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Jüdische Rundschau · 1937-12-07 · Heft 97 (7.12.1937) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 97 (7.12.1937)
Date
1937-12-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 97, 7. XII. 1937 VII. Jecheskel Das babylonische Exil. Nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar (580) wurde der größte Teil der jüdischen Bevölkerung I'aiästi nas nach Bahvlonien deportiert. Es begann eine neue Epoche, die entscheidende Folgen für die weitere Entwicklung hatte: die der ״babylonischen Gefangenschaft“ <5St>—537). Fern von der zerstörten Heimat und Von der Stätte, die einst das nationale Zentrum des Kultes war. vollzog sieh eine Verinnerlichung des religiösen Lehens, eine ״Läuterung der Herzen“, eine Sammlung und Koordinierung der geistigen Kräfte, [las Wort der grollen Propheten, das auf dem Boden des Heiligen Landes scheinbar unwirksam verhallt war, brachte in der Fremde seine reichsten Früchte•, erst hier konnte die von ihnen verlangte Vcischmelzt! n g der k 11 11 i s c h e 11 mit der r e I i g i ö 3 - sittlichen Idee eine konkrete Form erhallen und auf das Volksleben gestaltend einwirken. Leben und Werk. Vorbote dieser inneren Wandlung war der Prophet Jecheskel {— ״Uott ist stark“; nach der Septiiaginta, b/w. der Vulgata, auch Fiesekiel oder Ezechiel genannt), Sohn des f'usi. Als Priester des Tempels in Jerusalem gehörte er zu den i 111 j.ilue 507 zusammen mit Kön'g Jojaihio nach fiaby.on fo tgc- 11.11, teil Vornehmen •des Liinles. Im Exil leige er in der jinlisehen Kolonie Tel Aviv am Flusse Ke״ bar (der ״große Ka״ na!“, der die Stadt Nippen (!tirrhsclinci״ de!). 1111 5. Jahre sei-!11. ner Verbannung (i!'/J)!:•! erleide Jecheskel seine Bcrnfungsvisiosi: Führer, Mahner und Exulant eil gemeinde. Die Jerusalems bewirkte eine hier Propljctie: der Um״ T $ M. »r,r ui* ז>ז!- V• Ft H'l <f> II ><;!(>״■ r-״-F <H?:t 5;ז -? Y Y «,■4.-4 —Y ־, ai—a! 1 w ך——«-« t נ——כ| | ן P Inschrift des Königs auf einem Ziep (A". ,!<■:״ J IV, ja -Vclni kiulnczar clsteiii, ■V h!1:׳ m V.rhse! von 1111! Warner, von ihm jähe Aei an war! SecNorger um vorausgvsagte deniing des (, ■r geistiger ״Hin־׳ der Zerstörung Itaraktcrs se heilskümler venvamlehe sich in Prediger iri einen He'iisprophek'n. phetisclien Wirkens bikleie die künftigen (ioftesstaates, mit dem Mittelpunkt, einen TriMcr, der Strai- Den Ahschlsift seines progi'ollartige Vision des zuneuenicliteten Tempel als Persönlichkeit und Wirkung. Die Sonderstellung J<- clieskels in der geistigen üc-rhielite Israels ist durch seine Persönlichkeit und durch den I;ebergiingscharakter seiner Zeit bedingt. Er war noch Ausläufer der klassischen vorexilisclien Prophetie, die durch das Wort Gottes die Tagespolitik und das Staatsleben beeinflussen und lenken wollte; zugleich aber auch Vorläufer der fast ausschließlich auf die ״Endzeit“ der Erlösung eingestellten mystisch-symbolischen Pichtung der nachexiiischen Zeit, Das ’Eigentümliche an seiner Prophetie ist, daß in ihr alle wirksamen Kräfte des jüdischen religiösen Lebens gleichzeitig zum Ausdruck kamen: Er war Prophet und Priester, Prediger und Schriftsteller, Visionär und Gesetz.esgelehrter. Er betont sowohl das ethisch-persönliche, als auch das kultische und rituelle Moment. Der Geist Gottes ist für ihn ein ״kleines Heiligtum“ im Lande der Verbannung. Er schildert aber auch mit liebevoller Ausführlichkeit den zukünftigen Tempel und den Opferdienst im ״neuen icrusalem“. Mit Jecheskel begann das große Berk der Synthese, das im Laufe des folgenden Jahrtausends 'die Sc liriftge! ehrten und Gesetzeslehrer zu Ende geführt haben. Er gibt daher mit Recht als geistiger Urheber des ״rabbinischen Judentums“. Er ist aber auch der erste große jüdische Mystiker und durch seine Visionen vom Thronwagen und der Herrlichkeit Gottes, vom letzten Völkerkainpf am Ende der Zeiten (״Gog und Magog“) und vom zukünftigen theokratisehen jüdischen Staat, dessen wahrer König Gott sein wird, leitete jecheskel die Entwicklung der jüdischen Apokalyptik und Eschatologie (Lehre von den ״letzten Dingen“) ein. Bei keinem anderen Propheten kommen so oft wie bei ihm Ekstasen und sinnbildliche Handlungen zum Teil sehr absonderlicher Art vor, die man sogar durch eine krankhafte Veranlagung (Katalepsie) zu erklären versuchte. Sie entsprechen der überwältigenden Kraft seines inneren Erlebens von der Idee der ״/Majestät Gottes“ und von seiner ,,unendlichen Erhabenheit“ über den Menschen und den Propheten selbst, den ״Mensel!ensohn“. Literatur. Das Buch Jecheskel wurde vielfach übersetzt und kommentiert (von Smend, Cornill, Bertholet, Jahn, H. Schmidt, Rothstcin, E. Kriitzschmar, J. ITcrrmaun, P. Hei-!lisch!1. a.; vgl. die Bibelübersetzungen von Kautzsch, Buber und Torc/viier). Eine besondere Stellung nimmt der im strenggläubigen Sinne verfaßte Kommentar von Joseph Breuer ein (Das Buch Jecheskel, übersetzt und erklärt, Frankfurt a. M. 1921). -- U c h c r die Persönlichkeit und das Wer k des Propheten siehe: J. Schröder (1873), Cornill (I8S6), G. Hölscher (1924), J. Herrmann, Ezechiel-Studien (1908); Georg Richter, Der ezccliielsche Tempel <1914); L. Dürr, Ezechiels Vision von der Erscheinung Gottes <1917); S. Sprank- Wiese, Ezechiel-Studien (192(1); V. Herntrich, Ezechiel-Pro-!)!eine (1932). Es ist bemerkenswert, daß ein großer Teil der protestantischen Bibelforscher (so insbesondere Arndt, Duhnt, Kriitzschmar, Sellin u. a.) geneigt sind, Jecheskel abfällig zu beurteilen und seine Bedeutung als Prophet und Diciiter gering eiimischätzeii. Siehe dagegen: Patr. Herzog, Die ethischen Anschauungen des Propheten Ezechiel (1923); E. Brögelmann, 15er Gottesgedanke bei Ezechiel (1935) und J. Carlebach, Die drei großen Propheten Jesajas, Jirmia und Jecheskel (1932 in iiidiseli-tradilinnellem Geiste geschrieben). —- lieber die jüdische E s c 11 a t 0 1 o g i e und Apokalyptik siehe: W, ßousset, Die jüdische Apokalyptik (1903); Fl. Großmann, Die jüdische Apokalyptik (1903); N. Nessel, Einheit der jiidisehen Eschatologie (1915); L. Dürr, Die Stellung des Propheten Ezechiel in der israelitisch-jüdischen Apokalyptik (1923); G. Hölscher, Ursprünge ■der jüdischen Eschatologie (1925); P. Volz, Der eschatologisclic Glaube im Alten Testament (1935). Zum Aufsatz über Jeremia (Nr. 93): Im zweiten Satze am Anfang des zweiten Abschnittes (״Leben“) ist anstatt der Worte: ״kurze Zeit nach der unter König Josia vollzögeneu Kultreform“ zu lesen: ״kurze Zeit vor“ usw. — Die Literatur über Jeremia ist durch das oben erwähnte Buch von J. Carlebach (,,Die drei großen Propheten“, 1932) zu ergänzen. _ Dr. J. H. Auszeichnung. Benjamin Bloom, Mitbegründer und Direktor der Banco Occidental in San Salvador (Re■ publik El Salvador, Mittelamerika), ist am 18. November vom Präsidenten des Landes, General Maximiliane! H. Martinez, auf Vorschlag des Parlaments die Goldene Verdienstmedaille der Republik verliehen worden. Herr Bloom hat neben anderen Woliltäfigkeitsinstituteri dem Lande ein großes moder■ nes Kinderhospital geschenkt. Der Zoologe Professor Dr. F. S. ßodenheimer (Jerusalem) Sprach in London im Anglo-Pakstine-Klub über die wissenschaftlichen Arbeiten der Hebräischen Universität. Zusammenschluß der jüdischen Lehrer in Schlesien. Der seit vielen Jahren bestehende Verein jüdischer Lehrer in Schlesien hat im Jahre 1937 die gesamte jüdische Lehrer• schaff in Nicderschlesien erfassen können. In Anwesenheit der Vertreter der jüdischen Körperschaften in Oberschlesien hielt der Verein für die «berschlesischen Kollegen eine Tagung in Beuihen (O.-S.) ab. Der Vorsitzende, Lehrer Rosenstein (Breslau) faßte die Ziele dahin zusammen, daß dem Verein die Aufgabe zufalle, den einzelnen Lehrer aus seiner Isoliertheit zu lösen und ihm. fachliche Anregungen zu geben. Er konnte den Beitritt der gesamten oberschiesischen Kollegenschaft mitteilen. Dr, Willy Cohn (Breslau) hielt einen Vortrag über ״Die jüdische Schule als Stätte jüdischer Charakterbildung“. F. G. N, Ui deA kfeU Die Jüdische Rundschau hilft Adressen suchen (Unter dieser Rubrik veröffentlichen 'vir Anfragen aus unserem Leser• kreise betreffend den Verbleib vermißter Freunde. Jeder Anfrage sind zwei Briefmarken (bzw. aus dem Auslände zwei internationale Antwortsebeine) beizulegen. Diejenigen Leser, die über den Verbleib (lei Gesuchten Auskunft geben können, werden um Mitteilung ersucht.) Nr. 27. Frau Hermine Kaufmann, Karlsruhe, Kreuzstr. 21, sucht die Tochter ihrer Tante Klara Goldsc 11111 iüt aus Sterbfritz, geb. 1852, etwa 1S70 nach Nordamerika ausgewandert, Nr. 28. Frau Jeanette Glücksmann, geb. Lewin, geb. in Krojanke (Westpreußen), Breslau, Höfchenstr. 03, sucht die Kinder ihres Bruders Jakob Lewin und seiner Frau Minna, geb. Abraham, wohnhaft in Chikago. Nr. 29. Frau Helene Adler, Berlin-Cliarlottenburg 5, Fritschestr. 29a, sucht ihre Nichte Carry Adler, früher Philadelphia, Rittenhouse Plaza, sowie die Nachkommen von Hermann Simon, geboren in Wesel etwa 1830, ausgewandert nach Philadelphia etwa 1875 mit seiner Frau Sara, geb. Strauß. Nr. 30. Harry Pionski, Berlin-Halensee, Halberstiidter Str.2, sucht seinen Bruder Philipp, geboren in Simon (Westpreußen), zuletzt Brooklyn (USA.), Hartstr. Salomon Wininger, der dieser Tage in Cernauti seinen 60. Geburtstag feiert, ist der größeren jüdischen Oeffentlichkeit bekannt als der Verfasser der siebenbändigen ״Jüdischen Nationalbiographi e“. Es bedurfte schon einer gewissen Besessenlieit von einem bestimmten Gedanken, um ein solches Werk ohne alle Hilfsmittel aus eigener Initiative durchzuführen. Die Idee entstand bei Wininger in den ersten Zeiten des Zionismus nach 1897, und er hat 25 Jahre gearbeitet, bis 1925 der erste Band erschien. In kurzen Abständen folgen dann die anderen Hände, bis 1936 der siebente Band als Nachtrags-und Ergänzungsband herauskam. Das ganze Werk enthält mehr als 13 000 Lebensbesclireibungen von jüdischen Männern und Frauen aller Zeiten und Länder, die sich auf irgendeinem Gebiet menschliehen Wissens bekanntgemacht haben. Die Biographien enthalten auch die Aufzählung der Werke und Angabe von Quellen. Wir haben schon öfter Gelegenheit gehabt, bei dem. sukzessiven Erscheinen der einzelnen Bände auf diese Nationalbiographie hinzuweisen und neben vielen Worten der Anerkennung ab und zu auch manches Kritische zu sagen. Niemand wird aber in Abrede stellen, daß es sich hier um eine gewaltige Leistung handelt, die auch fiir den privaten Leser viel interessanten Stoff enthält und geeignet ist, das jüdische Selbstbewußtsein zu lieben. Salomon Wininger gebiihrt der Dank aller derer, die seine Arbeit verfolgt haben und ihn nun zum 60. Geburtstag beglückwünschen. Persönliches. Am 10. Dezember feiert Lucy Borchardt, die Inhaberin ■der Fairplay Schleppdampfscliiffs-Reederei Richard Borchardt in Hamburg, ihren 60. Geburtstag. Es gibt in der anzen Welt nur zwei weibliche Reeder, eine von ihnen ist ucy Borchardt, die Tochter eines in Hamburg einst bekannten Arztes Dr. Siegmund May, Sie schuf in den letzten Jahren die Möglichkeit, junge Juden auf ihren Schiffen seemänniseh ausznbilden. Sie war eine der ersten, die sich für eine jüdische Schiffahrt in Palästina einsetzten. Auf ihre Anregung entsfand die erste jüdische Reederei tu Palästina. Ihr Sonn lens Borchardt leitet die Atid Navigation Co. in Haifa. Kl. R. Archiv Asphaltierungen Pflasterungen Robert Wolfe» W15. Kutfüntenttomm 43H9 Ruf! 02 47 SS Aufzüge —_ Fahrstuhibau Ernst Eischer W 50, Kulmb&cher Str. 6 Ruf; 24 78 51/52 Rf(10rnt jeder Art, Pflege, FoWstuhlseil« Aeiteste jüdische Firns dieser Branche Liefen u, Mitgl. der ]»idKrisen Gemeinde II II 11 ff[HÄuto-Garagcn,Tankstell. HI I* HU « -Oaragenpalast Sir. 127, Tel. 31 60 8! fe׳/,,״:k׳״D.;e8112iti3BRpl. Bauwesen BAK-EStlfän BERGER & CO. Spct.: Wolmungstciiung, Fassaden Glesebreclit&tr&ßc 12/Ruf: 31781! MORITZ WEOIERJSRSSas speziell Fassaden-Renovationen und Wohmmg-ttcilungen, eigene Rüstungen / BERLIN C2, Monbijouol. 1 * Ruf: 42 83 05 06 O Buchdruckerei Buchdruckerei Max Brodek fuhrt seit Jalren Ihren Auftrag schnell, sauber und preiswert aus. 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