Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1937)
- Date
- 1937-11-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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S0ftQ 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 93, 23. XL 1937 75000 Pfund zur Verfügung stellt; was sollen wir sagen, wenn die Sendboten des Keren Hajessod in allen Ländern Unter großen Schwierigkeiten Mark für Mark, Pfund für Pfund und Dollar für LVollar den Juden abringen müssen, damit wir unser Werk weiterführen können. Wo bleibt die große nationale Tat, die in wenigen Jahren auch Jetzt noch Palästina trotz Peel-Bericht zu Erez Israel machen könnte? Vielleicht aber muß es so sein, daß nur unter Qualen und Wehen dieses Werk von wenigen gegen das eigene Volk entsteht. Vielleicht erfüllt sich nur so der tiefe Sinn dessen, was der Zionismus als Lösung der Judenfrage bedeutet. Vielleicht wird das Wort ״Schc’ar jaschmv“ (״Ein Rest wird zurückkehren“) in unserer Epoche zur Erfüllung, daß nur ein Rest dieses Volkes gerettet werden wird. Erst unsere Kinder werden vielleicht erkennen, daß eine jüdische Diaspora zum Absterben verurteilt ist, wenn sie nicht Licht und Kraft von Erez Israel gespendet bekommt. Nicht nur die Erwerbung des Bodens von Erez Israel und seine Besied- Iung mit Millionen jüdischer Menschen allein bedeutet die Lösung der Judenfrage, sondern darüber hinaus die Ausrichtung der jüdischen Diaspora nach diesem Zentrum. Das ,Herz dieses Volkes lebt in seinem Lande, und die Stärke seines Schlages ist entscheidend für die Durchblutung des Volkskörpers zu lebendigem Dasein. IV. Tiefe Depression hat sich der Juden in Deutschland bemächtigt. Die Lage in Palästina und die Einwanderungs- Schwierigkeiten nach vielen Ländern haben eine Stimmung erzeugt, die höchst gefährlich ist. Wir sind in das letzte Stadium des Liquidationsprozesses der Judenheit fn Deutschland eingetreten. Ihn organisch und zielbewußt zu Ende zu führen, ist unsere Aufgabe. Oresamtaufgabe der jüdischen Organisationen In Deutschland ist die Beschleunigung des Tempos der Auswanderung. Der wohl bei allen Juden in Deutschland vorhandene latente Auswamierungsdrang muH gestärkt und in geordtrete Bahnen geleitet werden. Dabei ist uns klar, daß jede P a n i k zur Verstopfung der vorhandenen Auswanclerungswege führen kann. Daher ist es notwendig, alles aufztibieteri, um neue Möglichkeiten zu erschließen, vorhatukne zu erweitern und konstruktive neue Pläne aufzustellen. Die Erhaltung der T ransf-er-Organisationen ist Voraussetzung für die gesamte Auswanderung, da nur so .auch eine großzügige Auswanderung von Unbemit feiten sich durchführen läßt. Wir hoffen, daß nach Beendigung der provisorischen Einwanderungsregelung von März ab die Alijah nach Palästina wieder führend an der Auswanderung aus Deutschland beteiligt sein wird. Inzwischen müssen die Pläne für mittelst.'indische Kolonisation im Lande weitergebracht werden. Am guten Willen fehlt es gewiß nicht. ׳Wichtig vor allem ist, daß die jüdische Gemeinschaft in Deutschland nicht einer fatalistischen Depressionsstimmung anlieimfäilt, sondern ihre Kräfte wach hält, um ihrem Schicksal außerhalb Deutschlands mit gesammelter Energie entgegentreten zu können. V. ., . Oft taucht die Frage auf, woher die Juden In Deutsch» land in der Lage, in der sie sich befinden, die seelische Kraft nehmen sollen, die sie befähigt, nicht nur ihr Leben in diesem Lande zu liquidieren, sondern auch den Mut zum Neuaufbau ihrer Existenz und ihrer Zukunft zu finden. Der Zionist, der sein Bekenntnis zum Zionismus nicht nur auf den Lippen trägt, sondern der sich zu der Erkenntnis des Zionismus als Lösung der Judenfrage und seines eigenen Lebens durehgerungen hat, wird imstande sein, in Erez Israel noch einmal von Anfang beginnen zu können, auch wenn er den Zenith seines Lebens überschritten hat. Der Aus- Wanderer nach Uebersce, der nicht weiß, ob er nach Argentinieti, Australien oder Uruguay gehen soll, findet sein Ziel nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie der nach Erez Israel Einwandernde. Daher gilt es, auch den Wanderer nach Uebcrsee in die Erkenntnisse des Zionismus einzuführen. Wenn wir unter ״Kibbusch Imam“ die Einbeziehung des ganzen Volkes in die zionistische Renaissancebewegung verstehen, so ist klar, daß nicht nur der Einwanderer nach Palästina, sondern auch der Auswanderer nach Uebersee Zionist sein muß. Denn Zionismus ist nicht ein geographischer Begriff, sondern die Sinngebung des Judeseins in einer chaotischen, in ihren alten Ordnungen erschütterten Welt. Nur die Erfassung aller Juden für die Idee des Zionismus wird aus den Splittern unseres Volkes wieder das einheitliche Volk schaffen. Die Verzweiflung, die sich vieler Juden in Deutschland bemächtigt hat, wird erst dann einer ruhigen und sclbstvertraiieudcn Entschlossenheit zur Gestaltung eigenen Schicksals Platz machen, wenn ihnen der Zionismus Boden unter den Füßen und geistigen Halt wiedergegeben hat. Die Tröstungen der Religion, die gewiß zu den echtesten Stärkungen in menschlicher Not gehören, sind einem großen Teil unseres Volkes verschlossen. Der Verlust jüdischer Substanz ist nicht in Jahren des Aufbruchs allein wieder gutzumachcn. Was wir beeinflussen können, ist das Charakterliche, Menschliche und dem Verstand Faßbare. Dazu gehört der Stolz auf die jüdische Kultur, das Vertrauen m den Kräften des eigenen Volkes, die Befreiung von Minder- Wertigkeitsgefühlen, die Erkenntnis der Notwendigkeit neuer Berufe für unsere Kinder, der Wiederanschluß an die hebrä- Ische Sprache und der Kampf um die Vereinigung unseres Volkes mit seinem alten Lande Erez Israel. Libanon verbietet Kampfverbände. Unser Pariser K.-Be• richterstatter schreibt uns: Nach in Paris vorliegenden Meldüngen hat sich die Regierung des Libanon zu energischen Maßnahmen gegen die radikalen Kampfverbände entschlossen. Durch eine Regierungsverordnung sind die Kampfverbände ,.libanesische Plialangistcn“, ״weiße Hem* den“ und ״Najjidi“ aufgelöst worden. In ihrer Verordnung erklärt die Regierung, daß ״das Land Ruhe und Ordnung sowie die Einigkeit aller Staatsbürger notwendig habe und daß daher radikale Kampfverbände unterdrückt werden mußten. Die Kampfverbände hätten eine Haltung eingenommen, die mit den Interessen des Landes nicht im Einvernehmen steht und hätten eine Atmosphäre der Agitation und der Anarchie geschaffen, die die Regierung nicht dulden kann. Die Auflösung durch die Regierung hat bei den Verbinden, von denen die ״Phalangisten“ allein 10 OCX) Mitglieder zählen, heftige Erregung hervorgerufen. In Beirut ist es am Sonntag zu heftigen Zusammenstößen mit der französischen Polizei gekommen, wobei etwa 50 Personen verletzt wurden. Die Garnison wurde alarmiert und die Regierungsgebäude militärisch besetzt. jr Zur Debatte des Peel-Plans Zu dem Artikel von Leon ard Stein in Nr. 82 der ״J. R." erhalten wir aus Palästina von einem Verfasser, der aktiv in der jüdisch-politischen Arbeit steht, eine Entgegnung, deren Hauptteil wir nachstehend wiedergeben, obwohl wir an• nehmen, daß die darin enthaltenen Argumente auch von Stein vor Abfassung seines Artikels durchdacht, aber doch offen• bar gegenüber anderen Erwägungen zurückgestellt wurden. Ist es doch in dieser Diskussion so, daß nirgends nur Licht, sondern in allen Kombinationen Licht und Schatten vermischt sind, und IViderlegung vcm Argumenten, Aesonders solchen, die mit exakten Ziffern operieren (wie z.B. den von Lord Samuel, von Jlyamson, kürzlich von Dr. Karpf in Amerika vorgebrachten), wird meist nicht versucht, ist offenbar auch sekundär, da es bei einer Zukunfts־ Sache gar nicht auf das Argument, sondern auf den politischen Willen ankommt. (Red.) ״Teilung ohne Judenstaat", so müßte Steins Gegen- Vorschlag sinngemäß bezeichnet werden. Ueber einen Punkt aber kann keine Meinungsverschiedenheit bestehen: Wenn man auf jüdischer Seite schon bereit war, trotz innersten Widerstrebens und schwerwiegender praktischer Bedenken den Teilungsvorschlag in Erwägung zu ziehen, so geschah dies doch nur deswegen, weil andererseits die Peel-Kommission für dieses schwere Opfer die staatliche Selbständigkeit verhieß. Stein bejaht den für alle Teile schmerzlichsten Punkt des Peel-Vorschlags — die Teilung des Landes —, nimmt uns aber andererseits das einzige, um dessentwillcn ein großer Teil der jüdischen öffentlichen Meinung bereit wäre, diese tragische Entscheidung zu akzeptieren: das Zugeständnis der staatlichen Selbständigkeit, die es uns, wie man hofft, eimöglichen würde, endlich eine großzügige Aufbaupolitik zu betreiben und neue starke Impulse für die Stützung des Aufbauwerks innerhalb der Gesamtjudenheit freizumachen. Es bedarf nicht viel Phantasie, um sich ein Bild davon zu machen, wie sich der Kongreß zum Gegenvorschlag Steins verhalten hätte. Die Nein-Säger hätten den Vorschlag einer Teilung ohne Juden- Staat naturgemäß ohne weiteres abgelehnt, aber auch die Ja-Sager, die bereit waren, die Möglichkeit der Schaffung eines Judenstaats zu prüfen und auch eventuelle Teilungsplane nicht prima facie abzulchnen, hätten gewiß dem Vorschlag einer Teilung ohne Gründung eines Judenstaats Ihre Zustimmung versagt. Ebenso übersieht Stein, daß sein Vorschlag auch de» Zielen der Mandatarmacht entgegenläuft. Er beschreibt mit großer Eindringlichkeit die Problematik des Peel-Berichts: die Mandats müdigkeit Englands. An diesem gruncjsätzlichen Widerwillen gegen eine Fortsetzung des bisherigen Regimes ändert die von Stein vorgeschfagene territoriaie Verkleinerung des Mandatsgebietes kaum etwas. Die Schwierigkeiten bleiben im wesentlichen dieselben. Auch was die Araber betrifft, so spricht nichts dafür, daß Steins Lösung für sie akzeptabler wäre als die der Peel-Kommission. Im Gegenteil, es liegt aus mehr als einem Grunde nahe, daß die Araber seinen Vorschlag noch entschiedener ablehnen würden als den der Kommission. Stein übersieht die unbezweifelbaren Vorteile, die dem jüdischen Palästina durch die Befreiung von vielen der Hemmnisse des gegenwärtigen Regimes erwachsen würden, wie z. B. des oft kritisierten Artikel 18 des Mandats. Er Übersicht die durch die staatliche Selbständigkeit gegebenen Möglichkeiten einer aufbaufördernden Handelsuna Wirt- Schaftspolitik, einer konstruktiven Einwanderungs- und Verwaltungspolitik. Er schleppt das so oft und so berechtigt erügte Verwaltungssystem des Mandats in die neue Aera inüber und beschränkt nur die Raumfläche des Nationalheims. Seine tiefe Skepsis hinsichtlich der Verwirklichung»- möglichkeit des vorgeschlagenen Judenstaats verwandelt sich bei Beurteilung des von ihm vorgeschlagenen begrenzten Mandates in einen völlig unkritischen Optimismus, Welche Garantien kann Stefn dafür bieten, daß z. B. die Einwanderungspolitik der Mandatarmacht nun wirklich streng nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Fassungskraft des Landes gerichtet sein wird, und daß überhaupt die oft kritisierte Verwaliungsnolitik der Regierung mm auf einmal aulbaufördernden Charakter annehmen wird? Dazu kommt noch ein weiteres. Das Peel-Projekt zielte im wesentlichen darauf hin, ein Definitivum zu schaffen. Darum vor allem hat es in England so warme Zustimmung gefunden. Steins Gegenvorschlag aber läuft auf die Schaffung eines neuen Provisoriums hinaus. Das ist es aber gerade, was die Engländer nicht wollen und was auch im Interesse des Landes, seines inneren Friedens und vor allem auch des jüdischen Aufbauwerkes höchst unerwünscht wäre. Dazu belastet Stein das von ihm vorgeschlagene Projekt mit einem weiteren Provisorium hinsichtlich des Negew, welchen er ״für eine bestimmte Periode unter direkte britische Kontrolle“ stellen will, wobei nicht ganz klar ist, ob nicht bei dieser Sonderregelung doch wiederum eine Form von Dreiteiiung entsteht. Das eigentliche Motiv des Steinschen Gegenvorschlags liegt, wie aus seinem Artikel klar ersichtlich ist, in der Befürchtung, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas für die Uebernahme der vollen Verantwortlichkeit eines Staates noch nicht reif sei. Stein betont, daß, obgleich die jüdische Bevölkerung organisatorische Fälligkeiten hohen Ranges gezeigt habe, sic noch keine praktische Erfahrung in den komplizierten Problemen des Regicrcns habe, daß die Parteileidenschaften tobten und daß es auch nicht an unruhigen Elementen fehle. Es ist schwer, irrationale Befürchtungen dieser Art zu entkräften. Sehr kompetente nichtjüdische Beobachter in Palästina, die das palästinensische Judentum aus jahrelanger Anschauung kennen, denken sehr viel optimistischer hierüber. Die Haltung des Jiscliuw während der Unruhen des vergangenen Jahres, der Ton der Verhandlungen der verantwortlichen Körperschaften, auch die öffentliche Debatte über den Teilungsplan selbst haben gezeigt, daß das palästinensische Judentum wirkliche staatspolitische Fähigkeiten besitzt. Gewiß werden die Probleme des Regieren« nicht einfach sein, aber will man allen Ernstes behaupten, daß die Juden Palästinas weniger reif für die Selbstverwaltung seien als viele der Völker, die in den letzten zwei Dekaden die staatliche Selbständigkeit erlangt haben? Es ilt hier dasselbe wie in allen ähnlichen Fällen: man lernt ie Kunst des Regierer« nur durch ihre Ausübung. Stein übersieht völlig das Ungesunde des gegenwärtigen Regimes, welches das palästinensische Judentum dauernd zur Unverantwortlichkeit erzieht. Vielleicht wären viele der unerfreulichen Erscheinungen, die Stein als Argument für die Fortsetzung des gegenwärtigen Mandatsregimes zitiert, bereits überwunden, wenn es möglich gewesen wäre, die jüdische Bevölkerung Palästinas in verantwortlicher Weise an der Regierung und Verwaltung des Landes teilnehmen zu lassen. Mit all dem ist nichts gegen die Bedenken Steins hinsichtlich der außenpolitischen Probleme, die mit der Durchführung des Peel-Planes verbunden sind, gesagt. Diese Probleme sind unzweifelhaft ernster Natur, aber ihre Lösung muß aus den dargelegten O!finden auf ganz anderem Wege als dem von Stein vorgeschlagenen versucht werden. L K. Andere Vorschläge ln der amerikanischen Vierteljahresschrift ״Foreign A f f a i r 8“ (New York, Oktober) wird das Problem der Teilung gemäß dem Peel-Bericht in zwei repräsentativen Artikeln behandelt, die besondere Aufmerksamkeit verdienen, weil ihre Verfasser in England aktiv in der politischen Auseinandersefzung in Palästina stehen, und zwar Lord Samuel und John P h i 1 b y. Der Aufsatz von Samuel entspricht in seiner Grundlinie ungefähr der bekannten Oberhausrede vom Juli, die in zionistischen Kreisen (auch auf dem Zionisten- Kongreß in Zürich) Ablehnung fand. Lord Samuel kritisiert den Teilungsplan mit seinen vielen politischen, militärischen und administrativen Schwierigkeiten and macht folgenden Gegenvorschlag: Das bestehende Mandat soll nicht beendet werden, man brauche die Politik einer Zusammenarbeit beider Völker nicht als aussichtslos zu betrachten, vielmehr solle man versuchen, sie auf der Basis folgender fünf Punkte wieder herzustellen: 1. Anerkennung der Juden, daß sie zur Beruhigung der Araber ein gewisses Opfer bringen müssen, una zwar in der Form der Be- Schränkung des Prozentsatzes der jüdischen Bevölkerung in Palästina während einer bestimmten Periode von Jahren (versuchsweise 40 ״/», der jetzige Prozentsatz ist 30). 2. Die Aspirationen des arabischen Nationalismus sollten anerkannt und unterstützt werden und Anstrengungen emacht werden, eine große Konföderation im Mitteren Osten zustandezubringen, in die Palästina einzubeziehen wäre, wodurch Palästina einen großen Markt für seine Industrieprodukte erhielte. 3, Transjordanien sollte für die Besiedlung der Juden und Araber geöffnet werden und eine Anleihe für dieses Ziel beschafft werden. 4. Die Besitzverhältnisse an den moslemischen heiligen Stätten sollen durch den Völkerhund für alle Zeiten garantiert werden. 5. Juden und Araber sollen ihre eigenen Organisationen mit voller innerer Autonomie erhalten und ein Beirat für allgemeine Fragen des Landes soll gebildet werden, in welchem jede Gemeinschaft als solche und die britische Beamtenschaft vertreten ist. Lord Samuel fügt hinzu, daß, wenn Juden und Araber nicht zu einer Vereinbarung auf einer solchen oder ähnlichen Basis gelangen, die einzige Alternative in der Tat die Teilung wäre, mit allen ihren Nachteilen und Gefahren. Philby,. bekanntlich einer der entschiedensten Freunde der Araber, tritt hingegen in seinem Artikel entschieden für die Teilung ein. Nach einem ausführlichen Rückblick auf die Beziehungen zwischen den Alliierten und den Arabern erklärt er, die Gegnerschaft der Araber gegen die Peel- Vorschläge sei schwer zu verstehen. Er findet, daß die Araher neun Zehntel aller ihrer Forderungen erfüllt bekommen und die Vorschläge ablehnen, in der Hoffnung, zehn Zehntel zu erhalten. Es sei aber ganz unvorstellbar, daß sie dieses Ziel erreichen, viel eher sei es möglich, daß sie infolge ihrer eigensinnigen Weigerung auch noch das jetzt Angebotene verlieren. Philby meint, aaß die Araber durch prinzipielle Annähme des Vorschlags wichtige Abänderungen zu ihren Gunsten in Einzelfragen erreichen könnten. Philby ist z. B. der Meinung, daß das für England reservierte Öebiet zwisehen Jerusalem und Jaffa einschließlich des Hafen! von Jaffa unter arabische Herrschaft kommen 8011, während die Araber wegen einer Sonderregelung für die Heilige Stätte nichts cinzuwenden hätten. Die Araber müßten eine Vereinbarung mit den Juden treffen, den Konkurrenzhafen in Tel Aviv nicht weiter auszubauen, wogegen die Juden völlige Souveränität über den Hafen von Haifa erhalten. Akko aber und die arabische Nordprovinz des Landes, die nach den Peel-Vorschlägen an den Judenstaat fallen sollte, soll nach Philby mit Syrien vereinigt werden, da er ohnedies voraussieht, daß im Falle der Gründung des Araberstaates eine Vereinigung zwischen Syrien und Palästina zustande kommen wird. Ferner schlägt er vor, die jüdischen Kolonien in Judäa südlich der Straße Jaffa—Jerusalem (er nennt Rechowoth) gegen andere Gebiete im Norden aus zutausehen. Der Hafen von Akaba müsse an Ibn Saud fallen, da dieses Gebiet immer zum Hedschas gehört hat. Mit diesen Modifikationen würden nach Philbys Meinung alle jüdischarabischen Differenzen bereinigt werden und die Araber würden, wie er sich ausdrückt, mit Ausnahme des unwiderruflich für den jüdischen Staat reservierten Gebietes und der Neutralisierung der Heiligen Stätte eine volle Einlösung de* MacMahon-Vcrsprechens erlangen. Eine eindringliche Stellungnahme gegen den Teilung*- plan, verbunden mit einem Appell, in letzter Stunde noch den Versuch einer gemeinsamen jüdisch-arabischen Lösung im ungeteilten Palästina zu machen, veröffentlicht Dr, Werner Senator in der Jerusalemer Zeitschrift ״Palestine Review“. Leider, so führt er aus, berichtet die Peel-Kommission nur sehr kurz über den Vorschlag der Parität beider Völker. Wir sind sicherlich nicht berechtigt, die Annahme_ der Kommission, daß ein binationaler Staat unmöglich sei, zu akzeptieren. Es ist richtig, daß die Errichtung eines binationalen Staates für eine gewisse Zeit einen Garanten erfordert, mit anderen Worten eine aktive Teilnahme Englands, unter Umständen mit Anwendung von Gewalt. Wer davor zurückschreckt, muß bedenken, daß ja auch im Falle der Durchführung der Teilung Anwendung von Gewalt unerläßlieh sein wird, und daher wäre es besser, sie einzusetzen für einen einheitlichen Staat, dessen Magna Charta die verfassungsmäßige Parität beider Völker wäre. Durch eine solche Lösung würde vielleicht eher eine große Immigration erreicht werden können als durch die Gründung des kleinen jüdischen Staates. Man müßte eine Rückkehr zu jener konstruktiven Politik finden, die 1918 Dr. Wcizmann und König Feisal zusammenführte. (Siehe auch Seite 3 und 4.) Die Vereinigung der tschechischen Med!» zinstud e nten hat beschlossen, die jüdischen Mitglieder auszuschließen. Daraufhin hat der tschechische Studentenverband seinerseits den Verband der Medizinstudenten ausgeschlossen. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Weltach, Berlin-Chart. 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenatein. Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. öttltig Anzeigen Preialisfce 5 vom 1. April 1930. Verlag und Anzeigen Verwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W IS, Mcinekestr. 10, DA. III/1937 28 604. — Druckt Siegfried Scboleffi, Berlin-Schöneberg.