Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1937)
- Date
- 1937-12-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 96, 3. XII. 1937 JODISCHE RJJNDSCHA H Seife 11 THEATER UND MUSIK Ohel - Premiere: ״Benjamin Disraeli“ Tel Aviv, im November Die Autoren dieses Stückes (in der 1932 erschienenen Buchausgabe zeichnet Louise Marie Mayer neben Arthur Rundt als Mitverfasscrin) nennen ihr fürifaktiges Stück eine Komödie. Diese Bezeichnung, die vielleicht einen Mangel an Tiefe decken soll, erscheint unzutreffend, denn allzu viel Problematik wird hier ernsthaft anzuschneiden versucht. Es gibt allerdings ein falsches Bild, wenn in diesem Schauspiel der Anschein erweckt wird, als wünsche Disraeli nichts sehnlicher, als von dem englischen Adel für ״voll‘‘ genommen zu werden, als verleugne er sein Judentum, wenn er in seiner großen Rede, die den jüdischen Abgeordneten, und als erstem dem Baron Lionel de Rothschild, die Tore des Unterhauses öffnete, nicht als Jude plädierte, wenn er die Liebe einer Jüdin nicht erwidert, um später Mary-Ann, die Witwe seines Parteifreundes Wyndham- Lewis zu heiraten (mit der er bekanntlich bis zu ihrem Tode in glücklichster und zärtlichster Ehe lebte). Im übrigen verpaßt der Autor eine Gelegenheit, wenn er nicht nur Streiflichter auf den Menschen und Politiker in allen Lcbensabschnitten werfen will, sondern vor allem auch auf den Juden Disraeli: der erste Akt spielt auf der Insel Malta, die Disraeli 26jübrig besuchte. Aber von dort aus führte ihn seine Reise nach Jerusalem, und hier empfing er die überwältigenden Eindrücke, die bis zu seinem Lebensende seine Stellungnahme 7.1!m Judentum und Christentum bestimmten. In den ״Königsgräbern“ empfängt er in visionärer Schau Botschaft vom König Salomo und dem sagenhaften ״Bruderkönig“ David Alroy. Wir haben hier einen dramatischen Vorwurf, den bearbeitet zu sehen für den Zuschauer weit reizvoller gewesen wäre, als etwas lahme Dialoge über die Judenfrage zwischen dem Helden und seinem Freund Rothschild, einigen englischen Offizieren und der jungen Jüdin Rachel, die sich allzu schnell in ״Dizzy“ verliebt. Das Ohel-Ensemblc setzt mit dieser Aufführung unter Regie von Friedrich Lobe sein Bemühen um modernes Repertoire fort und verdient dafür all« Anerkennung. Dramaturgisch hat man in vielem keine sehr glückliche Hand, und dies wird auch regieniäßig leider nicht ausgeglichen, denn stellenweise leidet die Aufführung unter überaus schleppendem Tempo. Hingegen gibt es einige beachtenswerte Schauspielerische Leistungen. B a r a b a n bewältigt die schwierige Titelrolle (die in Wien von Deutsch kreiert wurde) mit großem Geschick. Er wirkt besonders überzeugend in den letzten beiden Akten, während er als junger Disraeli mitunter mehr echtes Feuer, sprühende Rhetorik beweisen könnte. Gleichfalls ausgezeichnet Vogel so 11 als Rothschild, erfreulicherweise durch den Regisseur um vieles diskreter geführt, als der Autor vorschreibt. C h a 1 f i bewährt sich als Tita, Disraelis Faktotum, der, wie historisch verbürgt, früher bei Lord Byron in Diensten stand; auch die Rolle des Sekretärs Corry ist bei ihm in guten Händen. Frau Schlonsky als Mary- Ann ist in ihrer kurzen Szene amüsant, aber es gelingt ihr nicht, die Zwischentöne zu finden, die in uns für die spätere, aufopfernde Gattin Disraelis Sympathien wachrufen müßten. Frau Sankowsky, von der wir in früheren Aufführungen starke Talcntproben empfingen, wirkt oft trivial als Rachel, besonders im vierten Akt, wo sie, statt den Konvcrsationston (im Gespräch mit Rothschild) ־zu steigern, einen tieftragisehen Monolog hält. Bedauerlich, wenn dieser Eindruck unterstrichen werden soll durch die Melodie des ״Glücklich ist, wer vergißt...“, die hinter der Szene — hier überaus banal wirkend — intoniert wird. Daß der überaus gestrenge Diener eines englischen Gentleman (Silberg) in dessen Ab- Wesenheit die Luft in den Zimmern seines Herrn mit dem Rauch einer Tabakspfeife verschlechtert, ist höchst unwahrscheinlich. Für das Bühnenbild (besonders im Hause Roth- Schilds, das recht ״billig“ wirkt) haften sich gewiß günstigere und freundlichere Lösungen finden lassen (]. F r e nk e 1). Abraham Schl onsky zeichnet für die flüssige hebräische Uebertragung־. Das Publikum nahm die Aufführung sehr freundlich auf. Ein hebräisches Märthenspiel ״Davidshöhle“ von lakoh Kahan Das ״Dramatische Studio für die Jugend“, das der Kulturabteilung des Waad Leumi angeschlossen ist und der kiinstlerischen Leitung des Habimah-Mitglicds Zwi Friedland untersteht, bringt ein dreiaktiges Märchenspiel des Dichters Jakob Kahan zur Aufführung. Kahan, der in Tel Aviv lebt, ist einer der bekanntesten Repräsentanten der jungen hebräischen Dichtung. DieGrahstätte des Königs David in Jerusalem ist nicht bekannt. Jedenfalls spinnt sich um die unbekannte Gralhöhle ein Kreis von Sagen. Es heißt, David ruhe nur schlummernd in königlichem Gewand, die Krone auf dem Haupt, auf goldenem Lager, wenn die Zeit des Messias gekommen sei, werde man sein Grab finden; nach dreimaligem Klopfen werde es sich öffnen und der König wird erwachen, sich erheben und auszichen in all seinem Glanze, sein Volk zu erlösen. Diesen ״Midrasch“ stellt Kahan seinem Spiel als Motto voran. Zwei Knaben, Uri und Gerschom, ziehen aus, um die Grabhöhle zu suchen, um die Erlösung herbeizuführen. Im dunklen Wald verirren sie sich. Ein alter Hausierer begegnet ihnen, verhöhnt sie wegen ihres ״Aberglaubens‘* und veranlaßt Gerschom, seinen Freund zu verlassen und umzukehren. Uri wandert allein. Geister der Finsternis stellen sich ihm in den Weg. Aber er findet einen neuen Reisegefährten in Oholiwa, einem Mädchen, die er aus der Gewalt der ״Hexe“ befreit. Sie finden den Eingang zur Davids-Höhle, aber bevor sie dreimal an die Pforte pochen können, werden sie durch Zwerge gestört, die gleichfalls den Eingang suchen, um das Grab zu berauben. Die Dämonen aber, die den Zwergen feindlich sind, verrücken die Felsen, und als Uri und Oholiwa ihr Versteck verlassen, finden sie den Eingang zur Höhle verbaut. Die Kraft ihrer Arme reicht nicht aus, den Fels mit dem Hammer zu durchbrechen, lausend und abertausend Hände sind nötig, an den Eingang zu gelangen. Zwi F r i e d 1 a n d führt Regie. Er betont das Visionäre und Phantastische. Die ״IJeberblendung ini Schlußbild — die Arbeiter am Davidsfelsen verwandeln sich in Wege bauende Cbaluzim — ist entsprechend den Absichten des Autors logisch, wirkt aber doch etwas kraß. Im übrigen wird das Melodramatische bevorzugt, ja an einigen Stellen singen die Schauspieler richtige Arien, von einem unsichtbaren Chor begleitet. (Musik: Pugatschov). Im übrigen gelang den jugendlichen Darstellern alles Bewegtingsmäßige besser als der sprachliche Ausdruck. Manfred Geis 2. Konzert des Palästina-Orchesters Anfang und Ende des Konzerts, das von H. W. Steinberg geleitet wurde, standen unter dem Zeichen erfreulicher Aktivität und Kühnheit: Das Eröffnungsstück bildete Wladimir Vogels aggressives, im Orchesterkiang mehr als in Form und Melodik neuartiges Virtuosenstück: Ritrnica Ostinata. Wenn Vogel auch aus der neueren russischen Schule herkommt (Skrjabin) und Biisoni-Schüler war, wenn in seinen Adern u. a. auch jüdisches Blut fließt, so läßt sich seine durchaus originelle Musikstruktur doch aus all diesen Eiementen nicht erklären. Ohne Frage erhalten durch Vogels Orchestrierung die Instrumente völlig neue Aufgaben; in früheren Werken des Komponisten wird auch der Versuch unternommen, mit diesen neuerworbenen Orchestermitteln auch bedeutsame Inhalte darzustellen. Zwischen Vogels Werk und Hector Berlioz’ für seine Generation nicht minder aufreizender ״Symphonie Phantastique“ mußten wir Bruchs D- Moll-Violinkonzert hören. Daß es im Progranunbuch als Repertoirestück bedeutender Geiger angepriesen wurde, daß es ferner nicht so abgespielt ist wie des gleichen Komponisten Violinkonzert in G-Moll, daß es von Hans Bassermann mit perfekter Technik und viel Gefühl vorgetragen wurde, konnte jedoch nicht verhindern, daß seine konventionelle Struktur, im Zusammenhang mit den zwei anderen Werken besonders aufdringlich in Erscheinung traten. Der Dirigent St ein berg war besonders auf der Höhe; der phantastische Naturalismus, das Sprunghafte und Theatermäßige bei Berlioz kommt seiner dramatischen und plastischen Qestaltungsart sehr zugute. Radio Jerusalem Die budgetäre Situation iin Radio hat sich in den letzten Monaten naturgemäß nicht geändert. Die Programmleitung ist gezwungen, einen großen Teil des Programms durch Schallplatten ausziifüllen. Das hat insofern gewisse Vorteile, als die Hörer in die Lage versetzt werden, die klassischen Standardwerke von den berühmtesten Interpreten und Orehestem in meisterhafter Vollendung zu hören. Die Auswahl der Platten ist naturgemäß reichhaltig und qualitativ hervorragend. An jüdischer Musik wurden die Bagatellen — Stutschewskys letztes Klaviervverk — sowie einige sehr schone Oeigenstiicke von Stutschewsky vorgetragen (Philip Scharf), dagegen leidet der von Max Lampl dirigierte Chor: ״Schein“ unter dem Mange! an gutem hebräischem Chormaterial. Erwähnt sei schließlich noch eine Gluck-Gedächtnisfeicr, arrangiert von Peter Gradenwitz unter Mitwirkung der Sopranistin Hede Türk-Boernstein. Kleine Musik -Nachrichten Dr. Kurt Singer schenkte der Musikabteilung der Hebräischen National- und Universitätsbibliothek einen großen Teil seiner privaten und sehr bedeutender! Musikbibliothek, darunter wichtigste musikhistorische Werke, viele große Partituren, Urtextausgaben, moderne Musik usw. Ferner wurden der Musikabteilung auf Veranlassung von Dr. Singer viele Duplikate der Bibliothek des Berlirfer Kulturbundes überwiesen. Michael Taube gründete!11 Tel Aviv ein Konservatorium, das sich besonders die Pflege der Gesangskultur zur Aufgabe macht. Der diesjährige Keren Hajeled-Ball der Wizo wurde durch ein hebräisches Arrangement des zweiten Aktes der ״Fleder maus“ unter Mitwirkung von Elsa Jülich-Taube, Michael Taube, Franz Pollak, Sascha Parnes, Fritz Gerstmann, Hans Carlü musikalisch bereichert. Damen und Herren der Gesell- Schaft wirkten choristisch mit. Im ersten diesjährigen Konzert des Museums in Tel Aviv wirkte Franz Pollak als Cembalist mit. Alice Jacob -Loewenson Hebräische Kinderliteratur Im letzten Hefte der ״Mosnajim“ veröffentlicht Jakob Fichmann eine Betrachtung über den gegenwärtigen Stand der hebräischen K i nd c r 1 i t er at ur: In vergangenen Generationen gab es keine spezifische Kinderliteratur bei uns. Das jüdische Kind, das damals in einer strengen Atmo- Sphäre aufgezogen wurde, las die Erzählungen der Bibel, der Aggadah, die Sagenwelt des Chassidismus und verschlang die historischen Erzählungen von Mapu oder anderen, auch solche, die künstlerisch nicht auf der Höhe standen. Heute ist das jüdische Kind verwöhnter. Die hebräische Literatur der letzten Generation zeigt die erfreuliche Tatsache, daß die großen Dichter und Erzähler mit vieler Liebe sich der Kinderliteratur gewidmet haben. Nachdem Seew Jawetz durch Gedichte und Idyllen, die noch heute ihre volle Frische bewahrt haben, den Weg gebahnt hatte, haben Bialik, Tschemichowski, Juda Steinberg, S. Benzion, Asch und Nomberg, Schneur und Jakob Kahan auf diesem Gebiete Vorzügliches geleistet. In der Kinderzeitung ״Olam katan“, die in den ersten fahren des Jahrhunderts erschien, haben viele der heute führenden Dichter ihre Erstlinge veröffentlicht. Diese Ein- Stellung zur Kinderliteratur verpflichtete die spätern. Nicht nur Berkowitz, Agnon, Barasch, Smilanski, Stawski, Burla, Eiameiri haben ihre besten Kräfte an das Schrifttum der Kinder verwendet, auch die jungen Schriftsteller wie Steinmann, Altcrmann, Schlonski, Leah Goldberg■ pflegen es. Bcsonders Schlonski hat für die Verbesserung der Form und des Rhythmus und die Reichhaltigkeit der Motive sehr viel getan. Unter den jungen ist besonders Ada Pinkerfeld zu nennen, deren Schöpfungen einen sprühenden Humor und eine Fülle von Motiven haben. Lewin Kiprtis hat sich ganz der Erzählung für Kinder gewidmet, Seew ist durch seinen freien Rhythmus und die epische Kraft seiner Dichtung bemerkenswert. Gegenüber dem Reichtum dei Kinderlyrik ist die Prosa arm. in letzter Zeit hat der Maler Nachutn Gutmann in der Kinderzeitschrift ״Dawar lajeladim“ gute humoristische Erzählungen veröffentlicht; daneben sind die Naturschilderangen von A. Smoli zu nennen. Die hervorragendste Leistung auf dem Gebiete der Kindcrprosa ist Abraham Rcgelsons Buch ״Reise der Puppen nach Palästina“, eine Erzählung voll von prächtigem Humor und reicher Erfindungskraft, eine der besten Schöpfungen der hebräischen Kinderliteratur. Die national-religiöse Vereinigung ״Ichud“ in Tel Aviv hat ihre erste Generalversammlung nach dem Tode ihres verstorbenen Vorsitzenden Dr. Max Kollenscher abgehalten und einen neuen Vorstand gewählt. Vorsitzender ist nunmehr Herr D. P i n k a s, Leiter der Misrachi-Bank, sein Stell- Vertreter Prof. Dr. Heinrich L o e w e. Der Vorstand hat ein umfangreiches Arbeitsprogramm für das neue Jahr beschlossen. Unter der Redaktion von Lehrer J. Fuhrmann, Jertisalem, erscheint ein Uebungsblatt zur hebräischen Presse ״Halimud“, das für den neuen Einwanderer gedacht ist und eine Einführung in das Lesen der hebräischen Presse darstellt. Ein Lösungsvorschlag Die naheliegende Versuchung, zu den Vorschlägen der Peel-Kommission schematische Gegenvorschläge zu machen, spiegelt sich in zahlreichen Zuschriften aus unserem Leserkreise. Wenn wir nachstehend eine derartige Zuschrift (aus Palästina/ veröffentlichen, so tun wir cs nicht darum, weil wir gerade diese Form für durchführbar hallen, sondem weit aus dem Grundgedanken eines solchen Gcgcnvor- Schlages vielleicht an maßgebender Stelle die eine oder die andere Anregung für die künftige Gestaltung der Dinge geschöpft werden könnte, insbesondere wenn der Zeitpunkt für offizielle Gegenvorschläge der jüdischen Instanzen gekommen sein wird, für die auch eine Vorbereitung der füdisehen öffentlichen Meinung erforderlich ist. 10 Punkte 1. Die Teilung findet vorläufig nicht statt. 2. Erez Israel wird auf die Dauer von 10 Jahren englische Kronkolonie. 3. Die Sanierung der ökonomischen Lage des Landes ist sofort in die Wege zu leiten: a) durch geeignete Schutzzoll-Gesetzgebung; b) durch Abschluß geeigneter Handelsverträge. 4. Die Mandatsbestimimingen werden noch nicht aufgehoben, sondern auf die Dauer obiger 10 Jahre suspendiert. 5. Die weitere Einwanderung erfolgt in der Weise, als wenn die Teilung auf Grund der Vorschläge der Peel-Kommission stattgefunden hätte, doch wird die hierfür vorgesehene Uebergangs/eit auf ein Jahr beschränkt. 6. In der durch die imaginäre Teilung sielt in bezug auf die Einwanderung ergebende jüdische Zone dürfte in ZukHilft Araber nicht mehr angesiedelt werden und in der arabischen Zone keine Juden. Soweit eine solche An- Siedlung bereits vorhanden, findet eine Evakuierung vorläufig nicht statt. 7. Der N'cgew wird als gemischte Zone behandelt und unterliegt weder für Araber, noch für Juden einer Einwainlerungsbesehrankiing. S. Es wird seitens der Regierung eine Kommission ernannt, welche die Aufgabe haben soll: a) die wahren Ursachen und den Umfang der Feindschaft zwischen den beiden Völkern des Landes zu erforschen und durch geeignete Aufklärung Beziehungen und aufrichtige, freundschaftliehe Annäherung zu fördern, die der historischen Verbundenheit der beiden, aus alter Zeit Übriggebliebeneu, semitischen Brudervölker entspricht; b) geeignete Friede ns Vorschläge aus den Reihen der beiden Völker cntgcgenzunc Innen. 9. Sollte innerhalb der zehn Jahre die Einigung nicht zustände kommen, so bleibt: es England uberlassen, entweder die Mandatsbesfimmiuigen wieder ir! Kraft treten zu lassen, 011er die Teilung auf Grund der Bestimmungen der Peel-Kommission vor/tinclnneu oder die Entscheidüng durch Fortführung als englisches Kronland auf weitere 10 Jahre aufzuschieben. 10. Findet eine Einigung vor Ablauf der 10 Jahre statt, so kann diese im Einvernehmen mit England sofort realisiert werden. Bei Abfassung obiger 10 Punkte habe ich mich von folgenden Gedanken leiten lassen: Die jetzige Zeit höchster politischer Spannung ist für eine Entscheidung von solch gewaltiger Tragweite ungeeignet, würde sich sehr lange hinziehen und schließlich keinen der beiden Partner befriedigen. Die ökonomische Lage des Landes verträgt aber keinen Aufschub der Sanierung, die hei unbefriedigter, politischer Entscheidung vielleicht auch nicht möglich wäre. Wird aber meinem Vorschlag gemäß die politische Lage über den Weg als englisches Kronland einstweilen neutralisiert, so kann mit der gegenwärtig als primär anzuselicnden, ökonomischen Sanierung sofort begonnen und das Land vor wirtschaftlichem Zusammenbruch im Interesse beider Völker bewahrt werden. Die politische Entscheidung dagegen hat bei einem englischen Kronland keine Eile und kann in Ruhe in einer psychologisch geeigneteren Zeit verwirklicht werden. W. L ö w enberg (Raanana) Vom Haifaer Technikum Jerusalem, im November. (Palcor.) Auf einer von! Rektor des Haifaer Technikums einliertifeiien Pressekonferenz wurden von Rektor K a p i a n s k y eine Reihe interessanter Ziffern und Angaben über die Entwicklung des Hebräischen Technikums mitg.■teilt: Augenblicklich studieren -15 0 Studenten am Teclmikum, 111 diesem Jahre kamen 160 neue Studenten aus dem Anskinde, größtenteils «ins Polen, hinzu. Im ersten Kursus studieren heute ISO Studenten, darunter insgesamt 150 aus dem Auslände. Diese Ziffern umfassen nicht diejenigen Studeuten, die in den Werkstätten und Faehklassen des Teciiniknms studieren, ln diesem Jahre wird die erste Gruppe von Studenten die technologische Fakultät des Technikums beenden, und diese Studenten werden den Titel ,,Ingenieur- T c c h 11 o 1 o g“ erhalten. Gleichzeitig mit der Entwicklung des Technikums wurden auch die Laboratorien erweitert und viele neue Wissenschaftliehe Instrumente und Einrichtungen erworben. Besonders bedeutsam ist die Erweiterung des Laboratoriums für Untersuchungeii von Baumaterial. In diesem Laboratorium werden Untersuchungen über Zement, Beton, Holz mul Metall durchgeführt. Das Laboratorium wurde vor drei Jahren geschaffen, hat sich im Laufe der Zeit sehr vergrößert und ist heute mit den neuesten Einrichtungen und Maschinen ausgestattet. Vor einem Jahre wurde ein elektrisches Labora« t o r i u 111 unter der Leitung von Dr. F. O 11 c n d o r f (früher Berlin) geschaffen. Augenblicklich werden die Vorbereitungen zur Eröffnung eines hydrologischen Labor atoriums beendet. Zu diesem Zwecke wurde ein besonderes Gebände errichtet, das 3000 Pfund kostete. Dieses Institut wird das einzige hydrologische Laboratorium im Nahen Osten sein. Mittelstandssicdlung in Palästina, fn! November-Heft der Zeitschrift ״Palestinc and Middle East“ äußert sich Dr. A. Lands berg über die Mittelstandssicdlung in Palästina. Auch unter den gegenwärtigen Umständen hält er die lnvestitiou von Privatkapital für notwendig, wobei er zugleich betont, daß gewisse organisatorische Mängel des palästinensisclien Marktes überwunden werden müßten. Ini Gegensatz zttm städtischen Einwanderer laufe der sich auf dein Lande niederlassende Einwanderer viel weniger Gefahr, weil er sein eigenes Haus besitze und sich znm größten Teil von den eigenen Produkten ernähren kann. Zur Ucberwindung der Schwierigkeiten für den des Landes ungewohnten Einwanderer ist die ״Rasse o“ gegründet worden, auf deren Tätigkeit an dieser Stelle schon mehrfach hingewiesen worden ist. (Schluß des Palästinateils)