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Jüdische Rundschau · 1937-11-26 · Heft 94 (26.11.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 94 (26.11.1937)
Date
1937-11-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nt 94 26 XI 19V inmsrwF RiiNn'FCHAU So're 3 Chanukkah Von Baal Machschowes Vor etlichen tausend Jahren traf uns ein Wunder. Unter Dutzenden von Fiisscrn verunreinigten Oels fand sich ein Ktügiein, das noch nicht von unreinen Händen beschmutzt war. Und das Wunder wurde noch größer, als das kleine Krug- Jein Oel volle acht Tage ummterhmchen ausrei clrte, den Tempel zu erleuchten. Vor ein paar tausend Jahren waren die Menschen naiver als heute. Heute wundern wir uns gar nicht, wenn ein reines Krüglein Oel imstande ist, länger und heller zu leuchten als das unreine Oel. Wir wissen schon, daß in der Reinheit und Lauterkeit eine solche Kraft steckt, daß sie nicht nur die Finsternis unseres eigenen Tempels, sondern auch die Finsternis einer Menschenepochc besiegen kann. Man braucht nur die Menorah, in die man das reine Oel gießen kann. * Schwer für einen Menschen von heute, an Wunder zu glauben. Fast Jahrhunderte schon gewöhnt man sich an den Oedanken, daß cs keine Wunder auf der Welt gibt. Früher wußten von diesem Geheimnis nur einige wenige Philosophen. Fleute wissen schon alle Menschen davon, die ihre Jugend auf der Schulbank verbracht und ihre Stirne über den dickbäuchigen Büchern unserer großen Naturforscher zergrübelt haben. Und wenn uns eine schwache Minute ankommt und wir an ein Wunder glauben möchten, hinken unsere Gefühle der inneren Erkenntnis nach, wie eine lahme Schindmähre hinter dem gesunden, schönen arabischen Pferd. Unser Vcrstand, das flinke, schöne arabische Pferd, ist längst am Ziel; die hinkende Schindmähre, das Gefühl, kann noch immer nicht aus ihrem dunklen Stall heraus, wo mit Staub und Schatten die halbdunklen Vorstellungen von Geistern, Dämonen und Wundern aller Art herumkriechen. Und doch kommen die schwachen Minuten, und unwillkiirlich beginnt man, sich zu sehnen nach irgend etwas... nach irgendeinem Wunder. Audi wir, die Heutigen, die wir im Kampf für eine besondere jüdische Zukunft stehen, werden oft von solchen schwachen Augenblicken befallen. Schwer ist d«r Kampf, lang, schrecklich lang ist der Weg, den der Verstand uns weist. Man möchte etwas, das uns den langen steinernen Weg abkürzt, man möchte ein Wunder. Und dann sagt uns unser Herz, daß das Chanukkah- Wunder von einst uns jetzt wenig helfen würde, Und fehlt, Gott sei Dank, kein Krüglein reines Oel. In den 2000 Jahren unseres Golus haben wir mehr als ein Krüglein reines Oel gesammelt. Dank unserer Berührung mit der hohen, reiner!, allgemeinen menschlichen Kultur haben sich in unserer Seele reine, lautere Tropfen gesammelt, die mehr als eine Menorah eines Volksheiligtunis erleuchten können. Das Einzige, was uns fehlt, ist die!Menorah. Die alten Hasmonüer hatten die Menorah, ihnen fehlte nur das Oel. Wir dagegen haben vielleicht schon Dutzende Fässer Stoff auf dem Altar der Menschenliebe und Gerechtigkeit zu verbrennen. Uns fehlt aber die Menorah, die einzige Stelle, unser Licht aufflammen zu lassen. Und in den Minuten, da man nach einem Wunder verlangt, bitten wir Gott um ein Wunder. Sie, die Altert, segnete Er mit dem Wunder des Oels, aber uns, die Jungen, segne Er gerade damit, woran die Hasmonäer keinen Mangel fühlten: Mit einer Menorah. (Aus dem 5. Band der jiddischen Gesamtausgabe von Baal Machschowes' Schriften) Der Sinn der Makkabäerkämpfe Elias Bickermatut: Der Gott der Makkabäer. Untersuchungen über Sinn und Ursprung der rnakkabäischen Erhebung. — Schocken Verlag, Berlin 1937. Unter den jüdischen Geschichtsdarstellungen der letzten Jahre ist das soeben bei Schocken erschienene Makkabäerbuch Kicker nianns eine der kühnsten Deutungen einer Periode, die bisher teilweise in anderer Beleuchtung gesehen worden ist. In groben Zügen war das landläufige Bild, das viele vom Makkahäeraufstand hatten, dieses: auf der einen Seite Antioclms Epiphanes, der Verfolger und Unterdrücker, auf der anderen Seite die gegen die Religionsverfolgung und aufgezwungene Hellcnisierung rebellierenden und siegenden Juden. Bickermann macht nun den Versuch, auf Grund einer sorgfältigeren Auswahl der Quellen und Urkunden und ihrer Neuinterpretation zu zeigen, daß die Zusammenhänge viel komplizierter sind und die bisherige Betrachtung der Dinge einer Revision unterzogen werden muß. Es ist einer der Grundgedanken dieses Buches, daß Antiochus gar nicht die Absicht hatte, die Juden zu hellenisieren. Durch Erläuterung vieler zeitgenössischer Quellen und vergleichende Betrachtungen gewinnt Bickermann die Auffassung, daß es sich um einen rein religiösen Kampf handelte; schon allein die Münzen aus der Zeit Antiochus IV, zeigen, daß er ״eine Hellenisierung der Religionen seines Reiches keineswegs betrieben hat“. Ausfiihrlich legte Bickermann dar, wie in immer steigendem Maße die Anfkfärungsgedanken ins Judentum eindringen, und der gesamte Betrieb von griechischem Geiste und griechischen Formen durchdrungen wird... bis zum Hohepriester hinauf. Jahrelang bestehen neben den jüdischen überlieferten Formen die griechischen importierten Sitten fort, ohne daß das Volk sich empört. ״Nicht die Juden“, so sagt Bickermann, ״sondern der König selbst beendete diese Symbiose von Palästra und Tempel.“ Im Jahre 168 brach im syrischen Gebiet ein Aufstand gegen Antiochus Epiphanes aus; zu den aufrührerischen Städten gehörte auch Jerusalem. Die näheren Umstände des Aufstandes sind noch ungeklärt; aber ״sein politischer Charakter ist eindeutig. Das war kein Kampf zwischen Hellenisten und Altgläubigen, sondern eine Episode in der Rivalität zwisehen zwei Häusern und zwei ehrgeizigen Stadtliäuptern.“ Wenn im Verlaufe dieses Kampfes, so erklärt Bickermann, Antiochus den Juden die Umstellung auf die griechische Lebensform auferlegte, so bedeutete dies nicht Reügionszwang, sondern die Auferlegung einer griechi- EIN CHANUKKAH-GEDICHT Wenn 'di zinct ai lichtlech on, di acht... Wenn ich die Lichtlein zänd’, die acht... % on Aw rohora Reisen Farloschen senen majne schieren1) Un finster is di lange nathl, Dodi hejbt mir lichtig o« zu weren,2) Wenn ,di zind di lichtledh on, dl acht. Majn madit un schtolz 1s lang ariber,3) Der wilder ssojne‘1) spolt un lacht; Es lebl doch ojt der alter giber,5) Wenn ׳ch zind di lichtlech on, di acht! Es schlummen alle majre Iieder Fun gvure,fi) heldentat un macht; Doch klingen sej In harz mir wieder, Wenn ׳ch zind dl lichtledi on, di add! An alle trfir majn ojg iardunkelt Un hot es s hier nlt blind gemocht, Doch seht: wi hell zurik es lunkell, Wenn 'ch zind di lichtledi on, d! acht... J) Sterne 2J werden *) vorüber 4) Feind Held יי) SlSrke Lfingst sind erloschen meine Slerne, Und finster ist die lange Nach! — Doch heller Sdslmmer grübt von ferne, Wenn ich die Lichtlein zünd', die acht. Mein Glück, mein Stolz, sie sind versunken, Ich bin verspoilet und verlacht — Doch hellauf glühen alte Funken, Wenn ich die Lichtlein zünd', die acht. Verstummt sind alle meine Lieder Von Kralt und Heldentum und Macht — Doch klingen sie im Herzen wieder, Wenn ich die Llchileln zünd', die acht. Die alte TrSn’ das Aug' verdunkelt. Schon hat sie es fast blind gemacht — Doch sieh, wie hell aus ihr es funkelt. Wenn Ich die Lichtlein zünd', die acht... (Transkription und Vebcrtragung von Dr. liabinowitz-l.cifyzig) 111111M111H111111!111111M11111!M111H1111111111111111111111111MMn111111n1111111u1!1M1111M!1111n111M111!1!1111111!!!111!1111111111111M111111111)!1!1111M111111111111!11!(!111!1!11u111111HH!1i!111u1UM111a1n11M1<v1m!1!u1n*11Ht!>!!n1!1);;1M!!c111!1Hn11!11m11m1mm!!11in!n<1i1111n1 Chassidischer Nigun Gehört von Chnna Rovirm Nachdruckverboten. -'Ile Rechte vurbeh. 1!tcn. Afiii• grfnett ■ ÜE IpHÜlpE Den alten Chassidim galt die ״Macht des Nigun“ nicht minder als die des Gebets. Er entzündete in ihnen jenen ״heiligen Funken“, der, nach den! Worte der Chassidim, ,,Welten erzittern“ machte. Wer einen Nigun unverfälscht, mit dem echt chassidischen ״Krechz“ (mit ״Seufzer“ nur ungenau übersetzt) zu singen wußte, ward würdig befunden, irl die geweihte Sphäre des ״Rebben“ vorzudringen, fand Einlaß eher noch als der ihm an Gelehrsamkeit und Chassidut Ueberlegene. Wohl an allen chassidischen Höfen hatte die ״Neginafs“ diese wichtige Rolle inne. Wann und wo auch Chassidim zusammentrafen, immer begann man rnit dem Erzählen von des Rebben Wundertaten, immer mündete das Gespräch in einen Nigun, der zu so andächtiger Stunde aufstieg aus der Mitte der Chassidim, zuerst von einem Linzeinen wie von ungefälir hiiigesummt, von den anderen ausgenommen und cinporgetragcn zu ekstatischer Steigerung. So versank, mitten im Werktag, die Welf des Scheins, und 11 her der gewaltigen ״Macht des Nigun“ vergaß man bis in die Tiefe der Nacht hinein Raum und Zeit, Weih und Kind. In diesem, den ״Neginais“ hingegebenem Kreise der Chassidim fand sich —- unerkannt und unbewußt —- so manche große künstlerische Seele. Künstlerisch tiei empfindende und rein erlebende Menschen, an deren Ohr noch nicht einmal das Wort ״Kunst“ gedrungen war, die aber nicht minder begnadet waren mit künstlerischer Besessenheit, — einer Gnade, die sie freilich mir in den Dienst au üott stellten. Wer je einen Hauch ihres Geistes verspürt, dein ist jüdisches Kunstschaffen ohne die Ausstrahlungen dieser Welt schlechthin unvorstellbar. Hier hinein reichen die tiefsteil Wurzeln unserer Schaffenskraft, und was an Echtem und Großem gewachsen ist auf dem sclmiaien Beet jüdischkünstlerischen Schaffens, das trank zumeist aus diesem Quell. Der ,.Macht des Nigun“ verdanken wir so das Werden der hebräischen Bühne, unsere ״Ha bim ah“. Als vor nun zwanzig Jahren diese kleine Gruppe junger ostjiidischer Menschen sich sammelte in künstlerischem Wollen, war es im IJrbeginn der ״Nigun“ der Väter, der sie einte, der mit gleicher Macht über sie kam, wie einst über ihre Ahnen, die Chassidim gewesen. Diese jungen Juden, die nach der Arbeit nachts im Studio der künftigen ״Habimah“ zusammentrafen, träumten gewiß nicht von rauschenden Erfolgen auf Europas Bühnen, in ihnen glühte ein Feuer, und eigentlich taten sie nicht viel mehr, als daß sic es glühen ließen, anstatt wie die meisten die Flamme gewaltsam auszulöschen. Die Macht des Nigun war es wohl auch, die den großen Regisseur W achtangoff aufhorchen ließ. Und so mag cs wohl zugegangen sein in den Kindertagen der ״Habimah“: Der Russe Wachtangoff hörte dieses Singen, sah den wilden, flammenden Tanz und erschrak zutiefst angesichts der Inbrunst und halb-verhaltenen Elementargewalt, die sich ihm da offenbarte. Und der Niclitjuclc wurde, fast könnte man sagen, seihst zum ״Chassid“. I)esm, päpstlicher als der Papst, pflegte er seinem Unmut in den Proben Luit zu machen in den Worten: ״Verflucht! So tanzt kein echter Chassid!“ — Wenn man die große Habimah-Schatispiflerin Ghana Rowina — der ich den obenstehenden Nigun danke — eine solche alte chassidische Weise singen hört im Kreis der Freunde, dann verspürt man noch etwas von jener Ekstase der Cfiassidim-Vätcr, von der alte״ Macht des Nigun. Diesen Rest alten Erbgutes hat die ״Habimali“ emporgetragen und gehalten. Chemjo Winnwcr ... sehen Stadt Verfassung, eine Angleichung Jerusalems an den Begriff der ״Polis“. Diese Symbiose des Tenipelstaates mit dem griechischen Gemeinwesen dauert von 168 bis Ende 164, und darauf folgt die Periode der zwangsmäßigen Bekehrung der Juden von 167—164. Antiochus gab dem Tempel den Namen: Zeus Olympios. Bickermann meint, daß dabei keine religiöse Unterdrückungsabsicht mitspielte, sondern allein der Wunsch des Griechen, Briefmarken * Fritz Iewin LUtiowstr. 91A die Gottheit bei einem Namen zu nennen; der bisherige ,.Eigner des Heiligtums, der ,anonyme‘ Judengott, wurde in den griechischen Akten der neuen Polis als ,Zeus Olympios‘ geführt.“ Aber er blieb doch der üott Israels. Hinzu kommt auch, daß man keine Bildnisse im Tempel aufstcllte (was Bickermann jedenfalls daraus schließen möchte, daß die Quellen nichts dergleichen erwähnen). Der Gott blieb derselbe, aber nicht der Gottesdienst. Die Formen ries neuen Kultus waren ungriechisch; sie wurden aus der Sphäre des syrischen Heidentums hineingetragen. Dies also war die Situation, die die Makkabäer vorfanden: Anbetung des jüdischen Gottes wie bisher, aber unter aufgezwungenen heidnischen Formen und unter üleiclisetz.ung der Gottheit mit den Gottheiten der Syrer und Araber. Vom seleukidischen Standpunkt aus war das, was die Juden Verfolgung nannten, eine Züchtigung der ungehorsamen Untertanen, die sich den staatlichen Anordnungen nicht fügen wollten. Eine wirkliche Erklärung, warum eigentlich Antiochus die Juden zu einer Aenderung ihrer Lebensweise zwingen wollte, vermag Bickermann auch nicht zu geben. Die Ansicht, daß Antiochus eine Vereinheitlicliun g der Religionen in seinem Reiche durchführen wollte, ist offenbar nicht haltbar. Und somit kommt Bickermann zu dem wesentlichen Ergebnis seiner Untersuchung: ein großer Teil der Juden konnte sich dem hellenischen Geiste nicht entziehen, die Folge war eine zunehmende Abkehr von der Thora, die Auflösung der alten Bindungen, kurz derselbe Prozeß der Assimilation, den die europäische Judenhcit in den letzten 150 Jahren durchgeinacht hat. Diese Gruppe der Aufgeklärten geriet in immer stärkeren Gegensatz zur Gruppe der Gesetzestreuen, denen sie (mit Bickermanns Worten) ״die Toleranz aufzwingen wollten“. Das war die ״Verfolgung" des Epiphanes. Die m a k k a b a i s r h e Bewegung war also ein Bürgerkrieg, ein Religionskampf zwischen Orthodoxen und Reformisten. Diese stützten sich dabei auf die weltliche Macht der Sekunden, jene allein auf die Hilfe ihres Gottes. Hätten die Reformisten gesiegt, so wäre das Judentum damals untergegangen, und es hätte niemals •ein Christentum und einen Islam gegeben. Der Sieg der Makkabäer hat die monotheistische Re- Hgion gerettet. Gerhardt N e 11 nt a n n Arbeitsplan für Chanukkah. Rechtzeitig zum Chanukkah• feste läßt die Schulabteilung der Reichsvertretung einen von Dr. Elieser L. Ehrmann ausgearbeiteten ״Arbeitsplan für Chanukkah“ erscheinen, in dem auf knappem Raum wichtige Hinweise und Anregungen für die Gestaltung des Unterrichts hei der Behandlung des Chamikkah-Thcmas gegeben werden. Bedauerlich ist, daß für den geschichtlichen Teil das neue Makkabäerbuch von Bickermann nicht mehr verwandt werden konnte. Für jeden Lehrer wird dieses Heft zahlreiche fruchtbare Anregungen enthalten, zumal es auch Vorschläge! für die Gestaltung von Feiern bringt. 1— LANDSCHULHEIM KRISTINEHOV/SODSCHWEDEN —ן nimmt zum!.Januar 1938 Knaben und Mädchen von!2 — 16 Jahren auf Schulunterricht Sprachen Berufsvorbildung Gartenbau Tischlerei Schneidern Pensionspreis ab RM 80,— / Reisekosten ab Berlin RM 27.— Adresse: Landschulheim Kristinehov, Västraby per Löberöd (Schweden)

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