Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1937)
- Date
- 1937-12-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
- Haifa 1× ep/1047930
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P ימיי", ""׳,*"יי י1" ייי־יי־^^■ JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 96, 3. DEZEMBER 1937 Hilfe für die Wirtschaft Oeffentlfcfie Regierungs ־ Arbeiten Von unserem Korrespondenten <j gl. Tel Aviv, Ende November In der europäischen Wirtschaft ist es in der letzten Zeit zu einer unbestrittenen These geworden, daß es die Aufgabe der Regierung sei, in Zeiten der wirtschaftlichen Depression in die Wirtschaft einzugreiten, ihr durch Organisierung von Arbeiten und Zuführung von Mit'eln eine breitere Basis und neue Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Palästina ist vielleicht heute das einzige Land der Welt, in der die Regierung sich um diese Ansprüche der Wirtschaft im Lande nicht kümmert und die Dinge ihrem ״natürlichen“ Auf und Nieden den Wellen der Prosperity und der Depression überläßt, Palästina war in einer Welt voller Zollschranken das einzige Land, das zu einer Politik der ״offenen Tür“ verpflichtet und dadurch in Handelsdingen schwer benachteiligt war. Erst nach langen Kämpfen konnte eine gewisse Differenzierung der Zolltarife erreicht werden und der Kampt um die Aenderung des berühmten Paragraphen 18 des Mandats, die in •dem Bericht der Royal Commission verlangt wird, steckt auch noch in seinen Anfängen. So ist auch in allein, was die Fürsorge der Regierung in Zeiten der Not betrifft,_ bisher kaum ein Abgeheii von der alten und veralteten Politik des Laisser faire erreicht worden. Um so interessanter ist die »Mitteilung des Kolonialministers im Pariament, daß die Palästina-Regierung an die Durchführung öffentlisheT Arbeiten tür Araher und Juden heran ge he. Es ist offenkundig, daß die Versorgung der palästinensisehen Wirtschaft mit zusätzlichen Geldmitteln und damit Arbeitsmöglichkeiteil nicht nur eine momentane Erleichterung der Depression herbeiführen, sondern auch viel zu ihrer Ueberwindung beitragen muß. Man sieht, daß schon die heschränkten Mittel, die den öffentlichen und ha'biif*entliehen Sitzung des Jerusalemer Militärgerichts Jerusalem, 30. November. (Palcor.) Gestern fand die erste Sitzung des Militärgerichtes in Jerusalem statt, die sich mit zwei Arabern, dem 20jährigen M a!1 rn o u d Schcik Ali und seinem 25jährigen Bruder Ali beschäftigte, die am 22. November in Jaffa wegen Besitzes von Revolvern festgenommen wurden. Durch Zeugenaussagen wurde festgestcllt, daß Ali seinem Bruder einen Revolver gab und ihn dann, nach einem Familienstreit, bei der Polizei anzeigte. Die Verhandlung wurde v e rta gt. Das Militärgericht verurteilte einen jungen Araber namens A!-Charidi aus Ramleh zu fünf Jahren Gefängnis wegen Besitzes eines Revolvers. Der Angeklagte brachte zu seiner Entschuldigung vor, daß der Revolver in seinem Zimmer von einem Mitglied seiner Familie infolge eines Streites ver- Steckt worden war. י' In der Nähe von Safed wurde ein Araber verhaftet, der ein Gewehr bei sich hatte. Ein anderer Araber mit einem Revolver wurde ebenfalls festgenonimen. Sie werden wahrschcinlich dem Militärgericht zur Aburteilung übergeben. Britischer Polizist ermordet Ein britischer Polizist wurde, wie bereits in der vorigen Nummer kurz berichtet, am Sonntag auf dem Wege von Kfar Hachoreseh nach Afule tödlich verwundet. Vorher war ein Wagen mit jüdischen Arbeitern beschossen worden, die von Nahalal nach Kfar Hachoreseh zurückkehrten. Ein Jude (Herman Hafbel) wurde verwundet. Beide Verwundete wurden in das Hospital nach Afule gebracht. Polizeihunde verfolgten die Spur der Angreifer auf den britischen Polizisten, die zu einem arabischen Haus in Na2areth führte. Der Besitzer des Hauses wurde verhaf* tet In dem Haus wurden Bomben und Munition gefunden. Polizei und Militär umzingelten zahlreiche Dörfer im Nazareth- sowie im Beisan-Bezirk und nahmen durchgreifende Haussuchungen vor, bei denen mehrere Personen verhaftet wurden. Zwei arabische Polizisten ermordet? Von drei arabischen Polizisten, die aus Haifa auf Patrouillendienst gegangen waren und seit Montag verschwanden sind und nach Annahme der Behörden iri einen Hinterhalt geraten waren, sind, wie es heißt, zwei von arabischen Aufständischen getötet worden. Der dritte konnte entkommen und überbrachte die Nachricht vom Tode seiner Kameraden. Sofort nach Bekanntwerden dieses Zvvischenfallts wurde ein starkes Polizei- und Truppenaufgebot zu. einer großen Suchaktion eingesetzt, an der sich auch Flugzeuge beteiligen; die Suche war bis Mittwochabend erfolslos. In der Nähe von Shef-Amr stießen die Aufgebote aut eine bewaffnete Bande und es entwickelte sich ein Gefecht. Wahrscheinlich sind die Polizisten von einer 40 Mann starken bewaffneten Bande aus dem Hinterhalt überfallen und gefangen genommen wurden. Ueberfäile Ein jüdischer Autobus, der von Naharia nach Haifa fuhr, wurde in der Nähe des staatlichen Gestütes außerhalb Akkos heftig beschossen, wobei der Chauffeur durch Glassplitter leichte Verletzungen erlitt Ferner wurde ein jüdischer Autobus in der Nähe von Kafrkcnna bei Nazareth mit Steinen beworfen. Ein jüdischer Polizist sowie Passagiere verfolgten die Angreifer und verhafteten zwei. Polizeihunde, die die Spur einer Bande in den Bergen um Nazarpth verfolgten, führten die Poiizei zu vier Häusern im Dorfe Iksal, wo u. a. ein anläßlich des Gefechtes am 28. Novernber verwundeter Araber gefunden wurde. Die Bande bestand aus 26 Mann, Einwohnern der umliegenden Dörfer, von denen mehrere verhaftet worden sind. Arabische Terroristen verübten einen Angriff auf das Haus eines Notabein im Dorf Anebta bei Nablus, der Mitglied der Nashashibi-Partei ist. Er wurde nicht verletzt. Bald darauf sandten die Dorfversteher ein Telegramm an den High Commissioncr, in dem sie ihn baten, strenge Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrors zu ergreifen. Auf das Wohn lieus von Abdul Rah man Elhaj Ibrah i m, dem Bürgermeister von T u 1 k e r e m, wurden durchs Fenster zwei Schüsse abgefeuert, die einen Gast des Bürgermeisters leicht verwundeten. Eine Polizeipatrouille feuerte auf jüdischen Institutionen für diese Zwecke zur Verfügung stehen, eine beträchtliche Hilfe bringen, die Ausbreitung der Arbeitslosigkeit verhindern und auch die Privatwirtschaft an den verschiedensten Stellen stützen. Wenn die Regierung denselben Weg geht, so ist sie imstande, einen beträchtlichen Einfluß auf die ökonomische Entwicklung auszuüben. Trotz allen Erschwerungen immer noch über einen sehr beträchtfügt die Regierung immer noch über einen sehr betrachtliehen Ueberschuß, von dem ein Bruchteil genügen würde, um die Wirtschaft in einem gewissen Grade neu zu beleben. Als in Zeiten der Prosperity die Regierung größere Ausgaben trotz dem anschwellenden Ueberscluiß ablehnte, mit dem Hinweis, es wäre nötig, sich auf die ״bösen Tage“ vorzubereiten, hatte ihre Argumentation etwas Berechtigtes, denn damals konnte die Wirtschaft auch ohne Hilf« von oben auskommen. Jetzt aber sind leider die ״bösen Tage“ gekommen, und wenn der Ueberschuß auch nicht mehr so gewaltig ist, wie vor einem Jahr, so ist er doch immer noch vorhanden, und die Regierung ist heute verpflichtet, aktiv in den Ablauf der Wirtschaft einzugreifen. Bisher stieß man jedoch in Jerusalem bei derartigen Argumenten und Vorschlägen auf übermäßige Vorsicht und eine ablehnende Haltung. Jetzt scheint eine Bresche in diese Haitung geschlagen zu sein, und die Ankündigung in London läßt darauf hoffen, daß man in Jerusalem sich endlich aus der konservativen Haltung des ״wait and sec“ zu aktiver Mitarbeit aufraffen wird. Freilich sind für das Gelingen derartiger Aktionen zwei Voraussetzungen notwendig; die Regier u n pr muß ihre Arbeiten auf einer genügend breiten Basis und ohne weiteren Aufschub beginnen. Auf einer genügend breiten Basis: denn sonst handelt es sich tun unbedeutende Versuche, die angesichts der bestehenden Situation in Nichts zerfließen; und ohne Aufschuh, denn je länger man den Dingen ihren Lauf laßt, desto schwerer ist das gestörte Gleichgewicht der ökonomischen Kräfte wieder in die Balance zu bringen. den fliehenden Angreifer, ohne ihn jedoch zu treffen. Vier weitere, anscheinend im Hinterhalt liegende Personen ergriffen die Flucht und wurden von der Polizei ergebnislos beschossen. Bei Haussuchungen, die die Polizei in verschiedenen Araberdörfern und Häusern aiisführte, wurde in R e c h o - voth eine Anzahl Waffen und Munition gefunden. Zwei Araber wurden festgenommen und sollen einem Kriegsgericht zur Aburteilung übergeben werden. Nachts wurde ein Angriff auf den amerikanischen Kibbuz Juara verübt. Ghaffirim aus Mischmar Ha-Emek kamen sofort der jüdischen Siedlung zu Hilfe, und der Angriff konnte zitrückgesrhlagen werden, wobei keiner der Siedler verletzt wurde. Ein jüdischer Autobus wurde auf der Fahrt von Akko nach Safed am Montag von einer arabischen Bande beschossen. Drei jüdische Passagiere wurden verwundet. Die Namen der Verwundeten sind Aslter Poghorzer, der Sohn des Vorsitzenden der Safcder Jüdischen Gemeinde (schwerverletzt), der jüdische Hilfspolizist Arieh Tschesler und Sitnon Bolkcnhol. Polizeihunde, die auf die Sour der Angreifer gesetzt wurden, soürteti zwei Häuser in dem Dort Farradiya auf, in denen der Mukhtar sowie ein anderer Araber verhaftet wurden. Die Häuser werden Wahlscheinlieh von der Polizei zerstört werden. Das Attentat auf Nahas Pascha Der Täter war Terrorist In Palästina Auf den ägyptischen Ministerpräsidenten Nahas Pasc ha wurde am Sonntag ein Attentat verübt. Der Minister blieb unverletzt. Der Attentäter, der Ezzedin Abd el Kader heißt, ist ein Enke! des Kriegsministcrs Arahi Pascha, der 1882 den Kampf gegen die vor Alexandrien liegende englische Flotte aufnahm. Er war bis zuletzt Freischär ler in Palästina und war wegen mehrerer Morde, die er zugab, nach Aegypten geflüchtet. Ferner hat der Verhaftete ausgesagt, er sei ein Mitglied der ägyptischen ״Grünhemden“ und sei mit den Pan-Arabern verbunden, die ihn nach Palästina geschickt hätten. Daraufhin warden unter den Pan-Arabern viele Verhaftungen vorgenommen; 11. a. wurde der Sohn von Mohammed Allouba Pascha festgenommen. Letzterer war Vize-Präsident des Mohamtncdanischen Kongresses in Jerusalem im lahre 1931 und Mitglied des Kongreßpräsidiums in Bloudan. Er ist eng mit dem Mufti von Jerusalem befreundet, den er 1932 nach Indien begleitete. Arabische Staafen wurden informiert Im englischen Unterhaus richtete am 29. \׳ui :•!’• r der Ab״ Gal lach er an die Regierung die Frage, oh der Teilungsvorschlag mit den Regierungen, der benachbarten arabischen Länder erörtert werde und wenn ja, welches ihre Ansicht hierzu sei. Lord Cranborne erwiderte, daß bereits am 17. November festgestellt worden sei, daß die englische Regierung als Mandatarmacht für Palästina allein dem Völkerbund und keiner einzelnen fremden Regierung verantwortlich sei. Die Regierungen der benachbarten arabischen Staaten seien jedoch wie andere Regierungen, die besonderes Interesse am Vorderen Orient haben, völlig auf dem laufenden gehalten worden. Oallacher fragte weiter, ob nicht Einwendungen von arabischen Staaten gemacht worden seien und ob man nicht die Juden in eine völlig unmögliche Lage bringe, da sie im Falle der Teilung auf einem schmalen Streifen Landes, umgehen von feindlichen Völkern, leben müßten. A׳t-'1 d׳es, erklärte hierzu Lord Cranborne, sei keine An; ’ י heit zwischen England und einzelnen Staat״«, snndern / hen England und dem Völkerbund. — Abg. Williams fragte, ob der Stadt Tel Aviv bei der Auflegung der projektierten Anleihe von 1 Million Pfund die Hilfe der Regierung zuteil geworden sei. Ormsby-üore bejahte dies. Ein Aufruf zum Frieden Die Zeitung ,,Al!amיי •׳ tslamija“ veröffentlichte einen Aufruf des Sei ״ich 8 AI Faruki an die Araber, in dem es heißt: ,. '״•’er Araber, der an Gott glaubt und sein Vaterland liebt r,l! ein־ energische Propaganda für den Frieden, die R״' c T־■־ 1 ׳: 'e und gegen den Terrorismus unter seinen Freunden Le!Leo. Nicht im Lande selbst, sondern nur außerhalb des Landes kann noch etwas unternommen werden, uin den Frieden wiederherzustellen.“ Das Problem der Enttäuschung Von Erich Krämer (Tel Aviv) Das Problem der Enttäuschung ist ein typisches Problem der Einwanderer aus D e!! t s c 111 a n d, der ״Oie i Gerinauia“. Nicht, daß man nicht auch bei Einwanderern anderer Herkunft zerstörte Hoffnungen und geschwundene Illusionen antrelfen könnte — wo wäre eine Gemeinschaft von Hunderttausenden jemals frei davon? — aber hei den ״Olei Germania“ ist, so scheint es bisweilen, die Enttäuschung an Ercz Israel ein soziales Phänomen — nicht so sehr wegen ihrer Verbreifnng, über die sich kaum Genaues sagen läßt, sondern wegen ihrer Verwurzelung in den sozialen Gewohnheiten, in der zionistischen Erziehung, in den mitgebrachtcit Urteilen und Vorurteilen dieser Einwanderer-Gruppe. Es handelt sich, so ist die These, nicht um eine mehr oder weniger zufällige Chanukkah in Tel Aviv Jerusalem, 28. November. (Palcor.) Aus Tel Aviv wird gemeldet, daß Tausende von Schulkindern zu Chantikkah-Beginn mit Kerzen durch die Straßen zogen. Eine riesige Menschenmenge bewegte sich in den Straßen. Auch dieses Jahr wurde von den Revisionisten der Versuch gemacht, die Fahne der Histadruth-Schiiler zu ״erobern“, was zu einem Handgemenge führte. Schließlich wurden die Revisionisten von der Menge vertrieben. Häufung von individuellen Mißstimmungen, sondern um eine Gruppenreaktion, um die Antwort einer in sich verhälfnismäßig einheitlichen Schicht auf eine bestimmte Situation, in die sie sich plötzlich gestellt sieht. Stimmt diese Diagnose, so stehen wir vor einem Tatbestand, der unsere ernsteste Aufmerksamkeit auch iri einer Zeit beanspruchen darf, in der zahlreiche andere, scheinbar substantiellere Note uns bedrängen. Stimmt dies e D i a g n o s e? Es ist naturgemäß schwer, sich von der Stimmung einer so zahlreichen und verstreuten Gruppe, wie cs die ״Olei Germania“ sind, ein einwandfreies Bild zu machen, zumal, wenn sie so wenig Gelegenheit zur 0ffcnilich.cn Aetißcrting hat, wie es tatsächlich der Fall ist. Lieber den typischen Charakter einzelner Erfahrungen läßt sich immer streiten, und keiner vermag mit Sicherheit zu sagen, was Regel und was Ausnahme ist. ()hne Zweifel war schon zu Zeiten der Hochkonjunktur die Zahl derer, denen die Anpassimg an die ungewohnte Umgehung, an das schwere Klima, an neue Sprache und fremde Sitten sehr schwer fiel, recht groß. Der ־wirtschaftliche Niedergang, der viele in ernste Sorgen, manche bis an den!•;and der Not gebracht hat, vcriniiulcrte die seelische Widerstandskraft weiter, die bei vielen ohnehin nicht sehr stark gewesen war. Es wird geklagt, gestöhnt, kritisiert. In Unterredungen, in Briefen, in Bemerkungen, wird eine Propaganda des Mißmuts getrieben, die sicherlich auch nach Deutschland hinein ihren Weg gefunden hat. Daß es auch zahllose andere gibt, tapferere, optimistischere oder wenigstens schweigsamere, ist kein Einwand gegen diese Feststellung. In jeder Gemeinschaft gibt es alle Arten von Temperamenten, und die Frage geht nicht einmal darum, weiche Einstellung überwiegt. Behauptet werden soll nur, daß die Zahl der Unzufriedenen, derer, die sich nicht ״zu Hause“ fühlen, größer ist, als sie cs in einer normalen Gemeinschaft sein sollte. Auch die Tatsache, daß an dieser Mundpropaganda nicht nur Nicht- oder Neuzionisten, sondern auch langjährige Mitglieder der Organisation teilnehmen, ließe sich mit Beispielen belegen ... Wenn j e m and über eine Sache enttäuscht ist, so ist er mit falschen Erwartungen an sie he! angegangen. Seine Erwartungen mochten berechtigt sein, — dann hat die Sache schuld. Sie mochten unbcrechtigt sein, ~ dann hat er schuld. Wie verteilen sich Schuld und Nichtschuld in unserem Falle? Unter den 4 0 000 Juden, die seit dem Frühjahr 1933 aus Deutschland nach Palästina einwanderten, waren Schichten ganz verschiedener zionistischer Vor- und Ausbildung. Ein kleiner Teil war, was man so ..geschulte Zionisten“ nennt, ,Mitglieder der Organisation und Sc'n'kelzahlcr. Ein weit größerer hatte erst nach den erschütternden Erfahrungen des Jahres 1933 sich gewissermaßen in Schnellktirsen die wichtigsten Daten über Palästina und die zionistische Bewegung an geeignet. Ein dritter Teil — auch ganz gewiß nicht gering an Zahl .- kam fast ohne spezifische Vorbereitung, nngclnckt durch die damals leichten Erverbsmöglichkeitcn, angefordoit von Verwandten oder aber auch nur ausgewiesrn aus allen anderen!..ändern. Dieser letzte Teil ist natürlich der anfälligste. Aber da die andern, wie erwähnt, keineswegs immun sind, kann der Vorrat an gewissermaßen im Lift mitgchrachien Vorkenntnissen allein nicht maßgebend für die Widerstandsfähigkeit gegen die Unhilden der neuen Umgehung sein, im Gegenteil: gerade unter denen, die sich aus den zionistischen Lesebüchern die Vorstellung einer messirinischen Brüderschaft zusammengelesen hatten, die ihrer in Erez Israel wartete, — gerade unter denen befinden sich heute die meisten Verbitterten. Ein Vorurteil hatten sie fast alle gemeinsam, oh sie mit oder ohne Herzi-Eektiirc, mit oder ohne hebräische Anfänger- Kenntnisse nach Palästina kamen: sie glaubten — mehr oder Weniger bewußt, mehr oder weniger ausdrücklich — in eine neue Heimat zu kommen; und sic kamen in eine Fremde, die als Heimat erst gewonnen werden mußte. Das war ihr Hauptirrtum. Sie hatten wohl alle davon gehört, daß das Klima anders sei, daß man andere Sprachen spreche, sie kannten Vokabeln wie Chaluz oder Kwtizah, aber das waren Worte geblieben. Im Grunde erwarteten sie eine Fortsetzung ihres bisherigen Lebens. Daß sie eine fertige und andersgeartete Welt vorfinden würden mit eigenen Tugenden und Untugenden, darauf waren sie trotz allen Vorwissens nicht gefaßt. Diese Weit hatte eine ungeahnte Lebensstärke; sie dachte gar nicht' daran, sich nach dem Bild zu formen, das die Ncuankömmlingc sich davon gemacht hatten, wie eine neue Heimat aus- Zusehen habe; im Gegenteil, sie zwang den Neuen ihr eigenes Mali aut. So entstand hei ihnen das Gefühl dos Nicht-zu- Hause-Seins und zugleich mit dem Gefühl der Fremde eine . .. großen Leistungen erzählt, die in Palästina vollbracht worden waren, von dem Opfermut der Pioniere, von dem Schwung des nationalen Lebens — also gingen sie d a r ii b e r hinweg. Aber mit um so gröliererGenauigkcit notierten sie alles, was man ihnen nicht erzählt hatte, und was nicht in den Lesebüchern stand: den Staub und die Mattigkeit im Sommer, den Mange! an Schönheitssinn in vielen der neuen Kolonien, die Rücksichtslosigkeit des Kampfes ums Dasein, die geringe Verläßlichkeit im geselläf li.ben! חסייס — ,,:ch sammle, solche Beobachtungen“, erziih’le mir kürzlich ein Neueingewanderter, der gerade drei Wochen im Lande war. Sie probierten das Leben auf dem Lande aus und fanden es zu.