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Jüdische Rundschau · 1937-12-07 · Heft 97 (7.12.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 97 (7.12.1937)
Date
1937-12-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 97, 7. XII. 1937 Seine eigene Meinung über den Zionismus faßt Storrs wie folgt zusammen; ״Nichts Großes war jemals leicht oder wurde ohne tiefe geistige Anstrengung erfüllt. Obwohl ich — vielleicht nicht weniger als andere — einige der Rauheiten Zions am eigenen Leibe erlebt habe, konnte ich doch niemals die Trägheit des Herzens in Europa verstehen, die nicht erfaßte, daß der Zionismus bei allen seinen Schwierigkeiten und Irrtumern eine der bemerkenswertesten und originellsten Ideen der Geschichte ist. Im Frühjahr 1921, nach meinem ersten und vor meinem zweiten Zusammenprall mit der jüdischen Weltpresse, habe ich in einer Rede in London meine lieber- Zeugung ausgesprochen, welche ich auch nach 15 Jahren trotz der Ereignisse von 1929 und 1936 nicht ändern kann. Ich sagte damals: ich erwähnte einige der Schattenseiten des Lebens in Palästina, aber glauben Sie nicht, daß wir nicht das volle Bewußtsein haben, welches Privileg und welche Ehre es bedeutet, in Palästinazu dienen, ln Jerusalem begegnen sich seit Jahrhunderten die Interessen der drei großen Wcltrcligioncn. Von Jerusalem ging zu verschiedenen Zeiten eine üottesstinime aus, die die Menschheit erschütterte. Ich wage nicht zu prophezeien, aber ich wage zu glauben, daß das, was einmal geschehen ist, sich wieder ereignen kann. Wenn wir mit Gerechtigkeit die Aufgabe, die uns auferlegt ist, erfüllen und wenn wir an der ., Quelle die Anhänger dieser drei Religionen versöhnen können, dann, glaube ich, kann nochmals eine Stimme von Zion ausgehen, die den Völkern das fjeil bringt. Wenn dies jemals so kommt, dann wird dies nicht das Geringste von Englands Leistungen sein.“ IV. Die Darstellung der Amtszeit 1917 bis 1926 in Jerusalem gibt natürlich reichlich Gelegenheit, auch die jüdischen Verhältiiisse zu schildern. Storrs gibt z. B, eine Darstellung der zionistischen f ־'iiliriTM'liäff. Dabei fallen manche feine Beitierklingen ab, so z. B. schildert er überaus farbig und nuancenreich das Wesen und den Charme Dr Wcizntanns, der als Redner geradezu ״beängstigend‘' überzeugend sei. ״Freilich, bei einer seiner letzten Ansprachen vor einer Wissenschaftliehen (icselbehaft in London horte ich einen jüdischen Kritiker hinter mir zu einem anderen sagen: das hätte er in einer zionistischen Versammlung nieht zu sagen wagen können, und da wunderte ich muh, daß einem Primeminister, dessen Wahlkreis die ganze jüdische Welt ist, so wenig Freiheit cingeräumt wird." Fr schildert sehr treffend So'kolcnv, Jabotinskv (irrtümlich spricht Storrs dabei von ״Gedichten Achad Haams"), Riitheiiberg, l'!.siscl1kin, Beit Jchml.1, für alle findet Storrs ein Wort der Charakteristik und der Bewunderung. Der j ii d i s c h e Leser wird bei der Beurteilung der Dinge gewiß nicht init allem, was Storrs sagt, iiberelustimmen. Aber gerade da es in zionistischen Kreisen manchmal üblich ist, die jüdische Entwicklung in Palästina isoliert zu betrachten, ist es besonders fesselnd, eine Darstellung von einem Manne zu erhalten, der mit allen Kreisen zu tun hat und das Palästina-Problem n״t\\endigerweise in dert weiteren Aspekt der gesamten britischen Orientpolitik Itinei nstellt. Storrs gehörte der ersten Kriegs- und ersten Zivil-Administration an: schon unter General Monet׳ wurde das System geprägt, das eigentlich bis lüib fortgesetzt worden ist. Storrs ist im ganzen einer der Repräsentanten dieses Systems, aber im Einzelnen ist er gegen!־'eitler nicht blind. So kritisiert er heftig General Bois, der, als die Polizei nach den Unruhen von 1920 nach dem Anstifter, dem, (damals flüchtigen) Emiii cl Husscini (dem späteren Mufti von" Jerusalem, der 1937 abgesetzt wurde und nun wieder entfloh) suchte und dabei auch das Haus von Emins Bruder, dem damaligen Mufti, durchsuchte, sich dann beim Mufti entschuldigte. Storrs ist wütend. Die IJnverschämtheit des Mufti, seinen Orden zttrückzuscnden, hätte eine andere Antwort verdient. So aber wurde nur das englische Prestige untergraben. Das war der Anfang. Dann kam alles, wie es kommen mußte. Bis heute. Was ist zu tun? Wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Die Engländer machten Fehler, die Juden nicht minder. Aber durch die Ueberspannung der Gegensätze ist niemandem gedint. Storrs schreibt darüber ganz offen: ״fm Jahre 1931 fand ich bei einem Besuche Palästinas die dortige" Verwaltung überzeugt, daß in jeder künftigen Weltkrise die Araber viel leie 11t, die Juden aber sicher die Feinde Englands sein würden. Ich konnte nicht umhin, mich zu fragen, wieweit diese wilden, unbeherrschten Ausbrüche der Entrüstung der Sache des Zionismus genutzt haben können.“ Es hat keinen Sinn, gegen diese absurde Anschauung zu polemisieren. Wichtig ist nicht, ob sie richtig ist, sondern daß« sie bei maßgebenden Engländern besteht. Wie das kommt, versteht man nach Storrs’ Buch besser als früher. Aber es darf‘ 1.111s Juden nicht gleichgültig sein. Darum ist das Zeugnla und die Darstellung von Storrs auch für Juden, denen ernstlich an der Besserung der Verhältnisse gelegen ist, nicht nur ein Buch., das in Inhalt und Form fesselnd ist wie wenige, sondern auch ein Buch von aktueller Bedeutung. Zionismus in Belgien Von unserem Berichterstatter Brüssel, 4. Dezember Prof. Brodetsky sprach in zwei großen Versatnmlungcn in Brüssel und Antwerpen. Zu schweren Störungen durch die Revisionisten kam cs in Antwerpen, so daß die Hilfe der Polizei in Anspruch genommen Werden mußte. — Die j a h r e s k o n f e r e n z der Zionistischen Federation Belgiens, die sämtliche zionistische Gruppen mit über 3000 Mitglieder umfaßt, wurde am 27. November von Präsident N. Torczyner im Beth Zion Antwerpens eröffnet. M. D. liorovvitz und der Sekretär des KKL, Dr. Stein, hielten ausführliehe politische und wirtschaftliche Referate, fm Berichtsjahr ist es der Federation gelungen, eine Wochcnzcitung zu griinden, ״L’Avenir juif“, die sich trotz mancher Schwierigkeiten gut entwickelt hat. Ein nicht unwesentliches Hindernis ist die Sprachenfrage. Ein Teil der belgischen Juden liest französisen, der andere flämisch, die überwiegende Anzahl aber jiddisch. Trotzdem war die Schaffung eines Organes der Federation in der Landessprache der Hauptstadt eine Not- Wendigkeit. Weiterhin hat die Federation •die Voraussctzungen für die Herausgabe französisch-zionistischer Literatur geschaffen, an der es bisher noch sehr mangelt. Gemeinschaft- Reh mit KKL und Keren Hajessod in Jerusalem und den lokalen Institutionen in Frankreich und" anderen Ländern wird eine Serie von Broschüren 11 erriusyc׳ geben werden. —- Der Zionistischer! Organisation ist jetzt auch eine Jugendfederation ungegliedert worden. Sie verdankt ihre Ent- Stellung der Anregung N. Risfritzkys, der durch eine Reihe von Vorträgen und Konferenzen während seines Aufenthaltes im vergangenen Winter es verstanden hat, dem belgischen Zionismus starke Impulse zu geben und insbesondere die Jugend zu aktivieren. _ P, R, Im Einvernehmen mit dem Koordinationskomitee der zionistischen und pro-palästinensischen Jugend in Frankreich hat der französische Hcchaluz beschlossen, die Jugendlterberge der jüdischen Jugend, die sich seit einiger Zeit in Maule (etwa -10 km von Paris entfernt) befindet, in ein Ausbildungsgut für die Hachscharah in Frankreich zu verwandeln. Tagung des Hechaluz Wir erhalten folgenden Bericht: Vom 19. bis 22. Novemher 1937 fand in Wilhelminenhöhe bei Hamburg eine nord• westdeutsche Landestagung des Hechaluz statt, an der auch Gäste aus dem ganzen Reich teilnahmen. Insgesamt hatten sich etwa 120 Chawerim zu den Beratungen eingeftinden. Die Tagung wurde am Freitag abend durch einen Oneg Schabbat eingeieitet, dessen Thema ״Unruhen und neue Siedlung“ war. Im Verlauf der Tagung kamen die inneren und die außenpolitischen Probleme des Zionismus zur Sprache, die Fragen der Arbeit des Hechaluz und allgemeine Ent- Wicklungsprobleme des Judentums in Deutschland, Der erste Tag wurde durch einen Ueberblick über die wirtschaftliche Lage des Jischuw eingeleitet, den Kurt Loewcnstein gab. Daran schloß sich ein Referat von Georg Josephthal an, welches die inneren Probl eine der zionistischen Ideologie und Politik aufrollte. Arje Lejbman und Rudi Baer leiteten die Diskussion der außenpolitischen Probleme des Zionismus ein, in deren Mittelpunkt das Problem der Teilung Palästinas trat. An die drei politischen Referate schloß sich eine Generaldebatte an. Auf vielen Gebieten schienen die Meinungs- Verschiedenheiten nur noch den Charakter von Nuancen und Temperamentsunterschieden zu tragen; auf anderen Gebieten allerdings war die Auseinandersetzung recht lebhaft. Der zweite Tag war den Problemen der Hachschar ah gewidmet. Er wurde am Vormittag durch Kurzreferate eingeieitet. Hier wurde in gedrängter Form über die Entwicklung der Auslands-Hachscharah des Hechaluz, der Inlnnds-Haehseharah, der Hachscharah Jainit (Seefahrt) und der Hachscharah der innerhalb des Hechaluz autonomen Bünde berichtet. Daran schloß sich eine Darstellung der Entwicklung der ciialuzischcn Alijah des letzten Jahres an. Die Arbeit dieses Jahres, deren Ergebnis eine chalu zische Gesamt-Aliiah (Hechaluz, Jugend-Alijah und Bachad) von fast 1200 Menschen und die volle Wahrung des Bestandes der Hachscharah im Vergleich mit dem Vorjahre (durch entsprechenden neuen Zustrom, vor allem zur Mittlcren-Hachscliarah) ist, kann angesichts der politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen die zionistische Bewegung im Verlauf der letzten Zeit zu ringen hatte, als befriedigend angesehen werden. Am Nachmittag leitete Joche wed bat Rache! die Hachscharäli-Gencraldcbattc ein, welche alle Gebiete der Lebcnsgestaltung und Berufsbildung auf Hachscharah umfaßte. An der Aussprache beteiligtet! sich etwa 25 Chawerim. Fragen der Erziehttngs- und Kulturarbeit des* Hechaluz wurden in diese Debatte eingezogen. Von der Vielzahl der berührten Fragenkomplexe zeugt die Tatsache, daß Fragen der arztliehen Betreuung der Hachscharah (eingeieitet durch Dr. Spiro) ebenso zur Besprechung gelangten, wie Fragen der Fciergestaltung im Hachscharah-Ktbbuz. Das zentrale Problcm dieser Aussprache war das Problem der Aktivierung des cltaJuzischen Menschen auf Hachscharah und seiner Er- Ziehung zur Selbstverantwortung. Der Abend des zweiten Tages brachte zwei Berichtg aus der Mittleren-Hachscharah: einen Ueberblick über die gesamte Entwicklung und die Darstellung des Lebens in einem Mittleren-Hachscharah-Kibbuz in seinem täglichen Ablauf und seiner erzieherischen Problematik. Die Gesamtzahl der in der Mittleren-Hachscharah erfaßten Jugendlichen hat sich im Laufe des Berichtjahres mehr als verdoppelt. Den Rest des Abends lind den Vormittag des dritten. Tages verbrachten die Führer der Mittleren-Hachscharah, die sich eingefunden hatten, bei einer Beratung der spezifischen Fragen ihrer Arbeitssphäre, während sich eine andere Kommission mit den Problemen der S n i f a r b e i t befaßte. Die Arbeit der Snifirn (Ortsgruppen des Hechaluz), welche zum Unterschied von der Hachscharah selbst zahlreiche Schwierigkeiten aufweist, wird in der nächsten Zeit vor allem durch eine Umgruppierung der hierfür zur Verfügung stehenden aktiven Kräfte intensiviert werden. Während die Hachscharahwerbung bis in die kleinsten Gemeinden getragen werden soll, wird sich die Snifarbeit im engeren Sinne vor allem auf die größeren jüdischen Gemeinden konzentrieren. Vor allem werden künftig wesentlich mehr Kräfte auf die Arbeit innerhalb der Berliner Gemeinde konzentriert werden. Den übrigen Teil des dritten Tages füllte ein Referat über die Tätigkeit der Jugend-Alijah und eine Ausspräche üb^r die Entwicklungstendenzen in der Judenheit Deutschlands aus. Die Jugend-Alijah-Arbeit konnte im vergangenen Jahr weitgehend konsolidiert werden. Es liegt eine Zusage der britischen Regierung vor, wonach innerhalb der Schülerkategorie weiterhin Zertifikate zugeteilt werden. Gegenwärtig stehen 180 Zertifikate zur Verfügung. Die Jugend- Alijah hat sich seit ihrem Bestehen 1400 Untcrbringungspliitze geschaffen, wovon im kommenden Jahr 1080 durch Ausscheiden von Gruppen, die ihre Hachscharah abschließen, oder durch Neueinrichtungen zur Aufnahme von jugendlichen bereit sind. Zur besseren Vorbereitung der Gruppen und zur Ueberbrückung der Zeit zwischen Schulentlassung und Ein- Ordnung in die Jugend-Alijah dienen Jugend-Alijah-Schule und vier Cnaluzheime. Insgesamt haben in diesem Jahr 15 Vorbereitungslager stattgefunden, mit nahezu 500 Teilnehmern, von denen über zwei Drittel die Alijah antreten konnten und ein Drittel zurückgcstellt oder abgelehnt werden mußte. Die Vorbereitungslager waren fast durchweg von Führern der Mittleren-Hachscharah oder älteren Chawerim der Bünde geleitet, die für diesen Zweck bettrlaubt wurden. Insgesamt wurden seit Bestehen der Jugend- Alijah 1770 Jugendliche nach Palästina gebracht. Davon befinden sich zur Zeit 1000 in der Ausbildung, während 700 die Ausbildung vollendet haben. 75 «ö der Entlassenen gingen zur Landwirtschaft. Der Betrachtung der Lage des Judentums ln Deutschland und der Aufgaben des Hechaluz in diesem Zusammenhänge war leider zu wenig Zeit gewidmet. Immerhin war es wichtig, das Bild noch einmal zusatttmenzufassen. Die Aussprache spiegelte die Entschlossenheit wider, trotz den finanziellen Schwierigkeiten des Umschichtungswerks die Tätigkeit des Hechaluz weiter auf alle altersmäßig ihm entsprechenden Teile des Judentums in Deutschland auszudehnen. Die Schlußsitzung wurde durch eine längere hebräische Ansprache von Jizhak Schkeidi eingeleitet, der eindringlieh auf die mangelhafte Hebraisierung der chaluzischen Jugend in Deutschland hinwies. Wiener Chronik Von unserem Berichterstatter J. R. Wie n, 5. Dezember Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemcinde hat in seiner Sitzung vom 30. November einstimmig beschlossen, den Titular-Onerrabbincr Dr. Israel Taglicht, der seit dem Ableben des Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang im Sommer 1936 mit der Führung des Oberrabbinats betraut war, zum O Herr abbitt er zu ernennen. Oberrabbiner Dr. Taglicht wird außer der Tätigkeit im Rabbinate der Kultusgemeinde auch die rabbinischcn Funktionen int Stadttempel (Seitenstettengassc) versehen. * Die Ausstellung des Gewerbcbundes ״Christen, kauft bei Christen“, die von der Ortsgruppe des 9. Bezirks des Gewerbebundes seit Wochen vorbereitet wurde, ist trotz zahlreicher Proteste seitens großer Teile der Wiener Kaufmannschaft und der Wiener T^gespresse, die sich insbesondere dagegen wehrten, daß der Vizebürgermcister Dt׳. Kresse als Protektor dieser Ausstellung auftrat und sie in seiner Eigenschaft als Repräsentant der Gemeinde Wien förderte, in den letzten Tagen von Dr. Kresse eröffnet worden. Dr. Kresse wies in seiner Rede darauf hin, daß ״die christlichen Gewerbetreibenden nichts anderes verlangen, als daß sie in diesem christlichen Staate dieselben Rechte genießen wie alle anderen“, und schloß mit der Parole der Ausstellung. * ln Anwesenheit des Kardinal-Erzbischofs Dr. I n ת i t z e r, mehrerer Bischöfe, Universitätsprofessoren, des Dekans der theologischen Fakultät, sowie des derzeitigen Rektors der Universität Professor Spätli sprach in der Leo-Gesellschaft der Inhaber des Lehrstuhles für das Alte Testament an der katholisch-theologischen Fakultät der Wiener Universität, Professor Dr. Johann Gabriel, der eben von einer Studienreise durch das Heilige Land zurückgekehrt ist, über Palästina und seine Probleme. Der Vortragende unterstrich die politische Bedeutung Palästinas, aber noch mehr die Bedeutung des Heiligen Landes für die drei Religionen. Der Redner beschäftigte sich weiter mit dem jüdischen Kolonisationswerk im Lande. Bei Erörterung der Kämpfe zwischen Juden und Arabern erklärte der Vortragende, daß die palästinensischen Christen, die ja Araber seien, in diesem Kampfe aus nationalen Gründen und auch aus Besorgnis um das Schicksal der heiligen Stätten fast durchwegs auf seiten der Araber stehen und den Mufti als nationalen Führer anerkennen. In seinen Schlußfolgerungcn meinte der Referent, daß gleich dem Gesamt- Judentum auch das gesamte Christentum an der Lösung der Palästina-Frage auf das lebhafteste interessiert sei und daß ihm deshalb auch ein Mitbestimmungsrecht zu kom me. * Im Akademietheater, der staatlichen Kammerbühne des Burgtheaters, gelangte Franz Molnars Stück ״Del i Iah“, das mit Lili Darvas -Molnar in der Hauptrolle in Bttdapest seit Monaten gespielt wird, zur Uraufführung in deutscher Sprache und erzielte auch hier einen außergewöhnlichen Erfolg. Das Schuhhaus Pcrlatschek fn Nürnberg ist auf das Schuhhaus Sehn eit übergegangen. — Das Textilgeschäft Emanuei Fo erst er in Beut heit (Oberschlesien) ist in den Besitz von Otto Buchmann übergegangen. Das Rücktrittsgesuch des ägyptischen Außenministers Wassif Pascha Oltaii ist mit Zustimmung des Königs vom Ministerpräsidenten Nalias Pascha angenommen worden. Sturmszenen im ungarischen Parlament Von unserem Berichterstatter Budapest, 3. Dezember Die Ruhe hat mit der ersten Parlamentssitzung ihr Ende gefunden. Vorerst kam eine Pfcilkreuzlcr-Versammlung zur Sprache, bei deren Gelegenheit Pamphlete und Plakate gegen den Erbkönig Otto erschienen. Der erste Interpellationstag brachte heftige Zusammenstöße zwischen der Regierung und der Opposition, besonders der Partei der kleinen Landwirte, die ganz unerwartet zu einer Demission des Kultusministers Valentin von Hotnan führten. Ein Mitglied dieser Partei, richtete eine Interpellation an den Unterrichtsminister in Angelegenheit der in den Mittel- und Hochschulen betriebenen extrem radikalen Propaganda, worauf derselbe Minister sofort antwortete. Sein Streben gehe dahin, die Jugend in kraftvoll nationalem Sinne zu erziehen und wie er schon öfter betont habe, werde er in der Mittelschule in keiner Form eine politische Agitation dulden; die Hoehschul- Jugend stehe unter besonderen akademischen Disziplinarvor- Schriften, die Ueberwachung der Erwachsenen aber gehöre ins Ressort des Innenministers. In einer Replik forderte der Abgeordnete eine klare Stellungnahme der Regierung, ob sie pfeilkrcttzlerisch gesinnt sei oder nicht, woraut der Minister auf das Programm des Regierungschefs verwies. Da jedoch der Vorsitzende der Kleinwirtepartei, Tibor Eckhardt, in Couloirgesprächen kein Hehl daraus!nachte, daß er den Minister Höman für die in den Schulen betriebene Propaganda verantwörtlich mache, entwickelte sich zwischen beiden eine erregte Aussprache, in deren Verlauf der Minister sich diese Insinuation verbat, zugleich aber das Haus für einen in der Aufregtirtg benutzten Ausdruck um Entschuldigung bat. Abg. Eckhardt nahm jetzt öffenMMIi das Wort und sagte:_ ״Ich bin überzeugt, daß, wenn ich erkläre, der Herr Kultusminister treibe seit einem Jahre Pfeilkrettzlerpropaganda, dies keine Beleidigung ist, sondern Behauptung einer Tatsache.“ Auf die Aufforderung des Ministers, ihm konkrete Daten zur Verfügung zu stellen, wolle er ihm diese in der nächsten und in jeder darauffolgenden Interpellationssitzung zur Kenntnis bringen. Nach Schluß der Sitzung begab sich Minister Höman sofort ins Ministerpräsidium, wo er dem Regierungschef seine Demission anbot. Ministerpräsident Daränyi nahm diese nicht an, womit die persönliche Seite dieser die politischen Gegensätze wieder scharf in Erscheinung bringenden Angelegenheit erledigt scheint. Dr. A. F. Die Mischtia — ungarisch. Die Büchervereinigung Kirjath Ssefer, Lugoj, die ihre Mitglieder bisher mit wertvollen Werken verschiedener Autoren versorgt hat, hat mit ihrem 23. Bande ein bedeut«: am es Unternehmen begonnen. Sie plant nicht weniger, als die Üebersetzung und Heraus• gäbe der ״Mischnajoth“ in ungarischer Sprache. Uebersetzer ist Salomon Widder, Professor atn Jüdischen Gymnasium in Budapest. In den Erläuterungen, die den Text auch dem Laien nahe bringen sollen, benutzt er die besten Kommentatoren von Maimuni über Bertinora bis Bialik, in der Be- Stimmung der Pflanzen, die in dem vorliegenden ersten Teil der ״Seraiin“-Ordnung vorherrschen, das Standardwerk von Im Löw: die Flora der Juden. A. F, Der bisherige Dozent für internationales Recht an der Universität London, Dr. Hersclt Lauterpacht, der aus Lemberg stammt, ist zum Ordinarius für dasselbe Fach an die Universität Cambridge berufen worden.

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