Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1937)
- Date
- 1937-11-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 95, 30. XL 1937 Von der Woche Wegen kürzlicher Sabotageakte wurde der Ausnahme- Zustand von 7 Uhr abends bis 4.30 Uhr morgens über ein Gebiet von 300 m zu beiden Seiten der Eisenbahnstrecken zwischen Haifa, Akko, Lydda, Saniakh, Tulkerem und Nablus verhängt. Nach umfangreichen Durchsuchungen einer Anzahl von Häusern in Nazareth wurde ein Revolver und gestohlen er Schmuck in einer Mühle gefunden. Der Müller und seine G-ehilfen wurden verhaftet. In der Gegend von Bethlehem wurde anläßlich von Haussuchungen ein ticwehr samt Munition gefunden. Mehrere Araber wurden festgenommen, ln Gaza wurden vier Bomben geschleudert. Eine Anzahl von Personen sind verhaftet worden. Eine bewaffnete Bande von ungefähr 100 Arabern hat, auf der Flucht vor britischen Truppen, Palästina an der libanesischen Grenze verlassen. Ferner wird gemeldet, daß eine Araberbande, die die Berge um Jerusalem unsicher machte und die Morde hei Kirjath Anawim auf dem Gewissen hat, ebenfalls das Land verlassen hat. Vier Mitglieder der Bande des Scheich Kassara, deren Haftentlassung fällig war, sind i;n Administrativverfahren zu einem weiteren Jahr Gefängnis verurteilt worden. Wie die palästinensischen Blätter berichten, beabsichtigt die Regierung, Teile d 0 r Altstadt von Jerusalem mit den schmalen, gewunden cn Straßen 11 i e d e r z 111 e g e 11 und bei den Neubauten die Straßen wesentlich zu verbreitern. Diese Maßnahme sei vorgesehen, weil die Winkel und Gassen der Altstadt von Terroristen mit Erfolg als Schlupfwinkel benutzt würden. Die arabische Zeitung ״Al Islamia“ meIdet aus zuverlässiger Quelle, daß demnächst ein Gesetz verkündet werden soll, welches die Angelegenheiten des W a k 1 der Gerichtsbarkeit des Obersten Moslemischer! Rates entziehen wird. Arabischen Pressemeldungen zufolge werden die Beamten des Wald, die nach der Flucht ries Mufti ebenfalls landesflüchtig wurden, ihrer Aeinter enthoben werden. Einer Meldung zufolge wird gegenwärtig ein umfassender Plan für die R e o r g a n i s i e r u n g der Palästina- P 0 I i 7 e i, insbesondere der Abteilung für Kriminaluntersuctnmgen, ausgearbeitet. Dieser Plan soll Sir Charles Tegart vorgelegt werden. Den Notabel!! von Gaza ist com Be/ir kskommissar mitgeteilt worden, daß. falls die Personen, die Bombenanschläge auf die Eisenbahn verübt haben, nicht der Polizei ausgeliefert werden, die Stadt Gaza mit einer schwerer! Geldstrafe belegt werden wird. Aus N a b I u s wird ein v ersuchter Anschlag auf das Leben des Bürgermeisters dieser Stadt, S 111 c i rn a n Toukan, der dem Mufti von Jerusalem gegenüber oppositionell eingestellt ist, gemeldet. Zwei Dorfbewohner, die jedoch, wie sich später hornusstellte, ans Syrien stammen, versuchten, eine Unterredung mit dem Bürgermeister zu erlangen, jedoch wurde durch ihr Benehmen das Mißtrauen des Sekretärs erregt, der die Polizei verständigte. Es wurden Revolver in ihrem Besitz gefunden. Ein Beduine wurde wegen der Zerstörung des Denkmals auf dem Gral! des im vergangenen Februar von Arabern ermordeten Clialuz. Bruck zwischen Tel Amal 'und Beth Alpha verhaftet. Der Rc/irkskommissar von Galiläa teilte der Bevölkerung des arabischen Dorfes Sakhneh, in den! der Mörder von Jehuda Shpanov wohnen soll, mit, daß er dem Mörder eine Frist von drei Tagen gewähre, sich freiwillig der Polizei zu stellen. Nach fruchtlosem Ablauf dieser Zeit werde dem Dorf eine Geldbuße auferlegt werden. ״Aiiman“, die einzige Zeitung Jemens, die monatlich erscheint, bringt Artikel mit scharfen Angriffen auf Großbritannien und die Juden, sowie übertriebene Berichte über die Lage in Palästina. In den Moscheen Jemens wird eine intensive Hetze betrieben, die die in Jemen ansässigen Juden aufs äußerste beunruhigt. Aus der Wirtschaft Im Tel-Aviver Halen wurde am 27. November die Z i t r 11 s - S ,1 i s o n eröffnet. Für den Monat Dezember wird ein Export von ca. 250(10(1 Eruciitkisten erwartet. Gleichzeitig wird mit den Vorbereitungen für die Landung von Passagieren im Tel-Aviver liafen forigefahrco. Die Stadtverwaltung von Tel Aviv hat den! Ball eines modernen S t a d t m a r k t e s, der sich auf ca. € 10000 imlaufen wird, zugestiiimit. Ferner beschloß die Stadtverwaltung, in den städtischen Schulen l,J n i f o r m e n einzuliihren, die aus lokalen Textilwaren liergcstelit werden solien. Einem Bericht zufolge wird in Kürze mit dem Bau einer neuen S t r a iS c v o 11 J e r «1 s a 1 e in nach dem Toten Meer begonnen, die zur Beförderung von Kali dienen soll. Bei den Straßen arbeiten sollen ca. 360 Mann beschäftigt werden. Im vergangenen Jahr nahm der Keren Kajemeth ,£ 10 000 aus Parhtzalilmigeii von Siedlern auf seinen Böden ein. In der neuen Siedlung 1) e 111 J o s e p 11 im Beisan-Tal werden jetzt die ersten fünf Häuser gebaut. Eine betrachtliehe Wassernienge wurde dort erhöhrt. Die Oelfnbrik ״Jizliar" lici Tel Aviv brachte kürzlich ein größeres Quantum Olivenöl im Hafen von Tel Aviv zum Versand nach j a p a n. Tiberlas ist ruhig. 711 einem in Nr. 00 abgedruckten Berieht wird uns aus Tibcrias geschrieben, daß sich der Ueberfall auf den Leiter der Regierungs-Abteilung für öffentliehe Arbeiten, der im Schlaf überfallen und verletzt worden ist, nicht in Tibcrias, sondern in Safcd zugetragen hat. In Tibcrias ist seit den Vorgängen vom Februar dieses Jahres alles vollständig ruhig geblieben. Dies ist um so wichtiger, als Tibcrias als vielbesuchter Badeort ein b>csonderes Interesse daran hat, daß die Badegäste und Reisenden unbesorgt ihrer Kur nachgehen können. Die neue Straße Jaarotli Hakarmel—Atlith. Die ״Carntel Investment Trust Ltd.“ hat soeben mit dem Bau der Verbindungsstraße zwischen Jaarotli und Atlith begonnen. Nach der Inbetriebnahme der Straß« Damun—Jaaioth wurden weitere 5 Kilometer Straßen fertiggestellt. Die Brücke über den Wadi Schelalah, ehe den sogenannten, historisch-jüdisch interessanten ״Buiigalowhiigel“ mit dem Zentrum von jaaro-th verbindet, nähert sich der Vollendung. Der ganze bedeutende Waldkomplex vo»1 Jaaroth ist nun in seinen Hauntzügeii schon befahrbar. Von großer Bedeutung ist für das Jaaroth- Gebiet die neue Regicrungsstraße Haifa—Tel Aviv, die im wesentlichen durch jüdisches Gelände führt. Durch die neue, nur 41/2 Kilometer lange Straß« von Jaaroth bergabwärts nach Atlith, wo sie die Regierungsstraße trifft, ist Jaaroth—■ Hakarmel von allen Teilen des Landes leicht erreichbar. Vom Herzl-Bund wird uns mitgeteilt, daß sich H. C.er regelmäßig Mittwochabend in Tel Aviv, Kaffee Käte Dan, treffen. Auskunft erteilt Walter Danziger, Tel Aviv, 66 Ben Yehuda Road. Als Siedler in Erez Israel Aus Privatbriefen Von einem Mann, der bis vor einem Jahre in Berlin in einem Büro tätig war und dann nach P a lti s tina auswanderte, um auf dem Lande zu siedeln, erhielten seine Freunde in Berlin einige Briefe, die sie uns zur Verfügung stellen. Wir entnehmen diesen Briefen einige Bruchstücke, die für die Oeff ent Iichkeit darum interessant sind, weil sie zeigen, welche gewaltige äußere und innere Umwandlung die Umschichtung in Palästina mit sich bringt. Wir haben die betreffenden Stellen unverändert so gelassen wie sie in den Privatbricfen standen, und glauben, daß dadurch ein besonders lebendiger Eindruck entsteht. (Red.) September l<)37 ... Seit dem 10. April — dem Tag unserer beider Erkrankung — haben wir sehr viel durchgemacht und in dieser Situation war icli nicht geneigt, zu schreiben. Gott sei Dank ist dieser furchtbare Zustand der Arbeitslosigkeit nun nach menschlichem Ermessen für die Dauer von zirka zehn Monaten sicher beendet. Unsere Siedlung ist nun endlich im Werden und seit acht Tagen wird gebaut. Von allen 45 Chawerim, die jetzt zur Arisiedlutig kommen (150 werden es im ganzen sein), ist es mir erspart gehliehen, die schwere Raitarhcit in der heißesten Jahreszeit initzumaclien. Man hat mir den Posten des Schomer angetragen und ich habe mit Freuden zugegriffen. Ich muß allerdings für die nächsten vier Monate auf den Nachtschlaf verzichten, denn mein Dienst dauert von 0 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, verdiene aber £ 9 (— zirka 110 Mk.), für hiesige Verhältnisse sehr gut, und ich werde nun, unterstützt durch meine tapfere Frau, in der Lage sein, meine ziemlich stark an gelaufenen Schulden abzudecken, so daß ich, wenn nichts Unvorhergesehenes kommt, heim Einzug in unser neues Heim schuldenfrei bin und nicht mit drückenden Sorgen anzufangen brauche. Ich habe nun acht Nächte Wache hinter mir (in einigen Tagen wird die Regierungserlaubnis für ein Gewehr eintreffen) und habe mich so ziemlich daran gewöhnt. Ich will mich nicht als Helden hinstellen und ehrlich zugehen, daß es mir nicht gerade geheuer zumute war, so mutterseelenallein eine 1י>ו!זי׳י Stunde vom Ort entfernt auf Schmira zu sein, denn d'-ckt vis ä vis liegt arabisches Gebiet und es wurde mir -•י-׳ ’■-iior, wenn der Morgen graute. Wenn ich nun im Bcsi'׳ ״־ i״(s Gewehrs sein werde (das lediglich zur SelbstverE : ״י״ ״ bestimmt ist und innerlich mehr Rückgrat gibt), werde i-'1 auch noch die letzten Hemmungen überwunden haben. Sie können sich vorstellen, daß es nicht angenehm ist, wenn wie z. B, vergangene Nacht im angrenzender! Pardess auf einen Poel geschossen wurde und ich selbst bin noch ohne Waffe. In zirka vier Monaten wird der Einzug in die Siedlung mit Gottes Hilfe vor sich gehen und jetzt, da es mm Wirkiichkeit werden soll, unser aller Traum in Erfüllung gehen zu sehen, stehe ich vor meinem schon im Bau begriffenen Haus und kann es noch immer nicht fassen, daß es Tatsache ist. Ist es nicht ein fast unfaßbares Glück zu nennen, ohne Pfennig Geld ins Land gekommen zu sein und nach kurzer Zeit auf eigenem Boden zu sitzen. Bei dieser Gelegenheit muß ich das Loh zweier Institutionen preisen, des KKL und der Hitachduth Olej Germania. War erstere die, welche den Boden billig zur Verfügung stellte, so wäre mir und manchem anderen nicht damit gedient gewesen, wenn die geradezu wunderbare Siedlungsstelle der Hitachduth Olej Germania nicht wäre unter ihrem angenehmen Leiter Dr. Krolik Diesem Mann allein, seiner Tatkraft und vor allem seiner raschen Erledigung haben wir Chawerim aus Deutschland alles zu verdanken. Meine bzw. unsere hundertprozentige F.inordnung war unser großes Glück, denn es wird hei Siedlungshiife ausnahmslos Hachscharah-Nachweis verlangt. Mir wurde dies erlassen, da ich den Beweis erbracht hatte, siedlungsfähig zu sein. Also haben wir nicht umsonst unser Letztes gegeben bei der Arbeit im Pardess... November 1937 ... Es ist eigenartig und für uns, die noch neu sind, befremdend, wie viele von den Alten an Palästina kein gutes Haar lassen. Diese Leute, die die Zeiten der Prosperity mitgemacht haben, schimpfen und schimpfen nur, weil sie jetzt kämpfen müssen um ihre Existenz, ich habe schon die leidenschaftlichsten Auseinandersetzungen gehabt und ich hatte am Schlosse jedes dieser Wortgefechte die Befriedigung, daß ich diese Verzagten beschämt habe, und an mich wagen sich derartige Leute nicht mehr ran. Wir wissen, daß wir jetzt in der schwierigsten Zeit des Aufbaus hierhergekomnien sind, wir haben uns keine Illusionen gemacht (trotzdem die Wirk- Iichkeit viel viel schwerer ist, als wir erwartet haben) und sind uns klar, daß diese Zeit ausgehalten werden muß, und wir wissen, daß hinter dieser Zeit der Aufstieg kommt. Wir fragen nicht danach, wie lange es datiert, wir wissen nur eins: wir müssen durchhalten! Aus dieser unserer Einstellung heraus glaube ich auch, daß wir die Kraft geschöpft haben, das zu erreichen, was uns bis jetzt gelungen ist. Niemand glaubt mir meine 42 Jahre (man schätzt mich auf höchstens 34—35), niemand glaubt uns, daß wir mit 20 Piaster Vermögen gelandet sind. Eine seltene Ausnahme bilden wir in K. denn meine bisherige Tätigkeit als Schomer und tägliche Arbeit beim Bau, die mir einen überaus guten Verdienst gebracht haben, habe ich dazu benützt, meine Schulden, die durch fast vier Monate Arbeitslosigkeit, Krankheit, Verletzung usw. entstanden sind, abzudecken. V'on sämtlichen 45 Siedlern sind wir die einzigen, die keine Möbel besitzen, außer unseren eisernen Betten besteht unser Mobiliar aus notdürftig zusammengesetzten Holzlatten, aber das stört uns nicht. Noch habe ich vor dem Katif (Ptlückarbeit) Arbeit für verschiedene Siedler, wie Hühnerställe, Lagerschuppen usw׳. zu bauen und erst wenn das alles hinter mir liegt, werde ich völlig schuldenfrei sein und einige Bretter werde ich mir dann schon kaufen können, um mir an den Regentagen nach und nach unser Haus wohnlich zu machen. Ich habe den Ehrgeiz, mir nicht ein Stück zu kaufen, alles will ich mir selbst machen und ich habe keine Angst, ich werde es schaffen. lind jetzt will ich noch kurz von meinen Zukunftsplänen berichten. Ich will mir nämlich auf meinem Grundstück ein Wochenendkaffee einrichten. Meine Hoffnung ist, daß ich dann in Verbindung mit meinem zukünftigen Meschek (den ich zu einem kleinen Mustergut machen will) mein nettes Auskommen finden werde. Ich habe beim Bau der Siedlung aufgepaßt wie ein Luchs, um all die mir noch fremden Arbeiten kennenzulernen und auch die Aufbauten für das zukünftige Kaffee will ich alle selbst ausführen. Ich habe bis jetzt nur immer von mir geschrieben und habe das Wichtigste nicht erwähnt, und das ist meine kleine tapfere Frau. Ich hin doch durch meinen Sport in gewissen! Sinne körperlich gestählt, aber meine Frau erstaunt mich von Tag zu Tag mehr. Daß sie mit Leib und Seele am Aufbau unserer Existenz hängt, daß ihr keine Entbehrung zu groß ist, das wußte ich, wie sie sich aber körperlich, bei der Arbeit im Gemüsegarten (und wir haben prachtvolles Gemüse und Kartoffeln stehen) verhält, das ist bewunderungswürdig. Heute hat sie mich doch damit überrascht (ich habe wirklich keine Zeit für mich), daß sie einen Küchentisch fabriziert hat, und früher hatte sie Angst, auf einer Leiter zu stehen und Fenster zu putzen. — Warum ich das erwähne? Weil n 11 r der siedeln kann und darf, dessen Frau hundertprozentig mitarbeitet, sonst geht es einfach nicht. Seit Wochen warten vzir auf die Erlaubnis, unsere Mutter hereinbringen zu dürfen: wenn das erreicht ist, ist unser Glück ein vollkommenes, denn wir sind so glücklich wie noch nie im Leben. Ein sensationeller Boden - Prozeß Von unserem Korrespondenten gl. Tel Aviv, 23. November Vor kurzem wurde vor dem Bodengericht ein in seiner Art außergewöhnlicher Prozeß abgeschlossen, der fraglos die verschiedenen Behörden des Landes noch lange Zeit in Anspruch nehmen und vermutlich an Wichtigkeit mit dem Ablauf der Appellationen noch gewinnen wird. Er ist im Land unter dem Namen ״Muharaka-Prozeß‘‘ bekannt und betrifft das Eigentumsrecht der Regierung an einer ganzen Reihe ausgedehnter und wertvoller Bodenflächen. Es handelt sich um Böden, die seinerzeit dem türkischen Sultan Abdul Hamid gehörten und nach der Uehernahme Palästinas durch die Engländer wie andere türkische Staatsländereien in den Resitz der Mandatsregierung übergingen. Die Erben von Abdul Hamid haben vor etlicher Zeit — es sind jetzt bald zwei Jahre her — einen Prozeß angestrengt, in dem sie der Palästinaregierung den Besitz an einem bestimmten Dorf, Muharaka, in der Gegend von Beerschewa, streitig machten und auf Grund umfangreicher Dokumente und einer eingehenden Argumentation ihre Ansprüche aut diese Flächen anmeldeten. Der Gerichtshof war m seinen Anschauungen zuerst nicht einig, gelangte dann zu der Ansicht, daß die Palästinaregierung und nicht die Kläger ihre Besitzrechte auf den Boden erweisen müßte, und «da sie dieses nach Ansicht des Gerichtes nicht vermochte, wurde den Klägern, also den Erben des Sultans, Recht gegeben. Es ist selbstverständlich, daß damit das Kapitel dieses seltsamen Prozesses keineswegs abgeschlossen ist. Es wurde sofort Berufung eingelegt, und es ist wahrscheinlich, daß die Regierung den Fall bis zu den höchsten Instanzen bringen wird. Bei diesem Prozeß handelt es sich nicht nur um die Böden von Muharaka, einem angelegten Dorf im halbnomadisehen Süden Palästinas. Der erste Prozeß hat den Charakter eines Versuchsballons. Wenn die Erben des Sultans sehen, daß hier etwas durchzusetzen ist, so können sie iß der!eichen Weise wie in Muharaka Ansprüche auf ungeheure ändereien in Palästina anmelden, in der Gegend von Haifa und im Hulegebief, im Süden und im Jordantal. Und die Sache macht nicht an den Landesgrenzen halt, sondern betrifft auch Böden in Syrien und im Irak, und dort gerade die Petroleumbezirke der Mossulgegend. Es würde sich also darum handeln, der Paiästinaregierung einen hübschen Teil ihrer Staatsländereien abzuprozessicren, und das Publikum spitzt natürlich die Ohren. Es werden auch Stimmen laut, daß die Erben des Sultans nicht einfach den Boden in Besitz haben wollen, sondern daß sie bestimmte Verkaufspläne damit verbinden, eine Version, die deshalb glaubhaft klingt, weil der Prozeß noch während der Ausläufer der Prosperität angestrengt wurde, also in einer Zeit, wo man für Boden in Palästina von jüdischen Käufern märchenhafte Preise erzielen konnte. Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist auch das Interesse an dem Falle in weiten Kreisen besonders rege. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, daß die Regierung nicht einfach nachgeben wird. Kein Mohammedanerkongreß in Mekka Jerusalem, 24. November. (Palcor.) Die arabische Presse meldet, daß der Plan, einen mohammedanischen Kongreß während der Zeit der Pilgerschaft in Mekka abzuhalten, gescheitert sei. Die Anwesenheit des Mufti von Jerusalem bei diesem Kongreß war beabsichtigt gewesen. Ais Grund für das ScheEern des Planes wird angegeben, daß König I b 11 Saud im Hinblick auf seine neutrale Haltung in der Paläsfinafrage gegen die Abhaltung des Kongresses in Mekka Einwendungen erhob. Es wird angenommen, daß der Kongreß in Bagdad statitinden wird. Die Unruhen in Beirut Nach Meldungen aus Beirut haben die Unruhen, die in der Bevölkerung wegen der Maßnahmen gegen die nationaiistischen Organisationen aus'׳ebrochen s'md, ernste Formen angenommen. Der Generalstreik ist auch hei den Ocschäitsleiden vollkommen; Versuche des Militärs, die Oelfnnng der Läden zu erzwingen, sind mißlun׳ren. Trotz dem Verbot treten die nationalistischen Organisationen geschlossen gegen das Militär auf. Aus dein Libanon-Gebirge marschieren zahlreiche Bauern auf die Hauptstadt. Von der Bevölkerung wird die Auflösung der Kammer und der Rücktritt der Regierung gefordert. Die bisherigen Unruhen haben zwei Todesopier gefordert. Ein Verfassungsentwurf? Die arabische Presse meldet, daß ein Entwurf für eine neue Palästina-Verfassung, auf dem Teilungsplan basierend, in London vorbereitet und der Palästina-׳,egierung zur Begutachtung übersandt worden ist. Ferner wird berichtet, daß sich die neue britische Kommission in Kürze nach Palästina begehen wird. ״Adifaa“ erklärt, der einzige Weg, die Teilung Palästinas zu vermeiden, liege in einer jüdisch-arabisehen Verständigung. Persönliches. Vor kurzem beging Dr. Rudolf Möller in Tel Aviv den fünfzigsten Geburtstag. Er ist allen Zionisten Deutschlands als unermüdlicher Arbeiter in der ßew׳egung bekannt. Wie seine verstorbenen Brüder, Jacob und Samuel, stellte er sich in frühester Jugend in die Reihen des Zionismus und war insbesondere im Misrachi ohne Pause aktiv. Was er vor allem in der Ortsgruppe Hamburg geleistet hat, wissen die zu schätzen, die oft dorthin kamen. Immer fand das Zentralbüro des deutschen Misrachi in ihm einen loyalen, fähigen Mitarbeiter. BamiizAvah-Termin! Am 4. Dezember (30. Kisleiv); Heinz Pelcr Benjamin Wallach, Sohn von F. Wallach, Haifa, Hiilet Str. 3 a. (Schluß des Palästinateils)