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Jüdische Rundschau · 1937-11-30 · Heft 95 (30.11.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 95 (30.11.1937)
Date
1937-11-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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jüdische Rundschau Nr. 95, 30. NOVEMBER 1937 Noch keine Entwirrung Im Zeichen der Militärgerichte Nach der Vollstreckung des ersten Todesurteils Alle Berichte aus Palästina stimmen darin überein, daß unter den Juden Jerusalems und darüber hinaus des ganzen Landes kaum jemals eine so deprimierte Stimmung geherrscht hat wie nach den Ereignissen des 14. November, als in Jerusalem durch jüdische Terrorakte eine Anzahl von Arabern, darunter auch Frauen, getötet wurden, und die Erregung momentweise zu richtigen Straßenkämpfen auszuarten drohte. Es ist charakteristisch, daß nach all den schweren Erlebnissen der letzten zwei Jahre und nach den vielen jüdischen Biutopfern die überwältigende Mehrheit der Juden kein Gefühl der Erleichterung oder Genugtuung empfand, daß nun auch Araber in gleicher Weise getötet wurden wie früher viele Juden (die Araber, die bis- * her getötet wurden — und auch die Araber haben in den letzten zwei Jahren viele Opfer gehabt — fielen fast durchweg nicht durch jüdische Terrorakte, sondern hei ihren Kämpfen mit der Po-üzei). Vielmehr hatten die Juden die Empfindung, daß es für das jüdische Volk selbst die größte innere Gefahr ist, wenn es sich auf das Niveau von Terroristen ziehen läßt, die unschuldige Opfer töten. Und darüber hinaus besteht wohl auch die Ansicht, daß solche Vorkommnisse eine spätere Wiederannäherung von Juden und Arabern ungemein erschweren. ln ähnlicher Weise wurde die Nachricht von der Voll- Streckung des Todesurteils in Akko in der jüdisehen Weit (oder wenigstens bei sehr vielen Juden) nicht als Triumph, sondern, man könnte fast sagen, mit einer Art von Niedergeschlagenheit angenommen. Wir scheuen uns nicht, dies offen auszusprechen. Vielen Juden wäre es lieber gewesen, wenn General Wavell den Verurteilten begnadigi hätte. Es wird auch in jüdischen Kreisen die Frage aufgeworfen, warum nicht von jüdischer Seite ein Schritt erfolgt ist, um die Begnadigung zu befürworten. Es geht hier in der Tat um eine überaus wichtige und auch für die künftige Politik in Palästina und das Zusammenleben der Völker folgenschwere Angelegenheit. Man muß aber bedenken, wie schwer das Land unter dem Terror gelitten hat und bis heute leidet und daß alle friedlichen Mittel und die grenzenlose Langmut der englischen Verwaltung versagt haben. Die Regierung hat sich erst nach langem Zögern zur Strenge entschlossen, und die Einrichtung der Militärgerichte ist der erste Schritt auf diesem neuen Wege. Würde nun das Urteil des Militärgerichtes nicht vollstreckt werden, dann könnten die Terroristen zu der Meinung gclangen, daß die Maßnahmen nicht ernst gemeint seien, und vielleicht würde das geschonte Leben des Verurteilten den Tod von Zahlreichen unschuldigen Menschen, die daraufhin wieder Opfer der Terroristen würden, zur Folge haben. Die jüdische öffentliche Meinung hat, gerade weil die Juden nicht die Terrorakte mit gleichem vergelten wo!!- ten, die ganze Zeit über gefordert, daß strenge Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrors eingeleitet werden. Wenn nun die Jcwish Agency bei dem ersten Todesurteil, das auf Orund ■dieser neuen Maßnahmen gefüllt worden ist, für den Verurteilten interveniert hätte, dann könnte die Mandatar* macht darin eine Haltung sehen, die ihre eigene Position erschwert. Es würde der Eindruck entstehen, als ob die Juden sozusagen von dem Todesurteil abrücken und dadurch das Odium der Mandatarmacht aufladen; das aber könnte gerade in dieser komplizierten besonderen Situation als unfair empfunden werden. Es mag also aus diesem und anderen Gründen in den Verhältnissen wohl begründet sein, warum Von seiten der Jewish Agency — und unseres Wissens auch von keiner anderen jüdischen Seite — kein Schritt zugunsten der Begnadigung getan wurde. Trotzdem zweifeln wir nicht — ja, wir wissen es aus manchen Kreisen ganz genau —-, daß viele Juden es begrüßt hätten, wenn eine Begnadigung erfolgt wäre. Nicht nur aus menschlichem Horror vor dem Vollzug einer solchen Strafe, sondern auch 1m Interesse der künftigen jüdisch-arabischen Be- Ziehungen, die manche noch immer nicht verloren geben. Eine Zeitlang schien es allerdings, als ob der jüdische Gegenterror vom 14. November eine Besinnung auf beiden Seiten zur Folge haben könnte. Unser palästinensischer Korrespondent hat in Nr. 93 davon berichtet. Bald aber hat sich die Situation wieder gewandelt. Darüber wird uns aus Jerusalem vom 22. November (also noch vor dem Todesurteil gegen Scheich Farhati) geschrieben: ״Die Aufrufe gegen den Terror, die in der letzten Woche zum ersten Male von Juden und Arabern gemeinsam unterzeichnet wurden, einer vom Jerusalemer Stadtrat und ein zweiter von jüdischen und arabischen Kaufleuten, sind nach der ersten Ueberlegung nicht ohne ablehnende Reaktion unter den Arabern geblieben. Sidky Dejani, eine bekannte Figur in der politischen Welt Jerusalems und ein Mitglied der Stadtverwaltung, hat es für nötig gefunden, die Ver- Sammlung des Staatrats, die über den gemeinsamen Aufruf beschloß, als eine inoffizielle zu erklären und jeden Verdacht, als könne cs in irgendwelchen Dingen eine gemeinsante Aktion von Juden und Arabern geben, weit von sich zu weisen. Die arabischen Kaufieute wiederum, die sich zusammen mit den Juden zur Herausgabe eines Friedensaufrufes entschlossen hatten, haben ihn nicht öffentlieh mit ihrem Namen unterzeichnet. Und auch die arabische Presse, die nach dem berühmten ״schwarzen Sonntag‘‘ in Jerusalem begonnen hatte, gegen den Terror zu schreiben, gibt sich jetzt die größte Mühe, den Verdacht einer gemeinsamen Aktion oder irgendeiner Verständigungsbereitschaff mit den Juden von sich abzuwaschen. Man darf sich über diese Reaktionen, die wie ein Zu- TÜckweichen von dem ersten Versuch einer Rückkehr zur Vernunft anmuten, nicht überraschen lassen. Sie sina in der gefährlichen und eigenartigen Atmosphäre des heutigen Palästina fast unvermeidlich und verständlich. Die Macht der Terroristen ist noch nicht gebrochen; wer öffentlich gegen sie aufzutreten wagt, ist seines Lebens auch heute nicht sicher, und es mag vielen notwendig scheinen, sich aus der exponierten Stellung, in die er durch sein Auftreten gegen Gewaltakte gekommen ist, wieder zurückzuziehen, bis der Kampf um die friedliche Beilegung der Konflikte einfacher ist als heute. Derartige Entwicklungen wie die zu der offenen Bekämpfung des Terrors auch innerhalb der arabischen Oeffentlichkeiten brauchen Zeit, Geduld und erleiden immer wieder Rückschläge. Nicht nur der Angst vor den Revolvern ist die vorsichtige Haltung der Gemäßigten unter den Arabern Todesurteil vollstreckt Jerusalem, 28. November. (Palcor.) Der Oberbefehlshaber Generalmajor Wavell hat das Todesurteil über den Scheich Farhan Saa dI bestätigt, das am 27. November im Gefängnis von Akko vollstreckt wurde. Die Angabe, Farhan sei 80 Jahre alt, wurde von den Behörden nicht akzeptiert. Nach genauer Prüfung seiner Papiere nimmt man an, daß er höchstens 6 0 Jahre alt ist. Die Leiche wurde unter starker Polizeideckung in das Dorf Nuris im Emek zur Beisetzung geschafft. Sonnabend morgen begann in Haifa vor dein Militärgericht der Prozeß gegen die Freunde Scheich Farhans. Abdullah Einhar aus dem Dorf Mazar, der Besitzer des Hauses, in dem Farhan verhaftet wurde, ist, nachdem er aussagte, er habe Farhan erst auf die Bedrohung seines Lehens hin ein Versteck in seinem Haus gewährt, was von mehreren Zeugen bestätigt wurde, freigelassen worden. Die zwei anderen Gefolgsleute Farhans sollen später abgeurteilt werden. In Jerusalem findet die erste Verhandlung vor einem Militärgericht am 29. November statt. Es handelt sich bei diesem Fall uni den 22jährigen Mohammed Sheikh Ali, der am 22. d. M. in Jaffa verhaftet wurde, da er im Besitz von Schußwaffen war. Bei seiner Festnahme wurde bei ihm ein Revolver, in einem Bündel Zeitungen versteckt, gefunden. Ein Araber wurde in der Nähe von Safcd verhaftet, der im Besitz eines Gewehres war. Ein anderer Araber mit einem Revolver wurde ebenfalls festgenommen. Sie werden wahrscheinlich dein Militärgericht übergeben. Demonstrationen ln Nablus wurde teilweise als Protest gegen die Hinrichtung Farhans gestreikt. Ferner versuchten Schüler, Demonstrationen zu veranstalten, die jedoch von der Polizei zerstreut wurden. Die Behörden verkündeten die Schließung der städtischen höheren Schule, die als das Zentrum der Hetze bezeichnet wird. Aus Akko, Dschenin und Hebron werden Streikversuche gemeldet, deren Durchfiihrung jedoch nur teilweise gelang. In Damaskus mußte das englische Konsulat mit Militärschutz versehen werden, da 50 000 Araber nach Bekanntwerden der Nachricht von der Hinrichtung vor dem Konsulat demonstrierten. Auch aus Bagdad werden antibritische Kundgebungen berichtet. Sowohl vor der britischen Botschaft in Bagdad als auch vor dem Außenministerium des Königreichs Irak fanden Massenversammlungen statt, in denen gegen die Hinrichtung des Scheichs protestiert wurde. zuzuschreiben. Sie fürchten mit Recht, daß jede irgendwie nach Kompromiß schmeckende Haltung sie unter den politisch Gesinnten im Lande suspekt machen könnte und daß sie durch eine versöhnlichere Haltung ihre Stellung verschlechtem könnten. Die Verhältnisse im Lande müssen einen noch weit gründlicheren Umschwung erfahren, als er sich in der letzten Woche angekündigt hat, ehe die so viel diskutierte Umgruppierung in der arabischen Politik vor sich gehen kann.“ Inzwischen hat sich durch den Vollzug des Todesurteils die Lage in dieser Beziehung eher verschlechtert als verbessert. Schon meldet man große Demonstrationen in Damaskus und Bagdad, und wenn man bedenkt, daß auch in Beirut gerade schwere Unruhen wegen der Autlösung der nationalen Verbände vor sich gehen und daß von Ibn Saud angeblich Schritte in der Palästinafrage geplant werden (die in Wahrheit eine neue Demarche zur Wieder- Ueberfälle In Jerusalem und anderen Städten Palästinas kam es in der Nacht zum Sonntag zu zahlreichen Schießereien und Ueberfällcn, die eine Alarmierung der britischen Truppen notwendig machten. In Jerusalem wurden mehrere Feucrüberfälle aut britische und jüdische Polizisten verübt. Eine Bombe, die aus einem angeblich arabischen Auto ini Shiraon H a z a d d i k - V i e Ft e 1 in Jerusalem geworfen wurde, fügte durch ihre Explosion einer Jüdin leichte Verwundungen zu. Sonnabend abend wurde um 8(נ Uhr in Jerusalem an der Ecke der King George Avenue׳ und Ben Jehuda Street aus einem vorbeifahrenden Auto eine weitere B ombc geworfen, die unter den zahlreichen Schabbat-Spazicrgängerii eine Panik verursachte. Zwei 12jährige kurdische Knaben 'und eine lüjährige Jüdin erlitten leichte Verletzungen und wurden ins Krankenhaus geschafft. Der Attentäter entkam. Es wird jedoch angenorumen, daß es sich um dasselbe Auto handelt, aus dem im Shiinon Hazaddik-Vierfel eine Bombe geworfen wurde. Eine Abteilung des Essex-Regiments, die in Lastwagen von Nablus nach Dschenin fuhr, wurde plötzlich Aus dem Hinterhalt auf der Landstraße angegriffen. Zahlreiche Schüsse wurden auf die Soldaten abgefenert, die jedoch nicht trafen. Drei Juden wurden in der Nacht zum Freitag von Arabern auf dem Wege von Haifa nach der Zementfabrik Nesher beschossen. Alie drei wurden verwundet. Ihre Namen sind: Noah Kuper, Walter Mcndclsohn mul Jonali Michaela• vitch. Aut Grund dieses Ueberfalls wurden Polizeiposten in Wadi Ruchmich, wo der Uehcrfall geschah, eingerichtet und eine Polizeistunde verhängt. Am Sonntag wurde ein P a 1 r o u i 11 e n au t o, in den! sich mehrere Polizisten be fanden, in der Nahe von Na zareth ungehalten und unter Feuer genommen. Ein neben dem Wagenführer sitzender britischer Polizist wurde von mehreren Kugeln getroffen und war sofort tot. Bei der Verfolgung der an dem Ucberfall beteiligten Araber winde das Auto nochmals beschossen. Vom Abwehrfeuer der Polizisten wurde ein Passant verletzt. Nachts wurde ein Angriff auf S c!1 s e 11 e r a veriibt. Den Ghaffirim gelang es nach heftiger Schießerei, die Angreifer zu vertreiben. Neue Truppen ein getroffen Einer!Meldung vom Montag zufolge sind in Haifa zwei weitere I n f a n t e r i e h a t a i I i 0 n c a u s 1:11 g 1 a 11 d eingetroffen. Es handelt sich um insgesamt 1150 Mann vom Regiment Royal Ulster Riffles und vom Border-Regiment. Die Truppe soll besonders für Gehirgs!. :imp'e;!:•sgebüdet sein. gewinnung von Maan und Akaha vorbereiten sollen), dann muß man zugeben, daß die arabische Frage noch weit von ihrer Lösung entfernt ist. Der Monat November ist vorbei, ohne daß die im englischen Unterhaus für November angekiindigte neue britische Kommission nach Palästina abgegangen ist, und es läßt sich gar nicht sagen, wann sie entsendet wird. England hat jetzt überall in der Welt schwere Sorgen und Palästina ist nicht der einzige Punkt, wo angckündigte Aktionen unterbleiben oder sich verzögern. Die Aufgabe der Kommission sollte es u. a. sein, Verbandlangen mit Juden und Arabern zu führen. Jede Verzögerung der Schaffung endgültiger Verhältnisse aber erhöht die Ungewißheit und verhindert einen neuen Wirtschaftliehen Aufstieg. lllll «»*»♦♦♦♦♦»♦♦•♦♦»♦•♦«♦♦4»4♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦»•* »»♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦M♦♦»♦•»»♦♦♦♦♦♦»»♦♦♦»»»♦♦♦♦♦■♦♦♦»♦♦»♦♦♦♦♦♦»♦♦■♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦»♦»♦•♦»»+ Jüdischer Junge b c 1 in Pflugen!/ « ״״■'®IMäS:'“יי Tro!• der /..fis^Ucr.fälle im Tinde geht die Arbeit in den jüdischen Siedlungen ungestört weiter (was beim Lesen der Unruh hrichten nicht immer bedacht wird). Unser Bild zeigt einen Jungen, der einem erwachsenen Siedler beim P)lügen hilft, r־t«! s«.«1.1־d

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