Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1937)
- Date
- 1937-11-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 89, 9. XI. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Ams dv" f!!“' ״®rlade Die Juden in Rumänien / Zweite Folge J, R.f Wien, Anfang■ November Ziffern über den Bevölkerungsrückgang. Mitteilungen der Amtsdirektion der Kultusgemeinde geben ein ziffernmäßiges Bild des Rückganges, ln den ersten 9 Monaten 1937 stehen 736 T rauungen bloß 568 Geburten gegenüber (286 Knaben und 282 Mädchen), dagegen gab es im gleichen Zeitraum 2015 Ster befalle <1049 Männer und 996 brauen). Ein besonders tragisches Moment bildet die Tatsache, daß von den Todesfällen nicht weniger als 41,3 0״ auf Selbstmorde?uriiekzuführen sind. Das Anwachsen der Selbstmorde in der Wiener Judenschaft wiegt um so schwerer, wenn man bedenkt, daß iti der Vorkriegszeit dieser Prozentsatz. nur D! betrug. Auch im Schulbesuch der jüdischen Kinder-Volksschule erscheint der Schrumpfungsprozeß. Im l'ctzten Schuljahr besuchten insgesamt 2294 jüdische Knaben und 2437 Mädchen die Volksschule. Die erste VolkssduilUassc aber wurde bloß von 1002 Kinder« besucht gegenüber 1118 im Schuljahre 1935 36, 1182 im Schuljahr 1934 35 und 1286 im Schuljahr 1933 34. Nach den Berechnungen des Matrikcnamtcs wird bei Andauer dieses Rückganges die jüdische Volksschülcrfrequcnz der ersten Klasse in! Jahre 1940 bestenfalls 690 Schüler umfassen. Schließlich bildet auch die Austrittsbewegiing einen nicht unbeträchtlichen Faktor im Rückgang der jüdischen Bevölkerung. Auch im letzten Jahre war die Zahl der Austritte (125) mehr als doppelt so groß wie die der Eintritte (201). Enquite Uber soziale Probleme. In der Kultusgcmeinde fand unter dem Vorsitz des Obmannes der Zcntralkommission für soziale Fürsorge der Kultusgemeinde, I>r. Leo Landau, eine Enquete über Berufsausbildung und IJmschicht u n g d er jüdischen Jugend in Oesterreich statt. Es wurden eine Reihe von Spe/ialkomitees eingesetzt, die ihre Arbeit im Sinne der in der Versammlung dargelegten Richtlinien in der nächsten Zeit beginnen sollen. Präsident Staatsrat Dr, Fried mann wies in seinem Referat aut die E i n e n g 11 n g d e s j ü d ischcn Lebensraumes und insbesondere auf die große Not der jüdischen Jugend hin, deren Problem ein dreifaches sei: Schaffung von Existen/cii für die Jugend in Oesterreich, die Vorbereitung der Jugend für Palästina und schließlich eine berufliche Ausbildüng jener Menschen, die nach anderen Ländern ausvvandern wollen. Dr. Friedman» erinnerte in diesem Zusammenhänge ar! die zahlreichen Katastrophen wirtschaftlicher Art in den letzten Jahren, an den Zusammenbruch von Banken und Ver- Sicherungen, durch die die Juden in Oesterreich sehr hart betroffen wurden. Hierzu komme noch, daß die hiesigen Industrien nur wenige jüdische Beamte anstelle und durch_ die Aendernnp der <iewcrbcordnung viele Juden aus dem Wirtschaftspro/el! ausgcgliedcrt, resp. an einer Einordnung gcliindert werden. Rabbincrjubiiäum. Dieser Tage ist der Gerneinderahbiner im 21. Bezirk (Floridsdorf), Dr. Moses Rosenmann, 70 Jahre alt geworden. Der Jubilar, der an der Stätte seines berühmten Vorgängers, Dr. Bloch, seit vielen Jahren wirkt, veröffentlichte Biographien über die Rabbiner Jcllinck und Mannheimer sowie Arbeiten über arabische Philosophie und Maimonides und ist der Mitbegründer und Präsident des Vereins für Geschichte des Judentums. Besondere Verdienste hat sich Rosenmann auf karitativem Gebiete durch die Schaffung der Mittelstandsküche für jüdische Intellektuelle ״Woja“, die in einem Musterbetrieb täglich 1800 Personen beköstigt, erworben. Zum Inneren Tatbestand der Rassensebande Ein strafbares Verbrechen der Rassenschande im Sinne ‘des § 5 Abs. 2 des BISehG. ist nur bei einer vorsätzliehen, nicht auch bei einer fahrlässigen Handlung gegeben. Der Vorsatz erfordert, daß der Tater alle Tatbestandsmerkmale kennt. Es genügt aber, wenn ein bedingter Vorsatz festgestellt wird, um die Sehuldfrage bejahen zu können; d. h. es muß für einen bedingten Vorsatz als erwiesen angesehen werden, daß der Täter mit dem Vorüegcn der Tatbestandsmerkmale des Verbrechens als möglich gerechnet hat. Hiernach genügt es bei einen! jüdischen Angeklagten zur Verurteilung wegen Rassensciuimle /. B., wenn er die Denfschhliitigkeit der betreffenden Staatsangehörigen wenigstens in seinen bedingten Vorsatz aufgeiiommm hat. Hierzu hat das Reichsgericht in einer neueren Entscheidung ausgesprochen, dal« ein Jude, der in Deutschland mit einer Staatsangehörige« außerehelich verkehren v, ill, die R e c h t s ק f I i e h t h a t, sich über die Rasse, d e r sie a n g c h ö r t, gewissenhaft zu 11n■ *errichte 11. Er muß sich solche Unterlage« hierüber verschaffen, die ein ein gewissenhaften Menschen als zuverlässig und ausreichend erscheinen können. Er darf sich 2. B. nicht mit einer durch nichts belegten Erklärung eines Mädchens über seine angeblich jüdische Abstammung begnügen. Unterlaßt er es in dieser Richtung, sich die nntigen Unterlagen zu verschaffen, so handelt er nicht lediglich leichtfertig, also straflos fahrlässig, sondern es liegt der Verdacht nahe, daß er dem Verbot des Blutschutzgesetzes mit dem bedingten Vorsatz zuwiderhandelt, so daß er demgemäß verurteilt werden muß. Das Reichsgericht hebt hervor, daß der Richter bei der Beweiswürdißiing eines solchen Tatbestandes wie überhaupt die Gefahr vermeiden muß, daß ein Weg zur Umgehung des Gesetzes eröffnet wird. Entziehung des Pflichtteils Am 5. November wurde ein ״Gesetz über erbrechtliche Beschränkungen wegen gemeinschaftswidrigen Verhaltens“ erlassen, das in § 2 tolgendes bestimmt: ״Ein Erblasser deutscher Staatsangehörigkeit und deutsehen oder artverwandten Blutes kann einem Abkömmling den Pflichtteil entziehen, wenn der Abkömmling als Staatsangehöriger deutschen oder artverwandten Blutes 1. nach dein 16. September 1935 entgegen dem gesetzliehen Verbot mit einem Juden im Sinne des § 5 der ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz die Ehe eingegangen ist oder 2. ohne die erforderliche Genehmigung (§ 3 der ersten Verordnung zur Ausführung des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 13. November 1935) mit einem jüdischen Mischling die Ehe eingegangen ist.“ _ Der ehemalige Oemeinderat und Stadtrat der Stadt Wien, Edmund Melcher, ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Vor einigen Jahren wurde er durch Ernennung zum ״Bürger der Stadt Wien“ ausgezeichnet. Als Baumeister genoß Melcher, der in Wien allein ISO Bauten aufgeführt hat, internationalen Ruf. Er hat sich auch auf dem Gebiet der jüdischen Wohlfahrtspflege betätigt. Transsylvanien, Bukowina und Bessarabien Von Dr. Mayer Ebner (Vgl. den ersten Aufsatz in Nr. 83 der ״J. R.״) I. Die Juden in den drei angcscblossencn Provinzen des Reiches haben noch, wenn auch abklingend, die kulturelle Färbung jener Staaten, denen sie in der Vorkriegszeit angehört haben, während die Romanisicrung in Bildung und Sprache im allen Königreiche (Regat) als last vollendet angesehen werden kann. Erfreulich ist, daß der Zionismus Fast alle Kreise der rcichsrumänischcn Judenschaft erfaßt hat. Auch im Regat, wo die jüdische Assimilation stärker ist als in den neuen Provinzen, ist die Gebefreudigkeit der reicheren Assimilationsjuden für Palästina eine beachtenswerte Ersdieinnng. Der Zionismus ist auch die Plattform für eine allmähliche seelische Annäherung der vier Judenschaften (Regat, Transsvlvanien, Bessarabien und Bukowina). Alljährlich kommen die besten zionistischen Propagandisten in alle Teile des Landes. Ihre Reden sind nicht ohne Einfluß auf die Hebung des jüdischen Volksbewußtscins und auf die Entwicklung einer allgemein national-jüdischen Ideologie, die durch den wachsenden Antisemitismus eine unerwünschte Förderung erfährt. Gleich nach dem Anschlüsse Transsylvaniens an das rumänische Mutterland zog die Mehrheit der dortigen Judenschaft die realpolitische Konsequenz aus ihrer neuen Staatszugehörigkeit und gründete den ,,Nationalverband der Juden Transsylvaniens“, der sich sowohl zionistische als auch laiidespolitische Aufgaben setzte. Es hatte — schon gar nach der über das alte Ungarn in der Nachkriegszeit gekommenen antisemitischen Flut — keinen Sinn, ein ohnehin problematischcs ״jüdisches Magyarentum“ weiterhin zu pflegen, und es hätte jeder menschlichen Würde widersprochen, wenn die bis dahin ungarischen Juden Transsylvaniens gewissermaßen über Nacht mit fliegenden Fahnen in das Lager der ״Rumänen mosaischer Konfession" übergangen wären. ״Wir sind nicht Magyaren und wir sind nicht Rumäne״, und bleiben wir, was zu sein wir niemals aufgehört haben, bleiben wir — Juden.“ Diese Einsicht drang in fast alle Kreise des transsylvanischen Judentums. Ich sage ״fast“, weil cs immerhin noch unentwegte Assimilationsjuden gibt. Den rumänischen Staatspolitikern von Transsylvanien war naturgemäß das Bekenntnis der Juden zur jüdischen Nation willkommen, aber nur in Transsylvanien, wogegen die Rumäneu in den drei anderen Provinzen das nationale Erstarken der jüdisch-ethnischen Minderheit nicht gerne sahen, von ihnen vielmehr verlangten, daß sie sich den national-rumänischen Parteien anschließen. H. In der Bukowina und in Bessarabien gab es eigentliehe Assimilationsjuden überhaupt nicht. In der Bukowina sprachen und sprechen die Juden deutsch. Sie liebten wie in aller Welt die deutsche Kultur und lebten mit der deutschen Bevölkerung in vorbildlich friedlichem und freundschaftlichem Einvernehmen. Aber niemals haben sich die Juden in der Bukowina als der deutschen Nation zugehörig betrachtet. Denn frühzeitig war in der Bukowina der Oedanke vom nationalen Judentum erwacht, zumal auch politische Klugheit ihnen in der Vorkriegszeit dringe«d empfahl, sich in den Kampf der um die Hegemonie im Lande streitenden Rumänen und Ruthencn nicht einzumengen. im alten Oesterreich war die Bukowina jenes Kronland, in welchem ein nationales Judentum auch politisch sich am stärksten zu betätigen vermochte. Einige Jahre vor Kriegsausbruch gab es im Bukowinaer Landtag einen aus zehn Mitgliedern bestehenden Klub jüdischer Landtagsabgeordneten. Auch in den Stadtgemeinden bildeten die Juden eine geachtete natio- «alc Gruppe. Die Juden der Bukowina haben auch nach deren Art- Schlüsse an das rumänische Mutterland ihren Charakter als nationale jüdische Minderheit bewahrt, und es ist kein Zufall, daß die Bukowinaer Juden in der Regel zwei, mitunter auch drei Vertreter in das rumänische Parlament zu entsenden vermochten. Sie wurden im Wege des Wahlkartells mit rumänischcn Parteien und — wie Sdireiber dieser Zeilen — auch auf rein jüdischer Reichsliste mehrmals in die Kammer gewühlt. Czernowitz — heute Cernauti — ist das stärkste jüdische Kullurzentrum im Lande, Die Massen sprechen jiddisch und auch deutsch, und es gibt bereits etliche tausend, die sich in Schrift und Wort auch der hebräischen Sprache bedienen. Aber unverkennbar ist die wachsende Beherrschung auch der rumänischen Landessprache. Die jüdischen Schulkinder lernen die wohlklingende rumänische Sprache mit Leichtigkeit. Auch!וזו Straßcnbilde und im Straßenverkehr setzt sieh die Staatssprache immer mehr durch. Dies ist der Erfolg einer stufenweise vor sich gehenden komanisierung. III. Bessarabien war bis Kriegsende eine russische Provinz. Heute bildet es einen von keiner Seite angefochtenen Bestandteil Neurumäiiieiis, nachdem die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung aus Rumänen dem Blute nach besteht. In Bessarabien gibt es eine russisch-ukrainische, eine deutsche und eine jüdische Minorität. Die Zahl der Juden in ßcssarabien dürfte 200 000 kaum überschreiten. Ueberall ist die Zahl der luden geringer, als man g e m e i n i glieh glaubt. Dies kommt daher, daß die Juden zum allergrößten Teil in den Städten wohnen und vermöge ihrer Beschäftigung mit Handel und Gewerbe vielfach auf den 14 י m M1■ M M ä___ Man ickmM ^Chanukkak Wir bittan unior» l»*er, die benötigten Chanulckah-Qaichanka bei unteren Inserenten zu kaufen und sich hierbei auf dia in der .,JOdlictian Rundschau" gaiehenen Anzeigen zu beziehen. Wie schon immer veröffentlichen wir auch In dieiam Jahr eine Sonder-Rubrik unter dem Motto 1 Man schenkt zu Chanukkah in den Ausgaben vem 12.November bis zum 30. November 1937. Jüdische Rundschau Anzeigen •Verwaltung Berlin W1S Eisenbahnen zu treffen sind. Es gibt in Großruniänien namentlieh im westlichen Teile des Regals ganze Bezirke, wo Juden in geradezu verschwindender Minderheit leben. 111 Bessarabien sind sie mehr in den nördlichen, an die Bukowina und an die. Moldau an&chließendcn Teilen agglomeriert. Im allgemeinen sprechen die Juden von Bessarabien das Jiddisch der russisehen Vorkriegszeit. Nur in den höheren gebildeteren Schichten hört man noch russisch sprechen. Dies ist aber keine spezifisch jüdische Erscheinung. Denn in allen allgeschlossenen Provinzen spreche» sogar Rumänen der gebildeten Kreise auch im Verkehr unter sich noch ihre ehemalige Staatsspräche• — also in Transsylvanien ungarisch, in der Bukowina deutsch und in Bessarabien russisch, IV. Interessant ist, daß im Gegensatz zu den Juden des alten Königreichs, die sich dem Rumänentum stark assimiliert hatten, die Juden in Bessarabien in der zaristischen Zeit in nationaler Hinsicht sicli nicht als Russen, sondern als Juden betrachtet haben. In der Vorkriegszeit waren Rußland und Rumänien die einzigen Länder Europas ohne Judencniatizipation. In Rußland war aber der Druck auf die Juden offenbar viel stärker als in Rumänien. Dieser stärkere Druck brachte das russische Judentum frühzeitig zur Erkenntiiis von der Notwendigkeit, sich aut das Bestehen einer eigenen jüdischen Nation zu besinnen. Das Leben der Juden im Rumänien der Vorkriegszeit war immerhin leichter und trotz dem offiziellen Antisemitismus erträglicher. In der Nachkriegszeit ist manches anders geworden, aber im allgemeinen ändert sich ein Volkscharaktcr nur sehr schwer und auch nur unter außergewöhnlichen Umständen. Auf das Wachsen der judengegnerisclien Stimmung werde ich noch ln einem anderen Zusammenhänge zu sprechen kommen. Die Juden im heutigen Bessarabien betrachten sich als nationale Minderheit, sie haben bei allgemeinen Parlamentswählen in den Hauptbezirken zum überwiegenden Teile für die jüdische Reichsliste gestimmt. Zur allgemeinen Bildung gehört bei den Juden in Ressarabien auch die Kenntnis der hochentwickelten jiddischen Literatur und insbesondere auch des Hebräischen und seiner unvergänglichen Geistesschätze. In Bessarabien gibt es eine starke Tarbuthbewegung, hebräische private Volks- und Mittelschulen, die aber schwer unter der besonderen Armut der jüdischen Bevölkerung leiden. Eine Zeitlang gab es unter der Herrschaft der National-Zaranistcn (nationale Bauernpartei) auch eine staatliche Subvention der Minderheitssclnilen, auch der jüdischen. Diese Subventionen werden ebenso wie die Subventionen an die jüdischen Kultusgemcinden nicht mehr gewährt, Ich schildere die jüdischen Verhältnisse nur in großen Zügen, aber unerwähnt soll nicht bleiben, daß es in Bessarabien noch eine ziemlich beträchtliche jüdische Bauernbevölkeritng gibt, die in Zeiten von Mißernten — sie sind leider nicht selten — auf die Unterstützung der inländischen und auch ausländischen Judenschaften (fea, Joint) angewiesen sind. In Bessarabien wäre auch eine Vermehrung und Er- Weiterung jüdischer Ackerbaukolonien möglich. Die Neigung hierfür besteht bei den Juden, aber der in den letzten Jahren verschärfte rumänische Nationalismus will von einem jüdischen Bodenerwerb zu Kolonisationszwecken nichts wissen, obwohl denkende Nationalisten, die die Juden aus Handel und Industrie verdrängen möchten, eine Tendenz 4er Juden zur Bodenbearbeitung mit guten Augen ansehen müßten. V. Die Zahl der Juden im alten Königreich Ist kaum größer als eine Vierteimillion. In der Vorkriegszeit — 1907 — waren viele rumänische Juden teils nach Amerika ausgewandert und teils aus den Dörfern in die Städte gezogen, eine Erscheinung, die auch heute in den angeschlossenen Provinzen Rumäniens zu beoh,achten und auf die rechtsextremistische antisemitische Bedrohung zurückziiführcn ist. Wenn sich die 4<0י Juden auf ganz Rumänien -— Stadt und Land — gleichmäßig verteilen könnten, würde ihre Existenz weniger in die Augen fallen, und das Leben wäre erträglicher. Leider ist die Judenfrage auch eine geographische Frage, und historische Entwicklungen kann inan nur bei gutem Willen auf allen Seiten anders gestalten. Aber in diesen leidenschaftlich bewegten Zeiten ist kein Raum für eine freundliche Auseinaudersetzung und Verständigung. So wurde die stärkere Anhäufung des jüdischen Elementes in den Städten zu einem. Hauptangriffspunkte der gegen die Juden von seiten der rechtsextremen Parteien gerichteten Agitation. (Weitere Artikel folgen) IN ALLER KURZE Die Ständige Mandatskommission des Völ• kerbundes trat am 8. November zu einer Tagung zu• sammen, die voraussichtlich bis zum 27. November dauern wird. Die Kommission wird auf dieser Tagung die Jahres• berichte der Mandatsvervvaltungen einer Reihe von Ländern, darunter auch von Syrien und L i b a no n, entgegcnnchmen. Außerdem sollen mehrere Petitionen behandelt werden! die sich aut Palästina und Syrien beziehen. Zu der bevorstehende« Eröffnung der neuen polnischen Sejm-Session wird mitgeteilt, daß die Abgeordnete Frau Prystor, die Urheberin des jetzt geltenden Schlachtung«• gesetzes, gemeinsam mit anderen Abgeordneten einen Antrag aut vollständiges Verbot der Schechifa einbringen will. In Uebereinstimmung־ mit den bestehenden Statuten und den Empfehlungen des Kongreß-Anwalts sind Meir Groß- 111 a 11 n von der Exekutive seine Rechte als Mitglied des A.-C. sowie die der Präsidentenschaft im A.-C. und im Kleinen A.-C. entzogen worden, bis das Urteil des Kongreß-Ehrengerichtcs gegen ihn ergangen ist. Richter Irving Lehn! a n, ein Bruder des Staatsgouverrieurs Herbert H. Lehman, ist für weitere vierzehn Jahre zunt Mitglied des Anpellationsgcrichtshofes, des höchsten Gerichtes im Staate New York, gewählt worden. Er gehört diesem Gerichtshof seit 1924 an. Richter Aaron J. L e v y und Richter Aigernon I. Nova sind in den Obersten Gerichtshof der Stadt New York wiedergewählt worden. Für die durch die kriegerischen Ereignisse notleidend gewordenen Juden von Schanghai ist eine Hilfsaktion eingeleitet worden. An der Spitze des Hilfskomitees steht der Amerikaner Joseph Holzer, ein Bruder des Bundesrichters Harry Holzer in Los Angeles. Die früheren jüdischen Teilhaber und Leiter der Wä s ch «• fabrik A.G. Ulm schieden aus dem Betrieb aus. Die Firma ging an den neuen Inhaber Juan Neufeld über. — Die seit 70 Jahren bestehende Firma D. N e u s c 11 a e f e r N a c 11 f Likörfabrik in L u d vv i g s 11 a f e n, ging in arischen Besitz über. — Die Fa. Gebr. Hirsch, Herstellung chemisch-technischer Produkte und Oclgroßhandhmg, in Schweintuet, ist in den Besitz von Dr. Kurt Lindig, Meißen, übergegangen.