Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1937)
- Date
- 1937-11-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653711--31517-2686132- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 91, 16. XI. 1937 Als Einwanderer in Brasilien lieber die Schwierigkeiten der UeberSührung in die Kleinstädte IV(r erhallen von einem Leser aus Brasilien folgende interessante Zuschrift, die gewisse Schwierigkeiten bei der Einerdnung neuer Einwanderer erklärt. Der Bericht ist natürlich noch vor der politischen Umwälzung in Brasilien geschrieben. Wir verweisen auch auf den in unserer Ausgabe Nr. 70/71 erschienenen Bericht aus einer brasilianischen KleinstaiL iled.) Aufstandsversuche an der Grenze von Trans Jordanien and Saudi-Arabien, insbesondere in der Oegend von Akaba mclden. Bereits seit Monaten sind immer wieder Berichte aufgefaucht, die von Aufmärschen der Beduinen aus der innerarabischen Halbinsel an den Grenzen des Fruchtlandes Sprachen, und man ,konnte den Eindruck erhalten, daß der westjordanischen Rebellion Hilfe von der Seite I bn Sauds käme. Die Nachrichten wurden schmackhaft gemacht durch die naheliegende Erklärung, daß Ihn Saud, der alte Gegner der Husseins, sich eine Vergrößerung des Staates Abdullahs von Transjordanien, wie cs mit der Teilung Palästinas geschehen würde, nicht gefallen lassen wolle und daher seine Beduinen an der Akaba-Grenzc konzentriere. England hat zu diesen Nachrichten etliche Zeit geschwiegen, dann hier und da ein kurzes Dementi gebracht, jetzt in den letzten Wochen diese Dementis verstärkt. Es wäre naheliegend, wenn die Regierung von dem Jerusalemer Sender Gebrauch machen wollte> nicht nur um aufkomtnende Gerüchte zu zerstreuen, sondern auch um von sich aus das Minimum der Nachrichten über <lie Bewegungen in den Ländern des Nahen Ostens zu liefern. Schließlich laufen ja in Jerusalem viele Fäden zusammen, die zwischen Kairo und Amman, Damaskus und Bagdad bis nach Djedda und Rylijad sich spinnen. In London ist man endlich. — nach sehr langer Zeit — auf die Idee eingegangen, einen Nachrichtendienst in fremden Sprachen *— darunter Arabisch und Hebräisch — einzurichten als Gegengewicht gegen die seit langem in großem Umfange ansgebanten Propagaitdasendungen von Bari. Bisher haben Wir in Jerusalem nur einen recht mageren Nachrichtendienst über die Vorgänge irn Lande, so mager, daß oft wichtige Details darin fehlen und das Bulletin des Jmpcrialdienstcs, das über die wichtigsten Weltereignisse berichtet. Ein Ausbau des Palästina-Nachrichtendienstes einerseits und eines Nahen- Osten-Dienstes andererseits kann der öffentlichen Meinnig die Unterlagen für eine den Realitäten entsprechende Betrachhing der Situation liefern. T «ilungsgeriichte Offiziell hört man nicht viel von weiteren Vorbereitungen für den Teilurigapian, wie sie der neuen Kommission zur Aufgabe gestellt wurden. Jedoch weiden schon heute an manchen Stellen Vorarbeiten für eine genauere Prüfung der Ausfühningsinöglichkeiten des Projekts vorgenomraen. Bei diesen Vorarbeiten und der bei der Regierung, im Publikum und in politischen Kreisen anhaltenden Diskussion des Peel-Projektes ergeben sich mancherlei neue Gesichtsp ti n k t e. Vor allem nimmt der von Anbeginn spürbare Kampf des ,.Nordens gegen den Süden“ greifbarere Form an. Es gab seit Anbeginn Meinungen, die dafür waren, den Juden den ganzen Nördblock des Landes zu geben, obwohl er eine* starke arabische Bevölkerung und die fast rein arabische Stadt Akko enthielt und ihnen dafür im Süden weniger ztfsubilhgen. Die gegenteilige Meinung ging dahin, für die Araber noch eine Enklave in der Gegend um Akko herauszuschneiden und dafür den Juden «in größeres Stück nach Süden zu gehen. Diese Diskussion ist jetzt --׳ hinter den Kulissen — aktuell. Es kommen dabei nicht nur arabische öder jüdische Gesichtspunkte in Betracht, sondern auch imperiale. So wie sich die Dinge entwickelt haben, sind arabische Gebiete und vielleicht auch der vorgesehlagene neue Araber- Staat gute Felder für die antienglische Propaganda. Solange es sich um Mandatsgebiet oder jüdisch« Territorium handelt •— unter dem Peel-Bericht war bekanntlich der Süden des Landes jenseits der großen Orangenkolonien arabisch mit Ausnähme einer Mandatseiikiave um Akaba — ist diese Propagamia einigermaßen ai kontrollieren, in einem arabischen Staate jedoch viel schwerer. Es erheben sich daher Stimmen, die dafür sprechen, den spärlich bc Völkerten Süden weiter unter Mandat zu behalten. Man sieht aus diesen Darstellungen» wie eng sich heut« bei der Palästina-Politik innere und äußere, jüdische, arabischt und imperiale sowie internationale Interessen verflechten. Sowohl der endgültige Teilungsplan wie auch die Art seiner Durchführung wird von all diesen Faktoren und ihrem verschiedenartigen Gewicht abhängen. Jüdisches Lehen in Paris Von unserem Berichterstatter. K. Paris, im November Die Herbstsaison ist in Paris mit einer großen Anzahl von jüdischen Tagungen und Veranstaltungen eröffnet worden. Lade Oktober hielt die Zentrale des ״Jüdischen Weltkongrcsses“ eine Sitzung ab, die sich vor allem mit den Vorgängen in Polen beschäftigte. Anfang November fand ein Kongreß der Orgnuhnjioncn der Agudath Israel in cli•n westlichen Ländern statt, auf dem besonders auch dir!Tagen der Wahrung der religiösen Tradition im palasti1־en-.ischcn Aufbauwerk behandelt wurden. Der Pariser Missrat: hi veranstaltete eine große Kundgebung, auf der der 1’rasidrnt des amerikanischen Misraehi, Ghelman, und der Publizist Gedalin-Bublik über ihre Palästinareise berichteten. Die Pariser Grupo׳• der ans Deutschland stammenden Zionisten ״Ost und West“, eine Gründung Rechtsanwalt Gronemanns, hat nach monatelanger Unterbrechung ihre Arbeit wieder aufgenonmien. In der ersten Sitzung berichtete l)r. Aron über die politische Lage des Zionismus. Die palästinensische Sängerin Sarah Goldstein gab In dem Salle Gaveau einen Liederabend, dessen Reinertrag für das Tel-Aviver Krankenhaus bestimmt war. Sarah Goldstein, die hebräische, jiddische, spaniolische, rumänische usw, Volkslieder sang, ist eine Künstlerin von Rang, deren ausdrucks- und wandlungsreiche Stimme, musikalisches Ein« fülilungsvcrmögen und technisch vollkommene Interpretation das Publikum entzückte. — Im Versuchtlieater der Ausstellung wurde ein neues Stück von Madleine Israels ״Don iuan aux enfers“ aufgeführt. In der Galerie Renou et lolle wird in diesen Tagen eine Ausstellung von Tusch• Zeichnungen des bekannte« jüdischen Malers Marc Chagall eröffnet werden. U. a. wird der Künstler auch Arbeiten aus rialien ausstellen. — 111 der Pariser Galerie Charpentier fand die Ausstellung der Arbeiten des 8jährigen Oer• Brd Singer statt. Di« Frühreife dieses Kindes ist er• staiinlich und ein ursprüngliches Talent unverkennbar. Man kann nur hoffen, daß die Begabung des jungen Malers auch den Wandlungen der Entvicklungsjahr« standhaften wird. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Weltsch, Berlin-Chari. f (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt I, 0 c w e n s t c i n. Bei Hu \V IS. An*eigenl*«iter und verantwort• lieh für den Inhalt der Anzeigen; Hermann linn, Barlin W 18. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April J938. Verlag und Anteigen Verwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekestr. 10. I&X IUI/19S7 28 604. — Druck! Siegfried Scholen, Berlin-SeMneberg. Der Hilfsverein in Berlin hat mir vorgcschlagen, nach Brasilien auszuwandern. Man war mir in jeder Weise behilflieh, meine Auswanderung zu ermöglichen. Schon in Berlin haben mir die Herren vom Hilfsverein geraten, nicht in den Großstädten zu bleiben, sondern weiter ins Innere des Landes zu gehen, um dort mein Glück zu versuchen. Denn erstens war ich Kaufmann, zweitens kannte ich die Landessprache nicht und drittens hatte ich nur die von der deutschen Devisenstelle genehmigten 50 RM., also für meine Frau und mich 100 RAI, zur Verfügung. Meine Frau dagegen hatte den Vorzug, daß sie perfekt französisch, englisch und spanisch sprach. Wir hatten uns entschlossen, jede sich bietende Arbeit anzunehmen. Schon auf dem Schiff ist uns geraten worden, nicht in Rio auszusteigen, sondern, wie uns dieses auch vom Hiltsverein empfohlen wurde, bis Santos-Sflo Paulo zu fahren, um uns vom hiesigen Komitee raten zu lassen, welche Städte im Lande uns Möglichleiten zur Arbeit bieten. Die Antwort des Komitees war: Zum Innern des Landes haben wir keinerlei Beziehungen und Verbindungen, denn es gibt nur in Rio de Janeiro und Säo Paulo Hilfskomitees. Was sollten wir machen? Aufs Geratewohl irgendwo hinfahren? Bei diesen Riescnentfernungen mit so wenig Geld wäre cs Leichtsinn gewesen, denn wir hatten nur noch soviel, daß wir ganz, bescheiden davon vier Wochen leben konnten, daher machten wir das einzig Richtige: Ich fing hier bei einer großen Konservenfabrik als Kistenträger an zu arbeiten und habe fünf Monate lang Lastautos geladen mit Kisten von 50—70 Kilos. Meine Frau fand sofort eine Stellung als englisch-französische Gouvernante. Im Laufe der Zeit haben wir etwas die Landessprache erlernt, und meine Frau fand eine bescheidene Anstellung bei einer hiesigen Zeitung, wo sie noch heute tätig ist, gibt aber noch außerdem täglich abends Unterricht in englischer und französischer Sprache. Mein Chef nahm mich nach fünf Monaten schwerer Arbeit ins Büro, weil er ,anerkannte, daß ich als früherer leitender Angestellter mich gut uingcsfellt hatte und abends noch fleißig Brasilianisch lernte, so daß ich mich schon notdürftig verständigen kann. Ich verdiente sehr wenig und mußte, wenn wir allmonatlich Lageraufnahmcn hatten, bis nachts 2 und 3 Uhr arbeiten, olme eine Sondervergütung zu erhalten. Trotzdem war ich zufrieden, denn ich sagte mir immer: Brasilien hat nicht auf uns gewartet und welches Recht habe ich, als Kaufmann, der ohne Kapital ins Land gekommen ist, mich zu beklagen. Inzwischen habe ich nun eine bessere Stellung bei einer Fabrik gefunden, wo ich im Innen- und Außendienst tätig bin und dementsprechend mehr verdiene. Wir verdienen jetzt, nachdem wir U/s Jahre im Lande sind, ca. 000 Milreis monatlich, was einem Verdienst von ca. 300 RM. unter Berücksichtigung des Lebensstandards in Deutschland gleichkäme. Wir wohnen jetzt in einem neuen Hochhaus in der Stadt und sind glücklich und zufrieden. Auch heute noch haben wir den Wunsch, trotzdem wir Groß- Palästiitatheater in Warschau Von einem Berichterstatter ״Boden“ von Marlin Rost Gebt Sumpf uns! Gebt Sand Und Steine: nur Land! Nur Boden gebt uns zum Pflügen. Wir graben ja nicht nur ums tägliche Brot, Uns treibt eine andere schlimmere Not: Hin Volk droht zu erliegen. Wir werden die Wüste mm Blühen zwingen, Der Sumpf eelbst muß uns Ernte bringen, Der Stein uns Quellen erschließen. Wir wissen erst um unsre Kraft, Seitdem wir uns den Grund erschafft, Den Boden unter den Füßea. Den Boden, der uns trägt und nährt, Den Boden, der uns Raum gewährt 7m leben ein eigenes Leben. Zu wirken in eclbstgewähltem Tun Zu träumen in seibstgewährtem Ruhn Der Zukunft, der Zukunft entgegen. Am 11. November fand die drifte Premiere der Jüdischen Nationalen Buhne in Warschau statt: ״Kampf urn Boden“, von M. Rost, Regie S. Bat-dorL Dieses neue Theater hat sich schon durch seine ersten beiden Werke: .,Das Gerieht“ von Bat-dori (Palästinaimruhen 1936) und ״Jakob und Christian“ von S. Gronemann *inen bedeutende® Ruf in Warschau erworben. Die beiden Palästinastücke gehören zu dem palästinensischen Verlag ״Moadim“, dessen Gründer Margot Klausner und Jehoshua Brandstätter sind. Das Stück von Rost zeigt junge Menschen aus Deutschland in Erez Israel, die nach einer Hachscharab im Lande eine Kwuzah gründen. Die Väter dieser Jungen sind 1933 zusammen mit ihnen gekommen —- «in Bankier wird wieder Bankier, ein Dozent wird Rauer. Es ist das Jahr 1935, das fahr der ״Prosperity“, die Bodenspekulation blüht. Der Banfder will seinen Sohn aus der Gemeinschaft herausholen — in sein Geschäft. Der Sohn, getrieben von Ehrgeiz, geht darauf «in, bis er plötzlich erkennt, da» sein Vater zu den Spekulanten gehört, die für das Land so schädlich sind. Sie gefährden erade den Erwerb des Bodens, den die Kwuzah zu bekommen at; der Sohn erkennt, daß sein Platz bei seinen Freunden in der Arbeit ist, er kehrt zerbrochen und dodh glücklich zurück. Das ganze Werkchcn atmet Palästina. Die Straße von Tel Aviv mit Baugerüsten, Cafds, Jazz — demgegenüber der Kibbuz mit Traktor, Eseln, Liedern, Tänzen, Konflikten und jugendlicher Liebe. Frische und Frühling lebt darin, eine Jugend mit Glauben an die eigene Kraft und Zukunft. Die Regie der Palästinenserin Bat-dori war lchendig und reizvoll sowohl im Dialog wie in den originellen Liedern und Tänzern der Horra. Das Publikum — Jugend und Erwachsenc — applaudierte während der ganzen Vorstellung auf offener Szene. Die Habimah 131 London London, U. November. (Palcor.) Die Habimah-Truppe ist heute zur Absolvierung eines vierwöchigen Gast- Spieles im Savoy Theater in London eingetroffen, Während des Gastspieles, das am 15. November beginnt, werden folgende Stücke zur Aufführung gelangen; ״Der Dybbuk“, ״Üriel Aeoet•“, «Der wendernde jttd«“, ״Der Qolem4. Städter sind, ins Innere des Landes zu gehen. Wir haben aber auch heute noch kein Geld, um Experimente zu machen. Niemand ist hier, der einen beraten kann, welche Arbeitsmöglichkeiten in den Kleinstädten bestehen und welche Stadt für uns in Frage käme. Schuld daran, daß so viele Emigranten sich in den Großstädten Säo Paulo und Rio niederlassen, auch diejenigen, welche als Kapitalisten ins Land kommen, sind einzig und allein die hiesigen Komitees. Trotzdem die Herren hier auch sehr aktiv arbeiten» wäre es von großem Nutzen für die Allgemeinheit, wenn diese sich vorher etwas Praxis auf diesem Gebiet angeeignet hätten. Leider wird von den meisten diese Arbeit nicht genügend gewertet. Auch ich habe tagelang in Berlin verbracht, um genaue Informationen zu erhalten, gehörte aber nicht zu den Leuten, die anfingen ungeduldig zu werden, wenn man nicht gleich wunschgemäß abgefertigt wurde. Das hiesige Komitee unterstützt ankommende und unbemittelte Emigranten, aber eine Stellung zu vermitteln, gelingt nur in seltenen Fällen. Auch Gelder hat das Komitee zur Verfügung. Es ist nicht meine Absicht, hier zu kritisieren, aber warum bereist nicht einer dieser Herren, die selber Immigranten sind, das Innere, um Informationen und Verbindungen aufzunelimen? Warum zahlt hier das Komitee für die unbemitteiten Immigranten wochenlang Unterstützung für Pension usw. und errichtet keine Zweigstellen in anderer» Städten? Besteht Brasilien denn nur aus Säo Paulo und Rio? In dem Augenblick, wo das hiesige Komitee erklären würde: Wir zahlen hier keine Unterstützung mehr, von uns könnt ihr lediglich eine Fahrkarte haben zu unseren Zweigstellen, z. B. Matta Grosso, Parana, Goyaz usw., wo ihr auch leichter Arbeit findet, würde sich dies bessern. Die Unterbringung in den Kleinstädten muß natürlich ganz systematisch geschehen, je nach Aufnahmefähigkeit der einzelnen Städte. Würde das Komitee in dieser oder in ähnlicher Weise sich umstellen, so wären die Immigranten größtenteils gezwunen, in die Kleinstädte zu gehen. Es gibt im Innern viele tädte, die mehr als 100 000 Einwohner haben und absolut nicht primitiv sind, wie man sich das immer vorslellt. Die Menschen fühlen sich in diesen Städten bestimmt glücklich und wohl. (Vgl. den Bericht in Nr- 70/71. — A. d. R.) Zum Schluß möchte ich noch allen, die auswandern wollen, einen guten Rat geben, der zwar nicht zu diesem Thema gehört: Wer es nicht fertig bringt, unter das Oewesene einen dicken Strich zu machen, wer die guten Ratschlage des dortigen Hiifsvereins nicht befolgt, wer sich nicht abgewöhnt, immer davon zu sprechen, wie schön es früher war und was er alles gewesen ist, der wird sich nach meiner Ansicht, gleichgültig ob in Brasilien oder in einem anderen Land, nirgends wohl fühlen. Wer dagegen körperlieh kräftig, gesund ist und jede ihm gebotene Bcschäftigung annimmt, findet auch heute noch trotz mancher Schwierigkeit hier eine Anstellung und Aufstiegsmöglichkeit. Erwin Cohen, Säo Paulo Aus dem Wiener Kunstleben Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, 7. November In der Staatsoper gelangt am 18. November die Oper ״Wallenstein״ von Jarornir W e s n b er g e r. in der Inszenierung Dr. Lothar Wallersteins, des Oberregisseurs am Wiener Operntheater, zur L! ra u f f ü h r u n g. Die Oper ״Wallenstein‘‘ ist bereits das zweite Werk Weinhergers, das die Wiener Oper aufführt. Den ersten großen Erfolg im Hause am Opernring brachte dem tschechisch-jüdischen Komponisten die Aufführung seiner Oper ״Schwanda, der Dudelsackpfeifer, die noch heute im Repertoire der Staatsoper steht. — Im Burgtheater wird jetzt Hermann Bahrs Komödie ״Der Querulant“ in einer Neueinstudierurjg von Friedrich Rosenthal gespielt. Schließlich sei auch die dritte Staatsbühne, das Akademietheatcr, erwähnt, das in der zweiten Novemberhälfte Franz Molnars ״D e 1 i11 a“ zur Aufführung bringt. Die letzte Zelt brachte die Neu- bzw. die Wiedereröffnung von zwei Bühnen. Nach mehrjähriger Sperre wurde die ״Komödie“, ein nettes Kammertheater in der inneren Stadt, das in seinem Programm -fernste Probleme in heiteren Kon versationsstücken behandeln will, mit der Komödie ״Schule der Liebe“ von Hugo Heinz Körner wiedereröffnet; die Hauptrolle wird von Ernst Deutsch dargestellt, der hier wieder nach langer Zeit eine Rolle hat, die es ihm ermöglicht, Proben seiner großen Charakterdarstellungskunst unter Beweis zu stellen. E. Jubal, der Begründer der Wiener Theatertype .,49“ (d. I. ein Theater, das nur 49 Personen fassen darf, uni ohne Konzession, die bereits bei 50 Zuschauern notwendig ist, spielen dürfen) und des gleichnamigen Theaters hat in der Nähe des Akademietheaters am Schwarzenbergplatz sein ״Modernes Theater“ mit der Uraufführung des blutigaktuellen Schauspiels ״Feuer auf T s c h a p a i“ von einem bisher unbekannten Autor, William Watt, eröffnet. Das neue Theaterchen, das ln den umgebauten Räumen der früheren Kunstgalerie Wawra einen ganz reizenden Rahmen gefunden hat, spielt als einziges Wiener Theater ohne Vorhang. Jubal ist bekanntlich auch der erste künstlerische Leiter des ״Jüdisehen Kulturtheaters“, — Hans Jaray, der erfolgreiche Autor, Schauspieler und Filmdarsteller, dessen Stücke im Theater in der Josefstadt bereits mit großem Erfolg gespielt wurden, hat eben «in neues Lustspiel beendet, das ״Liebesspiel“ betitelt ist und am Deutschen Volkstheater mit Jaray und Lily Darvas in den Hauptrollen aufgeführt werde® wird. ♦ Einen außerordentlichen Erfolg errang der junge Wiener Dirigent Josef Blatt mit einer vollendeten Wiedergabe von Gustav Mahlers ״Lied von der Erde“. Der Künstler wurde nach Amerika engagiert. — Einen starken Eindruck hinterließ der internationale Volksliederabend der im Wiener Konzertleben rasch beliebt gewordenen Sängerin Sarah Q 01 ds t e i n, die schon mit ihrem ersten Liederabend während der Wiener Festwochen einen außerordentlichen Publikutns- und Presseerfoig erzielen konnte. Die schöne, etwas dunkle Altstimme gefiel auch diesmal besonders. Am unmittelbarsten wirkte® wieder ihre innig vorgetragenen jiddisehen Volkslieder und die fein pointierten Negro-Spi rituals. — Der berühmte jüdische Sänger Josef Schmidt, der gegenwärtig in Amerika große Triumphe feiert, trat ln einigen Radio-Konzerten gemeinsam mit der Kammersängerin Marie Jeritza auf. Kürzlich sang Schmidt auf einem Festabend, der die beste Newyorker Gesellschaft vereinigte, gemeinsam mit der Jeritza und unter der Leitung des österrcicnisch-jüdischeu Komponisten und Dirigenten Oskar Strauß aus* schließlich wiener Lieder, die ebenfalls durch das amerikantecN Radio gesendet wurden.