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Jüdische Rundschau · 1937-12-10 · Heft 98 (10.12.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 98 (10.12.1937)
Date
1937-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 10. XII. 19SX IN ALLER KURZE Außenminister Eden erklärte auf eine Anfrage im englischen Unterhaus, daß die britische Regierung über eine »ntibritische und antijüdische Agitation im Jemen keine Nachrichten besitze. Er sagte 2u, weitere Nachforschungen anzustellen. George Lansbury, der eine Reise nach Pole•! angetreten hat, erklärte vor seiner Abreise, daß er sich u. a. auch mit dem jüdischen Problem in Polen beschäftigen wolle. Die Universität in Lemberg wurde wegen der Haltung der nationaldemokratischen Studenten auf unbestimmte Zeit geschlossen. 30(' Schüler einer Wilnaer Mitte’schule unterzeichneten eine Petition mit der Forderung auf Einführung von Ghettobänken. Das Warschauer Oberste Gericht bestätigte das Urteil auf lebenslängliches Zuchthaus gegen Jehuda Leib C h a s k i e! i e w i c z, den Mörder des Sergeanten Bujak, Dieser Mord fühlte seinerzeit zu den antijüdischen Ausschrei־ tungen in Minsk-Mazowiecki im Juni 1036. Chaskieliewicz war ursprünglich zum Tode verurteilt worden. Dr, W. Filder mann ist von seinem Amt als Präsiident der ״Union rumänischer Juden‘‘ zurückgetreten. Das Komitee der jüdischen Organisationen in Mexiko hat dem Präs identen Cardcnas ein Memorandum gegen die antisemitische Agitation in Mexiko überreicht. Der Prä- *ident wird ersucht, Schritte gegen diese Agitation im Lande zu ergreifen. Die Abgeordneten der Jüdischen Partei, Dr. Angefo Gold st ein und Dr. Chajirn Kugel, hatten anläßlich der parlamentarischen Behandlung des tschechoslowakischen Staatsbudgets eine Aussprache mit dem Minister- Präsidenten Dr. Milan Hodza, der erklärte, daß die yersprcchiingeu, die der jüdischen Minderheit gegeben wurden — cs handelte sich damals vor allem um die Verstaatlichung des hebräischen Scliulwerkes in Karpathorußland — in der nächsten Zeit realisiert werden sollen. Dieser Tage feierte, wie uns ans Wien geschrieben wird, Professor Dr. Alois Strasse(, der Abteilungsvorsiand der Wiener Poliklinik, seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde der jüdische f orscher, der als Baineologe und Internist internationalen Ruf genießt, von der niederüstmeichisehcn Gemeinde KaHenleutgebcii, wo Professor Strass er eine Kuranstatt .!eitet, zum Ehrenbürger ernannt. Die Poliklinik hat sich mit einer Festschrift eingestellt, in der bedeutende medizinisehe Gelehrte Oesterreichs auf die großen Leistungen des jüdischen Gelehrten himveisen. Der wiirttcmhergisrhe Kultusminister hat die früheren Verfügungen übe■׳ die Möglichkeit von Nachprüfungen in de r h e h r n i s e h e n Sprache für St ndicrende der evangelischen Theologie mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Staatliche Prüfunger in Hebräisch werden künftig nicht mehr Bbgehalten. .Die Firma B e 11 e!1 -I. u s t i g in Berlin ist in arir-hen Besitz Übergebungen. — Das Ca f £ Wien und der 7j. g e u n c r k c I I e r in R e r 1 i 11, Kurfürstcndainm, sind!1 arischen Besitz übergegangen. Anfechtung einer Mischehe ans der Zeit vor 1900 Das Reichsgericht hat vor kurzem eine Entscheidung über die Anfechtung einer Elte zwischen einem deutschen Und einem jüdischen Ehegatten, die vor dem Jahre 1900 ab• geschlossen war, getroffen. Das Reichsgericht sprach in seinem Urteil vom 18. 10. 37 aus, die Verschiedenheit der Rasseztigehörigkeit könne — wie dies das Reichsgericht in einer Reihe vor! Entscheidungen anerkannt hat — bei einer nach 1900 (dem Inkrafttreten des RGB.) geschlossenen Ehe einen Anfechtungsgrund bilden. Die Bedeutung der Rasse und der für ein Volk ans Mischehen entstehenden Gefahren sei im Volke erst durch das Wirken des National- Sozialismus allgemein erkannt worden. Der neue Rassengedanke habe auch für die Anfechtbarkeit von Ehen eine Wesentliche Bedeutung, immer jedoch nur im Rahmen der bestellenden Gesetze. Infolgedessen komme eine Anfechtung dort nicht iri f׳'r3״e, wo das geltende Recht einen Anfectitungsgrinid nicht keime. Dies sei bei den Ehen der Fall, die vor dem Jahre ln (!0 geschlossen worden seien. Hier gelte Artikel.. 198 des Ilinfü hrungsgesetzes zum BGB. Irn . vorlirgcnulcn Falle kommt der Artikel ISO des Code Civil in Betracht, der zwar eine Anfechtung der Ehe wegen Irrtums über die Person, nicht aber wegen Irrtums über Eigenschaften {Abstammung tisw.) zulasse. Man seit reibt uns: Durch einen feinen S|)riihregen geht tnan langsam vom Boulevard Montmartre durch einige enge, srlilauchartige und ';irmertiillte Straßen nordwärts. Man steigt und steigt. Schließlich befindet man sich an der höchsten Stelle des Pa!Per Nordens, dein Montmarlrchügel, ״la butte“ genannt. Eine weißgertrichenc Mauer, ein eisernes Portal mit einer Klingel und einem Guckloch, darüber eine flatternde Tricolore, d;,hinter eine sichere /ufhichtsstritle für Juden aus allen Winkeln der Welt, für kurze oder längere Zeit hier zur Ruhe gekommen. Wir sind in der ״L׳Association Philanthropique de l’Asile de N'uit et de Jour“. Mit einigem Widerstreben kurz das ״Asyl״ genannt. An diesem Abend, dem dritten der Chanukkahwoche, will mar! den Bewohnern eine aufheiterndc •Zerstreuung und anschließend ein besonders gutes Essen, bieten. h!1 Tagesraum, einem hellen und großen Saal, ist ein Podium errichtet. Ein ,,internationales Publikum“, mehr als 400 Menschen beiderlei Geschlechts, erwaitet gespannt die Darbietungen, deren ausübende Künstler selbstverstündlich aus den derzeitigen Gästen des Asyls zur Verfügung stehen. Aus dem Kreise einiger anwesender Gönner spricht Monsieur . H. N a c h b a, Hauptkassierer des Asyls und seine starke wirtschaftliche Stütze; in allem die treibende Kraft, mit vollstem Verständnis jeder! Fall begreifend, für jede Situation das richtige Wort findend, Nach einigen Darbietungen wurde rum Essen gerufen. Schnell wurde angefaßt, die Bänke wurden in den Eßsaal getragen, wo auf 18 Tischen mit je acht Plätzen der erste Gang, süßsaure Fische und Weißbrot, a1׳?getragen war. Suppe und Gemüse, alles auf Wunsch zweimal gereicht, Obst und Kuchen folgten; zufrieden stand man auf und machte dem deuxieme Service und dem dann anschließenden troisitme Service Platz. Denn heute waren mehr als 30t) Esser da. An jedem Tage wurden in diesem Hause, das im Jahre 1900 Begründet wurde, im Durchschnitt 400 bis 450 Portionen warmes Essen vollkommen kostenfrei aus gegeben, dazu weißes und dunkles Brot in reichlichen Mengen. Monsieur Nachba hat schon recht: niemand braucht zu hungern. Können er und seine Freunde und Mitarbeiter auch nicht neue Existenzen schaffen, so nehmen sie den Flüchtlingen und sonstwie Bedrängten docli die Sorge um das nackte Leben und das Obdach, erhalten Ihnen die Widerstandskraft und geben ihnen in täglicher Sprechzeit Gelegenheit, alle ihr Leben berührende Dinge vorzubringen, Juleps Wie unsere Jungen lernen Die jüdische Jugend in Deutschland hat viel zu lernen, Praktisches und euch Jüdisches. Leider ist es unmöglich, die gesamte Jugend in dieser Hinsicht zu schulen, aber durch die Ausbildung von Führern, die das erarbeitete Wissen an die Mitglieder der Bünde weilergeben, suchen die verantwortlichen Instanzen einen möglichst großen Kreis zu orfassen. Die Mitglieder der Bünde und darüber hinaus das indische Publikum, besonders Ellern, die selbst Kinder in Bünden hohem, wird es getvif1 interessieren zu erfahren, wie diese Schulung der Führer vor sich geht jirid wie die jangen Leute dort leben. Wir bringen nachstehend die überaus lebendige Schilderung eines Teilnehmers der alle Gebiete jüdischen Wissens umfassenden Kurse, die in vergangenen Monat im Bröltal abgehalten wurden. ,Red.) Der Lernmonat im Bröltal Von einem T״־'nel1mer Das Jungfülirersemin; des ״Rekhsausschusses jüdischer Jugondverbände“, das gemeinsam mit der ״Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung“ im Bröltalhaus veranstaltet wurde, ist beendet, aber es lebt weiter in den Eindrücken, in den neuen Wissensstoffen, in den Formen des Lernens und Lehrens, die wir dort gesammelt haben und die wir, so gut wir es eben können, in alle Bund״ hinaustragen wolle!!. Alle zionistischen Bünde, Bachad, Makkabi HazaP, v;erkleute, Habonini, Haschomer Hazair, hatten itire 1nehr oder weniger grüß« ״Delegation'' ins Bröitaihaus geschickt, in dieses kleine gemütliche Landhäitscben, mit den kleinen, hellen, sauberen Zimmern uiul dem weiten Blick über die Berge des Siegerlandes und in das ruhige schmale Bröltal, das die Verbindung mit der ״Welt ׳ durch eine kleine Schmalspurbahn aufrecht erhält, die schon allein deswegen genannt werden muß, weil sie zur Belustigung des ganzer! Lagers nicht wenig beigetragen hat, so daß auf unseren ,,feurigen Elias" ganze Lieder entstanden. Chawerim kamen zusammen, aus allen Gauen Deutsclilands, aus verschiedenem Milieu, aus allen Berufsschichtungen, von Hachscharah und [FEST# s!r11n1p!e.Sirmren uiasctie. Handschuhe / 1!t.-scB0!***(1g. 1 Grunewaldstr. די I 8. 88* PI. Tel. aus Städten, aus verschiedenen hündischen Wegen und Er- Ziehungen, mit auseinandergehenden religiösen lind sonstigen Anschauungen, ungleichmäßiger Schulbildung und weiterem Bildungsweg, verschiedensten Interessen und Begabungen, 16- bis 21jährige — Unterschiede, die man nicht gering schätzen darf und hei deren Ueherwindung oder Nichtüberwindung 50 ein ganzes Seminar stehen und fallen ,׳ann. Aber eines hatten wir alle, wir 29 Chawerim und 4 Chaweroth gemeinsam: Alle arbeiten wu gemeinsam, der eine hier — der andere dort, der eine auf dieser — der andere auf jener Basis, an der Organisierung, an der Er- Ziehung und Bildung unserer jüdischen Jugend in ׳־Deutsch• land, auf einen! uns alle verbindenden gemeinsamen Wege, der nach Erez Israel führt. Es war »ms von Anfang an gelungen, alle Mei־־ungs- Verschiedenheiten zurückzudätnmen zugunsten unserer dreiwöchigen gemeinsamen Arbeit und eines echten freundschaftliehen Zusammenseins. Und daß uns dies so gut gelungen ist, ist nicht zuletzt zurtickzuftihrrn auf die Leitung des Semiriars durch Flcrrn Prof. Dr. Kantorowicz, Hcs‘-r״ umsichtige und (ur alles besorgte Hand, ich möchte fast ragen ״schützend“ über dem ganzen Lager lag, so daß durch die Zusammenarbeit zwischen ihm und uns bis zum letzten Augenblick eine ganz bestimmte Atmosphäre gewählt blieb, die dem ganzen Seminar ״seinen“ beson einen Ausdruck verlieh und den besonders wichtigen einheitlichen Charakter prägte. Regelmäßige Zeiteinteilung des Tages und dry Lehrknrse, unbedingte Pünktlichkeit, Konzentration in den Kursen, bedingt durch zeitlich richtige und in der Dauer ge-!lügende Freizeit, Möglichkeiten uni Anregungen zur Freizeitgestaltung, Ruhe wo und wann auch immer, gegenseitige Rücksichtnahme in jeder Beziehung, ״schöne“ ausgewähite abendliche Veranstaltungen - das sind einige der von unS selbst gestellten Parolen oder Bedingungen, ohne deren Erfiillung ein Lernmonat, so glaube ich, überhaunt nicht gelingen, vielleicht sogar nickt einmal irgendeine Gemein- Schaft aut die Dauer existieren kann. — Morgens um 7 Uhr schrillt die Glocke. Durch das ganze Haus geht ein Strecken. Die ersten Laute — die ersten Schritte. Schnell den Schlafanzug vom Leibe, rein in den Trainingsanzug. Mit unwiderstehlichem Lärm rast die Lagerleitung durch die so heiligen Hallen des Schlafes und versucht in ״vornehmer“, ganz individueller Art, indem sie einfach den Chawer nebst Decken aus dem Bett herauszieht, selbst den hartnäckigsten und festesten Schläfer, wie z. B. mich, in die Gemeinschaft der Frühsporthegeistcrten eiiizugliedern. Draußen im Dunkel des kalter! Winterraorgens ist schon das erste möglichst geräuschvolle Ausatmen zu hören, die ersten Früchte des Adlerschen Atemkurses. Es ist schon verdammt kalt dort oben in den Bergen, und so ein kleiner Waldlauf bringt das Blut, die noch schlafenden Muskein und Gelenke, wieder in Bewegung, und nach wenigen Minuten spiegelt sich in den eben noch verschlafenen Gesiebtem die Frische des Novembermorgens. — Noch einige Freiübungen und dann — hinein in das kalte Waschwasser. — — Sehalom alechem, alechem schalom — so be• ginnen wir unseren Tag, das ist unser Morgengrüß an alle Welt — an jeden Einzelnen von uns — einstimmig und im Kanon gesungen erklingt es aus allen Kehlen der um den weißgedeckten Kaffeetisch stehenden Chawerim und Chaweroth — schalom alechem-. Man reicht sich die Hände, wünscht ״betcawon“ (guten Appetit) und nimmt seinen Morgenkaffee, ißt seine Matmeladenbrote, und schon bei den netten kleinen Tischunter־ haltungen hat man das Bewußtsein, daß einer den anderen zu verstehen versucht, daß man gemeinsam Dinge besprechen und klären ־will — eine Gemeinschaft im Werden. Aber nicht nur dort fühlt man das Werden einer Gemeinschaft, vielleicht sogar über eine Lerngemeinschaft hinaus, man fühlt es im Singen, bei der Horrah, bei Spazier* gangen zu zweit, zu dritt, zu viert..die in der großen Freizeit nach dem Mittagessen von 1 bis 41/1 Uhr stattzu* finden pflegen. Gerade diese Freizeit empfand ich als eines der wert• vollsten Dinge des Seminars, Sie gab außer einer gewissen Entspannung־ Gelegenheit zum Studium unserer Lagerbibliothek, einer Bibliothek von einer Größe und Reichhaltigkeit, wie sie wohl nur wenigen von uns dauernd oder auch nur zeitweise zur Verfügung stehen kann. Hier hatten wir einmal Gelegenheit, selbst die Quellen in die Hand zu be* kommen, einen Ueberbliek über einen großen Teil jüdischen Kulturschaffens zu gewinnen, wobei uns wiederum Prof. Dr. Kantorowicz durch Hinweise half, sei es durch Aufnahme ein* zelncr Abschnitte verschiedener Werke in seinen täglichen Essensspruch oder in den öfteren abendlichen Literaturbesprechunger. Aber diese Freizeit wurde nicht nur ausgenutzt mit Lesen, Briefeschreiben, Zeitungslektüre — oft streifte man zu zweit durch die schöne Umgebung, wo man in aller Ruhe gegenseitig Gedanken austauschte -י Gedanken über die stattfindenden Kurse und deren spätere Verwertung, Aussprache über die einzelnen hündischen Wege, Austausch an Erfahrungen in der Erziehuugs- und Bilduagsarbeit, Gedanken über unsere zionistiseh-chaluzische Verwirklichung — es gab an solchen Themen noch mehr. Gerade diese Unterhaltungen haben manche Brücke geschlagen, haben einen des arideren Dinge sehen und verstehen lassen über alle Prinzipien und ״Dogmen“ hinweg. Man hat einmal, was man sonst so schwer tut, in dem Gegenüber mehr gesehen als nur den Vertreter und Verfechter irgendeiner Meinung. Aber nicht nur aus der Gestaltung dieser Freizeit haben wir Kräfte gewonnen, neue Dinge gesehen und erfahren — ein abgeschlossenes und einzigartiges Erlebnis bildete der ״A b e n d“. Heute sagt man schon mit einem kleinen Seufzer: Wie schön war es doch, als wir uns kurz nach dem Abendbrot in einem Kreise fanden und so den Abend ganz für uns und von uns gestalten konnten, als wir sangen, als wir Gedichten lauschten, als wir eine ungezwungene Unterhaltung mit den jeweiligen Dozenten führten, als wir uns gemeinsam Bilder großer Meister ansalten, als wir unseren Zeichenweftbewerb austrugen, als wir — — als wir-. Musik — in einem ganz dunklen Raume — man hört fast den Atem — und leise klingt sie zu uns, in uns hiiicin: Violine, Klavier, Cembalon, Gesang-Musik, so gehört, füllt in dem Tag die letzte Lücke, gibt ihm die Letzte Rundung, gibt Ruhe und tiefe innere Zufriedenheit. So war unsere letzte Abendstunde von 9 bis 10 Uhr, bevor wir den Tag ausklingen ließen in ״Adir 10 janum, adir 10 jischan — schomer Jisracl-“ (״Es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels“). Es lag eine wirkliche Atmosphäre des Lernens über dem Lager, diktiert von den jeweiligen Kursen, aber eine Lernatmosphäre in ihrem guten Sinne — und Stirnniung und Atmosphäre drückten sich auch in der Haltung jedes Einzelnen aus. Dieses Seminar hatte die Prägung jedes Einzelnen, aber prägte auch jeden Einzelnen. Ich habe es mir nicht zur Aufgabe gemacht, über die Auswahl und die Behandlung der einzelnen Themen in den Kursen zu schreiben, ich weiß auch nicht, ob mir dies zustehen würde, aber eines glaube ich dazu sagen zu müssen: Wir haben wieder einmal bemerkt, welche großen Lücken in unserem Wissensgerüst offen sind und wie selbst das ganze Gerüst und auch der Boden noch recht wackelig sind. Aber die Aufgabe dieses Lernmonats, so glaube ich, wäre nicht richtig gestellt gewesen, sollte er dies und nicht mehr erwirken. Er mußte Wege systematischer Selbstarbeit zeigen, eine gewisse Methodik herausschälen, Anlcitungen und Hinweise geben, Anhaltspunkte und Richtlinien aufstellen, vielleicht sogar ein kleines Fundament schaffen. Wir Teilnehmer, vor allem aber der Reichsausschuß und die Mittelstelle, haben alles getan, um dieses Seminar zu einem glücklichen und für uns alle wertvollen Ende zu führen. Wir alle sind davon überzeugt, daß sie uns auch weiterhin unsere Weiterbildung, unseren gegenseitigen Erfahrungsaustausch unterstützen und uns in unserer Arbeit mit Anregungen, Rat und Tat zur Seite stehen werden. Besonders wünschenswert wäre die Veranstaltung eines mehrmonatigen Seminars. Es gibt meiner Meinung nach keine andere Möglichkeit, um die oberflächliche und oft ungenügende Bildungsarbeit aus unseren Bünden auszuschalten, Bei einem solchen längeren Seminar müßte selbstverständlich auch die Iwrith- Arbeit die nötige Betonung finden, was bei einem Lernmonat nicht so leicht durchführbar ist. Abschließend möchte ich sagen; Dieser Lernmonat verdient seinen Namen. Wir'haben gelernt. Hans Hermann Empfang der Habituah. Zu Ehren der in London gastierenden Habimah fand am 1. Dezember im Hause von Lord und Lady M e 1 c h e 11 ein Empfang statt. Die künstlerischen Darbietungen des Abends eröffnete Franz Osborn mit einigen Klavierwerken. Dann trug Channah Rowina das Flohe Lied Salomos vor; ihre meisterliche Wiedergabe, halb in gesprochener hebräischer Deklamation gehalten, halb rezitatorischem Gesang an genähert, machte auf die Anwesenden starken Eindruck. Zu!n Schluß erfreuten die Mitglieder des Tel-Aviver Theaters ihre Gastfreunde durch hebräische Lieder und einen palästinensischen Volkstanz. Jehudi Menuhin gab diese Woche ein Konzert in New York, in dem er Schumanns Verlorenes Violinkonzert zutn Vortrag brachte. Der Künstler •wurde enthusiastisch gefeiert Die tschechische Zeitung ״LIdovS Novlny“ veranstaltet alljährlich eine Enquete über das interessanteste Buch des Jahres, an der einige Hundert führende tschechoslowakische Politiker, Wirtschaftler und Künstler teilnehmen. ln diesem Jahre wurde unter den interessantesten Büchern die in tschechischer Sprach« erschienene Geschichte des Zionismus, deren Verfasser Dr. Hans Lichtwitz (Prag) ist, angeführt. Aut der ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU״ v. 6.12,1912 ►)'.*■■‘י Der jüdische Duma-Abgeordnete Friedmann äußerte sich in einem Gespräch mit dem Petersburger Berichterstatter einer Warschauer jüdischen Zeitung, er werde jetzt täglich in Hunderten von Telegrammen ans der Provinz bestürmt, zugunsten ausgewiesener jüdischer Familien in Südrußland sowie in den Dörfern des An- Siedlungsrapons zu intervenieren. In jüngster Zeit sind allein aus den Dörfern der Gouvernements Wolhpnien, Podollen und Jekaterinoslaw mehrere hundert jüdische Familien ausgewiesen worden. Es wird bekannt, daß die amerihanische Regierutt g nicht beabsichtigt, zum Ersetz des am 1. Januar abgclaufenen Vertrages mit Rußland ein neues Abhommen zu treffen oder einen modus vivendi einzugeben. Ri schon Le-Zion. Die Bewachung unserer Kolonie wurde der Wächter Organisation ״Haschomer" übertragen, die auch die benachbarten Kolonien B’er Jakob und Rechdboth überwacht.

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