Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 92 (19.11.1937)
- Date
- 1937-11-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nf. 92, 19. XI1937/־ fast scheint es da einem Teil der jüdischen Jugend schon ״entehrend“, tatenlos dazusitzen und immer neues Unheil geschehen zu lassen. Sie fragen sich, ob sie nicht, wenn schon Blut vergossen wird, ebenso handeln sollen, wie ihre in Geheimverbänden organisierten Kollegen von der arabischen Seite. Es gibt sogar eine Theorie, daß die Araber nur diese Sprache der Vergeltung verstehen und daß man nur auf diese Weise die Terrorwelle zum Stehen bringen könne, wenn nämlich die Araber wissen, daß für jeden toten Juden gleich auch ein Araber umgebracht wird. Solche Erwägungen sind der psychologische Boden, auf dem (nach langer Zurückhaltung) nun die jüdischen Racheakte gewachsen sind. Trotzdem müssen diese Akte aufs tiefste bedauert, s c!1 ä r f s t e n s verurteilt und für die Zukunft verhindert werden. Dieses Vorgehen ist unjüdisch, unmoralisch, unwirksam und politisch dum״!. Unjüdisch: wir brauchen nur an das Vermächtnis des größten Lehrers des jüdischen Nationalismus, Ach ad Haam, zu denken, der bei einem ähnlichen Vorfall im Jahre 1923 einen Brief veröffentlichte (es war seine letzte publizistische Aeußerung), worin er seinem Abscheu vor dem Gedanken jüdischer Racheakte gegen Araber Ausdruck gab und mit den berühmten Worten eines Tahnudzitates schloß: ,,Ist das der Messias, dann mag er kommen — ich will ihn nicht sehen.“ Unmoralisch scheint es uns, unschuldige Menschen zu töten, nur weil sie einer anderen Nation angehören, oder harmlose Passanten für das Verbrechen eines den Opfern unbekannten Nationsgeuossen bezahlen zu lassen. Lassen wir uns erst zu dieser lieber- Steigerung des Nationalismus bringen, daß wir in jedem Menschen nur den Zugehörigen eines durch diese oder jene Taten einzelner seiner Mitglieder belasteten Volkes nicht aber das G e s c 11 ö p f G »ttes sehen, dann untergraben wir die Fundamente jeder zivilisierten Existenz. Wir brachten kürzlich in der ״Jüdischen Rundschau“ die erschütternde Aeußerung einer Arbeiterin aus der Familie C/Kik, die mehrere Geschwister im Kampf mit Arabern verloren hat; im Angesicht eines unschuldig sterbenden Arabers bäumte sich in diesem echten Mensehen, in dieser fanatischen jüdischen Nationalistin alles auf gegen einen solchen Mord. Die Racheakte sind aber auch politisch dumm. Unmittelbar vor dem Beginn der Wirksamkeit der Militärgerithte, die den Terror ausrotten sollen, ist durch die Unbesonnenheit unverantwortlicher jüdischer Eiemente ein Zustand geschaffen worden, der es erlaubt, die Militärgerichte und alle damit zusammenhängenden Maßnahmen als ein Einschreiten gegen beide Teile der Bevölkerung hin/ustellen. Konnte man noch vor einer Woche im allgemeinen ohne Bedenken behaupten, daß ein Jude eine Waffe nur zur persönlichen Verteidigung in Notwehr tragen wird, so ist dieses Argument durch die Taten vom Sonntag sehr geschwächt worden. War bisher die Maschinerie der Polizei und des Militärs unzweideutig nur gegen den arabischen Terror gerichtet, so geben wir jetzt übelwollenden Beobachtern die Möglichkeit, von einem Kampfe gegen zwei Terrorgruppen zvi sprechen und so die Ralance wieder herzustellen. Es mag schon so sein, wie eine jüdisch-palästinensische Zeitung schreibt: daß die arabischen Terroristen ob der Vorgänge am Sonntag frohlocken. Haben wir früher stets das Motiv der ״moralischen Verantwortung“ betont und unter diesem Gesichtspunkt Maßnahmen gegen den Mufti und die anderen (jetzt verbannten) arabischen Führer gefordert, so stehen wir heute vor der Tatsache, daß die Regierung nach den Vorgängen des letzten Sonntags 45 Juden, meist Revisionisten, in Palästina verhaftet hat, weil sie für ״moralisch verantwortlich“ für die jüdischen Racheakte gehalton werden. Oh gegen die Verhafteten belastendes Material vorliegt, ist bisher nicht bekannt. Ein Teil der Verhafteten wurde schon zu leichten Freiheitsstrafen verurteilt. Die jüdische Üefieiu.khkeit wird jedenfalls fordern, daß diejenigen verhafteten Juden, gegen die keine Beweise vorliegen, sofort aus der Haft entlassen werden. Zugleich aber besteht die Notwendigkeit, die Disziplin im jüdischen Lager zu 'verstärken. Diejenigen Gruppen, die sich der politischen Führung der Exekutive der Jeu i-h Agency in Palästina nicht unterstellen und ihr gegenüber keine Disziplin halten, machen ein solidarisches Eintreten der verantwortlichen jüdisehen Kreise für sie unmöglich. Denn keine Instanz kann für jemand verantwortlich sein, der offen erklärt, eine andere Politik als sie machen zu wollen. Schon mit Rücksicht auf die bevorstehenden Verhandlungen über die Neugestaltung Palästinas ist jedoch eine ein heitliehe politische Führung unbedingt erforderlieh, und jede Anarchie im jüdischen Lager muß entschieden bekämpft werden. Die erste Voraussetzung für eine zielbewußte Vertretung der jüdischen Interessen ist eine geschlossene jüdische Front, die sich keine Blößen gibt. Es wäre der schwerste Schlag für die jüdische Sache, wenn in diesem Moment politischer Hoch- Spannung und wirtschaftlicher Schwierigkeiten auch noch eine innere Demoralisation fühlbar würde. Das nächste Ziel muß es sein, die Periode des Terrors zu überwinden und zu Verhandlungen zu kommen, die die Lage entspannen und Palästina nach den schwerett Erlebnissen der letzten zwei Jahre wieder einer besseren Zukunft entgegenführen. Verantwortlich« Redakteur! Dr. Robert Welt sch, Berlin-CharL 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Lot w t nstei r, Berlin W 15. Anjeigcnleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: IIermann Pinn, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vorn 1. April 1938. Verlag und Anaeigenverwaltung! Jüdische Rundschau, Berlin W IS, Meinekestx. 10. D.A. III/1937 28604.— Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg. t t Die Juden in Rumänien / SeÄ Antisemitische Parteien Von Dr. Mayer Ebner I. Der Antisemitismus der Vorkriegszeit äußerte sich vor allem in zwei Lormen: Abneigung und Geringschätzung. Im alten Königreiche Rumänien iiberwog die Geringschätzung die Abneigung. Die ״Schlachzizen“ (Fcudal-AilcI) in Russisch- Polen lind die ״Bojaren“ (Großgrundbesitzer) in Rumänien hatten oft für ihre Juden sogar eine Art von ״wohlwollender“ Geringschätzung, während die Masse des Volkes, die Bauern, in diesen Ländern mit jüdischer Masscnsiedhmg sich mit den Juden sehr gut vertrugen. Anders wäre ein jahrhundertelanges friedliches Zusammenleben gar nicht denkbar gewesen. Sporadisch vorgekoinmcnc Judenexzrsse waren immer nur die Folge von aus den Städten gekommener Hetze. Träger der aktiven Jmlenfeindschaft waren in Rumänien die Halbinteilekluellen und vielfach jene, deren Lebensstandard ihrer sozialen Stellung nicht entsprach, wie z. B. Volksschullehrer, kleine StaalsfrnRtio׳־.'>re ji. dg!. Ausschreitungen gegen Juden waren Zeichen sozialer Spannungen, die man auf sie entlud (System der Diversion). Die bekannten ßauernunruheu im Jahre 1007 richteten sielt nur in ihren ersten Anfängen gegen die Juden, in ihrem weiteren Verlaufe waren sic ein Aufstand der landhungrigen Bauernschaft gegen die Latifundicnbcsitzer, deren Güter den Umfang von kleinen Fürstentümern hatten. Bei den Juden hat es begonnen, und bald mußten auch die Bojaren daran glauben. Diese Erscheinung zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der letzten Jahrzehnte. ״Bei den Juden fängt es nur art“ — dies ist in Rumänien fast zum geflügelten Worte geworden. Die ersten Jahre der Nachkriegszeit brachten in Rumänien eine Abschwächung der antisemitischen Grund- Stimmung. Man war mit dein Aufbau des um das Doppelte vergrößerten Staates beschäftigt, das durch die Verein!- g u n g aller Rumänen gehobene Nationalgefühl machte großmütig, d>e Slaatsfühmng bemühte sich um eine auch seelische Vereinigung der neu angeschlossenen Provinzen mit dem Mutterlande. Man warb um die Minoritäten, und die rumänischen Staatsmänner waren in ihrer Mehrheit klug genug, zu erkennen, daß gerade die Juden schon ans geographischen Gründen frei sind von jeder irredcntistischen Bestrebung und daß deren ökonomische Interessen in hohem Maße mit der Unverletzlichkeit der erweiterten Grenzen verknüpft sind. Die wirtschaftliche Hochkonjunktur, die mit kurzen unterbrechungen bis Anfang 1930 anhielt, war kein geeigneter Nährboden für eine antisemitische Betätigung größeren Stils, Es gab bis dahin nur eine einzige größere antisemitische Partei, und auch deren parlamentarischen Wahlerfolge waren nur gering. 10 ausgesprochen antisemitische Deputierte in einer Kammer, die aus 387 Abgeordneten bestand, bedeuteten nicht gerade viel. It. An der Spitze dieser Partei stand und steht noch heute der Jassy er Umvcrsitätsnrofcssor A. C. Cu za. Er ist beute ein Mann von über 80 Jahren. Seit den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist er der aktivste Vertreter des Antisemitismus. Keiner der heute so zahlreichen Antisemitcnfiihrer ist so unversöhnlich und kompromißfeindlich wie er. Als Abgeordneter während mehrerer Legislaturperioden habe ich jedesmai in der sogenannten ״Adreßdcbatte“ (Politische Generaldebatte im Parlament) aus dem Munde des Deputierten Cu za dem Sinne nach dieselben Reden gehört. Alljährlich führt er seinen Kampf gegen den jüdischen Gott, gegen das Alte Testament und gegen den Talmud, und da er ein Mann von Kenntnissen und Mutterwitz ist, hat er in der Regel ein volles Haus von Zuhörern, ohne daß seine gegen die Juden gerichteten Vernichtungsvorschläge sonderlich ernst genommen werden. Immerhin schätzt man die Unentwegiheit seiner natioitalen Gesinnung, seine Unbeugsamkeit, seinen propagandistisehen Eifer; aber alle diese Eigenschaften haben ihn nicht ministrabei gemacht. Mit seinen Fälligkeiten und seiner Energie hätte er es in jeder anderen Staatspartei viel weiter gebracht, und daß seine politische Partei bis heute nicht wesentlich gewachsen ist. .ist darauf zurückzufi'thren, daß sie gerade wegen ilirer'oft lärmenden Betätigung und wegen ihrer absoluten Einseitigkeit nicht als regierungsfähig angesehen wurde. Einmal sagte es ihm der Deputierte Davila in offener Sitzung: ״Antisemitismus allein ist kein Regierungsprogramm. Er reicht nur aus, die Jugend nationalistisch zu galvanisieren.“ Es hat lange gedauert, bis Prof. Cuza es eingesehen hat, und wohl dem Drängen seiner nach der Rcgierungsmacht V0R-KR1EGS - JAHRGÄNGE der JÜDISCHEN RUNDSCHAU z.T, für die Jüdische National- und Unlve rsltäts- Bibliothek, z. T, für das Archiv der Jüdischen Rundschau gesucht, / Zuschriften unter ,,ARCHIV" an die Anzelgen-Verwaltung erbeten strebenden Freunde folgend, hat er sich und seine Partei tnit der des Herrn Octavian Ooga zusanunengeschlossen. Octavian Goga stammt aus Transsylvanien, ist Schriftsteiler, Dichter und Redner von Rang, war schon Kultus- und später Innenminister und hatte so etwas wie eine Bauernpartei, der auch Städter und eine größere Zahl von Juden angehörten. Er hat lange Zeit bestritten, Antisemit zu sein, wenn er auch der nationalistischen antisemitischen Jugend bedenklich schön tat. Aber hierbei vertrug er sich gut mit der jüdischen Industrie und der jüdischen Bankwelt und war Verwaltungsrat in einer ganzen Reihe von jüdischen Unternehmungen. Heute ist Octavian Goga neben Cuza Mitchef der nationalchristlichen Partei, die durch diese Vereinigung regierungsfähig zu sein glaubt. 111. Damit man das Wesen des Antisemitismus in Rumänien besser versteht, will ich auf Grund meiner Kenntnis der Dinge betonen, daß dieser Antisemitismus weniger einen programmatischen und mehr einen parteipolitischen Charakter hat. Es wäre falsch zu glauben, daß aas rumänische Volk als solches von Haß gegen das Judentum erfüllt ist. Die Bauern sind es schon gar nicht, bei den Intellektuellen, die sich zu den Antisemiten zählen, sind gewisse soziale Motive mitbestimmend, und bei manchen ist Antisemitismus eben ein Mittel, ein Sprungbrett, um politisch emporzukommen. Bei den großen Parteien, der! Liberalen und ,den ״Nationalzaranisten“ (Bauernpartei), die in der Regierung einander zu folgen pflegen, ist die Konkurrenz zu groß. Jeder Neue muß sich gewissermaßen in der Kolonne anstellen, und es dauert lange, bis er zum Zuge kommt, zumal diese großen Parteien über eine mehr als ausreichende Zahl von Ministrablen verfügen. Darum sicht man, wie oft Politiker von einer Partei zur anderen gehen. Wer in seiner Partei nicht recht vorwärtskommt, versucht sein Glück anderweitig. So mancher geht in die nationalchristliche Partei, nicht gerade weil er ein Judengegner ist, sondern weil er sich von der in den letzten Jahren ge• waltig gewachsenen Strömung tragen lassen will. Er träumt von einer Berufung der national-christlichen Partei zur Regierung, und da diese ihren Regierungskader nicht so leicht ausfüllen kann, hofft er, wenn er bescheiden ist, auf einen Präfekten-, und wenn er unbescheiden ist, auf eine Ministerstelle. Mit der Goga-Gruppe kam nettes Blut in die etwas ver• altet gewesene Cuza-Partei. Es kam jener politische Oportunismus, der dem Nur-Antisemiten Cuza gefehlt hat. Die vereinigte Partei hat ihre innere Trennung behalten, und mitunter dringen in die Außenwelt Gerüchte, als wenn die beiden Gruppen sich miteinander nicht vertragen. Goga scheint nämlich einzusehen, daß man in Rumänien mit 105״öigem Antisemitismus nicht regierungsfähig sein kann — und wenn alle Anzeichen nicht trügen, wird in absehbarer Zeit die national-christliche Partei — genannt ״Cnza-Goga-Partci“ — zur Regierung nicht berufen werden. Sie ist die Partei, die zu viel Lärin macht, wenn sie auch int Hinblick auf die angestrebte Macht in der letzten Zeit als eine Partei der Ordnung erscheinen will ln ihren publizistischen Organen gibt ein radikaler Anti• semitismus den Ton an. Mit dieser Partei konkurriert die sogenannte Eiserne Garde. Als politische Partei nennt sie sich ״Totul pentru Tara“ d. i. ״Alles für das Land“. Die Partei hat wohl ihren Präsidenten, aber über ihn! steht der Kapitän Cornelia Codreatut. Er ist ihr Führer. IV, Corneliu Codreanu hat mit seinen noch nicht vierzig Jahren eine fast 20jährige Kampfzeit hinter sich. Sie begann mit seiner Studentenzeit, er organisierte die Jugend und erfüllte sie mit nationalistischem Geiste, Wiederholt geriet er mit den Sicherheitsbehörden in Konflikt, hat oft in Gefängnissen gesessen und ist von seinen Anhängern im Triumnhe nach Hause getragen worden. Er ist Fanatiker seiner Idee Briefmarken » Fritz Lewin LQtzowstr.OIA vom strengsten egozentrischen Nationalismus, der alles, was nicht rumänisch ist, und insbesondere die Juden ausschließt. Seine Erscheinung macht einen jünglinghaften Eindruck. Man stellt ihm die zum letzten Opfer für die Sache bereite Entschlossenhclt art. Die Mitglieder seiner ״Eisernen Garde“ werden auf ihn vereidigt, — der Kapitän Codreanu hat bereits seine Legende. Er ist ein Mythos in Fleisch und Blut. Sein Wille ist Gesetz und seine zahlenmäßig nicht faßbare, aber sicherlich nach vielen Zehntausenden zählende Anhängerschaft folgt auf den Wink ihres Führers. In seinem an die Legionäre crichteten Kanipfbuche wehrt sich Codreanu gegen die Beauptunp von der Nachahmung ausländischer Vorbilder, indem er nachweist, daß er schon zu Beginn der zwanziger Jahre seine Organisation in der heutigen Form geschaffen hat. Sein Kampfprogramm richtet sich in erster Linie gegen die bestehenden Parteien, denen er ein gerüttelt Maß von Siinden vorwirft. Er kämpft für Reinheit in der Verwaltung. Die Bekämpfung der Juden ist wohl nur ein Punkt seines Prorammes, aber diesen Judenpunkt benutzt er als das wirungsvollste Propagandamittel. Die ״Eiserne Garde“ oder wie sie als politische Partei heißt ״Totul pentru Tara“, steht in schroffstem Gegensatz zu der mit ihr konkurrierenden national-christlichen Partei Cuza-Goga. Unstreitig gehört zur Partei Codreanus das Gros der Jugend, wogegen jene sich mehr weniger aus kleinbürgerlichen Elementen (etwa wie die ehemalige christlichsoziale Partei in Wien) zusammengesetzt. ״Totul pentru Tara“ beschäftigt seine Mitglieder auch mit Arbeit (Bau von Straßen, Kirchen, eigenen Heimen und Wirtschaften) und gilt als eine unverbrauchte politische Partei von großer Stoßkraft. Wer offene Augen hat, nimmt diese Partei und ihren Führer in hohem Maße ernst. V. Die Jude n in Rumänien geben sich keiner Täuschung hin über das, was sie erwartet, wenn die eine oder die andere Gruppe dieser rechtsextremistischen Parteien ans Ruder kommen sollten. So groß ist aber der Einfluß dieses natior,alistischen Rechtsextremismus schon heute, daß er seinen Schatten voraus wirft und daß sein gegen die Juden gerichteter Kampf auch auf die anderen größeren tincf kleincren, mehr oder weniger demokratischen Parteien drückt und für sie vorbildlich wirkt. Audi die demokratischen Parteien wollen beweisen, daß sie gute Nationalisten sind. Die antisemitische Grundstimmung verstärkt sich immer mehr, und immer seltener und immer nüchterner sind die Versuche führender Staatsmänner in ihrer Warnung vor Uebertreibung des Nationalismus und der Methode, die Juden für behauptetes oder wirkliches Mißgeschick und für die Sünden der Verwaltung verantwortlich zu machen. Obwohl bisher an der Konstitution nicht gerüttelt wurde, und in den anderen Staatsparteien starke Kräfte vorhanden sind, um sie zu schützen, macht man schon heute im Wege der Verwaltung trotz bestehender gesetzlicher Gleichheit aller Bürger — auch der Minoritäten — Versuche, den Begriff der bevorrechteten Mehrheits natio 11 auch in der Privatwirtschaft cinzitführen, und ׳ wird auf die Unternehmungen der Minderheiten, also die der Ungarn, Deutschen und Juden, ein Druck geübt, vorerst die Hälfte der Stellen mit Blutsrumänen zu besetzen, in dieser gegen alle Minderlieiten gerichteten Front liegt die positive Seite des Nationalismus, die in der Parole: ״Rumänien für die Rumänen“ zum Ausdrucke kommt. Eine formelle, technische Revision der Staatshürgerlisten wird mit Strenge durchgeführt, und sie wirkt sich aus Gründen, die zu erörtern hier zu weitläufig wäre, insbesondere gegen die Juden aus. Der Antisemitismus erfaßt immer weitere Kreise, obwohl er weder in einer wirtschaftlichen Not — das Land hat jetzt Hochkonjunkter — noch in einem besonderen Verhalten der Juden eine verständliche Ursache hat. __________ (Wird fortgesetzt) JudenSeindliche Studentenkundgebunj2׳en in Budapest WÜ9 CSV tm In Budapest kam es in den letzten Tagen zu judenfeindlichen Studenten kundgebungen. Eine nach Hunderten zählende Gruppe von Studenten versammelte sich am Mittwoch im Garten der Universität und forderte die jüdischen Hörer zum Verlassen des Gebäudes auf. Die Demonstranten drangen in die Hörsäle ein. Schließlich drang Polizei auf Anordnung des Dekans der Universität in die von den Demonstranten besetzten Hörsäle ein und zwang diese zum Verlassen des Gebäudes. 19 Studenten wurden in Gewahrsam genommen. In einer Erklärung gibt der Dekan bekannt, daß diese Demonstration die dritte der Studentenschaft innerhalb einer Woche sei. Die Studentenschaft habe die Autonomie der Universität verletzt, weshalb er gezwungen gewesen sei, die Hilfe der Polizei in Anspruch zu nehmen.,