Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1937)
- Date
- 1937-12-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ipipi יייוי u#m 1* 1 *j* 41 l wijpiu upiinpH^T .^:j. Jlllül, >P!7® ייי־ Nr. 101, 21. XIU937 J0DIS<־HE RUNDSCHAU Seite 3 Schwedisches Judentum Von unserem Berichterstatter Stockholm, im Dezember Historisches Die Einwohnerzahl Schwedens beläuft sich auf etwa «1A Millionen; jav,0u sjnc! 575g juderl) also 1°/O0; von 26 euroäischen Staaten haben nur 4 einen geringeren Prozentsatz uden aufzuweisen. Aus Deutschland kam im Jahre 1774 der erste Jude nach Schweden: Aron Isaac, Graveur aus Treuenbritzen in Mecklenburg. Ausführlich beschreibt er in seinen ״Erinnerungen“ seinen Werdegang, wie er trotz persönliehen Schutzes Gustavs III. unter Anfeindungen zu leiden hatte, sowie seine wechselvolien Schicksale, bis im Jahre 1838 ihm und seinen Kindern die bürgerlichen Rechte zuerkannt wurden. (Siehe seine Memoiren in der ״Schocken-Bücherei“. — A. d. R.) Verboten wurde ihnen, sich in Stockholm, Gotenburg, Marstrand und Norrköping niederzulassen; dieses Verbot wurde 1654 aufgehoben. (Heute kommen 4000 jüdische Einwohner auf Stockholm, der Rest verteilt sich auf die Provinz.) Im Jahre 1865 erhielten die Juden politisches Stimmrecht, und 1870 wurde die Emanzipation durchgeführt. (Heute können keine Juden dem Reichstag oder der Regierung angeboren, da diese Posten nur von Anhängern der Staatskiiche bekleidet werden dürfen.) Assimilation und Gemeindewesen Trotz der jungen Geschichte der Juden in Schweden (von Hugo Valentin in einem groß angelegten Werk hervorragend geschildert) gibt es starke Gegensätze zwischen den Älteingesessenen und den zugewanderten Ostjuden. (Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang Pro• fessor Raquer Josephsons [lund] kürzlich erschienenes Buch von der ״doppelten Loyalitat“, das beinahe den Standpunkt einer Ueber- Assimilation vertritt.) Taufen sind relativ sei- Synagoge in Stockholm. ten, Mischehen hingegen hoch sehr häufig. Von 2300 eingegangenen Ehen waren nach der letzten Volkszäh• lung 368 (1/g) Mischehen. Hierbei sind 20 0/0 männlichen und 11 % weiblichen Teils. Dennoch fehlt es den schwedischen Juden keinesfalls an Gemeinschaftsgefühl. Sie haben für die Auswanderer aus Deutschland und Für den Aufbau Palästinas bedeutende Summen beigetragen. Die Gemeinden umfassen liberale und orthodoxe Kreise. Ueber ihre finanzielle Lage herrscht vielfach eine falsche Vorstellung. Zwar verfügt die Gemeinde Stockholm über Donationsmittel von fast 3>/2 Millionen schwed. Kronen, aber hiervon dürfen nur die Zinsen verwendet werden, da nach testamentarischen Bestimmungen die Kapitalien unangetastet bleiben müssen. Die jüdische Presse in Schweden besteht aus zwei monatlieh erscheinenden Blättern: ״Judisk Tidskrift“, herausgegeben von Prof. Ehrenpreis, sowie ״Judisk Krönika“, ein tn ganz Skandinavien erscheinendes Organ, das vor einigen Janren durch Initiative des Skandinavisch-Jüdischen Jugendverbandes gegründet wurde (Redaktion: D. Brick). Antisemitismus Eine ״Judenfrage“ hat es bis vor wenigen Jahren in Schweden kaum gegeben; erst in jüngerer Zeit macht sich ein Antisemitismus bemerkbar. Es gibt in den größeren Städten Ortsgruppen der verschiedenen Parteien: Lindholm und Furngard, sowie mehrere regelmäßig erscheinende Wochenblätter mit antisemitischer Tendenz. In Studentenkreisen wird vor allem eine antisemitische Strömung deutlieh; aber auch sie ist nicht als sehr tiefgehend zu betrachten. Juden in Kultur und Wirtschaft Im geistigen jüdischen Leben haben wir den Dichter Oscar Levertin (ges-t. 1906), den Valentin als ״den bedeutendsten Vertreter der schwedischen Juden“ bezeichnet. Er war ein feinsinniger Essayist, Literarhistoriker, Kritiker, ein von der schwedischen Kultur beeinflußter Jude, was auch in seinen Arbeiten im Uitterton öfter zum Ausdruck kam. Ein hervorragender Literarhistoriker, der im schwedischen Kulturleben einen zentralen Platz einnahm, war der 1918 verstorbene Professor Karl W a r b u r g. Auch der einflußreiche Professor Martin L a m m bleibe nicht unerwähnt, über dessen Zugehörigkeit zu in Freundeskreise der Hebräischen Universttat in Jerusalem kürzlich au dieser Stelle berichtet wurde. Auf den! Gebiete der Malerei hat sich Qeskei Sa 10 man hervorgetan, der Lehrer des schwedischen Maler-Prinzen Eugen (Bruder König Gustavs V.), und heute ist einer der markantesten Repräsentanten Isaac Grünewald, seit einigen Jahren Professor an der Königl. Akademie, ein hervorragender Porträtist, dessen Farbenreichtum in der schwedischen Malerei tonangebend ist. — Unter vielen berühmten jüdischen Aerzten erwähnen wir den zum Zionismus sehr positiv eingestellten Kinderarzt Prof. Isaac J und eil. Daß Sven Hedin aus dritter Linie mütterlicherseits jüdisches Blut in seinen Adern hat, ist bekannt und wurde auch von ihn! selbst betont, — Durch ein außergewöhnlich reichhaltiges Schaffen zeichnet sich der Oberrabbiner Schwedens, Prof. Marcus Ehrenpreis aus. Er ist der schwedischen Außenwelt gegenüber einer der repräsentativsten Verfechter des Judentums in Schweden. — Im Wirtschafts bezirk gehört eines der vornehmsten Warenhäuser Schwedens, die ״Nordische Kompanie" in Stockholm, Josef Sachs. Hachscbarafa in Schweden Die Bestrebungen des modernen Judentums finden Ausdruck in der durch eine anonyme 50 OOO-Kr.-Spende errichteten Hachscharah-Farin (s. ״J. R.“ Nr. 94 vom 24. November 1936) Kibbuz Svartingstorf, Finja (Südschweden). Hier leben 30 Menschen, von denen im letzten Jahre 14 nach Palästina gingen. Das Hans (s. Abbildung) besteht aus 9 Schlaf rau inen, einem großen Speisesaal, ein Lesezimmer, eine moderne Küche, vielen Nebenräumen, Badezimmern mit fließendem warmen und kalten Wasser; das in schlechtem Zustande übernommene Gut, Hof und Felder sind schon durch energische Arbeit der Chawerim in guten Zustand gesetzt worden, — Die Jadeoirage im holländischen Parlament Von unserem Berichterstatter R L. Den Haag, 16. Dezember Bei Gelegenheit der Beratung einer größeren Zahl von Einbürgerungen kam es in der Zweiten Kammer zu einer lebhaften Debatte über die Judenfrage in Holland. Die Abgeordneten der Mussertbevvegung wandten sich gegen die Einbürgerung mit der Begründung, daß dadurch zu viele luden und damit volksfremde Elemente das niederländische Bürgerrecht erhielten, die nur den Einfluß der Juden in Holland verstärken würden. Sprecher der verschiedenen Parteien wandten sich mit Nachdruck ge!en das Bestreben, die holländischen Juden unterschiedlich zu behandeln und ihre großen Leistungen für das Land herabzusefzen. Der Justizminister begründete dies insbesondere mit den positiv-christlichen Grundlagen des holländischen Volkes. Die Einbürgerungen wurden mit 83 gegen 6 Stimmen angenommen. Von früheren Mitgliedern der Musscrt-Bewegung vwurde eine neue Partei, die ״Nederlandsche Volksparti j", egründet, die beschlossen hat, grundsätzlich keine uden als Mitglied aufzunehmen. Jahresversammlung der holländischen Zionisten Der diesjährigen Jahresversammlung des Niederländischen Zi o n i s t e n b u n d e s, die am 25. und 2(1. Dezember in Amsterdam stattfiudet, kommt eine besondere Bedeutung zu, die über den zahlenmäßigen Anteil dieser Landes- Organisation innerhalb der Weltorganisation hinausgeht. Es ist die Frage der Teilung, die vor allem das Thema der Verhandlungen bilden wird. Aber darüber hinaus haben sich in der organisatorisch wichtigen Frage der Zuständigkeit teästt mm, ■Saat? L־' iZs-ärb. ..ו.!«.׳►׳ Kibbuz Svartmgstor׳ Au!l.10![,״t01 iss! *SiSsi ■ .\• ׳ •7 ־ יי * .!> ’־ ’ ־;־* ■ י',** •״■^7•‘׳ ' " man hofft, in Kürze ihre Anzahl noch zu erhöhen. Für Sommeraufcnthalt bedürftiger jüdischer Schulkinder aus Deutschland haben sich dank der fürsorglichen sozialen Arbeit von Rabb. E. Kronheim sowie Frau Dr. Sophie Michaeli in den letzten Jahren erfreuliche Erfolge gezeigt. — Ein Sannnelkomitee für ausgewanderte Intellektuelle arbeitet hier unter der umsichtigen Leitung von Herrn und Frau Rechtsanwalt E. Löfgren (ehemaliger schwedischer Außen״ minister); dem Komitee gehört u. a. Selma Lagerlöf an, Niederlassung für Ausländer Bei Gründung selbständiger Unternehmen (über das Arigcstclltenverhaltnis berichteten wir in Nr. 97) muß der Antragsteller um Arbeits- und Auicritbaltsbewi'liguiig einkommen; diese erlangt er nur, wenn es sich um einen Virtschaftszweig handelt, den die Regierung für das Land von Nutzen hält. Er benötigt außerdem zur Gründung einel äi'.ei neliniens einen schwedischen Bürger, der hei (inimlmig einer Aktiengesellschaft verantwortlich niit/eiclincn muß. Die Be- Stimmungen hierfür wurden in den letzten Jahren sehr verschärft. Ausländer haben das Recht, nach?jährigem Aufenthalt im Lande (für manche Nationen noch langer) sich naturalisieren zu lassen. Die Bewilligung hierfür gibt es jetzt freilich nur noch in sehr seltenen Fällen. H. Ritter der Landesorga riisation grundlegende Differenzen ergeben. Die Mehrheit der Bundesmitglieder scheint der Auf- Fassung zuzuneigen, daß die Jahresversammlung durch Mehrheitsbeschluß die Propaganda allem für die Nein-Sager zulassen, für die anderen dagegen unterbinden dürfe, während eine Minderheit die Ansicht vertritt, daß eine Laudesorganisation keine Beschlüsse annehmen dürfe, die mit den Be- Schlüssen des Kongresses in Widerspruch stünden und eine Vertretung der verschiedenen abweichenden Meinungen über den Teilungsplan unmöglich machten. Die Aufstellung der Kandidaturen für den Bundesvorstand durch die einzelnen Ortsgruppen hat eine große Mehrheit für die Wiederbertcnnung der bisherigen Rundesfülirung ergeben, die den teilungsfeindiiehen Standpunkt vertritt. In einer Broschüre von Ir. M. van Sott ״Hoe körnen wij uit de Palestina-Impassc?“ wird der Standpunkt der Nein-Sager auseinandergesetzt, zugleich aber werden Vorschläge für eine Aenderung der Palästina-Politik gemacht. Der Standpunkt der Ja-Sager in Holland wird von M. Vr omen, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe Lecuwarden, in einer Broschüre ״De Tocstand“ dargelcgt. Die in Amsterdam bestehende ״Zionistische Arbeitsgeniein■ Schaft“, die sich die Heranziehung der Zionisten aus Deutschland zur zionistischen Arbeit zur Aufgabe gemacht hat, hat nach längerer Zeit ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Obwohl ihre Mitglieder auf seiten der von Prof, D. Cohen geführten Opposition stehen, hat sie eine Kommission gebildet, die an der Uebcrbrückung der bestehenden Gegensätze mitwirken soll. Dem Präsidenten der Klagenfurter Kultiisgemeinde, Nathan K r i e g s f e I d, wurde vom österreichischen Bundes- Präsidenten M i k 1 a s das Golden eY er dienstzeichen des österreichischen Bundesstaates verliehen. Die Mitteilung von der Auszeichnung des um die Kärntner judcnschafl verdienten Funktionärs ist unmittelbar an die Kultiisgemeinde gerichtet. Nachdrude verboten ״Damit du lebest“ Aus dem Jirmijah-Roman ״Höret die Stimme“ Von FRANZ WERFEL Franz Werfel hat in seinem neuen Roman das Leben des Propheten Jirmijah gestaltet. Das Buch (Verlag Zsotnay) von 756 Seiten, gibt innerhalb einer kurzen, im heutigen Palästina spielenden Rahmenerzählung eine packende und. erschütternde Darstellung der Wirksamkeit dieses großen jüdischen Propheten non seiner frühesten Jugend und seinem ersten Auftreten vor dem König Josijah; zugleich ein grandioses Gemälde der Zeit. Die Stelle, an der unsere Veröffentlichung beginnt, ist dem Schlußteil des Buches entnommen. Jerusalem wird von den Heeren Nebuhadnezars (Marduhh) belagert. Jirtnijah hatle gerade mit dem König Zidkijah eine Auseinandersetzung, in der er dem König dringend riet, sich zu unterwerfen, da der Kampf aussichtslos sei und auf diese Weise wenigstens das Volk und die Stadt gerettet werden könnten. Der König hat, unter dem Einfluß der Fürsten des Hofes, Jirmijahs Rat verworfen. Der Stoff ist, abgesehen von der Bibel, einem großen Publikum auch durch Stefan Zweigs ״Jeremias"-Drama bekannt, das in Berlin vom Kulturbund aufgeführt wurde. Die in dem folgenden Text erwähnte Hamutal, die Tochter Pharaos, ist König Josijahs Lieblingsfrau und die Mutter Zidkijahs, der seinerzeit im ägyptischen Exil nach Josijahs Tod Jirmijahs Schüler war. Nun sicht der alternde Jirmifah dem inzwischen nach vielen politischen Wechselfällen zum Königtum Judas berufenen Zidkijah gegenüber. * Einunddreißigstes Kapitel / DURCH DIE FINSTERNIS Der König hielt seinen Schwur. Er gab Jirmijah nicht in die Hand der Fflrsten, die ihn wie Spürhunde suchten und alle Orte umlauerten, wohin sie ihn geflüchtet wähnten. Indessen aber hielt er sich im Palast der Tochter Pharaos verborgen und betritt nur nachts den inneren Gartenhof, wo keine Wachen auf zogen. Den Tag verbrachte er mit den königlichen Frauen im Gemache der Königinmutter. Schlimm stand es um Hamutal. Die Krankheit ließ nicht von ihr. Doch nicht wie andere Kranke jammerte sie oder schwieg starren Blickes vor sich hin. Zwar war ihr Blick starr, doch sie sprach und sprach, ohne z.u klagen, mit eigentümlieh unstillbarer Geschäftigkeit des Mundes, als fürchte sie einen Rest von Worten in der Seele z.urüclczubehalten, M as sie aber sprach, das gedachte mit keiner Silbe der tödlichen Hochflut, die Davids Haus immer höher umbrandete. Für sie gab es nicht Babel und seinen Großherrn, nicht Hunger und Mangel jeglicher Art, nicht Mauerkampf und die entsetzliche Preisgegebenheil ihres Sohnes. Ihre gleichmäßig tröpfelnde Rede weilte in Libna, im Hause ihres Vaters, des Stadtlürsten, sie beschwor die mächtigen Zeiten ihres Gatten, da er das Passahfest des erneuerten Bundes mit dreißigtausend Gottgästen im Tempel feierte, da die Lilien und Anemonen schöner blühten in den Gärten und auf den Hügeln und Josijahs Losungswort übers ganze Land schallte: ״Gottes Freude.“ Auch von Noph erzählte sie viel und gerne, von den luftigen, schön bemalten Holzhäusern Aegyptenlands, von ihrem Hausgärtchen mit dem Weiher voll schwimmender Lotusblüten, von He-Nut-Dime, der zarten Freundin, die jung starb und Zenua genannt wurde. Maacha saß mit gesenkten Kopf da und schien dem trüb geläufigen Rinnsal der Krankenrerle gehorsam zu lauschen. Nur manchmal zuckte es in ihren Gliedern und das verschattete Miklchengesichl konnte die Grimasse der Verzvveiflung nicht schnell genug abvverfen. Sie ertrug nicht mehr die dahi nach wälzende Stimme der 'Mnnnesmuttcr, an deren Krankenbett sie gefesselt war. Die Erzählungen aus verwelkten Zeiten, die Maacha nicht erlebt hatte, trockneten ihr die Kehle ans. Anstatt stjllzusitzen und Totes anzuhoren, hätte sie oft s-clbst in einen langen zügellosen Angstschrei nusbrechen wollen. Die Sitte aber verbot es den Herrinnen im Frauenhaus, auch nur mit erhobener Stimme zu sprechen, geschweige denn durch Schreie sich Luft zu machen. Die Sitte verbot ferner, daß die jugendliche Schnur, war sie auch des Königs rechtmäßiges Weib, der Malinesin utter ehrfurehtslos ins Wort falle, So blieb Mmacha in die fortgesponnenen Erinnerungen eingefangen, in die sich Hamutal emsig einpuppte und von der Gegenwart absehied. Die junge Königin aber begehrte mit erstickender Macht, von nichts anderem zu hören als vom Heute, vom Morgen, vom Drohend- Künftigen, denn in ihr war keine Hoffnung mehr. Manchmal fing Jirmijah ihren schweifenden Blick ab, in dem nicht nur der Jammer einer Gefangenen zu lesen stand, sondern Haß gegen die eintönige Stimme der Kranlken. Jirmijah, der Maacha begriff, erbot sich, einen alten Wunsch Hamntals zu erfüllen. Wie er der Lehrer des Vaters gewesen, so hatte er nun Muße genug, der Lehrer der Söhne zu sein- In den Unterrichtsstunden aber, die sie wie in Nopli im gemeinsamen Wohngemaeh zu halten gedachten, würde der Redeström der Kranken gehemmt sein. Und so geschah es auch zu Maachas großer Dankbarkeit. Als Jirmijah in der ersten Lehre zu den Kindern z.u spreHie-n anfinu und ihnen vom ״Anfang“ erzählte, da vergaß die junge Königin Heute und Morgen- Adajah war acht Jahre all, Jechiel muh nicht sieben. Die beiden letzten Rrislein am Baume Davids hatten sich' recht gegensätzlich entwickelt, wie es unter zwei Brüdern der Lehensordnung gemäß ist. Adajah war Vntersobn durch und durch, der Schönheit und dem Wesen nach. Auf Zidkijahs Geheiß war für ihn vom Waffenschmied des Palastes ein kleiner Panzer und ein Helm mit Straußenfedern angefertigt worden, In dieser Kriegst rächt bewegte sich der Vatersoli n anmutig und mit ernstem Bewußtsein seines Ranges. Ein zugleich abweisendes wie herablassendes Etwas an dem Knaben erlaubte es selbst der Mutter und Großmutter nicht, seinem Eigenwillen zu nahe zu treten. Tadel duldete er nur unter vier Augen. Wer in Befehlsform an ihn ein Fordern stellte, dem wandte er den Rücken. Auch Jirmijah, seinem neuen Lehrer, gegenüber hielt er nuf Abstand, so klein er noch war. Mochte wer wollte ein Aus• gesonderter des Herrn sein; königliches Blut in den Adern, das war Aussonderung über jede Aussonderung. Adajah' schien dessen in jedem seiner Spiele bewußt zu sein. Jechiel, den Jüngeren hingegen, konnte man weniger ein Mutterkind als ein Großmutlerkind nennen, denn er hatte nicht Maachas herbes, sondern Hamutals weiches Wesen geerbt. Er dachte nicht an Panzer und Helme und tat bei den Kriegs« fielen seines Bruders ohne Leidenschaft mit. Am liebsten hätte et■ Mädchenklcider »md Mädchen schmuck ge״ tragen. Er liebte es, unter den Sächelchen der Frauen herumzuschnfilfeln, unter Myrrhen- und Nardenhüehsen, unter Nähzeug und Rändergevvirr. Die Silkcrschüsselchcn mit den winzigen Süßigkeiten und Näschereien, die für die. Herrinnen des Frauenhauses stets?.übereilet wurden, waren vor seinen Händen nicht, sicher. In seiner gefährlichen Vorliebe für Misch- und Wohldüfleaber hatte Jechiel eine arge Schwäche der Davidsöhne geerbt, eine der lasterhaften Eigenschaften alt,gewordenen Blutes. Diese Sucht ging so weit, daß ihn Maacha gar oft auf die Finger schlagen mußte, wenn er ein volles Fläschchen mit flüssiger Myrrhe oder arabischem Duftöl auf sein Kleid vergoß oder sogar sinnverwirrt an den Mund setzte. War Jechiel auch noch ein Spielkind u,nd Schmeichelfratz, so faßte sein Geist doch viel lebhafter auf als der stolz, von sich selbst durchdrungene des älteren Bruders. Dem Lehrer aber war für kurze Stunden wohl zumute, wenn er in diese schwer zu fesselnden Kinderaugen blickte,