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Jüdische Rundschau · 1937-11-16 · Heft 91 (16.11.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 91 (16.11.1937)
Date
1937-11-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÖOISCHE RUNDSCHAU Nr. 91, 16. XI. 1937 Der psychologische Faktor Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Aviv, 7. November 1937 Mehr als über alles andere wird in Palästina über die Unklarheit der Situation und die überaus langsame Ent- Wicklung politischer Entscheidungen geklagt. Allgemein besteht die Empfindung, daß sich die Not der Gegenwart leichter tragen ließe, wenn man wüßte, wie sich die Dinge in naher Zukunft gestalten werden und insbesondere Wie sie die Regiert!!1 g /u gestalten gedenkt. Auch wenn tnan anerkennt, daß in den Berechnungen über die nächste Zeit eine Reihe unbekannter I nktoren stecken, die sie komplizieren, ist es deutlich, daß die Regierung viel dazu tun könnte, Ungewißheiten /.u zerstreuen und die Bevölkerung in bestimmte Bahnen des Denkens zu weisen. Statt dessen kommt jedoch von oben nicht nur keine Lenkung der öffentlichen Meinung, sondern oft genug wird von dorther noch Verwirrung angerichtet. Ein Beispiel für diesen Zustand ist der Fall des Immigrationsgesetzes. Was bedeutet das ״Immlgratlonsgesetz״? Nach dem Bericht der Kgl. Kommission wurde die Ein- Wanderung von Juden nach Palästina für acht Monate auf 8000 Menschen, alle Kategorien cingcschlossen, festgesetzt. Es handelte sich dabei um eine temporäre Maßnähme, aber auch diese brachte bekanntlich der Regierung in Genf ein scharfes Kreuzverhör ein, das den Außenminister vcranlaBte, nochmals ausdrücklich festziistellen, daß es sich um keine Da u e r ru a ß n a h in e handele. Dann kam plötzlich jener öcsotzesvorsclilag, der diese zeitweise Maßnahme legal 711 verankern vorschlug, und der Proteststurm der Juden in Palästina und in der ganzen Welt ließ nicht auf sich warten, Iuhlte man sich doch an der zentralen Stelle getroffen, hatte man doch um die Weiterführung der hin Wanderung in den schwersten Zeiten der Unruhen gekämpft und gerade in diesem Punkte nicht nachgegeben. I»!e Pakistina-Regierung blieb gegenüber den Protesten schweigsam, verbot jedoch kurzerhand die größte hebräische Tageszeitung wegen eines Protestartikels. Und dam! kam plötzlich eine neue Uebcrraschung, die Erklärung ries Kobmialministcrs im Londoner Parlament, daß es sich bei diesem Gesetzvorschlag um eine rein Temporäre Maßnahme handele. Die Juden in Palästina faßten sich verwirrt an die Köpfe und stellten eine Reihe von Fragen, auf die sie keine Antwort bekamen. Wenn es sich, so tragt man, um eine temporäre Maßnahme handelt, warum steht das nicht im Gesetz? Und wenn es nicht im Gesetz steht, warum konnte das Oberkommissariat in Jerusalem, nachdem das ganze Land von Protesten widerhallte, nicht sofort erklären, was später Ormsby-Gore in London erklärte? Warum mußte man hei den Juden — wenn wirklich keine auf die Dauer entscheidende Armierung der Einwanderungshcstimmungen geplant war — einen Sturm der Entrüstung und des Protestes entfesseln, wenn er durch drei zusätzliche Worte im Gesetzentwurf oder durch eine Erklärung von zwei Sätzen im Radio gestillt oder wenigstens stark gemildert werden konnte? Und warum — so heißt es weiter — mußte die Regierung die Araber, und sei es nur für eine Woche lang, in der Illusion wiegen, cs würden ihnen jetzt, nachdem die Regierung eben eine Wendung in der Politik vollzogen hatte, neuerdings Konzessionen auf Kosten der Juden gemacht? Warum schwieg die Jewish Agency? Soweit die Fragen an die Regierung, Es gibt einen zweiten Fragenkomplex, der sich an die Jewish Agency richtet. Ist es denkbar, so heißt es, daß ein solches Gesetz ausgearbeitet wird, ohne daß es mit der repräsentativen jüdischen Stelle besprochen, ihr wenigstens vorher mitgcteilt wird? Ist der Kontakt mit den englischen Stellen im Lande so lückenhaft, daß man sich über so entscheidende Fragen erst post fadum auseinandersetzt? Müssen wir immer wieder die trübe Erfahrung machen, daß man in London besser über Palästina informiert ist als in Jerusalem? Lind können wir uns eine gesunde politische Meinung bilden, wem! uns von oben her nicht die minimalen Richilinien dafür gegeben werden? Unter den gegenwärtigen Verhältnissen kommt einer gesunden und abgewogenen öffentlichen Meinung in Palästina ein großes Gewicht zu. Da sie sich von unten her nur schwer bilden kann — es gibt dafür kein umfassendes öffentliches Forum und in der Regel auch nicht die genügenden Unterlagen — wäre es die Aufgabe des OberkomtnKsariats, sie von oben bilden zu helfen oder zumindest an/uregen. Das kann jedoch bestimmt nicht auf dem Wege des beharrlichen Schweigens oder der lakonischen Ankündigungen erreicht werden, die zur Zeit die Palästina- Regierung aus/eidmen. Dieses System der Ankündigungen und des Schweigens hat zum Beispiel den Zwischenfall mit dem Immigrationsgesetz hervorgerufen, der erst — reichlieh spät! — durch die Londoner Erklärung gemildert wurde. Wenn die Regierung wirklich eine Verbindung und Kooperation mit der B e v ö 1 k e r u n*g anstrebt, so kann sie sich nicht damit begniigen, sie über ihre Absichten und Ansichten durch Antworten auf zufällige Anfragen im Unterhaus zu informieren. Es wäre ihre Sache, hier in Jerusalem den Kontakt aufzunehmen und auszubauen, ln einer Zeit der raschen Aenrierungen, wo sich die Hoffnung auf eine Regelung der schwebenden Fragen hauptsächlich auf einen Umschwung unter den Arabern aufbaut, ist der psyc h 0 1 0 g i s c 11 e Faktor in der Politik von außergewöhnlicher Bedeutung, Die Dinge sind sehr labil, die Geister daher leicht verletzlich, aber auch leichter lenkbar. Sollte diese offenkundige Tatsache den leitenden Personen im Lande nicht bewußt sind? England gegen Round Table-Konferenz? Die arabische Zeitung ״Adifaa“ meldet aus London, die Regierung habe den Vorschlag, der von der Jewish Agency bei einer Sitzung in Zürich angeregt wurde, eine Konferenz am runden Tisch abzuhalten, abgelehnt, da sic eine Verständigung zwischen Juden und Arabern für unmöglich betrachtet. Das Blatt fügt hinzu, die Regierung beabsichtige eint A e ח d e r 1! n g in dem Tcilungsplan vorzunehmen, wobei Galiläa von dem vorgeschlagenen Judenstaat ausgeschlossen werden soll. (Die Nachricht ist mit Vorsicht aufzunehmen, vgl. den Bericht von gl. aui Seite 2 der heutigen Nummer. — A. d. R.) ״ Der endgültige Text Die Einwanderungs-Verordnung Die von unserem palästinensischen Korrespondenten in der nebenstehenden Spalte behandelte Frage, was die neue Ein w andern ngs Verordnung eigentlich zu b e - deuten habe, hat inzwischen ihre offizielle Aufklärung durch den endgültigen Text der Verordnung erhalten, der am 10. d. M. erschienen ist. Die Beschwerden gegen die ungenaue Formulierung des ersten Entwurfes bleiben um so mehr bestehet!, als in dieser Zeit alles vermieden werden sollte, was zur Nervosität und Konfusion Anlall gibt. Wir bringen nachstehend die Meldung: Jerusalem, 10. November. (Palcor.) Das offizielle Amtsblatt veröffentlicht heute einen Erlaß, mit dem das Einwanderungs-Maximum für die laufenden acht Monate festgesetzt wird. Die Gesamfelnwanderungszlffer, Juden und Nichtjuden sSmtlicher Kategorien inbegriffen, wird ftlr die Zelt von August 1937 bis 31. März 1938 auf 9600 Personen festgesetzt. Der endgültige Text der Verordnung enthält zwei bedeutsam* Aenderungcn. Er weicht von dem am 21. Oktober veröffentlichten Entwurf Insofern ab, als der Ausdruck ״jüdische Rasse“ in der Klausel, die sich auf die Einwanderungshöchstzahl bezieht, wegfällt, und ein neuer Satz hlnzugefügt wird, der feststellt, daß die gesamte Klausel eine provisorische Maßnahme darsteift, deren Gültigkeit am 31. März 1938 oder an einem vqm High Comniissioner mit Zustimmung des Kolonialminlsters bestimmten späteren Datum abläuft. 1780 von den Einzelzertifikaten sind für die Arbeiterkategorie für die sechs Monate Oktober 1937 bis März 1938 bestimmt, von denen die Jewish Agency 1509 zur Verteilung erhalten soll, während 280 in Reserve gehalten werden sollen. Von der Restzahl werden 600 für Angehörige, der Arbeiter bestimmt, während der Ucbersclmß u. a. für Kapitalisten in Palästina bereits ansässigen Personen (4570). Der beratende Einwandcrungsausseluiß der Jewish Agency, der aus Vertretern des Jisehuw besteht, beschloß einen energischen Protest gegen die Festsetzung einer politischen Einwanderung!«höchstzahl in dem neuen Einwanderungserlaß, die einen Bruch des Mandates darstelle. Von der Woche Mosche Schertok wurde vom Stellvertreter des High Comniissioner, ßattershill, empfangen. Die Unterredung, die längere Zeit dauerte, galt der! Sicherheitsfragen. Ein arabisches Dorf bei Tulkerem wurde wegen Beschädigung von Telcnhonleitimgcn mit einer Kollektivstrafe in Höhe vor! 4 150 belegt. Außerdem wurden 10 Hilfs- Polizisten auf Kosten der Bevölkerung Im Dorfe postiert, während im Falle wiederholter Sabotage drei Häuser, die bereits bezeichnet worden sind,'niedergerissen werden sollen. Einer Meldung zufolge wurden drei Verhaftungen in Verbindung mit der Beschießung von Nashashibis Wohnhaus in der vergangenen Woehe vorgenommen. Während einer Schießerei in Bethlehem wurde ein a r a - bischer Polizist leicht verwundet. Drei Personen wiirden verhaftet. Im Zusammenhang mit der Beschießung wurde ein Haus in Bethlehem, in welchem Waffen und Sprengstoffe aufgefunden wurden, in Uehercinstimmung mit den von der Regierung verkündeten Warnungen von der Polizei in die Luft gesprengt. Auf der Jerusalem—Jaffaer Landstraße explodierte hei einer Brücke in der Nähe von Motza eine Mine, die jedoch nur geringen Schaden anrichtete. Der Zwischenfall passierte kurze Zeit, nachdem ein Polizeiauto über die Brücke gefahren war. Im Zusammenhang damit wurde das im Westen von Motza gelegene Dorf Subah von Polizei umzingelt und Haussuchungen vorgenommen. Zehn Araber wurden festgenommen. Sttraya Budeiri Assistent-Ingenieur der Jerusalemer Stadtgemcinde, und R 11 b h i Muri a, oberster Beamter der Wasserversorgungsstelle, wurden verhaftet und nach Akko gebracht. Man glaubt, daß sie unter dem Verdacht stehen, mit den Terroristenbanden in Verbindung zu sein. Ferner wurde ein weiterer Angestellter der Jerusalemer Stadtgemeinde festgenommen und nach Akko geschafft. Zwei Araber, die drei Bomben bei sich hatten, wurden von einem jüdischen Ghaffir iri der Nähe von HerzÜah verhaftet. Der I2jähr!g׳e Sohn des Muchtars von Cäsarea, der des Bodenverkaufs an Juden verdächtig ist, wurde unweit Benjamina von einem Araber angegriffen und verwundet. Hassan S h 11 k r y, der Bürgermeister von Haifa, der sieh ins Ausland begehen hatte, da sein Lehen von den Terroristen mehrfach bedroht wurde, kehrte nach Palästina zurück und nahm sein Amt wieder auf. Die arabische Zeitung ״Adifaa“ glaubt Voraussagen zu können, daß den Empfehlungen der Peel-Kommission in bezug auf das Verbot des Bodenankaufs durch Juden in dem für den arabischen Staat bestimmten Gebiet und umgekehrt in Kürze durch eine Verordnung die gesetzliehe Unterlage gegeben werden wird. Die Regierung ernannte den Inspektor im Einwanderungsdepartment, Mosche Melamed, zum Regimmgsheamten für die P a s s a g i e r I a n d u n g in Tel Aviv. Die arabische Presse berichtet, daß der britische Konsul in Damaskus den syrischen Ministerpräsidenten in _ einer persönlichen Unterredung ersucht hat, die palästinensischen Agitatoren aus Syrien a u s zu w e i s c n. Wir berichteten in Nr. 84 über den Tod von Oskar Strauß in Benjamina, Es wurde in der Nachricht an- «geben, daß *s sich nm einen Mord oder Selbstmord aridelt. Wie wir hierzu erfahren, liegt ein Unfall vor. Die Gerüchte Uber Transjordanien ln der Presse aller Länder tauchfen in der letzten Woche immer wieder Nachrichten über angebliche LJ n ruhen in Transjordanien und über angeblich beabsichtigte Ueberfälle Ihn Sauds gegen Transiordaiiien auf. In der letzten Nummer der Londoner Zeitschrift ״Great Britain and the East“ kennzeichnet der Herausgeber Kenneth Williams in einem Artikel ,,Was geht in Tratisiordanien vor?“ die Unglaub Würdigkeit dieser Berichte. Die Einwohner der transjordanischen Hauptstadt Amman, so schrciht er, haben' sich die Augen gerieben, als sie von einer Revolte in Trans- Jordanien lasen, über die auch manche Sender berichtet naben. Sie selbst wissen nichts von einer solchen Revclte. Die Wahrheit schaut ganz anders aus; glücklicherweise hat es in Transjordanien günstige Frühregen gegeben, und die Bauern sind voll beschäftigt mit dem Pflügen des Landes, während die Beduinen ihre Herden weiden. Der Verfasser meint, daß diese Berichte über angebliche Unruhen in Transjordanien geflissentlich ausgestreut werden, um ein Gefühl der Unsicherheit in Transjordanien zu erzeugen. Es sei zwar nicht zu bestreiten, daß sowohl Transjordanien als auch König Ihn Saud das größte Interesse an den Vorgängen in Palästina nehmen, aber bisher sei es eine Tatsache, daß Ruhe und Ordnung in dem Emirat herrschen. Die größte Gefahr liegt nach der Meinung von Williams in Damaskus, von wo ständig Agitatoren ausgesandt werden. Die Militärgerichte Jerusalem, 11. November. (Palcor.) Eine spezielle Ausgabe des Amtsblattes brachte die Bekanntmachung, daß die in Aussicht genommenen Militärgerichte neben der Todesstrafe auch lebenslängliche Haft verhängen können. Ferner werden die Gerichte bevollmächtigt, in Fällen von Waffenbesitz, falls mildernde Umstände vorliegen, bei der Verhängung von Strafen Ausnahmen zu machen. Und trotzdem . ״ . 'Der ״Haarcz" (Tel Aviv) charaktciisicrt, wie uns aus Palästina berichtet wird, die heutige Lage im Lande durch folgende Betrachtungen: Man hat sich im Auslände gleichsam daran gewöhnt, jeden Morgen katastrophale Nachrichten von drei Fronten vorgesetzt zu bekommen: von Spanien, China und Palästina. Dagegen sicht man in der Feme nicht, daß wir unsere Arbeit fortsetzen: daß die Schulen und die Universität ein neues Studienjahr eröffnen, daß der Orangenexport über den Hafen von Tel Aviv einsetzt, daß das Palästina-Orchester spielt, daß die Wirtschaft im Lande sich konsolidiert. Die kurzfristigen Bankeinlagen nahmen ab, wällrend die langfristigen Anlagen um himdcrttausende Pfunde Zunahmen, was trotz der Krise von dem großen Vertrauen in die Wirtschaft Palästinas zeugt. Nach dem Auslande gelangen durch Radio und Telegraph zumeist mir die schlechten Nachrichten. Dieses einseitige Informationsmaterial muß, auch wenn es an sich richtig ist, eineu schiefen Gesamteindruck hervorrufen. Wir verstehen durchaus den richtigen Kern dieser Ausfillmrngon, glauben aber, daß die Besorgnis des ,.Haarez“ übertrieben ist. Wir alle wissen, daß der jisehuw auf seinem Posten steht und daß trotz aller Schrecknisse das Leben seinen Gang geht. Trotzdem beschäftigt sich die jüdische Welt vor allem mit zwei Problemen. Erstens: wie kann eine Lösung der politischen Probleme gefi in den werden, die Stabilität auch für die Zukunft verspricht, und zweitens: wie kann das Land wieder für Ein- Wanderung aufnahmefähig gemacht werden? Unter dies e m Gesichtspunkt werden natürlich auch die Schreckensnachrichten betrachtet und besonders beachtet. Daneben aber wird fortgesetzt in allen Ländern der Galuth über die Voränge des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens im Lande «richtet. Zum Thema: Selbstbeherrschung Schomrlm und Araber Anläßlich der Aufführung des Scliomrim-Drainas von Ewer Hadani durch die ״Habinmh“ ist in der palästinensischen Presse eine lebhafte!Diskussion üher die historische Realität entbrannt, die diesem Schauspiel zugrunde liegt. Unter vielen anderen ergreift einer der alten Sclioiiirirn. Zwi Nadaw, das Wort und rückt von den allzu romantischen Vorstellungen über das Leben und das praktische Verhalten der Schomrim ah: Natürlich dachte niemand von uns, daß er, wenn man auf ihn schösse, nur ״Scnnia Jisrae!“ rufen solle. Fs war eines der selbstverständlichen Ziele des Schon!er, den Juden zur Selbstwchr zu erziehen. Aber unsere Stellung zu den Arabern war von Beginn an das Streben nach ihrer Freund- Schaft und narb Frieden. Wir lernten die Tradition, die Bräuche und Sitten unserer Nachbarn, um mit ihnen in Kontakt und Uchcreinkimft zu kommen. Wir nahmen seihst ihre schönen Bräuche an wie die Gastfreundschaft und die Bcschützung eines jeden, der Schutz hei 1ms suchte. Wir beobachteten auch diejenigen ihrer Sitten, die uns theatralisch und iächerlieh vorkamen. Wir hatten eine Vorliebe für den Beduinen und respektierten ihn. •— Es kam in unseren Versammlungen vor, daß unter dem Eindruck der Ermordung eines Wächters, die Taktik: Kugel für Kugel, die Taktik der Rache vorgcschla״e1t wurde. Aber die Haltung der Schomer•Organisation war eine ganz andere, ln jener Zeit, als es noch keinen Regierung®- schütz gab, wäre es auch ganz unmöglich gewesen, selbst für zwei oder drei außerordentlich mutige Menschen, umgeben von vielen arabischen Dörfern und Hunderten von Beduinenzelten, allein auf ihre Kraft gestützt, 20 000 bis 30 000 Dunam Getreide zu bewachen. Es war immer wieder nötig, sich diplomatischer Mitte! zu bedienen, um ernste Zusammenstöße zu vermeiden. Wir nannten das ״Politik“, und es lief bei uns der Scherz utn: ״Die beste Politik ist die Kugel,“ Aber in Wirklichkeit waren wir sehr darauf bedacht, unser Verhalten den Arabern gegenüber auf unserer genauen Kenntnis der arabischen Psvche anfzuhauen. Ein guter Schomer verschoß nur selten eine Kugel. Auf einen Schuß war er gehalten, mit völliger Stille und Selbstbeherrschung zu reagieren. Es gab immer Menschen unter uns, die radikale Maßnahmen verlangten, im Lehen aber richteten sich alle nach der Taktik des ״Schomer“ und dem Geist seiner Be- Schlüsse. Waffenstillstand-Feier Jerusalem, 11. November. (Palcor.) Die Feier des Waffenstillstandtages wurde heute in Jerusalem auf eindrucksvolle Weise begangen. Regierungsbeamte, ehemalige jüdische Frontsoldaten, sowie Vertreter von jüdischen Verbänden wohnten der Zeremonie hei. In anderen Teilen des Landes, insbesondere in Tel Aviv und Haifa, wurden Gedenkgottesdienste in den Synagogen abgehalten. Die Landesorganisation der jüdischen Zahnärzte in Erez Israel ist von der Regierung legalisiert worden. Zahnarzt Dr. J. Epstein, Tel Aviv, Rothschild Bd. 39, ist Vorsitzender der Organisation. Die erste Ausstellung des Prof. P. K. Hocnich, Haifa, wurde ln der Buchhandlung Ringart auf dem Hadnr Hakarmel unter reger Anteilnahme eröffnet. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der Leistungen des Arbeitsjahres 1936 37׳ der Kunstschule, die von erfreulich hoher Qualität und Vielseitigkeit sind. Unter den ausgestellten Arbeiten treten unter anderen hervor: Ruth Lrvv mit fein empfundenen Ticrzcichnungen und interessanten Oclstudien, Hirschkorn mit gut erfaßten Abzeichnungen. Rappoport zeigt kultiviert gemalte Sfifleben, und Elijahu Schwarz, ein Fünfzehnjähriger, fällt mit seinen Zeichnungen und Oelbildern auf, die für die Zukunft viel von ihm erwarten lassen. L. I.

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