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Jüdische Rundschau · 1937-11-09 · Heft 89 (9.11.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 89 (9.11.1937)
Date
1937-11-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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$eite 2 T JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. »9, 9. X11937 Ihren öffentlichen Brief — ״es ist keine Zeit jeW •Jftr Selbst* pttklagea, es ist höchste Zeit, ,energisch zu (handeln!« Trotz diesen Stimmen, aus denen tiefe Besorgnis um die Zwkunft des polnischen Volkes spricht, hören ■die liebert&Ue an! Juden und die Ghettofordemuigen nicht apf. In Warschau streiken in mehreren Mittelschulen die Anti* semitischen Schüler, weil ihren Forderungen nicht »«chgegeben wird, und an den Hochschulen wiederholen sich täglich .die Zusammenstöße, die auch auf die Straßen übergreifqi• Dabei hat sich gestern in Warschau wiederum der Verband der polnischen Jugend ״ausgezeichnet“. Der Widerstand der Professoren gegen das Hochschuighetto wächst immer mehr. An sämtlichen Fakultäten der Universität Warschau hat sich bereits die Mehrheit der Professorenkollegien dagegen ausgesprochen, aber die Mehrheit im (dafür maßgebenden) Senat beharrt beim fie- *cUuß des Rektors. ln Krakau ist Professor Bnjvvid, in Posen Professor Utaszyn gegen die Ghettoverordnung aufgetreten. In Lern* berg haben viele namhafte Professoren und Gelehrte eine Solidaritätskundgebung an Rektor Kulczynsjki gerichtet. Wir lesen in diesem Briet, den als erster Professor Bartel, der Premierminister Polens nach dem Umsturz im Jahre 1Q2G, unterzeichnet hat, 11. a.: ״Zur Zeit, wo die im Widerspruch mit den verpflichtenden Prinzipien der Moral und Würde stehenden Erscheinungen immer zahlreicher werden, ist die Stimme Euerer Magnifizenz, die sich nicht nur der Aparchisierung unseres Lebens vvidersetzt, sondern auch fordert, die Urheber mul die Teilnehmer an diesen Missetaten zur Verantwortung zu ziehen, ein ernster und würdiger Beitrag zur Verteidigung der immer mehr bedrohten Kultur des öffentlichen Lehens in Polen.“ Auch in Warschau ist es zu ernsten judenfeindlicheh Hochschul-Unniheii gekommen. Die Warschauer Tech- Jiischc‘ Hochschule wurde nach Zusammenstößen zwisehen N'ationaidcmokraten und Juden für unbestimmte Zeit geschlossen. Line Alxrrdmmg nationaldemokratischer Studenten hat den Professor der Philosophie an der Warsclumer Universität, Tadeusz. Kotarbincki, aufgefordert, nicht wie bisher zum Zeichen seiner Solidarität mit den jüdischen Studenten während der Vorlesungen zu stehen. Prof. Kotarbincki, der bereits in vorgerücktem Alter steht, lehnte dies ab. Er erklärte, er werde während der Vorlesungen nicht sitzen, solange die Ghettoschande an der Warschauer Universifät fortbesteht. Die große Gefahr: Mangelnde Vorbereitung Von H a ns Rose n k r a n 7, Jerusalem Es ist das Verdienst des Aufsatzes, den C. Z. Klötzel in Nummer 79 der ,,jüdischen Rundschau“ vorn 5. Oktober veröffentlicht hat, noch einmal allgemeinverständlich klargemacht zu haben, daß in absehbarer Datier die Zeit, die 1m Krieg und kürz nach dem Krieg für uns arbeitete ־— und die wir mir unzureichend 7.11 nutzen verstanden — gegen uns sein wird. Die größte Gefahr der Stunde, so weist er nach, sei das Verschleppen der Entscheidung i« eine Situation hinein, die uns ־noch ungünstiger sein könnte. Wenn man, wie Klötzel, der Meinung ist, daß wir der Entscheidung nicht ausweichen, sondern sie beschleunigen sollten, kann man seine Zustijumvirig zu der Prägnanz von Klötzels Darstellung, wie mir scheint, nicht besser?.um Ausdruck bringen als dadurch, daß man seinen Gedankengang weiterführt und die These Klötzels dahin erweitert, daß man sagt: die große Gefahr der Stunde ist Verzögerung bei der Errichtung des Judenstaats; die gleich große oder nächst große Gefahr aber ist, unvorbereitet zu sein für den Augenblick, in dem, und für den Fall, daß der Staat errichtet wird. Die Wenigsten, auch unter den sogenannten ״ja-Sagern“, machen sich klar, wie nah die Entscheidung׳ in Wirklichkeit vielleicht vor uns Steht. Sollte das Parlament einen neuen Plan, im Gegensatz 711111 Pcd-Projekt, billigen, dann würde vielleicht schon die Mai-Session des Völkerbundes iiin zu sanktioliieren haben. Wird er In Genf sanktioniert, dann wird im Sommer der außerordentliche Kongreß -- ich beneide keinen seiner präsumptiven Delegierten — sich zu entscheiden haben. — Sollte der neue Plan annehmbar sein, dann ist es zumindest möglich — auch die enragierfesten Gegner der Teilung werden es nicht leugnen —, daß der Kongreß ihn amn-hmen wird. Um! dann würde, wie Dr. Ooldmami. der ständig(‘ Vertreter der Jcwish Agency heim Vöikerbtm<|, dieser Tage in einer Konferenz mit Journalisten sagte, im Herbst nächsten Jahres die Bildung einer p r o v i s o r i s c h e n j ü d i s c 11 e 11 Regierung erfolgen. Von heute an :in ein c m Jahr! Es muß nicht sein; aber es k n 11 n sein. I 11 ei n e m J a h r! Bereifen wir uns darauf vor? Es liegt eine ungeheure Gefahr darin, daß wir u 11 v o r b e r e i t e t vor die ungewohnte Aufgabe einer ganz besonders schwierigen Staatsverwaltung und eines Staatsaufbaus gestellt sein könnten. Es bedeutet nicht, die Entscheidung des Kongresses vorwegzunehmen, wenn man über die Aufgaben spricht, die im Fall einer Akzeptierung des Tci’nngsplans vor uns stehen werden. Dadurch, daß inan sich auf einen Eventualfall vorbereitet, führt man diesen Fall nicht herbei, sondern verhindert pur, von ihm überfallen zu werden. Deshalb werden hier als skizzenhafte Beiträge zu einer möglichst produktiven Diskussion einige willkürlich herausgegriffene, vielleicht nicht einmal die schwierigsten, Fragen angeführt — unter absichtlicher Außer-Achtiassung der Etats-, Steuer- und sonstigen finanziellen Deckungsprobleme, deren bloße Aufzählung schon zuviel Raum in Anspruch nehmen würde, und unter absichtlicher Auslassung ״innerer“ Fragen, der religiösen und sozialen Strebungen, die vehement in die Gestaltung der Dinge hineinwirken werden —, Fragen, die wir schnell, sozusagen schon im Augenblick der Gründung des Staates, werden entscheiden müssen, und die man sachgemäß nicht im letzten Augenblick entscheiden kann, wenn map sie nicht vorher durchdacht und vorbereitet hat: 1. Einwan der 11 ngsgesetze: Wenn es bisher nicht fenügend Zertifikate gab, trugen wir dafür nicht die letzte 'fcrantwortung־, sondern hatten die Möglichkeit, auf die ,,böse״ Mandatsverwafrtmg mit Recht hinzuweisen, die mehr Zertu likate nicht gab. Morgen vielleicht schon werden wir selbst Einwanderungsgesetze zu machen und Einwanderer-Auswahl zu treffen haben. Kein Verantwortlicher kann daran denken, eine ungeregelte und ungeeignete Einwanderung zuzulassen, die alles überfluten und zerstören müßte, was jm Lande schon geschaffen ist. Man muß heute mit der Vorbereitung der von uns zu erlassenden Einwanderungsgesetze beginnen, man muß sich darüber klar werden, welche Kategorien von Einwan, derern wir icstsetzen, und welche Qualifikationen wir verlangen werden. Und man muß sich auf das vorbereiten, was man deq Enttäuschten innerhalb der jüdischen Massen, die es dann Frankreich greift durch ÜiedeivcllaguBg des wokkftiiffclKeiK Aufstandes Politik der staxken Hand In ftordalrlka Vom unserem Berichterstatter K., Paris, im November Es ist an dieser Stelle bereits mehrfach über die Gärung berichtet worden, die unter den Eingeborenen in Französisch- Nordafrika herrscht und über die Versuche der französisehen Regierung, dieser Unzufriedenheit durch politische und wirtschaftliche Konzessionen entgeger/.ukonunen. Diese Unruhe unter der arabische!! Bevölkerung in den nordafrikanischen Besitzungen Frankreichs hat in den letzten Monaten bereits mehrfach zu Zusammenstößen mit den Behörden geführt, die erst nach Einsatz der bewaffneten Macht niedergeschlagen werden konnten. Die Vorgänge, die jetzt an der energischen Unterdrückung der nationalistisehen Bewegung in Eranzösisch-Marokko geführt haben, geben aber sowohl an Umfang wie an Bedeutung erheblich über diese bisher lokalen Zwischenfälle hinaus und werden daher wohl eine Aenderung der bisherigen entgegenkommenden Politik Frankreichs in Nordafrika zur Folge haben. Im Gegensatz zu den zahlreichen Zusammenstößen In Algerien und Tunis sind die marokkanischen Unruhen keines- Wegs auf lokale Zwischenfälle beschränkt geblieben. Der Auffuhr erfaßte gleichzeitig fast alle wichtigen marokkanischen Zentren wie rez, Rabat, Casablanca, Port Lyautey usw, und die örtlichen Behörden erwiesen sieh der Kampfeslust der Eingeborenen gegenüber als machtlos. Der französische Hochkoromissar General N o g u e s entschloß sich daher, Truppen in großem Umfange «inzusetzen, deren von ■den 1technischen Waffen unterstützte Aktion auch eine schnelle Unterdrückung des Aufstandes ermöglichte. Ueber Fez wurde zeitweilig der Belagerungszustand verhängt und die wichtigsten strategischen Punkte der Stadt wurden von der Truppe besetzt. Die Untersuchung der französischen Behörden hat zu dem Ergebnis geführt, daß es sich diesmal nicht nur um einen Ausdruck latenter Unzufriedenheit, sondern um einen auf lange Sicht vorbereiteten Aufstand handelte, der sowohl die Beseitigung der Herrschaft Frankreichs in Marokko wie auch den Sturz des Sultans, der unter französischer Oberhoheit lebt, zum Ziel hat. General Nogues hat daher zu den energischsten Maßnahmen gegriffen. Die Führer der marokkanischen Nationalpartei wurden verhaftet und entweder zu langen Gefängnisstrafen verurteilt oder — wie 1■ B. das führende Mitglied der Nationalpartei, der Professor AJlal ef Fassi, — nach Französiscb-Westafrika verbannt. Die Organe der Nationalpartei, die seit langem eine scharfe Sprache gegen Frankreich führen, wurden verboten. Nach diesen energischen Maßnahmen ist die Ruhe io Französisch- Marokko wiederhergesteljt, doch hält unter der ruhigen Oberfläche die Agitation unter den Eingeborenen an. Der marokkanische Aufstand erhielt seine besondere Färbmig durch die Tatsache, daß diesmal nicht die lokalen Fragen, sondern vor allem die Aktion der panarabisehen Gruppen, die im engen Zusammenhang mit dem syrisch-palästinensischen Komitee in Genf stehen, fiervorfeat ln Fez wurde die Bewegung durch Rufe »Es lebe der König“ eißgeleitet, womit nicht der Sultan, sondern ein arabischer Prinz gemeint war, der nach dem Sturz der französischen Herrsehaft und des Sultan die Macht übernehmen sollte. Die engen Zusammenhänge der marokkanischen Bewegung mit der panarabischen Agitation in den anderen französischen SAutzgebieten in Nordafrika hat die französischen Behändes veranlaßt, die marokkanisch-algerische Grenze unter scharfe Bewachung zu stellen. Es ist kein Zufall, daß dieser auf lange Sicht vorbereitete Aufstand gerade in Marokko zum Ausbruch gekommen ist. Einmal ist Marokko der Teil des französischen Besitzes in Nordafrika, der zuletzt «ater die französische Herrschaft gekommen ist und dessen Befriedung erst in den letzten Monaten abgeschlossen ■war. Außerdem steht Marokko infolge der gemeinsamen Herrschaft, die Frankreich und Spanien •unter der nominellen Oberherrschaft des Sultan austioen, am ehesten den beunruhigenden Einflüssen, offen, die von dem spanischen Bürgerkrieg ausgehen. Es ist kein Zweifel, daß die Vorgänge in Marokko nicht nur ein straffes Anziehen der französischen Herrschaft in diesem Protektorat zur Folge haben werden, sondern daß sie darüber hinaus die gesamte Eingeborenen-Politik Frankreichs in Nordafrika beeinflussen werden. Die Gefahren^ die für Frankreichs Kolonialbesitz in Nordafrika durch die Eingeborenenumuhe geschaffen worden sind, sind bereits durch die Ernennung Albert Sarrauts, des vielfachen Kolonialministers, zum ״Prokonsul“ für Nordafrika unterstrichen worden. Sarraut wird die Verwaltung in Nordafrika einheitlich zusammenfassen, und er hat in seinen Erkfärungen keinen Zweifel darüber gelassen, daß er unter allen Umständen die französische Autorität aufreehterhalten will. Die französische Regierung ist zu der Ansicht gekommen, daß der bisherige Weg der politischen Konzessionen gegenüber den politischen Aspirationen der Eingeborenen vor allem die Gruppe der intransigenten Nationalisten gestärkt hat, deren offenes Ziel die Beseitigung der französischen Herrschaft ist. Wenn Frankreich auch weiter bereit ist, vor allem an der Besserang der wirtschaftlichen Lage der Eingeborenen zu arbeiten, deren Verschlechterung den Boden für die letzten Unruhen vorbereitet hat, so ist es nicht Bereit, politische Konzessionen ZU machen, die seine Machtstellung in Nordafrika gefäbrden. Die Vorgänge in Marokko und die Ernennung Sarrauts leiten daher einen Uebergang der französischen Aktion zu einer Politik der starken Hand in Nordafrika ein, von der man in Paris eine schnelle Befriedung dieser für Frankreich lebenswichtigen Gebiete erwartet. Erst wenn diese Befriedung erreicht ist, wird Frankreich erneut einen Ausbau der politischen Rechte der Eingeborenen mit dem Ziele *frier stärkeren Beteiligung der loyalen Gruppen am politischen Leben dieser Länder in Betracht ziehen. zwangsläufig geben wird, zur Verteidigung und Vertretung unseres Standpunktes zu sagen hat. ff. Wehrpflicht: Man kann die Frage, ob es eine Wehrpflicht bei uns geben wird oder nicht, nicht in den letzten vierundzwanzig Stunden überlegen, aber man wird sie in den ersten vierundzwanzig Stunden des Judenstaats entscheiden müssen. Man muß sich vorher darüber klar wdrden, ob eine Wehrpflicht, falls wir sie einführen, eine rein militärische sein muß, oder ob sie gleichzeitig eine Art von Arbeitsdienst zur Durchführung, für den Augenblick unrentabler, großer kolonisatorischer Vorbereitung*arbeiten sein kann. Man wird sich vorstellen müssen, daß die Einführung einer kombinierten Wehr- und Dienstpflicht nicht nur für die schwierige Verteidigung und für große kolonisatorische Unternehmungen nötig sein kann, sondern daß diese Wehrpflicht für bestimmte Altersgruppen auch ein Bestandteil der Einwanderimgsbedingutjgen sein könnte: um die Vereinheitlichung unseres Volkes, die bei größerer Einwanderung immer schwieriger wird, herbeizuführen, um die Zusammenfiihrung unserer Menschen, die aus so verschiedenen kulturellen 11 na zivilisatorischen Umwelten kommen, zu fördern, und — last not least — daß die Einführung der Wehrpflicht auch für Neueinwandernde die schnelle Hebraisierung der in Frage kommenden Altersgruppen garantieren würde. III. Verfassung: Es ist auch durchaus nicht verfrüht, sich darüber Gedanken zu machen, wie die Verfassung des Judenstaats beschaffen sein soll, zu prüfen, welche Bestimntungen des jüdischen Gesetzes, und in welcher Form, in diese Verfassung hineiijkommen sollen, Um in Verfassungsfragen ein Beispiel zu nennen, das besonders schneller Ent- Scheidung bedürfen wird: weiche Rolle wird verfassungsgemäß dem Staatspräsidenten eingeräumt werden? Wird es vorzugsweise eine mit Veto-Rechten ausgestattete repräsentative Funktion sein, wie die des französischen Präsidenten, oder wird, wie nach der amerikanischen Verfassung, der Präsident gleichzeitig der aktive Lester der Staatspolitik sein? IV, Beamtenschaft: Wir haben innerhalb der paiästincnsischen Verwaltung einen zu geringen Teil an der Beamtenschaft. In den meisten Ländert! der Galuth können Juden nicht Verwaltungsbeamte werden. Bilden wir diese Beamten schon aus, die wir brauchen werden? Bilden wir Offiziere mm Beispiel schon strategisch aus, ich meine: nicht nur für den Schutz einzelner Siedlungen gegen den Guerilla-Terror? — Versuchen wir schon, zukünftige Offiziere in fremde Heere als Hospitanten zu schicken, Beamte ln die Steuer- und Provinzialverwaltnngen anderer Länder? — Gibt es schon Normen für die Anforderungen, die wir an die verschiedenen Kategorien unserer Beamtenschaft in den verschiedenen Ver• waltungpweigen zu stellen haben werden? — Gibt es schon eine Schule für unsere zukünftigen Beamten? Werden sie *ehon Irgendwo ausgcbildet? — Öder soll unsere zukünftige Beamtenschaft in allen, auch den mittleren und unteren Graden, etwa eine politische statt einer fachlichen sein? — Gibt es schon Studienkommissionen für die fachliche Vorbereitung all dieser Fragen? — Und gibt es schon Geld für diese Kommissionen und Sehulen und Vorbereitungsarbeiten? Das ist nur eine kleine Auswahl im Telegrammstil aus dem großen Komplex von Fragen, die wir vielleicht schon in einem Jahr zu entscheiden haben werden, Wir müssen die Juden zwingen, sich mit den Fragen des Staates jetz{ zi! beschäftigen, picht mit den Fragen des Staates, der einmal war, und nicht mit denen eines Staates, der in absehbarer Zeit nicht sein wird, sondern mit den Erfordernissen des Staates, der morgen unser sein kann, mit staatspoütfschc« Fragen als mit den realen Lebensbedürfnissen eines Volkes in der Stunde seiner höchsten Gefahr und seiner größten Möglichkeit. GefaUenen-Gedenldefer Sn London Tausende jüdische Frontsoldaten aus ganz England versammelten sich am 7. November in London zu ihrer j&hrliehen Waffenstillstands- und Gefallenen-Ordenkfeier. Auf dem Horse Guards Paradefeld fand ein Feldgottesdienst unter der Leitung des Oberrabbiners des Britischen Reiches, Dr. I. H. Hertz, und des MHitlrober* rabbiners, Dajan M. uollop, statt. Die Abteilungen des jüdischen Kriegsleiinehmerverbandes waren mit ihren Fahnen aufnjarschiert und bildeten ein Karree. Abordnungen des Allgemeinen Englischen Kriegsteilnehmerverbandes und Vertreter der Britischen Armee wohnten der Feier bei. Die Abteftungen wurden von dem früheren Generalgouvemeur von Südafrika, Earl ot Athlone (früher Prinz Alexander von Teck) inspiziert. Nach dem Gottesdienst zogen die mehrere tausend Mann starken Abteilungen unter Vorantritt einer Kapelle der Schottischen Garde geschlossen zum Grabmal des Unbekannten Soldaten, wo von zwei Inhabern des Victoria-Kreuzes Kränze nieriergeiegt wurden. Beim Cenotaph fand nochmals «in Vorbeimarsch vor dem Earl ot Athlone statt, Kleine Nachrichtea Der auf der Tagung de* Council der Jewisl» Agency in Zürich gewählte politische Beirat ist für diese Woche nach London einberufen worden. Die Mitglieder des Beirates sollen über aktuelle politische Fragen, die Palästina berühren, informiert werden. Bei den in New York durebgeführten Wahlen ist der Rechtsanwalt Stanley M. Isgacs, Präsident der Jüdischen Erziehungsgesellschaft, zum Bezirksbürgermeister von Manh 8 11 a n gewählt worden. Isaaes, der 55 Jahre alt ist, hat zwanzig Jahre lang in der Sozialarbeit von New York und im jüdischen öffentlichen Leben eine hervorragende Rolle gespielt. Der rumänische f n dustr! eil en-Ver b and teilt mit, daß er am 1. November ein Büro zur Vermittlung von Stellen an Angestellte rumänischer Volkszugehörigkeit eröffnet hat. In der Ankündigung heißt es, der Industriellenverband habe den Grundsatz der Förderung rumänischen Personal« gutgeheißen und wolle 2u seiner Verwirklichung beitragen, Es sei notwendig, daß alle-durch Rücktritt, Pensi-onierung, Ableben usw. freiwerdenden Stellen von ru> manischen Angestellten besetzt werden. Nach einem in polnischen Zeitungen veröffentlichten Berieht über das polnische Flugwesen Ist die längste polnisehe Fluglinie und wahrscheinlich überhaupt die längste regelmäßig beflogene europäische Strecke (4329 km) die In diesem Jahre in Betrieb genommene Strecke von Helsink! über Reval, Riga, Wilna, Warschau, Lemberg, Czernowitz, Bukarest, Sofia, Saloniki, Athen, Insel Rhodos nach E y ad a in Palästina. Infolge von Mißbrauchen bei dem Verkauf von Koscherfleisch, die zu dauernder Herabsetzung der Kontingente geführt haben, hat sich das polnische Landwirtschaft*- piinisteriiim veranlaßt gesehen, den Verkauf von Koscherfleisch den jüdischen Gemeinden selbst zu übergehen. Die Gemeinden werden überall Fleischläden, in Warschau mehrere hundert, eröffnen. Verantwortlich«? Redakteur: Dr. Robert Welt ach, Bedin-CharL 0 fauch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 13, Aneeigenieiter and verantwortlieh Nr den Inhalt der Anzeigen! Hermann Finn, Berlin W IS. Otilrig Anzeigen Pielaliite 6 vom 1. April 1938. Verlag «nd Anzeigen Verwaltung; Jüdiache Randaehae, Berlin W IS, Meiaekmtr. 30. D.A. III/1937 28 604. — Druckt Siegfried Scholem, Beriio-Scböneberg.

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