Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1937)
- Date
- 1937-12-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 98, 10. XII. 1937 JDDISCHF RUNDSCHAU 5e!te 11 Kurze Nachrichten In Nazareth fand eine Gedächtnisfeier für den im Sep* tember von Terroristen ermordeten Distriktskommissar Andrews statt. Sir Arthur Wauchope, sowie Vertreter der jüdischen Siedlungen in Galiläa waren zugegen. Drei Araber wurden aus dem Norden des Landes nach Jerusalem gebracht, von denen die Polizei überzeugt ist, daß sie in enger Verbindung mit dem Mord an Mr. L. An* drews stehen. Als sie verhört wurden, sprang einer der Araber aus dem Fenster. Er wurde von einem jüdischen Polizist verfolgt, der auf ihn schoß und ihn leicht verwundete. Daraufhin konnte er wieder int Arrest gebracht werden. Sir Arthur Wauchope besuchte T i be r i a s und wurde vom jüdischen Bürgermeister Zaki el Hadder empfangen. Der High Commissioner stattete auch der Kwuzah Kinnereth im Jordan-Tal einen Besuch ab. Er interessierte sich besonders für den Dattel-Garten, der nach der hebräischen Dichterin Rachel benannt ist. Später besichtigte er die neue Siedlung Bat eie m. Die arabische Presse berichtet, daß bei den Nachforschungen, die von Truppen mit Panzerwagen und Flugzeugen in Dörfern im Norden ausgeführt wurden, zahlreiche Araber, die sich widersetzten, verletzt wurden. Ferner wird gemeldet, daß in einer Anzahl von Orten Schußwaffen gefunden wurden. Im letzten Augenblick konnte ein Anschlags versuch auf einen Güter zug auf der Strecke zwischen Jerusalem und Lydda verhindert werden. Auf den Schienen war von unbekannten Tätern eine Steinpyramide errichtet worden, in der eine Bombe versteckt war. Die für die Beseitigung des Hindernisses eingesetzten Polizisten wurden aus dem Hinterhalt beschossen, ohne daß es gelang, die Schützen festzustellen. Fast gleichzeitig wurde die Erdölleitung in der Nähe des Jordan-Tales beschädigt. Auch die Telephonleitungen in der Nähe der Attentatsstelle wurden besclädigt, um die Meldung über den Anschlag zu erschweren. Die Polizeistation in Beer Scheba wurde mit Bomben und Schüssen angegriffen. Eine Anzahl arabischer Jugend- Jicher wurde verhaftet. In den Räumen der Jewisli Agency in Jerusalem fand eine Konferenz von ausländischen Pressevertretern statt, bei der Ben Gurion, M. Schertok und E. Kaplan sich über aktuelle Fragen äußerten. Die extremistische arabische nationale Jugendorganisation in Damaskus hat einen Boykott gegen diejenigen arabischen Kaufleute angekündigt, die sich weigern, *in Boykott jüdischer Palästina-Waren teilzunehmers. Im ganzen Land fanden anläßlich des siebzehnten Jahrestages der Gründung der H istadruth zahlreiche Treffen statt. In Tel Aviv versammelten sich mehr als 1000Ö jüdische Arbeiter auf dem Messe-Platz. Radio■ und UwmI Tel Aviv3 Ende November Aenderung des Radio-Programms Im palästinensischen Rundfunk wurde seit Beginn der vergangenen Woche eine andere Aufteilung der Sendezeit eingeführt, die z:u begrüßen ist. Unverändert ist der Sender von J/s6 bis '411 Uhr abends in Betrieb, unverändert blieb auch die Einrichtung, dreimal wöchentlich mit je einer hebräischen, englischen bzw, ׳ arabischen Kinderstunde 2u beginnen. Das hebräische und englische Programm läuft jetzt insgesamt von 7,15 bis 9.45 Uhr und wird von dem arabischen Teil umrahmt. In dieser Konzentrierung liegt ein Vorzug gegen früher, wo die Programme durcheinander liefen. Für den hebräischen Teil stehen pro Woche 50 Minuten Sendezeit mehr als früher zur Verfügung. Im übrigen wirken in der englischen Stunde in relativ großer Zahl jüdische Künstler mit. Außer mit dein englischen Nachrichtendienst — der jetzt auf!/־.IO Uhr gelegt ist — sind original-englische Darbletungen (Vorträge, Rezitationen, Hörspiele) nicht allzu stark vertreten. Es ist erfreulich, daß man den ״Auswärtigen Naclirichlen“ (Reuter) Nachrichten der ״Palcor-Agentur“ angegliedert hat, die sich mit inner■palästinensischen Ereignissen und auswärtigen, soweit sie Palästina berühren, beschäftigen. Der Nachrichtendienst wurde auf 15 Minuten für jede Sprache (statt 10 Minuten) verlängert. ״Matate“ im Radio ״Matate“ erfreute wieder in einer Radiostunde mit einer geschickten Auswahl von Ensemble-Szenen und Solo-Songs, zusammengestellt aus einer Anzahl seiner satirischen Revuen. Die Aktualität der einzelnen Texte, die durch Conference von Elieser L.ubrani verbunden wurden, der Rhythmus der Kompositionen, die hier durch Unterstützung des Rundfunk- Orchesters eine ansprechendere Interpretation fanden als bei den Aufführungen, bei denen man sich immer noch mit Klavierbegleitung begnügt, gaben dieser Stunde den Charakter einer lebendigen, witzigen, überaus ״funkgerecMen“ Veranstaltung. Tanzabende Die jemenitische Tanzgruppe von Frau Rina Nikowa verabschiedete sich ״vom Tcl-Aviver Publikum am Vorahend ihrer Abreise nach Paris, wo sie auf Einladung und im Hause des Baron Rothschild zunächst mit zwei Vorstellungen debutieren wird. Die Gruppe ist überall dort ausgezeichnet, wo sie — w׳ie es überall geschieht — orientalische Folklore _ pflegt. Die biblischen Szenen hingegen gelingen weniger, vielSeictit deshalb, weil hier Anlehnungen an europäische Musik• und Tanzrhythmen versucht werden. Rein orientalischen Tanz- Stil pflegt gleichfalls die Tänzerin Jardena Cohen (Haifa), die — wie berichtet — aut dem Wettbewerb der palästinensischen Berufstänzer den ersten Preis erhielt und in Tel Aviv einen Tanzabend gab. Gesangs-W ettbewerb Auf den ״Tänzer-Wettbewerb“ folgte ein ״Sänger-Wettbewerb“, dessen Gesamtniveau keinesfalls in gleicher Weise befriedigte. Zweifellos hat die Idee viel für sieh: Kräften ein Auftreten zu ermöglichen, die nur selten oder gar nicht in der Lage sind, eigene Veranstaltungen zu geben. Anerkennenswert auch, daß die Pflege jüdisch-palästinensischer Kunst das Motto ist. An diesem Abend erhielt durch Publikums-Abstimmung die jemenitische Sängerin ■Esther Gamlieli fast die Hälfte aller abgegebenen Stimmen. Die junge Künstlerin, die früher der Nikowa-Gruppe angehörte, verfügt über einen besonders schönen, biegsamen Alt und legt viel Wärme in ihren Vortrag. An zweiter und dritter Stelle: Jochebed Traub *Haifa) und. Schlomoh Weißfisch (Jerusalem). Frau Traub, ein Mezzo-Sonran, interpretiert mit viel Ausdruck und schönem Timbre ihre Lieder. Herr Weißfisch gebraucht seinen klangvollen Bariton manchmal noch etwas gewaltsam, ist aber um differenzierte Charakterisierung bemüht. Von den übrigen Beteiligten fiel der dramatische Bariton Arie Pickel auf, über dessen Können aber nach diesen Proben noch kein abschließendes Urteil gefällt werden kann. Manfred Geis Wirtschaftskuriosa Wir entnehmen diesen Aufsatz dem Mitteilungsblatt der ״Hitachduth Olef Germania“. Der Kapitalist, der Anfang dieses Jahres für sein Geld in Wallstreet oder an einet anderen Weltbörse Aktien gekauft hat, muß darauf Ende Oktober etwa 150 «0 Verlust buchen; hätte er statt dessen gute palästinensische Werte erworben, wie sie etwa in Tel Aviv täglich notiert sind, so hätte er in der gleichen Zeit zum mindesten seine Substanz erhalten; die Erfahrungen in dieser Beziehung sind geradezu grotesk; wir wissen von einem in Jerusalem lebenden Investor, der an einem der letzten Paniktage nach New York aus begreiflicher Nervosität eine Verkaufsordre gekabelt hat und aus der Antwort ersah, daß sie etwa 20 No unter dem Vortagskurs ausgeführt worden war. Und wir wissen von einem Amsterdamer Mann, der Anfang des Jahres mehr aus zionistischem Interesse als aus Gewinnmotiven einige tausend Pfund General Mortgage Debentures (Pfandbriefe der palästinensischen Hypothekenbank) gekauft hatte und sie zur Deckung seiner dortigen Verluste verkaufen mußte. Er war geradezu sprachlos, als er die Verkaufsanzeige über seinem seinerzeitigen Erwerbskurs erhielt. Dabei galt es immer als ein Axiom, daß man an dei gewaltigen New-Yorker Börse ohne wesentliche Schwankungen auch große Aktienposten abstoßen könne, während man über die Tel-Aviver ״Börse“ immer nur lächelte und meinte: da könne man vielleicht kaufen aber nie wieder verkaufen. — Wie erklären sich nun diese Tatsachen, deren vorzeitige Kenntnis gar viele Menschen vor dem völligen Zusammenbruch bewahrt hätte? Sind die Zustände irr Palästina so befriedigend? Wir, die wir hier leben, wissen, wie wenig davon die Rede sein kann. Wenn schon in normalen Zeiten unser Boiler, sehr steinig ist und für rasches Ansammeln von materiellen Schätzen keine Möglichkeit bietet, so ist heute alles unendlich schwieriger, wo auf das Unruhejahr 1936 ein Jahr 1937 folgte, das uns eine bittere Krise auf dem Orangenmarkf, Unklarheit über die künftige politische Gestaltung des Landes, Einschnürung der Einwanderung, Konsumeinschränkung und Absatzsebwicrigkeiten und schließlich erneute Unruhen brachte. Wie also soll man jene Erscheinungen erklären, die doch um so rätselhafter sind, als Amerika uns doch als das reiche Wunderland geschildert wird (das neuerdings auch das Hauptziel der Emigranten aus Deutschland geworden is*). Vielleicht ist eine Erklärung darin zu finden, daß auch in anderen Liindem, auch in sogenannten reichen, die Dinge für die große Masse der Menschen nicht annähernd so schön liegen wie man sie sich par distance vorstellt. Um bei den Vereinigten Staaten zu bleiben: Das auf zehn Millionen geschätzte Arbeitslosenheer hat sich seit acht Jahren wenig verändert, ein sehr erheblicher Teil der Menschen wohnt in menschenunwürdigen, überfüllten, heruntergewirtschattetcn Wohnungen, namentlieh in den Städten. Und auf dem Lande unter den Farmern findet man trotz des eigenen Automobils häitfig große Armut, Fehlen von selbstverständlichen Annehmlichkeiten wie etwa elektrisches Licht usw. bei klimatischen Zuständen, die durch ihre Extreme wesentlich schwerer sind als hier. Eine weitere Erklärung mag darin liegen, daß hier erfreulicherweise die Spekulation in Effekten im europäisch-amerikanischen Sinne unbekannt und die großen Unternehmungen doch offenbar heut« vorsichtig aufgebaut sind. Das Entscheidende aber scheint in folgendem zu liefen: Trotzdem der Boden so steinig ist, trotzdem wir gerade jetzt eine schwere Konsumeinschränkung erleben, trotzdem fast jeder von uns mehr oder weniger zu leiden hat und gar manche Existenz bedroht ist, ist iiir den kühl Beobachtenden ein anhaltender Fortschritt in der Entwicklung des Landes unbestreitbar. Wer z. B. unseren Außenhandel studiert, der wird mit Erstaunen feststellen, wie da mitten in einer Depression sich sehr eigenartige Veränderungen namentlieh in der Ausfuhr vollziehen. Wie erinnerlich, wurde immer — und zwar mit scheinbarem Rechte — die ungeheure Passivität unserer Handelsbilanz als ein sehr ungesundes Symptom gerügt. So ernst diese Kritik zu nehmen ist, so vergaß_sie doch häufig, daß ein Aufbauiand zunächst Produktionsmittel ein führen muß, bevor es an den Export gehen kann, der sich erst später ergibt. Die neuerliche Entwicklung bestätigt das. Abgesehen von der immer größer werdenden Orangenausfuhr, die hoffentlich durch die schwebenden Verbesserungen auch allmählich preislich mehr befriedigen wird, sehen wir ganz deutlich einen entscheidenden Anstieg in einigen wichtigen Fertigprodukten. Vor allem fällt das allmähliche Hervortreten von Kali und Brom aus dem Toten Meer auf; man scheint dort aus den Versuchen zur kräftigen Produktion zu kommen; auch die Ausfuhr von Speiseölen steigt rasch (Shemen usw.). Speziaiartikel, wie künstliche Zähne, zeigen, was Tiichtigkeit vermag. Und so haben wir in einem Monat, ohne Zitriisverschiffung, wie August dieses Jahres immerhin einen mehr als doppelt so hohen Export wie vor einem Jahr (£]> 154 000 gegen CP 64 000). Was das eigentliche Rückgrat unserer Arbeit, die Land- Wirtschaft, anbelangt, so hat sie leider nur zu viel Grund zur Klage (wie übrigens überall aut der Welt). Aber auch hier ist zu hoffen, dal) wir 71: einem Fortschritt gelangen werden, ln erster EDV« handelt es «sieh liier darum, die verhe er ende Handelsspanne zwischen Produzenten- und KonsUmentenpreis zu verringern. Daran wird jetzt gearbeitet. Den Vorteil müßten beide, der Landwirt und der Verbraucher, haben. Denn auch dieser hätte billigere Preise bitter nötig, in einem Land, in dem die Lebenskosten überraschend hoch sind und infolgedessen das Realeinkommen der Massen äußerst niedrig ist. Als einen Grund hierfür namiten wir eben die ungesunde Handelsspanne. F.in zweiter nickt weniger widriger ist die hohe Zinsenlast Jeder Kenner weiß, daß ohne billiges Geld weder eine billige׳ Wohnung denkbar ist noch der Landwirt auf die Dauer existieren kann. Und das führt uns zu der dringendsten Forderung _der Stunde: Wir brauchen zur Ueberbriickung der gegenwärtigen Depression eine Befruchtung des Lindes mit reichlichem bitllg c 11 G e I d, und zwar zunächst für die nationalen Insfitutionen, denn in Zeiten wie diesen muß überall «die öffentliche Hand mit Aufträgen aller Art zur Ankurbelung der Wirtschaft eingreifen. Ernst Kahn, Jerusalem Von der Schiffsgesellschaft ״Atid“ Die Schiffsgesellschaft ״Ätid“ hat einen großen Teil Ihrer Tätigkeit in den palästinensischen Häfen eingestellt. Derzeit ist nur das Schiff ״Amal“ auf der Linie Palästina— Aegypten tätig. Die ״Alisa“ ist verkauft worden, ״Richard Burchardt“ wurde in europäische Häfen dirigiert, die ״Atid“ hat auf gehört, zwischen Palästina und den Nachbarländern zu verkehren. Im ״Dawar״ untersucht — wie uns aus Tel Aviv berichtet wird — L Bendavid die Gründe, welche die Gesellschaft veranlaßt haben, ihre Tätigkeit in Palästina einzuschränken: die politische Spannung zwischen Juden und Arabern hat die Gesellschaft einen guten Teil ihrer Kunden in Palästina und den Nachbarländern — die Schiffe verkehrten zwischen allen Häfen des östlichen Mittelmeeres — ekostet. Ein sehr erschwerendes Moment war die Konurrenz der ägyptischen Schiffe. Diese waren bereit und befähigt, Verluste zu erleiden, um die Konkurrenz zu besiegen, und hatten dabei die Hilfe der ägyptischen Regierung. Der Arbeitslohn auf den ägyptischen Schiffen ist viel niedriger als hei der palästinensischen jüdischen Gesellschaft. Der jüdische Kapitän z. B. hat £ 20—22 Monatsgehalt, der agyptische £ 12—14. Der Gesamtunterscliied der Arbeitslöhne auf zwei Schiffen betrug im Monat £ 75. Dazu kam auch noch der Umstand, daß die ägyptischen Schiffe seit langem das Privileg besitzen, Postschiffe zu sein. Dies gibt ihnen in allen Häfen das Vorrecht einer schnellen Löschung ihrer Ladung, Der längere Aufenthalt in den Häfen bedeutet für die jüdischen Schiffe eine Verteuerung ihrer Fahrtspesen und eine Unbequemlichkeit für ihre Kunden. Die ägyptische Regierting bat ferner, um ihren Schiffen beizuspringen, ein Gesetz herattsgegeben, das Schiffen mit einem Rauminhalt unter 1000 Tonnen verbietet, Waren zwischen den ägvptischen Häfen zu führen. Daher war die Gesellschaft gezwangen, ihr Schiff ״Alisa“ zu verkaufen, das ictzt zwischen Aegypten und dem Hodschas als Pilgerschiff Dienst tut. Der jüdische Kapitän und ein Teil der jüdischen Bemannung bleiben im Anfang im Dienst der jetzigen Besitzer, einer ägyptischen Gesellschaft. Arie diese Schwierigkeiten im Dienst an der palästinensischen Küste häuften sich zu einer Zeit, wo für die Gesellschaft im Dienst europäischer Häfen gute Gewinne in Aussicht standen. Diese Umstände haben dazu beigetragen, daß die Gesellschaft ihren palästinensischen Dienst herabgesetzt bat. Es schweben ictzt Verhandlungen zwischen den jüdischen Behörden und der Gesellschaft, und es steht zu hoffen, daß diese Verhandlungen von Erfolg begleitet sein werden, zumal die Gesellschaft finanziell auf guten Grundlagen fundiert ist. Die ,,Palestlne Post“, die einzige in Palästina erscheinende Tagesze׳fung in englischer Sprache, blickte am 1. Dezember auf fünf Jahre ihres Bestehens in der heutigen Form zurück. Die Zeitung spielt insofern eine besondere Rolle innerhalb der öffentlichen Meinungsbildung Palästinas, als sie, ein jüdisches Organ, zugleich die wichtigste Informationsquelle für die e n g I i s c .1 e oder sonstige europäische Bevölkerung bildet und auf diese Weise die große Verantwortung trägt, eine Brücke zwischen jüdischen und englischen Kreisen zu sein. Sie wird auch gelegentlich von Engländern und sogar von Arabern zum Zwecke der Meinungsäußerung benutzt, insbesondere in der Form von Briefen an die Redaktion, eine Rubrik, die mit zu den besten und nützlichsten des Blattes gehört. Die ״Palestine Pest“ hat s’ch in dem letzten Jahre sehr entwickelt und wurde sowohl inhaltlich als auch äußerlich ausgehaut. Durch ein besonderes Arrangement mit der Londoner ״Times“ ist sie in der Lage, wichtige Artikel dieses Blattes wenige Tage nach ihrem Erscheinen auch den palästinensischen Lesern vorzusetzen. Wir übermittein der ״Palestine Post“ anläßlich ihres Jubiläums unsere kollegialen Glückwünsche und hoffen, daß sie sich in immer stärkerem Maße zu einer großen Zeitung europäischen Formats entwickelt. Die Juden und Wauchope ln einer Besprechung der Wirksamkeit von Sir Arthur Wauchope in der Zeitschrift ״Boustcnai“ spricht Mosche S in i 1 a n s k i die Meinung aus, daß Wauchope ein vornehmer Geist war, der das Ziel der Befriedung Palästinas vor allem durch geistigen Einfluß erreichen wollte. Er hebt hervor, daß Wauehone, der in den Geist des Zionismus vor allem durch Arlosoroff und Schmarya Levin eingeführt wurde, sich nicht auf offizielle Beziehungen beschrankte, sondern einen großen Kreis von Freunden und Bekannten unter Arabern and Juden hafte, mit denen er auch in regem Brief- Wechsel stand. Manche von diesen haben, so bemerkt Smiianski, zahlreiche handschriftlich geschriebene Briefe von Wauchope. Aul diese Weise wollte er seinen direkten Einfluß auf alle Schichten geltend machen. Sinilanski kritisiert aber Wauchope insofern, als er d׳r Möglichkeiten solcher ,.geistigen Beeinflussung“ fibcrscluFzte. Als im November 1933 die arabische Demonstration in Jaffa mit Waffen״ grwalt unterdrückt wurde, wurde der Polizeioffizier, dem dies gelungen war, strafversetzt. Das war rin Fehler Watichopcs, der sich auch bei anderen Gelegenheiten später zeigte. Denn auch der vornehmste geistige Einfluß versagt gegenüber Gewalttaten, die eben nur auch durch Gewalt ztt bekämpfen sind. Aber auch die J u d e n 11 e i t Palästinas hat, so fährt Sinilanski fort, schwere Fehler begangen, die bei dieser Gelegenheit erwähnt werden müssen, vielleicht nicht bewußt, aber doch aus Gedankenlosigkeit. Der' erste Fehler dieser Art war die illegale Immigration, die /tun ersten Male den High Commissioner gegen di״ Iud'11 verstimmte. Eine illegale Immigration, so schreibt Sinilanski, war immer unrichtig, und cn׳׳׳nr zur türkischen Zeit waren sowohl Herzl als auch Acbad Haant Gegner der illega'en Immigration. Um wieviel mein׳ war sie denlaciert unter einem High Commissioner, der die legal״!m!ni׳r־׳,rrion auf 60 epD ,Menschen im Jahre steigen ließ! Den zweiten sHiweren Fehler der Juden sieht Smihv’ski in d־״ Haltmtder j ii d i s c 11 en Tagespresse. De־־ f ligh Gnmmbsbiner hafte ebte besondere Be- Ziehung zur Press״ und versuchte, mit ihr in eine freundliche Zusammenarbeit 711 kommen. Die iüchsche Tngesnrcsse habe aber ohne Ausnahme das Niveau, das der Digit Commissioner angestrebt hat(־״, außer acht gelassen. Wir haben hei uns, so schreibt SnPanski eine Neigung zur Kritik, die oft alle Grenzen iib״rs*e׳gt. Wir betrachten es als unsere Pflicht, immer nur das Schlechte zu betonen und das Gute zu vorschweigen. Diese fortwährende Kritik der Presse mußte dem High Commissioner verstimmen und vergrößerte die Kluft zwirchen Juden heit und Wauchope. Im letzten Teile des Aufsatzes kritisiert dann Smil anski Waitchones durch seinem «tgenen Charakter teilweise erklärbaren Mißerfolg bei der Bekämpfung des Aufstandes von 1936. Todesfall. Am 25. November starb in Tel Aviv Urizbi Ascher. Er stammte aus Nördlingen, gehörte viele Jahre in München dem Vorstande der orthodoxen Synagogengemeinde ״Ohel Jnakov“ an, anfangs 1036 wanderte er nach Erez Israel aus. Sein besonderes Interesse galt den Bestrebungen, für die aus Deutschland cingcwandcrten Juden im Lande einen streng gesetz(׳streuen Gottsdicnst nach deutschem Nussach (wenn auch mit senhardischer Aussprache) zu schaffen. So nahm Ascher an der Gründung der religiösen Vereinigung ״Schivath Zion“ teil, wurde in den geschäffsfiihrenden Vorstand gewählt und mit dem Amte des Vorsitzenden der Kultuskommj^rion betraut. Tatkräftige Mit- Wirkung widmete er insbesondere dem Bau der netten Synagoge an der Elieser heil Jehuda-Straße, sowie der Aus- Gestaltung des Gottesdienstes in dieser Synagoge. Dr. Alfred Werner (Tc! Aviv) (Schluß des Palästinateils) »