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Jüdische Rundschau · 1937-11-16 · Heft 91 (16.11.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 91 (16.11.1937)
Date
1937-11-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 91, 16. XI. 1937 Jüdisches Leben in Holland Von unserem Berichterstatter der Forderung ״Kibbusch Haarez“ noch die nicht erfüllte Farderung ״Kibbusch Haam“ gegenüberstände und daß es in dieser Zeit nötig sei, zu neuen Organisationsformen zu gelangen. Die Gegensätze zwischen Zionisten und Nichtzionisteil seien weitgehend geschwunden, so daß beide ihre Kraft ge• meinsam in der Zionistischen Organisation für Palästina einsetzen sollten. — I)r. Hahn (Essen) sprach über die Einsatzbereitschaft der Gruppe der Nicbtzionisfen und setzte sich für die Ersetzung des Wortes ״Niclnzionist“ durch eine treffendere Bezeichnung ein. — Dr. Lehr freund (Leipzig) wies darauf hin, daß wir in der neuen Etappe Palästinas vor besondere Verantwortungen gestellt sein werden und daß wir uns jetzt schon darauf vorbercitcn müßten, Es müsse in Zukunft die Forderung der Qualität in Palästina gestellt werden. — Dr. Croinbaeh (Essen) trat für eine engere Zusammenarbeit ein. — Dr. David Schloß borg (Berlin) sprach die Hoffnung aus, daß die Zeit, die noch bis zur endgültigen Errichtung des Staates vergehen wird, nicht entmutigern! auf die Menschen wirke, sondern zur Reifmachung für den Staat benutzt werden möge. — Dr. Alfred Hirschberg (Berlin) forderte eine engere Wechselbeziehung zwisehen der Palästina-Arbeit und der Arbeit für die Diaspora; Zionisten und Nichtzionisten müßten, nachdem die früheren Divergenzen weitgehend geschwunden seien, sich au! einem neuen gemeinsamen Weg zttsammenfinden. — Es kamen noch zwei Vertreter der Jugend, Georg Schuster und Rudi B a e r, zu Wort, die sich kritisch zum Problem des Judenstaats und der Teilung äußerten. Als letzter Redner sprach Oberlandesgeriehtsrat i. R. Mai (Hamburg), der die Notwendigkeit praktischer Arbeit hervorhob. Bemerkenswert waren in der Nachmittagssitzung die Erklärungen, die die Vertreter der O e nt e i n d e n b r w. Landesverbände abgaben und aus denen nicht mir One herzliche Sympathie für das Werk des Keren Hajessod sprach, sondern zugleich das He- Kenntnis zu Palästina und der Wiile zur Unterstützung und zur Mitarbeit. In diesem Sinne sprachen Herr Wolff (Dresden) für den Sächsischen Israelitischen Oemeindcvcrband, Herr Eltlinger (Frankfurt;1. AL), Herr .May (Köln), Herr M a r k o \r i c z (Breslau) und Herr L e h r f r e u 11 d (Leipzig). Für den Preußischen Landesverband, die Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Landesverbände und die Berliner Gemeinde waren ähnliche Lrklurungen bereits bei der Veranstaltung arn Sonnabend abgegeben worden. Am Nacbiniiiag tagten zwei Kommissionen: eine unter dem Vorsitz von R.-A. Rrnno C o h n, in der die politischen Fragen in I linsicht auf die Haltung der Engländer, Araber und Juden erörtert wurden und eine rege Diskussion entstand, an der sieh die Herren Hirschberg, Marcus, Hahn, Schloßberg, Eriedenthal, llorwitz, Michaelis, Crombach lind Capcll beteiligten. — Die zweite Kommission unter der Leitung von Kurt Locwcnstein beschäftigte sich mit den Wirtschaftlieben Fragen Palästinas; auch hier ergab sich eine lebhafte Aussprache, bei der die Herren Ascher, Freund, Frischniann, Kopfstein, Mm׳, Moser, Pick und Sclierck zu Wort kamen. Die Versammlung nahm am Schlüsse der Tagung nach einem kurzen Schlußwort Dr, Tratibs eine Resolution an, in der die Gemeinden zur Unterstützung der Arbeit des Keren Hajessod aufgerufen werden. (Wir werden den Wortlaut dieser Entschließung in der nächsten Nummer veröffentliehen.) Mit einem wirkungsvollen Aufruf Dr. Baecks, mit ganzer Ktaft sich den Aufgaben des Palästinawerks zu widmen, fand die Tagung ihren Abschluß. N. BaliourSeier in London In London fand eine öffentliche Versa Bindung der Zionistisehrn Föderation für Großbritannien und Irland anläßlich des 20. Jahrestages der Balfour-Deklaration statt. Begrüßungen hatten zu dieser Veranstaltung gesandt der Führer der Arbeiterpartei im Unterhaus Mr. Attlee, der frühere Kolonialminister Amery, Mr. Herbert Morrison, Lord Snell, Lord Straholgi und Cnptain Cazalet. Ansprachen hielten Rev. Goldhloom, Prof. Firndctskv, Mrs. D u g d a I e, Sir Wyndham U ccdcs und die M a r c 11 i 0 n e s s o f R e a d i n g. Richtlinien für jüdische Volksschulen Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Die Scluilabieihing der Roichsvertreiung hat dem Reichserzii hiing-ministeiiiiin vor einiger Zeit ״Richtlinien zur A!1 f s t e I I u n g v o 11 L e h r p 1 ä n e 11 für jüdische Volksschulen" vorgelegt. Nunmehr hat der Herr Reichs- und Preußische Minister Für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung mit Erlaß •vom 29. Oktober 1037 — E. 11 c Nr. 2107 M — sowohl den naciigcordneten preußischen Stellen als '«mit den Unterrichtsverwaltungen der anderen deutschen Lander die Richtlinien abschriftlich zugesamlt und erklärt, er habe keine Bedenken dagegen, daß bis auf weiteres an den privaten j ti d i s e b e tt Volksschulen nach diesen Richtlinien verfahren werde/ und sei damit einverstanden, daß vier Einheitlichkeit halber die Richtlinien Vers 11 r 11 s w eise a u c h d e ח Le h r p 1 ä neu f ü r die öffentlichen jüdischen Volksschulen zugründe gelegt werden.!> handelt sieh hierbei um eine neue Fassung der im Dezember 1033 vom Präsidial-Ausschuß der Reichsvertretung beschlossenen Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen. Die Richtlinien bringen, wie cs in der ״Vorbemerkung" zu ihnen heißt, erstens eine Klarstellung der allgemeinen Ziele der jüdischen Schule, zweitens Elinweise für die Behandlung derjenigen Lehrstoffe, deren unterrichtliehe Auswertung für die Bewältigung der besonderen erzichcrischcn Aufga.be der jüdischen Schule bedeutsam ist. Die Schulabteilung der Reichsvertretung versendet in diesen Tagen den Text der Richtlinien an alle jüdischen Schulen. Stockholmer Musik - Brie! Von unserem Berichterstatter Stockholm, Anfang November Schon am Anfang der Stockholmer Konzertsaison sind eine große Anzahl jüdischer Künstler — teilweise von Weltruf — hier mit außerordentlichem Erfolg aufgetreten. So gab N. Milstein — außer seiner Mitwirkung in Konsertförenigen — einen eigenen Abend, nachdem ihm die hier sehr gestrenge Musikkritik als ״einen Meister-Violinisten allerhöchster Klasse“ bezeichnet״. Gleichen uneingeschränkten Lobes konnte sich sein dem hiesigen Konzertpublikuni schon bekannter Kollege Joseph Szigetti erfreuen. Auch Alcxander Brailonskys pianistische Virtuosität ist den Stockholniern bereits bekannt und er spielte sich auch diesmal wieder ״in alle Herzen ein“, wie ein bekannter hiesiger Musikkritiker mit Recht feststellt. Eine neue, aber nichtsdestoweniger interessante Bekanntschaft war das 13iährige polnische 11 *\״ n d c r k i n d* Ida H ä!1 d el, das diesen Nanien mit Recht verdient. Ihre angeborene Musikalität, technische Beherrschung und vollendete Bogenführung erinnerte an die größten Violinmeister; nur selten wird man Mendelssohns E-Moll-Violinkonzert so meisterhaft vorgetragen hören. R L. Den Haag, 11. November In den Kreisen des politischen Kalvinismus in Holland, aber auch darüber hinaus in allen anderen politischen Kreisen, gedenkt man jetzt des hundertjährigen Geburtstages des kahinistischeu Theologen und Politikers Dr. Abra- 11 am K uv per, der der jetzt unter Führung des Minister- Präsidenten Colijn stehenden antircvolutionäreu Partei ihre Organisation und ihr Programm gab und trotz starker Gegnerschaff eine politische Figur großen Formats war. Kuyper hat sich auch eingehend mit der Judenfrage beschäftigt, lind zwar in einer Broschüre ״Liberalistcn und Juden“ (187?) und einem umfangreichen Kapitel ״Das jüdische Problem“ in seinem Werk ״Um (las alte Weltmeer“ (1907), Auf seinen Reisen in Osteuropa und im Orient war er immer wieder mit der Judenfrage in Berührung gekommen. Kuyper gibt eine Beschreibung der Lage der Juden und der Problematik ihres Daseins, die vielfach recht kritisch ist, aber im wesentlichen dem damaligen Stand der Erkenntnis entsprach. Von der zionistischen Rewegung versprach sich Kuyper weniger eine bedeutsame Kolonisation in Palästina als eine Stärkung und Heiligung der nationalen jüdischen Idee. Für den Westen sprach er sich für Auf recht crhaltung der bürgerlichen und staatsrechtlichen Stelhing der Juden aus. Für die Juden in Osteuropa schlug er landwirtschaftliche Siedlung im inneren Rußlands und Rumäniens vor, wozu er nicht zuletzt durch seine Eindrücke in den jüdischen Kolonien in Palästina gekommen war (1906). Sehr zu Unrecht wird mitunter Kuyper von der a 111 i - semitischen Propaganda in Holland in Anspruch genommen, Musscrt und seine Bewegung haben jetzt nach ihrem Mißerfolg bei den letzten Wahlen die Judenfrage wieder stark in den Vordergrund ihrer Propaganda gerückt. Obwohl Musscrt auch jetzt wieder sagt, cs seien tausende Juden, die auf bescheidene, einfache Weise — ihren eigenen Sitten und Gebräuchen folgend — ihr Brot inmitten des holländischen Volkes verdienen wollen, solange sie selbst ein Volk in der Zerstreuung seien und dies ihnen vergönnt sein solle, und daß auch sein eigener Begriff von Ehre und Treue es mit sich bringe, daß seine Bewegung denjenigen Juden nicht nachstehen wolle, die durch ihre Ansässigkeit von Geschlecht zu Geschlecht inmitten des holländischen Volkes trotz des Rassenuntcrschiedcs sich eins fühlten mit dem niederländischen Volke und bereit seien, wenn nötig, ihr Leben für die Freiheit und die Unabhängigkeit des holländischen Volkes zu geben, so ist keineswegs klar zu erkennen, wo die Grenze gezogen werden soll gegenüber ״der niederländischen Sektion des internationalen Judentums, verstärkt durch die Tausende aus Deutschland hierher verzogener Juden, die sich ihrer Herrschaff über das holländische Volk voll bewußt sei“. Der der Mussertschen Bewegung zuzurechnende frühere Nvimvegctisclie Professor H. "de V r i c s de II e e k e I i n g c n fordert in seinem Buche ״Israel. Seine Vergangenheit. Seine Zukunft* die Juden auf, sich zu entscheiden zwischen ihren auf Revolution und Herrschaft gerichteten Intrigen und einem integralen und korrekten Zionismus, Ohne die zionistische Lösung würde der Jude eine geistige, kulturelle und materielle Gefahr bleiben. * Im Niederländischen Zio 11 istenbund gehen die Auseinandersetzungen weiter. In der Tagung des Bundesrats, die in Utrecht stattfand, sind die verschiedenen Meinungen deutlich zum Ausdruck gekommen 111|d .haben sich schließlich auf die praktische Frage der zionistischen Propaganda kon- Judentum als Kündigungsgrund bei einem Handelsvertreter Bel einem Angestellten liegt nach der Rechtspreehung des Reichsarbeitsgerichts in der Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse allein kein wichtiger Grund zur Kündigung. Im Einzelfall können jedoch besondere Umstände vorliegen, die die Wcitcrhcschäftigtmg eines Juden für den Arbeitgeber als nicht mehr zumutbar erscheinen lassen. Ist diese Voraussetzung gegeben, dann ist also die Kündigung aus dem hierin zu erblickenden wichtigen Grunde zulässig, (Vgl. zu diesem Thema zuletzt ״J. R.“ vom 8. 10. 1937.) Diese Grundsätze hat das Urteil eines Arbeitsgerichts auch für die Kündigung eines jüdischen Handln ngsage uten als entscheidend angesehen. 111 dem entschiedenen Falle handelte es sich um einen Vertreter einer Tuchfabrik, dessen Vertrag noch bis zum 30. September 1038 lief, Er wurde zürn 30. Juni 1937 gekündigt, nachdem die Rciehszeugmeisterei der Fabrik erklärt hatte, sie wiirde ihre Zulassung zurücknehmeu, falls dieser Vertreter über den 30. Juni hinaus beschäftigt werde. Die Klage des Vertreters gegen die Fabrik auf Fest- Stellung•, daß das Vcrtragsverliältnis noch fortbestehe, wurde abgeviesen. In den Entscheidungsgründen wird bemerkt, daß das Gericht nicht befugt ist, die in der Stellungnahme der Rciehszeugmeisterei, einer parteiamtlichen Dienststelle, liegend« wirtschaftspolitischc Entscheidung nachzuprüfen. Der Beklagten ist nicht zuziimuten, es um des Klägers willen auf einen Bruch mit der Rcidiszeugmeisterei ankommen zu lassen. Auch wurde berücksichtigt, daß die Beklagte bei einer Weiterbeschäftigung des Klägers damit rechnen mußte, von dem Bctricbswettkampf zurückgewiesen zu werden und dadurch unabsehbaren Schaden zu erleiden. Das arbeitsgerichtliche Urteil ist zu dem Ergebnis gelangt, daß bei dieser Sachlage der Beklagten die Weiterbeschäftigung des Klägers nicht zu zu muten ist und ein wichtier Grund voriiegt, der nach § 92 Abs. 2 HOB. zur Kündigung es Handlungsagenten ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist berechtigte. Nicht ausschlaggebend fiel die vorn Gericht anerkannte Tatsache ins Gewicht, daß die Kündigung den Kläger hart trifft. (Er war vier Janre Frontsoldat, hatte gute Umsätze für die Beklagte erzielt, bat für seine — arische — Frau, ein Kind, seinen Vater und die Eltern der Frau zu sorgen.) Die Gründe der Entscheidung erwähnen auch ausdrücklich die Schwierigkeiten, denen der Kläger bei der Ncugriindüng einer Existenz als Jude begegnen wird, betonen aber, daß diese Umstände auch zu überwinden sein würden, wenn der Vertrag regelrecht zum 30. September 1938 ablaufen würde, es würden dann sogar noch größere Widerstände zu überwinden sein, da bis dahin die rassische Bereinigung auch auf dem Gebiet von Wirtschaft lind Handel weitere erhebliche Fortschritte gemacht haben wird. * Ein weiterer Fall aus diesem Recfitsgcbiet wurde vom Reichsarbeitsgericht im Juni 1937 entschieden, Eine arische Firma hatte nach Handelsvertre* fern der Herren-Oberbeklcklungsbraticlie inseriert, die eine Winterjoppe als Saisonschlnger münchmen sollten. Auf diese Anzeige hatte sich ein jüdischer Reisender schriftlich gerne!• det. Die Firma sandte ihm eine Musterjoppe und bewilligte ihm einen Provisionssatz. Nachdem der Reisende zwei Wochen mit Erfolg gearbeitet hatte, sandte ihm die Firma die Aufzentriert. Der Bundesvorsitzende, Mr, A. J. Herzberg, hat jetzt als Ausgangspunkt der Diskussion die Frage deutlich formuliert, wie man in dieser äußerst schweren und verworrenen Zeit einen konstruktiven Beitrag liefern könne für das Fortbestehen der zionistischen Bewegung und die Verwirklichung ihrer Ideale. Dabei wird grundsätzlich das Kultur- Zentrum und das Eimvanderungsgebiet für eine nach olien abgerundete Ziffer von Juden, sowie die im Peel-Bericht vorgeschlagene Gründung des Judenstaats abgelehnt. Die Formidierung der positiven Forderungen müßte ganz grundsätzlieh die Erhaltung und den Erwerb solcher Rechte als Ziel aufstellen, die die Vorbedingungen für die Lösung der Juden frage schaffen können. Mr. Herzberg ist der Meinung, daß liier ein Ausgangspunkt für ein zionistisches Arbeitsprogramm gegeben sei. — Im Mittelpunkt der 28. Jahres- Versammlung des Niederländischen M i s r a c h i, die am 21. Nbvember in Amsterdam stattfinden wird, soll die Frage der Teilung stehen, über die M. H. M. Bolle referieren wird und zu der ein Antrag vorliegt, der die gemeinsame interfraktionelle Organisierung der Neinsager innerhalb des jüdisehen Volkes und der Zionistischen Organisation bezweckt. * Die Amsterdamer Gemeinde bereitet die Werliehe Eröffnung der neuen großen Synagoge in der L e k s t r a at vor, die nicht zuletzt auch gerade für die Juden aus Deutschland eine besondere Bedeutung haben wird, weil sie in einer Gegend der Stadt errichtet ist, in der die überwiegende Zahl der aus Deutschland Zugcvandcrtcn wohnt. Bei der ain 30. November stattfindenden Eröffnung wird der Oberrabbiner Sarlouis sprechen. Ständig fungieren wird dort der neu gewählte Gemeinderabbiner J. H. Dünner, ein Enkel des bekannten Amsterdamer Oberrabbiners Dr. J. H. Dünner. * Auf künstlerischem Gebiete bat die neue Ausstellung der Arbeiten des Zeichners Leon Hol man bei Santee Landwecr in Amsterdam (die erste warim Haag veranstaltet worden) viel Beachtung gefunden, ln seinen Zeichnungen und graphischen Arbeiten kommt eine feine Linienführung und zugleich ein starkes Charakterisierungsvermögen zum Ausdruck, dem mitunter eine Note bitterer! Humors nicht fehlt. Die aus ihrer Berliner Tätigkeit bekannte und seit einigen Jahren in Jerusalem lebende Silberschmiedin Emmy Roth zeigte in ihrer Haager Ausstellung Metallarbeitern vcrschicdenster Art, Gebrauchs gegenstände und Schmucksachen, die sich durch eine klare, strenge Formseliötiheit auszei-'hnen. In Haarlem fand die Erstaufführung einer Vertonung der 82. Sure des Koran statt, ein Werk des Berliner Komponisten Wolfgang F r a e n k e 1. Die Kantate, die den Tag des Gerichts zum Gegenstand hat, ist für Altstimme, Streich- Orchester und Pauken gesetzt. Der Komponist hat keine oricutalischcn Motive verwendet, sondern will mit Mitteln der modernen Musik den Oedankeninhalt zum Ausdruck bringen, Paula Salomon (Lindberg) sang (neben Arien von Gluck und Händel) die Solopartie. Die Kantate, die vom Komponisten selbst dirigiert wurde, wurde mit großem Beifall aufgenommen, der nicht zuletzt auch der Solistin galt. — Der Pianist James S i m o.ri, der seit einjgen Jahren in Holland wohnt, gab itn Amsterdamer MusTkl/zeürn efrien mit großem' Beifall aufgeWommencu Klavierabend, auf dem auch einige von ihm komponierte Miniaturen für- Klarinette und Klavier vorgetragen wurden. frage ohne Grundangabe mit dem Bemerken zurück, sie könne die Aufträge nicht ausführen. Der Reisende klagte nun die Provision ein. Die Firma rechtfertigte ihre Zahlungswcige* rung damit, daß der Kläger Jude sei. Er habe ihr dies mitteilen müssen. Das Gericht gab der Klage in allen Instanzen statt, per Kläger habe die Arbeit für die Beklagte bei seinen Reisen lediglich in Ausübung einer Nebcntäßghcit übernommen. Die Beklagte habe zunächst eine Auskunft über ihn nicht angefordert, sondern sich erst auf Veranlassung der Deutschen Arbeitsfront um dessen rassische Abstammung bekümmert. GhanuHhan-Leuchier Hl. Bonzsr Keinesfalls müsse nun jeder Nichtarier davon ausgehen, daß er als Handelsvertreter auch bei einer nebensächlichen Tätigkeit für eine arische Firma nicht in Frage komme. Allerdings seien jüdische Angestellte in den meisten Betrieben 1111erwünscht. Wenn aber eine Firma eiligst Vertreter zum Vertrieb eines Saisonschlagcrs suche, so könne nicht ohne weiteres angenommen werden, daß sie nur Arier beschäftigen wolle; denn es gebe auch jüdisclie Kundschaft und Ausländer, die keinen Wert darauf legen, nur von einem arischen Vertreter zu kaufen, und die Beklagte habe sogar selbst an Juden geliefert. Es komme darauf an, ob nach den besonderen Umständen des!“alles der Kläger habe annehmen müssen, daß die Beklagte Juden nicht beschäftigen wolle. Dies sei hier zu verneinen. Die Ansicht, daß jeder Nielitarier, der sich um eine Stellung bewerbe, schlechthin verpflichtet sei, auf seine jüdische Abstammurig hin zu weisen, sei in dieser Allgemeinheit nicht richtig. Es bestehe daher kein Grund zur Anfechtung des Verträges wegen arglistiger Täuschung. Auch wegen Irrtums über persönliche Eigenschaften des Klägers bestehe keine Anfechtungsmöglichkeit, Denn derartige Eigenschaften seien 11ur solche, die zum Inhalt des abgeschlossenen Geschäftes in einer unmittelbaren inneren Beziehung stünden und die insbesondere geeignet seien, die Erfüllbarkeit des abgeschlossenen Rechtsgeschäftes zu gefährden. Das treffe liier nicht zu. Denn die Beklagte habe trotz der jüdischen Rasse des Klägers die bereits vermittelten Aufträge erfüllen können. Der Umstand, daß der Kläger Jude sei, könne zwar die Beklagte zur Lösung der Geschäftsverbindung berechtigen, gebe ihr aber nicht die Befugnis, die vor Lösung des Vertrages entwickelte Tätigkeit des Klägers unentlohnt zu lassen. Kltlik• Nachrichten Nach einer Allgemeinen Verfügung des Reichsjustizministers vom 4. 11, 37 ist den Juden im Verkehr mit den Justizbehörden, insbesondere in Gerichtssitzungen, der Deutsche Gruß nicht gestattet. Bronislav H u b e r m a ri hat das Krankenhaus verlassen und sich nach Batavia (Java) begeben. Die Presse von Damaskus berichtet, daß sicli infolge der letzten Ereignisse in Palästina der Beginn einer schweren Wirtschaftskrise in Syrien bemerkbar macht. In Damaskus und Homs herrsche besonders unter den Textilarbeitern Arbeitslosigkeit, weil die Bestellungen aus Palästina auf ein Minimum zurückgegangen seien.

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