Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1937)
- Date
- 1937-11-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE RUNDSCHAU AUS DEM REICH Nr. 93, 23. NOVEMBER 193? Breslauer Chronik Von unserem Berichterstatter Zionistisches Leben. Der Hebräische Sprachverein hat mit behördlicher Genehmigung regelmäßig jeden Dienstag stattfindende hebräische Klubabende eingerichtet, die einem dringenden Bedürfnis entsprechen. Der erste Klubabend fand am 26. Oktober statt. Der Leiter dieser Abende, J. Rcznicow, hielt die Begrüßungsansprache, in der er als Hauptziel der Klubabende die Schaffung einer kleinen Ecke mit palästinensischer Atmosphäre hinstellte. Die Teilnehmer aber selbst werden sich durch die aktive und passive Teilnahme — durch Mitsprechen und Zuhörer! — an den Klang des gesprochenen Iwrith gewöhnen und allmählich das Gefühl der Unsicherheit im Sprechen verlieren. Kurzreferate, Unterhaitung, gemeinsame Lektüre und gemeinsames Singen werden ferner die hebräische Sprache als lebendiges, gemeinschaftsförderndes jüdisches Element vor die Zuhörer hinstellen. Der Vortrag löste eine lebhafte Diskussion aus. — Die Breslauer Zion. Vereinigung hielt am 18. Nov. ihre Generalvcrsammlung ab. Nach dem Bericht des Vorsitzenden, R.-A, Dr. L u x, erbrachte die Generaldebatte die Stellungnahme der verschiedenen Sprecher. Die Annahme einer neuen Satzung erfolgte einstimmig. Dem Vorstand gehören nunmehr an: Dr. Lux als Vorsitzender, Dr. Berg und Frau Steffi Preu B als Stell- Vertreter, sowie Dr. Conrad Colin, Graß, Frl. Lina Levy, Dr. Hans Prinz, Rosenstein und Dozent Dr. U r h a c 11. — In der Breslauer Zionistischen Vereinigung und den angeschlossenen Gruppen wurden viele Vorträge und Diskussionsabende über die aktuellen politischen Fragen um Erez Israel veranstaltet. R.-A. Dr. Fritz Colin, Dr. H. Prinz, Dr. V, Cohn und Dr. Hans Klee (Berlin) hielten größere Referate zu dem Fragenkomplex. Kulturelles Leben. 1111 Kulturbund gab es zwei Aufführungen des Hamburger Ensembles mit Bus- Feketes geistvollem Lustspiel ,,Jean“. Es ist in Berlin so oft gespielt worden, daß es einer nochmaligen Würdigung nicht bedarf. Aber für uns ist die Tatsache bedeutsam, daß die Wiedergabe des vergnüglichen Stückes bezüglich des Künstlerisch-Technischen zum Besten gehörte, was uns 1m gleichen Rahmen bisher geboten wurde. Vor allem war es das Verdienst des Regisseurs Dr. Hans Buxbaunt, wenn man die Unzulänglichkeit des Saalpodiums keinen Augenblick mehr spürte und das Spiel einen solchen Schliff und ein Tempo hatte, als wäre es auf der reich ausgestatteten Bühne eines stehenden Theaters vonstatten gegangen. Die vortreffliehen Leistungen der Hauptdarsteller Hans Heinz Friedeborg, Ruth Man heim er, Julius Ko bl er, Erna Cohn und Kurt Schindler trugen selbstverständlich viel zum Erfolge bei. Der Breslauer Rezitator Fritz Qrabowsky, der unlängst den ״König Lear“ vortrug, ist mit einer größeren Aufgabe lange Zeit nicht mehr an die Oeffentlichkeit getreten. An diesem Shakespeare-Abend bewies er, daß seine künstlerische Potenz nach wie vor außerordentlich stark ist und daß gerade die Nachgestaltung eines an dramatischen Spannungen so reichen Werkes seinem Temperament besonders nahe kommt. Die Kultur des Sprachlichen verdiente — trotz gelegentlicher Ueberhastungen — ebenso aufrichtige Anerkennung wie die ungemein scharfe und plastische Herausarbeitimg der mannigfachen Gestalten der Tragödie. Martin Hausdorff fm Jüdischen Kulturbund sprach Professor Dr. Heinemann über das Thema ״Der jüdische Hellenismus als Kulturproblem“. Der Redner stellte die Epoche der Synthese iikiischer und hellenistischer Kultur zur Zeit Philos der Vorbehaltlos assimilierten Epoche der vormakkabäischen Zeit gegenüber und zeichnete die enttäuschende Reaktion der nachphiionischen Zeit._ -- _Der Jüdische Musikverein geht nunmehr in seine vierte Konzertsaison. Das erste Orchestcrkonzert dieser Saison, das unter der Führung von Berthold Sander (Berlin) stand, erwies wieder die stete Entwicklung. Der 15jährige Solist Gerhard Kan der (Violine) erntete mit den! D-moll- Violinkonzert von Wieniawsky und Kreislerschen Bearbeitunfen einiger Konzertstücke herzlichen Beifall (am Flügel: Lotte choeps). Auch der Chor des Jüdischen Musikvereins stellte seine Reife unter der Stabführung seines Schöpfers und seitens Werner Sander (Breslau) unter Beweis. Der erste Teil seines Programms war modernen jüdischen Komponisten zu hebräischen Stoffen gewidmet. A-cappella-Chöre von Hugo Adler und Psalm und Passacaglia aus Oscar fluttmanns ״Bereschith“ leiteten zur Uraufführung der musikalischen Bearbeitung des 137. Psalms von dem Breslauer Musikpädagogen Erich Werner über. Dieses in Aufbau und Inhalt packende Werk moderner jüdischer Musik, dessen Solopart Kantor Alfred Rosbasch übernommen hatte, zeigt eine dem Atonalcn abholde, befreiende Harmonik. Herzlicher Beifall dankte dem Komponisten und den Interpreten seines Werkes. Im folgenden Programmteil brachten Trude Neustadt, Alfred Ros ha sch, Leopold Alexander als Solisten, Chor und Orchester das Oratorium ״J e p h t a“ von Carissimi (1600—1674) in der stilvollen Bearbeitung von V. Gui zur Aufführung. — Einen bunten Abend bestritten Camilla E i s n er (Spira), Elsa Koch (Stabinski) und Wilhelm Guttmann. KASSEL WIESBADEN EREZ ISRAEL Donnerstag, 25. November 20.30 Uhr, Gemelndesaai Sonnabend, 27. November 20.30 Uhr, Gemeindesaal DR. HANS POMERANZ WERDENDER STAAT Varn Nationalheim zum J udenstaat — Die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Künstler brachte eine gcfällige Revue um die ״Liebe" mit Texten von Luz-Martin Schein zur Aufführung, zu der E. Abraham und S. Abbe einfallsreiche Schlager heigebracht hatten. Fritz. Günter Nathan Gemeindeleben. Aus der Breslauer Gemeindestatistik, die für den 1. Oktober 1937 16 664 Seelen aufweist, ergibt sich gegenüber dem 1. Januar 1937 ein Verlust von insgesamt 834, davon allein im letzten Halbjahr 569 Seelen. — In der letzten Ocmeindevertretersitzung wurde an Stelle je eines durch Wegzug freigewordenen zionistischen Sitzes der bisherige zionistische Fraktionsführer, Ernst Tau b e r, in den Gemeindevorstand und R.-A. Dr. Fritz Cohn in die Gemeindevertretung berufen. Die Aufteilung der in Aussicht genommenen Weiter- bzw. Neubauten der Oesterreicberstiftung in Kleinwohnungen und Wohnungen für Kinderreiche ist nach dem Bauvorschlag des Architekten M. Hadda geplant. Unter dein Vorsitz von Dr. Guttmann hielt der Verband der Syrtagogengeitieindcn der Provinz Niederschlesien seine Hauptversammlung ab. Nach dem Vortrag von Rabb. Dr. Ochs über ,,Die Proselytenfrage im alten Judentum“ vermittelten die eingehenden Fachreferate über Wohl fahrtswesen (Frl. Goldschmidt), Wirtschaftshilfe (Dr, Weißenbere) und Wanderungsfürsorge (M. Friedlaetider) ein Bild des Notstandsgebietes Schlesien. Den Haushaltsplan erläuterte R.-A. Dr. Staub. Frau Prof. Cora Berliner berichtete über Tätigkeit und Pläne der Reichs- Vertretung auf dem Gebiete der Schule, Berufsausbildung und Wanderung. — Das Jüdische l. ehrhaus wurde mit einem Vortrag1 von Prof. Dr. Löwi über ״Seelenleben und Gehirn im Experiment“ eröffnet. — Im Lchrerverein sprachen Dr. Willy Cohn und Dr. Gertrud Wey! über Fragen des Geschichts- und naturwissenschaftlichen Unterrichte. Künstlerisches und geistiges Leben Frankfurt a. M. In einer Vortragsreihe des Jüdischen Lehrhauses sprach der Schuldezernent der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Studienrat i. R. Dr. A. Leschnitzer, über ״Eltern und Schule“. Guben. Die Bildungs- und Vortragsarbeit hat mit einem Vortrag von Rabb. Dr. Voos über: ״Die Thora als Quell jüdischer Lebensfreude“ eingesetzt. Im Oktober gastierten Max Ehrlich und Fritz Tachauer zu einem heiteren Abend. Die Gemeinde veranstaltet eine Vortragsreihe. Rabb. Dr. Voos sprach über: ״Die Bibel im Lichte der Kritik“, Dr. P. Cohn über: ״Philosophie und Judentum“ und Rechtsanwalt S a 1 o iti o n über: ״Geschichte der Juden in Rom in zwei Jahrtausenden“. In der Zionistischen Ortsgruppe sprach Dr. Bereut (Berlin) über: ״Auf dem Wege zum Juden- Staat“, Landau Pfalz. Am 1, Oktober hatte die Israelitische Kultusgeineinde Landau nur noch 392 Mitglieder (im Vorjahr 450), während die Seelenzahl des Rabbinatsbezirks 962 (im Vorjahre 1122) beträgt. — Die Kulturbundsaison wurde durch einen Lieder- und Arienabend von Hans Assenheim (Frankfurt a. M.) eröffnet. Dr. Salomo» (Frankfurt a. M.) bewies am Klavier die Gabe einer diskreten und doch mitschäftenden Begleitung, Lübeck. Am 11. November wußte Mas K o n i n s k f durch ostjüdische Werke unter dem Thema: ״Wie der Jude lacht“ BRESLAU I ttl nuf\ l'AL/VSTIVA־ AMT lilltllN . Ipn/di i'ir ..1 Adolf Imbach C-Co. 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Diesem Antrag ist von der Gemeindeverwaltung e i n s t i m m 1g stattgegeben und der Zusatz sofort eingeführt worden. Zionistisches und Gemeindeleben Bochum. Dr. Neuberger, Düsseldorf, berichtete über den XX. Zionistenkongreß. Dortmund. Am 6. Oktober veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe eine Kundgebung, die ülrcrfüllt war. Ks sprachen Rabb. Dr. Philipp, Wuppertal, und Dr. Neuberger, Düsseldorf« über das Thema ״Der jüdische Staat — Illusion oder neue Wirklichkeit? Nach den Tagen von Zürich“. — Am 3. November sprach Dr. Gerhard Buctow, Köln, in der Wiio über ״Jüdische Volksmusik“ mit Schallplatten. Düsseldorf, ln der ZOG. referierte Dr. Neuberger über den XX. Zionistenkengreß. Essen. Die westdeutschen Gruppen des Brith Ilano ar und Bach«! trafen sich zu einer Pcgischa. Arich Händler sprach über die Situation der lionistischcn Bewegung und über die Aufgaben des Bundes. Geilenkirchen. Am 6. Oktober sprach Rabb. Dr. Rothschild, Saarbrücken, in der ZOG. vi’uer das Thema ,,An einem Wendepunkt jüdischer Geschichte“. Magdeburg. Am 20. Oktober veranstaltete der liti’li Haru'ar einen Elternabend, bei dem nach Bcgrüßungsvorten des \'1>r-itze!1dc״ der ZOG., Walter Heinemann, Scrw Berlin - r r •'Gut Born־,dort) zu dem Thema ״Weg der iiidU dien Jugend" -pcu•!«.!.. Arie Handler setzte sich mit der jüdischen Jugend au-einander, die nicht, organisiert ist. Die N'eranslallimg wurde unnaim׳ v1!״ ( ir״ren des Brith Ilanoar. Mannheim. Lehrer K :! e 1 11 e r 11: 11 11 ״ hi('t. einen Vortrag über die geschichtliche Und winsolia! ilnlu׳ hntv k klau;; de, Dahl. Rostock. Am 2. November sprach in der ZOG. Rabbiner Dr. Richter (Stettin) über: 20״ Jahre nach der Baltreir-! »cklaration“. Ankündigungen Bcuthem Am 7.!)ezeniber, 20.30 Thr, Saal de■־. Jüd Kulturbundes, Schmalfilm: ,.Weg in die Wiiklichktit“. — Breslau: Am 23. Novem* ber, Restaurant Gto^owski, Schveitinh/.ur Stadigrabcn 9, Hehrih-rher Klubabend. — Am 6. Dezember, 20.30 Uhr. Fmindcsaak Schmalfilm: ״Weg in die Wirklichkeit“. — Düsseldorf: Am 24. November. 20.30 Uhr, Grafenl>er״er Allee 78, ׳jeriicmsaim• Veranstaltung» der W’izn. des Israelitischen!Dhuc ח Vereines und de> Jiidi-chcn Frautnliundcs, I.lick* Levy-Zobel: ״Die jüdische Fnm hier und in Palästina־ .״— M.- Gladbach! ZOG. ׳Am 24. November, 20.30 Uhr, LudendorüAtr. 56» Dr. Walter GroS: ״Der Judcnstaat und die jüdische Welt“. — Nürnberg: Am 25.!November, 20.30 Uhr, Turnhalle der Ihr. Volksschule, Schmalfilm: ,,Weg in die Wirklichkeit“. — Stuttgart: Am 24. No״ vemher, 20.30 Uhr, Gustav-Si^glc-Haus, Schmalfilm: ״Weg in die Wirklichkeit“. Familien -Nachrichten Herr Joseph Brummer und Frau Gertrud, geh. Haa*e. Woldenberg (Neumark), begehen am 2b. November die silberne Hochzeit. Herr Moritz Kaufmann und Frau Josc.'inc. geh. l.azar, Trier a. d. Mosel, Saarstr. 23, begehen am 6. Dezember die goldene Hochzeit. Herr Karl Meter und Krau Adele, geh. Kulm, liollendr.rf (Bezirk Trier), begehen ain 23. November die goldene Hochzeit. Frau Therese Steinhardt, Miihlhatmen (Thüringen), begeht: am 25. November den 80. Geburtsing. Barmlzwah-Terminc: Am 27. November (23. KLlcwj a Alfred Ehrlieh, Sohn von J. F.hrlich, Altona, HoLk-mtr. 79. — Fritz S c e li g, Sohn von Heinz Seclig, Schwedt (Oder). Am 4. Dezember (30. Kislew): Max Moses, Sohn von jo-ei Pia!11, Freibiitg im Breisgau, Tahiti•, 12. — Roll K c tte rm a n!!, Sohr! von Frau Kmmy Kettermarm, Harum (Westfalen), Nordiing 10. Am 25. Dezember (21. Teweth): Ernst Hochland, Sohn von Sin,011 lluchhmd, König.-berg (PrfüCen), Miinzstr. 8. Geschäftliches. Pie Firma Leopold Hermann, Barnen■ und Mädchcnmäntcl-Fabrik, Breslau I, begeht am 28. November ihr 50j ihriges Jubiläum. ScUityskavten-— für alle Linien nach allen Ländern Visabesorgung - Kreditbriefe Flugscheine und Elsenbahnfohrkarten zu amtlichen Preisen Reisebüro WALTER JOEL BRESLAU 13 . K»s«r-Wilhelm-Str. 17 . 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