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Jüdische Rundschau · 1937-11-09 · Heft 89 (9.11.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 89 (9.11.1937)
Date
1937-11-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 89, 9. XI. 1937 tretenden inneren Schwierigkeiten der Organisation und des Kredites leidet, die auch aus früheren Perioden bekannt waren. Die Lage der Plantagen verstärkt die Krise, die aus einer anderen (dudle stammt. In der gemischten Landwirtschaft spürt man die Rückstöße der städtischen Depression. Das Problem des Mittelstandes Die Krise im Jahre 192(1 27 brachte uns Arbeits- und Erwerbslose und zugleich eine beträchtliche Auswanderung. Heute haben wir im Verhältnis zur Gesamtzahl der jüdischen Arbeiter!111 Lande viel weniger Arbeitslose als bei der letzten Depression, wir haben einen grollen Kreis von E r w e r 1) s I os e 11 und wir haben so gut wie gar keine Auswanderung, wem! es auch hier und da Leute gibt, die das Land verlassen. Ebenso gibt es kaum eine Kapitalflucht, sondern das Geld liegt in den Banken oder sucht sich Anlage in!kapieren, die einerseits als Investition angcsehen werden können, andererseits leicht wieder flüssig zu machen sind. (Leider ist hierbei auch ein Teil der privaten Gelder durch Kau( ausländischer Wertpapiere fehlgcleitct worden, so daß, wie inan hört, so mancher Palästinenser bei dem letzte!1 New-Yorker Kurseinbruch einen Teil seines Geldes verloren hat — ein Verlust, der gewiß nicht aut das Schuldkoiito Palästinas fällt. — A. d. R.) Eine Tendenz der Geldanlage, die völlig einer Zeit des ״Abwartens“ entspricht. Daß es kaum eine Auswanderung und kaum eine Kapitalflucht gibt, mag zu einem Teil daran liegen, daß die Möglichkeiten zur Gründung neuer Existenzen außerhalb des Landes nicht gerade dicht gesät sind. Andererseits gibt es trotz aller schlechten Laune und allen Sorgen doch viel Vertrauen zu der Palästinawirtschaft, und der Drang fortzugehen, ist daher gering. Man darf nun aus der Analyse der Situation, die objektiv keineswegs v e r z w e 1 f e 11 aussielit, nicht den Schluß ziehen, daß erstens keine Abhilfe nötig sei, daß zweitens keine grolle Not bestünde. Die Lage der Arbeitslosen, auch u cm! sie nicht in übermäßig großen Zahlen auftreten, ist in einem Lande, das keine Arbeitslosenunter- Stützung und Versicherung kennt, sehr schwierig. Die Lage desjenigen Teiles des .Mittelstandes, der sieh nicht hat festsetzen!<!'׳ime!! oder nach kurzem Erfolg in der schlechten Zeit wieder seine schmale Position verloren und dazu seine Reserven .uilgebrauelit hat, ist ernst. I:s besteht eine starke Verwischung der Klassenunterschiede, so daß bereits sehr seit wer zu sagen ist, wo der Mittelstand aufhört und das Proletariat ant.uigt. Während man jedoch hei Arbeitern wenig-tctis das I leiinuttcl weiß, nämlich Arbeitsbeschaffung oder irgendeine I «mi! de! Unterstützung (wenn man freilich auch oft mebt weiß, wo die nötigen Mittel zu finden sind), ist die I lilt'e bei der Mittelklasse besonders schwierig und kompliziert. Wenn ein Arzt oder Anwalt früher in seinem Bende keine Arbeit t'and, so konnte man ihm, wenn er jung genug war, von Uinseliiclitnng sprechen. Heute, wo sich die Wirtschaftslage gewidert hat, scheint das ziemlich sinnlos. Die verschiedenen Lüchen, i!1 denen Mitglieder des Mittel- Standes seinerzeit unterschlupftcn, sind heute seltener und unergiebiger. Reserven gehen zu Ende oder sind zu Ende gegangen, die Vermehrung׳ der Posten der Mittelklasse (Bitros, Lüden, Aerzte, Anwälte) sind ebenso oder stärker als alles andere auf einen raschen Wirtschaftsablauf, der eine Expansion mit sieh bringt, angewiesen. Die Arbeitsbeschaftungen, die versucht werden, sind naturgemiiß zum großen Teil auf ״Arbeitslose“ und nicht auf mittellose Mittelständler oder, wie man hier sagt, auf ״Erwerbslose‘* zugeschnitten, obwohl man sich auch auf verschiedenen Wegen um die Erwerbslosen bemüht. Und so empfindet die Mittel* k I a s s e die Krise besonders schwer, da sie für sie mit einer ganz empfindlichen Herabsetzung des Lebens- Standards verbunden wird, die schwere Härten hat. Abhilfe Eine Abhilfe in der gegebenen Situation!nuß in zweifacher Richtung gehen: Erstens Beschaffung von Mitteln für Arbeiten, die dazu dienen, Arbeit zu schaffen, die Kaufkraft zu erhöhen und damit die Wirtschaft anzukurbeln, ebenso für Kredite, die Schwierigkeiten überbrücken und damit Härten erleichtern. Zweitens gibt es eine Reihe von politischen Aktionen, die auf wirtschaftlichem Gebiete helfen können, keine ׳ finanziellen Mittel verlangen, aber starke politische Aktivität. In diese Kategorie fallen die Verbandlungen über Acndeniiigen des S 18 des Palästina-Mandats, der die Politik der ,,offenem Tür‘* für Palästina vorsieht, was sowohl für Orangen wie für Imlustrieprndukte die Verhanähingsfähißfait Palästina? mit anderen Ländern behindert, die Absddieicung entsprechender Verträge mit den umliegen־ den Ländern, Acmlermigen der bestehenden Zolltarife und ähnliches. Dur Leiter des Wirtschnftsdcparfcrnerits der Jewish Agency, Eli euer Kaplan, arbeitet zitr Zeit in beiden Richtungen mul appellierte vor kurzem in einer Pressekonferenz an die Juden des Galuth, der Exekutive die Mittel für diese große Aktion zur Verfügung zu stellen. Das Wirtschaftsinstiuit unter der Leitung von Dr, R u p p i n ist zu gleicher Zeit damit beschäftigt, detaillierte Pläne für die Wirtschaftspolitik auf/iistelien. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn auch nur ein Teil der Pläne, die zur Ankurbelung der Wirtschaft aufgestellt werden, zur Ausfiihrung kommt, sich eine wesentliche Erleichterung schaffen läßt. Insbesondere wäre es entscheidend wichtig, die Re* gier u!1 g dazu zu!:ringen, aktiv in den Lauf der Wirtschaft cin/mrrcifen, aber sie kommt mir sehr langsam von ihrem Standpunkt des besser faire ah, den sie — wahrsciieinlich als die letzte Regierung aut der Welt — noch immer׳ festhält. Weiter hängt viel von den! Gelingen der verschiedenen politischen oben angedeuteten Aktionen ab und schließlich von der Aufbringung von Mitteln, einerseits durch die neue große Kampagne des Keren Hajessod, aridererseits durch die eventuelle Aufnahme einer Anleihe. Eine unfikonomlsche Nachbemerkung Es ist offensichtlich und wird von niemandem geleugnet, daß die gegenwärtige Depression zwar viel Härten mit sich bringt, jedoch aut eine Wirtschaft stößt, die sehr viel breiter, selbständiger, fragfähiger ist als die von vor fünf oder gar zehn Jahren. Wie stark die Entwicklung ist, kann man unter anderem daran sehen, daß bereits Nationalökonomien ihre Stimme erheben (zum Beispiel Rita Hindin in der letzten Nummer des ..Palestinc and Middle East“), die die gegenwärtige׳ Depression nicht einfach der Immigrations-Senkung־ zuschreiben, sondern zu einem Teil bereits eine typische kapitalistische Krise, wie sie in der ganzen Weit üblich ist, entdecken will. Die Wirtschaft hat heute schon ein großes Eigengewicht, und sie ist fähig, aus sich heraus, wenn auch langsam und schwierig, Mittel zur Ucberbriickung der Depression hervorzubringen. In dieser Hinsicht sind“ wir also viel besser daran als vor einem Jahrzehnt. Andererseits empfindet man heute den psvchologl« sehen Faktor, eine gewisse schlechte Stimmung und «in geistiges Versagen viel mehr als zu den alten Zeiten. Man hat trüber wahrscheinlich im Lande viel mehr gehungert als jetzt, einen viel schlechteren Lebensstandard gehabt, aber man wußte in der Regel auch sehr genau, wozu man alle diese Härten auf sich nahm. Die ״fetten Jahre“ haben jene Einwanderung gebracht, die erst in Palästina lernen mußte, was eigentlich Zionismus bedeutet und viele von diesen ״Neuen“ leiden unter ihren materiellen Entbehrungen noch. ״Herr im eigenen Hause'1 fm ״Haarez“ verficht M. S m i I a n s k i die Sache der Teilung des Landes: Es wäre besser gewesen, unsere Zustimmung zum Grundgedanken der Teilung nicht zu verkleiden, sondern unserer Bejahung offenen Ausdruck zu geben. Wir hingegen haben selbst auf dem Kongreß Versteck gespielt. Dabei lastete nichts mehr auf uns als die Tatsache, daß wir nicht Herren im eigenen Hause waren. Wir gestanden es uns selbst nicht ein, aber unser Leben in Palästina war in Wirklichkeit eine Fortsetzung der Galuth. Nie hatten wir hier die Möglichkeit, auf dem Gebiete der Wirtschaft ׳ planmäßig 7.u arbeiten. Zuerst standen uns zur Tiirkcnzcit die Kapitulationen im Weg, dann nach der Neuordnung der Verhäitnisse das Mandat. So war der Ertrag unserer Mühe stets «in herrenloses Gut, wir hatten kein wahres Heimatsrecht im eigenen Lande, und auf allen fremden Märkten waren wir um so mehr fremd und rechtlos. Wer rechnet mit Menschen, die nichts Vorschlägen, nichts anbieten und nichts beschließen können? Es gibt nichts, was niederdrückender und beschämender wäre, als das Gefühl, machtlos, nicht Herr im eigenen Hause zu sein. — Die Geschichte unserer Versuche auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Produktion hat meine Haare gebleicht. Immer wieder begannen wir von neuem, in Freude, Hoffnung, Hingabe und Liebe. Wir liebten die Trauben, liebten die Seide, die Mandeln, die Tomaten, den Kohl, die Rüben, die Milch, das Geflügel, die Eier und die Zitrusnflanzcn. Und jedesmal lag dann unser Ertrag als unverkäufliche Ware vor uns, als ein verachtetes Ding, und wir seihst begannen ihn langsam zu verachten und wurden in unseren eigenen Augen selbst mit ihm verächtlich. Die heilige Flamme erlosch und die Schöpferfreude verging. Ich beklage mich hier nicht darüber, daß wir niemals eine Strafgcwalt hatten. Wichtig ist, daß wir unserer Wirtschaft nie die erwünschte Richtung geben konnten, daß wir gesunde Bestrebungen nicht unterstützen konnten, daß wir nur schöne Reden führen durften. Wir redeten über das Unglück der Bodenspekulation, über den hohen Zins und über die falsche Berufsschichtung. Aber was konnten wir tun, uni solchen Erscheinungen zu begegnen, solange wir nicht Herren im eigenen Hause waren? -- Und ähnlich stand es um uns auch auf anderen Gebieten. Wir hörten früh davon, daß wir mit den Arabern zu einer Uebereinkunft kommen müßten, daß wir keine Wilden seien, daß man sie in Rechnung ziehen müßte. Wir erließen Er- Klärungen und hatten Unterredungen, aber wer beachtete das alles? wir waren nicht Herren unserer Lage, wir konnten keine politischen Entscheidungen treffen, wir hatten keine Adresse, da wir nicht für uns selbst verantwortlich waren. — So müssen wir sagen, daß die Königliche Kommission den Hauptmangel unserer Lage erkannt hat und ihm Abhilfe schaffen wollte. Die Gegner der Teilung haben diesem Punkt«: unserer Unselbständigkeit keine Beachtung geschenkt. Sie haben die Mängel im Umfang des Vorschlages betont, aber sie haben nicht erfaßt, daß die Vorteile zentraler Natur sind. Nicht die politischen Rechte sind in meinen Augen wichtig, da ich nicht für absolute Selbständigkeit, sondern für Anschluß an einen großen Staatenbund bin; wichtig ist nur das Selbstbestimmungsrecht in inneren Fragen. Lösung durch Versöhnung Im Oktoberheft der ״Asiatic Review“, London, findet sich «in Aufsatz von dem ehemaligen Palästina-Beamten Archer Cust, der seit Jahren die ״Kantonisierung“ propagiert, zur gegenwärtigen Palästina-Situation. Das Palästina-Problem, so schreibt er, ist eine Erbschaft aus dein Weltkrieg, und es sei noch keine Lösung dafür gefunden. Alle bestehenden divergierenden politischen, religiösen und wirtschaftlichen Interessen zu vereinen, sei die schwerste Herkulesaufgabe, vor die je ein Staatsmann der Welt gestellt worden sei. Der Ver* fasser stellt dann in objektiver Form die jüdische und die arabische Ansicht einander gegenüber und faßt zusammen, daß beide Teile Recht haben, aber auch jeder etwas aufgeben müsse. Beide Teile müßten erkennen, daß die Interessen Englands in dieser wichtigen Ecke des Mittelnieeres ausschlaggcbcnd seien: dies wenigstens sei Englands Belohnung für seinen ungeheuren Einsatz an Blut imd Gut, durch den erst der Zionismus wie auch der arabische Nationalismus möglich gemacht worden seien. Nach einer Darstellung der Schwierigkeiten, die sich für Juden und Araber durch die T eilung ergeben werden, sagt der Verfasser 7.11m Schluß, daß der Teilnngsplan zweifellos noch Acndemugen zulasse; aber die widerstreitenden Ansichten würden sich kaum auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen, deshalb wäre ein Geist der Mäßigung und des gegenseitigen Verstehens nötig. Auch bleibe noch die Frage offen, wie es um die Sicherheit Englands in Palästina im Falle eines Krieges zwischen dem jüdischen und dem arabischen Staat bestellt wäre. Auch sei es zweifelhaft, ob Araber und Juden bereits in der Lage seien, mit der vollen Verantwortung für ihre eigene Regierung und die Be* Ziehungen zueinander betraut zu werden. Die von der Manclatskommission vorgeschlagcnc ״Lehrzeit“ werde ein oder zwei Jahrzehnte dauern und jedenfalls eine nützliche Atempause sein, in der sich die Gemüter beruhigen, und die Planung für die Zukunft erfolgen kann. Politik der starken Hand Zu der bevorstehenden Rückkehr des High Commissio- «er Sir Arthur W auchope nach Palästina bemerkt ״Great Britain and the East“, daß in den Methoden, die während seines Urlaubs zur Anwendung gekommen sind, keine Acndcrung cintrcten werde. Niemand erkenne klarer als der High Conimissioner, daß die Versölinungspolitik Schiffbruch erlitten hat. In dem Autsatz wird dann auf die Empörung hingewiesen, die die geplante Teilung in den arabisch sprechenden Ländern Asiens‘und Afrikas hervorgerufen hat. Weder die Regierung noch die Kgl. Kommission hätten dies voraussehen können. Es sei aber eine Tatsache, mit der gerechnet werden müsse. So beginne ein neues Kapitel in der Geschichte Palästinas, dessen Ende noch nicht zu sehen sei. Die Regierung »ei zur Teilung entschlossen, keineswegs aber unbedingt in der von der Kgl. Kommission vorgeschlagenen Form. Sie ist besorgt wegen des Problems der 225 000 Araber in Galiläa, deren Verdrängung, wie der Kolonienminister schon vor der Mandatskommission erklärt habe, nicht in Aussicht genommen ist. Grundsätzlich aber habe sich die Regierung für die Teilung entschieden, wenn sie auch inzwischen Maßnahmen anwendet, die von der Kgl. Kommission als Palliativmitte 1 unter der Voraussetzung der Fortdauer des gegenwärtigen!Mandates vorgeschlagen worden sind. Vorerst aber müsse die Ordnung wiedcrhergestellt werden. Hierfür gebe es erst wenige hoffnungsvolle Anzeichen. In Syrien gebe es ein großes Reservoir neuer Anregung für die Terroristen und anderwärts reichliche Quellen der Sympathie. Zum Schluß wird betont, daß der Nachfolger Sir Arthurs einer der besten aus der Verwaltung des Empire werde sein müssen. Auch wenn die Einzelheiten des Teiiungsplanes bekannt sein werden, werde ihre Verwirkliehung äußerst« Festigkeit, Takt und Geschmeidigkeit erfordern, wenn auch diese Einzelheiten die Wut derjenigen besänftigen dürften, die jetzt gegen den Plan wettern. ״Primitive Gesellschaftsformen" Bei der Eröffnung der von der Regierung veranstalteten juristischen Kurse erklärte Gencralsiaatsanwait Fitzgerald, die Ausschreitungen der letzten Zeit seien ein Anzeichen dafür, daß ein Teil der Bevölkerung zu primitiven Gesellschaftsformen zurückkehre. Außerhalb des Rahmens der Gesetze könne nichts erreicht werden. Eine Verschwörung gegen Abdullah? Freispruch In Amman Der Araber Akram Dschauni aus Jerusalem kt von dem Gerichtshot in Amman unter dem Vorsitz von Richter Kemal Bey Yagusi von der Anklage, eine Verschwörung zur Ermordung Emir Abdullahs und der führenden Männer der Regierung angczettelt zu haben, frei gesprochen worden. Wegen Einfuhr von Bomben und Dynamit nach Transj-ordanien wurde er jedoch zu drei Monaten Gefängnis und fünf Pfund Geldstrafe verurteilt. Die fünfundzwanzig Tage Untersuchungshaft werden in die Strafe einerechnet, nach deren Verbüßung der Verurteilte nach alästina deportiert wird. Bald nach der Veröffentlichung des Berichtes der Kgl- Kommission wurde Emir Abdullah von einem gewissen Auni Schechahi verständigt, daß Verschwörer ihm nach dem Leben trachten, weil er für den Teilungsplan eintrete. Es wurden auch die Namen der Teilnehmer an der VerschwiR rung angegeben. Bei einer Haussuchung entdeckte die Polizei einen _ Korb voll Bomben und Dynamit. Akram Dschauni und Rassein Yunis el Hussein« wurden im Zusammenhang damit verhaftet. Rassein Yunis wurde bald ireigelassen, aber nach Palästina deportiert. In der Verhandlung wurde eine Erklärung Ragheb Bey Nasch aschihis verlesen, in der dieser mitteilt, es sei nicht richtig, daß er von Auni Schechabi, wie dieser es behauptet habe, von der Verschwörung in Kenntnis gesetzt worden sei. Er sei mit Schechahi niemals zusammengetroffen. Der Angeklagte wurde von Hassan Sidky BeyDajanf aus Jerusalem und den Anwälten Anabtawi und Abdul H a d i verteidigt. Sie wiesen daraut hin, daß der Besitz von Bomben und Feuerwaffen in Trans Jordanien nicht verboten sei. Gegen das Urteil soll Berufung eingelegt werden, Arabischer Friedensaufruf Jerusalem, 3. November. (Palcor.) Heute erschien bt der Zeitung ״AI Islamia“ ein Aufruf an d ie Araber, den T error zu beenden. Das Blatt führt aus, daß die Araber mehr als alle anderen den Frieden Irerbeisehnen. Bisher sei jedoch die arabische Politik eine rein negative gewesen; auf jedes Angebot, das ihnen unterbreitet worden sei, hätten sie mit Nein geantwortet, ohne jedoch selbst konkrete Gegtmvor• schlage zur Diskussion zu stellen. Die Araber wüßten, wai sie wollen, hätten nur nicht den M ut, es offen auszttsprechen« viel mehr, weil ihnen die geistig-seelische Grundlage fehlt, die sie sie leichter ertragen laßt. Starke Verbundenheit mit dem Land und den mit diesem verknüpften Zielen ist auch ökonomisch von großer Wichtigkeit. So wie sich die Sünden der Prosperity wirtschaftlich rächen, rächen sie sich auch jetzt geistig. Nimmt man dazu, daß die politischen Dinge so kompliziert sind wie noch nie, und daß es im Grunde keine Stelle gibt, die politisch-wirtschaftlich ausführliche Direktiven gibt, so wird die psychische Depression, die sich in weiten Kreisen bemerkbar macht, sehr verstündlich. Andererseits gibt es auch täglich viele Fälle, wo man Initiative, Ausdauer, Hartnäckigkeit, Verständnis für die Lage beobachten kann und eine Art halb unsichtbarer, aber um so wirksamerer Selbstdisziplin, die die in langen Jahrzehnten gelegte feste Grundlage der Siedlungsarbeit beweisen. Palästina und der Islam In einem Aufsatz ״Palästina und der Islam“ weist der Londoner ״Observer“ auf die Hintergründe und Auswirkungen der Unruhen in Palästina hin. Auch aut Indien hätten sich diese Auswirkungen bereits erstreckt. Es könne nichts Verhängnisvolleres geben als einen Zusammenschluß des Islam gegen die britische Politik in Palästina. Die Unterdrückung der Unruhen sei notwendig, aber durch Gewalt könne das Problem nicht gelöst werden. Per Mufti bleibt im Libanon Aut Anordnung des Oberkommissars de Ma־rf el sind die palästinensischen Araberiiihrer aus Beirut nach Damaskus a h g e r e i s t, nachdem die syrische Regierung de Märtel ersucht hatte, ihnen den Aufenthalt in Syrien zu gestatten. Es verlautet, daß diese Genehmigung unter der Bedingung erteilt worden sei, daß die Betreffenden sich an die für politische Flüchtlinge geltenden Bestimmungen halfen. Die einzige Ausnahme bildet der Mufti, der nch noch immer in Beirut aufhält, (Palcor.) ״Evening Standard“ berichtet aus Jerusalem, ÖaB der Mufti demnächst Beirut verlassen werde, um mit Zustim» mung der französisehen Behörden seinen ständigen Wohnsitz in der 10 Meilen nördlich von Beirut gelegenen Ortschaft Djounich zu nehmen. Die Gattin und die drei Kinder des Mufti haben sich bereits nach dem neuen Wohnort begeben. Der Berichterstatter des ״Evcning Standard“ hatte in Beirut eine Unterredung mit dem Mitglied des Obersten Arabischen Komitees Alfred Rock. Dieser erklärte, die einzige für die Araber annehmbare Lösung sei die Schaffung ,eines unab* hängigen Palästina, in dem die Juden 30 0,״ der Bevöl* k e r u n g bilden. Diese Lösung sei von arabischer Seite auch dem Völkerbund vorgeschlagen worden. Die arabische Zeitung ״A Difaa“ berichtet aus angeblich zuverlässiger Quelle, daß unter den arabischen Herrschern ein schriftlicher Meinungsaustausch über ihre endgültige Stellungnahme zur Palästinafrage im Gange sei.

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