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Jüdische Rundschau · 1937-12-14 · Heft 99 (14.12.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 99 (14.12.1937)
Date
1937-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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m זר"־־־ JÜDISCHE RUNDSCHAU_ Nr. 99, 14, XII. 193? Die Tagung des Preuflischen Landesverbandes Seit* 4 Ernst Lissauer gestorben Der Dichter Ernst Lissauer ist, wie uns aus Wien berichtet wird, nach kurzer Krankheit am 10. Dezember, dem Tage, an dem er seinen 55. Geburtstag hätte feiern sollen, im Wiener Rothschildspital einer Lungenentzündung erlegen. Er wurde unter großer Beteiligung Sonntag mittag auf dem Jüdischen Friedhof zu Orabe getragen. Eine erreifende Rede hielt Rabbiner Schwarz. Namens der remule nahm Dr. Franz Ko bl er Abschied von dem Toten. Am offenen Grabe sprachen noch namens des Pen- Klubs der frühere Dramaturg des Deutschen Volkstheaters, Professor Heinrich Qlücksmann, für den österreichisehen Schriftsteller■ und Journalistenvercin ״Conccrdia“ Dr. Pilz, namens des ״Schutzverbandes österreicbisclier Dichter“ Emil Lucka und schließlich als letzter Redner der (nichtjüdische) Schauspieler von K1 i e m s t e i n. * Ernst lissauer ist eine für die moderne Judenfrage sehr charakteristische Gestalt, an dessen Entwicklung sieh in einer fast tragisch zu nennenden Weise der Irrtum einer ganzen jüdischen Generation sozusagen ablcsen läßt. Lissauer war vollständig assimiliert, und in seinen Gedichtbänden vor dem Kriege ״Der Acker“, ״Der Strom“, ״Die ewigen Pfingsten“, ״ ,“1873״Bach“ usw. versuchte er, bewußt seine Empfindungswelt und seine Dichtung in Form und Inhalt mit einem romantischen Deutschtum eng zu verbinden. Seine Auffassung der Judenfrage hat Lissauer in der berühmten Debatte ausgesprochen, die der Herausgeber der kürzlich nach fünfzigjährigem Bestehen eingestellten Zeit- Schrift ״Kunstwart", Ferdinand Avenarius, im Jahre 1012 veranstaltete. Die Debatte wurde damals eingeleitet durch einen Aufsatz von Woritz Goldstein ״Deutsch-jüdischer Parnaß“, in der zum ersten Male das Problem der Grenz- Ziehung zwischen Deutschtum und Judentum aut literarischein Gebiete auffgerollt wurde. Als erster ״Kontraredner“ erschien Ernst Lissauer auf dem Plan, der die These aufstellte, daß die Juden zwar infolge ihrer historischen Herkunft noch eine erkennbare Gruppe darstellen, aber auf dem Wege sind, ״ihre Volkheit zu verdunsten“. Die Juden, so führte Lissauer damals aus, sind i!1 einem ״Zwischenzustand‘‘, und ״da das religiöse Moment immer mehr für die deutschen Juden versinkt, so wird die innere Möglichkeit, zur Landeskirche überzutreten und auch äußerlich den An- Schluß an die deutsche Kulturgemeinschatt zu vollziehen, immer größer"', l issauer vertrat also den Grundsatz einer bewußten, mit allen Mitteln zu beschleunigenden Assimilation. Nach seiner Meinung liegt das Heil nicht in einer ״palästinensischen Enklave“sondern ״bei denen, die in dem unaufhaltsamen Zersetzung*• und Assitnilationsprozeß die vordersten sind“. Demgegenüber sei die Parole: ״Sich eingraben, cirnvurzel 11, mit aller Kraft, mit allen Adern, allen Muskeln sich zum Deutschen erziehen, die Sache der Deutsehen zu der eigenen zu machen“, Aus diesem verkrampften Assimilationsstrehen heraus hat Lissauer kurz darauf bei Kriegsausbruch picht nur die völlige Solidarität mit seinem Vaterlande, die für alle Juden selbstverständlich war, bekündet, sondern sich in einen extremen Hypcrpatriotismus hineingesteigert, dessen Ausdruck sein berühmt gewordener ״H a (Lg e s a n g gegeriEngland“ wurde. Dieses Gedicht war damals in Kriegszeiten sehr populär und machte seiner Autor berühmter als viele seiner früheren schönen und zarten lyrischen Gedichte. Später trat freilich auch bei ihm die Wendung ein, und er hat dieses Gedieht 'überaus bedauert. Er erklärte, wie auch die Londoner ״Times“ in ihrem Nachruf jetzt feststellt, daß er nur unter dem Impuls der ersten Kriegspsychose das Gedicht geschrieben habe und niemals gemeint hatte, daß es so weite Verbreitung finden werde. Vom jüdischen Standpunkt — zur riehtigen Erkenntnis des Problems der Assimilation — ist besonders interessant die Tatsache, daß dieses Kriegsgedicht, mit dem Lissauer seinen in dem hier erwähnten Zitat ausgesprochenen Willen, .,die Sache der Deutschen 7u der eigenen zu machen“, realisiert zu haben meinte, auch von deutscher Seite noclr in der jüngsten Zeit desavouiert und als ein ״jüdisches“ ־Produkt angeprangert wurde. (Wir haben vor einiger Zeit anläßlich einer Pressediskussion über Lissauer darauf hingewiesen, daß das Kriegsgedicht eines anderen Juden, des Zionisten Hugo Zuckermann, ״Drüben am Wiesenrand sitzen zwei Dohlen“, das gleichfalls sehr populär wurde, völlig frei ist von Haßgefülilcn; es ist wohl kein Zufall, daß dieses Gedicht von einem Juden stammt, der als Zionist fest in seinem jüdischen Bewußtsein wurzelte und darum nicht weniger patriotisch, aber Irti von hysterischen Verzerrungen war.) ■Menschen, die Lissauer in den letzten Jahren!1 ,•!bestanden, versichern, daß Lissauer zuletzt eine große innere Entwicklung durch gern acht hat. Er lieg,mn das jüdische Problem zu verstellen, Bcschäftigte sich mit der I iiohgestalt und nahm auch die Stoffe seine! Dichtungen vielfach aus dern jüdisch-biblischen Stoffkreis (Moses-Drama, ״Das Weih ries Jephta"); seine Gedichte nannte er ״Psalmen‘•, Sein letzter Gedichtband trägt vielsagend den Namen ״Zeitenwende“. Lissauer ist gebürtiger Berliner und fühlte sich zuletzt stark zu österreichischem Wesen und Landschaft hingezogen. Aber glücklich war er in seiner Wiener Zeit nicht. Er war ein sehwerleidender Mann geworden, ein gebrochener Mann, der den Untergang seiner ideale sichtbar erlebt hatte. Wenn anläßlich seines Todes Unwillkürlich der .,I laßgcsang"-Episode gedacht wird, so muß betont werden, daß lissauer dieses Stadium längst überwunden hatte und ein anderer geworden war. Sein Auftauchen innerhalb der i 11 11 er j ü d i s c h c n Debatte in Deutschland, an der er auch in der Nachkriegszeit als Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften noch tcilgenommen lind dabei seinen assimilatorischen Standpunkt in etwas modifizierter Form weiter vertreten hat, und sein schließlichcs Schicksal werden aber immer ein sehr bezeichnendes und im Hinblick auf das Ende ergreifendes Kapitel der Judenfrage in Deutschland sein. Einbürgerung in Holland. Unser Haager RL-Berichterstatter schreibt uns: Der Justizminister teilte Im Antwortmemorandum an die Zweite Kammer mit, daß in diesem fahre etwa 1800 Personen eingebürgert seien. Weiterhin heißt es, dann, einen Unterschied nach Rasse oder Religion kenne die niederländische Gesetzgebung nicht. Schon darum •ei keine Veranlassung gegeben, bei der Verleihung der niederländischen Staatsangehörigkeit die jüdische Bevölkerungsgruppe gesondert zu klassifizieren. Daß die Übrigens verhältnismäßig geringe Zahl von Anwärtern jiidi- •eher Herkunft, deren Anträge vollkommen den gleichen Normen unterworfen werden wie alle anderen, die Uneinig, keit fördern solle, sei eine Auffassung, die nur in eine Konstruktion passe, in die die Uneinigkeit sichtlich zuvor eingeschaltet sei. Diese Antwort bezieht sich auf Bedenken, die von Abgeordneten in bezug auf die Einbürgerungen geäußert worden waren. ANTWORTEN DER REDAKTION Leser ln Breslau Wir können auf anonyme Zuschriften grundsätzlich nicht Eingehen und bitten um Angabe Ihres Namens und Ihrer Adresse. Am 7. Dezember fand in Berlin eine Tagung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes j ü» d i s c h e r Gemeinden statt. An der geschäftlichen Sitzung nahmen nahezu alle Berliner und auswärtigen Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Großen Rates teil, ferner die Vertreter der angcschlosscncn niclitprcußisehcn Landesverbände sowie die Vorsitzenden oder Vertreter der Provinzialverbände. — Der Präsident des Rates, Kammergerichtsrat i. R. Leo W o i f f, gedachte it! seinen Eröffnungsworten der seit der letzten Sitzung verstorbenen Mitglieder des Rates und des Verbandstages, Nachdem der Präsident des Rates einen kurzen Ueberblick über die Tagesordnung gegeben hatte, erteilte er als erstem Referenten das Wort an Rabbiner Dr. Galliner. Dieser gab bekannt, daß seit seiner Ucbemahme des Dezernats Bc/irksrabbinatc die Zahl dieser Rabbiriate von 3 aut 36 angewachscn sei, durch die zur Zeit insgesamt 55 000 jiidische Seelen in zum Teil kleinen und kleinsten Orten rahbinisch betreut werden. Der Plan sei noch nicht völlig durchgeführt; es werde noch eine Reihe von Bczirksrabbinatcn ninzukommen. Rabbiner Dr. G a 11 i n er äußerte sich sodann über Lehrerbildung und jüdische Schule. Die im Se ptember abgehaltene Prüfung von Absolventen der Lehrerbildungsanstaft des Landesverbandes habe ein günstiges Resuitat gehabt; von den 21 zum Examen vor der staatlichen Prüfungskommission zugelasscncn Hörern hatten 23 das Ex»- men bestanden. In Preußen seien von 25 000 schulpflichtigen jüdischen Kindern 18 000 in jüdischen Schulen. Die Gesamtzahl der jüdischen Schulen ist seit 1033 zurückgegangen, dies sei auf die Beseitigung zahlreicher Zwergschulen zurückzuführen. Ueber die Finanzen referierte Adolf Schover und berührte dabei auch die Frag«, wie bei Gemeindcauflösungcn die vorhandenen Vermögenswerte erhalten werden können. Der Syndikus des Landesverbandes, Dr. Hermann S c h i 1 d b e r g e r, wies in seinem Bericht über die K u I - turdezern ite darauf hin, daß der Landesverband mit der von ihm geschaffenen Einrichtung der ständigen Kulturfahrten, der wandcrbüchcrci und des Genicindcblattes sieh als jüdischer Kulturfaktor erwiesen habe. Ueber die Binnen- Wanderung der Juden in Deutschland referierte Max Birnbaum unter Hinweis auf die regelmäßig von ihm Kündigung eines jüdischen Arbeitnehmers Wir haben wiederholt Entscheidungen •des Reichsarbeit•- crichtcs und anderer Gerichte zum Abdruck gebracht, in enen betont wird, daß die Zugehörigkeit zum J11 - dentum an sich noch keinen Grund zur Kiiudigung eines Angestellten bilde. Es müsse noch irgend etwas 11 inzukommen, was die Weiterbeschäftigung dem Arbeitgeber unzumutbar mache. Daß diese hinzutretenden Umstände nicht besonders schwerwiegender Art zu sein brauchen, ergibt sicli u. a. aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichtes Chemnitz vom 30. Juni 1037. Das Urteil stellt sich zunächst grundsätzlich auf den oben angedeuteten Standpunkt des Reichsarbeitsgerichtes. Der Arbeitnehmer sei im vorliegenden Falle aber nicht deswegen entlassen worden, weil er Jude *ei, sondern weil sich im Verhältnis zur übrigen Gefolgschaft aus seiner Eigenschaft als Nichtarier betriebliche Schwierigkeiten ergeben hätten. Der jüdische Rechtsvorgänger des Arbeitgebers habe nach dem nationalen Umbruch eine Anzahl jüdischer Arbeiter und als Arbeiter Lernende angestdlt, was insofern ungewöhnlich sei, als sich der Jude erfahrungsgemäß meist nicht aut dem Gebiete der Handarbeit, sondern auf kaufmännischein Gebiete zu betätigen pflege. Die Belegschaft habe sich von diesen Arbeitern bespitzelt gefühlt. Sie habe es auch vor!1j Jahren als unliebsam empfunden, daß ein jüdisches Mitglied der Gefolgschaft nach einem Kameradschaftsabend eine arische Arbeiterin des Betriebes nach Hause begleitet habe, Nun hätten sich allerdings mit dem hier betroffenen Arbeitnehmer bestimmte persönliche Uuzuträglichkeitcn als Jude nicht herausgestellt. Immerhin seien aber gerade in letzter Zeit innerhalb der Gefolgschaft Stimmen laut geworden, daß man die Entlassung der nichtarischen Gefolgschaftsmitglieder aus Gründen der Betriebsgescblossenheit wünsche. Von den übrigen früher beschäftigten Juden seien auch bereits alle mit Ausnahme eines Lehrlings ausgeschieden, Würde der Arbeitgeber derartigen Wünschen nicht stattgebe!!, so würde <r eine Störung des Betriebsfriedens und damit eine Gefährdung der für das Gedeihen jedes Betriebes unbedingt notwendigen Zusammenarbeit zwischen Betriebsführung und Gefolgschaft zu gewärtigen haben. Wenn er daher dieser Anregung der Belegschaft nachgehc, so sei dies gerechtfertigt und die Kündigung als betriebsbedingt an- Zusehen. Hierbei sei es völlig unbeachtlich, ob der Arbeitnehmer im übrigen zufriedenstellend gearbeitet habe, ob die Kündigung für ihn eine Härte darsteile und ob er einem andereu Arbeitnehmer den Arbeitsplatz nicht wegnehme. Die aus seinem Nichtariertum hervorgegangenen betrieblichen Schwierigkeiten rechtfertigen die Kündigung als betriebsbedingt. _ Aus der Lederwirtschalt Seitens der Organisationen der Häute Verwertung sind Maßnahmen getroffen worden, um die Bereinigung der deutschen Häuteauktionen von den nicht arischen Einkaufsagenten vorzunehmen. Nachdem bereits vor einigen Monaten eine Ausschaltung nichtarischer Agenten bei der Durchführung gewisser Aufträge vorgenommen wurde, sind in den letzten Tagen auch die letzten auf deutschen Auktionen als Verarbeiter tätigen nichtarischen Einkaufsfirmen au *geschaltet worden. Soweit noch Zuteilungen von Hauten und Feilen an nichtarische Ver* arbeiterfirmen vorgenommen werden, erfolgen diese im Interesse der Aufrechterhaitung dieser Betriebe und der Belegschaften der zum Teil sehr bedeutenden Verarbeiterfirmen. Strafzumessung bei Rassenschande. Nach einem Urteil des Reichsgerichts vom 11937 .10 .2־ ist es zulässig, die Strafe bei Rassenschande besonders hoch zu bemessen, um andere von derselben Untat ab/uh,ilten. Deshalb dari zur Begründung der Höhe der Strafe neben dem Sühnezweck auch der Umstand herangezogen werden, daß nach der Tat die Fälle der Rassenschande stark zugenommen hätten. Der Berliner Polizeipräsident hat in Zusammenarbeit mit dem Berliner Gau-Wirtschaftsheratcr der NSDAP, für das jiidische Modenhaus K ersten ft T u t c 11 r den Riiumungsverkauf aufgehoben. Ein Sonderausverkauf bei Arisierung jüdischer Firmen wird in Zukunft nicht mehr gestattet werden, veröffentlichten Berichte der*vom Landesverband eingerichteten Meldestelle, Um den Mitgliedern des Rates die Landesverbandsarbeft nicht nur vom Standpunkt der Berliner Zentrale aus dariustellen, sondern ihnen einen unmittelbaren Eindruck von der Verbandsarbeit im Lande selbst zu geben, waren diesmal zwei Vertreter von Provinzialverbänden zur Erstattung von Referaten auf gefordert worden. Rechtsanwalt Dr. Willy Katzenstein (Bielefeld) hob die Bedeutung der vom Landesverband ständig erfolgenden Beratung der Kleingemeinden im Steuer-, Kultus- und Bcamtenfragen hervor, und ebenso die Beratung bei notwendig werdenden Liquidation«! von Gemeinden, Dr. Lux (Breslau) ergänzte diesen Berieht über die Arbeit im Lande nach seiten der Finanz- und Sozialarbeit. Abschließend sprach Dr, Klee über die Auswinde* rung. Es sei festzustellen, daß von Januar bis September 1937 etwa 19000 Menschen aus jüdischen Gemeinden ausgewandert seien. Dr. Klee faßte an Hand eines der Ver- Sammlung vorliegenden Zahlenberichtes dessen Ergebnisse tu* sammen und forderte, daß bei der Finanzierung von Au*• Wanderern in Zukunft eine stärkere Heranziehung von au*- ländischen Verwandten erfolgen müsse. Im Verlauf der Aussprache, die sich an die Referate anschloß, wurde der dem Rat vorgclegtc Haushaltsplan lür 1938 durchberaten. Der vom Finanzdezernenten Bruno Woy da ausgearbeitete Voranschlag 1938 zeigt sich gegenüber den Zahlen des Vorjahres nur wenig verändert; Einnahmen und Ausgaben balancieren mit 553 000 RM. Der Haushaltsvoranschlag wurde einstimmig angenommen, ebenso auch der vom Finanzdezernenten beantragte Umlagebeschluß, demzufolge für das Rechnungsjahr 1938 erhoben werden; 1. für den Landesverband: a) 1,15 des Rcichseinkommenstcuersolls der Mitglieder der Synagogengemeinden für das Jahr 1936; b) 3 *ס/י vom Vermögenssteuersoll 1936 der Mitglieder der Synagogenemeinden, jedoch nicht mehr als 10 <0י des Zuschlages zur cichsvcrmögenssteuer, den die Gemeinde selbst erhebt. 2. für die Reichsvertretung; a) 1,1״״ des Reichseinkommen- Steuersolls 1936; b) 0,10 RM. Kopfgeld. Das Kopfgeld errechnet sich nach dem Ergebnis der Volkszählung 1933 abziiglich 25 0/0. Wahlweise kann das Kopfgeld in Höhe von 0,40 RM, nach der Bevölkerungszahl vorn 1. Oktober 1937 gezahlt werden. Zur Annahme gelangte ferner der von uns bereits wiedergegebene Antrag über eine Erweiterung des Landesverb indes. Professor Max Eisler | Unser Wiener J. R.-Berichterstatter schreibt uns: Kaum 56 Jahre alt, ist in Wien der bekannte Kunsthistoriker, Universitätsprofessor Dr. Max Eisler plötzlich gestorben. Professor Eisler, aus Boskowitr, in Mähren stammend, war seit 1914 als Dozent und seit 1919 als Professor für neuere Kunstgeschichte an der philosophischen Fakultät der Wiener Universität tätig. Sein spezielles Forschungsgebiet waren die niederländischen Meister und hier vor allem die Kunst des alten Rembrandt, über die der Verstorbene ein Werk veröffentlichte. Darüber hinaus haben Eislers kimstgeschichtlichc und •kritische Arbeiten in einer Anzahl von Büchern ihren Niederschlag gefunden. Unvergeßlich bleibt sein in die moderne Kunstgeschichte Wiens eingegangener mutiger Kampf für die Durchsetzung des großen österreichischen Malers _ Gustav Klimt Eine seiner letzten Veröffentlichungen war eine Biographie seines ihm im Tode vorangegangenen Freundes, des österreichischen Bühnenbildners Oskar Sfr na d. ln der Wiener Kunstgeschichte bat Eisler, abgesehen von seiner Lehrtätigkeit, durch seine Arbeiten über ״Das barocke Wien“, ferner ״Das bürgerliche Wien“ und seine Mitarbeit an dem ״Historischen Atlas der Stadt Wien" einen anerkannten Rang cingenommen. 111 der letzten Zeit trat Dr. Eisler in zahlreichen Vorträgen in der Urania und im Wiener Rundfunk über die Kunstobjekte in der Pariser Weltausstellung vor die Oeffentlichkeit. Max Eisler fand immer für jüdische Arbeit Zeit und hat schon vor Jahrzehnten Arbeiten über jüdische Kunst geschrieben, vor allem auch interessierte ihn die Darstellung des Alten Testaments in der Kunst.. Er war Zeit seines Lebens ein strenggläubiger Jude, zeigte aber immer Interesse für das moderne Palästina. Eine Zeitlang neigte er der Agudah zu. Von einer Paliistinareise, die er zu Beginn des Jahres 1936 unternahm, war er als entschiedener Bejaher des zionistischen Ideals zuräckgckehrt. Mit einem Lichtbildervortrag, über den seinerzeit auch in der ״Indischen Rundschau“ berichtet wurde, zog Dr. Eisler von Bezirk zu Bezirk und demonstrierte seine Bilderschau vom neuen Antlitz des jüdischer! Menschen und seines Landes. Noch in den letzten Tagen sprach er bei der Makkabäerfeier des Herzi-Klubs über ״Das Antlitz Jerusalems“. Eine große Trauergemeinde, in der man außer den Repräsentanten des jüdischen Wien auch Vertreter von Kunst und Wissenschaft und ein« große Schar von Schülern •ah, gab Professor EJisler das letzte Geleite, Ernst Toch feierte am 7. Dezember seinen 50. Geburt«• tag. Er wird mit Recht als mit einer der bedeutendsten unter den Afodernen angesehen; 1909 erhält er das Mozart- Stipendium,!910 das Mendelssohnstipendiuin; viermal den österreichischen Staatspreis für Komposition, den Schottpreis für das C-ellokonzert. Gleichgültig, welche Komposition wir hcrausgreiten, so beispielsweise die Serenade für zwei Violinen und Bratsche, op. 25, einfach in den Mitteln, doch von einer bildhaften Eiunrägsamkeit des angedeuteten Zeitstils, dieses Quentchen lapidaren Spießertums, drei Streichern anvertraut, beschaulichstes Biedermeier, verschlafene Gasse mit dazwi* sehen spukenden komischen Episödchen. Ein anderer Toch, das erste Klavierkonzert, glanzvoll, virtuos, bravourös in den Ecksätzen, durchsichtig, feimgeschliffen iii der Mitte des langsamen Satzes. Sei es eine Oper, ein Orchester- oder Kammermusikwerk, immer wieder clünnliniges Filigran der Zeichnung, die Thematik spritzig, feinhaarig aie Linien, wenn sie Mclodien, Kantilenen spinnen. Diese subtile Eigenheit im Tochsehen Schaffen könnte aus der Ferne mit den Tuschfantasien blaßfarhiger Blätter mongolischer Kunst verglichen werden, wären ihr nicht die grellen Lacke und Töne der okzidentalen Palette aufgetupft. Ein natürlicher Instinkt trieb Toch zu chinesischen Vorlagen und Sujets. ״Die chinesische Flöte“, op. 29 (Sopran und 14 Soloinstrumente), die Musik aurn ״kirschblütenfest“ sind Visionen mongolischer Musik, wie sie sich in der Phantasie Tochs spiegeln. Nehmen wir noch ein Beispiel, das wir von einer Kulturbundaufführung her kennen, die Cellosonate mit Klavier, so zeigt sie wiederum neue Seiten Tochs, stofflich von abstrakterer Wesensart, rhythmisch aber von einer unerhört zugreifenden motorischen Energetik, Heute ist Toch trotz seiner Wendung zu Rationalerem, zur Filmmusik, im Prinzip der Gleiche geblieben. J. Schönb«rg

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