die sögenannten ״jüdischen־• Finanzleute bei dem Böisenkradi 1929 und durch die darauffolgende Depression am stärksten betroffen wurden. Eisenbahnen, Banken und Gesellschaften, an denen diese Finnn/iers beteiligt waren, sind in weitem Umfange in andere 1 ־lande libergegangen. Der Statistiker hat jedoch versucht, einige dieser Tatsachen zu berücksichtigen, so daß seiiie^ Zahlen wohl der Erwähnung wert sind. Sechs Ati'ßh der der Famih'e (iuggcniieim, der ersten jüdischen Familie auf der Liste, werden auf ein (jesamtvermögen von א HO l(*<1()';) geschätzt. Der Hauptteil dieses Vermögens .soll ans der ״American Smeliing and Refining Company־; (MetnU-ituh istric) stammen. Die 17. und die 18. ianiiiii■ sind die Bmvius und die Lehmans. Jene wird aut 8 1 51) (100 (öü gesell.dzt. Du.׳ I ehtnans, von denen Herbert Lehman bekanntlich (!ouverneur von New York ist, sollen über 120 א U'Ht (ro verfügen. Es muß jedoch hinzugetilgt werden, daß!7 Mitglied,־:׳ der Familie zusammen auf diese SliiiiitH■ gewhnt/t werden. Erst an 20. Stelle finden wir die Warburgs, deren Vermögen 111ec.t identifiziert wird mit der (Irma Kuhn, Lob Co. Die Ziffer von 8 07 '200 000 steht bei der Familie Warburg־, die aus acht Personen besteht, Vier Stellen weiter unten koniiiun wir zu den übrigen wichtigen Mitgliedern der Finna Kuhn, Löh E Co. — den Kahns —, denen ein Vermögen von 8 80 -KU! ()()11 zujgeschneben wird. Der bedeutende* El.1t/, den die Kahns im finanziellen Leben Amerikas inne hatten, solange Otto II. Halm lebte, ist vollständig verseluvuiiden. Zu den in ״Amerikas (10 Familien“ enthaltenen Arigaben über t aniilieiiYerniögen kommt eine Analyse der von Eiiuelpei'soitin bezahlten Einkommensteuern. Jüdische Namen auf dieser Liste uiniassen die Schiffs, Bluincnthals, Friedsams, Idoseiiwalds und Baruchs. Die Zahlen über einige der letztgenannten sind völlig unaktuell, da die Personen, die die Steuern zahlten, schon fast vier oder fünf Jahre tot sind. Unter diesen muß mit eingesehlossen werden Mortimer Schiff. aus der Firma Ktihn, Löb ft Co., der ein Vermögen von 0־:0 000 6<) 8׳ gehabt haben soll, das vermutlich sein Sohn geerbt hat. Michael Friedsarn, der die Firma B. Altman, eins der größten Warenhäuser in New York, errichtete und über 8 11)0001:00 dem Metropo'itan-Museum hinterließ, wird auf 8 -12 Otx) 1)10־ geschätzt. Der verstorbene Julius Rosenwaid, dem die Entwicklung von Sears, Roebuck & Co. (das größte Waren-PostVersandhaus der Welt) zuzuschreiben ist, wird auf das kleinste Vermögen von allen, auf $30000000, geschätzt Seine beiden Söhne, Lessing und William, erbten einen beträchtlichen Teil dieses Vermögens, außerdem flössen Millionen Dollars in die koscmvnld-Stiftung, die den Zweck hat, die Erziehung der Neger zu fördern. Die Bankfirma Lazard Freres ist durch George Blumenthal vertreten, der ebenfalls Millionen dem Metropolitan Museum of Arts vermacht hat. Blumenilial soll 8 54 000 000 besitzen. Bemard Baruch, Vorsitzender des Kriegsindustricllenverbaitdes während dos Krieges und ein Vertrauter des Präsfdenten Wilson, soll 8 :17 80•:) 000 besitzen. Es ist wichtig zu betonen, daß manche dieser Ziffern nur Schatz 11 11 g c• n des Statistikers sind, Nichtsdestoweniger ist es interessant zu beobachten, dafi, selbst wenn die Zahlen, die für alle jüdischen Familien und Personen genommen wurden, richtig sind, die Gesamtsumme, über die sie verfügen, weniger als eine Milliarde Dollars beträgt. Mit anderen Worten: alle zehn jüdischen Familien zusammen genommen besitzen w c ־ n iger als die Familie Rockefeller allein. Wirkungen des Rückschlages In den vier oder fünf Jahren, die auf 1920 folgten, nannte man die ungünstige Wirtschaftslage eine ״Depression“. Der Abstieg, der jetzt festzustellcn ist, wird ein ״Rückschlag“ (״recession“) genannt. Es ist ganz klar, daß es weit verbreitete Bemühungen gibt, das Ausmaß der Wirtschalts-Stagnation zu übertreiben. Der Hauptzweck ist, Präsident Roosevelt und die progressive wirtschaftliche und politische Linie seiner Verwaltung zu diskreditieren. Sicher jedoch ist die Lage nicht gesund. Autoindustrie, Textilien, Schuhe, Maschinen, Stahl und andere wichtige Industriezweige entlassen Zehntausende von Arbeitern. Man nimmt an, daß die Arbeitslosigkeit während der Wintermonate einen neuen Hochstand erreichen und eine größere Regierungshilfe notwendig machen wird. Die Wirkung dieser herannalientleii Depression auf die Juden ist nicht einheitlich. Vor allein muß gesagt werden, daß während der letzten Jahre eine Menge neuer Juden zu Wohlstand kamen, entweder durch Warenhäuser, Börsengeschähe oder andere Unternehmungen. Viele dieser Juden sind der Oeffentlichkeit so unbekannt, daß sie nicht einmal für Wohlfahrtszwccke herangezogen werden. Im wesentlichen hat jede größere Stadt im Lande ihre Zahl solcher Juden mit neuerworhenem Wohlstand. Betrachtet man das Vermögen, über das diese Leute verfügen, so verstellt man die Enttäuschung, die kürzlich Lord Samuel darüber ausdruckte, daß der ״Council for German Jcwry" aus Amerika nicht die großen Summen erhalten hat, die er und seine Mitarbeiter erwarteten, als sie im Jahre 1936 nach Amerika kamen. Ein scharfer Kritiker der jüdischen Lage hat soeben (etwas drastisch) gesagt, daß man mit den Summen, die amerikanische Juden in einer Saison verlieren, 100 000 Juden in Palästina ansiedeln könnte. Aber es bleibt der weit größere Sektor der 4 500 000 Juden in Amerika, der ebenso stark betroffen werden wird wie alle anderen gewöhnlichen Sterblichen. Während der letzten sieben oder acht Jahre hat die Verteilung der jüdischen Bevölkerung eine bemerkenswerte Verschiebung erfahren — von den kleinen Städten in die großen. Im ganzen Süden und Westen hatten die mittleren und kleineren Städte von 5000 bis 30 000 Einwohner eine steigende Zahl von Juden als Ladeninhaber, Versicherungsagenten, Rechtsanwälte, Aerzte und Kleinhändler. Nun haben solche Städte, in denen es früher 50 Familien gab, jetzt nur noch zehn; solche, die 300 Familien hatten, haben noch 100, und deren Wirtschaftliehe Lage wird in steigendem Maße schwieriger. Ihre kleinen Läden sind stark von der Konkurrenz der großen Kettenläden in .Mitleidenschaft gezogen, die sich sämtlich in nichtjiidischen Händen befinden. Dies wiederum beeinflußt die übrigen Juden der Stadt, So erklärt sich der Zug in die Großstädte, wo cs ein homogeneres jüdisches Leben gibt und auch der Kreis für andere Betätigungen weiter ist. Die Juden haben, besonders in den Städten, in großem Maße (ebenso wie andere Angehörige der gleichen Schichten und Berufe) von den Hilfsmaßnahmen profitiert, die die Röosevelt-Regierung während der letzten vier Jahre durchgeführt hat. Dies trifft vor allem auf solche Berufe wie Aerzte, Rechtsanwälte. Künstler, Musiker, Schauspieler,Schriftsteiler u. ä. zu, denen ein Lebensminimum gegeben wurde und eine Möglichkeit, sich zugleich einer produktiven Arbeit zuzuwenden. Eine Befürchtung jüdischer Beobachter in bezug auf den gegenwärtigen Rückschlag ist, daß er von Kräften ausgenutzt werden könnte, die sich bemühen, die Stimmung rregen das Judentum zu beeinfluss ־n. Solche Zeiten sind günstig für antisemitische Propaganda. Es ist ein Glück, daß im Weißen Haus heute ein Mann sitzt, der tolerant und verständnisvoll ist. Roosevelt ist trotz der Angriffe der Reichen — einschließlich der jüdischen Reichen — bei der großen Masse des amerikanischen Volkes sehr beliebt. Jüdisches Leben in Australien An Berichten na di• ״•Jüdische Rundschau" Australien ist nicht nur geographisch sehr weit von Europa entfernt, sondern wir wissen auch sonst nur wenig vom eigentlichen Leben dort, vor allem aber vom jüdischen Leben. Einigen Briefen aus Australien von einer ausgewanderten Jüdin, die auch in der Ferne der ״Jüdischen Rundschau“ die Treue bewahrt, entnehmen wir einige Einzelheften, die — ohne ein vollständiges Bild zu geben — von allgemeinem Interesse sind. Unsere Leserin hat den Eindruck, dal die wirtschaftlichen Möglichkeiten für Einwanderer in Sydney größer sind als in Melbourne; verschiedene Familien sind von Melbourne nach Sydney weitergewandert und haben dort durch Eröffnung von Lebensmitfei-, Herrenartikclgeschäften u. ä. eine Existenz gefunden. Was der Jude, der aus Deutschland kommt, im jüdischen Bezirk zuerst vermißt, ist die Existenz einer Gemeinde in Sydney (in Melbourne besteht allerdings Mn.-icMftrti. Branawaldstr. 6t 1.s1j.Pi.T»1.7um eine Gemeinde). Dabei ist das Interesse an jüdischen Dingen keineswegs gering. Sydney hat einen Rabbiner; es bestellt ein Komitee, das sich um die Einordnung von Einwanderern bemüht; und es wird auch für jüdische Zwecke Geld gegeben. In Sydney besteht auch in gewissem Umfange ein zionistisches Leben, das dem amerikanischen darin ähnelt, daß die Frauenorganisation eine entscheidende Rolle spielt. Allerdings scheint es nicht an persönlichen Gegen- Sätzen zu fehlen, so daß eine Spaltung der zionistischen Frauenorganisation in Sydney eingetreten ist; jede Gruppe gibt ihre eigene Zeitung heraus und veranstaltet Versammlungen. Der ״Wizo“ wird vielleicht einmal die Aufgabe ztifallen, zum einigenden Faktor zu werden. Die Frauen entfalten eine rege Aktivität für Palästina; so wurden bei einem Palästina -Bazar recht bctriicht'krhe Summ cn aufgebracht, und auch der Keren Hajessod und die Wizo konnten mehrere tausend Pfund nach Erez Israel schicken. Wie ganz anders die Umwelt in Australien ist, geht daraus hervor, daß zu den jüdischen Versammlungen häufig Christliehe Redner, Pfarrer usw. cingcladcn werden und das Wort nehmen und aueli Mitglieder christlicher Vereinigungen sich als Zuhörer rinfinden. Diese andersartige Lag«, die den aus Deutschland kommenden Juden verblüfft, zugleich aber auch ein Beweis für das gute Zusammenleben der Bevölkerung^- teile ist, wird illustriert durch den Wunsch einer Christliehen Dame, in die Wizo aufgenommen zu werden, was ihr gewährt wurde. Der Charakter Australiens als eines Kolonisationslandcs offenbart sich auch in dieser Beziehung: Vorurteilslosigkeit, die von der festgefügter! europäischem Lebensform abweicht und harmonisches Zusammenarbeiten seiner Bevölkerungsgruppen ermöglicht. Aus 4er ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU“ v. 26.12.1912t :_; *l i Palästina,־ Dr. Brünn, der Leiter des hiesigen Gesundheitsamtes, erhielt von Herrn Nathan Straus amS New York 10000 Francs, die als Unterstützung für die durch den Krieg in eine Notlage geratenen Familien dienen sollen. Aus Safed wird gemeldet: liier wurde ein Spitzenatelier eröffnet, mit dessen Leitung Frau Soff ermann beauftragt wurde. Es meldeten sieh gleich 120 jüdische Mädchen, von denen vorläufig nur fünfzig aufgenommen werden konnten. Der durch seine Hetzreden gegen die Juden berüchtigte Mönch 11 i 0 d o r, der vor mehreren Monaten auf Veranlassnng des sonderbaren Heiligen Raspulin aus Zarizyn entfernt und strafversetzt worden war, wurde vom Heiligen Synod seiner Mönchswürde entkleidet, obgleich er :11 der entscheidenden Sitzung einen langen Widerruf eingrsandt halte, den er mit seinem Blut unterzeichnet hatte, um darzulmn, daß der Widerruf ermt gemeint sei. N11־cht!־׳urk verboten ״DaKüit du lebest“ Aus dem Jirinijnh-Roman ״Höret die Stimme“ Von FRANZ YVERFEL 1. Kort:.et?u :! Im l׳'rau(׳n״e!muh saßen sie;die beisammen, Stunde für Stunde: die h11״i::in111 ■11, 181 . i ׳ ״ ן .a'״!- mclerh. Mi׳ eiiH-nmuil wurde der Ablauf der Tage vom Mor-en bis Abc ml iinbesjreüüch schleunig. Der Ab-Mond war da, der!'ressende, der jede Flur zur Wtlste macht, der Mond, den Jinnijali von Kind auf haßte, ohne zu wissen warum. Mit dem Neumond aller war Zidkijahs letzte Frist, sich für sein Volke zu opfern, vorüberijegtiniien. Da drangen zu den L’mbnuideten im Palast plötzlich e ׳leichternde Botschäften wie frischer Hauch. Der König hatte mit seinpn Verschmachteten alle Stürme abgeschlagen und bei einem nächtlichen Ausfall einen Großteil der Geschütze Babels mit brennendem Pech in Feuer gesteckt. Zugleich war es Einathan gelungen, .;1it eine״ als ehabläi;eher Nachschub verkleideten Karawane durch den unterirdischen Gang von Siloah tausend Rath Wasser, dreihundert Batli Wein und hundert Cltonier Feigen in die Stadt zu puschen. Wenn diese Schätze mich nur für wenige Stunden und einen kleinen Teil des Volkes reichten, so wirkten sie doch Wunder, da es hieß, im den nächsten Tagen werde die zehnfache Menge cintrellen. Auch diejenigen, welche nichts erhalten hatten, wurden in dieser Hoffnung ruhiger. Dann aber kam nlAtrlich das Ende. Und es knm zu überraschender Stunde wie alles Große. Jirmijah schlief in seiner Kammer. Baruch lag neben ihm aut der Erd.', in Decken gewickelt. Sie hatten in diesen Tagen der allgemeinen Erleichterung das Wort wieder vergegenwärtig!, um von der Not. abgelenkt zu sein. Noch stand die Nacht erst am Anfang, als int Hause ein dumpfes Rufen sich erhob, Türen geschlagen wurden und Diener und Mägde mit Lichtern durch die Gänge eilten. Ebedmeleeh steckte sein Gesicht mit wcißgcb'eckten Zähnen in Jirmijahs Kammertür und keuchte atemlos: ״Bresche gelegt ist in die Mauer Ephraim... Alles zum König.. .“ Meister und Jünger :.prangen auf und stürzten ins Wohngemach der Königinnen. Dort liefen weinende Frauen und Mägde durcheinander, die in völliger Sinnverlassenheit unnützes Zeug z.usammentrugen und in Reisesflicke stopften. Auch die kranke Ilamutal hatte sich erhoben. Ihre Kammerfrmten kleideten die unförmige Gestalt der Kranken mühsam an. Muacha war mit ihren Knaben beschäftigt und versuchte Ada jah mit ungeduldigem Zuspruch davon ab/ubringen, seinen Panzer und Federhelm zur Flucht anzulegen. Der Lästige aber wollte nicht nachgeben. Der aus dem Schlaf gestörte Jechiel zog einen sehr ungnädigen Mund und schalt mit der Wärterin, die ihn!mkleidcte. Jn all diesen) weihliehen, kindlichen Hin und Her stand der Koni״ hoch und regungslos. Nur manchmal stampfte er leicht mit dem Fuß, zur F.ile mahnend. In den letzten Wochen des Krieges war er beinahe zum Knochenmann abgemagert. Doppelt glühten daher die herrliehen Augen in dem verzehrten Antlitz. Sein Wesen verriet keine Spur von verzweifelter IV’e.'raschnng, Ratlosigkeit, ja auch nur Unruhe. Kr sali drein, wie einer, der zufrieden ist, daß alles seinen \ orlicr׳;cseliencn, jilangemäßen Weg gellt. Als er Jirmijahs ansichtig wurde, winkte er ihm mit einem Lächeln zu: ״F,h ist besser, wir verlassen diese Stadt; und du gehst mit uns...“ (Ein Befehl, gegen den es keinen Widerspruch gab.) ״Es wird leicht für den König sein, Einathans Scharen zu vermehren und von außen zum Ersatz hcranzulühren,.. Indessen befehligt Ismael die Stadt an meiner Stelle... Alles ist vorbereitet und geregelt seit langen Tagen. Pferde, Esel, Kamele warten an sicherem Ort... Wir finden Einathan am Salzsee... Fern von Jerusalem ist der König mächtiger als in der Falle... Der König freut sich auf diesen freien Krieg ... Freuet euch auch, ihr andern .. Und Zidkijah lachte wahrhaftig nach diesen Worten, als habe er nicht scliöngefftrbt und ein schreckliches Muß in einen pfiffigen Entschluß umgebogen. Er lachte als der unverbesserliche Mensch, der bis zuletzt von seinem Eigenstand nicht läßt und noch im Fortgehlasenwerden 80 tut, als sei er der Wind. Zidkijah fragte in dieser Stunde ohne Wahl nicht mehr seine zögernde Frage: Ist ein Wort des Herrn da? Sein königliche« Lachen der Zuversicht tat allen sonderbar wohl. ״Du magst deinen Jünger mit dir nehmen“, sagte er gn8ctig zu Jirmijah. ln einer Stunde war olles aufbruchbcrcit. Zidkijah hatte bestimmt, daß die Flucht aus der Stadt in zwei Gruppen zu erfolgen habe. Die Bcgleilgruppe, zu der zwei Ilolfürsten, einige Leibwachen, eine Anzahl von Dienern und Mägden sowie das Gepäck gehörten, sollte das freie Land durch die königlichen Gärten hindurch zu gewinnen suchen. Die Hauptgruppe des Königs, mit Ilamutal, Muueha, den Knaben, .Jirmijah, Baruch, Ebcdmcloch und zwei Königskriegem gedachte durch den unterirdischen Gang von Siloah in das ausgctrocknet« Tal des Kidron zu gelangen, nahe der Stelle, wo es sich mit dem Ben-Hinomtal vereinigt. Mit dem Stollen von Siloah ober hatte es folgende Bewandtnis. Vor mehr als hundert Jahren hatte König Hiskijah zwisehen der hochgebauten Davidsburg und den Außcnmuuert» des Ostens z.wei sleingefaßte Stau- und Sammcilciche ang«- legt, die den reichen Wassers-egen des Winters bewahret» sollten. Da es aber durch die Gnade des Herrn auch ״triefende Jahre“ gab, mußte für die übertretenden Saminelwässer ein gemeinsamer Abfluß geschaffen werden, vor allem aber für die ״sanften Fluten“ des Bächleins Siloah, das vornehmlich di« 'I eiche speist«. Dieser in den Fels des südöstlichen Stadtberge,s gebohrte Kanal hieß ״der unterirdische Gang Siloah“, ein hochberUhint«s Wunderwerk, von dem die Bewohner Jerusalems mit prahlerischem Stolz sprachen. Der unnaefcgiebige Hiskijah hatte nicht geruht, bis das W'erk vollbracht war, obgleich alle weisen Männer über solches Unterfangen di« Hände zusan»inenschlugen. Eintausend und zweihundert Ellen erstreckte sich der bequeme Gang von seinem Eintritt östlich der Stadtteiehe bia zum Ausgang im Kidrontal. 'Dort war er, um den Feind zu täuschen, als toter Steinbruch verkleidet, wie dergleichen mehrere in den Schroffen des Stadtberges nebeneinander lagen. Kein Tartnn hatte die ,erbalb Verdacht geschöpft, denn seit Beginn der Belagerung v ar der Abfluß für den Siloahlauf nicht mehr geöffnet worden. Das Ende des Felsgange* lag unterhalb einer der steilsten und unzulänglichsten Festungsteile, dort wo niemals ein Angriff versucht wurde. Der Ring der Belagerung war an dieser toten Stelle sehr schütter. Nergal Ncbusuradan hatte keine Ursache, hier irgendwelche Vorsorge zu treffen, insbesondere in diesen Tagen und Nächten nicht, da er alle Kräfte gegen die nflrdliehe Mauer versammelte, in der bereits die erste Bresche klaffte. Mit diesem Umstand rechnete Zidkijah, und die Meldung der Türmer bestätigte ihm, daß längs des jenseitigen Kidronufers nur weit auseinander liegende Posten* an ihren Feuern hockten. Die Flucht des königlichen Hauses begann mit einem schweren Unheil. Ilamutal hielt sich mit adligem Heldenmut aufrecht, über da» Maß ihrer Kräfte. Sie trippelte, von den beiden Königskrieeern mehr getragen als gestützt, immer kürzeren Atems, doch emsig hinterdroin. Unbegreiflich warum, hatte sie zur Flucht ein rotes Obergewalt angelegt, wie sie es seit Josijahs Tod nicht mehr zu tragen pflegte. Die Scharlachfarbe hatte Zidkijah erschreckt, doch er unterdrückte jedes Wort in sich, das seine Mutter kränken konnte. Im Freien dann würde er ihr einen schwarzen Mantel urrhängen. Im schalten werfenden Licht einer einzigen Fackel betrat man den ausget rockneten I’clsengang. Trotz seiner bequemen Breite und Höhe konnte die Schar zwischen den spukbleichen Wänden zu llamutals Befriedigung nur langsam Vordringen. Die Knaben, überwach und von Abenteuerin-t

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