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Jüdische Rundschau · 1937-12-03 · Heft 96 (3.12.1937) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 96 (3.12.1937)
Date
1937-12-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Saite 10 jnr>!c<־ue »tjNnsrHAM Nr. 96, 3. XII. 193f Wauchopes Erbe Der nachstehende Aufsatz spiegelt fraglos die Auffassung weiter jüdischer Kreise in Palästina, auch vieler Juden am Deutschland wider. (Red.) In ihren Ausführungen zu Wauchopes Rücktritt suchte die ״Jüdische Rundschau“ (Nr, 87) dem scheidenden High Commissioner gerecht zu werden. Sic rühmt sein Verständnis für die zionistische Idee und erkennt es dankbar an, daß während seiner Amtszeit der Jischuw sich so erheblich habe vergrößern können. In der Schätzung der menschlichen Qualitäten Wauchopes sind alle, die־ ihn kennen, einig, und es unterliegt keinem Zweifel, daß er von Sympathie und Respekt für die zionistischen Bestrebungen erfüllt ist. Eine andere Frage aber ist cs, ob sein staatsmännisches Wirken in Palästina Resultate hervorgebracht hat, die dieser inneren Einstellung entsprachen. Kann er ein Verdienst an der Vergrößerung und Konsolidierung des jüdischen Jischuw־ während seiner Amtszeit für sich in Anspruch nehmen? Hat er dazu beigetragen, die jüdische Position zu schaffen und zu erhalten? Wer die letzten anderthalb Jahre palästinensischer Entwicklung beobachtend miterlebt hat, wird nicht geneigt sein, diese Fragen zu bejahen; er wird eher zu dein Resultat kommen, daß an einer Stelle, wo gehandelt werden mußte, ein Mann stand, dessen Staatskunst sich im Dulden und (j e w ä h r e n 1 a s s e n, im Abwarten der Entwicklungen erschöpfte. Wauchope lenkte das Staatsschiff nicht, er ließ es treiben. Diese 1 naktivität war es, die erst den Juden zugute kam, die er einwandern und kolonisieren ließ, dann den Arabern, deren kämpfender Nationalbewegung er ein Schlachtfeld überließ, atif dem sie sich entfalten konnte. So hätten beide Völker vielleicht Anlaß, diesem Cunctator dankbar zu sein — und beide sind es nicht, da nur ein Handelndcr Dank erwarten kann, nicht ein Mann, der am Ufer steht und den Strom der Entwicklung an sich vorüberfließen sicht. Der Strom fließt ohne sein Zutun. Was Wauchope so, nicht wissend und nicht wollend, für die Förderung der arabischen National- Bewegung in Palästina (und darüber hinaus) getan hat, kann gar nicht überschätzt werden. Ihre Kraft ist einfach durch die Dauer, die man dem Generalstreik und Terror gestattete, gewaltig gewachsen. Auch hier war der Krieg zwar nicht der Vater der Dinge, wohl aber der Beförderer und Beschleuniger der Entwicklung. Wauchope verschaffte den Arabern die Chance, ihr Selbstbcwußtscin durch Taten zu stärken, ihre Organisation auszubauen und das Solidaritätsgefühl der anderen arabischen Völker zu wecken. Gerade dies letzte war, wie wir gesehen haben, gar nicht leicht. Wauchope hat es durch seine Politik des laissCr faire ermöglicht. Er glaubte abwarten zu müssen, wann die unvernünftigen Kinder des ihm anvertrauten Landes zur Vernunft kommen würden. Er wußte nicht, und weiß es wohl heute noch nicht, daß ihre Vernunft eine andere ist als die seine. Wie fern er der Psychologie der Menschen ist, mit denen er zu tun hatte, bewies die, man möchte beinahe sagen rührende Rede am Radio, mit der er im Hochsommer 1936 die Aufständischen beschwor, doch z. B. daran zu denken, daß infolge der Unruhen ihren Kindern der Weg vom Lande zur Augenklinik in Jerusalem versperrt sei und daß di« Kleinen infolgedessen leicht bleibenden Schaden nehmen könnten. Dies zu einer Zeit, wo die Väter dieser Kinder zu jedem Kampfe bereit in den Bergen standen! Wer bis dahin nicht wußte, in welchen Händen die Leitung des Staates lag, der mußte es nun erkennen. Verständlich war es, daß Wauchope nach Ausbruch des Aufstandes zunächst eine gemessene Zeit abwartete, ob die Aktion nicht in sich zusammenbrechen würde. Er versagte jber als Staatsmann, indem er nicht erkannte, wann der Augenblick gekommen war, wo diese Erwartung nicht mehr berechtigt war, sondern von •einer Regierung, die den Namen einer solchen verdiente, gehandelt werden mußte. Es ist selbstverständlich klar, daß mit der Niederschlagung des Aufstandes — die damals unendlich viel leichter gewesen wäre als anderthalb Jahre später — nicht die arabische Nationalbewegung erstickt und den Juden etwa eine unbeschränkt freie Bahn eröffnet worden wäre. Das konnte gar nicht das Ziel einer englischen Politik sein. Das Problem hätte, sicher sogar in verschärfter Form, Weiterbeständen und seiner Lösung geharrt. Hier wollen wir aber die Sache nicht vom jüdisch-egoistischen Standpunkt, sondern von einem gesamtpalästinensischen aus betrachten. Wie sehr hat die Dauer des Aufstandes dem Lande und den Menschen geschadet! Sie hat die Verwilderung eines großen Teiles der Landesbevölkerung zur Folge gehabt und das wenige an ״Polizeierziehung", was seit der englischen Okkupation geleistet worden war — von Staatserziehung war ja nie aie Rede — wieder zerstört. Das zivilisatorische Niveau des g־rößten Teiles der arabischen Bevölkerung ist an sich äußerst niedrig. Es ist zweifellos erheblich leichter, solch eine Bevölkerung zuriickzuentvvickeln nach der Seite der völligen Verwilderung, als sie auf eine höhere Zivilisationsstufe zu führen. Gerade einem Manne von Wauchopes Geisteskultur hätte das klar seit! müssen. Aber es scheint, daß er auch dieser Folge seines Verhaltens sich nicht bewußt war. Der Fall Wauchope hat eine symptomatische Bedeutung, die weit über die Palästina• Frage hinausreicht. Es scheint, daß von Männern solchen Schlages das britische Reich regiert wird. Man möchte sie Viktorianische Gestalten nennen. Eine solche war MacDonald und, wenn auch in minderem Maße, Baldwin. Vielleicht kann man englische Innenpolitik noch (wie lange noch?) in solchem Stile führen. 111 ihr war Baldwill ein Meister, und die Regelung der Thronkrisc schuf ihm daher einen blendenden Abgang. Aber in der Außenpolitik — auch das Palästina-Pro- Wem gehört zu dieser — genügen die Methoden dieser Schule nicht mehr. Die Mißerfolge, die sie England gebracht haben, liegen klar zutage. Wir fürchten, daß deren Reihe noch nicht beendet ist. Es ist schmerzlich, sagen zu müssen, daß die Juden einen Mann von den sittlichen und geistigen Qualitäten Wauchopes mit einem Gefühl der Erleichterung scheiden sehen. Er ließ uns ein teures Lehrgeld zahlen für die Erkenntnis, daß eine schwache Regierung, die Regierung eines Ideologen, schlimmer sein kann als eine weniger wohlwollende, aber tatkräftigere. Heute ist es beinahe weniger wichtig, ob sein Nachfolger eine unbedingt judenfreundliche Politik führen wird, als daß er imstande ist, dem Lande, das Wauchope zer- 1'üttet zurückläßt, die primitivste bürgerliche Ordnung wiederzugeben. Hier muß überhaupt erst wieder regiert werden, *he wir fragen können, w i e es geschieht. Wauchopes Erbe ist nicht zu beneiden. schwer. Sie gingen in die Stadt und zahlten schweres Lehr• eld für ihren Mangel an Laiideskenntnis und Erfahrung, ie waren in Wohlhabenheit, in Sicherheit, in Bequeoilichkeit aufgewachsen, nun schleuderte sie eine Katastrophe in ein Land voll Armut und Unsicherheit. Sie waren fast ausnahmslos Erben gewesen, Nutznießer des Reichtums und der Arbeit ihrer Väter, jetzt sollten sie selbst Beginn er sein. Wer ist also schuld? Erez Israel ist ohne Zweifel auch heute noch nicht ein Land wie andere Länder, aber je mehr es sich ״normalisiert“, je mehr seine Lebensformen sich dem allgemeinen europäisch-amerikanischen Niveau angleichen, um so mehr wird auch die Skala seiner Tugenden und Laster mit dem Standard unserer heutigen Zivilisation übercinstimmen. Und das ist, moralisch betrachtet, ein Abstieg; denn die ersten Ein Wanderungsgenerationen — bis etwa zur ״Grabski• Alijah“ im Jahre 1925 — standen weit über dem Durchschnitt ihrer Umwelt, Sie waren eine Elite freiwillig Auserwählter, ihr Geist ist auch heute in den besten Schiebten der Bevölkerung lebendig und eine reale Macht. Aber sie blieben nicht allein und sollten es nicht bleiben. Der Zionismus steht unter der gleichen tragischen Dialektik wie die meisten Massenbewegungen: daß mit der von ihm gewollten und erstrebten Zunahme der Anhängerschaft das moralische Niveau der heroischen Anfangsjahre nicht eingehalten wird. Es kommen die Mitläufer, die Nutznießer, es kommen auch die inneren Streitigkeiten, es kommt die Sektcnbildung. Die Masseneinwanderungen, die seit 1925 in Wellen nach Palästina einströmten, haben nicht nur die Sitten, sondern auch manche Unsitten ihrer Herkunftsländer miteingeschleppt. Keine Schicht ist frei davon, und ob die Ghettospuren, die man bei den Einwanderern aus dem Osten bisweilen erkennen kann, unerfreulicher sind als der Zivilisationshochmut aus dem Westen, steht noch dahin. Und andererseits — gesetzt den Fall, Palästina wäre noch im Stadium der frühen Kolonisation, das Leben stellte noch die gleichen Anforderungen an die Entbehrungskraft, den Mut, die Liebe zur Idee wie in den Frühzeiten der zionistischen Besiedlung, wäre das Feinlehen den Einwanderern aus Deutschland etwas leichter gefallen? Ganz gewiß nicht. Also hatten sie sich das alles vorher sagen müssen? Oder hätte man es ihnen vorher sagen müssen? Damit ist die Frage nach der zionistischen Erziehung und Werbung außerhalb Palästinas gestellt. Es gibt viele Berichte und Dar- Stellungen, die sich bemühen, die palästinensische Wirklichkeit darzustellen, wie sie ist, mit all ihren Vorzügen, aber auch mit ihren Schattenseiten. Wievielen diese Darstellung geglückt ist, ist eine andere Frage. Aber es gibt daneben auch den ״Lesebuch - Zionismus“, der an Stelle der Buntheit und Härte des wirklichen Lebens ein allzu simples Klischee verbreitet von dauernden Erfolgen, unaufhaltsamem Aufstieg und einer eigentlich wenig beneidenswerten Problem- Iosigkeit. Vor allein während der wirtschaftlichen Scheinblüte, die im Grunde nur darin bestand, daß ein über jedes Verhältnis starker Kapitalzustrom die wirkliehen ökonomischen Probleme des Landes zudeckte und zeitweilig unsichtbar machte, •— während dieser Jahre konnte man Darstellungen von Palästina sehen, die sich wie der Zeichnungsprospekt für eine Aktiengesellschaft lasen — als sei der Zionismus eine ideale Kombination von nationaler Gesinnung mit Dividendenchanccn. Da der Zionismus eine werbende Bewegung ist und sein Ziel darein setzt, mögliehst große Teile der jüdischen Massen anderen konkurrierenden Ideologien zu entreißen, kann es wohl an dieser Gattung Literatur nicht fehlen. Daß sie innerhalb des zionistisehen Schrifttums einen verhältnismäßig so großen Platz einnimmt —׳ und daß sie für zahllose Vortragsabende, Schulungskursc und dergleichen das Schema geliefert hat — bleibt dennoch bedauerlich. Wer Illusionen sät, wird Ent* täusch ung ernten. Eines vor allem kommt bei diesem ״Lesebuch-Zionis• inus“ überhaupt nicht zum Ausdruck, was doch für die seelische Haltung eines jeden, der in Palästina eine Heimat sucht, bestimmend sein sollte: daß dieses Werk nur Sinn und Bewährung hat, wenn es über die Jahrhunderte fortdauert, und daß wir, die erste Generation, auch bei bestem Gdingen ein verlorener Haufe sind, der den Sieg, wenn ihm einer bcschicdcn ist, nicht sehen wird. In den betreffenden Propagandaklischees nimmt sich das jüdische Palästina so aus, als sei es gewiß der Ausdehnung fähig und sogar bedürftig, aber eigentlich schon ein fertiges Gebilde, mit allen Ingredienzien der Vollkommenheit schon versehen, sogar mit einer eigenen ״Kultur“; während doch alles, was hier geleistet wird, nur dann von Wert ist, wenn es ein allererster Anfang ist und eine Aufgabe. Die Kunde vom und die Werbung für den Zionismus sollten nicht mit Hinblick auf den quantitativen, sondern auf den qualitativen Erfolg unternommen werden. Die Werbung sollte so lauten: Palästina ist fnr den Juden, der sein Geburtsland verlassen muH, die einzige Stätte der Welt, wo er aus eigene m Recht und nicht aus Duldung lebt. Das einzige Land, dessen öffentliche Angelegenheiten auch seine Angelegenheiten sind; in dem er nur Flüchtling ist mit Aufenthalts- und, wenn es hoch kommt, Arbeit*- erlaubnis. sondern Bürger mit allen Rechten und Pflichten. Kurz: Palästina ist das einzige Land, das ihm und seinen Kindern H c i m a t w e r d 1׳ n kann. Aber Palästina ist ein hartes Land. Es ist ein Kolonial- Iand, und das bedeutet, daß mir der dort leben kann, der aus eigener Kraft zu leben vermag. Wer scheitert, wird vielleicht weniger Hilfe finden als anderswo. Palästina ist ein Land mit vielen Tugenden. Aber seine Tugenden sind streng. Sie mitzulebcn, erfordert Entsagung und Liebe zur Idee in nicht gewöhnlichem Maße. Palästina hat viele U%t fugenden. Sie zu verbessern erfordert Kraft und Geduld. Außer Freiheit und Würde hat Palästina nicht viel zu bieten. Wen! das einleuchtct, der soll nach Palästina kommen. Wem nicht, der mag nach Uruguay, Panama oder sonstwohin gehen. Wlzo-Gruppe in Tel Aviv. Der Pressedienst der Wizo enthält einen Bericht über die Arbeit in Tel Aviv, dem wir folgendes entnehmen: Im tiberfüllten Saal des Wizo-Hauses wurde am 29. Senteinber die Klubtätigkeit der Tel-Aviver Ortsgruppe mit einer schönen, künstlerisch-geselligen Ver• anstaltung eröffnet. Frau Chaja Harcavi, die Leiterin der Kulturkommission, entwickelte ein reichhaltiges Programm: jeden Rosch-Chodesch wird eine ähnliche Nachmittags-Veranstaltung abgehalten werden, die Montag-Nachmittage wer• den Aussprachen, die Mittwoch-Nachmittage Vorträgen gewid* met sein. — In der Gruppe der Neueinwanderer aus Deutschland hat Frau Elfriede Bergel-Gronemann den Vorsitz übernommen, Unter ihrer Leitung treffen sich die Mitglieder an jedem Sonntag zu einer geselligen Aus- Sprache. Die Jewlsh Agency fordert Personen in allen Ländern, die die Absicht haben, in Palästina Boden zu erwerben, in ihrem eigenen Interesse auf, keinen Kauf• abschluß mit Gesellschaften oder Privatpersonen zu tätigen, bevor sic sich mit der Jewlsh Agency beraten haben. Das Neueste In Kürze Sir Arthur Wauchope besuchte Tel Aviv und besichtigte im Hafen die Verladung von Apfelsinen. Herr Hooficn informierte den High Commissioner, daß die Vorbereitungen zur Landung von Passagieren im Hafen bis Februar vollendet würden. Der stellvertretende Bürgermeister von Jerusalem, Daniel Auster, wurde von der Regierung angewiesen, die Aus- Zahlung von Gehältern an Dr. Khaldi, den früheren Bürgermeister, der deportiert wurde, und an zwei andere Beamte der Stadtverwaltung, die nach Akko gebracht worden sind, einzustcllcn. Der neue Polizeichef, Mr. Saunders, traf in Palästina ein. Mosche Schertok hatte am Montag eine Unterredung mit dem High Commissioner. Die Regierung hat die arabische höhere Schule in Nablus, deren Schüler sich an Demonstrationen gegen die Vollstreckung des Todesurteils an Scheich Farhan es Saadi beteiligt hatten, für unbestimmte Zeit geschlossen. Die Städtische Höhere Schule in Hebron wurde infolge eines Schülerstreiks anläßlich Farhans Hinrichtung von den Behörden geschlossen. Die Zeitung ״Adifaa“ meldet aus Sana, daß der Imam vom Jemen den Mufti cingeladeti habe, sich im Jemen niederzulassen. Diese Nachricht ist nicht glaubwürdig, cla der Imam als Schiite kaum einen sunnitischen hohen Geistlicnen bei sich beherbergen wird. Die Zeitung ״Felestin“ berichtet, daß die Leiter der Regierungsdepartements Sir Arthur Wauchope ein.Memo• randum zu der Frage der Teilung Palästinas überreicht hätten. Das Memorandum schlage die Erweiterung des arabischen Gebietes durch Hinzufügung eines Teiles von Ga- Iiläa vor. Wie das Blatt weiter meldet, wird das Memorandum dem Colonial Office in London zwecks Erörterung durch die neue Palästina-Kommission zugeleitet werden. Die Stadtverwaltung von Safed schloß mit der Ruthenbcrg-Gesellschaft einen Vertrag für die E1 e k t r i z i t ä t s Versorgung der Stadt ab. Ein bedeutsamer Fund wurde von Professor Sukcnik emacht, der in Tel Aviv in der Nabe des neuen Readinglektrizitätswerkes am Jarkon die Ueberrestc eines alten Gebäudes entdeckte, das aus der Zeit des ersten Tempels stammt. Der mexikanische Konsul in Jerusalem, Ferdinand Damiani, der vor einigen Wochen mit £ 4000 verschwand, wurde in Jaffa ,verhaftet und steht unter der Anklage, sich das Geld auf unrechtmäßige Weise angeeignet zu haben. Damiani machte später einen Fluchtversuch und entkam der ihn bewachenden Polizei. Wie gemeldet wird, bat die Landwirtschaftliche Siedlungsgesellschaft (PASA), die gemeinsam von der Jewish Agency und dem Keren Hajessod gegründet wurde, ihr Kapital auf 150000 Pfund erhöht. In Jerusalem starb der Schriftsteller Jacob Schachrat Sherman im Alter von 62 Jahren. Modernisierung des jüdischen Rechts ״Haarez״ veröffentlicht, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, folgende Ausführungen von Dr. Silbers über aktuelle Fragen der Fortbildung des jüdischen Rechts: Die Angelegenbeit ist gegenwärtig nicht ein theoretisches Problem, sondern eine Frage von praktischer Wichtigkeit iin Zusammenhänge mit den bevorstehenden politischen Veränderungen in Palästina. Das jüdische Recht war in früheren Generationen sehr elastisch und wußte sich immer den jeweiligen wirtsehaftlichen und geistigen Verhältnissen anzupassen. So hat die Einführung des sogenannten ״Prosbul“ es ermöglicht. Schuldfordertingen auch nach dem Erlaßjahr einzufordem; so wurde das biblische Verbot des Zinsnehmens durch den sogenannten ״Hetter iska“ umgangen, in dem die Fiktion zurunde gelegt wurde, daß der Gläubiger ein Gesellschafter es Schuldners ist. Das biblische Gebot, daß für eine Zeugenschaff zwei Personen notwendig sind, führte zu großen Un- Zuträglichkeiten, wenn in Zeiten von Krieg oder Unruhen der Tod des Ehegatten bezeugt werden sollte, um der Witwe eine neue Ehe zu ermöglichen. Auch da fanden die Rabbiner einen Weg, das Zeugnis eines einzigen Zeugen für hinreichend zu erklären. Auch nach Abschluß des großen Rechtskodex ״Schu Ich an Aruch“ von Joset Caro hörte das jüdische Recht nicht auf, sich vom Leben beeinflussen zu lassen und sich fortzuentwickeln. Es war das historische Verdienst des vielverlästerten Pilpul, daß er die logischen Mittel für die notwendige Fortentwicklung bereitstellte. Es ist dringend notwendig, daß das jüdische Recht sich heute den Forderungen der Zeit anpasse. Dies wird nicht durch eine Reform des ״Schulchan Arucli“ zu erzielen sein, sondern durch eine neue Schöpfung eines jüdischen Ge• setzeskodex, dem die moralischen und juristischen An- Behauungen des Judentums zugrunde liegen werden. So wie es uns gelungen ist, die hebräische Sprache so zu erweitern, daß sie unsere europäische Gedankenwelt aufnehrnen konnte, so wird es uns gelingen, die Grenzen des jüdischen Rechtes so zu erweitern, daß es unserem heutigen Leben Genüge tun und doch im innersten Kern jüdisch bleiben wird. Channah Em-Habanoth (Anna Feuchtwaneer-Steinitz), die frühere Leiterin des Mädchen-Waisenhauses in Jerusalem, ist am 30. November 60 Jahre alt geworden. Sic ist 1929 nach Erez Israel übergesiedelt. Seitdem hat sie dort an vielen Stellen tapferste Arbeit geleistet. Lange leitete sie das Internat des Misrachi-Seminars in Jerusalem; über fünf Jahre stand sie an der Spitze des Mädchen-Waisenhauses, dessen Zöglinge meist ärmsten Häusern des sefardischen Viertels und der Altstadt entstammen. Seit letzter Zeit bemüht sie sich, in Tiberias den Waisenkindern ihre Fürsorge zuteil werden zu lassen. Ihre zahlreichen Freunde und Verehrer haben den Ehrentag dieser wahrhaften ״Mutter m Israel“ dadurch feierlich begangen, daß sie ihrem Lieblingswerke, der Waisenhilfe im Galil, dem ״O h e 1 Channah“ in Tiberias, eine größere Spende zuteil werden iießen. B. B. St. Barmüwah - Termine! Arn 18. Dezember (14. Tr weih): Benjamin S chneemann, Sohn von Dr. med. Erich Schneemann, Haifa, Nordaustraße 15. AeuBerste Preise IQr Teppiche - Bardlnen > Llufer TEPPICHHAUS ZENTRUM Berlin C8, Spandauer StraBe SB an dar KBnlgatraBe i. au M

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