Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1937)
- Date
- 1937-12-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr.21 ,וסז. XII. 37» ו JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 rtmtL //t yy A'///״y/y ׳■ ׳־yy. Der Glaube an die Wissenschaft ״Human Affairs“, hrsg. von R. B. Catteil, J. Cohen und R. M, W. Travers. — Macmillan & Co., London 1937. Drei junge englische Wissenschaftler — der Verlag bemerkt auf dem Buchumschlag, daß ihr Durchschnittsalter 27 Jahre beträgt — haben sich zusammengetan und eine Reihe namhafter Gelehrter aufgefordert, sich zu der Cirundfrage zu äußern: Was kann die Wissenschaft tun, um dem fortschreitenden Verfall unseres Lebens zu begegnen? Eine wichtige Frage; und sie geht von der idealistischen Voraus- Setzung aus, daß die Wissenschaft in der Tat Heilkräfte in sich birgt, die nur angewandt werden müssen, lim zu einem positiven Ergebnis zu führen. Diese Grundhaltung gibt dem Werk eine erfreulich optimistische Prägung, die um so mehr auffällt, als in den letzten Jahren ein nicht unerheblicher Teil der englischen wissenschaftlichen Literatur eine pessimistische oder doch stark skeptische Note hatte. Da das Werk 15 Beiträge umfaßt, ist es unmöglich, jeden einzelnen im Rahmen einer kurzen Besprechung zu würdigen. Hervorzuheben ist, daß einige jüdische Gelehrte mitearbeitet haben: der Psychologe David Katz gibt einen eitrag zum Problem des Hungertriebes; der Londoner Profcssor M. G ins b erg schreibt über ״Soziologie und mcnschliebes Leben“; Prof. B. Malinowski findet überraschende Parallelen zwischen dem Leben primitiver Völker und den Hochkulturen und kommt zu weittragenden Schlüssen; Prof. Karl Mannheim gibt eine Darstellung der gegenwärtigen Tendenzen zum Aufbau einer neuen Gesellschaft. Unter den übrigen Arbeiten lieben wir hervor: Prof. Haldanes Studie über ״Gesellschaft als biologisches Experiment“, Lord Raglans Studie über ״Rasse und moderne Gesellschaft“; Sir Henry Brack enburys Abhandlung über ״Medizinischer Fortschritt und Gesellschaft“; die feinsinnigen Darlegungcn von Havelock Ellis über ״Eros im heutigen Lehen“; die psychoanalytische Studie Emanuel Millers über ״Neurose und Zivilisation" sowie schließlich die grundlegende Arbeit Prof. M c D o u g a i 1 s über ״Philosophie und soziale Wissenschaften". Dieser Ueberblick gibt jedoch keinen Einblick in den Reichtum dieses Ruches, das voller Anregungen ist. Nur einige Sätze mögen hier als Beispiel für die Haltung der Autoren zitiert werden; Malinowski sagt, daß es nur einen Weg aus den jetzigen Zeitschwierigkeiten gäbe: ״Die Errichtuiig einer rationalen und empirischen, d. h. wissenschaftlichcn Kontrolle des menschlichen Lebens. Das ist der Glaube derjenigen, die sicli zu dem vorliegenden geistigen Wagnis vereinigt haben, und das Ziel und die Voraussetzung dieses Ruches.“ McDougall fordert eine engere Verbindung zwischen Philosophie und Erfahrungswissonschaft: ״Aeltere Kulturen sind untergegangen und verschwunden, weil ihnen Wissenschaft und Philosophie fehlten. Die unsere ist mit einem gleichen Schicksal bedroht und mit schnellerer Zer- Störung als jene; nidit aus Mangel an Wissenschaft, sondern infolge einseitiger Entwicklung der Wissenschaften und infolge der Rückständigkeit der Sozialwissenschafteil, die allein unter der Führung der Philosophie unsere sozialen Systeme den raschen Wandlungen der Lcbcnsbedingungen anpassen können, die in immer steigendem Maße von den siegreichen Naturwissenschaften geschaffen werden. Diese verhängnisvolle Entwicklung der Wissenschaft ist eine Folge unseres Mangels an Weisheit und ein Zeichen der Notwendigkeit für eine bessere Philosophie.“ Gerhardt Neumann ... Philosophie Paul Siwek: ״Spinoza et le panthdisme religieux“. — Verlag DescI6e De Brouwer & Co., Paris 1937. Die schon sehr große Spinozaliteratur — von der Siwek einen Teil in einer Bibliographie von 10 Seiten zusammenstellt — hat durch das vorliegende Buch vom katholisdten Standpunkt aus eine Bereicherung erfahren. Das Buch Shveks zeigt, daß die Philosophie Spinozas immer noch als so lebendig empfunden wird, daß man es für notwendig hält, sich stets von neuem mit ihr auseinanderzusetzen. Der Verfass er tut es zwar von einem bestimmten dogmatischem Standpunkt aus, aber immer mit dem notwendigen Respekt vor dem Genius. Das Buch gibt im ersten Teil eine Biographie und die geschichtlichen Zusammenhänge, in denen das Werk Spinozas entstanden ist, im zweiten Teil wird an seinem religiösen System scharfe Kritik geübt. Bei der Beurteilung der Persönlichkeit Spinozas zieht Siwek vielfach dessen Vertrautheit mit dem Talmud heran, von dein er immer wieder behauptet, daß er eine ״doppelte Moral“ vertrete. Zu diesem Zweck werden sehr heterogene Stell ca des Talmuds zusammengefaßt. Einen Beweis für den Einfluß des Talmuds auf die spinozisiische Philosophie kann allerdings Siwek nicht erbringen. Er kann vielmehr nicht umhin, die zahlreichen nichtjüdischen Komponenten zuzugeben, die in Spinoza zusammenfließen. So muß Siweks Kritik am System vielfach unbefriedigt lassen, weil sie den Standort Spinozas kaum berücksichtigt. Da gegen die moralisehen Lehren Spinozas (Liebe, Menschheit, Frömmigkeit, Frieden usw.) nichts einzuwenden ist, läuft Sivveks Kritik darauf hinaus, daß das Christentum solche Lehren bereits vor Spinoza verkündet habe. N. Hermann Coliens Schriften zur Philosophie und Zeitgcschichte, herausgegeben von Albert Goerland und Ernst Cassirer (Veröffentlichungen der Hermann Cohen-Stiftung bei der Akademie für die Wissenschaft des Judentums). — Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß Hermanu Cohens Schriften zur Philosophie und Zeitgeschichte, die in! Jahre 1928 in zwei Bänden erschienen sind, inzwischen aut den Sch o c k e!1 Verlag übergegangen sind. Nicht nur für den philosophisch Interessierten haben diese Schriften Bedeutung, sondern auch für jeden, der die Gestatt Hermann Cohens als eines jüdischen Denkers in sich aufnehmen will. Hier finden sich u. a. auch seine Aufsätze über politische und zeitgeschichtliche Fragen. Gott und Welt. Fine erkenntnistheoretische Untersuchung von Prof. O. Ordinanz; 1. Teil: Ucber das Wesen der Außenweit und der Innenwelt. — Verlag Aurora, Cemauti (Rumänien) 1937. Diese Schrift ist das Buch eines Mannes, der, wie er selbst sagt, auf u n wi s s e 11 s c 11 a f 11 i c 11 e m Wege versucht, die letzten, tiefsten Probleme der Philosophie zu erleuchten, d. h. auf Grund seiner eigenen Vernunft und Erfahrung, ohne Rücksicht auf die bisherigen Ergebnisse der Philosophie. Aus seinen Erkenntnissen hebt der Verfasser selbst die Hypothese der Sinncnabstraktion und der von ihm so genannten Entmaterialisierung der Materie durch Sinne und Gehirn hervor. Für Lust und Unlust hat er die Bezeichnung ״psychische Schatten“ geprägt. Die umfangreiche Schrift, die sich mit dem Wesen der Außenwelt und der Innenwelt beschäftigt und dabei die Hypothese von der Identität von Innenwelt und Außenwelt, von der Immaterialität und Innenweltlichkeit unserer Außenwelt und der Duplizität des Effektes des Bewußtwerdens der Außenwelt vertritt, leidet allerdings an einer nicht gerade sehr Maren Sprache, was bei der Arbeit eines Nichtphilosophen, der sich von der Last der philosophischen Formulierungen befreit hat, besonders zu bedauern ist. —n. Leone Ebreo: The Philosophy of Love (Diaioghi d’Amore). ~- The Soncino Press, London 1937. In einer vorzüglich ausgestatteten Publikation bat die Soncino Press eine Uebcrsetzung des philosophischen Hauptvverks von Leone Ebreo, des Sohnes Jizchak Abravanels, herausgebracht. F. Friedeberg-Seeley und Jean H. Barnes haben es verstanden, aus der italienischen Fassung eine flüssige englische Uebertragung zu schaffen. Die Gespriiehsform des Buches, wie sie die Renaissance gern verwandte, ist für den heutigen Leser etwas ermüdend; dennoch finden sich zahlreiche Ferien in diesen Dialogen, die auch über die jüdische Haltung von Leone Ebreo manchen Aufschlttfl geben. Cecil Roth hat dem Buch ein Vorwort beigesteuert, in dem besonders eine neue Hypothese über die bisher noch ungeklärte Frage, in welcher Sprache die Dialoge ursprünglich geschrieben worden sind, von Bedeutung ist. Man nahm an, daß Leone entweder hebräisch oder spanisch geschrieben hat. Nun weist Roth darauf hin, daß es im Britischen Museum ein Manuskript gibt, von dem er mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen möchte, daß es eine Abschrift des Originaltextes der Dialoge sei. Dieses Manuskript ist in Ladino, dem ״Jiddisch“ der Sephardim, abgefaßt, so daß Roth also annimmt, daß Leone in seiner Muttersprache geschrieben hat. Eia Beweis für diese These kann freilich noch nicht erbracht werden. N. 1ll1IIH1n!!Mt111tl1ll11U1lllll!llllMI1|11ltl11II!tlMII|lll1lllllllil1lllll1t1n11l1lt11llltltlilllltll1!1tlllllllllUIIIIIUilllllllltll)llllt1IM1!i1llllll11l1lllllllllllll!itllllil1IUItlliilllll;ll:!ll!ll!llll!llll1ll1IIIItl!lllllllI!l!l!lll1IIIIMI!!lllt<ltlllllMlllll1<l1!lll1nm1lltl1gmmttllllllllIilll1)llffl Der gefährdete Geist Paul Valdry: Die Politik des Geistes. — Bermann-Fischer Verlag, Wie» 1037. Diese Schrift ist eine Uebcrsetzung eines Vortrags, den Valdry 1932 gehalten hat. Mit Klarheit und Eindringlichkeit legt er die Unruhe und Unordnung dar, in der sich nicht nur die Welt, sondern auch die geistige Welt befinden — Tatsachen, die den Geist zu einer Vorsorge für seine Zukunft zwingen müßten; das ist es, was Val^ry unter ״Politik des Geistes" versteht. Seine Kritik an der heutigen Gesellschaft läuft darauf hinaus, daß sie den Menschen durch Schabloiiisierung und Gewöhnung ans Oberflächliche unschöpfcrisch mache: ״Wir haben verlernt, in Muße zu reifen". Einen Ausblick zur Ueberwindung der Krise gibt der Verfasser freilich nicht. —nn. Jehuda Ehrenkranz: Verteidigung der alltäglichen Worte. — Saturn-Verlag, Wien. Der Titel dieses Buches läßt eine leicht intime Unterhaltung mit dem Verfasser erwarten. Wir nehmen Worte und nicht nur alltägliche in den Mund, als ob sie gar nichts wären und keine ehrwürdige Geschichte hätten. Schließlich wird es kaum ein Wort geben, das nicht allmählich an Bedeuhing gewonnen oder verloren hätte. Man macht sich also auf eine Unterhaltung gefaßt, wie sie etwa in dem sprachliebenden französischen Volk begehrt sind: Darf man das sagen? Gibt die Pedantin Grammatik dazu ihre Erlaubnis? im Anfang ist das auch das Verfahren von Ehrenkranz und man beteiligt sich gern an diesem dialogischen Hin und Wider. Dann vergißt er allerdings sein Vorhaben und geht direkt an die Untersuchung nicht mehr von Worten, sondern von Begriffen: Also ein Entweichen aus einem hilologischen in ein philosophisches Spiel des Geistes. Ehrenranz ist ein Schüler von Schopenhauer und stellt seinen Satz als Motto voraus: ״Alles ist Angst vor dem Tode. Alles ist Wille zum Sein.“ Es kommt immer darauf hinaus, und wenn man sich nur die Schuhe anzieht. lixiglische Zionsgediditc Brand Plucked from the Flre (״Ein Scheit aus dem Feuer gerettet“, vgl. Sach. 3,2). By Jessie Samt er. Philaaelphia 1937. Jessie Samter, eine amerikanische Jüdin, ist vor mehr als 50 Jahren in New York in assimiliertem Milieu geboren und ohne Zusammenhang mit jüdischen Dingen auf gewachsen; erst später hat sie den Zionismus kennengelernt und wurde davon im Innersten gepackt. Seitdem ist sie mit allen Fasern ihres Herzens mit dein jüdischen Volk verbunden. Und es ist ein reiches, ein tief empfindendes Herz voll echt weiblieber Güte und Mitfühlensfähigkeit. Ihr Leben gehört Israel und Palästina. Sie schloß sich unter dem Einfluß von Henrietta Szold der ״Hadassah“ an, und 1919 übersiedelte sie nach Jerusalem. Später ging sie nach Reehowoth und schließlieh in die Kwuzah Giwatli Brenner. Aus Palästina sendet sie seit vielen Jahren ihre Briefe an die amerikanische Judenheit, in denen sie Kunde gibt von dem neuen Leben in Ercz Israel. Jessie Samter hat nunmehr ihr lyrisches Werk, das auch ein Niederschlag ihres merkwürdigen Lebens Ist, in einem Gcdichtband gesammelt, der von der Jüdischen Verlagsgcsellschaft Amerikas (Jewish Publication Society, Philadclphia) heratisgegcben wurde. Sie besingt das Land Israel und den jüdischen Menschen, das Landleben und die kleinen Ereignisse des Alltags. In all den Vorgängen des jüdischen Lebens im Lande spürt sie den tieferen Zusammenhang. Die Gedichte atmen tiefe Religiosität und Gemeinschaftsgefühl, und vor allem Liebe zum Volk. Diese rührenden Gedichte werden gewiß einen Widerhall finden, sie werden die englischsprechenden, vor allem die amerikanischen Juden die Stimme Palästinas hören und miterlcben lassen. Lewis Browne: La Vie des Juifs. — Verlag Gallimard, Paris 1937. Browne erzählt in einem kleinen Bündchen die lange Geschichte des jüdischen Volkes von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage. Er erzählt sie auf eine Weise, die den Leser in fortgesetzter Spannung hält und das Interesse für den Helden — das jüdische Volk — wach hält. R. L, Ein ״HerzI - Jahrbuch“ HerzI-Jahrbuch, herausgegeben von Dr. Tula Nüssen* blatt. — Dr, Heinrich Glanz Verlag, Wien. Der verdienstliche Historiker Nussenblatt (Wien), der sich die Herzlforscliung zur Lebensaufgabe gemacht hat, ist an die Schaffung eines Theodor Herzl-JahrLuches herangegangen, dessen erster Band im Verlag Dr. Heinrich Glanz (Wien) kürzlich erschienen ist. Die Absicht dieser Publikation ist anscheinend die, mit der Zeit alles über HerzI irgendwie erreichbare Material der Oeffcntlichkeit zugätiglich zu machen und gemeinsam mit Aufsätzen über HerzI periodisch zu publizieren. Das ist ein ausgezeichneter und guter Plan. So sehr wir uns darüber freuen, so muß man gewissenhafterweise and! naheliegende Bedenken geltend machen. Der Zwang eines Jahrbuches könnte dazu verführen, auch darin Veröffentlichungen vorztinehmen, wenn das aufgefuudene Material spärlich ist. Gerade wer Herzls Per* sönlidikeit und historische Rolle als einen unvergleichlichen Abschnitt der jüdischen Geschichte der Neuzeit einschätzt, wird daran zweifeln, ob jedes kleine persönliche Dokument von nur privatem Charakter aus Herzls Leben für dieOeffcnt* lichkcit ein Interesse hat. Der Heratisgeher wird sicherlich in der Aufnahme von Beiträgen mit starker Auswahl verfahren. Auch Artikel über HerzI sind in den letzten 35 Jahren in so unübersehbarer Menge veröffentlicht worden, daß bei weiteren derartigen Acußerungcn nur das Wesentliche Auf* nähme finden sollte. Die Gefahr, daß es sich bei solchen Artikeln um die Variation von oft Gesagtem oder um sen« timentale Ergüsse handelt, ist außerordentlich groß. Inter« cssierers würde eine u nab hängige Ansicht,’ etwa das Bild, das sicli vom Standpunkt der jungen Generation von heute über die Herzische Zeit formt oder aber eine ernst* hafte Diskussion von Problemen, die wir zum Teil not* wendigerweise anders sehen als hier/!. Vielleicht würde sich empfehlen, in Zukunft das Jahrbuch, dem man noch viele Bünde wünscht, so zu gestalten, daß cs von Herzls Person unabhängiger wird und mit Arbeiten über seine Person solcha über sein Werk, d. 11. den Zionismus, verbindet. Diese einleitenden Bemerkungen sollen keineswegs ded Wert des ersten Herzl-jahrhuchcs herabsetzen. Der vorliegende Rand ist den Klippen entgangen. Diesmal können das größte Interesse die Herzl-Bricfc aus den Jahren 1878 bis 190 1 beanspruchen, etwa 100 Seiten umfassend und alle möglichen Gegenstände berührend. Aus diesen Briefen er* halten wir — .ähnlich wie ans den Tagebüchern — wieder ein erschütterndes Bild dieses bewegten, sich au!opfernden Lehens. Weniger interessant ist nach unserer Meinung das J u g e n d ־ T a g ebne h Herzls aus den Jahren le?2—18S6. Es ist wohl kein Vertrauensbruch, wenn wir verraten, daß dieses (im Jiddischen Wissenschaftlichen Institut in Wilna aufbewahrte) Dokument schon vor längerer Zeit der ״Jüdischen Rundschau“ zur Veröffentlichung angeboten wurde, doch haben wir von dem Abdruck abgesehen, weil dieses zufällig^ erhaltene Tagebuch über die Privatangelegenheiten eines jungen Studenten gewiß nichts mit der späteren historischen Figur Theodor Herzls zu tun hat. Ein der Herzlforschung gewidmetes Jahrbuch kann natürlich auch ein solches Dokument eher als eine Zeitung veröffentliche״, wenn man auf dem Standpunkt steht, daß auch der Privatmeiisch HerzI Objekt dieser Forschung sein soll. Der Band enthält auch Herzls Testamente und anschließend die letztwilligen Verfügungen von David Wolffsohn. Die einzelnen Beiträge des Herzl-Jabrbuelies und die mehr als 30 Mitarbeiter im einzelnen aufzuführen, würden den Rahmen einer Besprechung sprengen. Es sei nur noch er« wähnt, daß ein ganzer Abschnitt des Buches der Geschichte des I. Zionistenkongresses gewidmet ist. Das Buch enthält auch 27 Abbildungen, darunter faksimilierte Dokumente. Jeder Freund Tierzls und des Zionismus wird mit großem Interesse und Gewinn dieses erste Herzi-Jahrhuch in die Hand nehmen. Dem Herausgeber gebührt aufrichtiger Dank. sch. ״Die soziale Fürsorge Im Alten Testament“, von Prof. Dr, Norbert Peters. —- Verlag der Bomfaeius-Druekerei, Paderborn 1936. Wenngleich jeder gebildete Jude durch eigene Kenntnis der Bibel sich mit den Forderungen und Vorschriften der altjüdischen Individual- und Sozial-Efhik vertraut machen müßte, so sollte es doch auch eine Verpflichtung sein, sich zu vertiefen in eine so gründlich eingehende, auf wissen* scliaftlicher Forschung und durchdringende Einführung in den Geist und Gehalt der altjüdisclien Sozial-F.fhik aufgebaute Arbeit, wie wir eine solche aus der Feder Prof. Dr. Peters zu begrüßen haben. Wie Prof, Peters eingehend darstellt tuid durch die Fülle der Beweise dokumentarisch belegt, sind Gerechtigkeit und Liebe die zwei Hauptmotive der alttestamontlichen Sozialordnung. Mit tiefer Ergriffen« heit und fortreifiender Begeisterung müssen wir dm Ausführungen folgen, die in sachkundigster, streng Wissenschaftlieber Weise, wofür schon die überaus reichhaltige allseitige Literaturangabe spricht, behandeln: Das So/ialrccht des Alten Testaments im allgemeinen, das Eigentum und Seme Verteilung, soziale Fürsorge durch das Bodenrecht (ein bcsonders wichtiges und höchst aktuell wertvolles Kapitel), Familienfürsorge, Individualfürsorge, Fürsorge für einzelne Mensch engruppen usw. Otto J u 1 i u s b u r g e r Das amerikanisch-jüdische Jahrbuch (American jewish Ycar-Book) für 5698 ist der 39. Band dieser wichtigen all« jährlichen Publikation. Als Herausgeber fungiert jetzt Harry Schneiderman namens des American Jewish Committee. Das Jahrbuch ist 940 Seiten stark und bringt neben der ausführlichen von Harry Schneidcrman verfaßten Jahres- Chronik d.er jüdischen Ereignisse von 5697 (wobei die ausführliche offizielle Inhaltsangabe des Peel-Berichtes angehängt ist) eine Reihe von wichtigen Spezialartikeln. Wir erwähnen einen über hundert Seiten langen Aufsatz von Morris J. Karpf, dem Leiter der Schule für jüdische Sozialarbeiter in New York, bekannt als nicht zionistisches Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, über jüdische Ge nie in de- Organisation in den Vereinigten Staaten. Zwei Toten des letzten Jahres sind Spezialartikel gewidmet, darunter Prof. J. H. Qottheil von der Columbia-Universität, dem bekannten Orientalisten, der auch Mitbegründer der Zionistischen Organisation Amerikas und ihr erster Präsident war. Weiter enthält das Buch einen Artikel von Josef Klausner über die Universität Jerusalem nebst einem Beitrag von Samuel Finkel, dem amerikanischen Vertrauensmann der Universitas, über die Beziehungen der amerikanischen Juden zu diesem Institut. Geradezu unentbehrlich wird dieses Hand buch durch dia darin enthaltene Liste, sämtlicher jüdischen Organlsationen in Amerika sowie einer ganzen Reihe anderer organisatorischer und personeller Details. Der regelmäßige Anhang über die Statistik der Juden, der nicht nur die Juden in den Vereinigten Staaten berücksichtigt, sondern eine Statistik der Juden der Welt überhaupt sowie der wichtigsten Teile der Wanderbewegung gibt, wurde in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits zitiert; die Gesamtzahl der Juden in der Welt wird danach mit 15 525 000 berechnet. Außer den Berichten der herausgebenden großen Körperschaften ist ein Mitgüedef-Vcrzeiciinis der Jewish Publication Society (Philadelphia), die jetzt gerade ihr SOjährigcs Jubi״ Hum feiert und in deren Verlag das Jahrbuch erscheint, angefügt, * V * *IV * » J ** .*