Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1937)
- Date
- 1937-12-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 97,7. XII. 1?37 JO D IS C HF RUNDSCHAU Seife 3 Der Gouverneur von Jerusalem Der Aufstand in der Wüste ־— Die Rolle Abdullahs — Lektion über ״Jüdische Empfindlichkeit״ — Englische Fehler — Die Stimme Zions Sir Ronald Storrs’ Memoiren (״Orientations“ by Ronald Storrs, London 1937) Der erste Gouverneur von Jerusalem nach der Besetzung durch die Engländer, Sir Ronald Storrs, hat eine Autobiographie veröffentlicht, die zweifellos zu den intcressantesten und packendsten Büchern gehört, die über die eng• lische Orientpolitik geschrieben worden sind. In gewisser Hinsicht ist dieses Buch dem berühmten Werk von T. E. Lawrence, dem übrigens Storrs als naher Mitarbeiter ein meisterliches Kapitel widmet, an die Seite zu stellen. Es gehört zu jener Gattung englischer Memoirenliteratur, die geschichtliche Begebenheiten im Spiegel des persönlichen Erlebnisses aufhellt. Bei einer Besprechung kann natürlich nicht das ganze Buch gewürdigt werden; wir müssen uns mit einigen Streiflichtern begnügen. (Mehrere interessante Stellen aus dem Buch von Storrs haben wir schon gelegentlieh ihres Vorabdruckes in einer Londoner Sonntagszeitung in der ״Jüdischen Rundschau“ zitiert. — A. d. R.) Sir Ronald Storrs als Hoch• kommissar von Cypern 1932 I. Die Orientpolitik Englands während des Weltkrieges (und in hohem Maße auch bis heute) ist getragen von einem Kreis von Personen, die Orientalisten und Politiker, Literaten und Militärs zugleich sind, Menschen von hoher Bildung, mehr oder weniger auch mit musischen Interessen und mit einer sozusagen künstlerischen Freude am politischen Spiel. Eine Zeitlang haben sich die wichtigsten Figuren dieses Kreises in dem sögenannten Arabischen Büro in Kairo unter der Leitung von D. G. Hogarth vereinigt, zu ihnen gehörten u. a. Lawrence, Storrs und viele, die später auch in Palästina hohe Aemter bekleideten. Storrs, geboren 1881 als Sohn eines anglikanischen Priesters, kam 1904 bereits nach Aegypten. Nach vielen Reisen trat er schließlich in den Dienst der englischen Verwaltung in Aegypten, deren Chef damals Lord Kitchener war. Die Ereignisse, die sich von dort aus seit 1914 entwickelten, sind mit der Person von Storrs eng verknüpft. So erhalten wir durch ihn ein aufschlußreiches Bild der Verhältnisse, die die unmittelbare Ursache der heutigen Komplikationen im Vorderen Orient und auch in Palästina sind. Denn damals begann die eigentümliche Politik Englands mit den Arabern trnd jene Kette von Aktionen, die den arabischen Nationalismus so überaus gefördert und die arabischen politischen Aspirationen so hochgeschraubt hat. Der Mann, der die ersten Fäden knüpfte, war — nach seiner eigenen Schilderung — Storrs selbst. Die Weltgeschichte geht manchmal seltsame Wege. Storrs ist in keiner Weise ein unkritischer Berichterstatter, der alles Geschehene zu rechtfertigen sucht; im Gegenteil, er hält mit seiner Mißbilligung gewisser englischer Schritte nicht hinter dem Berg. Seine Schilderung bestätigt den Eindruck, daß die Araberpolitik Englands ein etwas abenteuerliches Sich-vorwärts-tasten war, ohne festen Plan, ja sogar mit einem guten Teil Konfusion. Die Engländer sind so- Zusagen in diese Sache hineingcschliddert und standen dann plötzlich vor Anforderungen, die sie in Verlegenheit setzten. Das Ereignis, das den eigentlichen Anstoß zu den späteren Entwicklungen gab, ist nach Storrs folgende bisher, wie er sagt, in ihrer Bedeutung noch nicht genügend gewürdigte Episode. Im April 1914 kam der zweite Sohn des damaligen Scherifen von Mekka, Emir Abdullah, von Konstantinopel als Gast des Khediven nach Kairo und wurde auch von Lord Kitchener empfangen. Es schien, daß er etwas auf den! Herzen hatte, aber er rückte nicht recht damit heraus. Inzwischen wurde aus Konstantinopel angedeutet, daß die Hohe Pforte, die immer Mißtrauen gegenüber den Arabern des Hodschas und Syriens hatte, solche Audienzen nicht gern sicht. Daher empfing Lord Kitchener Abdullah nicht mehr, aber Abduliah lud Storrs zu sich ein, und es entwickelte sich, wie dieser berichtet, eine angeregte literarische Unterhaltung über altarabische Poesie, bis plötz-!ich Abdullah die Frage stellte, ob England dem Scherifen ein Dutzend, oder wenigstens ein halbes Dutzend Maschinengewehre zum Geschenk machen würde; sie wären natürlich nur zur Verteidigung bestimmt, vor allem gegen etwaige Angriffe der Türken. Storrs erwiderte, England könne selbstverständlich keine Waffen liefern, die gegen eine befreundete Macht verwendet werden sollen. Einige Monate später brach der Krieg aus. Eingedenk der Unterredung mit Emir Abdullah unterbreitete Storrs seinen Vorgesetzten eine Denkschrift, in der er ausführte, daß England vielleicht durch rechtzeitige Verbindung mit Mekka nicht nur die Neutralität, sondern sogar die Bundesgenossen- Schaft der Araber erreichen könnte. Mit Hilfe von Clayton gelang es Storrs nach vieler Mühe, diese Anscliauungen vor Kitchener zu bringen, der ihn sofort mit einleitenden Verhandlungen betraute. Storrs schildert mm ausführlich die Verhandlungen, die er 1914 mit der Scherifen- Familie führte. Der Verhandlungspartner aut der anderen Seite war zunächst nur Abdullah, also jener Mann, der jetzt Herrscher von Transjordanien ist und nach den Absichten des Peel-Planes Herrscher ■des Arabischen Teilstaates zu beiden Seiten des Jordans werden soll. Man muß dieser Kontinuitat der Ereignisse eingedenk sein, wenn man die heutige Lage richtig würdigen will. Im April 1915 kam das erste offizielle Angebot von Abdullah an den englischen Oberkommissar (den Nachfolger Lord Kitcheners) MacMahon, und es entwickelte sich die Korrespondenz, die in der politischen Palästina-Polemik oft genannt wird. Das Urteil von Storrs über diese Verhandlungen ist sehr charakteristisch: ״Es war damals und ist noch heute meine Meinung, daß der Scherif seinen Mund und die Britische Regierung ihre Börse viel zu weit geöffnet hat. Mir schien, daß der Scherif, der damals nicht mehr war als ein kleiner türkischer Bezirksverwalter, reichlich belohnt wäre, wenn man ihm gratis zu einer Niederlage seines Erbfeindes verholfen und ihm später Sicherlich gegen äußere Angriffe, dauernden Besitz der zwei Heiligen Städte und Unabhängigkeit des Stammlandes Hedsclas garantiert hätte ... Aber Hussein beanspruchte ein Generalmandat als König der Araber für eir» geistiges Pan-Arabien, auf das er, wie er selbst besser wußte als wir, keinen echten Anspruch hatte ... 90 °'o der moslemischen Welt mußten Hussein für einen Renegaten halten. Wir konnten uns nicht verhehlen, daß seine Prätentionen ans Tragikomische grenzten. Dennoch war die teilweise Preisgabe seines Namens vor der islamischen Weit für unsere Sache lebenswichtig (und zugleich auch in seinem Interesse) und legte uns die Verpflichtung auf, sein Prestige bis an die Grenze des Möglichen zu erhöhen, so daß wir aus diesen und anderen Gründen schließlich weit tiefere Verpflichtungen in bezug auf Geld, Munition und schwer erfüllbare Versprechungen übernommen hatten, als die meisten von uns im September 1914 geträumt hatten.“ Der ״Aufstand in der Wüste“ hat England eit Millionen Pfund gekostet. Hussein selbst erhielt ab August 1916 eine monatliche Summe von £ 125 000. Politisch lagen die Dinge sehr verwickelt. Das ״Arabische Büro“ in Kairo hatte nur ganz vage Informationen über die Sykes-Picot-Verhandlungen zwischen England und Frankreich über die künftige Teilung Arabiens und auch keine genaue Kenntnis von den anglo-indischen Operationen im Irak und den Ermutigungen, die von Indien aus Ibn Saud zuteil wurden. (Bekanntlich wurde von der im Irak operierenden englischen Armee eine Mission unter der Führung von J. Philby zu Ibn Saud, dem Rivalen Husseins, geschickt, um ihn für England zu gewinnen; beiden Fürsten wurden anscheinend ähnliche Vcrsprechungen gemacht.) Storrs sagt darüber: ״Niemand scheint sich darum gekümmert zu haben, die verschiedenen Anschauungen und politischen Handlungen des Außenamtes, des Indienamtes, der Admiralität, des Kriegsministeriums, der indischen Regierung und des Oberkommissariats in Aegypten miteinander in Einklang zu bringen. So entstanden große Komplikationeri, und die Schwierigkeit, die einzelnen miteinander in Widerspruch stehenden Ansprüche und Interessen auszugleich cn, mußte bei der Friedenskonferenz überaus groß werden.“ Die Verbindung mit der Scherifen-Familie war vom englischen Standpunkt ein Geniestreich, denn England batte das größte Interesse daran, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, als ob der Islam als solcher, repräsentiert durch den Sultan und Kalifen, der Kriegsgegner Englands sei. Die Ausrufung des ״Heiligen Krieges“ mußte konterkarriert werden; daher Englands Interesse, den Scherifen von Mekka in seinem Prestige zu erhöhen. Wichtig war auch die Sicherutig der Pilgerfahrt nach Mekka aus Indien und Aegypten; durch den Abfall des Scherifen befand sich das heilige Gebiet des Islam im Bereich der englischen Macht II. Storrs interessiert bei seinen Reisen sich überall nicht nur für Politik, sondern auch für die Altertümer, für die Kulturgeschichte und für das vielgestaltige Volksleben. An vielen Plätzen trifft er auch mit Juden zusammen, so etwa in Aegypten und Bagdad. Unzählige Anekdoten sina eingestreut, die oft auch Jüdisches beleuchten. So z. B. erzählt er einmal, welche unschätzbaren Dienste ihm in der Wüste die in Kairo erworbene Sonnenbrille geleistet bat, worauf er den Vers dichtet: ״The tnen to whom I owe mv life Are Davidsohn and Regenstreif“ (״Die Menschen, denen ich mein Leben verdanke, sind Davidsohn & Reigenstreif“) — dies nämlich der Name der Kairoer Optiker. Englische, französische, griechische, italienische Verse sind eingeflochten in dieses grandiose Bild einer in Bewegung geratenen Welt, deren Neugestaltung sich ankündigt. Anfang 1918 schrieb ein ägyptischer Jude, Sir Victor Harari Pascha, an Storrs nach Jerusalem, er möge seinen Sohn in seinem S'.ab aufnelimen. Er hatte den ״genialen Einfall“, eine italienische Kriegsmarke beizulegen, die ein Bild Dantes zeigt mit einem Vers, der sich auf stille Erfüllung von Bitten bezieht. ״Auf ein solches Ansuchen hin“, schreibt Storrs begeistert, ״würde ich einen Kretin ernannt haben.“ Ralph Harari erwies sich aber sogar als sehr tüchtig und Storrs bedauert, daß die offizielle zionistische Konimission diesen Mann, der zur Verhandlung mit Arabern besonders geeignet war, ablehnte, weil er nicht von dem Typ der r11ssisch-jüdischen Führer war. IJeberhaupt findet er, daß diese aus Rußland stammenden Zionisten nicht genügend Fähigkeit besitzen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, gar ihre Gegner zu verstehen. Sie sind nach der Meinung von Storrs sehr intolerant nicht nur gegen Außenstehende, sondern auch gegen andere Arten von Juden. Als Beispiel führt er an, daß die Ernennung von Colonel Kisch seinerzeit bei den Juden auf Opposition stieß, weil er ein britischer Jude war und Hockey spielte; auch sonst hätte sich mit Ausnahme von Ruppin kein Westjude in Palästina durchsetzen können. Auch die Ursachen der vielen Mißverständnisse kennzeichnet Storrs durch Anekdoten. So z. B. erzählt er, wie ein Jude sich ahnungslos Ostern in die Graheskirche begehen hat und dort erkannt wurde; schon hatte sich die fanatische Menge auf ihn gestürzt, als auf Storrs’ Geheiß die Polizei ihn mit Mühe befreite und hinausführte; am nächsten Tag beschwerte er sich über die Freiheitsberaubung durch die Polizei. Storrs war es, der am 7. Dezember 1917 irn Büro חי Kairo, das er zusammen mit Mark Syk־׳s i!)»'■hatte, die Depesche öffnete, worin dem High Commissioner mifgeteilt wurde, daß Jerusalem sich ergeben hat und daß General Allenby am 9. Dezember seinen feierlichen Einzug halten wird. Am 15. Dezember forderte Clayton, damals leitender politischer Offizier der Palästina-Armee und Brigadiergen(:- ral, Storrs auf, ihn nach Jerusalem zu begleiten. In der Note, die Storrs darüber an Sykes schreibt, heißt es, Lawrence habe mitgeteilt, daß nur die lateinischen Christen über den englischen Sieg erfreut seien, während die Juden heimlich und die Moslems offen feindlich seien. In Jerusalem erschien ihm das palästinensische Judentum in einer etwas exotischen Gestalt. Er schildert einen Besuch in der ״aschkenasisehen Gemeinde“. Der Raum, so sagt er, war unwürdD der ehrwürdigen ״rembrandtesken Rabbirergostailcn", die tim de« Tisch saßen. Die einzige Sprache, die sie verstanden, war Jiddisch. Storrs fragte sie, ob sic bemerkt hätten, daß das Datum des Einmarsches von Allenby mit detn Chanukkahfest zusammenfiel, worauf al!e eifrig zustimmten und darauf hinwiesen, daß die Nachdcht vom Kriegsausbruch Jerusalem am 9. Aw erreicht hat. Als Storrs, der leidenschaftliche Musikfreund, fragt״, ob so wie in Europa Storrs mit König Hussein in Dschcdda, 12. Dezember 1916 auch in Jerusalem unter den Juden Dichter, Künstler oder Musiker wären, antworteten sie kühl, ihre Gedanken und Energien wäre« hauptsächlich auf Religion konzentriert, ״worauf ich erwiderte, daß der Vater König Salomos eine weniger enge Lebensauffassung batte“. Später lernte Storrs Juden genug kennen, die musische Interessen hatten. Sogar in Cypcrn, wo Storrs 1926—1952 High Commissioner ist (und den Aufstand mitmaeht) erkennt er, daß im Orient das jüdische Element für die Musik unentbehrlich ist. in. In der zionistischen Beurteilung schwankt das Bild von Storrs, des Gouverneurs von Jerusalem. Viele werden sich erinnern, daß eine Zeitlang (1920) Storrs als 1 Inuptfeiiul der Juden dargestellt wurde. Bei anderen Gelegenheiten wieder quittierte man dankbar sein Interesse und rühmte seine Versuche, sich der hebräischen Sprache zu bedienen. Nach den Unruhen in Jerusalem im Frühjahr 102t) wurde von zionistischer Seite die Abberufung von Storrs gefordert und einige Zeit wurde er geradezu als ״Pogrom- Veranstalter“ Eingestellt, ebenso wurden während des Klagemauer-Konfliktes schwere Beschuldigungen gegen ihn erhoben. Das Buch von Storrs klärt auch für die weitere Qeffentlichkeit vieles auf und läßt es in anderem Licht erscheinen. Storrs betrachtet sich selbst nicht als Antizionisten, sondern als aufrichtigen Freund des Zionismus. Die objektiven Verhältnisse aber, so meint er, waren nicht so, wie viele Zionisten sich das verstellt.eu. Drei ganz verschiedene Welten stießen in Palästina zusammen, und Storrs versteht es, sie alle blitzartig und eindringlich zu charakterisieren; hier liegen die Quellen auch der heutigen Nöte. Storrs selbst gehört einer dieser drei Gruppen an, der englischen Beamtenschaft, die mehr oder weniger ahnungslos ins Land kam, und aus diesem Buch kann man viel über die Denkweise und Eigenart dieser Menschen erfahren; auch sie gehören zu den objektiven Gegebenbeiten Palästinas. Dem Zionismus ist bei Storrs ein eigener ,,Exkurs“ von 60 Seiten gewidmet. Er will nicht anklagen, sondern erklären, und er erweist sich als offen und lern bereit. Dafür ein charakteristisches Beispiel: Er hat in Palästina anfangs nicht viel Verständnis für das, was er die ״jüdische Empfindlichkeit“ nennt, aber, so sagt er, ״vielleicht habe ich dabei ihre zweitausend): ihrige Mißhandlung nicht genügend beriicksichtigl“. Und er berichtet: ״Zwei Monate nach der Einnahme Jerusalems wurde von der (10. Division ein Unterhaltungsabend veranstaltet. Um alle Gefahr einer lkdeidiglllig auszuschließen, hatte irh selbst das Programm festgesetzt. Am zweiten Abend erkrankte einer der Darsteller im letzten Moment, und es mußte ein Ersatz 1 mtreten. Diese Ersat/nummer erwies sich, ohne daß nir Kränkung b!׳absichtißt war, als die Tingcl-Tangei ־ K a r i k at 11 r eines Juden. Darauf erhöhen sich zwei oder drei anwesende Juden und verließen das Haus, Damals glaubte ich, ihn.׳ Empfindlichkeit sei übertrieben, und diese Meinung behielt ich bis zum Herbst 1935, als ich in Paris in ein Theater kam und dort unter vielen witzigen und entzückenden Uars'.cüiiugcti plötzlich drei groteske und unvoinehim: Angriffe auf die englische Ehre hörlc. In meiner ohnmächtigen Wut begriff ich p 1 <5 t z. I 1 c 11 — und da wußte ich auch, daß ich es nie' vergessen würde — etwas davon, was jene Juden gefühlt hatten.“ Storrs hat Verständnis für die großen Hoffnungen, die die Zionisten notwendigerweise mit der Haitiair-I)eklaratiotl und mit der Rückkehr nach Palästina nach Kriegsende verbinden mußten und für die Enttäuschung, die sich dann daraus ergab, als die Wirklichkeit anders war. Storrs sah mit Besorgnis die außerordentliche Schärfe, mit der die britische Administration von zionistischer Seite kritisiert wurde. Schon hei einem Frühstück mit Ussisclikin 1919 in Paris suchte er diesem Idarzumachen, daß ״die vorsichtigen und langsam vonvfirtsgelienden Politiker nicht nur die besten Freunde, sondern auch die einzig c H o f f n 11 n g des Zionismus seien“. Man dürfe aber nicht verkennen, daß der britische Beamte, der ununterbrochen von einer solchen kritischen und häufig feindlichen Atmosphäre umgeben ist, oft selbst verbittert wird. ״Nach den Ostei-Unrulien von 1920 und November 1921 hatte ich einem solchen Sturm des Tadels in Palästina und in der jüdischen Weltpresse standzuhalten, daß ich bis heute nicht begreifen kann, wieso ich daraus nicht als ein lebenslänglicher Antisemit hervorgegangen bin.“ England fand sich damit ab, daß sowohl Juden als auch Araber unzufrieden sind. Der damalige Minister- Präsident Lloyd George empfing Storrs 1919 in Paris und sagte ihm, daß schwere Anklagen sowohl von Juden als auch von Arabern gegen ihn einiaufeu. Storrs antwortete, dies könne möglich sein, und erwartete nach dem ganzen Ton seiner Rede, daß Lloyd George ihm nun seine Abberufung mitteilen wird. Lloyd George aber sagte: ״Gut, wenn eine von den beiden Seiten aufhört, sich zu beklagen, dann werden Sie entlassen." Da der Zionismus eine Art von Glaubensbekenntnis ist, wird, so meint Storrs, bloße Unparteilichkeit von den Zionisten als Antizion is- 111 us empfunden. Aber das müsse man mit in Kauf nehmen. Was man weniger rechtfertigen kann und was auch der Sache schadet, ist die Annahme, daß die geringste Kritik irgendeiner ziunisli eben Methode oder eitles Vorschlags gleichbedeutend sei nüt Antizionisnnis, ja sdgar mit Antisemit isnuis. Die Unterstützung des Zionismus durch England sei eine feststehende Tatsache und werde weiter bestehen bleiben,