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Jüdische Rundschau · 1937-12-14 · Heft 99 (14.12.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 99 (14.12.1937)
Date
1937-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 99, H. XII, 19:7 w a H ־׳ c ח ׳ *“'1 (• ne*'ף וחרון Seife 3 | Rosa Valetti"] tolo: Herbert *otmei!/׳*Id Unser Wiener J. R.-Berichterstatter schreibt uns: ln Wien Starb die in Berlin seinerzeit sehr gefeierte Schauspielerin Rosa V a I eT t i, die in den letzten Jahren in Wien lebte und hier vergebens nach einer ihrer markanten Darstellungskunst ent sprechenden Betäti■ fung Ausschau hielt, is sie vor wenigen Monaten in den ״Kammerspielen des e ׳•;‘U tcr 1 heaters“ in den Stücken ״Rovina“ und ״Freut euch des Lebens“ auftreten und einen außergewöhnlichen Erfolg erzielen konnte. Schon sollte die bedeutende Charakterdarstellcrin — ihre größten Erfolge errang sie unter Reinhardt und Barnowsky als ״Frau Warren“, ״Die fremde Frau“, sowie als Frau Wulffen im ״Biberpelz“ — in der von Ernst Lothar inszenierten Aufführung von Gorkis ״Nachtasyl“ mitwirken, als sie von einer schweren Krankheit befallen wurde, der sie im S9. Lebensjahr erlegen ist. — Das Ict/.temal trat Rosa Valctti m Berlin im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes im Jahre 1034 als Frau Vogel in Bruno Franks ״Sturm im Wasserglas“ und in Noel Cowards ״Weekend“ auf und wurde damals sehr gefeiert. * /is. Rosa Valetti war im Grunde ihres darstellerischen Wesens eine echte Komödiantin des alten, nie ganz aussterbenden Stils und zugleich eine, fast möchte man sagen: ״Avantgardistin“, deren einzigartige Persönlichkeit eine ebenso einzigartige mimische Ausdrucksforin in sich trug. Sie konnte sich nicht ״verstellen“ und keine nur äußerlichen Finessen mit sich machen. Sie blieb immer ״die“ Valetti, Aber als solche wirkte sie in allen ihren Rollen so echt, so legitim theatralisch, als ob sie auf der Bühne selbst, in dem Raum mit den drei Wänden, zur Welt gekommen wäre. Und in der Tat: mit jeder Rolle kam sie neu zu dieser Welt der Bühne mit allen starken und zarten Möglichkeiten schauspielerischer Formung. Darin lag das Unmittelbare, Naive und Bezwingende ihres Spiels, ja, sie spielte wie eine echte Komödiantin, aber sie spielte nicht Ornamente und Arabesken, sondern immer nur sich selbst. So war in ihr eine glückliche Mischung von höchstpersönlicher Ausdruckskraft und traditionellem Wesen vereinigt. Die Valetti hatte, sozusagen, zwei Schreie in sich —- der eine laut und voller Wirbel, durch den sie so komisch wirkte wie wenig andere Darstellerinnen, und der andere leise andeufend und förmlich ins Leere sich verlierend, mit dem sie ihre Komik tragisch unterfütterte oder aber dem Tragischen ohne Seitenblick begegnete. Sie tat und sprach auf der Bühne nichts nebenhin und nebenbei, sie sch ritt und sprach und fühlte immer mitten in das Wesentliche hinein. Denn ihr Wesen bestand ja darin, daR sie sich spielend ohne Rest hergab. Sie war eine Voilblutsschauspielerin, wirklich eine Spielerin aus der Fülle ihres Blutes heraus. Man könnte das Abenteuerliche, das phantastisch und?hantasievoll Chargierende ihrer Darstellung etwas spezifisch üdisches nennen. Ob sie eine Frau aus dem Volk oder eine aus der Gesellschaft spielte, es war immer ein Geheimn i s um sie, das Geheimnis des Herkommens und das des Ziels; zwischen beiden pflegte sich ihre Art zu entfalten, in der sowohl das Leise als auch das Laute sich als Defensive oder als Angriff manifestierte. Das Beruhende ״und Beruhigende zu geben, gehörte nicht zu ihrer Wesensart Sie schien immer gepeitscht zu sein oder selbst peitschen zu wollen. Das ergab ihre schöpferische Unruhe, aus der sich dann — in Possen und Schwänken — das herausdestillierte, was man ihre Keßheit nannte und was ihre ״Marke“ wurde. Diese hatte im Tonfall und in der Lebensart Berlinische Färbung. Der Dialekt war eines der nu'gelcg'eston Wirkungsmittel der Valetti. Aber er hätte nicht so i!ßיי <׳״ wirken können, wenn sie nicht ihre seltene und s "mlichkeit in ihn hineingelegt hätte, die nach S‘-' gleich lebensecht und bühnengerecht ge ״c zu- IN ALLER KURZE In Verbindung mit der Ausstellung ״Der י׳ lüde“ veranstaltet gegenwärtig das ״Reichsinstitut (!״'׳ ׳vhirhte des neuen Deutschland“ an der U n i v e r s i t :11 M ti n ־ dien eine Vortragsreihe über die Judenfrage. Den ersten Vortrag hielt der Präsident des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands, Professor Dr. Walter F rank, über das Thema ״Dreyfus, der ewige Jude“. Den'zweiten Vortrag hielt der geschäftsführende Leiter der Forschungsabteilung ״Judenfrage“ des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands, Dr. Wilhelm Grau, über ״Das Haus Roth- Schild“, den dritten Professor Max W 11 n d t (Tübingen) über ״Die Juden in der deutschen Philosophie“. Das Präsidium des jüdischen Kongresses in Polen beschloß, den ersten Kongreß der polnischen Juden für den 20. Februar einzuberufen. Die Wahlen zu dem Kongreß sollen am 30. Januar durchgeführt werden. In Paris starb im Alter von 71 Jahren Gaston Wormser, der Sekretär des verstorbenen Baron Etlmond de Rothschild. Wormser war ein enger Mitarbeiter des Barons und als solcher mit allen jüdisch-philanthropischen und palästinensischen Angelegenheiten vertraut. Um ihren Forderungen nach abgesonderten Plätzen der jüdischen Studenten in den Hörsälen Nachdruck zu geben, beschlossen die polnischen Studenten der l.emberger Technischen Hochschule, das Hochschtil’־ebände so lange besetzt zu halten, bis ihren Forderungen entsprochen wird. Der Senat der Technischen Hochschule beschloß darauf, die Forderungen der polnischen Studenten zu erfülle n. 16 nationaldemokratisehe Exzellenten wurden zu Oefängnisstrafe wegen Anteilnahme an antijüdischen Exzessen in B i e 1 s k 0 (Bielitz) im Oktober d. J. verurteilt. Der Vorstand des Wilnaer Bezirks des Verbandes der polnischen Aerzte beschloß, den Aricrparagraphen einzuführen. Adolf Löwin ger aus Oklahoma (USA.) hinterließ der Hebräischen Universität eine Summe von 35 0t» Dollar. Der Leiter der tschechoslowakischen Samnielstelle des KKL, Ing. Oskar Aschermann, feierte seinen 50. Geburfstag. Die Wahlen in Rumänien (Fünfte Folge der Artikelserie ״Die Juden in Rumänien“. — vgi. Nr. 83, 89,92 und 97) Von Dr. Mayer-Ebner t. Am 20. Dezember d. J. finden in ganz Rumänien die Wahlen für die Kammer und in den darauffolgenden Tagen die für den Senat statt. Diesen Wahlen kommt eine höhere Bedeutung zu, weil in! kommenden Parlamente die Frage einer Abänderung der Konstitution und auch die Juden frage zur Diskussion stehen werden. Vielleicht stehen die Juden von Rumänien jetzt vor einem Wendepunkt in ihrer Geschichte. In Rumänien wird viel über Nationalismus, Minderheiten- und Judenfrage gestritten, und es ist im hohen Maße wahrscheinlich, daß sich die angesammclten Spannungen in der Richtung des geringsten Widerstandes entladen werden — also gegen die Juden. Eine theoretische, d. i. gesetzliche Entrechtung der Juden im Wege der Aendcrting der Konstitution ist in ahsehbarer Zeit nicht zu befürchten, und zwar aus allgemeinen Gründen, die auch uns zugute kommen. Dennoch sind wir uns darüber klar, daß eine Reihe von Gesetzesmadnahmen unseren Lehensrau m immer w e i - tcr eineiigen werden, und die bisherige Erfahrung hat gezeigt, daß man dies kann, ohne den Wortlaut der Verfassting zu ändern. Die Glcicliheit ist wohl in der Verfassung farantiert, aber alle Minoritäten haben sich mit der politischen evorrechtung der rumänischen Majoritätsnation bereits abgefunden und sind auf dem besten Wege, auch deren ökonomische Priorität, wenn nicht de jure, so doch de facto anzuerkennen. II. In den lefzfen zwei Jahren haben sich angesichts des Frsfarkens der antisemitischen Bewegung viele Tausende jiidischer Wähler in die rumänischen Parteien eingeschrieben — im einfältigen Glauben, ihre Stärke in den Parteien werde einen Schutz in schweren Zeiten bedeuten, und sie werden bei allgemeinen Parlamentswahlen mit Hilfe diese! ruinänisehen Parteien zu einer größeren parlamentarischen Vertretung gelangen. Diese ״Eingeschriebenen“ aber haben die Rechnung ohne ^cn Wirt gemacht. Auch die demokratischen Parteien glauben der nationalistisch-antisemitischen Strömung Rechnung tragen zu müssen. Sie drängen ihre Juden in den Hintergrund, und ich sage voraus, daß auf keiner ru 111 ä - n i s c h e n Liste ein Jude gewählt werden wird. Die regierende liberale Partei, deren ökonomische Orientierung den Juden sonst am meisten Zusagen müßte, hat mit antisemitischen Gruppen Wablkartclle geschlossen und ist von der bisherigen Gepflogenheit, auch luden auf ihre liste zu setzen, ganz ab gegangen. Die Listen der Regierungs- Parteien sind judenrein, und dies will bei einer Wahlmethode und einem Wahlgesetz, welches der jeweiligen Regierung im Parlamente eine Zwcidrittel-Majorität garantiert, sehr viel besagen. Sie hat genau wie vor vier Jahren ein Wahlkartell mit der ihr seit vielen Jahren anhängenden Union rumänischer Juden (UER) afcgelchnt. II1. Dies war die Situation bei Beginn der Wahlbewegung und für jeden Einsichtigen war es klar, daß die 800000 Juden von Rumänien im kommenden Parlamente ebensowenig vertreten sein werden wie in dem nach Ablaut der Legislaturperiode soeben aufgelösten Parlamente. Dort saßen wohl in Kammer und Senat je zwei jüdische Mitglieder der liberalen Partei, aber sie haben sich selten an den Sitzungen und niemals an den Debatten beteiligt. In der Absicht, ein Surrogat für die mangelnde parlamentarische Vertretung zu schaffen, hat man den sogenannten ״Zentral rat der rumänischen Juden“ gegründet, der sielt aus den Vertretern der UER (Uniunea Evreilor Romani, Präsid. Dr. Fildermann) und der Jüdischen Reichspartei (Partidul Evreesc diu Romania, Präsid. Dr. Theodor Fischer) zusammensetzt. Es hat sich aber gezeigt, daß in einem solchen parlamentarisch regierten Lande es ein Surrogat für eine parlamentarische Vertretung nicht gibt. Aus Gründen, die hier zu erörtern zu weitläufig wäre, hat sich der ״Zentral rat“ nicht bewährt. Die Jüdische Reichspartei hat sich nun aut den Standpunkt gestellt, daß gerade in diesen Zeiten die Juden Rumäniens einer eigenen, von Juden und für die Juden gewählten parlamentarischen Vertretung nicht entbehren können. Die Möglichkeit zur Erlangung einer solchen nationalen Vertretung ist im rumänischen Wahlgesetze gegeben. Eine Liste, die 2 ״b aller in Gesamtrumänien abgegebenen Stimmer auf sich vereinigt, erhält 4 Mandate zugewiesen. Bei einem erzielten höheren Prozentsatz entsprechend mehr. Dreimal hat die Jüdische Reichspartei sich an allgemeinen Parlaments- Wahlen mit eigenen Listen beteiligt. Einmal hat sie die Wahlschiacht aus nicht in ihr und der Judenschaft gelegenen äußereu Gründen verloren, aber zweimal erreichte sie mit ihren nahezu 70 000 jüdischen Wahistimmen in zwei Legislatur- Perioden jedesmal 5 Mandate. Die fünf jüdischen Abgcordnefen bildeten den jüdischen Parlamentsklub, an dessen Spitze zu stehen ich die Ehre hatte. IV. Die Gegenspielerin der Jüdischen K . . r.ci in Rumänien ist die hier mehr erwähnte UER. In der Vorkriegs• zeit hiefl sie ״Uniunea Evreilor Pamantani" (Union bodenständiger Juden). Gründer, Führer und Präsident der Partei war der inzwischen veistorbene Vorkämpfer für die staatsbürgerlichen Rechte der rumänischen Juden Dr. Adolf Stern. Es war ihm noch vergönnt, 1924 die mit der neuen Konstitution ertolgte Emanzipation der Juden von Rumänien zu erleben. Die UEP. verwandelte sich in die U E R. (Uniunea Evreilor Romani). Nach erlangter bürgerlieber Gleichberechtigung wurde sie immer mehr, wenn auch gegen die Absicht der ''Gründer, zur politischen Partei. Niemals hat die UER. sich zu nationaljüdisehein Bekenntnis durchringen können, ihre Formel ist ״Rumänische Staatsbürger jüdischen Glaubens“. Alle Versuche zur Aufsaugung der UER. in einer einheitlichen jüdischen Volkspartei scheiterten. Die vertragliche Zusammenarbeit im ״Zentralrat“ ist abgelaufcn, und das Verhältnis wurde nicht erneuert, hingegen versuchte die Jüdische Reichspartei, die UER. zu bewegen, auf der jüdischen Reichs liste im ganzen Reiche mitzukandidieren, um eine auch von deii Staatsstellcn anerkannte jüdische (jesamtvertretung zu schaffen. Die UER. starid und steht aber dem Gedanken einer jüdischen Rcichsliste ferne, weil dieser von der Voraussetzung ausgeht, daß die Juden Rumäniens gleich den Deutsehen, Ungarn, Ukrainern und anderen ethnischen Minoritäten eine nationale Minderheit sind und gleich diesen in besonderen 1 andespolitisclicn Organisationen sich innerpolitisch durchsetzen!missen, wenigstens insolnnge, als Minoritäten um die Anerkennung ihrer bürgerlichen und wirtschaftlichen Gleichberechtigung und um die Wahrung ihrer national-kulturellen Eigenart streiten müssen. Insoweit die UFR. widerwillig sich dazu verstellen mußte, politische Partei zu sein, heniuhte sie sich in der Nach- Kriegszeit um ein w a 111 politisches Zusammengehen mit den rumänischen Parteien. Aber nur ein einziges Mal gelang es ihr, an der Seite cier Partei der liberalen je einen Sitz in Kammer und Senat zu erlangen. Nach langen Verhandlungen ergab sieh die A 1! s s i c h t s* losigkcit eines Zusammenschlusses beider Gruppen für die jiddische Rcichsliste, und das Einzige, wozu sich die UER entschloß, war, daß sie aktiv in die Wahlbewegung nicht eingreift, keine Parole gegen die jüdische Reichsliste ausgibt und cs ihren Anhängern überläßt, mit rumänischen Parteien u 1 gehen oder für die jüdische Liste zu stimmen. Der Präsident der UER, Dr. Lildermann, gab wohl die Notwendigkeit einer jüdisch-parlamentarischen Vertretung zu, aber er konnte sich zur logischen Konsequenz, die jiidische Reichsliste heißt, nicht durchringen. Es unterliegt keinem Zwei'c', daß bei einem Zusammengehen der Jüdischen Reichspartei und der UER. auf gemeinsamer Reichsliste dieser ein großer Erfolg beschieden wäre, weil schon die Tat- Sache des Zusammengehens in der jüdischen Gasse den Elan und den Glauben an den Erfolg stärken würde. ln dieser überaus bedeutungsvollen Wahlkampagne kommt es sehr an auf diesen Glauben au die eigene Sache. Es hat sich nämlith der jüdischen Massen in Rumänien ein starker Defaitismus bemächtigt. Man sieht das ständige Wachsen der rechtsextremistischen Bewegung im Lande, man merkt, wie die demokratischen Parteien vor ihr zurückweichen und sich ängstlich bemühen, von den Juden abzurücken. Gewisse Maßnahmen lassen darauf schließen, daß das Schlagwort der Rechtsparteien ..Rumänien den Rutnänen“ sich hauptsächlich gegen die Juden aiiswirken wird. Es werden Warnungen laut, daß die Juden an der Ausübung des Wahlrechts gehindert werden, Das Hauptorgan der national-christlichen Partei (Guza-Goga) droht offen, daß die jüdischen Parlamentarier mit Gewalt an dem Betreten der Kammer werden verhindert werden, und obwohl die gegenwärtige liberale Regierung allen Ernstes die Freiheit der Wald und Schutz gegen jeden Terror verspricht, ist den da und dort eingesehiiehterten Juden die Furcht nicht auszutreiben, es könnte sich ihre Beteiligung an der Stimmenabgabe für sic schlecht auswirken. Diese Meinung, die noch durch die Haltung der UER. eine Bestätigung erfährt, bedeutet eine Gefahr für die jüdische 1 iste. Gehen die Juden zur Wahlurne und hält die Regierung — woran wir glauben — ihr gegebenes Versprechen, dann ist der Erfolg der jüdischen Liste unzweifelhaft, und die Judenschaft von Rumänien wird im rumänischen Pariament durch 4 5 politisch geschulte Männer vertreten sein. Wie immer die Dinge sich gestalten werden, das Auftreten der Juden mit einer eigenen jüdischen Reichsliste hat nicht nur einen politischen, sondern auch einen erzieherischen Wert. Der Erfolg der Liste bedeutet eine moralische Aufrichtung, eine Stärkung des Glaubens an sich selbst. DU k/u*td&iki*1de>i. Jackie Coogan hat geheiratet, und J e h u d i Menuhin ist Bräutigam. Das sind gewiß keine aufregenden Ereignisse (für die andern), es mußte einmal soweit kommen. Seit Adam und Eva angefangen haben zu heiraten, ist ja kein Halten mehr. Aber daß nun auch schon die Wunderkinder... kurzum, es regt einen doch auf. Man zählt sich gewissermaßen seihst mit zur Familie. Man hat die Herren Wunderkinder doch schon gekannt, als sie ״noch so klein“ waren. Man hat sie beguckt und angehört, als wenn es eigene Kinder wären oder Lieblingsneffen. Man hätte ihnen am liebsten irgendeinen Wunsch erfüllt. Und plötzlich heiraten sie, ohne einen gefragt zu haben. Als ob’s gestern gewesen wäre, sieht man auf der Leinwand noch das harte Lager im Barackenwinkel und darauf ״the Kid“, den rührend winzigen Lausbuben Jackie, die Haare etwas wirr in die Stirn, die schelmentraurigcn Judenjungenaugen schlafwirr blinzelnd, ihn fröstelt, und leise, trotz den unförmigen Schuhen auf Zehenspitzen, schleicht Chaplin herein und deckt ihn behutsam mit Lumpen 2u. Und jetzt steht da, nicht auf der Leinwand mehr, sondern nur in der Zeitung, neben einer zierlichen Dame in weißem Kleid, ein Gentleman im Smoking,* und das sind ״Mrs. and Mr. Jackie Coogan“. Seine Stirn hoch und frei, sehr glatt, seine Augen gar nicht schelmisch, ein netter, hübscher Mensch, kein Zoll Filmstar, und um das junge und doch unjunge Gesicht eine matte, unaussprechliche Verlegenheit. Was ist aus Jackie Coogan geworden? Ein junger Ehemann. Und mehr wissen nicht einmal die amerikanischen Reporter von ihm. Jackies Pech war das Wachsen. Als er ״noch so klein“ war, war er ״ganz groß“ und weltberühmt. Aber seitdem er groß ist, kennen ihn nicht einmal die Kleinen mehr. Der stumme Film ist ihnen heute eine Antiquität wie uns die Pferdebahn. Als man Shirley Tcmple nach Jackie Coogan fragte, meinte sie, das wäre ״auch so ein oller englischer König oder Dichter“. Jeliudi Menuhin wächst, seine Kunst wächst, und unter seinen Händen wächst Musik. Immer höher, immer tiefer, immer feiner. Er ist jetzt zwanzig, und auf seinem letzten Rild aus Amerika trägt er eine Pelzmütze und lacht wie ein junger Gott auf der schönsten Schlittenfahrt. Und hübsche Sachen hört man von ihm. Nicht nur, was er spielt, sondern wie er allerlei grollen Herren mitspielt. Da laden ihn Nabobs ein und bieten immer mehr Geld. Danke, sagt er, Musik ist nicht zum Amüsement großer Herren da, ich spiele nur für jedermann, in öffentlichen Konzerten. Und sie, die Braut? Man fragt ihn, wie sie heißt, und er lacht die Renorter aus. Aber sein Vater erzählt, daß sie eine Pianistin ist, aus dem Haag, jung, hübsch, reizend und schon der Liebling aller Mcnuhins. So, so, eine Hol- Länder»? Ein jüdisches Mädchen, sagt der Papa, ein Prachtmädel, Gott sei Dank, im Januar wird Jehudi wieder dort sein, — Ja, so ist das, der heiratet also auch. Was soll man nun dazu sagen? Masel tow! soll man sagen. L. H. Kurse für Jiddisch und Hebräisch wurden hei dem französischen staatlichen Institut zur Schulung franzö.« sischer Diplomaten für den Dienst im Osten ciöiLiet.

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