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Jüdische Rundschau · 1937-11-19 · Heft 92 (19.11.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 92 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 92, 19. XI. 1937 Jüdischs p״mnschau Seife 11 Das Neueste in Kürze Die Arbeit des KKL Jerusalem, 15. November. (Palcor.) Bei einer Ver• Sammlung von Pressevertretern, die in der Kwuzah Maabarot 11 im Emek Chefer unter Leitung des Jüdischen Nationalfonds stattfand, führte Dr. Granovsky bezüglich der Landfrage im Hinblick auf den geplanten Judenstaat aus, daß auch, wenn ein Judenstaat geschaffen wäre, das Problem der Erlösung des Bodens immer noch äußerst dringlich bleibe. Er wies darauf hin, daß von 483 400 Dunam Land, die für den Judenstaat vorgeschlagen seien, nur ein Viertel in der Hand vori Juden sei, während 0 0״ der Regierung gehörten, was wohl den Juden übertragen werden könne, aber dann immer noch arabisches Eigentum darstelle. Folglich seien Riesensumnien zur Landerwerbung notwendig. Dr. Granovsky schätzte, es seien ungefähr 25 bis 30 M i! 1 i o n e n Pfund hierfür notwendig. Eine solche Stimme könne nicht allein durch eine Staatsanleihe aufgebracht werden, sondern das jüdische Kapital müßte auch in Zukunft die Basis der jüdisehen Werke sein. Er fügte hinzu, es sei äußerst wichtig, daß die Juden während des gegenwärtigen Interimszustandes ihr äußerstes täten, um mehr Land zu erwerben, besonders in den Gebieten von Beisan, Galiläa und im Negevv, da der jüdische Landbesitz einen entscheidenden Faktor bei der Fest- Setzung der Grenzen des Judenstaates darstellen werde. Er sagte, trotz des Terrors seien große Möglichkeiten für Landankauf vorhanden. Der Keren Kajemeth habe zahlreiche Angeböte von Arabern erhalten, die ihr Land verkaufen wollen. Herr W e i t z führte in einem Ueberblick über die Tätigkeiten des Keren Kajemeth aus, daß 402 450 Dunam Land, die 30 ״/o des jüdischen Gesamtgebietes darstellten, in der Hand des Jüdischen Nationalfonds seien. Ussi sch kin wies in einer Botschaft darauf hin, daß ln dieser schweren Stunde, in der das Land Gefahr laufe, zerschnitten zu werden, die Schwierigkeiten nicht nur von den Feinden der Juden, sondern auch durch die Juden selbst hervorgerufen würden, da sie nicht die nötige Unterstützung leisteten xind ihre Verpflichtungen nicht erfüllten. Ein Jahr Jugendalijah in Beth-Sera Aus Palästina wird uns geschrieben: Vor ungefähr einem Jahr brachte die ״Jüdische Rundschau“ ein Bild: Abfahrt der Jugend-Alijah nach Palästina. Heute sehen wir einer! Teil dieser Jugendlichen wieder. Es sind die zwanzig Jungen und Mädel, die dem Kibbuz Beth-Sera anvertraut wurden. Den Anlaß des Wiedersehens bildete die Jahresfeier ihrer Ankunft im Lande. Die Jugend bat eine gelungene Ausstellung veranstaltet, die sehr übersichtlich angeordnet ist. Gleich beim Eingang sehen wir Modelle von Küche und Hühncrstall. Durchsichtige Säckchen mit Inhalt und Aufschrift vcranschauliehen dem Besucher die verschiedenen Futtermischungen. Es folgen die Schafprodukte. Ein Atisflugsplan skizziert die Gegenden, die die Jugend bereits besucht hat. Ein ausgezeichnetes Modell aus Eisenbeton (300 kg schwer) stellt das Haus der Jugend dar. Sehr interessant ist eine Aufstellung über die Verteilung der 5216 Arbeitstage in den verschiedenen Arbeitszweigen. In der Mitte des Raumes befindet sich ein großer Tisch mit einer Wiedergabe des Wirtschaftshofes. Alle Gebäude, Anlagen und Wege sind liier im Modell nachgebildet. Auf einem Tischchen liegt ein Tagebuch der Jugend. Daneben liegen die Wandzeitungen, gebunden. Eine Gegen- Überstellung von Bildern aus der alten mit der neuen Heimat bildet den Abschluß. Nach der Besichtigung stellen wir befriedigt fest: Die Jugend hat hier ihr Bestes gewollt und ihr Bestes gegeben. Um 8 Uhr abends ruft uns der Gong zur offiziellen Feier. Vor dem Haus der Jugend ist eine große Theaterbühne errichtet worden. Die gesamte Jugend aus dem Emck Hajarden ist herbeigeeilt. Zur Begrüßung sprechen je ein Chawer für die Jugend, für den Haschomer Hazair und für den Kibbuz Beth-Sera. Es folgt eine Aufführung von Maeteriincks ״Blauem Vogel". Regie, Darstellung und die Aus füllrung der Kulissen (von Genia) verdienen höchste Anerbennung. Nach der Vorstellung versammelten sich Jugend und Chawerim von Beth-Sera zu einer lustigen Feier. Es gab Kuchen und Tee, Konfekt und Grapefruits. Mit improvisierten Darbietungen, Gesang und Tanz endete dieser denkwürdige Tag im Leben der Jugend. Ein Jahr ist vorüber. Mit Riesenschritten geht es ins zweite. Aus diesen Knaben und Mädchen verspricht das zu werden, was wir brauchen: Einsatzbereite Männer und Frauen, die gewillt sind, ein Land aufzubauen und zu verteidigen. Alfred T. A. Hartbiodt, Berlin C 2, Kömgstr.19 I Uhren s Goldu. Silberwaren | Sir Arthur Wauchope, der in London erkrankt war, ist soweit hergestellt, daß er England am 20. November verlassen und nach Palästina zurückkehren wird. Sämtliche Eisenbahnzüge werden jetzt von bewaffneten Soldaten begleitet. Auf den kiirzlichen Aufruf des Oberrabbinates hin wurden in zahlreichen Synagogen in ganz Palästina für Frieden und für baldige Beendigung des Terrors gebetet. Oberrabbiner Herzog predigte in der Synagoge im Yernin Moshe- Viertel in Jerusalem. Führer der jüdischen Kolonisten im Süddistrikt hatten eine Unterredung mit Distriktskommissar K e i t h R o a « h. Dabei wurde die gegenwärtige Situation im Bezirk behandelt. Von den Behörden wurde eine eiserne Mauer rings um die Hundeställe des britischen Polizeilagers auf dem Skopus errichtet, um die Spürhunde, die der Polizei bei der Aufdeckung von Verbrechen wertvolle Dienste leisten, besser zu schützen. Die ägyptische Zeitung ״Al Moqatani“ berichtet, daß eine neue bewaffnete arabische Bande die palästinensische Grenze unter einem unbekannten militärischen Führer überschritten habe. In Beirut wurden Riad el Kativ aus Dschenin und Said Abu Rakabeh aus Akko in Zusammenarbeit mit den palästincnsischen Behörden unter Mordverdacht verhaftet. Nach ihrer Verhaftung fanden Demonstrationen statt, die ihre Freilassung als politische Flüchtlinge verlangten. Aus Amman wird berichtet, daß Peak Pas ha, der Kommandeur der Arabischen Legion von Transjordanien, sich gemeinsam mit dem Kommandanten der Wüstcn-Streit- Kräfte im Flugzeug nach S a u d i a jenseits der transjordanischen Grenze begeben haben. Sie folgten einer Einladung des saudischen Militärbcfehlshabcrs von Habuk. Ferner wird gemeldet, daß ein britisches Kriegsschiff in Akaba cintraf, um Militär abzusetzen. Der ägyptische Premierminister Nahas Pascha hat eine Erklärung anläßlich der Feier der ägyptischen Unabhängigkeit erlassen, in welcher er u. a. auf den ägyptischen Protest in der Palästinafrage in Genf hinwies. Aegypten hoffe auf eine Lösung des Palästina - Problems unter Berücksichtigung der Prinzipien des Rechtes und der Gleichheit. Die arabische Zeitung ״AI Isla m i a“ meidet, König Ihn Saud stehe mit Italien wegen einer größeren Anleihe zum Zweck der Errichtung einer Eisenbahn zwisehen Medina und Transjordanien in Verhandlungen. Wie ״Adifaa" meldet, bereitet die Palästina-Regierung ein Bodenverkaufsgesetz vor, durch das den Juden verboten wird, Land außerhalb des Gebietes des vorgesehenen jüdischen Staates zu kaufen. Arabische Streitkräfte im Weltkriege Anläßlich der Argumentation der Araber, die sich in ihren Ansprüchen auf Palästina auf die Waffen hilf e berufen, die sie England im Weltkriege geleistet haben, veröffentlichen palästinensische Blätter Daten zu dieser Frage aus einem englischen Buche von Bertram Thomas: Das von König Feisal geführte Heer der Aufständischen soll zeitweilig bis zu 10 000 Mann gezählt haben, doch die englischen Offiziere, die an den Aktionen teilgenommen haben, halten diese Zahl für stark übertrieben. In der letzten Zeit des Kampfes, als der Krieg in Nordpalästina geführt w׳urde, war die Beteiligung der Beduinenstnnime sehr unbeständig: zuweilen Tausende, meist aber nur Hunderte von Kriegern. Es gab mir eine ständige arabische Heeresformation, die arabische Legion, die nach Beginn des Aufstandes gegriindet worden war. Im August 1017 zählte diese Formation 1800 Mann. Im Jahre 1918 war die Zahl etwas größer: eine Brigade Infanterie, ein Bataillon Kamelreiter und acht Kanonen. Mitte des Jahres 1018 zählten die Kräfte, die unter dem Befehl der Söhne Husseins, Feisul, Ali und Abdullah standen, zusammen etwa zehntausend Mann, aber nur ein kleiner Teil dieses Heeres konnte in einer gewissen Entfernung von seinem Standort zu einer Angriffsaktion eingesetzt werden. Als ׳die entscheidenden Angriffe Ende September 1018 einsetzten, wurden nur 600 ausgewählte Krieger nach Norden geschickt. Zweitausend Angehörige der Beduinenstämme stießen zur Verstärkung zu ihnen. Tnuwah richtete an die Regierung eine Denkschrift, in der die Einführung von Zöllen für land Wirtschaftliehe Erzeugnisse aus Syrien und die Verlängerung der Zollverordnungen über die Einfuhr von Kartoffeln und Eiern gefordert wird. Der Vorsitzende der Potash-Company, Lord L y 11 0 11, traf in Palästina ein, um die Potash-Werkc am Toten Meer zu besichtigen. Den Bemühungen des Bürgermeis-ers Rokach gelang es, mit den Fleischimporteure 11 und Metzgern eine Einigung dahin zu erzielen, daß die letzte Pr eis er höh 1111g für Fleisch im Stadtbereich von Tel Aviv rückgängig gemacht wird. Das frühere Schiff ״Tel A v i v“ hat Haifa in Richtung auf Japan verlassen. Ussischkin legte in Tel Aviv den Grundstein zu einem Gebäude des KKL. Der neue Bau ist für Büros bestimmt, in denen die Tätigkeit des Fonds in Palästina selbst konzentriert werden soll, während sich die Zentrale nach wie vor in Jerusalem befinden wird. In Haifa wurde der Hausbesitzer B. Mashajoff auf Grund der Notstandsverordnung festgenotnmen und zu drei Monaten Haft verurteilt. Die Verhaftung soll wegen Ver- Breitling falscher Nachrichten erfolgt sein. Vor einigen Tagen verschwand aus Jerusalem der mexikanische Konsul Ferdinand Diniiati, der einer reieben Familie aus Jaffa entstammt. Bei der Polizei liefen daraufhin zahlreiche Anzeigen wegen Betrügereien gegen ihn ein. Die Polizei benachrichtigte alle Polizeistationen des Landes. Ein Beamter der ()ttoman-Bank in Haifa erhob bei dieser Bank mittels eines gefälschten Schecks den Betrag von ,£ 1000 und verließ auf der ״Galiläa“ Palästina. Die Polizei ersuchte die italienischen Polizeibehörden um Festnahme des fluchtigen Angestellten. Die beiden Araber wurden in Italien festgenonimeri und werden nach Palästina zuriiekbefördert. In Tel Aviv fand eine Versammlung statt, die sich mit der Lage der polnischen Judcnheit beschäftigte. Tausende wohnten dem Treffen bei. Es wurde der Beschluß gefaßt, den polnischen Juden die Solidarität des gesamten Jischuw zum Ausdruck zu bringen. In Jerusalem ist von einem Schüler des verstorbenen palästinensischen Oberrabbiners Raw Kuk eine hebräische Bibliothek auf den Namen von Raw Kuk eröffnet worden. Auf Anregung der Gattin des französischen Generalkonsuls in Jerusalem, Comte d’Ainal, hat die Palästina- Tanzgruppe unter der Führung von Rina Nikowa eine Europa- Tournee angetreten und sich zunächst nach Paris begeben. Vom Orthodoxen Patriarchat Die Lage des Griechisch-Orthodoxen Patrl* archats in Palästina wird in einem Aufsatz behandelt, der in dem in griechischer Sprache in Jerusalem herausgegebenen Blatt ״Christianiki Aanatoli“ erschienen ist. Der Aufsatz wendet sich dagegen, daß die Palästina-Verwaltung erklärt hat, sie werde die Wahl eines neuen Patriarchen nicht anerkennen, wenn die Araber nicht an ihr teilnehmen. Es wild behauptet, daß die griechisch-orthodoxen Araber das Patriarchat in ihre Hände zu bekommen suchen, um die Heiligen Stätten und ihre Reichtiimer ausbeuten zu können. Sollte in Palästina ein arabischer Staat errichtet werden, dann werde das Patriarchat eine rein arabische Einrichtung werden. Der Sitz des Patriarchats würde wohl geschützt sein, wenn die Engländer Jerusalem behalten. Wie aber könne das Patriarchat seine Aufgaben erfüllen, wenn die ihm unterstellten Gläubigen in dem jüdischen und arabischen Gebiet zerstreut leben, wie könne es unter drei verschiedenen Regierungen funktionieren? Was werde, so wird zum Schluß gefragt, geschehen, wenn die Araber zuletzt die Oberhand behalten und von Jerusalem Besitz ergreifen? Es sei an der Zeit, daß die Mandatarniacht ihr Zaudern aufgebe und ihre Pflicht tue. Barmizwah-Terminc: Am 27. Xmuubir (23. Ki-Iew): Kurt (Zwi) Arndt, Sohn v!!:! K״׳,״״ An,dt, K.un muh. — ■ Am 4. Dezember (30. Ki.-k'w־): IIAnz (U!־i!i.imin) 1! 0 1! :1 > c 11, Sohr, von lii'imo Hoba-ch, Ratnath I iaarhiinni, Parlando auf und ab im Schulhof ״Give me a badge!“ (gib mir doch so ein Abzeichen), habe ich zu dem englischen Soldaten gesagt, und da gab er mir das! Er zeigt ein kleines, goldfarbiges Sternchen, das die Soldaien den Kindern schenken, wenn sie sich ihrer nicht mehr erwehren können, ״Dafür gebe ich dir 30 Murmeln. — Oder willst du Rcklamebilder?“ ״Und ich 35! Gib mir das für meine Mütze, ja?“ ״Wir fahren übermorgen nach Tel Aviv um den Hafen zu besehen!“ ״Unsere Klasse auch!“ ״Nein, nur wir!“ ״Aber ich weiß es todsicher, und e r hat uns ja schon vorige Woche vom Hafen erzählt. Das ist doch ganz klar, wir fahren!“ ״Für so Kleine ist ein zweitägiger Ausflug überhaupt viel zu lang. Als wir in der 6. Klasse waren, durften wir nur einen halben Tag — und ihr —? Das kommt gar nicht in Frage!“ * ״Vergangenheit ist also etwas, das schon lange vorbei ist, und Gegenwart ist noch nicht vollendet, und Zukunft ist noch nicht da.“ ״Was heißt: nicht vollendet?“ ״Nun ja, vergangen sein, heißt, daß es aus ist, schon längst tot und gestorben.“ ״Ja, das ist wahr. Aber das andere habe ich nicht verstanden mit dem Hif’il.“ ״Also, wenn du mir sagst, ich soll arbeiten, dann machst du, daß ich arbeite: Du machst mich arbeiten,“ ״Ach, das meint «r, wenn er sagt, jemanden veranlassen! Schon kapiert, danke!“ ״Jetzt kann die Probearbeit losgehen; die Hauptsache ist, daß du viele Beispiele zum Hif’il weißt“ * ״Heute kommen die Seminaristen aus Beth-Hakerem. Wir sollen aus der Schulküche Bänke heraufholen, damit sie alle sitzen können.“ ״Kommen sie auch in unsere Klasse?“ ״Nein, nur zu uns. Der große Schwarze gibt Geschichte bei uns; der, der immer solche Skizzen zeichnet.“ ״ln welcher Stunde?“ ״In der nächsten Stunde. Er hat eine Landkarte von Europa an die Tafel gemalt — mit Buntkreide!“ ״Und du warst es doch!“ ״Du Lügner, ich war überhaupt nicht drin!“ ״Du hast es zertreten.“ ״Wenn du das noch einmal sagst, haue ich dir eine!“ ״Also wer war es denn? Mein Beet war ganz glatt, und die Sonnenblume war ani Aufblühen.“ ״Dan war zuletzt im Garten.“ ״Wo ist Dan? Dan komm hierher!“ ״Komm du zu mir, wenn du was willst!“ Karikaturen und Ulk Zum Schulschluß hatte die Oberklasse den Saal mit humoristiseben Zeichnungen austapeziert. Das Thema war: Unsere Schule im nächsten Jahr. 1. Bild: ein moderner Bau mit Riesengarten, dreistöckig mit flachem Dach und Aussichfsturm. Vor dem Haupteingang eine Reihe von Rollern, daneben ein Schild: erstes Schuljahr. Für Klasse 3 und 4 Fahrräder, 5. Schuljahr Motorräder, 6. Schuljahr: Kleinautos usw. bis zum Flugzeug und Zeppelin. 2. Bild: Die ״Wolga“ stark vergrößert und daraut Motorboote, daneben Leuchtturiri und Strandbad. 3. Bild: Das Lehrerzimmer: Die Lehrer liegen in Liege- Stühlen, trinken Limonade, spielen Schach, sprechen in ein Mikrophon — und die Klasse schläft. 4. Bild: Im Turmzimmer sitzt der Direktor und sieht durch die Oberüchtfenster aller Klassen zu, wie unterrichtet wird. Zu seinen Füßen ist eine Art Raupenband mit Fußantrieb, auf das er treten muß, damit eine elektrische Maschine sich in Bewegung setzt, die Lehrer und Schüler mit Energie und Lerneifer beschickt. Das Schulorctiester vor dem Mikrophon Dreißig Kinder proben im Sommer vor Unterrichtsbeginn die Kindersymplionie. Natürlich nur einen kleinen Teil. Spiel- »lauer 14 Minuten bei reichlichen Wiederholungssätzen. Mundharnionika. erste und zwei e R'ockflöte, wenn auch knapp besetzt, als Baß ein Schilfe■khvicr und eine Menge Schlagzeug. Kastagnetten, Triangel, Trommel, Trillerpfeifchen und Wasserpfeifen. Die Fenster stehen offen, damit die Luft durchstreichen und die neugierigen Nachbarn hereinsehen können. ״Von vorne bei C! .... Langsamer! .... Die Trillerpfeife paßt nicht auf .... wie soll das heute um 5 Uhr im Radio werden? .... Das ist doch unsere letzte Probe .... Weiter! .... Nochmal von D an .... Ruhe! Das Ganze von Anfang an! ....“ Wenn der Dirigent nervös wird, dann ist es aus mit der Proberei. Aber es geht noch eben gut. Die Probe ist zwar erst um 8 Uhr zu Ende — und sogar erst nach dem Gotigzeichen zum Beginn des Unterrichts. Aber heute ist ja eine Ausnahme! Die ״Kinder-Ecke“ im Jerusalemer Radio-Programm wird von Tausenden von Kindern in allen Siedlungen und Städten gehört. Gespannt warten sie auf den Bali des Ansagers, wenn er tief und um eine Nuance zu feierlich um Punkt 1'ä6 Uhr beginnt: ״Haassinu l’kol Jertiselialajiin, schalom, jeladim!“ (Sie hören jetzt den Jerusalemer Sender. Schalom, ihr Kinder!) Der Ansager ist populärer, als er sich träumen läßt, und wenn er eine lustige Frage stellt, wie etwa: ״War das schön, was die Kinder gespielt haben?“, dann ist es ein Jammer, daß er nicht die tausendfachen Antworten hören kann, die die Kinder in ihren Radiokasten Iiineinschreien, — oder flüstern mit verschämter und wichtiger Zustimmung. _ Der Ansager steht im Senderaum. Im Halbkreis sitzen die Kinder mit ihren Instrumenten, die um Gotteswillen nicht klappern dürfen. Durch das Kontrollfenster sieht der ״Tonsteilerer“ in den Senderaum und wartet auf das Zeichen zum ״Senden“. ״Ihr hört jetzt“, sagt die tiefe Stimme am Mikrophon, ״das Kinderorchester, das euch einen Teil der Symphonie für Kinder Vorspielen wird." Er wendet sich zu dem Lehrer, der ihm ztinickt und spricht weiter, indem er das Orchester in lustiger Weise beschreibt. Es säße da eine Horde Kinder mit gefänrlichen Instrumenten in der Hand. Zum Glück wäre aber ein Lehrer dabei mit einem Stock in der Hand, so daß er wohl nichts zu befürchten hatte. Ein Kichern — rasch unterdrückt — schlüpft mit in das Mikrophon. — Dann beginnt es .... und nach 20 Minuten endet cs mit einer Zugabe ״Der Tanz des Rabbi Meir“, eine chassidische Melodie mit Paraphrasen. Auf dem Rückweg im Extra-Autobus ist die Erregung noch immer nicht abgeebbt. Man wirft sich gegenseitig kleinere und größere Schnitzer vor: ״Natürlich hat Jocheweth gepatzt, — und alle haben cs gehört!“ ״Ach, du mit deiner Wimmertlöte...!“ Was im Hebräischen allerdings noch komischer klingt. — Und der Autobus dröhnt vor Lachen. (Schluß des Palästinateils)

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