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Jüdische Rundschau · 1937-11-26 · Heft 94 (26.11.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 94 (26.11.1937)
Date
1937-11-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 94, 24. XI. 1937 Dramatische Szene in Genf ... ob das jüdische Volk die Eignung zur Staatsbildung besitzt Palästinatagungen in Polen Ben Zwi in Warschau Von unserem Berichterstatter Warschau, 23. November Die soeben in Warschau, Lemberg und Lodz abgehal• tenen Palästina-Tagungen (in Krakau iindet die Palästina- Konferenz ant 28. d. M. statt), die sorgfältig von Sprinzak und j a f f e vorbereitet wurden, haben in sehr großem Maße die Erwartungen erfüllt, die man an sie geknüpft hat. Die Konferenz in Warschau (über deren Eröffnung bereifs in der vorigen Ausgabe berichtet wurde — Red.) war äußerst zahlreich beschickt. Es kamen 1045 Delegierte aus 251 Städten und Städtchen Kongreßpolens und der Randgebiete, Vertreter der Ortsgruppen sämtlicher zionistischer Parteien, Repräsentanten von 70 jüdischen Gemeinden und vieler jiklischer Wsrtschaftsverbände, Berufsorganisationen, Gewerkschäften, Kultur- und Hilfsinstitutionen. Man sali viele Rabbi- «fr, Zionisten und Nichtzionisten. Es war ein imposantes Treffen der alten zionistischen Garde mit den Aktiven der jüngsten zionistischen Generation. Die Bedeutung und Wirksamkeit dieser Tagungen wurden noch erhöht durch die Anwesenheit verantwortlicher Führer der Bewegung und des Jischuws. Es kamen speziell nach Polen außer Jaffe und Sprinzak B e n - Z vv i, Meir Berlin und Dr. G o 1 d m a ״ n. Es muß mit Anerkennung hervorgehoben werden, daß diesmal keine Agitationsreden gehalten wurden, sondern in den Ansprachen und Referaten das gesamte Palästina-Problem suchlieh und vielseitig vor den ernsten und gut orientierten Zuhörern auigcrollt wurde. Die Delegierten bekamen ein treues und ungesclnnücktes Bild der heutigen Situation im Lande. Durch diese Darstellungsart hat man viel mehr gewonnen, als durch die in der Vergangenheit so oft geübte Rhetorik. B c 11 - Z 11־ i schilderte die gegenwärtige Lage in Erez. Israel und beleuchtete insbesondere die letzten Ereignisse. Die Araber, erklärte er, hätten sich schon beruhigt, wenn sic keine Zweifel hätten, oh der neue englische Kurs in Palästina dauerhaft ״der nur zufällig sei. Der Araber weiß noch immer nicht, vor wem er Angst haben soll, vor der Regierung־׳ oder vor den — Terroristen. Von den Ert'ignissen am II. November in Jerusalem sprach Ben-Zwi als von dem ״schwarzen Sonntag“. Die jüdischerseits dem Stellvertreter des Iligli ('.ontinissioner vorher vorgehrachte gcrechte 1 ordeumg der Bewaffnung der jüdischen Bevölkerung zum Selbstschutz, hafte vor dem ״schwarzen Sonntag" viel größere Aussicht auf Erfolg. Auch jetzt ist Ben-Zwi überzeugt, daß der Jischuw diese Eorderung wird durchsetzen können, wir müssen aber den Beweis erbringen, daß wir uns selbst kontrollier e n k ö n n c n. 15er Vorsitzende des Waad Leumi wies auf die heldenhafte Haltung des Jischuw hin und verlangte vom polnischen Judentum Stärkling״ der Mittel für Schutz und Aufbau. Sprinzak, Bistrizki und Meir Berlin gaben eine ־treffliche Amlvsr der Situation int jüdischen Volke und im Zionismus.׳ Bistrizki sprach von der Konfrontation des palästinensischen und polnischen Judentums, von der tragiselten Diskrepanz zwischen unseren Aufgaben lind unseren Mitteln.׳ In der Propagandakommission der Konferenz entwarf Bistrizki einen überaus interessanten Plan neuer zionist ischer Erzieh 11 ngspolitik. Sprinzak rechnete scharf mit dem ״B u n d“ ab, welcher noch immer die Niederlage des Zionismus erwartet. Rav Berlin warf der Agudah ihre Untätigkeit für Palästina vor und appellierte an die Revisionisten, daß sie den Weg zurück zur zionistischen Verantwortung und Disziplin beschrciien mögen. Leider blieb dieser Appell in Warschau ohne Echo. Die Revisionisten organisierten am Sonntag in Warschau Demonstrationc 11 gegen die Konferenz und die Palästina-Deicgierten und scheuten auch nicht vor Ucberfällen aut Teilnehmer der Konferenz zurück. Kleine Nachrichten Die Schulbezirke (Schulverbände) in Sachsen haben nach einer Verordnung des sächsischen Ministeriums für Volksbildung für ihre Volks- und Berufsschulen mit magliebster Beschleunigung darüber Entschließung ztt fassen, ob und in welcher Weise die jüdischen Schüler ab gesondert werden können. Es soll grundsätzlich versucht werden, auf der Grundlage des bisherigen Kiassendurch- Schnittes des Schulbezirkes (Schnlverbandcs) die Bildung von So n d e r k! a ssen für jüdische Schüler möglichst ohne eine Vermehrung der Zahl der Klassen zu erreichet!. In Berlin gibt es 1824 jüdische Aerzte — das sind 27,2 "0 —, von denen iin Frühjahr dieses Jahres 16-18 tätig waren. Bei einer Gesamtzahl von 4220 jüdischen Aerzten im Reich stcdlt Berlin 43,2 י־יי׳. Die vier Großstädte Breslau, Frankfurt a. M. und Hamburg mit Berlin zusammen weisen 70,4 W aller jüdischen Grolistadtärzte und 50,5 113 aller im ganzen Reichsgebiet ansässigen jüdischen Aerzte auf. Höher ist mit 50,3 ,,.י der jüdische Verhältnis- Satz in Berlin bei den Fachärzten. Das Kon litürengeschäft von Frau Schindler, Beuthen, ist in den Besitz von Agnes Kukulla übergegangen. Das Warenhaus Wilhelm Hermann Lesser, Berlin- Scböncberg, Kolonnenstralie 10-11, ist i!1 arischen Besitz übergegangen. Helena Perez, die Witwe des Dichters J. L. Perez, starb in Warschau im Alter von SO Jahren. ׳Dr. Victor Kellner, der Direktor des Chajes-Realgymnasiums in Wien, feiert am 27. November seinen 50. Oeburtstag. Hervorgjcgangen — wie der Rektor der Universität Jerusalem Hugo Bergmann — aus dem Prager Studentenverein ״Bar Kochba“, der, stark unter Buhe.s Einfluß stehend, in der Zeit vor dem Krieg innerhalb des Zionismus das geistige Element besonders betonte, war Kellner einer der wenigen Westzionisten, die schon damals das Hebräisch« erlernten, und war von 1010 — 1014 Lehrer am Hebräischen Gymnasium in Jaffa, Nach Gründung des Chajes-Realgymnasiums in Wien 1010 wurde Kellner als dessen Direktor berufen. Er brachte die Anstalt (heute 503 Schüler) trotz aller — auch materiellen — Schwierigkeiten auf ein hohes Niveau, was auch von den Wiener Schulbehörden anerkannt wird. Aus Kellners literarischer Arbeit sind vor allem seine meisterhaften Uebersetzungen bekannt, z. B. von A. D. Gordons Schriften und die von Bialiks Essays (beide im Jüdischen Verlag, Berlin). Kellner hat auch viele Essays veröffentlicht (u. a. in der ״Jüdischen Rundschau“), namentlich über Erziehungsfragen; sein pädagogisches Ziel ist ein hebräischer Humanismus, eine moderne Synthese von europäischer Kultur und jüdischer, auf dem hebräischen Erbgut fußender Geistigkeit. Diesem Gedanken dient er vor allem in seinem unermüdlichen praktischen Wirken. Dem Mann, der ein in Mitteleuropa einzigartiges Schulwerk schuf, gelten an seinem Jubeltage die herzlichen Sympathien und Wünsche seiner Schüler und Freunde sowie der zionistischen Ocffentlichkcit. Im August d. J. wurden in der Mandatskommission in Genf, worüber die ״Jüdische Rundschau“ ausführlich berieiitete, die mit dem Peel-Bericht zusammenhängenden Fragen eingehend erörtert. Es dürfte von Interesse sein, einige Stellen aus den Verhandlungen (entnommen einer Veröffcntlichung des Zionistischer! Zcntralorgans ״Haolam“) wiederzugeben. Ucber die oft auch in jüdischen Kreisen diskutierte Frage, ob das jüdische Volk zur Staatsbildung reif ist, sagte der englische Kolonialsckrctär Ormsby-Dcre folgendes: ״Uns Engländern haben die Juden den Disraeli gegeben, und welchen Wert dieser Mann für die gesamte Weltentwicklung gehabt hat, ist Ihne« allen bekannt. Die Juden haben uns das Gepräge für Staatsmänner in Indien geliefert und wir alle in England sind voll des Dankes für den Segen, den wir von den Juden durch ihre Begabung für die Staatsführung gehabt haben. Nicht einen Moment bin Vater und sahn •ind aahr zutmdon. denn 919 kaufen Kleidung nur bei FRANKFURT a. M., Hlndonburgplatz 12, am Hauptbstmhof ich in dieser Sache im Zweifel und darum erkläre ich cs in voller Bestimmtheit: Der Judenstaat wird eines von den neuen Weltwundern sein und diese alle noch überragen. Er wird beispielgebend sein durch die vitalen Kräfte, weiche ihm imiewohnen.“ Im Zusammenhang damit tauchte eine zweite Frage aut. Ob die Juden in Erez Israel etwas von Strategie verstehen werden, nachdem sie doch nirgendwo eine militärische Er- Ziehung genossen haben und ferner, ob die Juden sofort ftnstände sein werden, ihre militärischen Aufgaben richtig zu erfüllen. Auf diese Frage antwortete Orinsby-Gore indirekt. Als die Erörterung der Unruhen des Jahres 1936 an die Reihe kam und als das Kapitel Tel Aviv und die Sturmeszeichen am Vorabend der Unruhen infolge Ermordüng von drei Juden auf der Landstraße besprochen wurden, d. b. die sogenannte ״Erhebung“ der jüdischen Jungmannschaff, um an der Stadt Jaffa ein Strafgericht zu vollziehen, da hat Orinsby-Gore ansgeführt und hat es wiederholt unterstrichen, daß die gedachte ״Erhebung‘' nur durch das Dazwischentreten der zionistischen Führer damals verhindert worden ist. Deren Standpunkt war so: ״Wir bekämpfen das arabische Volk als solches nicht. Es entspricht nicht unserer Ehre als Nation, einer terroristischen Bande aut seine Art und mit seinen Mitteln zu antworten. Bei uns besteht nicht die Sitte der Blutrache.“ Hiermit wollte Orinsby-Gore das kulturelle Niveau und den starken Sinn für Disziplin bezeichnen, die im jüdischen Lager herrschend gewesen sind. In der Mandatskommission ist nunmehr sichtlich die dramatische Spannung gewachsen und der Delegierte Japans, Sakenobe, richtet jetzt an den Minister die Frage: ״Und was wäre geschehen, wenn die zionistischen Führer diese Erhebung nicht verhindert hätten?“ ״Dann wäre die Stadt Jaffa 24 Stunden in den Händen der Juden gewesen.“ Hier warf der holländische Vertreter Van Asbeck ein: ״Auch gegen den Willen der englischen Streitkräfte?“ Worauf der Minister antwortete: ״Jawohl, auch wenn die englischen Streitkräfte dagegen gewesen wären.“ Das veranlaßte den Vertreter Norwegens zu der Frage: ״Befinden sich denn in den Händen der Juden soviel Waffen?“ Der englische Staatssekretär gibt hierauf zur Antwort: ״Bei den Juden ist ihre Haltung nicht von ihrem Waffenbesitz, sondern von ihrem Glauben -diktiert. Dazu kommt ihr Heldensinn, ihre Geisteskraft und ihr nationaler Vertcidigungswille. Die sind alle zusammen noch viel wichtiger als Waffen.“ Ormsby-Gore hat seine Anschauung noch weiter dargelegt: ״Sie dürfen nicht vergessen, was Palästina für die Juden zu bedeuten hat. Es ist eine von ihren Lebensadern, und daran hängt ihre Fortexistenz als ein Volk, trotzdem sie heute unter andere Völker und Staaten zerstreut sind. Auch darf Ihnen nicht verborgen sein, was Juden, die nach Erez Israel zurückkehren, in das Land mitbringen. Zwei Punkte will ich in den Vordergrund rücken. Der Jude, der zurückkehrt, empfindet in der Tiefe seiner Seele, daß er letztlich das erreicht hat, was er alle seine Lebenstage erstrebt hat. Jetzt ist er schließlich doch noch errettet worden aus den tausendundein Plagen der Gallith. Wer also diesen seinen Sicherheitshalen antasten wird, in welchen er nach einer Fahrt von vielen Geschlechtern auf einer stürmischen See der jüdischen Not gelangt ist, gegen den wappnet er sich mit einer heldischen Gesinnung, die ihresgleichen nicht hat in irgendeinem Volke und bei irgendeiner Nation in der Welt. Ein Zweites geleitet den Juden, der ins Land kommt: das ist sein Erfahrungsgut, die Schulung, die er bei allen Völkern und in allen Ländern des Erdrundes erlangt hat, das will Palästina - Anfragen im Unterhaus Im Unterhaus wurden am 17. November Anfragen bezüglich der neuen Palästina-Kommissi o 11, der Aus- Schaltung der arabischen Arbeiter in Palästina und der englisch-französischen Zusammenarbeit int Vorderen Orient an die Regierung gerichtet. Abg. Mander wollte wissen, ob der Kolonienminister es für ratsam halte, die beabsichtigte neue Palästina-Kommission schnellstens heratiszuschicken, und ob er klarstellen wolle, daß die englische Regierung sich durch Gewalttaten oder Androhung von Gewalt nicht von der Durchführung dieser Maßnahme abschrecken lasse. Minister Ormsby-Gore antwortete, daß die Angelegenheit seine Aufmerksamkeit finde, daß er aber noch keine Erklär1! n g abgeben könne. Die Haltung der Regierung gegenüber Gewalttaten und Drohungen sei bereits klargestellt und er sehe keine Notwendigkeit für eine neue Erklärung. Aut die Frage des Abg, Fletcher, welche Bedingungen die Regierung für notwendig erachte, um die neue Kommission zu entsenden, erwiderte Ormsby-Gore, dies hänge von der allgemeinen Lage ab. In seiner Antwort an den kommunistischen Abgeordneten O a 11 ac!1 e r gab Ormsby-Gore zu, daß infolge des arabischen Streiks und der beruhen des vorigen Jahres eine allgemeine Tendenz der Ersetzung arabischer durch jüdische Arbeit bestehe; aber er besitze keine spezifische Information über die Lage in den Steinbrüchen. Die PaUistinaregierung beobachte die Arbeitslage, und es würden Unterstiitzungsgelder zur Verfügung gestellt werden, falls dies notwendig sei. Nach den letzten Ziffern gab es ungefhr 11509 arabische und 4500 jüdische Arbeitslose (Ende September). In der Sitzung vom 22. November wurden einige Anfragen bezüglich der Propaganda fremder Mächte in Palästina sagen, die schnell begreifende jüdische Klugheit. Es be• deutet noch ein anderes, eine Strategie, die es weiß, wie man mit dem Feinde umzugellen hat. Nicht die Waffe ist bei den Juden das wichtigste Erfordernis, leb bin deshalb der Ansicht, jüdische Offiziere und Generäle werden bei einer Lernzeit von drei Monaten eine Höhe erreichen, zu der Menschen ans anderen Völkern auch in drei Jahren nicht gelangen würden. Was die soldatische Moral der Juden anbetrifft, so habe ich die Ansicht, daß sie keinem unter uns Sorge ciuflößt. Das Heer wird nur einen Zweck haben, für alle Zeit stets nur den der Verteidigung, niemals den Angriff. Wenn dam! in der Welt noch ein Heer mit so tiefem moralischen Empfinden existieren wird, so wird ihm ein jüdisches Heer der getreueste und redlichste Kamerad sein.“ Die Frage der jüdischen Eignung für die St a a t s f ii 11 r tt 11 g gelangte dann wieder auf die Tagesordmmg, als man über die wirtschaftlichen Möglich- Leiten eines geteilten Palästinas verhandelt hat. Der Vertretcr von Portugal beschreibt die wirtschaftliche Situation in den arabischen Nachbarländern, und er unterwirft die Kgl. Kommission einer scharfen Kritik, darum, weil sie für den Judenstaat einen so geringen Flächeninhalt bestimmt hatte. Was können die Juden "auf einer so beschränkten Fläche beginnen! Der ganze Teiliutgsplan ist doch eigentlich zur Verstärkung der jüdischen Einwanderung gcschaffen worden. ״Ich will schon gelten lassen, daß sich auf dieser Fläche 2 Millionen Juden niederlassen können, namentlieh, wenn man von den Männern der Wirtschaft etwas über die große Industrie hört, die an der ganzen jüdischen Meereskäste entwickelt werden soll. Gerade dann aber müßte man doch dem Judenstaat eine weit größere Fläche zumessen.“ Hier entspann sich eine lange Diskussion über den W i r t s c 11 a f t s m a r k t in den Nachbarländern von Erez Israel, und Ormsby-Gore hat sich ait dieser Diskussion wieder beteiligt und u. 0. folgendes aus geführt: ״Gerade darum bin ich der Meinung, daß der künftige Judenstaat für alle seine Nachbarländer zum Segen sein wird. Folgendes wird die Situation sein: Sechs Staaten wird es dort an der mittelländischen Küste zwischen der Türkei und Aegyplen geben: Irak, Syrien, das Libanon-Gebiet Alexandrctte, den Judenstaat und schließlich den arabischen Staat. Unter ihnen werden die Juden die gesamte Führung besitzen. Dafür bestellt für mich kein Zweifel. Jeder von diesen fünf anderen Staaten wird nach Juden als Ratgebern und Bevollmächtigten Verlangen haben. Jetzt können jene noch einem Juden- Staat und sogar einer jüdischen Einwanderung entgegen sein. Sobald aber der Judenstaat ein Faktum ist, werden sie die staalsmännische Gewandtheit und den europäischen Rhythmus zu schätzen wissen, den die Juden in die Wüste hineinzubringen verstehen werden. Sie werden an sie ״eradez.it die Einladung ergehen lassen, in ihrem Namen das Wort in den europäischen Hauptstädten zu ergreifen, um da fiir sie freundliehe Beziehungen bei der europäischen Finanzwelt anzuknüpfen. Die st aa t s m ä n ni sc h c Begabung der Jude n war von allen Momenten für mich das wichtigste. Um ihretwillen bin ich für die Teilung, so daß der Judenstaat in Kürze begründet werden kann.“ Noch vieles wurde in der Mandatskommission besprochen. Aber das hier Wiedergegebene reicht aus, um den Mann Ormsby-Gore und um den Geist kennenzulernen, der bei den Verhandlungen in der Mandatskommission geherrscht hat. Arnold Wiener (Beuthen O.-S.) * Das vollständige Protokoll der 32. (außerordentlichen) Tagung der Mandatskommission (30. Juli bis 18. Au-ntst 1937) ist jetzt unter der offizeilen Nummer C 330 M 222,1937 — VI. im Verlag des Völkerbundes in Genf in englischer und französischcr Sprache erschienen (246 Seiten Großformat, mit Verzeichnis der eingereichten Petitionen und Zuschriften und ausführlichem Index. Preis 2 Dollar). Vatikan und Palästina Bei der nächsten Sitzung des päpstlichen Kardinalkollegituns in Rom soll, wie gemeldet wird, u. a. eine Erklärung des Papstes über die politische Lage in Palästina abgegeben werden. In dieser Erklärung wird der Papst, wie es heißt, über die Ursachen der gegenwärtigen Unruhen in Palästina sprechen und die Hoffnung attsdriieken, daß die Periode des Blutvergießens im Heiligen Land bald beendigt werden wird. Ferner soll in der Erklärung gefordert werden, daß die christlichen heiligen Stätten einem endgültigen Status unterstellt werden, ״Osservatore RomstKi“, das offizielle Organ des Vatikans, brachte einen Leitartikel anläßlich des 20. Jahrestages der Balfour-Deklaration. gestellt, die jedoch von der Regierungsseite׳ nicht bzantwortet wurden. — Ormsbv-Gore weigerte sich auch, ein Versprechen zu geben, die in Palästina in Haft befindlichen arabischen Führer zu Verhandlungszweeken freizulassen. Diese Antwort des Ministe s wurde schriftlich auf eine Anfrage des Abg. Gibson gegeben. Auf eine weitere Frage Gibsons bezüglich der Beweise, auf Grund derer die Ent- Scheidungen für die Deportationen der Araber aus Palästina gefällt wurden, verwies Ormsbv-Gore auf den Text der ErkLirung der Palästina-Regierung vom 1. Oktober, Aus der Bekleidungsindustrie Die in der ״Adefa“ zusammengeschlossenen deutsch-arisehen Fabrikanten der Bekleidungsindustrie haben in einer Mitgliccferversammltmg beschlossen: 1. Der Geschäftsverkehr mit jüdischen Vertretern und Vorlieferanicn und anderen Liefcranten sowie von Abnehmern verträgt sich nicht mit den nationalsozialistischen Grundsätzen, die von der ״Adefa“ zu befolgen sind. Sämtliche ״Adcfa“-Kameraden erklären dahcT, daß sie jüdische Vertreter und Verkäufer tt s w. nicht mehr empfangen werden. I )iescr Beschluß ist samtliehen deutschen Li.■feranten bekamt'zugeben. 2. Die ״Adefa“- Mitglieder lehnen es einmütig ab, in Zukunft Einkäufe bei jüdischen Lieferanten oder Zwischenhändlern zu tätigen. 3. Die ״Adefa“-Mitglieder lehnen es ab, an den jüdischen Handel und an jüdische Konzerne ihre für deutsche Volksgenossen bestimmten Waren weiterzuverkaufen. 4. Zum Schutze und im Interesse des deutsch-bewußten Verbrauchers sind sämtliche ״Adefa“-Mitglieder verpflichtet, ilire Erzeugnisse mit dem ״Ad e f a“- E t i k e 11 an sichtbarer Stelle zu versehen. LUDWIG IAusuerhaiH wegen Aufgabe unserer Abteilungen Herren־ u. Damen-Oberkieiflung Kaufhaus am Savignyplatz I BerHa W, 6r9lwaw1tr,a7 |

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