Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1937)
- Date
- 1937-12-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 101, 21. XII. 1937 Jüdischer IX. Die Hasmonäer Der Hellenismus. Im Jahre 330 der vorchristlichen Aera kam Palästina als Teil des Persischen Reiches unter die Herrschaft Alexanders des Großen und damit in die Einflußzone der griechischen Zivilisation. Es setzte der weltgeschichtlich bedeutsame Kampf des Judentums gegen die geistige und politische Macht des Hellenismus ein. Die entscheidende Phase dieses Kampfes began״, als Judäa um 200, nachdem cs 120 Jahre vom hellenisierten Aegypten (unter den Ptolemäern) beherrscht worden war, in den Besitz Syriens (unter den Selenkiden) gelangte. Im Heiligen Lande selbst waren die innere Zersetzung des Judentums und der Angleichungspro/.eli an die hellenistische Kultur bereits weit vorgeschritten, als der syrische König Antiochus IV-, der mit allen Machtmitteln die ״Griechenfreunde“ unter der herrschenden jüdischen Aristokratie gegen die scheinbar ohnmächtige Minderheit _ der ,.frommen im Lande“ (Chassidaer) unterstützte, sich endlich entschloß, |1!däa gewaltsam zu hcllemsieren. ׳Ku befahl er, den Tempel in Jerusalem dem olympischen Zeus zu weihen, ersetzte den jüdischen Opferdienst durch einen heidnischen, hob das mosaische Gesetz auf mul zwang die Juden . durch Androhung der, Todesstrafe — die Haupttjchote ihrer Religio!! (Schaobatruhc, Be־ sA11iuzen aus dir Z.ea der Makkabäer sennei '•ne! hd/.e) atif/u^eben. Jehuda Makkabl. Die Religionsvcrfolgimg brachte einen Volk-aufstand, dessen Urheber Matitja.hu (Mattatias), Sohn Simons, war: ein in dem kleinen Orte Modiii!, nördlich Jerusalem, lebender Hasmofiacr (Qiasch greiser Priester aus dem Gcschlechtc der mnuaiin), t:r sammen mit s! fimf Söhnen ins birge, wo viele 11 zueinen Cie-;uw der .,(ienu ins! hat! der l:m!umen“ sich um ihn scharten, 11m! eröffnet e von dort den heiligen Krieg gegen die leimU: Gottes und die Abtrünnigen. Ihm folgte in der Führung des Aufstandes sein Sohn Jehuda, der infolge seines frommen Eifers und seiner Tapferkeit ״Makkabi“ (Hämmeret) genannt wurde. Der jugendliche Sproßling eines aiten Priestergesehleehts hing an der Tradition seines bedrückten Volkes. Er war ein Künstler in der Strategie und Taktik des Kleinkrieges, ein Kampier von nie erlahmender Zähigkeit, uncrsihütterlich in! Glauben an den Sieg Ju,!o>her seiner Suche und 1111erschiocken mutig. Er vermochte Energien zu wecken. Die 1׳ Üaß Antiorhus das He gläubigen Juden Dir ״Hand AbsalomA, ein Grabmonument aus der Makkabäer - Zeit im Kidrontal bei Jerusalem BÜ.!<’T au- A. Rräfenix'ig: ״Denkmäler der mdo; hon Antike'•. (Schocken Verlag, Berlin) die im Volke schlummernden folge Jehudas führten dazu, enisierungsgesetz aufhob und die imestierte (Frühjahr 164). Aber indessen .!alte sich die religiöse Erhebung in einen Krieg um die p o 1 i t i sch e U n;1 b 11 ä 11 g i g k c i t des jüdischen Volkes verwandelt. Ende 1(V! besetzte Jehuda durch einen Handstreich Jerusalem, befestigte den Zionshcrg, reinigte den Tempel, -teilte den dthergebrachten Gottesdienst wieder her (23. Kisli-w) und setzte nun Andenken an dieses Ereignis ein nationales l est (Chanukkah) ein. Nach einer Reihe von Siegen (insbesondere bei Reth Ghoron über den Fcidherrn Nikanor j 111 I tbrnar Ktl) fand Jehuda im verzweifelten Kampf gegen die Syrer den Heldentod (Frühjahr 160). Die Hasmonäerherrschaft. Kurze Zeit nach dem Tode Jviimias konnte -ein Bruder Jonathan infolge der inneren Wirren 1111 Syrischen Reich die Macht in Judäa er• greifen: er wurde lurst Israels und zugleich Hohepriester des Tempels in Jerusalem (132) und eröffn et e damit einen neuen Abschnitt in der jüdischen Geschichte: den der Herr- Schaft der 1 iasmonaerdynastie. Aul ihn folgte sein Bruder Simon, unter dem die Hohepriesterwiirde und das Fürstentum (Elhnarchat) durch Volksbtschluß für erblich in der Hasmoniierdynastie erklärt wurde (141): zum erstenmal wurde in I s r a c! d er Vers 11 c h g e m a c ht, die u n abhängige w e 111 i c 11 - f ü r s 11 i c h e Gewalt mit der hohepri österlichen in einer Person dauernd zu verbinden, Der Versuch mißglückte. Bereits unter Johann (Jochanan) Hyrkanos, dem Sohne Simons, ent• brannte der Kampf der Parteien von neuem. Die Hasmonäer■ fürsten waren als Regenten gezwungen, das religiöse Inter• esse dem weltlich-politischen unterzuordnen, und entfernten sich datier immer mehr von dem ursprünglichen Ideal der Mnkkabiierhewcgung. Sie stützten sich aut die priesterlicharistokratische, mit dem Hellenismus liebäugelnde Partei der sogenannten S a d d u z ä e r (Zaddukim Anhänger des Pricstcrßcschlcchts Zadok), fanden aber heftigen Widerstand in der immer stärker werdenden Bewegung der Pharisäer (Peruschiin =- Abgesonderte), die das geistige Erbe Esras und der Schriftgelehrten übernommen hatten, das Gesetz Moses als einzige Richtschnur des jüdischen Lebens be• trachteten und dieses Gesetz in seinem ursprünglichen Geiste ■erhalten und weitcrentwickcln wollten, damit Israel ein ״heiliges Volk“ werde. Die Pharisäer hielten an der traditionellen Anschauung fest, daß die weltliche Herrschaft dem Stamme Davids und nicht einem priesterlichen Geschlecht gebühre. Der Gegensatz verschärfte sieh noch mehr, als Jehuda* Ar ist ob ul, Sohn und Nachfolger von Jochanan Hyrkanos, sich als König Judäas proklamierte. Diese inneriüdische Fehde war die tiefere Ursache des jähen Nie* derganges des Hasinon äerhauscs. Ein Bruder• zwist zwischen den letzten selbständigen hasmonäischen Konigen Aristobu! II. (67—63) und H y r k a n o s II. (63—40) — Postschlüsse nach Uebersee Vom 21. bis 29. Dezember (ohne Gewähr) Die angegebenen Zeiten sind die Abgangs Zeiten der Züge bzw. Flugzeuge aus Berlin. Die Sendungen müssen 1—11/2 Stunden vor Abgang bei der zuständigen Bahnhofspostanstall (Flugpost beim Postamt SW 11) vorliegen oder unmittelbar zu den angegebenen Z.iigen oder Flugzeugen gebracht werden. Anschluß im Reich entweder bei Durchgang der Züge bzw. Flugzeuge «der durch Sendung nach Berlin oder direkt an die Zwischenstationen. Bei der Aufschrift empfiehlt sich die .Anbringung von Leitvermerken. Palästina (ab Anh. Bhf., Abgang München etwa 12 Std. später): 21. (22.12) via Brindisi mit ״Gerusalennmc‘■; 27. Uaiia, — 22. (21,58) via Belgrad; 28. Haifa. — 24. (21.58) via Belgrad: 29. Haifa. — 25. (21.29) via Piräus; 31. Haifa. — 26. (21.29) via Belgrad: 31. Haifa. — 28. (22.12) via Brindisi mit ״Galik־a“; 3. Ilaiia. — 29. (21.58) via Belgrad; 4. Haifa. Luftpost: Jeden Sofg,, Di.. Do. Flug 8.30, 11.25 München, an Haifa nach 2 Tagen (Linie Brindisi—Haifa über Rom), — Jeden Fr. Flug 0.30, Sobd. Lvdda (Linie Amsterdam—Bandoeng II über Athen), — Jeden Sobd. Flug 8.30, 11.25 München, Mo. Lvdda (Linie Amsterdam—Bandoeng (It über Neapel). USA. (ab Bhf. Charlottcnbnrg 11.20): 21. via Cherbourg mit ״Hambürg"; 29. New York, — 22. via Le Havre mit ״President Harding"; 1. New Y1״k. 23 —׳. via Cherbourg mit ״F,mp. Australia“; 1. New York. — 29. via I.e Havre mit ״Washington“; 6. New York. Südamerika: 29. (11.20 Chariottcnburg) via Lissabon mit ״Alcantara“; 12. Rio; 16. Buenos Aires. Luftpost (auch nach Mittel-Amerika und West-Indien): Jeden Mi. (deutsche Luftpost) Postschluß 21.00; Do. 5.00 Frankfurt-M.; Sobd. Rio; Sotg. B.A. — Jeden Sobd. (französische Luftpost) Postschi. 9.30. 14.55 Köln; Di. Rio; Mi. B.A. (nicht nach Bolivien). Südafrika: 23. (13.58 Friedrichstraße) via Southampton mit ״Dunnotar C": 10. Kapstadt. Luftpost: Jeden Di. und Solxl. Flug 8.30, 11.25 München, an Kapstadt nach 7 Tagen (Linie London—Kapstadt über Brindisi). Personalia aus Budapest. Es starb der frühere Pro• fessor der Rechtsphilosophie an der Budapester Universität, Dr. J. Pikier. Wegen seiner theoretischen Lehren kam er in Gcgensatz zu den Politikern und mußte nach dem Kriege, obwohl er inzwischen seinen Glauben gewechselt hatte, seine Kanzel verlassen. Getauft ist auch Prof. L). A n g v a 1, der Uni- Versalgeschichte an der hiesigen Universität vortrug und anläßlich seines 80. Geburtstages vom Erzherzog Josef, als Vorsitzendem der Akademie der Wissenschaften, gefeiert wurde. — Zum Ableben des Malers Ph. Läszlö (s. ״j. R.“ Nr. 94) erzählt ״Szombat“, der Künstler habe beim Begräbnis seines Vaters den Rabbiner ersucht, nichts von seinem Glaubenswechsel zu erwähnen, habe sich vorschriftsmäßig seine Kleider einschneiden lassen und das Kaddischgebet gesagt. — Der Professor an der Israelitischen Lehrerpropaganda, Dr. Alexander H armos, wurde zu Grabe getragen. Harmos hat vor Jahren im Verein mit dem heutigen Rektor des Rabbiner- Seminars, Prof. Michael Guttmann, die vom Kanzler des siebenbiirgischcn Fürsten Gabriel Bet h len, dem gelehr• ten Simon Pdclti, um 1630 angefertigte ungarische ueber- Setzung des hebräischen Gebetbuches mustergültig herausgegeben. Das Gebetbuch diente der Sekte der babbatäer, die den jüdischen Glauben und Ritus angenommen hatten und deren Reste sich nach jahrhundertelangen Verfolgungen im 19. Jahrhundert ganz zum Judentum bekehrten. Die Ueber- Setzung stellt die älteste Uebertragung des Siddurs in eine moderne Sprache dar. — Otto Frankl, Sohn eines Budapester Arztes, selbst erstjähriger Medizinhörer, gewann den von der ,,Mathematisch-Physikalischen Gesellschaft“ zur Verteilung gelangenden ״Baron Lorand Eötvös-Prcis“ als bester Mathematiker der vorjährigen Abiturienten. — Josef Z i n - senheim er, Sieger im vorjährigen Landeswettbewerb samtlicher Mittelschulen, wurde zur Universität nicht zugelassen. Der Junge ging dann — infolge Aufrufes einer Tageszeitung von freiwilligen Spendern unterstützt — nach Paris, wo er an der Sorbonne gleich im ersten Semester für Fleiß und Begabung den ersten Preis davontrug. Dr. A. F. Von der Liberalen Gemeinde Amsterdam. Uns wird ge* schrieben: Das Chaimkkah-Fest vereinigte die Mitglieder der Liberal Joodsche Oemeente Amsterdam wieder mit ihrer ständig wachsenden Zahl von Freunden zur Feier in ihrem Gotteshause. Am ersten und am achten Tage fanden besondere Gottesdienste statt, deren letzter speziell der Jugend gewidmet war. Nach dem Gottesdienst hatte die Frauen- Vereinigung der Gemeinde den Kindern noch eine kleine Feier bereitet. Am 4. Dezember hat die Gemeinde ihren Chanukkah-Ball im Musiklyzeum veranstaltet. Der Ertrag des Festes fließt dem Wohlfahrtsfonds der Gemeinde zu. den Enkelkindern von Johann Hyrkanos — gab Rom Gelegenheit, in Judäa eützugreifen. Im Herbst 63 eroberte Pompeius Jerusalem. Das Land geriet unter die Oberherrschaft der Römer. Der kurze Traum politischer Unabhängigkeit war aus; der jüdische Staat ging nun unaufhaltsam seinem Ende entgegen. Wertung. Die Hasmonäerperiode ist als die letzte Etappe in der politischen Entwicklung des alten Israel und als Uebergang zu einer neuen Form des nationalen Lebens — unter der Vorherrschaft der pharisäisch-rabbinischen Ideale — zu werten. Der innere Sinn sowohl der makkabäisehen Erhebung als auch der hasmonäischen Herrschaft war, mit jeweils verschiedenen Mitteln das Eigendasein des jüdischen Volkes trotz der gewaltigen Uebcrmacht der hellenisierten heidnischen Welt aut politischem Wege zu retten. Es zeigte sich aber, daß dies in der damaligen Weltsituation eine unmögliche Aufgabe war. Einen anderen Weg, und mit weit größerem Erfolg, schlugen die Pharisäer ein: den der geistigen Er- Ziehung, Umbildung und Konservierung der Nation durch das religiös-sittliche Gesetz. Literatur. Die Geschichtsq«eilen für die behandelte Epoche sind: die Apokryphen, die griechisch geschriebenen Makkabäerbücher (I und II) und die Werke von Josephus Flavins (Jüdische Altertümer; Jüdischer Krieg; deutsche Ueber- Setzung von H. Ctcmentz). Die beste deutsche Uebertragung der Makkabäerbücher ist die von E. Kautzsch (in: ״Die Apokryphen und Pseudepigraphen“; Neudruck 1921). Eine Auswahl aus dem ersten Buch •der Makkabäer enthält das vierte ״Jüdische Leseheft״ des Schocken Verlags. — Wissenschaftliehe Arbeiten über den Makkabäerau fstand und die Hasmonäerkönige: E. Meyer, ״Ursprung des Christentums“, Bd. II; E. Schürer, ״Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu“, Bd. I; H. Willrich, ״Juden und Griechen vor der makkabäisehen Erhebung“ (1895); V. Aptowitz.er, ,.Parteipolitik der Hasmonäerzeit“ (New׳ York 1927); E. Bickermann, ״Die Makkabäer“ (Schocken - Bücherei, 1935); ״Der Gott der Makkabäer“ (Schocken, 1937). — Von den Werken, die über die Pharisäer und Sadduzäer handeln, sind hervorzuhehen: Bousset-GreBmann, ״Religion des Judentums“ (1926); I. Elbogen, ״Die Religionsanschautingen der Pharisäer“ (1904); R. Leszynski, ״Die Sadduzäer“ (1912); R. Tr. Herford, ״Das pharisäische Judentum“ (1928; Ucbcrsetzung aus dem Engfischen); L. Baeck, ״Die Pharisäer“ (1927). Dr. J. H. jüdische Gedenkstätten in Frankreich Unser Pariser K.-Berichterstatter schreibt uns: Unter dem Titel ״Les Souvenirs isradlites en France“ hat die staatliche französische Fremdenverkehrszentrale eine kleine, in der Form sehr gefällige Broschüre über die jüdischen Kunstdenkmäler und Gedenkstätten in Frankreich herausgegeben. Die kleine Schrift wird von dein Staatskommissar für die französische Freindenindustrie P. R. Roland-Marcel cingeleitet, der die Gelegenheit benutzt, um auf die tiefe Verbundenheit der französischen Juden mit der Geschichte des Landes hinzuweisen. .Die Broschüre gibt darin einen kurzen Abriß der Geschichte der Juden in Frankreich, der zeigt, wie in der Neuzeit aus den beiden Strömen der aschkenasisclien Juden aus dem Elsaß und der sephardischen Juden, die sich vor allem in der Gegend von Bordeaux niedergelassen hatten, das französische Judentum entstanden ist. Da die jüdische Geschichte in Frankreich durch die Judenvertreibungen des Mittelalters unterbrochen wurde, so ist Frankreich arm an jüdischen Gedenkstätten aus dieser Geschichtsperiode. Die ältesten und interessantesten Kultstätten aut französischem Boden stammen erst aus dem 18. Jahrhundert und befinden sich im Süden Frankreichs, vor allem in Carpentras und Cavaillon. Paris, wo heute die überwiegende Mehrzahl der französischen Juden leben, ist vom Standpunkt der jüdischen Geschichte und Kunsthistorik vor allem durch die Ausgrabangen, die sich im Louvre-Museum befinden, durch die Münzensammlung in der Nationalbibliothek und durch die Rothschildsehe Judaica-Sammlung, die im Cluny-Museum ausgestellt sind, bemerkenswert. Die Broschüre empfiehlt außerdem den Besuch des Pariser Judenviertcls, das sich um die Rue des Rosiers gruppiert. Als historische Kuriosität sei erwähnt, daß sich die Juden bei ihrer Rückkehr nach der Vertreibung ungefähr an der gleichen Stelle in Paris niederließen, die sie bereits im Mittelalter bewohnt hatten. Es wird dann ein Ueberblick über die jüdischen Gemeindet! im Elsaß gegeben, die zahlreiche Erinnerungen aus der Geschichte der Juden in dieser Provinz bewahren. Die tiefsten Spuren hat aber die jüdische Siedlung in Frankreich in den alten Provinzen des ״Midi“, in der Provence und Languedoc, hinterlassen. Zahlreiche Dokument» und Monumente zeigen, welche gro-ße Rolle die Juden in der Kulturgeschichte dieser Gegenden gespielt haben. Das bemerkenswerteste Denkmal, das über die frühe Anwesenheit von Juden im französischen Süden Auskunft gibt, ist ein Gedenkstein aus dem Jahre 6S9, der im Museum von Narbotine ausgestellt ist. Auf südfranzösischem Boden belinden sich auch die schönsten alten Synagogen Frankreichs in Carpentras und Cavaillon, die im 18. Jahrhundert aut den Grundpfeilern der mittelalterlichen Tempel errichtet wurden. Die bedeutende jüdische Gemeinde in Bordeaux ist von portugiesischen Juden im 16. Jahrhundert gegründet worden. Die Broschüre des französischen Fremdenverkehrsbüros erteilt außerdem auch Auskunft über die wichtigsten jüdischen Organisationen in Frankreich. Kleine Nachrichten Prof. Aron Ecker mann, ein jüdischer Gelehrter ln Rio de Janeiro, der zu einem wissenschaftlichen Kongreß in Buenos Aires eintraf, erklärte Pressevertretern, daß es unrichtig sei, daß jüdische Einwanderer aus Brasilien deportiert worden seien oder daß eine derartige Absicht bestehe. Die Regierung Vargas sei keineswegs antisemitisch. Bei den Wahlen in Sowjet-Rußland wurden, wie berichtet wird, in dem jüdisch-autonomen Bezirk Biro- Bidscha« (Amur-Gebiet) drei Juden in den Obersten Rat gewählt, namens Goldmacher, Heller und Lischanskaja. Bei den Ueberschwemmungen des Tiber in Rom wurde, wie von dort gemeldet wird, auch das auf der Tiberinsel gelegene jüdische Krankenhaus sfark mitgenommen. Die Kranken mußten in andere Krankenhäuser gebracht werden. Das Präsidium der Agudas Jisroel hat eine Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel zu einer Tagung in Basel vom 26. bis 28. Dezember berufen. Im Mittelpunkt der Tagung stehen Erez. Jisroel-Angelegenheiten, ferner Auswanderungsfragen. Die Firma Jacob Sondhelm, Vereinigte Schürzen- und Hosenträgerfabriken in Leipzig, ist an die Herren Alfred und Kurt Leibfried übergegangen. Dr. Kalman Friedman wurde zum Oberrabbiner von Florenz als Nachfolger von Prof. Umberto Cassuto ernannt. Der englische Pazifist George Lansbury hat während seines Warschauer Aufenthaltes das J udenviertcl besucht. Der Präsident der Amsterdamer aschkenasisclien Gemeinde M. A. Asscher erhielt die Ehrenlegion. Die ״H a b i m a h" traf zu ihrem Gastspiel in K o w n 0 ein. Stefan Zweig hat der Wiener Nationalbibliothek eine Spende aus seinen Sammlungen gewidmet. Die Widmung enthält eine Kollektion von 101 Handschriften, die von 80 hervorragenden Autoren der Gegenwart stammen. ״Wo isf mein Kind?“, ein jiddischer Tonfilm mit Cillie Adler, wird in New York gespielt. In New York starb Jacob J. Tauben haus, _ ein bekanntcr amerikanischer Pflanzenphysiologe. Er war im Jahre 1884 in Safed geboren. Prof. Samuel steinherz in Prag hat dieser Tage seinen 80. Geburtstag gefeiert. Steinherz war seit 1901 aufkrordentlicher und seit 1908 ordentlicher Professor der Geschichte an der deutschen Universität in Prag und hat eine große Zahl von historischen Arbeiten veröffentlicht, insbesondere bahnbrechende Arbeiten über die Geschichte des Papsttums. 1928 wurde Steinherz wegen seines hohen Alters pensioniert. Mit seinem Namen ist eine in jüdischer Beziehung interessante akademische Episode verknüpft. Im Jahre 1922 wurde er zum Rektor der Prager deutschen Universität gewählt, und obwohl es bis dahin üblich war, daß jeder für dieses Amt gewählte Jude auf die Ausübung verzichtete, hat Steinherz die Wahl angenommen. Es kam zu völkischen Studentendemonstrationen und schließlich zu einem offiziellen Schritt des Akademischen Senats, der Steinherz zum Rücktritt aufforderte. Er hat dies abgelehnt und erst zu einem späteren Zeitpunkte seine Demission eingereicht, die aber vom Unterrichtsminister nicht bestätigt wurde, so daß Steinherz die Rektoratsgeschäfte formell bis zum Ende dos Amtsjahres führen muBte. — Diese Episode hat zweifellos dazu beigetragen, das Verständnis Prof. Steinherz’ für die Judenfrage zu stärken. Nach seiner Pensionierung hat er sich fast ausschließlich in den Dienst der jüdischen Gesell ichtsforsch ung gestellt. I« einem Sammelwerk ״Die Juden in Prag“ (1927), das von ihm redigiert wurde, hat er einen Aufsatz über die Einwanderung der Juden in Böhmen geschrieben, in dem er die ersten Spuren jüdischer Niederlassung bis ins neunte Jahrhundert zurückverfolgt, ln den letzten zehn Jahren hat er eine ganze Reihe von Abhandlungen zur Geschichte der Juden it! Böhmen veröffentlicht. Prof. Steinherz genießt einerseits in der wissenschaftlichen Welt, anderseits in der jüdischen Gesellschaft der Tschecho- Slowakei großes Ansehen. Ein Sohn des Gelehrten lebt als Chemiker in Palästina.