Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1937)
- Date
- 1937-11-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 89,9. XI.937 ו. JÜDISCHE RUNDSCHAÜ Seife 3 Ehrung Lord Rothschilds Di« Aktualität der Baliour - Deklaration Bei der feierlichen Uebergabe des Diploms über die Eintragung der Balf our-Dek laration in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds an Lord Rothschild hielt das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Prof. Selig Brodetsky, eine Ansprache, in der er erklärte, er sei davon überzeugt, daß die nächsten 20 Jahre eine Stärkung der Staatsgesinmmg in Israel und ein größeres Maß jüdischer Freiheit bringen würden. Im Jahre 1037, so fuhr Prof. Brodetsky fort, sei die Balfour-Deklaration nicht ein Denkmal von vor 20 Jahren, sie sei eine Wirklichkeit, die immer beiunsbleiben werde. Niemand könne wissen, wie die Geschichte sich entwickeln wird. Vielleicht würden andere Dokumente unter dem Gesichtspumkt praktischer Politik an die Stelle der Balfour-Deklaration oder des Mandates tre• ten. Aber die Balfour-Deklaration werde in der Geschichte als der wahre Ansporn zu der Entwicklung Palästinas in den letzten 20 Jahren erhalten bleiben. Der Name Rothschild werde immer mit Achtung und Liebe im Gedächtnis der Juden bewahrt bleiben. Der unter dem Pseudonym Scrutator bekannte Schriftsteiler Herbert S i d e b o - t h a m erklärte, sein wiederholt zum Ausdruck gebrachtes Vertrauen aut die Verwirklichung der Balfour-Deklaration sei nicht schwächer geworden. Der Präsident des Jüdischen Nationaltonds für Großbritan- Jiien und Irland, Prof. Samson Wright, ehrte das Andenken des. zweiten Baron Rothschild, an den die Balfour-Deklaration gerichtet worden war, und 110b die Leistungen der Familie Rothschild in 150jährigem humanitärem Wirken hervor. Captain Robert Solomon übergab das von Ussischkin unterzeichnete Diplom dem jetzigen Träger der Lordwürde, dem Neffen des Empfängers der Balfour-Deklaration. Lord Rothschild wies auf die Marksteine der Entwicklung Palästinas hin: Das Jahr 1881, in dem Baron Edmond de Rothschild seine Pionierkolonien gründete, als es erst 25 000 Juden in Palästina gab; das Jahr 1914, in dem schon 80000 Juden in Palästina lebten. 1917, das die Baliour- Deklaration brachte, und den jetzigen Zeitpunkt, in dem eine durch einzigartige Anstrengung herbeigeführte große Ent- Wicklung erreicht ist. ,Wenn die Juden in der ganzen Welt über die Interpretation des Ausdrucks ״Nationalheim“ und über die Zukunft Palästinas 20 Jahre lang in den verschiedensten Sprachen gesprochen haben und noch sprechen, so beweise gerade diese Verschiedenheit der Auffassungen Ge• sundheit und Kraft jüdischen Denkens. Zum 20. Jahrestag: der Balfour-Deklaration Aus Anlaß des 20. Jahrestages der Balfour• Deklaration veranstalten die Jewish Agency for Pa• lestine, das Präsidium des Keren Hajcssod und die Zio• nistische Vereinigung für Deutschland am Donnerstag, dem 11. November, für die Berliner Mitglieder und Freunde des Keren Hajcssod einen Teeabend. Im Mittelpunkt der Ver• anstaltung wird eine Reihe von Ansprachen zum Thema ״Der Judenstaat“ stehen. Unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Leo Baeck, dem Präsidenten der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und des Keren Hajcssod, werden das Wort ergreifen: Rechtsanwalt Benno Cohn, Geschäfts■ führender Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Herzfeld, Essen, Vorsitzender des Jüdischen Centralvereins. Dr. Alfred Hirschberg, Chefredakteur der C. V.-Zeitung, Direktor Heinrich Stahl, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Michael Traub, Geschäftsführender Vizepräsident des Keren Haiessod in Deutschland. Die Veranstaltung wird von Darbietungen des Orchesters des Jüdischen Kulturbundes Berlin unter Leitung von Kapellmeister Rudolf Schwarz umrahmt. Einer Kundgebung anläßlich des 20. Jahrestages der Balfour-Deklaration ist auch der Gemeinde-Abend gewidmet, der von der Jewish Agency und dem Präsidium des Keren Hajessod in Gemeinschaft mit dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am Sonnabend, dem 13. November, in der Synagoge Prinzregentenstraße veranstaltet wird. Bei dieser Gelegenheit werden Rabbiner Dr. Leo Baeck, Direktor Heinrich Stahl und Dr. Michael Traub das Wort ergreifen, um zu dem Thema ״Von der Balfour-Deklaration zum Judenstaat“ zu sprechen. Ferner werden Vertreter des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden sowie der Arbeitsgemeinschaft der Gemeindeverbände von Bayern, Baden und Württemberg im Namen ihrer Verbände Ansprachen halten. Auch bei dieser Kundgebung wird das Orchester des Jüdischen Kuiturbundes Berlin unter Leitung des Kapellmeisters Rudolf Schwarz mitvvirken. Konferenz des Beiräte der Jewish Agency für Deutschland Der Beirat der Jewish Agency für Deutschland ist zu seiner III. Konferenz für Sonntag, den 14. November, nach Berlin einberufen worden. Die Tagung soll der Berichterstattung über die Züricher Beratungen der Jewish Agency for Palestine und der Zionistischen Organisation sowie der Aussprache über die gegenwärtigen und zukünftigen Probleme der jüdischen Palästina-Politik gewidmet sein. Die Tagesordnung der Konferenz, die im Brüdervereinshaus, Kurfürstcnstr. 115/16, stattfindet, ist wie folgt vorgesehen: Vormittagssitzung, Beginn 10.30 Uhr pünktlich: Bericht über die 5. Tagung des Council der Jewish Agency, Dr. Leo Baeck. Auf dem Wege zur Staatlichkeit: Peelbericht und gegenwärtige Situation in Palästina, Dr. Michael Traub. Aussprache. Nachmittagssitzung, Beginn 15.45 Uhr: Kommission für Palästina-Politik; Leitung: R.-A. Benno Cohit. Kommission für Palästina-Wirtschaft; Leitung; Kurt Loewen stein. Fortsetzung der Aussprache im Plenum und Resolutionen. t Wie wir erfahren, steht eine beschränkte Anzahl von Gast karten für die Konferenz zur Verfügung, die vom Sekretariat des Keren Hajessod, Berlin W 15, Meinekestr. 10 (Tel. 919031, Apparat 61), ausgegeben werden.!IIP Nathaniel Victor Mayer de Rothschild, der dritte Lord Rothschild, der nach dem Tode seines Onkels, Walther Lionel Rothschild, die Peers• würde übernimmt. Der junge Rothschild, der erst 27 Jahre alt ist und in der letzten Zeit sein Interesse auch jüdischen Angelegenheiten zugewandt hat, gilt ais ein möglicher künftiger Führer des englisehen Judentums. Archir Wahlen im Zeichen der Judenirage Die Nationalisten in Südafrika Von unserem Berichterstatter Johannesburg, Mitte Oktober Die südafrikanische Regierung hat den 15. Juni nächsten Jahres als vorläufigen Wahltermin für die Neuwahlen zum südafrikanischen Landtag festgesetzt. Diese kommenden Wahlen beanspruchen vom jüdischen Standpunkt besonderes Interesse. Denn die jüdische Frage wird anscheinend nachstes Jahr erstmalig bei einer südafrikanischen Parlamcntswah! eine bedeutende Rolle in der Wahlagitation und im Wahl- Programm einer großen Partei spielen. Der Führer der republikanischen Burenpartei, der sogenannten ״gesäuberten Nationalisten“, Dr. Mahn, hat schon vor einiger Zeit einen Frontwechsel in seiner Haltung den Juden gegenüber eingenommen. Hatte er vor einer Reihe von Jahren noch ein Vorwort zu einem jiddischen Buch, in dem er die Verdienste der Juden um den nationalen Aufbau Südafrikas in beredten Worten pries, geschrieben, so will Sonnabend, 13. November, 2030 Uhr, GEMEINDE-ABEND in der Synagoge Prinzregentenstraße Von der Balfour - Deklaration zum Judenstaat Kundgebung aus Anlaß des 20. Jahrestages der Balfour-Deklaration Rabbiner Dr. Leo Baeck Direktor Heinrich Stahl Dr. Michael 7 raub Begrüßung3 - Ansprachen von Vertretern der Landesverbände Musikalische Umrahmung durch das Orchester des Jüdischen Kulturbundes, Berlin, unter Leitung von Kapellmeister Rudolf Schwarz Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Jewish Agency for Palestine Das Präsidium des Keren Hajessod er jetzt nichts mehr davon wissen und benutzt den Antisemitismus als politisches Werbemittel, mit dem er insbesondere auf dem flachen Lande Wahlerfolge zu erzielen hofft. Schon bei den letzten Provinzialwahlen konnten die Nationalisten in der Kap-Provinz eine Anzahl von Sitzen auf Grund ihrer antisemitischen Wahlparolen erobern, und sie hoffen auf einen starken Zuwachs an Stimmen und Sitzen bei den kommenden Pariamentswahlen, bei denen es an antisemitischer Wahlagitation nicht fehlen dürfte. Dr. Malan kommt von der Kirche her. Er war, bevor er die politische Laufbahn einschlug, Prediger der Holländisch- Reformierten Kirche (Dutcli Reformed Church) und vertritt noch heute im wesentlichen den Standpunkt ihrer nationalistisehen Sektion. In seinen politischen Reden spielt bezeichnenderweise auch neuerdings die Forderung, daß Südafrika ein ״christlicher Staat“ sein und bleiben müsse, eine große Rolle, ohne daß dieser Programmpunkt aber bisher eine nähere Erläuterung erfahren hätte. Immerhin ist die Folge dieser Forderung gewesen, daß die Malati-Partei ihre Judengegnerschaft bisher auf rein religiöser und nicht auf rassenmäßiger Grundlage aufgebaut hatte. So hat Dr. Malan vor kurzem betont, daß ״Juden, die christliche Grundsätze befolgen und sich christliche Ideale zum Ziel setzen“, Mitglieder seiner Partei werden könnten. Inzwischen ist es allerdings schon zweifelhaft geworden, ob sich der Antisemitismus der Nationalistischen Partei nur mehr aut religiöser Grundlage bewegt. Der in Johannesburg tagende Kongreß dieser Partei hat vor wenigen Tagen beschlossen, daß Juden nicht Parteimitglieder werden dürfen. Dem Beschluß ging eine Debatte voraus, in der ein Kirchenvertreter darauf hinwies, daß das Partei- Programm schon Personen, die dem christlich-nationalen Ziele der Partei nicht beistimmten, ausschließe. Somit seien Religionsjuden ohnehin nicht in der Lage, die Mitgliedschaft zu erwerben. Der Kongreß hat über die Frage ״Rasse oder Religion“ dann keinen ausdrücklichen Beschluß gefaßt, aber es scheint, daß zum mindesten die Anhänger eines rassenmäßigen Antisemitismus innerhalb der Partei Boden ge- Wonnen haben. Zweifellos gibt es aber fn der Nationalistischen Partei noch eine ganze Anzahl gemäßigter Mitglieder, die nicht mit einem prinzipiell antisemitischen Parteiprogramm einverstanden sind. Wenn auch der Typ des streng bibelgläubigen Buren, der aus religiöser Tradition den Juden achtete, im Ausstcrhen begriffen ist, so ist doch die Kirche auch heute noch eine starke, vielleicht die stärkste politische und Gewissensmacht unter der Afrikaans sprechenden Bevölkerung. Zwar haben sich auch in der Holländisch-Reforniierten Kirche antisemitische Strömungen in zunehmendem Maße gezeigt, doch ist man bisher anscheinend davor zurückgeschreckt, grundsätzlich den Antisemitismus zu sanktionieren. Man ist vielmehr aut halbem Wege stehen geblieben. So hat die Synode der HoIIändisch-Reformicrtcn Kirche, die vor einiger Zeit in Bloemfontein tagte, den bemerkenswerten Grundsatz (durch Mehrheitsbeschluß!) angenommen, daß ״die Juden nicht Gottes auserwähltes Volk“ seien. Diese Entschließung wurde aber nur mit einet knappen Mehrheit (64 gegen 61 Stimmen) gefaßt. Auf der anderen Seite sprach sich die Synode aber _ gegen antisemitische Propaganda aus, da diese das Misskmswerk der Kirche unter den Juden störe. Dieser Beschluß wurde angenommen, nachdem ein Bericht der Mission darauf, hinge* wiesen hatte, daß in den vergangenen Jahren nur drei Juden zur HoIIändisch-Reformicrtcn Kirche übergetreten seien. Freilich machen sich selbst im Bereich der Kirche wirtschaftliche Uebcrlegung c n geltend. Ein anderer Beschluß der Synode verurteilte daher zwar Religions* und Rassenverfolgung grundsätzlich, ließ jedoch eine Hinterfür für diejenigen Fälle offen, in denen solche Bewegungen ״aus wirtschaftlichen Gründen gerechtfertigt“ seien. In der Tat bilden wirtschaftliche Probleme das Rückgrat des südafrikanisch-nationalistischen Antisemitismus. Aus einem reinen Agrarland entwickelt sich die Union zunehmend zu einem Land mit mehr industrieller Wirt- Schaftsverfassung. Hand in Hand damit geht der Zug vom Lande in die Stadt. Die Bevölkerung, zunehmend urbanisiert, muß in steigendem Maße in städtischen Berufen unterkoinmen. Dabei ist selbständige Existenz natürlich nur für einen geringen Teil möglich, und die Zahl der Abhängigen ist in stetem Wachsen begriffen. Für Malan sind es die Farmerssöhne, denen er leitende Stellungen in der Wirtschaft zu schaffen hofft, um sie vor sozialem ״Abstieg“ in die Arbeiterlind Angestclltcnklasse zu bewahren. Natürlich ist es der Nationalistischen Partei nicht entgangen, (laß die Juden —י ebenso wie die Engländer, gegen die sich die nationalistische Agitation ebenfalls zum Teil richtet -- in städtischen Berufen verhältnismäßig stark vertreten sind. In einem kürzlich im ״Transvaaler", der in Johannesburg neu gegründeten nationalistischcn Zeitung, erschienenen programmatischen Artikel zur südafrikanischen ■Jiuleiifrage, wird ausgeführt, daß ״die Judenfrage erst dann verschwinden wird, Wenn der Afrikaner angemessene Kontrolle über Handel und Industrie erlangt“. Es wird hinzugefügt, daß ״angemessene“ dem Anteil an der weißen Bevölkerung entsprechende Kontrolle bedeutet, so daß der Afrikaner eine führende Rolle auf diesen Gebieten der Wirtschaft erlangen kann. Im einzelnen wird vorgeschlagcn, den zukünftigen Zuwachs auf dem Gebiete des Handels und der Industrie der! nichtjüdischen Bevölkcrtingsgruppen zu reservieren. So sollen keinerlei neue Handel slizenzen an Juden erteilt und Lizenzen, die aus außergewöhnlichen Gründen erlöschen, für Juden nicht erneuert werden, während der Uehergang eines Geschäfts vom Vater auf den Sohn aber nicht verboten werden soll. Gewaltsame Maßnahmen oder Beschrän« kungen betreffs selten erteilter Handelslizenzen werden abgelehnt, jedoch mit der bemerkenswerten Einschränkung, daß die Juden .sich die Anwendung ״rauherer Methoden“ selbst zuzuschreiben haben würden, wenn sie während der Ucbcrgangszeit ihre wirtschaftlich bevorrechtigte Stellung ״mißbrauchen“ sollten. Aehnliche Beschränkungen werden für andere Erwerbsarten und Berufe vorgeschlagen, bis das Wirtschaftliehe ״Bevölkeruugsgleichge wicht“ erreicht ist. Ein weiterer Programmpunkt ist die Gründung einer Industriebank, die Afrikanern ohne Kapital die Gründung selbständiger Existenzen ermöglichen, aber Juden grundsätzlieh keine Kredite oder Unterstützung geben soll. Schließlich fordern die Nationalisten noch die grund* sätzliche Ausschließung von Juden von der Ein* Wanderung nach Südafrika. Obwohl man annimmt, daß ihr antisemitisches Programm den Nationalisten einen nicht unbeträchtlichen Wahlerfolg eintragen wird, so sind die Sachverständigen, die mit dem politischen Rechenstift arbeiten, sich doch darüber einig, daß sie weit davon entfernt sind, die Mehrheit im Parlament zu erobern. Im gegenwärtigen Landtag befinden sich unter rund 150 Abgeordneten 19 Nationalisten. Allgemein wird angenommen, daß sie im neuen Parlament nicht mit mehr als 30 bis 35 Sitzen vertreten sein werden. Dabei spielt es auch eine Rolle, daß Südafrika kein Proportional-, sondern einiaches Mehrheitswahlrecht hat. Wahrscheinlich wird die antisemitische Wahlparole den Nationalisten zwar einen bedeutenden Stimmenzuwachs aut dem Lande verschaffen, der sich aber unter dem bestehenden Wahlsystem nicht in gleichem Maße itt einem Zuwachs an Parlamentssitzen niedcrschlagen dürfte. Dr. F. P. Information über Palästina Es bedarf keiner Begründung, daß eine zuverlässige 111formation über alle Fragen, die Palästina betreffen, gerade in unserer Zeit von dringender Notwendigkeit ist. Bei der Schwierigkeit, wirklich einwandfreie Nachrichten zu erhalten und vor allem in bezug auf die komplizierten juristischen und wirtschaftlichen Fragen auf dem laufenden zu bleiben, ist es dem Palästina-Amt Berlin zu danken, daß es sich zur Herausgäbe von Informationsblättern entschlossen hat, die alle wichtigen Probleme erörtern. Der schon seit längerem bekannte ״Juristische Informationsdienst“ ist soeben mit dem 46. Heft erschienen, das ausführliches Material über Transferfragen, Steuerbestimmungen usw, sowie verschiedene interessante Entscheidurigen palästinensischer Gerichte enthalt. — Der vom Palästina-Amt (Berlin W’15, Meinekestr. 10) heraiisgegebene ״Palästina-Wirtschaftsdienst“ ist erst jungen Datums: soeben ist Heft 2 erschienen. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis zeigt, daß dieser Informationsdienst von großer Bedeutung für weite Kreise werden wird. Industrie, Landwirtschaft, Hoch- und Tiefbau, Kredit- und Finanzwesen, Handel und Verkehr — alle Wirtschaftssparten sind vertreten und weder mit beachtlicher Gründlichkeit in ihrem gegenwärtigen Stand charakterisiert. Da ist ebenso von Fortschritten die Rede, wie Deprcssionscrschcinungen nicht beschönigt werden. Die mich« lernen Zahlen haben hier das Wort und ergeben ein ungeschminktcs Bild von der Aufbautätigkeit in Palästina mit all ihren Schwierigkeiten und Behinderungen durch äußere Faktoren wie auch mit all ihren erfreulichen Ergebnissen und Aufgaben, die es noch zu lösen gilt. Auf schmalem Raum und mit geringen Mitteln hat das Palästina-Amt Berlin (W, Düsterwald, Tel Aviv, zeichnet verantwortlich) die Aufgaben eines Instituts für Konjunkturforschung übernommen und, wie man nach der Lektüre feststellen muß, ausgezeichnet gelöst. Jeder Jude aus Deutschland, der sich in Palästina Wirtschaftlieh beschäftigen will, wird sich mit Nutzen dieser Irtformationsquelle bedienen, Die Handelskammer des Staates New York hat in ihrer letzten Sitzung das Andenken Felix M. Warburgs geehrt, ln einem Nachruf wurden seine hervorragenden menschlichen Eigenschaften und seine Erfolge im Wirtschaftsleben und im Dienste der Ocffentlichkcit hervorgehoben. Im Alter von 81 Jahren ist in New York der bekannte Ethnologe Wladimir Joche Ison gestorben.