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Jüdische Rundschau · 1937-12-17 · Heft 100 (17.12.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 100 (17.12.1937)
Date
1937-12-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. tOO, 17. XII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Jiddisches Theater in Warschau Wie bereits berichtet, hat auf Initiative des von Joschua Brandstätter und Margot Klausner geleiteten Instituts ״Moadim" ein ״Jüdisches Nationaltheater" in Warschau eine Reihe von Stücken in jiddischer Sprache zur Aufführung gebracht, die von palästinensischen Autoren stammen und teilweise aktuelle palästinensische Stoffe behandeln. Die Aufführungen, in deren Dienst, sich eine Reihe vorzüglicher jiddischer Schauspieler stellten, hatten einen großen Erfolg und haben über 45 000 Besucher zu verzeichnen. Die Truone wird ■'elzt in 38 anderen Städten Polens Aufführungen veranstalten. Unsere Bilder sind dem Stück ״Mischpal“ (״Das Gericht“) von Sulamith Batdori entnommen, das von Leopold Lindlberg inszeniert wurde. Das Stück spielt während der Unruhen in Palästina und behandelt in romantischer Weise das Schicksal dreier Gestalten, eines Juden, eines Arabers und eines Engländers, die während der Kämpfe fallen und nach ihrem Tode vor einem höheren Gericht sich zu verantworten haben. Jeder der drei erzählt dort sein persönliches Schicksal, und es wird offenbar, daß alle drei schwere menschliche Erlebnisse hatten und in einem höheren Sinne menschlieh miteinander verbunden sind, obwohl sie im Leben Feinde waren. In diesem Sinne liegt dem Stück die Tendenz zugrunde, zu zeigen, daß unter Zurückstellung der durch verhängnisvolle Zusammenhänge entstandenen Feindseligkeiten über alle Gegensätze hinweg eine Verständigung und ein gemeinsamer Aufbau möglich sein soll. — Das Bild links zeigt die Szene in der Baracke der jüdischen Siedler, die gerade von dem drehenden Uebcrfall verständigt werden. Das Bild rechts zeigt den Araber vor seinem Zelt, der durch die erlogenen Berichte des Effendi veranlaßt wird, in die Reihen der arabischen Terroristen einzuireten. Foto«: Moadim-Archi» llll!l!||lll(ll|||ll!l||lllllll|||||||||i||||!|||||||!||||||||||||||||||ll|||||||||||||!||||H|||||||||||||||||llll||||IHIIIII!lllllllll|IIIIIIIHIIIII!llllllllllll!ll!lltllllilllllllllllllillllllllllln1llllllllllllllllll!liil{lllltlllll!IIM!lllllllllnllilllllllllllllUIU!lllUMII!IIIUIIII!UIUmllUIIIUiUlllllllm Jüdische Musiker in USA. Aus Briefen Ausgewanderter Gegenüber meist unkontrollierbaren Gerüchten über das Ergehen von aus Deutschland nach USA. gegangenen jüdisehen Musikern ist es erfreulich, wieder einmal fcstzustcllcn, daß cs doch manchen Künstlern überraschend schnell gelingt, drüben Fuß zu fassen. Vor etwa einem Vierteljahr fuhr die bekannte Pianistin Lily Dymont hinüber, zunächst zu Freunden in die kleine Universitätsstadt Hanover, wo sie schnell einen Schüler- und Freundeskreis um sich versammelte und auch bald ein öffentliches Konzert gab. Das Programm dieses ״Piano Recital“ in der Webster Hall enthielt Bach, Mozart, Chopin und Toch, und die mir vorliegende Kritik der amerikanischen Zeitung beginnt: ״A thousand lovers of good niusic“; ״Tausend Liebhaber guter Musik waren gestern abend mehr und mehr fasziniert durch die vollendete L. D.“ Lily Dymont ist inzwischen nach New York gegangen und wird auch dort konzertieren. Aehnlich erging es dem bekannten Breslauer Pianisten Josef Wagner, der etwa zur selben Zeit in St. Louis eintraf. Der Brief, den er mir schrieb, ist so charakteristisch, daß es sich lohnt, ihn auszugsweise wiederzugeben: ״... ich bin nun seit zirka fünf Wochen in Amerika, zusammen mit meiner Familie (seine Gattin Z, W. ist die Schriftstellerin Lessie Sachs) und fühle mich sehr, sehr glücklich. Es wäre natürlich übertrieben und falsch, zu sagen, daß ich mich bereits ,eingelebt‘ und an alles Neue gewöhnt hätte... Und trotzdem haben wir sehr schnell Menschen gefunden, die uns helfen und sich für uns interessieren. Gerade im Mittelwesten gibt es eine Hilfsbereitschaft, die geradezu großartig äst. Man versucht dem ,iiew-conier Empfehlungen zu geben, ihm den Weg für seinen Beruf zu ebnen, man kümmert sich um das Kind, es vergeht kein Tag, an dem nicht Kunst und Wissenschaft in Wien Von unserem Berichterstatter J.R., Wien, im Dezember Das 125jährige Jubiläum der Gesellschaft der Musikfreunde, das jetzt in Wien durch eine Reihe musikalischer Festveranstaltungen feierlich begangen wird — das erste Festkonzert, das durch die Teilnahme des Kardinai-Erzbischofs I n n i t z e r und des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg ausgezeichnet war, wurde von Bruno Walter geleitet —, läßt auch eine Reminiszenz an eine jüdische Mitbegründerim dieser Gesellschaft, Fanny von Arnstein, auflcbe'n. Gattin des schwedischen Generalkonsuls Freiherrn Nathaniel von, Arnstein, spielte sie und der von ihr begründete Salon durch mehrere Jahrzehnte in der kaiserlichen Metropole gescllschaftlieh eine hervorragende Rolle. Fanny von Arnstein war zur Zeit des Wiener Kongresses eine der ersten Damen des damaligen Wien und gestaltete ihren Salon zu dem gescllschaftliehen, geistigen, politischen und künstlerischen Zentrum der Kaiserstadt. Die amtliche ״Wiener Zeitung“ rühmte neben der gesellschaftlich-geistigen Rolle Fanny von Arnsteins auch ihre große Wohltätigkeit. Die Gesellschaft der Musikfreunde ehrte die Mitbegründerin durch Aufstellung ihres von Kriehuber gemalten Porträts in der Galerie der Gesellschaft. * Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt der frühere Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, Bundeskulturrat Hofrat Professor Dr. S. Frankfurter einen Vortrag über die ״Geschichte Samson Wertheirtiers“. Hofrat Frankfurter, der mütterlicherseits von Samson Wertheimer abstammt, wies einleitend auf die Aktualitat dieses Themas hin. Das Hofjudentum sei keineswegs eine jüdische Einrichtung. Vermerkt aber müsse werden, daß kraft ihrer einflußreichen Stellung die Hofjuden für ihre Gemcinschaft gerade in jenen bedrückenden Tagen sehr viel Gutes taten. Der Vorwurf, daß sie ihre hervorragende Stellung oft auch zu persönlicher Bereicherung benützt haben, könne auch gegen nichtjüdische Männer in ähnlicher Position erhoben werden. » Der berühmte junge Wiener Klaviervirtuose Julius Chajes, der auch als Komponist schon große Erfolge zu verzeichnen hat, begibt sich in diesen Tagen in die Vereinigten Staaten, wo er eine Reihe von Konzerten absolvieren wird. angerufen oder dem Kinde etwas geschickt wird. Man hat Möglichkeiten, an den verschiedensten Schulen ... englisch zu lernen, ohne einen Cent dafür zu bezahlen... Wer wirklieh etwas leistet, kommt hier vorwärts, für ihn ist immer noch genug Platz vorhanden. Vielleicht habe ich persönlich besonderes Glück gehabt. Jedenfalls habe ich hier zunächst einigen Damen vorgespielf, die in jüdischen Organisationen tätig sind (Frauen haben liier in allen Organisationen stärksten Einfluß), und sofort wurde mir ein Konzert arrangiert und großzügig finanziert. Eine dieser Damen, die sich schon früher als Mäzenin bewährt hat, wird mir auch mein Konzert in New York finanzieren... Auch sind Möglichkeiten vorhanden, Lehrstellen an Konservatorien zu bekommen... Trotzdem werde ich nicht in $t. Louis bleiben... Ich müßte nach New York, Chikago oder Hollywood gehen (in Hollywood scheint jetzt, neben dem Film, tatsächlich eine neue Musikkultur aufzubliihen). (Kletnperer schafft sie — Dr. O. G.) Der zentrale Punkt für mich als Konzertpianist scheint New York zu sein... Um Mißverständnisse zu vermeiden: es wird im allgemeinen davor gewarnt, in New York hängen zu bleiben, damit nicht ein jüdisches Proletariat sich dort anhäuft. Das ist richtig und trifft sicher auf die allermeisten Berufe zu, in meinem speziellen Falle sehe ich keinen anderen Weg... Wer dagegen mehr eine Lehrstelle erstrebt, tut besser daran, in die Mitte oder in den Westen des Landes zu gehen...“ Inzwischen hat das Konzert in St. Louis am 21. November mit großem Erfolg bei Publikum und Presse stattgefunden. Das Programm enthielt Werke von Beethoven, Chopin, Schnmann, Mozart, Mendelssohn, Cosella und Josef Wagner selbst. Der Künstler wurde daraufhin als Leiter der Theorieklassen au das St. Louis Institute of Music berufen, dessen Leiter Gottfried Galston aus seiner Konzerttätigkeit in!Deutschland rühmlichst bekannt ist. Dr. Oskar Guttmann Vom Völkerbundskommissariat für Auswanderer In Amsterdam ist eine Konferenz des Verbindungs■ komitees beim High Commissioner für jüdische Auswanderer aus Deutschland eröffnet worden, an der Vertreter der jüdischen und nichtjüdischen Hilfsorganisation teilnahmin. Sir Ncill Malcolm ist bei der Konferenz anwesend. Das Hauptthema der Konferenz ist, die Basis für die zwischenstaatliche Konferenz vorzubereiten, die seitens des Völkerbundes zum 7. Februar 1938 einberufen worden ist. VereSnigungs ־ Bestrebungen in der jüdischen Wohlfahrtsarbeit Im Februar 1938 soll eine Tagung der größten jüdischen philanthropischen Organisation Europas und Amerikas stattfinden, die sich mit einem Plan für die Koordination der Kräfte auf dem Gebiete der jüdischen. Ökonomischen und sozialen Hilfe beschäftigen soll. Am 3Ö. November und 1. Dezember fand bereits eine Beratung hierüber in Paris statt. Als ihr Resultat ist ein internationales Komitee dieser jüdischen Organisationen gebildet worden. Testament eines südafrikanischen Philanthropen Isaac Och berg in Kapstadt, ein jüdischer Financier und Philanthrop, ist gestorben. Er war Präsident der Kapstadter Zionistischen Organisation. Der Verstorbene hinterließ £ 25 000 für die Schaffung eines Fonds zur AnsierJlung armer Juden in Palästina, weiter £ 10 000 für Stipendien an der Jerusalemer Hebräischen Universität, und £ 10 000 zur Ausstattung jüdischer Mädchen aus Polen, die Pogromopfer sind._ Wie die ״Agudas Jisrael“ mitteilt, findet in Warschau, In Vorbereitung einer gemeinsamen Konferenz zwischen Agudas Jisroel und Misrachi zur Feststellung gemeinsamer Arbeitsgebiete, eine vorläufige Aussprache zwischen dem Vorsitzenden des Misrachi, Rabbi Meier Berlin und dem Vorsitzenden der polnischen Landesorganisation der Agudas Jisroel, I. M. Lewm, statt. König David stirbt Alle Tage hindurch sab David über der Lehre, und so war es audi an dem Tage, an dem er sterben sollte. Der Todesengel kam, er konnte aber David nicht überwinden, denn dieser unterbrach das Lesen nicht. Der Würgengel sprach zu sich: was Ist zu tun? David aber hatte einen Garten hinter dem Hause, in den schlich sich der Bote des Todes und madite die Zweige der Bäume rascheln. Da ging David hinaus, um zu erfahren, was das Geräusch bedeute• Aber eine Stute brach entzwei unter seinen Füßen; er hörte för einen Augenblick mit dem Hersagen der heiligen Warte auf und schwieg, und in dem Augenblick entwich seine Seele. Midrasch zur Mafien ah für Schab bat, iä. Dezember 1937 (Aus: Bin Gorion, ..Sagen der luden". Sdtodten Verlag, Berlin.) ״Gruppe deutsch sprechender Zionisten“ in Buenos Aires Aus Buenos Aires wird uns geschrieben : Die Gruppe wurde unter Mitwirkung des Delegierten der Jewish Agency, Dr. Mibashan, im Dezember 1030 gegründet. Sie hatte zunächst etwa -10 Mitglieder, deren Zahl inzwischen auf 130 gestiegen ist. Es finden mehrmals im Monat sehr gut besuchte Vortragsabende, meist über aktuelle, zionistische Themen, hin und wieder aber auch Vortragsabende kultureiler Art statt. Die Gruppe besitzt ein Heim, in welchem eine reiche Auswahl von zionistischen und jüdischen Zeit- Schriften ausliegt. Die Gruppe sieht es als ihre Aufgabe an, die jüdischen Emigranten aus Deutschland und anderen Au»Uuds£ota deutschsprachigen Ländern zu erfassen, und auch in den Kreis derjenigen deutschsprcchenclen Juden vorzudringen, die hier seit Jahrzehnten ansässig sind. Durch ihre Vorträge und ihre ständigen Veröffentlichungen ist es der Gruppe gehingen, trotz der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Be- Stehens der zionistischen Bewegung viele Sympathien zu gewinnen. Den Höhepunkt der Arbeit bildete eine ״Oeffentliehe Verhandlung in Sachen des Judenstaates׳‘, welche an zwei Abenden vor sich ging und jedesmal von rund HMX) Personen besucht war. Als eine weitere Leistling der Gruppe ist die Gründung der ihr angeschlosseuen ״Turn- und Sportgruppe Bar Koch b a“ zu werten. Mit dieser Gründung wurde der Zweck verfolgt, den deutschsprechenden Juden Gelegenheit zu sportlicher Betätigung und zu kameradschaftlicher Geselligkeit zu geben und ihnen, soweit sie zionistischen Ideen fern stellen, die 11aiio11a!jüdisd1e Idee nahezubringen. Der Bar Kochba ist heute vier Monate alt, zu Anfang hatte er 10 Mitglieder, heute hat er weit über 300. (Unser Bild zeigt eine Szene aus der von der,.(iruppe deutschsprechender Zionisten" in Buenos Aires veranstalteten .,Verhandlang über den Judenstaat“. Blick auf die Vorhandlungstribüne. Von links nach rechts: .\\. Lutzky, Anklage- Vertreter; Dr. Harry Cohn, Präsidium: Dr. A. Mibashan, Verteidiger; Hermann Wolffsohn, Präsidium,) Ernest Bloch-Konzert in London. Soeben hat in London das erste der drei großen WerbeLonzertc stattgefunden, die von der jüngst in London gegründeten Bloch-Society (vgl. ״J. R.“ Nr. %) veranstaltet werden. Das Programm umfaßte das ״Poeme Mystique“ für Violine und Klavier, das Briefmarken Fr itz Lewin mtzowstr.91a Streichquartett und als europäische Erstaufführung ״Voice in the Wilderness“ (״Der Rufer in der Wüste“) für Cello und Klavier. Das letztere ist ein suitenähnliehes Werk in sechs verhältnismäßig kurzen Sätzen, das auch in einer, zeitlich späteren •rchestralen Fassung existiert und in seiner stilistischen und geistigen Haltung mit der älteren ״Schclomo“« Rhapsody verwandt ist. Der Gesamteindruck dieses Abends bestärkte den aus früheren Aufführungen gewonnenen Eindruck, daß das moderne Schaffen in Einest Bloch trotz offensichtlicher Schwächen seiner Musik, wie einer zu losen Form und der einseitigen Kultivierung einer bestimmten, umgrenzten Ausdruckssphäre, einen Komponisten von . eigenartigster Persönlichkeit, hohem Ethos und stark individueller Tonsprache besitzt. Die Mitwirkenden dieses interessanten Abends: Max Rostal (Violine), Franz Osborn (Klavier), Nikolai Ciraudan (Cello), Hansi Freudberg (Klavier) und das Griller String Quartett gaben ihr Bestes. Das Publikum, unter deil! sich zahlreiche Vertreter des englischen Musiklebens befaulen, bekundet« sein Interesse mit spontanem Beifall. . Dr. M. C a r 11 c r (London) £»as ״Sir Moses Montefiore-Gedenk-Komitee“ in I ondou legt tsoeben einen Bericht über seine Tätigkeit vor. Es wurde im ]ihre 1935 beschlossen, zmn Gedächtnis Montcfiores einen Lehrstuhl für englische Sprache, Geschichte und Kultur in Jcrusdiem zu gründen; doch konnte bisher die erforderliche Summe noch nicht ganz aufgebracht werden. Der Vorschlag des Komitees, der Universität für einen Zeitraum von fünf Jahren', jährlich £ 1000 zur Verfügung zu stellen, wurde von der Universität angenommen, und das Komitee wurde aufgefordert, bei der Berufung des ersten Inhabers dieses Lehrstuhls mitzuwirken. Im März 1937 konnte dann Mr. A. A. Meiidilow als vorläufiger Inhaber des Lehrstuhls seine Tätigkeit beginnen; man hofft, im nächsten Jahre eine endgültig* Berufung vornehmen zu können. t

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