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Jüdische Rundschau · 1937-11-05 · Heft 88 (5.11.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 88 (5.11.1937)
Date
1937-11-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 88, 5. XI. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 1! Aus dem Kunstleben Die neuen Verwaltungsbezirke Nach Bestätigung durch das Kolonienministerium ist nun• mehr die neue Einteilung der Verwaltung«• bezirke in Palästina im Amtsblatt bekanntgegeben worden. Palästina wird aut Grund der neuen yerordnung in vier Distrikte eingeteilt: Der erste Distrikt umfaßt Galiläa und das Gebiet von Akko; er gliedert sich in die Unterdistrikte Akko, Beisan, Nazareth, Safed und Tiberias, Hauptstadt dieses Distriktes ist Nazareth. Der zweite Distrikt umfaßt Haifa und Samaria und zerfällt in die Unterdistrikte Haifa, Dschenin, Nablus und Tulkerem. Sitz der Distriktsverwaltung ist Haifa. Der dritte Distrikt ist der von Jerusalem mit den Unterdistrikten Bethlehem, Hebron, Jericho, Jerusalem und Ramalla. Sitz der Distrikts- Verwaltung ist Jerusalem. Der vierte Distrikt ist der Süddistrikt mit den Unterdistrikten Beer Schewa, Gaza, Jaffa und Ramieh. Die Distriktsvcrwaltung befindet sich in Jaffa. Ueherschwemmungen in Süd- Palästina Wolkenbrüche haben in mehreren Teilen Südpalästinas U e b e r s c h w e in m ungc n hervorgerirfen. Unter der Witterungskatastrophe haften auch Jaffa und Tel Aviv zu leiden, allerdings in bedeutend geringerem Ausmaß als bei der großen Ücberschwcmmung iin vergangenen Jahr. Teile der an Jaffa grenzenden Vorstädte von Tel Aviv sind unter Wasser gesetzt worden, einige leichte Wohnbaracken wurden von den Fluten fortgespült, ln der Herzl-Straße mußte das Wasser durch Feuerwehr ausgepumpt werden, der Verkehr an der sonst sehr belebte« Kreuzung mit der Straße nach Tel Aviv war stillgelegt. Lebensgefahr für die Einwohner der Vorstädte besteht nicht. In der Gegend von Beer Seheba sind neun Beduinen ertrunken, an der Grenze bei der Sinai-Halbinsel fünf• zehn Beduinen mit ihrer Schafherde. Größere Ueberschvveminungen werden auch aus Transjordanien gemeldet, wo die Eisenbahnlinie Amman—Medina an drei Stellen zerstört worden ist. Gedenkfeier für Dr. Eliasberg. Im Büro des Keren Hajessod in Jerusalem fand eine Gedenkfeier für den kürzlich verstorbenen Dr. Ahron Eliasberg statt. Kurt Blumenteld hielt eine feinsinnige Gedenkrede in hebräischer Sprache, in der er die Besonderheiten der geistigen Personlichkeit des Verstorbenen und das vornehme Frauentum von Erau Dora Eliasberg verständnisvoll schilderte. Das Professoren-Kollegium der geisteswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Jerusalem hat für die nächsten zwei Jahre den Religionsphilosophen Prot. Julius Gültmann zum Dekan gewählt. Das ״American Economic Committee for Palestine“ macht uns aut merksam, daß in einem in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 12. Oktober abgedruckten Auszug aus einem Artikel des ״Haarez“, der einen Bericht des genannten Komitees verwertete, eine Reihe von Fehlern enthalten ist, die in bezug aur die in Frage kommenden Ziffern ein falsches Bild geben. Wir verweisen daher auf den in der ״J. R.“ Nr. 61 vom 3. August veröffentlichten Aufsatz, in dem der Bericht des enannteri Komitees ״Eine Untersuchung über den Stand er gemischt-landwirtschaftlichen Eigenbetriebe in Palästina im Jahre 1935“ ausführlich besprochen wurde. Es empfiehlt sich, daß Interessenten in der Frage der gemischten Land- Wirtschaft sich von dem genannten Komitee (57, Nacblat Benjamin Street, Tel Aviv, P. O. B. 52) das Original des Gesamtberichtes beschaffen. Das Kinder- und Jugenddorf Ben Schemen benötigf folgende Musikinstrumente und wäre für kostenlose Ueberlassung sehr dankbar: 1 3^-Geige, 1 ganze Geige, 1 Viola, 8 Mandolinen, 3 Mandola, 5 Guitarren, 16 Blockflöten C, 2 Blockflöten A, 2 Ziehharmonika (zweireihig C),!chinesischen Gong, 2 Tambourin, 1 Tam-Tam. Abholung erfolgt nach telephonischem Anruf: 86 55 47. The General Mortgage Bank of Palestine, Ltd. Der Board ot Direcfors der General Mortgage Bank of Palestine, Ltd., hat in seiner Sitzung vom 24. Oktober!037 beschlossen, von allen acht Serien der 6 ׳״oigen 20jährigen Pfandbriefe eine Summe von rund CP 48 000 zur Auslosung zu bringen. Diese Pfandbriefe werden zum 1. April 1938 eingelöst werden. Die Bank wird zu gegebener Zeit ein Konversionsangebot in 5 0,'oige Pfandbriefe herausbringen. Tanzwettbewerb in Tel Aviv Um den Preis der Stadtverwaltung Tel Aviv, Ende Oktober im Tel-Aviver ״Mugrabi“ find ein Wettbewerb der palästinensischen Berufstänzer statt. Obwohl nur ein Teil der hiesigen Tänzerinnen und Tanzgruppen sich zur Teilnahme gemeldet ׳ hatten (es fehlten 11. a. Gertrud Kraus, Deborah Bertonoff, Paula Padani), nahm der Ablauf des Programms fast vier Stunden in Anspruch. Für die besten original-palästinensischen Tänze waren drei Preise ausgesetzt. Die Stadt Tel Aviv stiftete als ersten Preis eine große silberne Plakette, um die alljährlich ein neuer Wettbewerb stattfinden soll. Als Solothnzerinnen traten auf: Yardena Cohen (Haifa), Else Dublon (Meschek Jagur), Danja Levin (Tel Aviv), Judith und Schoschanah Orr.- stein (Tel Aviv), Tile Rößler (Tel Aviv), Alisa Weiser-Le vi (Tel Aviv). Ferner: die jemenitische Tanzgruppe —MAGISTER KIRSCH—. Der gute llkftr MaglMsr-LlkSrfabrlk, MQnchan VII. In Berlin xu b«l*h. durch dlt I Wtlngrofihandlung Bernhard Brauer, Burgatrafi* 3 / Ru!: 5143 40 von Rina Nikova und die Gruppen von Danja L e v 1 n, den Schwestern O r n s t e i n und von Tile Rößler. Es ist unmöglich, im Rahmen dieses Berichts auf die Leistungen sämtlicher Tänzerinnen und Gruppen, oder gar aut jeden einzelnen Tanz einzugehen. Generell sei jedoch bemerkt: Hier war ein Thema gestellt: der pal ästinensische Tanz. Aber nicht jeder Tanz, der in Erez Israel — und oft in mißverstandener Anlehnung an europäische Vorbilder — arrangiert wurde, kann auf diesen Titel Anspruch erheben; selbst dann nicht, wenn man ihn nach biblischen Figuren oder Themen benennt (und von diesen Vorstellungen entwickelt, die einem leise Schauer der Ablehnung über den Rücken jagen), ln diesem Sinne stand mindestens nie Hälfte der 32 vorgeführten Tänze überhaupt nicht zur Diskussion. Trotzdem brachte der Abend einen großen Gewinn: die Bekanntschaft mit der Tänzerin Yardena Cohen, die den ersten Preis erhielt. Yardena Cohen, eine geborene Palästinenserin, studierte in Wien und Dresden insgesamt zwei Jahre an europäischen Schulen. Nach Erez Israel zurückgekehrt, holte sie sich ihre Themen iedoeh ausschließlich aus der orientalisch-jüdischen und wohl auch aus der arabischen Sphäre. Sie trat in Tel Aviv bisher niemals auf, in Haifa nur bei wenigen Gelegenhcitsveranstaltungen, Um so höher ist ihr Erfolg zu werfen, fn vier Tänzen (Hochzcitstanz, Klageweib, Dorfjunge, Wahrsagerin) beweist sie Phantasie, ein starkes Gefühl für Rhythmus, einen gut durchgebildeten Körper und eine ausgezeichnete Technik (besonders im Sprung). Vor allem aber strahlt von ihr das Fluidum aus, das den wahren Künstler vom technisch noch so geschulten Amateur unterscheidet. Sie tanzt nach alten alästinensischen Melodien; im Bühnenhintergrund, aut der rde sitzende sefardische und jemenitische Spieler begleiten sie aut Originalinstrumenten (Tontrommcl, Tamburin usw,). Den zweiten Preis gewann die jemenitische Grupne, die unter Leitung von Frau Rina Nikowa steht. Wir haben wiederholt bei den leider nur wenigen Anlässen, die sich ergaben, auf die naturhafte, ursprüngliche Begabung der Jemeniten für die Bühne hingewiesen, eine Erscheinung, die von den palästinensischen Theatern bisher leider übersehen wurde. Dieser Eindruck wird hier erneut, besonders mit zwei Volkstänzen ״An der Quelle“ und ״Debka“, bestätigt. Seit man die Gruppe zum letztenmal sah, hat sie sich auch technisch erfreulich vervollkommnet. Das Studio begleitet sich selbst mit Gesang, unterstrichen von dem kräftigen Rhythmus der Tonfrommei. Den dritten Preis empfingen die Schwestern Ornstein. Judith zeigte mit einem Tanz ״Soldat" eine starke, eindringliche Leistung, Schoschanah entwickelt in einem Volkstanz, in dem sie von ihrem Studio unterstützt wird, viel Charme. Nach langer Pause sah man bei dieseT Gelegenheit die Tänzerin Else Dublon wieder, die hier in einem Kibbuz lebt. Von ihrem Wirken in Berlin und anderen Städten Deutschlands her ist sie noch wohl in Erinnerung. Mit der Neigung zuin Chanson und einer Betonung des Mimischen ist die trüber gepflegte Linie noch sichtbar. Man wird ihre Entwicklung aufmerksam zu verfolgen haben, talls dieses Wiederauftreten eine Rückkehr zur Bühne bedeutet. Daß das Publikumsinteresse an Tanzveranstaltungen ein ganz außerordentliches ist, bewies das bis zum Schluß übervolle Parkett und die starke Beteiligung an der Abstirnmung, die vom Publikum selbst ausgeübt wurde und unter Kontrolle einer Kommission stand. Manfred Geis Tanzabend Lilli Sandberg. Für Künstler, deren Domäne mehr noch das Variete als das Kabarett ist, bedeutet es immer ein Wagnis, einen Abend allein zu bestreiten. Die junge akrobatische Tänzerin Lilli Sandherg, die kürzlich nach Erez Israel übergesiedelt ist, debütierte im Tel-Aviver ״Mograbi“ vor ausverkauftem Haus mit einem Programm von zehn Tänzen. Sie ist durch eine Naturbegabung, die sie — durch härtestes Training — vollendet im Dienst ihrer speziellen Note auszumitzcn versteht, zu akrobatischen Tanz- Leistungen befähigt, die ihr vermutlich kein Zweiter nachmachen dürfte. Die von ihr erfundenen Kostüme und die grotesken Masken, die sie in ihren Hauptnummern trägt, steigern ihre Wirkungen erstaunlich und verbergen gleichzeitig die komplizierte und überaus exakte Technik, mit der sie erzielt werden. Hervorragend die verblüffenden Nummern ״Zweimal Ich“, 1 ~ 1 : 6״ “, sowie in einigem Abstand ״Tanz eines Liebespaares“ und ״I )schungcl“. Von den maskenlosen Tänzen gelingt am besten ״Lilli mag den Haushalt nicht“. In einem Straußschcn Val/er und einer Raclmianinoff- I’reiudc wird gute Ballettschule gezeigt; aber das ,,sachliche Arbeiten‘‘ des Akrobaten verhindert hier schon das ״Ausstrahlen sinnlicher Wirkung“, das im klassischen Tanz so wesentlich ist. Für die Verwendung kleiner Requisiten sind meist sehr hübsche Einfalle vorhanden; mitunter wünscht inan sich ihre bessere Ausnutzung und wirksameres Vorbereiten einer Zwischenpointe. Alles in allem: eine überaus originelle, neuartige Erscheinung, die gewiß überall ebenso herzlich akklamicrt werden wird wie an diesem Tel-Aviver Abend. —- Rivka G Willi besorgte die Begleitung am Klavier. Die Herren W o 111 und K a h a n spielten in den Zwischenpausen Jazz au zwei Flügeln. Manfred Geis Toscanini kommt erst im Frühjahr T o s c a n i ת I hat seinen für November vorgesehenen Besuch in Palästina telegraphisch verschoben, da er es vorzieht, im März oder April zu kommen. Kammermusik in Tel Aviv Noch vor der Eröffnung der Musiksaison durch die Symphoniekonzerte des Hubcrman - Orchesters gab es bereits eine Reihe von Kammcrimisikabcnden, für deren Durchführung die beiden Tel-Aviver Vereinigungen zur Förderung der Kammermusik ״Jafia“ und der ״Kammermusikkreis“ verantwortlich zeichneten. Der ״Kammermusikkreis“ widmete einen seiner letzten Abende tschechischen Meistern, Dvorak und Smetana. Man hörte das ״I)un1ky“-Trio (Ausführende: Frau Alice Schmqekler-Heß [Klavier], B. Po• lischuk [Violine], A. Odnopossoff ]Cello]), ״Mährische Klänge“ von Dvorak (Duette für Sopran und Alt, gesungen von den Damen Lipschütz und Sc hör) und zun! Schluß Smctanas Streichquartett ״Aus meinem Leben“, zum Vortrag gebracht vom Po I i s c h u k - Q u a r t e 11. Der Abend erhielt seine besondere Note durch das überragende Spiel des erst 19jährigen Cellisten Adolfo Odnopossoff. Wie dieser junge Künstler den Ton förmlich spinnt und die Kantilenen 1'm Duinky-Trio mit einer selten gehörten Ausdrucksfälligkeit und Tonschönheit zur Wiedergabe bringt, gehörte zum stärksten Erlebnis dieses Abends. Frau Schmuckler-I leß am Flügel und der Primgeiger Polischuk sekundierten ihm, wie immer, vortrefflich. Den Schluß bildete Smetana* unsterbliches Streichquartett, Leider war Lotte H a m m e r s c 11 1 a g, die Solobratschistin des Huberman - Orchesters, krankheitshalber an der Mit- Wirkung verhindert, und Herr Borochow konnte sie trotz redlichster Bemühung nicht ersetzen. Dieses Streichquartett steht und fällt mit der Bratschenstimme. S e e w E i s n e r Grapefruchtwein in der einladenden Halle vor der Düne, in der wir dann unser salziges Fußbad süß begossen. Von der Lieblingsstadt Gottes, Jerusalem, verriet ich schon so viel in meinem Buch: ״Das Hebräerland“ und zeigte es auch auf meinen Illustrationen dem Leser. Ich könnte es nur wiederholen in Wort und Bildern, mein Gebet an die Heiligste Stadt. Von Haifa aus erreicht man in ein und einer halben Stunde: Tiberias. Die biblische Stadt hat sich nicht eine Spur verändert, nicht die unleserlichste Fußspur verstreut. Dieselben Fischer fischten am Genezarethsee wie zu Zeiten des Neuen Testaments und werfen ihre Netze aus. Auch Philippus glaubte ich unter ihnen zu erkennen. In glühcndbemalten Segelbooten sitzen nackte Araberjungen; sie necken die kleinen Fische im Wasser. Ich hätte Lust, in den buntverklärten See zu springen — aber der Araber würde einer Frau solche Frivolität nicht so leicht verzeihen. ״In Sänften“ trägt man die Frauen des Harems verschleiert zum Strand, zum Frauenstrande. In den Bibel- Zeiten zählte Tiberias zu den allerersten Badeorten des Morgenlandes. Hin eilten die Kranken des Landes, zu gesunden m den heilenden heißen Quellen. Wir steigen aufwärts vom Ufer des Genezarethsces, dem See von Tiberias; kommen an Bazaren vorbei; sie liegen im Halbkreis der Straße. Friede: ״Schalom“ wünschen uns die Händler, wir ihnen zurück: ״Schalom“. Aber gleich freundlich von Herzen kommend. Denn im Grunde, herrscht von zu Haus aus keine Feindschaft. Ich erstehe eine liebliche Glaskette; fünfmal paßt sic bequem um meinen Hals. Ihr durchsichtiges Herzchen lasse ich über meinen Handrücken hin- und hergleiten... ja, das einfache giitzerne Herz Tiberias in Miniatur, Die Händler befeuern zwar, es sei aus langersehnten Regentropfen im späten Herbst in der Regenzeit entstanden. Auf meinen ersten Bildern in der Kindheit zeichnete ich dieselben Paläste und glänzende Häuser Schwarzachat und tönte sie mit lila Stiften an den Seiten oder unter einem besonderen Bogenfenster wie von einem lila Mond beschienen. Hold spielte aie Phantasie und parallel der meinen — der Baumeister der phantastischen Stadt. ״Noch ein paar Grad heißer“, scherzt mein Begleiter neben mir, ״und wir beide sind gar, reif für den Sonnenstich.“ Auch harrt der Autoomnibus auf uns schon eine Zeitlang, und wir machen größere Schritte, aber mein Gemüt träumt w׳ie der zurückgelassene magische See. Wir fahren durch die schönste Palmenallce, die uns vor einigen Stunden ins innere von Tiberias führte, und es dauerte nicht lange und es war wieder Wüste. Jericho grüßte uns, und ich sah gerade vorher durch des Doktors Fernglas den Jordan fließen. Immer Wüste vor und hinter uns ... sanft empfand ich sie, eine Mutter. Sie wickelte einen jeden und eine jede von uns im Wagen raume in eine Kamelhaardecke. Aber ich tat nur so, als ob ich schliefe, noch einmal Nazareth zu schauen. Gegenwärtig bewunderte ich schweigend die blühenden Kolonien unserer Chaluzim. Sie erinnerten mich an die dicke Apfelsine in meiner Kleidertasche, trotzdem sie mich schon lange inkommodierte. Und ich befreite sie aus ihrem viel zu engen Verlies und trank den kleinen Jakobbrunnen w׳illkommend aus. Der jüdische Bauer ist wahrlich der Fürst im Heiligen Lande, ein Knecht Gottes. Er überläßt ihm die heilige steinige Flur. Ich schrieb an den Großbauer von Tel Joseph: Lieber Nehemia Cymbalist! (Ich kopierte den Inhalt aus meinem Notizbuch später auf einen weiten Bogen.) Verarge mir nicht mein Dir gegebenes und nicht gehaltenes Wort, Dich zu besuchen in Deiner Kolonie: Tel-Joseph. Ich bin übersättigt und erschöpft wie eine Biene, die zu viel Honig naschte aus dem Silberkelch der Königin der Nacht. Trunken bin ich, eine flatternde schwankende Geiertaube von Narden der Engelslüfte, die die Heilige Stadt umsiißen. Aber ich kehre heim zum dritten Male, zum dreißigsten Male zurück in unsere ureigenste Heimat, sie zu umspielen wie die Welle, sie möchte auch lieber heim in ihren Ozean und nicht zergehen sterbend im Sande. Ich hafte mir Nazareth ganz anders vorgestellt — ähnlich wie Bethlehem, das noch kleinere Bethlehem, das ich so oft als Kind schaufe in der Schulaula unter dem großen Tannenbäum; das heilige Städtchen aus der Spielschachte! aut dem Moos am Fuße der geschmückten Tanne. Aber nun weiß ich, die breite Freitreppe fehlte immer, die das alte verbrämte Städtchen mit dem alten verbrämten Städtchen eine sich erhebende Stufenbrücke verbindet. Darauf die ärmsten Kinderlein sitzen und aramäische Volksliedchcn singen; ihre aus Fetzen und Lumpen fabrizierten Puppen zärtlich einlullen. Nazareth ist keine kleine Stadt, auch keine zerfallene. Aut ihren Hügeln stehen guterhaltene villenartige Häuser, auch neuerrichtete Bauten, und an den Hecken der Gärten wiegen sich weiche weiße Winden. Gern wäre ich zu Fuß durch Nazareth gegangen und mein guter Begleiter tröstete mich: ״Wenn wieder Frieden herrscht.“ Ich gueke noch immer aus dem Wagenfenstcr; Nazareth längst der Wüste und ihrer säumenden Einfalt überlassend. Ich entdecke Farben, die ich noch nie gesehen, sie bekleiden die heiligen Berge. Wie selig ein Land, das diese Leuchten tragen darf. - Hebräische wissenschaftliche Literatur Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Im ״Haarcz“ teilt der hebräische Schriftsteller und Augenarzt i>r. 1). A. Friedmann interessante Erinnerungen zur Vorgeschichte der Universität und des wissenschaftlichen Schrifttums in hebräischer Sprache mit: Im Sommer 1912 traten in Moskau vier jüdische Wissenschaftler zusammen und beschlossen den Grundstein zu einer naturwissenschaftlichen, insbesondere medizinischen Literatur in hebräischer Sprache zu legen. Sie dachten an die künftigen Mediziner und Studenten der hebräischen Universitat, deren Gründung kurz vorher beschlossen worden war, und sahen den Mange! an hebräischen Lehrbüchern als ein ernstes Hindernis für die künftige Universität an. Sie gründeten daher fine Gruppe, die sie ״M a d a“ (Wissenschaft) nannten. ״Diese Gruppe war dessen sicher, daß die Eröffnung der Universität unmittelbar bevorsteht und schritt daher an die Vorbereitung der wissenschaftlichen Werkzeuge, als würden nur noch diese fehlen, um die Universität zu ermöglichen. Wenn ich heute an diese Zeit, viele Jahre vor der Balfour-Dcklaration und vor dem Weltkrieg, rtirückdenke, wundere ich mich, wie stark unser jugendlicher Glaube damals war.“ Die Mitglieder der Gruppe waren: Prof. Elieser Rosenthai, heute Vorsteher der bakteriologischen Abteilung des Zion-Krankenhauses in Brooklyn, damals Dozent für Mikrobiologie an der Universität Moskau, Prof. M i 111 z aus Riga, damals Dozent für Chirurgie in Moskau, Dr, Abraham Rosenthal, jetzt Leiter des Arsa- Erholungsheims der Arbeiterkrankenkasse in Wo/1 und Dr. F riedmann, damals Student in Moskau und beginnender hebräischer Schriftsteller. Man beschloß eine Serie von Ueber- Setzungen bekannler Lehrbücher herauszubringen, die für die ersten zwei Jahrgänge der künftigen medizinischen Fakultät bestimmt sein sollten, dazu Originalwerke der Mitglieder der Gruppe. Der Dichter und Arzt T schernichowski wurde für die Mitarbeit gewonnen, als Redakteur der Serie wurde zuerst auf Rat von Bialik Dawid Frisch mann in Aussicht genommen, und als dieser ablchnte, der Dichter Dr. J. L. Katzeneison (ßuki ben Jogli) in Petersburg. Dieser war ein Anhänger des klassischen hebräischen Stils, und es gab zwischen ihm und den jüngeren Mitarbeitern wegen des ״modernen“ Hebräisch, das sie schrieben, Schwierigkeiten. Die Arbeit ging aber gut vorwärts, ein Lehrbuch der Anatomie, der Chemie und ■der Physiologie wurden übersetzt. Der Weltkrieg machte dein ganzen Plan ein Ende, die Mitarbeiter wurden zum größten Teile als Aerzte eingezogen, und die Handschriften der Uebersetzungcn gingen verloren. (Schluß des Palästinateils>

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